Von Tablet PCs und Damenbinden

Das iPad symbolisiert alles, was an Apple hassenswert ist, seit man in Cupertino das Wort „Computer“ aus dem Firmennamen gestrichen hat: es fesselt die Nutzer an Apples proprietäre Dateiformate, an Apples digitales „Rechte“-Management, an Apples iTunes-Software, an Apples AppStore, an Apples Update-Zyklus — es entzieht den Nutzern also komplett die Kontrolle über ihre Geräte.

Das Technikfeuilleton stört sich an all dem nicht. Es wird höchstens moniert, dass das Gerät in Flash programmierte Inhalte nicht wiedergeben kann. Stattdessen macht man sich gerne über den Namen lustig. Das fing schon kurz nach der Präsentation des Geräts im Januar an. Ich nenne nur drei Beispiele.

Der Standard schrieb:

Viel Begeisterung hat der US-Computerkonzern Apple mit seinem neuen Wundercomputer iPad ausgelöst – doch auch Spott erntete die Hightech-Schmiede mit ihrem neuesten Gerät. Schon kurz nach der groß inszenierten Präsentation in San Francisco scherzten Blogger und Nutzer des Kurzbotschaften-Dienstes Twitter über den Namen des Tablet-PC, denn „pad“ steht im Englischen auch für Damenbinde. [STANDARD.at/APA 2010]

Und Welt Online fand:

Nicht einmal der Name gefällt. Pad – die Damenbinde. Vielleicht stecke ich das gesparte Geld in ein Mac-Book. [WELT.de/GARBERS 2010]

Und das St. Galler Tagblatt erklärte:

Schliesslich stören sich Englischsprachige am Namen. „pad“ kann nämlich auch „Damenbinde“ heissen, was im Internet zu zahlreichen Witzen Anlass gibt. [TAGBLATT.ch/BERHALTER 2010]

Schon damals habe ich mich darüber gewundert, dass die Presse hier so einhellig einen Humor pflegt (oder aufgreift), der auf der krampfhaften Suche nach anstößigen Doppeldeutigkeiten beruht und der mir seit der sechsten Klasse nicht mehr begegnet ist. Ja, pad kann (z. B. als Teil des Kompositums sanitary pad) „Damenbinde“ heißen, und wenn man sich viel assoziative Mühe gibt, kann man wohl vom Wort iPad zu dieser Bedeutung gelangen. Verwunderlich ist dabei allerdings, dass das beim Mouse Pad und beim Trackpad niemand getan hat — ganz zu schweigen vom Writing Pad („Schreibblock“).

Vor ein paar Tagen war nun Verkaufsstart des überdimensionierten iPhones, und in den Berichten darüber wurde natürlich auch der Scherz mit der Damenbinde wieder hervorgekramt. Dabei ist Marc Pitzke auf Spiegel Online über das Ziel hinausgeschossen — „Damenbinde“ ist für ihn nicht nur eine mögliche Bedeutung, es ist die „Urbedeutung“:

Die Szene gleicht einem Open-Air-Zirkus: Fliegende Händler verhökern iPad-Schutzhüllen, Werber der Zeitung "USA Today" rücken mit Segway-Rollern an. Das Blatt, das eine eigene iPad-App auf den Markt bringt, lässt feuchte Tücher zur iPad-Bildschirmsäuberung verteilen, die jedoch leider auffällig an die englische Urbedeutung des Wortes "pad" erinnern – Damenbinden. [SPIEGEL.de/PITZKE 2010]

Die Herkunft des Wortes pad ist unbekannt, aber wir können trotzdem mit absoluter Sicherheit sagen, dass seine usprüngliche Bedeutung nicht „Damenbinde“ war. Die ersten Verwendungen stammen von der Mitte des 16. Jahrhunderts, das Wort bedeutet dort soviel wie „Matte/Matratze“, eine Bedeutung, die sich bis heute gehalten hat (alle Belege stammen aus dem Oxford English Dictionary):

1554 J. HOOPER  in J. Foxe Actes & Monuments  (1563) 1055/2 Hauing nothing appoynted to me for my bedde, but a little pad of strawe, a rotten coueryng.
1995 E. ARTHUR Antarctic Navigation 94, I spread my pad and sleeping bag along it, then rigged up the single piece of plastic that I had been equipped with as a lean-to.

