Die Verzauberung der Welt

Im beginnenden 20. Jh. machte sich unter den Philosophen und Kulturwissenschaftlern eine gewisse Depression breit: „entzaubert“ sei die Welt durch die Erklärungen der berechenden Naturwissenschaft, beklagte Max Weber und Adorno wittert einen Verlust der Schönheit. Das vorliegenden Buch zeigt zahlreiche Fragen, die diese vermeintlichen „Erklärungen“ aufwerfen und verzaubert die Welt damit aufs Neue für die gegenwärtige und künftige Forschung.

verzauberungTitel_webInsofern ist es ein sehr schönes Buch, durchaus lesenswert: Mit grandioser Sachkenntnis seiner drei Studienfächer (Mathematik, Physik, Biologie) schildert der 67jährige Autor in großväterlichem Anekdotenstil das Bild der Welt, das sich dem modernen Wissenschaftler nach den Jahrzehnte der Forschung darbietet. Er erklärt vortrefflich, was die Schulweisheit auf die Fragen kindlicher Neugier antwortet und wie Welt berechenbarer macht. Raffiniert dabei ist aber, dass er mit jeder Schulbuchweisheit (Modell) auch deren Schwächen aufzeigt. So erzählt er gleich am Anfang seines Buch von der Begeisterung, die Menschen typischerweise bei Lichtspielen, Wolken und Strahlen, Sonnenuntergängen und Regenbögen empfinden und dass dies alles versteckt werde unter den schwarzen Linien, mit denen Pädagogen den Strahlengang in einem Prisma oder Instrument „erklären“, d.h. klar darzustellen suchen. Das Modell in der Strahlenoptik abstrahiert von der Farbe und Helligkeit des Lichts, ebenso wie die Massepunkte der Newton-Gravitation von der Ausdehnung von Sternen und Planeten abstrahieren. Ein Modell drückt eben nur gewisse Eigenschaften des zu Erklärenden aus und verzichtet dabei auf viele andere, die es in der Gesamterscheinung „schön“ machen. Was wir schön finden, ist eben das bunte am Regenbogen und nicht bloß seine Geometrie, die man durch Strahlengang in der Regentropfen-Schar zu „verstehen“ glaubt.

Der Autor bloggt bei ScienceBlog.de und gilt als vortrefflicher Publizist. In der Tat beschert auch sein neues Büchlein eine heitere Stunde über die freien Tage, denn man lernt etwas und fühlt sich gleichzeitig gut unterhalten. Während die meisten Forscher nach der Pensionierung ein Buch schreiben, das „alles erklärt“ und mit dem alles verstanden und gesagt wird, versteht es Fischer, stets die Lücken der vermeintlichen Erklärung aufzuzeigen und damit Mut zu neuer Forschung und eigenen Ideen und Fragen zu machen. Aber einige konstruktive Kritik habe ich vor allem am Selbstverständnis des Buches, das im Untertitel zum Ausdruck gebracht wird.

 Ernst Peter Fischer: Die Verzauberung der Welt – Eine andere Geschichte der Naturwissenschaften, Siedler-Verlag 2014

(amazon)

Jedes der neun Kapitel des hier besprochenen Buches ist in zwei Teile gegliedert, von denen der erste die Welt „erklärt“ und der zweite – so genannte „Exkurs“ – eine Flut von Fragen aufzeigt, die offenbleiben. So viel wir auch vom Menschen verstehen, seitdem unsere Ahnen den Blutkreislauf entschlüsselt haben und Reize mit elektrischen Signalen erklärt haben, so entzieht sich doch (angeblich) die Existenz von Schamhaaren beim Menschen jeglicher Erklärung – ebenso wie das Erröten (S. 79) als verräterisches Zeichen von Verliebtheit und warum es dennoch von Mitmenschen als attraktiv empfunden wird (weil man Menschen, deren Körper sie verrät vertrauen kann?). Es ist ein Wechsel von Frage und Antwort und ein permanentes Widerlegen der vermeintlichen Entzauberung, denn:

