Burggespräche – Bericht

letztes Wochenende waren die Astronomen los auf Schloss Albrechtsberg. Hier ein Bericht, was Sie verpasst haben, wenn Sie nicht bei den „Burggesprächen“ des Wiener Vereins Der:::Orion dabei gewesen sind – vielleicht gleich eine Motivation fürs nächste Jahr! 🙂 Die nächsten Burggespräche des ORION finden am Fr-So, den 15.-17. August 2014 statt.

Maria Pflug und Monika Fischer haben mal wieder ein dichtes Astro-Programm auf die Burg gezaubert: Am Freitag trudelt nach und nach die Teilnehmenden ein. Das Wetter schien zunächst die allgemein bekannte Astronomen-Regel „je mehr Astronomen an einem Ort, desto bewölkter der Himmel“ zu erfüllen. Es gab sogar Blitze, Donner und reichlich Hydrometeorite. Aber wir hatten ja auch astro-interessierte Nichtastronom(inn)en dabei und so klarte es im Laufe des Samstags auf. Am Sa-Nachmittag konnte die Sonne und in der folgenden Nacht sogar zahlreiche Sternschnuppen beobachtet werden. Da ist es bequemer, wenn man sich am besten gleich in einen Schlafsack kuschelt, während man die ganze Zeit nach oben starrt.

Zwischendurch vertrieben wir uns die Zeit mit anderen Aktivitäten: Am Freitag Abend hielt ich spontan einen Vortrag über meine letzt-jährigen Expeditionen zum Venustransit nach Norwegen und Sibirien. Danach wurde noch eine Episode Raumpatroullie Orion angeschaut: Der Kampf um die Sonne

… passend zum Wiener Mini-„Amazonen-Zirkus“ vor Ort, denn der einzige Mann im Orga-Team – kosmologer Eugen Reichl – hatte leider kurzfristig absagen müssen.

Am Samstag Vormittag gab es einen ausführlichen Workshop zu Astro-Panorama-Fotografie und Astro-Filmchen von kosmologer Jan Hattenbach. Das gute Abend-Wetter bewirkte, dass wir gleich in der Nacht eine Einführung in die Astrofotografie bekamen: Testen neuer (Reise-)Montierungen und die Tücken, die damit verbunden sind.

Tanz der Vampire?

Gleichzeitig zeigte der Burgherr den Mutigen gegen Mitternacht die Gruft. Nach mehreren Teil-Burgführungen im Laufe der Tage wissen wir nun: Sie haben zwar Leichen im Keller, aber keine Vampire – die Fledermaus-Kolonie auf dem Dachboden ist verschwunden und in der Gruft die Särge sind auch im wesentlichen mit mumifizierten Burgbewohnern gefüllt.

Keine Vampire – aber vielleicht Außerirdische?

Am Sa-Nachmittag gab es auch hohen Besuch: Werner Gruber, der Leiter der Wiener Urania-Sternwarte, des Wiener Planetariums und er Kuffner Sternwarte hielt einen Vortrag. Die Burgfräuleins von Schloss Albrechtsberg luden ein und der zum Hörsaal umgeräumte Rittersaal war gerammelt voll:

Der berühmte Gast sprach 2.5 Stunden lang(!) über alles, was man über Aliens (nicht) zu wissen glaubt: Wie könnten sie aussehen, kann es sie überhaupt geben und wenn ja, könnten wir je mit ihnen Kontakt aufnehmen? Welche Planeten und Monde unseres Sonnensystems eigenen sich vielleicht für Leben, wenngleich nur in niedrigen Formen wie Bakterien? Er resümierte die Botschaften, die wir mit den Raumsonden Voyager 1, 2 und dem Arecibo-Radioteleskops ins All geschickt haben mit der Erkenntniss, das schon unseren eigenen irdischen Wissenschaftler sie wahrscheinlich miss-interpretieren würden und extrapolierte, dass es den Außerirdischen möglicherweise auch schwer fallen würde.