Aus dieser Bedeutung entwickelte sich im Amerikanischen ein Slangwort für „Bett“, das sich vom Anfang des 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts findet, im 20. Jahrhundert wurde daraus zunächst ein Wort, mit dem im kriminellen Millieu Wohnungen bezeichnet wurden, besonders in Zusammenhängen mit kriminellen Aktivitäten, die man dort ausübte (Drogenkonsum, Prostitution, usw.). Diese Verwendung dehnte sich auf andere Arten von Wohnräumen aus, und findet sich ebenfalls auch heute noch:

1988  M. M. R. KHAN  When Spring Comes vi. 156 His City flat, which he called his ‘pad’ as it had only one large room, a bathroom and a kitchenette.

Eng verwandt mit der Bedeutung „Matte/Matratze“ ist die Verwendung zur Bezeichung für eine Art weichen Sattel oder eine Sattelunterlage, die sich im selben Zeitraum findet:

1562 J. HEYWOOD Prov. & Epigr. (1867) 24 Where saddles lacke Better ride on a pad, than on the horse bare backe.
1981  E. HARTLEY-EDWARDS  Country Life Bk. Saddlery & Equipm.  14/2 (caption) Assyrian mounted warriors of the 7th century BC seated on pads.

Von dieser Verwendung war es kein großer Schritt zu einer Ausweitung auf jede Art von Kissen oder Polsterung. Entsprechende Verwendungen finden sich seit Ende des 17. Jahrhunderts, im 18. Jahrhundert kommt die Bedeutung „Ausgepolsterte Stelle eines Kleidungsstücks“ dazu (z.B. shoulder pads „Schulterpolster“), im späten 19. Jahrhundert dann auch die Bedeutung „Schutzpolster an Sportbekleidung“. Auch diese Verwendungen finden sich bis heute.

Die Bedeutung „Bündel aus saugfähigem Material“, aus dem sich die Bedeutung für die Presse so amüsante Doppeldeutigkeit ableitet, taucht im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts auf, zuächst im Kontext von Wundverbänden:

1767 Philos. Trans. 1766 (Royal Soc.) 56 273 The wound was then filled with pads of lint.

Die Bedeutung „Damenbinde“ taucht erst viel später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf:

1917 W. J. ROBINSON Sex Knowledge for Women & Girls vi. 45 Menstrual blood..is discharged from the uterus.. to the outside, where it is caught on cotton, sanitary napkins or some other pad
1926 Daily Colonist (Victoria, B.C.) 2 Jan. 7/7 (Advt.), The hazards of the old-time sanitary pad have been supplanted with a protection both absolute and exquisite.

Die Bedeutung „Schreibunterlage“, „Schreibblock“, auf die sich die Erfinder des iPad vermutlich beziehen, findet sich deutlich früher, nämlich seit Mitte des 19. Jahrhunderts:

1857  W. COLLINS Dead Secret (1861) 21 She signed these lines with her name, pressed  them hurriedly over the blotting-pad.

Daneben gibt es, konservativ gezählt, ein rundes Dutzend weiterer Bedeutungen, die auf bestimmte Dialekte, Soziolekte oder Fachsprachen beschränkt sind, etwa „dickes Blatt einer Wasserpflanze“, „Garnroll“, „Raketenstartrampe“ (launch pad), usw.

Apple ist auch nicht die erste Firma, die das Wort im Zusammenhang der Unterhaltungselektronik verwendet. Elektronische Schlagzeuge haben pads auf die man schlägt, um Krach zu machen, neben den oben schon erwähnten Trackpads verwenden wir zur Eingabe auch Keypads, und jeder Gamer besitzt mindestens ein Gamepad um seine Konsole zu steuern.

Wie haben wir es bloß geschafft, all diese Geräte jahrzehntelang zu verwenden, ohne ständig in präpubertäres Kichern auszubrechen?