„… so wenig wir dem Sonnenuntergang das Romantische absprechen, nur weil Kopernikus behauptet hat, dass sich die Erde dreht [1], so wenig verweigern wir dem Rot die Wärme, die wir doch spüren – etwa wenn wir aus Verlegenheit erröten oder wenn auf unserer Haut eine Wunde heilt.“ (S. 124)

Die Kapitel der „Verzauberung der Welt“ tragen vielsagende Überschriften wie „Staunen im Alltag“, „Freiheit mit Gesetzen“, „Die romantische Dimension“, „Wissenschaft als Poesie“ und im Nachwort „Mut zu allen Möglichkeiten“. So blumig wie die Header sind auch die Texte, denn der Autor berichtet von Anekdoten aus seinem Leben und dem Leben von großen Wissenschaftlern vor ihm. Einmal verschriftlicht er seine Antworten auf Kinderfragen bei einem Besuch im Kindergarten seines Enkels und einmal zitiert er den durch die Geschichte widerlegten Rat an den jungen Max Planck, dass es sich nicht lohne Physiker zu werden, da in dieser Wissenschaft alles verstanden sei bzw. andersrum gesagt ein bis zwei Jahrzehnte später laut Harnack die großen Philosophen am Anfang des 20. Jh. nicht in der Phil. Fakultät lehrten, sondern in der Fakultät für Physik. Durch diese Ausschmückungen liest sich das Büchlein schnell durch, zumal es keine Fußnoten gibt und also auch eine recht unkonventionelle (nur mündlich übliche) Angabe von Quellen seiner Zitate. Dafür gibt es an jedem Kapitel einen einleitenden Sinnspruch, über den man lange diskutieren könnte und der aber nirgends aufgegriffen wird:

„Echte Probleme haben keine Lösung, sondern eine Geschichte.“ soll jemand namens Nicolaus Gómez Dávila [wer?] gesagt oder geschrieben haben.(2) Obschon in diesem Satz ein Körnchen Weisheit stecken mag, so ist es doch erstens falsch, dass echte Probleme keine Lösung haben (3) und eben nur dass sie, weil sie eben „echt“, d.h. vielleicht größer als andere Probleme sind, eine Geschichte haben.

Das ist ganz üblich in den Naturwissenschaften, die zwischen aller sachlichen und inhaltlichen Stärke den Geist ein wenig zu entspannen suchen. Aber ist es deshalb gerechtfertigt, im Untertitel des Buches von „einer anderen Geschichte der Naturwissenschaft“ zu sprechen? 

Geschichten werden hier haufenweise erzählt! Das ist unumstritten. Aber es sind Anekdoten aus dem Leben vom Autor und anderen und ihre Historizität und historische Relevanz mithin überaus fraglich. Es sind „Geschichten über Naturwissenschaft(ler)“ – aber deshalb doch noch lange nicht „Geschichtsschreibung“ oder Ergebnisse von „Geschichtsforschung“. Historiker lernen zumindest bereits im 1. Semester, dass man so etwas nicht ernsthaft als Wissenschaftsgeschichte bezeichnen sollte!

Im Deutschen wird nun einmal nicht zwischen Geschichte (story) und Geschichte (history) unterschieden. Man kann es beweinen oder damit leben, wie man will (ich bevorzuge letzteres). Was ich aber wirklich zum Heulen finde, ist, dass selbst renommierte Autoren wie dieser Blogger-Kollege, der sich in seinem Buch sogar fragt, ob man in der deutschen Shakespeare-Übersetzung der Hamlet von „Himmel“ sprechen darf, wenn im englischen „heaven“ steht und nicht „sky“ (S. 118), nicht sicher dazwischen unterscheiden. Gerade in der allgemeinen Sprache der Publizistik, wo der fachliche Kontext fehlt, ist das doch wichtig: Wenn ich unter meinen Historiker-Kollegen von „Geschichte“ spreche, dann bin ich sicher, dass alle wissen, was ich meine – aber wenn ich es meiner besten Freundin erzähle oder einer Kollegin aus der Physikdidaktik, dann wird diese mit 50% Wahrscheinlichkeit die anderen (nicht gemeinte) Bedeutung des Wortes verstehen. Ich finde, wir Historiker und Publizisten sollten uns sehr viel mehr Mühe geben mit der Wortwahl und Wortspiele (ich selbst neige auch dazu) vorzugsweise als solche kennzeichnen.