Summa summarum hat er viel geredet, es war eine wunderbare Show, die er präsentierte – wenngleich inhaltlich mit einigen Schwächen, aber wer hat die nicht: menschlich… und die main-message kam super und richtig rüber. Für die Zuschauer war es jedenfalls ein amüsanter und informativer Nachmittag, zumal sie viele Fragen stellen konnten.

Nach diesem umfangreichen Programm bis spät in die Nacht gab es dann noch am Sonntag Vormittag einen kleinen Workshop von meiner Wenigkeit: Wir haben – es wird Sie nicht überraschen – die Entfernung zur Sonne anhand des Venustransits 2012 bestimmt. Diesmal streuten die Ergebnisse zwischen 100 Mio km und 220 Mio km … mit der Methode des Bildvergleichs von zwei Fotos aus Krasnojarsk und Tromsö bzw bei 130 Mio km mit der Kontaktzeiten-Methode nach Delisle bei Auswertung des 3.Kontakts (Krasnojarsker Beobachtung selbst wiederholt und verglichen mit den Daten des Berliner Beobachters W.Rothe).

Ich war sehr beeindruckt, wie engagiert die Astro-Freaks auch an diesem Sonntag Vormittag noch mitmachten. Und die Teilnehmenden waren sehr engagiert beim Rechnen – auch wenn sie schon seit Jahrzehnten aus der Schule raus waren und vllt. die Tangens-Definition nicht mehr parat hatten. Als Gruppe haben wir aber alles rausgekriegt – Teams sind halt doch besser in der Forschung als Einzelkämpfer. 🙂

Alle Infos, Datenmaterial und Online-Kalkulator finden Sie auch auf meiner Webseite exopla.net . Wer diese benutzt und Anmerkungen hat, sei herzlich eingeladen, auch selbst die Entfernung zu bestimmen und mir Feedback zur Webseite und zu den Infos zu geben. Ich freue mich auf Ihre E-Mails und Kommentare!

Abschließend hat einer der Teilnehmenden noch spontan eine kleine Show von 3D-Bildern gezeigt. Es warein sehr markantes Bild, was sich hier bot, nämlich, dass Bernhard bei jeder Gelegenheit mit einem Schieber vorm Gesicht herumlief, auf dem zwei Kameras montiert waren. Aus den Doppelbildern rechnete ihm dann eine Software im Nu alle Fotos in 3D um. Einige seiner Werke – vom Venustransit 2012 über Mondfinsternisse bis hin zu den mumifizierten Leichen im Schlosskeller – präsentierte er unserer neugierigen Runde.

Es hat mir großen Spaß gemacht, dass ich sowohl meinen Vortrag nochmal halten konnte (drittes Mal diesen Sommer), dann aber auch einen Workshop anschließen konnte und- unbedingt zu erwähnen – dass ich nach vielen Jahren Pause auch mal wieder nachts Sternbilder erklären durfte (ich kann’s noch! 😉 ). Danke ans Orga-Team!


 

Gimmick

Auf dem Rückflug nach Berlin spendierte mir die Natur noch einen wunderbaren „Regenbogen“ der besonderen Art: Ich sah ihn von oben über den Wolken. 🙂 So ein Regenbogen auf der Erde heißt natürlich eigentlich „Glorie“, aber würde man einen echten Regenbogen aus dem Weltraum sehen, wäre er ein kompletter Kreis so wie dieses hier: Nach einem derart spacigen Wochenende noch diese meteorologisch Krönung… super!

 


 

Burggespräche DES:::ORION

Beitrag am Samstag, als Einladung zur spontanen Schnupper-Teilnahme

Burggespräche des ORION, eines Wiener Vereins … hier wird die Sonne beobachtet, Schlossgespenster gesucht und vieles mehr. Kommen Sie noch rasch vorbei, wenn Sie können: wir sind noch bis morgen Mittag da. 🙂

Am Vormittag hat Jan Hattenbach einen Workshop zur Einführung in die

Astro-Beobachtung mit VIdeo und als Panorama-Puzzling gemacht.