 

SPIEGEL.de/PITZKE, Marc (2010) First iPad sold goes to Bavaria, Spiegel Online, 3. April 2010 [Link]

STANDARD.at/APA (2010) iPad teilt sich Namen mit Damenbinden, Der Standard, 28. Januar 2010, [Link]

TAGBLATT.ch/BERHALTER, Roger (2010) Ohne Kamera, ohne Multitasking, dafür mit zweideutigem Namen, St.Galler Tagblatt, 29. Januar 2010 [Link]

WELT.de/GARBERS, Sandra (2010) Ich will kein Gerät, das wie eine Damenbinde heißt, Welt Online,  28. Januar 2010 [Link]

© 2010, Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

33 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Noch ’n Pad

    Nicht zu vergessen: IBMs „ThinkPad“.

    > Wie haben wir es bloß geschafft, all diese Geräte jahrzehntelang zu verwenden, ohne ständig in präpubertäres Kichern auszubrechen?

    Genau das habe ich mich auch gefragt 😎

  2. Mist jetzt muss ich jedesmal an eine denkende Damenbinde denken, wenn ich vor meinem Notebook sitze. 😉 Ist ja immer wieder schön, wie einfach Behauptungen aufgestellt werden und diese dann unhinterfragt übernommen werden, auch wenn der Witz noch so schlecht ist. Gut, dass es dieses Blog hier zur Aufklärung gibt.

  3. bitte nicht „wir“ sagen. ich hab mit diesen schmierfinken (gattung zeitungstier) nix zu tun…

  4. Ich glaube, ein Grund dafür, dass man sich beim iPad auf diesen leicht infantilen Humor so kapriziert, ist wohl, dass MadTv vor ein paar Jahren einen Sketch über einen ‚iPad‘ mit eben dieser Bedeutung gemacht hat.
    Ich nehme an, dass besagter Sketch bekannt genug ist, dass in der englischsprachigen Blogosphäre darauf Bezug ge- und dies dann im Deutschen einfach übernommen wurde.

  5. Nebensache=Hauptsache?

    Schön an diesem Beitrag ist für mich vor allem die einleitende Einschätzung von Apples Produktpolitik und Nutzerbevormundung – ich sehe das genauso, habe es aber bisher noch nirgendwo so knackig zusammengefasst gesehen. Schade dass so viele Leute bei gutem Aussehen einfach aufhören zu denken …

  6. Sie haben schon recht, aber

    ich bitte, das folgende zu bedenken:

    1. Auch wenn Apple nicht die ersten sind, die das Wort für Unterhaltungselektronik verwenden, ist das iPad doch das erste Gerät mit diesem Wort im Namen, um das ein so absurder Medienhype veranstaltet wird. Es wird also von viel mehr Leuten wahrgenommen.

    2. Trackpads, Keypads, etc. sind Bezeichnungen für Teile eines größeren Gerätes, oder? iPad ist der Name für das Ganze.

    3. Sehr grob vereinfacht, aber dennoch: Ein Finanzheini assoziiert bei dem Wort „Bank“ vermutlich zunächst etwas anderes als ein Gärtner. Ich schätze, dass für viele Frauen die Assoziation „Damenbinde“ bei „pad“ naheliegender ist als für Männer. Schließlich haben Männer keine Verwendung für Damenbinden.

    4. So unter Frauen reicht es auch, von einem „pad“ zu sprechen, man muss nicht unbedingt „sanitary“ davorsagen, damit man verstanden wird. Man spricht aber auch nicht wirklich gern darüber.

    Schlussfolgerung: Wenn Männer und Frauen von „pads“ sprechen, denken sie vielleicht an ganz unterschiedliche Dinge – wenn die bei Apple sich ein neues Wundergerät ausdenken, und dann alle Welt über dieses neue Applewundergerät schreibt, dann denkt die anglophone Frau sich schon, „nanu, bisher hatte ich bei pad immer ganz andere, negative Assoziationen?!“. Finde ich verständlich.
    Dass dann (männliche) deutssprachige Zeitungsschreiberlinge so ausgedehnt darüber herziehen – naja, das ist wirklich nicht lustig.

    Ich wollte nur darauf hinweisen, dass für einen wesentlichen Teil der Englischsprecher eben doch die Damenbindenassoziation die naheliegendste ist, trotz der vielen vielen anderen im OED.