TraumIstWegZuSternen_KarteAndernfalls ist es ja kein Wunder, wenn die Geschichte der Naturwissenschaft – eigentlich ein wunderbar interdisziplinäres Fach, das man nur dann gut bearbeiten kann, wenn man beides von der Pieke auf studiert hat, die Historie und die Naturwissenschaft – immer nur als Beschäftigung von Pensionären abgestempelt wird und ein Lehrstuhl nach dem anderen abgeschafft wird.

Das Faszinierende an diesem Fach ist, wie ich finde, dass man eben wirklich beides braucht: Diejenigen, die nur Naturwissenschaft studiert haben, sind vielleicht bessere Museumspädagogen, wenn sie noch ein wenig Sekundärliteratur über die Historie und Anekdoten der Akteure ihres Faches gelesen haben. Und diejenigen, die nur Geschichtswissenschaften (typischerweise in Kombi mit Philosophie oder einer alten Sprache) studiert haben, lesen zwar oft fließend die alten Texte und interpretieren sie ganz hervorragend – aber ihnen fehlt halt die Vielfalt der naturwissenschaftlichen Denkstile und Auswertung alter Daten mit modernen Arbeitsmethoden, die man in einem naturwissenschaftlichen Studium lernt. darum kann die Hochzeit dieser beiden Fakultäten im Genre der Naturwissenschaftsgeschichte so viel mehr gebähren als eine bloße Anekdotenparade … wenn man sie denn gründlich und interdisziplinär (d.h. in Zusammenarbeit verschiedener Fachleute oder durch ein anstrengendes Doppelstudium) betriebe.

Das gelingt dem vorliegenden Büchlein leider nur schwach.

Nichtsdestotrotz führt es mit Geschichten auf unterhaltsame Weise zu einem verzauberten Verständnis der Welt und kann sicher mit seinem umfassenden erklärenden und fragenden Stil zu neuen Forschungen inspirieren.


Anmerkungen

1) Die Behauptung des Autors ist hier im Detail irreführend oder falsch. Das ändert zwar nichts an seinem Argument, aber man sollte es richtigstellend anmerken: Kopernikus hat ein Weltbild vertreten, in dem sich die Erde um die Sonne bewegt. Er war damit weder der erste (seine Theorien schließen, wie er selbst im Commentariolus schreibt, an Aristarch an) noch konnte er beweisen, dass dies gilt und auch nicht, dass die Erde sich dreht. Sie müsste das in diesem Bild, denn eine nichtrotierende Erde würde binnen eines Jahres nur eine Nacht erleben und nicht 365 (deswegen geht auch diese Erkenntnis bereits auf die Antike, namentlich wohl Herakleides, zurück), aber der Nachweis wurde erst am 3. Januar 1851 mit dem Foucault-Pendel erbracht – d.h. erst ca. 308 Jahre nach dem Tod des Kopernikus und *nachdem* Kepler und Newton die Planetenbewegung heliozentrisch mit Ellipsen und diese durch ein Gravitationsgesetz beschrieben hatten.

Derartige Detailfehler sind übrigens absolut üblich in Philosophiebüchern, aber da sie dem Argument nicht weh tun, kritisiert man das meistens nicht. Schlimm ist dies nur, wenn das Büchlein ernsthaft unter „Naturwissenschaftsgeschichte“ läuft. In Publizistik und Populärdidaktik ist es trotzdem ein Prachtstück.