Man glaubt es kaum, aber auch ein Mensch, den man von elektronsichen Schreibereien kennt, blättert auf einem Schloss mal in einem Buch.

Auch junge Leute sind auf der Burg und schnuppern in neue Hobby-Ideen rein. Bei schlechtem Wetter geht’s auch um Science Fiction in Raumpatroullie Orion und vieles mehr.

 


 

Gimmick

Zuvor eine Stipp-Visite in Wien. Ich war mit einer Freundin bei einer Freundin zu Gast und da meine Begleiterin noch nie in Wien war, haben wir die üblichen Attraktionen besucht. Das Eichhörnchen im Schloss war nicht nur zutraulich und fraß uns aus der Hand, sondern es machte dafür auch Männchen für uns. 🙂

Susanne M. Hoffmann

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" [abgewandelt: John Miles, http://www.youtube.com/watch?v=egwARrX1ik8 ] Die Autorin studierte im Doppelstudium Physik und Wissenschaftsgeschichte und anschl. Medienwissenschaften, Physikdidaktik & Philosophische Anthropologie als Promotionsstudium. Sie ist seit 1998 freiberuflich als Astronomin und zeitweise auch als Dozentin für Physik tätig. Derzeit erforscht sie die Wurzeln der abendländischen Astronomie. Aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde. Frühere Arbeitsschwerpunkte waren * in Astrophysik: Stellarphysik; Mikrogravitationslinsen & Exoplaneten (1. Diplomarbeit); * in Technik- und Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (2. Diplomarbeit). * in Astronomie- und Physikdidaktik: Aufbau und Entwicklung einer überregionalen außerschulischen naturwissenschaftlichen Jugendarbeit in Deutschland und im Rahmen des internationalen Jugendaustausches [Mitbegründerin des Astronom. Sommerlagers (ASL), VdS-Jugendreferentin, Initiatorin und Gründerin der VEGA e.V., Begründerin der Berliner SpaceCamps, Gründerin von Astronomie+Raumfahrt-Austauschprogrammen mit Russland und Kasachstan, Zusammenstellung von Lehreinheiten online auf www.exopla.net , historische Methoden zur Vermessung der Welt nachvollziehbar auf Schulniveau] und gleichzeitig in Philosophie/ Medienwissenschaft: Lingua sine Limitibus - Sprachen der Populärdidaktik und transkulturelle Kommunikation (bildliche Sprachen und Visualisierungen, Astronomiekarawanen in Mauretanien, Hotelsternwarte in Portugal). * während Abitur und 2x Doppelstudium finanzierte sie sich als Freiberuflerin [siehe www.urania-uhura.de] durch Popularisierung der Wissenschaften in vielen Medien. In Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter erhielt sie 2006 einen Tourismuspreis. Aktuell erforscht sie durch Analyse von Gestirnlisten in Keilschrift und Altgriechisch durch computergestützte Datenanalyse die Zusammenhänge der babylonischen mathematischen Astronomie mit der hellenistischen Astronomie.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Glorie

    Eine solche Glorie (und auch einen „echten“ Regenbogen) konnte ich auf meinem Rückflug gestern abend auch sehen. War aber zu faul, meine Kamera rauszukramen.

    Man muss nicht fliegen, um Glorien zu sehen: http://scilogs.spektrum.de/…n-glorien-und-gespenstern

    Ansonsten: danke für den schönen Rückblick und die Wortschöpfung „Hydrometeorit“!

  2. spannend war’s

    Ich fand die Vorträge und Workshops sehr spannend, vielen Dank! Wann bekommt man sonst einen so guten Einblick in die wissenschaftl. Arbeit mit Venustransits oder wie man die ganze Milchstraße fotografieren kann. Leider musste ich zwischenzeitlich weg und habe den Weg zurück am Abend nicht mehr geschafft (Wien lag von dort näher..) Liebe Grüße an alle

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