    Der ganze Computer&Technikdiskurs ist ja eher männerdominiert (an mir liegt’s nicht) und vielleicht habt ihr es wohl auch deswegen geschafft, das ThinkPad zu benutzen, ohne an Damenbinden zu denken und zu kichern. Wir Frauen denken nämlich öfter an Damenbinden, aber wir sind absolut nicht scharf drauf, Witze über Damenbinden zu machen.

  7. ich denke, dass die deutschen medien da einfach damit prahlen, dass sie wissen, was im englischsprachigen internet so abgeht. was da drüben nämlich lustig ist, wirkt hier wie ein schlechter scherz, wie schlecht zusammengebaute textbausteine auf sechstklässler-niveau.

    außerdem haben das mousepad und das thinkpad und die elektronischen schlagzeugpads nicht so eine als geheimnisvoll inszenierte, religiöse produkteinführung erfahren, weswegen die namensgebung am öffentlichen bewusstsein vorbei geschah.

    von daher finde ich, dass die pubertäre trivialisierung des produkts „ipad“ angesichts des unhinterfragten apple-wahns erfrischend wirken.

    und außerdem sind fotomontagen wie diese einfach lustig: http://www.feministing.com/archives/019804.html

  8. Da fällt mir noch ein:

    Das iPad ist auch nicht das erste Unterhaltungsgerät, dessen Name zu infantilen Witzen verleitet. Es gab da vor einiger Zeit den Fall von Spielkonsolen und Pipi… Ich weiß nur nicht, ober der es bis in die deutschsprachigen Zeitungen geschafft hat.


  9. (Witziger fand ich da allerdings das iRack)

    Der Sketch ist in der Tat gut, auch wenn der Witz nur in nordamerikanischen Dialekten aufgeht.

  10. Arroganz

    „Schade dass so viele Leute bei gutem Aussehen einfach aufhören zu denken“

    Diese Bemerkung spricht eher für eine arrogante und beschränkte Sichtweise desjenigen, der sie ausspricht.

    Ja, es handelt sich um ein geschlossenes System. Aber für viele sprechen nach reiflicher Überlegung (!) genau etliche Gründe dafür. Jedem User Dummheit zu unterstellen ist einfach nur arrogant. Es geht hierbei darum, dass die eigenen Anforderungen intelligent und zeitsparend mit solch einem Gerät erledigt werden.

    Das beinahe schon fanatisch missionierte Mantra der Fremdbestimmung durch viele Technik-„Freaks“ ist im Prinzip auch genauso geistlos und ohne Sinn & Verstand ausposaunt, wie die Begeisterungsstürme der Leute, die tagelang vor den Läden campen. Nur dass diese noch Freude am Leben haben können. Im Gegensatz zu den sog. „kritischen“ Usern, die verbiestert ihre als Unfehlbarkeitsdogma formulierte Selbstbestimmung jedem aufzwingen.

  11. Werbung

    So funktioniert gute Werbung: man braucht nichts dafür zu bezahlen, weil das Gerät von vielen Menschen kostenlos in den Medien erwähnt wird.
    Solange sie über iPad sprechen, sprechen sie von keinem anderen Gerät. Damit wird dieser Name gut im Gedächtnis verankert.
    STANDARD, WELT, SPIEGEL, TAGBLATT – Apple freut sich über eure frühpupertären Journalisten.

  12. Freud war´s

    früh´pup´ertären – da hat anscheinend Freud zugeschlagen: Pup = ugs. für abgehende Blähung. So steht es im Duden. 🙂

  13. den kommentar von „einäugige“ finde ich gut.

    außerdem zeugt es ein bisschen von abwesendem humor, wenn man einen witz wissenschaftlich zerlegt und dann feststellt, dass der witz auf sand gebaut ist… oder nicht?


  14. „die Nutzer an Apples proprietäre Dateiformate, an Apples digitales „Rechte“-Management, … an Apples Update-Zyklus“
    1. Welche proprietären Dateiformate bitte?
    2. Also die Musik die ich im iTunes Shop kaufe ist DRM frei.
    3. Versteh ich nicht, als Leser des Sprachlogs bin ich auch an Anatols Update-Zyklus gebunden – wo ist das Problem?