2) Ich habe nachgeschlagen, wer das war (siehe Link): Dem Autor scheint es in den einleitenden Sinnsprüchen seiner Kapitel ja aber nur um einen a-logischen, so genannten „Beweis durch Autorität“ zu gehen: Er selbst ist dieser Meinung und weil er sich nicht traut, das zu sagen, bedient er sich des Hinweises auf einen anderen Menschen – egal, wer das ist. Hauptsache, es steht ein anderer Name da als der eigene. So etwas würde kein anständiger Historiker oder sonstiger Wissenschaftler tun!

3) Sehen Sie, ich kann das einfach behaupten, Sie können widersprechen und wir werden uns nie einigen können, weil niemand genau weiß, was denn ein „echtes“ von einem „unechten“ Problem unterscheidet.


Gimmick

Obwohl gut erklärbar und (zehn)tausende Male gesehen, immer wieder schön, immer wieder ein Erlebnis:

sonnenauf-untergangDez2014_s

Susanne M. Hoffmann

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" [abgewandelt: John Miles, http://www.youtube.com/watch?v=egwARrX1ik8 ] Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte und anschl. Medienwissenschaften, Physikdidaktik & Philosophische Anthropologie als Promotionsstudium. Sie ist seit 1998 freiberuflich als Astronomin und zeitweise auch als Dozentin für Physik tätig. Derzeit erforscht sie die Wurzeln der abendländischen Astronomie. Aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Frühere Arbeitsschwerpunkte waren * in Astrophysik: Stellarphysik; Mikrogravitationslinsen & Exoplaneten (1. Diplomarbeit); * in Technik- und Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (2. Diplomarbeit). * in Astronomie- und Physikdidaktik: Aufbau und Entwicklung einer überregionalen außerschulischen naturwissenschaftlichen Jugendarbeit in Deutschland und im Rahmen des internationalen Jugendaustausches [Mitbegründerin des Astronom. Sommerlagers (ASL), VdS-Jugendreferentin, Initiatorin und Gründerin der VEGA e.V., Begründerin der Berliner SpaceCamps, Gründerin von Astronomie+Raumfahrt-Austauschprogrammen mit Russland und Kasachstan, Zusammenstellung von Lehreinheiten online auf www.exopla.net , historische Methoden zur Vermessung der Welt nachvollziehbar auf Schulniveau] und gleichzeitig in Philosophie/ Medienwissenschaft: Lingua sine Limitibus - Sprachen der Populärdidaktik und transkulturelle Kommunikation (bildliche Sprachen und Visualisierungen, Astronomiekarawanen in Mauretanien, Hotelsternwarte in Portugal). * während Abitur und 2x Doppelstudium finanzierte sie sich als Freiberuflerin [siehe www.urania-uhura.de] durch Popularisierung der Wissenschaften in vielen Medien. In Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter erhielt sie 2006 einen Tourismuspreis. Aktuell erforscht sie durch Analyse von Gestirnlisten in Keilschrift und Altgriechisch durch computergestützte Datenanalyse die Zusammenhänge der babylonischen mathematischen Astronomie mit der hellenistischen Astronomie.

24 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Autor bloggt bei ScienceBlog.de (…)

    Es ist in der Tat lohnenswert dort beizeiten mal reinzulesen, Herr Fischer steht aus Sicht des Schreibers dieser Zeilen für originäres Denkertum, betreibt dort ein kleines Feuilleton und weiß gelegentlich zuzuspitzen.