    Wenn man regelmäßig Viren von Windows Rechnern entsorgen darf, sieht man die Situation anders.

  15. Mit Erstaunen habe ich über Ostern verfolgt, wie Apple den hype um den ipad zelebrierte. Aus psychologischem Gesichtspunkt sehr interessant, wie erst der Hype aufgebaut wurde und dann medienwirksam in Dollars umgesetzt wird. Wir werden sehen, wie dies im Mai in Deutschland ankommt. Meiner Erfahrung nach sind die Deutschen nicht so leicht auf einen Hype zu setzen. Aber wer weiss, mich würde es nicht wundern, wenn nach ein paar Tagen die Schlagzeilen lauten: ipad in Deutschland ausverkauft. Nachfrageerzeugung durch geringes Angebot. Wir werden sehen.

  16. @Sascha: Warum sollte man „die eigenen Anforderungen“ ausgerechnet mit einem Gerät erledigen können, über das man keine Kontrolle hat? Und was ist daran „intelligent und zeitsparend“? Ich erledige meine Arbeit wunderbar intelligent und zeitsparend auf meinem MacBook Pro und meinem Dell Mini 10 (Ubuntu) _und_ ich kann darauf alles installieren, was ich will.

    Selbstbestimmung ist gut, Fremdbestimmung ist schlecht. Das auszusprechen hat mit Fanatismus oder Mantra nichts zu tun und ist keineswegs „genauso geistlos“, wie vor einem Apple Store zu campieren. Ich kenne auch keinen kritischen User, der „verbiestert“ wäre.

    @Mühsam: 1. .pages, .numbers, .key, um nur drei offensichtliche zu nennen. 2. Die Musik ja, weil andere Anbieter damit angefangen haben und Apple nachziehen musste. Bei den E-Books wiederholt sich jetzt aber dasselbe Spiel. 3. Keineswegs. Wenn Ihnen mein Update-Zyklus nicht gefällt, können Sie in unter einer Minute ein eigenes Blog starten und updaten, wann immer Sie wollen. Wenn Ihnen der Update-Zyklus von Apples iPhone OS nicht gefällt, können Sie rein gar nichts dagegen tun, ohne Ihr für viel Geld gekauftes iPad in ein Stück Elektroschrott zu verwandeln.

    @Die Einäugige: Ich bezweifle ganz ehrlich, dass die anglophone Frau allgemein bei Wörtern, die das Morphem pad enthalten, grundsätzlich und automatisch an Damenbinden denkt. Sie könnte dann, angesichts der Vielzahl pad-haltiger Wörter (von shoulder pads und knee pads über cosmetic pads/cotton pads bis zu sketch pad/writing pad und ink pad, um die technischeren Begriffe außen vor zu lassen) den ganzen Tag an nichts anderes denken. Es entspricht aber nicht meiner — zugegeben männlich-verzerrten — Erfahrung, dass sie das tun.

  17. @A.S. Ich kann Ihre Zweifel gut nachvollziehen, und in derart vereinfachter Form, wie ich es geschrieben habe, stimmt es vermutlich auch nicht ganz. Aber Sie haben mir auch Stoff für ein neues Argument geliefert: das Morphem „pad“, in Verbindung mit anderen *bedeutungstragenden* Morphemen wird die Assoziation kaum wecken. Da ist es für mich eher mit dem „zeug“ in Flug-, Werk-, Schreibzeug etc. vergleichbar – zugegebenermaßen nicht ganz so leer, weil noch so ein bisschen „weiches bzw. formbares etwas“ mitschwingt. Das kleine „i“ halte ich noch nicht für ein vollwertiges, bedeutungstragendes Morphem (es scheint aber auf dem besten Weg dorthin zu sein). Und das „pad“ ohne ein die Bedeutung einschränkendes Morphem assoziiert frau, was ich der Präzision halber noch weiter auf frau im gebärfähigen Alter einschränken kann, wirklich sehr schnell mit „sanitary“.
    Dazu kommt nämlich noch, dass frau über dieses Thema meistens eher ungern spricht. Also lässt sie, wenn sie es doch tut, das „sanitary“ lieber gleich weg, damit nicht jeder mitbekommt, worum es geht.
    Es entspricht jedenfalls meiner Erfahrung, ich erinnere mich auch an ein Gespräch mit einer amerikanischen Bekannten, das verlief ungefähr so:
    Sie: „Do you know where I can buy some pads around here?“
    Ich:“Eh, pads? What kind of pads?“
    Sie: „You know, [gesenkte Stimme] pads.“

    Überzeugt?

  18. Mühsam,

    Wenn man regelmäßig Viren von Windows Rechnern entsorgen darf, sieht man die Situation anders.

    Genau, dann deinstalliert man Windows und besorgt sich kostenlos Ubuntu (o.Ä.) – dann hat man über tausend Euro gespart und ein tolles Betriebssystem.

    die Einäugige,

    Dazu kommt nämlich noch, dass frau über dieses Thema meistens eher ungern spricht.

    Seit wann ist frau eigentlich ein Pronomen? Sie wollen mir nicht ernsthaft erzählen, dass Sie sich durch das Indefinitpronomen man diskriminiert fühlen, weil es homophon mit Mann ist, oder?

  19. man/frau

    Sie wollen mir nicht ernsthaft erzählen, dass Sie sich durch das Indefinitpronomen man diskriminiert fühlen, weil es homophon mit Mann ist, oder?

    Ein Psychologie-Dozent hat mir mal erklärt, dass solche Worte bei Hörer/innen tatsächlich bestimmte kategoriale Assoziationen/innen hervorrufen, die sich auf das weitere Kommunikationsverhalten/innen auswirken können. Dasselbe bei generischem/r Maskul/Maskulin…

    Ich glaub’s bis heute nicht, aber so ein Dozent hat ja seinen Job auch nicht, weil er Blödsinn erzählt…

  20. „Frau“ sieht sehen mann und frau eigentlich öfter mal. Der Diskriminierungsgedanke steckt ursprünglich tatsächlich dahinter.
    Übrigens werden diese Pronomina eigentlich nicht indefinit verwendet, sondern generalisierend.

  21. Pad

    Frank Zappa musste sich seinerzeit in England gerichtlich mit dem Royal Philarmonic Orchestra auseinandersetzen. Dabei ging es vordergründig u. A. auch um die Bedeutung von „pad“ (hintergründig ging es natürlich um Geld bzw. um nicht eingehaltene Verträge seitens des RPO). In diesem Fall diente eine Textstelle in dem Stück „Let’s Make the Water Turn Black“ als Anlass, in der es heißt: „And I still remember Mama with her apron and her pad feeding all the boys in Ed’s Caffee“. Die Geschäftsführung des RPO begründete ihre Vertragsbrüchigkeit u.A. damit, dass man unmöglich an der Produktion solcher Sauereien mitwirken könne. Tatsächlich geht es in dem Stück natürlich um einen Notizblock. Die Frage, ob hier der Name „Zappa“ ausschlaggebend für die Kontextfindung seitens des RPO war, sei dahingestellt.
    Nachzulesen (inkl. Auszüge aus den Gerichtsakten) in:
    Frank Zappa. I am the American Dream. von Frank Zappa und Peter Occhiogrosso.

  22. @Gareth
    Seit wann? Ich glaube, „frau“ tauchte irgendwann in den 1970ern in feministischen Texten auf. War damals ernst gemeint – „man“ und „Mann“ sind ja wohl nicht vollkommen arbiträr homophon, aber bevor Sie jetzt einen völlig falschen Eindruck von mir bekommen:
    Nein, ich fühle mich keineswegs von „man“ diskriminiert, auch nicht vom generischen Maskulinum. Das „frau“ kam mir nur gelegen, um die unterschiedliche Sichtweise von Männern und Frauen zu verdeutlichen. Es war eine Art Wortspiel. Für mich als twentysomething hat „frau“ schon so einen Bart, dass ich es niemals unironisch verwenden würde, aber das können Sie natürlich nicht wissen.