  2. 2001 war das Buch von E. P. Fischer ein sehr gutes „Fragezeichen“, ob denn zur Bildung nur die sog. Geisteswissenschaften gehören; wobei mir ein Germanist „versichert“ hat, Schwanitz´ „Bildung“ wäre eine Satire auf unsere Einbildung gewesen, ähnlich wie „Der Ring“ von Heinrich Wittenwiler. Ich habe „sie“ danach nocheinmal angeschaut und mit dieser „Brille“ fand ich das Buch viel besser. Ende des 20. Jahrhundert schien es vielleicht so als ob die Naturwissenschaft „verlangweilt“ (entzaubert) war – genauso aber wie die „eingelullten“ Sozialwissenschaften. (Heute sehen wir viele Phänomene in Wirtschaft und Politik, die in den 90ern kein Thema waren. Zum Beispiel habe ich erlebt, wie noch 1997 Japan als ökonomisches Vorbild gepriesen wurde.) Heute dagegen fehlt vielen die Orientierung – auch in den Naturwissenschaften – und Herr Fischer gibt diese nicht, sondern „erzählt altbackene Geschichten (z.B. ist es doch „heute“ interessant, daß schon Kopernikus und Kepler zielführende Ideen zur Gravitation hatten und Newton sie „nur“ zu Ende gedacht und in Formeln gepackt hat), die schon jedes Kind kennt“ – positiv formuliert zur Verzauberung – negativ formuliert zur Desorientierung. Sicherlich übertrieben (zur Kennzeichnung des Wesentlichen) – und trotzdem lesenswert – um sich im kritischen Denken zu üben und weiter Ausschau zu halten.

    • Herr Dr. Fischer tritt gelegentlich -und um einmal das Fachwort zu nennen- fasanenartig [1] auf, um einmal das Fachwort zu nennen.
      Nichtsdestotrotz muss dies nicht verkehrt sein, sich von der Menge bisweilen abzugrenzen, der Schreiber dieser Zeilen tut dies gelegentlich auch, wie auch der hiesige Inhaltegeber; muss also nicht schlecht sein…

      Ansonsten, die Islamisierung betreffend, schauen einige nicht hin, gerade auch Ältere nicht hin, , wie eben auch alte „Tapeten“ beschaffen sind.
      Die kommt aber.

      MFG
      Dr. W

      • Ich kann mich ja nicht beschweren, wenn ich die Antwort nicht so recht verstehe; war doch auch mein Text wegen der gewollten Kürze nicht sehr eindeutig geworden. Dies z.B. : „… ist es doch ´heute´ interessant, daß schon Kopernikus und Kepler zielführende Ideen zur Gravitation hatten und Newton sie ´nur´ zu Ende gedacht und in Formeln gepackt hat…“ klingt als ob ich diese Variante langweilig finde. Dabei fehlt mir diese. Habe bei Wikipedia nochmal geschaut und festgestellt, daß in der engl. Version von „Gravitation“ scheinbar Newton „als erster im Abendland den Mond gesehen hätte.“ Ansonsten: Danke für den Link: http://scienceblogs.de/wissenschaftsfeuilleton/ Die von Esso hatten schon recht und Prof. Dr. Ernst-Peter Fischer tut wenigstens was. „Fasanenartig“ ein Fachwort? In welchem Fach? Ornithologie? Guten Rutsch

  3. Herr Fischer macht Geschichten und beschert Vergnügen – für 1 Stunde scheinbar: „In der Tat beschert auch sein neues Büchlein eine heitere Stunde über die freien Tage. Immerhin hat diese heitere Stunde und vielleicht eine weitere weniger heitere Stunde dafür gereicht eine mehr oder weniger fundierte Rezension darüber zu schreiben – eine weitere heitere Stunde oder vielleicht nur Viertelstunde.

    • Herr Fischer macht Geschichten und beschert Vergnügen – für 1 Stunde scheinbar: „In der Tat beschert auch sein neues Büchlein eine heitere Stunde über die freien Tage. Immerhin hat diese heitere Stunde und vielleicht eine weitere weniger heitere Stunde des Lesens dafür gereicht eine mehr oder weniger fundierte Rezension darüber zu schreiben – eine weitere heitere Stunde oder vielleicht nur Viertelstunde.