  23. eye pad
    Meine Qualitätszeitung hat mir übrigens mitgeteilt, eye pad sei etwas, womit man sich die Augen abschminke und aus diesem Grunde wirke der Name iPad etwas befremdlich.

    Ein Blick in Guggel zeigt mir, dass das der Wahrheit anscheinend recht nahe kommt.

  24. David,

    Übrigens werden diese Pronomina eigentlich nicht indefinit verwendet, sondern generalisierend.

    Über die Verwendungsart habe ich gar nichts gesagt, man benutzt aber nunmal die Kategorisierung Indefinitpronomen.

    die Einäugige,

    „man“ und „Mann“ sind ja wohl nicht vollkommen arbiträr homophon […] Für mich als twentysomething hat „frau“ schon so einen Bart, dass ich es niemals unironisch verwenden würde, aber das können Sie natürlich nicht wissen.

    Okay, dann bin ich beruhigt. Auch wenn der Zusammenhang nicht zufällig ist, bei so erzwungen feministischem Gedöns stehen mir die Haare zu Berge, wenn es nicht ironisch gemeint ist.

    Patrick Schulz,

    Ein Psychologie-Dozent hat mir mal erklärt, dass solche Worte bei Hörer/innen tatsächlich bestimmte kategoriale Assoziationen/innen hervorrufen, die sich auf das weitere Kommunikationsverhalten/innen auswirken können.

    Will ich nicht kategorisch abstreiten, aber auch Titel schützt vor Blödsinn nicht. Wenn Frauen wirklich bei man ständig Mann assoziieren, müssten sie jedenfalls ganz schön damit beschäftigt sein und könnten an nichts anderes mehr denken. Männer müssten diese Assoziation dann ja eigentlich auch haben, für die ist das Homophon ja nicht weniger gleichklingend.


  25. man benutzt aber nunmal die Kategorisierung Indefinitpronomen

    Ich nicht.
    Daß eine falsche Bezeichnung üblich ist, ist kein besonders guter Grund, sie beizubehalten.


  26. Ich nicht.
    Daß eine falsche Bezeichnung üblich ist, ist kein besonders guter Grund, sie beizubehalten.

    Welche Bezeichnungen haben Sie sich denn dann z.B. für all- und jed- ausgedacht?

  27. Indefinitpronomen

    Als Indefinitpronomen werden alle Pronomen bezeichnet, die nicht auf ein spezifisches Individuum oder eine spezifische Sache verweisen, unabhängig von weiteren Bedeutungskomponenten. Dass man eine generalisierende Bedeutung hat, schließt also nicht aus, dass es ein indefinit ist.

  28. DRM

    > 2. Die Musik ja, weil andere Anbieter damit angefangen haben und Apple nachziehen musste. Bei den E-Books wiederholt sich jetzt aber dasselbe Spiel.

    Das ist hier ja kein Apple-Forum, also nur rasch am Rand: Beide Behautpungen sind so nicht richtig. DRM war und ist immer eine Forderung der Inhalteanbieter, keine Idee Apples (oder anderer Hersteller). Dass Amazon & Co nun als Vorreiter bei DRM-freier Musik scheinen, hat taktische Gründe: die Plattenfirmen wollten andere Konditionen im iTune Store durchsetzen (was sie auch geschafft haben) und hatten ein „Ha! dann kriegt Amazon das ohne DRM, ihr aber nicht!“ als stärkstes Druckmittel. (Lässt sich alles belegen, aber die Details führen jetzt wohl zu weit ;-))


  29. Als Indefinitpronomen werden alle Pronomen bezeichnet, die nicht auf ein spezifisches Individuum oder eine spezifische Sache verweisen, unabhängig von weiteren Bedeutungskomponenten.

    Das ist etwas vage formuliert; aber im Prinzip kann man es natürlich so halten, und auf diese Weise auch beispielsweise noch „kein“ und „nichts“ eingemeinden, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Begriff des Indefinitpronomens dann noch besonders kohärent und brauchbar ist.
    Was wären denn jenseits der Intuition bezüglich der Spezifizität der Referenten die gemeinsamen empirisch feststellbaren Merkmale der Indefinita, beispielsweise, „jed-„, „man“ und „ein-„?