  4. „Die Verzauberung der Welt“ (das Buch) ist also letztendlich fauler Zauber wie folgende Negativliste zeigt:
    – “ schildert der 67jährige Autor in großväterlichem Anekdotenstil das Bild der Welt“
    – „Dafür gibt es an jedem Kapitel einen einleitenden Sinnspruch, über den man lange diskutieren könnte und der aber nirgends aufgegriffen wird. “
    – „So blumig wie die Header sind auch die Texte, denn der Autor berichtet von Anekdoten aus seinem Leben und dem Leben von großen Wissenschaftlern vor ihm.
    – Historiker lernen zumindest bereits im 1. Semester, dass man so etwas nicht ernsthaft als Wissenschaftsgeschichte bezeichnen sollte!“
    – so viel mehr gebähren als eine bloße Anekdotenparade … wenn man sie denn gründlich und interdisziplinär (d.h. in Zusammenarbeit verschiedener Fachleute oder durch ein anstrengendes Doppelstudium) betriebe. Das gelingt dem vorliegenden Büchlein leider nur schwach.

    Dennoch empfiehlt Susanne M. Hoffmann das Werk. Mit folgenden Worten nämlich

    Insofern ist es ein sehr schönes Buch, durchaus lesenswert: Mit grandioser Sachkenntnis seiner drei Studienfächer (Mathematik, Physik, Biologie) schildert der 67jährige Autor in großväterlichem Anekdotenstil das Bild der Welt

    • Was will uns die Autorin mit dieser Rezension sagen?

      Das bleibt mir unklar, nachdem ich über die selben Passagen wie Herr Holzherr gestolpert bin. Lese ich nun das Buch? Eher nicht – denn das gleiche Gefühl von „was will mir der Autor sagen“ hatte ich etliche Male beim Lesen des verlinkten Blogs des Herrn Fischer.

      • Das Buch habe ich auch gelesen und finde es toll. Es verzaubert uns Leserinnen und Leser. Denn die Wissenschaft ist geheimnisvoll und voller Zauber und Wunder, die hinter jeder Ecke auf uns lauern. Das Geheimnisvolle gilt es zu erkennen und das müssen wir uns bewahren.

  5. Auf Perlentaucher.de finden sich folgende Rezensionsverweise zu Fischers „Verzauberung“:
    Frankfurter Rundschau: „Wäre da nicht dieser verbitterte Dünkel spürbar in diesem neunteiligen Buch auf jeder Seite, hätte Dirk Pilz Freude gehabt und noch öfter einstimmen können in die Meinung des Autors, des Wissenschaftshistorikers Ernst Peter Fischer. „
    Süddeutsche Zeitung: „Mit gemischten Gefühlen bespricht Rezensent Burkhard Müller Ernst Peter Fischers neues Buch „Die Verzauberung der Welt“
    FAZ: „Naturwissenschaft als ästhetisches Vergnügen? Möchte der Autor gerne, und Rezensent Joachim Müller-Jung hört ihm gerne zu, wenn er die naturwissenschaftliche Bildung preist.“

    Die Leseprobe (Vorwort (Seiten 9 bis 20) und die erste Hälfte von Kapitel 1) sollte man sich vielleicht schon antun bevor man das Buch käuflich erwirbt (ist doch herrlich verschroben: „käuflich erwirbt“).

  6. „schildert der 67jährige Autor in großväterlichem Anekdotenstil „ Aha, 67-jährig erklärt wohl den grossväterlichen Anekdotenstil! (mit Hoffmann-Ausrufezeichen)

    Es stimmt schon, dass Personen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geboren wurden, häufiger antiquiert schreiben. Die Regel ist es aber nicht. Das Alter erklärt den Stil also nicht unbedingt.

    • @Martin Holzherr

      »Es stimmt schon, dass Personen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geboren wurden, häufiger antiquiert schreiben.«

      „In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, also wirklich, Herr Holzherr, Ernst Peter Fischer ist gerade mal ein Jahr älter als Joseph Martin (Joschka) Fischer…

    • nein „67jährig“ erklärt, dass er tatsächlich Großvater IST, wie man im Buch daraus lernt, dass er in den Kindergarten seines Enkels eingeladen wurde – übrigens eine völlig überflüssige Information für eine „Naturwissenschaftsgeschichte“. Daher eben: gut für Leute, die Anekdoten lesen wollen, aber schlecht im Sinn der Wissenschaftsgeschichte.

  7. Die Zahl der Geheimnisse nimmt offensichtlich tatsächlich ständig zu! Der Sinn dieses Artikels bleibt nämlich auch eine liest man als Kommentar zu einem Blogeintrag in der Rubrik Wissenschaftsfeuillteton von Ernst Peter Fischer. Wenn man einige seiner Blogeinträge liest könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, Ernst Peter Fischer diktiere seine Ideen in ein Mikrophon und kümmere sich danach nicht mehr darum. Das erhöht sicher die Produktivität und befreit einen Autoren von der Fokussierung auf das Publikum.

    • @ Herr Holzherr :

      Wenn man einige seiner Blogeinträge liest könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, Ernst Peter Fischer diktiere seine Ideen in ein Mikrophon und kümmere sich danach nicht mehr darum.

      Das war weiter oben etwas flapsig als ‚fasanenartig‘ beschrieben.
      Dem Schreiber dieser Zeilen sind über die Jahre zwei Reaktionen Ernst Peter Fischers bekannt geworden: Einmal hat er auf einen, nunja, Anwurf von Jörg Rings freundlich reagiert, und einmal freundlich auf den Wunsch eines Lesers [1] nach pers. Kennenlernen.

      Es handelt sich hier also um untypisches Verhalten im Rahmen des Betriebs eines WebLogs, was aber nicht als sittlich wertend verstanden werden soll, gar als im Negativen.

      MFG
      Dr. W

      [1] jemand, der sich Roel nannte, womöglich ein Holländer, hat mal dbzgl. angefragt

    • PS:
      Ihrem Kommentorenfreund, Herr Holzherr oder „Herr Holzherr“, sofern Sie tatsächlich so heißen und nicht etwa missbräuchlich, wie der Schreiber dieser Zeilen dann finden würde, ein Synonym gebrauchen, das nicht als solches allgemein erkennbar ist, fällt mittlerweile schon auf, dass Sie ein wenig negativ über die rezensierte Publikation zu berichten wissen, persistent und fortdauernd, vielleicht tröstet es Sie aber, dass andere durchaus persönlichen Gewinn aus jener webblogartig verbreiteten feuil­le­to­nis­tischen Nachricht ziehen konnten.
      Dass insgesamt jene Nachrichtenlage angenommen werden konnte, immer auch mit einer gewissen Vorsicht natürlich und sich des zweifelsfrei gegebenen Humors Ernst Peter Fisches bewusst, mehr oder weniger.

      MFG
      Dr. W

  8. Was will uns der Autor damit sagen? Fischer will – und sagt – in diesem Buch, was er immer sagt und vertritt: dass die Naturwissenschaft nicht so rational funktioniert, wie diese gern behauptet; dass in ihr die gleichen (menschlich, allzu-menschlichen) Kräfte am Werk sind wie in der Kunst, Literatur usw.; dass sie damit also Teil der Kulturgeschichte ist. Da ist Anekdotisches durchaus ein probates Mittel. Manchmal geht er darin aber zu weit – zB wenn er den Konstruktivismus extremistisch interpretiert (so legt er in seiner Bohr-Biografie nahe, dass die Newton’sche Gravitation ein Geistes- bzw. Kulturprodukt ist). Im gleichen Buch benutzt er als Beleg für seine Überzeugungen die ja nun wirklich sehr auffallende Koinzidenz zwischen Entwicklungen der Kunst (etwa Kubismus) und der Physik (frühe Quantentheorie). Er sieht es allerdings nicht als Koinzidenz – dass also das geistige Klima dieser Zeit die Formulierung der Quantentheorie ermöglichte bzw. erleichterte (was von vielen Historikern vertreten wird) -, sondern als Ausdruck dafür, dass Wissenschaft und Kunst nur zwei Seiten einer einzigen, quasi holistischen (erkenntnistheoretischen) Medaille sind.

    Während er Kunst & Literatur nicht als Widerspruch zur Naturwissenschaft sieht, verfällt er in Sachen Philosophie immer wieder in, wie ich finde, üble Stereotypen. Etwa wenn er behauptet, die Philosophie würde sich nur unzureichend mit der Quantentheorie auseinander setzen. Das Gegenteil ist der Fall. Neben der Kopernikanischen Wende und der Newton’schen Gravitation hat sich die Philosophie vermutlich mit nichts so gründlich befasst wie mit der Quantentheorie. Als Beleg für seine Behauptung führt er an, dass die Philosophie wenig bis nichts zur Bohr’schen Komplementaritätstheorie zu sagen habe. Das stimmt. Aber auf die Idee, dass das nicht an der Philosophie, sondern an der Komplementaritätstheorie liegt – sie ist einfach zu schwammig, lässt sich vielfach auf beliebige Probleme beliebig anwenden -, kommt ihm nicht in den Sinn.

    Der Vorwurf, Fischer würde ein Zitat (Motto eines Kapitels) verwenden, weil er sich selbst verstecken will, halte ich für ein bisschen überzogen. Selbst wenn das hier im Einzelfall zuträfe, kann man ihm kaum ernstlich vorwerfen, dass er mit seinen Überzeugungen hinter’m Berg hält … Er schreibt halt sehr viel – und dabei kommen nicht immer Meisterwerke heraus …

    Ein grundsätzliches Problem bei Sachbüchern zu naturwissenschaftlichen Themen – auch bei diesem – ist mE, dass viele Autoren (und Lektoren) nur schwammige Vorstellungen davon haben, an welche Leser sie sich gerade wenden. Man will allgemeinverständlich bleiben, und handelt dabei vieles zu schlicht ab. Man will etwas sagen, fürchtet sich aber, den Leser zu überfordern. Und heraus kommen dabei dann oft Bücher, bei denen einem das Gefühl befällt, dass es schon ein bisschen Mehr hätte sein dürfen … Und genau dieses Gefühl hatte (und habe) ich bei diesem Buch. Kurzweilig ist es – aber mehr leider auch nicht.

    Gruß
    harastos

    • ‚Extremistisch‘ oder ‚extrem‘ scheint bei der geschilderten Interpretation der „Newton’schen Gravitation“ nichts zu sein, den Konstruktivismus betreffend.
      Aber natürlich vielen Dank für die Rezension, wobei die Kritik auch nicht solidarisch ausfiel, sehr nett.

  9. @ Dr. Webbaer

    „… wobei die Kritik auch nicht solidarisch ausfiel, sehr nett.“

    Weshalb sollte eine Kritik solidarisch ausfallen? Und solidarisch mit wem? Dem Autor? Seinen (potenziellen) Lesern? Irgendwie erschließt sich mir diese Bemerkung nicht so ganz.

    • Kritik soll sachgebunden sein und nicht solidarisch, sie muss auch nicht konstruktiv sein.
      War nur ein kleiner „Insidergag“ aus früherer Zeit…

  10. Pingback: Durch die Nacht › Uhura Uraniae › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  11. Die Rezension sollte sagen: Wer Anekdoten und großväterliches Belehren mag, für den ist das Buch eine unterhaltsame Lektüre und im Sinne des Ziels naturwissenschaftlicher Bildung in gewisser Weise ein Appetitmacher. ABER Es ist erstens im Sinne dieses Ziels nicht der Weisheit letzter Schluss und zweitens verfehlt es völlig das selbst gesetzte Ziel, eine „andere Geschichte der Naturwissenschaft“ zu sein. Als naturwissenschaftshistorisches Fachbuch kann man es jedenfalls nicht durchgehen lassen.

    Insofern konnte ich heftig kritisieren und dennoch eine Leseempfehlung geben: Es hielt nicht, was es versprach, aber es hatte dennoch einen gewissen Unterhaltungswert und war mithin auf anderem Gebiet nützlich.

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