Von Sprachnörglern und Anglizismen: Ein Jahresrückblick

Januar. Bundesverkehrsminister Ramsauer spricht für sein Ministerium ein „striktes Denglisch-Verbot“ aus. So soll zum Beispiel das Travel Management wieder Reisestelle heißen. Warum sich die Bürger des Landes für den internen Sprachgebrauch seines Ministeriums interessieren sollten, erfahren wir nicht.

Februar. Auch die Deutsche Bahn will aber auf Ramsauers Initiative hin ihre Vorliebe für englisches Lehngut zügeln. So soll die Hotline durch das urdeutsche Service-Rufnummer und der Flyer durch den Altgermanismus Broschüre ersetzt werden. Der Fahradverleihdienst Call-a-Bike sei dagegen so „eingebürgert“, dass er seinen Namen behalten müsse.

März. Die „Deutsche Sprachwelt“ wählt Guttenberg wegen seiner nicht näher erläuterten „Sprachgewandtheit“ und „verständlichen Sprache“ zum „Sprachwahrer des Jahres 2009“. Auf dem zweiten Platz landet Ulrich Wickert, bezeichnenderweise nicht aufgrund eigener Leistungen, sondern, weil „er den Sprachgebrauch der Nachrichtensprecher von ARD und ZDF schalt“. Ramsauer kann leider nicht berücksichtigt werden, da der seine Initiative erst nach Beginn der Abstimmung gestartet hat.

April. Der Verein Deutsche Sprache verwahrt sich in einer mittlerweile aus dem Archiv verschwundenen Pressemitteilung gegen den Vorwurf, man „würde die Verflachung des Deutschen mit ,Affensprache‘ bezeichnen“. Eine Recherche des Sprachlog zeigt, dass dieser Vorwurf tatsächlich ungeheuerlich ist, da der VDS zur Bezeichnung von englischem Lehngut in Wahrheit das viel präzisere Wort Schimpansensprache verwendet. In einer weiterhin im Archiv auffindbaren Pressemeldung schmückt der VDS sich außerdem mit Ramsauers Anglizismenvernichtungsfeldzug und versteigt sich zu der absurden Behauptung, der „VDS-Anglizismenindex“ diene deutschen Ministerien als „Standardwerk“.

Mai. Ramsauer will jetzt wirklich bald loslegen mit dem Kampf gegen die Anglizismen. Allerdings nur dort, wo das englische Lehnwort nicht zu etabliert ist — gegen den Laptop beispielsweise könne man nichts mehr tun. Zum Flugchaos in Folge der isländischen Vulkanasche hat er nichts zu sagen.

Juni. Auch in der Schweiz will man die vermeintliche Lehnwörteflut durch Verbote eindämmen: Die Bundeskanzlei gibt ihren Beamten ein Glossar an die Hand, in dem unter anderem Hacker mit „Kennwortknacker“, Scanner mit „Einlesegerät“, und Chatroom mit „Plauderstube“ übersetzt werden. Dass diese Begriffe weder inhaltlich passen, noch zur Verständlichkeit beitragen, ist dabei nebensächlich.

Juli. Der Verein Deutsche Sprache fordert den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom, René Obermann, auf, dem Beispiel von Bahn-Chef Grube zu folgen und Anglizismen in seinem Unternehmen abzuschaffen, da er sonst gute Aussichten habe, wie sein Vorgänger Ron Sommer zum „Sprachpanscher des Jahres“ ernannt zu werden.

August. Der „Sprachpanscher des Jahres“ geht dann aber nicht an Obermann, sondern an den Deutschen Turner-Bund. Dessen Sünde: Er hat für gesellschaftsrelevante Massensportarten wie Slacklining, Gymmotion, Speedjumping und Speedminton keine allgemeinverständlichen deutschen Begriffe eingeführt, sodass nun viele Sporttreibende nicht mehr wissen, was sie da eigentlich gerade tun.

September. Bahnchef Grube hat zwar auf seine sprachpuristischen Ankündigungen vom Februar keine Taten folgen lassen, doch nun soll es der englischen Sprache an anderer Stelle an den Kragen gehen: Ansagen auf Englisch soll es in Zukunft nur noch an großen Bahnhöfen geben. Vielfahrer seien von den englischen Ansagen nämlich genervt. Was die eigentlichen Adressaten, also des Deutschen nicht mächtige Fahrgäste aus dem Ausland, von den Ansagen halten, ist nicht bekannt.

Oktober. Auch der Präsident des Bundesverbandes Investment und Asset Management, Thomas Neiße, will nun auf Anglizismen verzichten und die Bevölkerung dadurch stärker für Fonds als Anlageform begeistern. Warum diese (nur imaginär) fehlende Begeisterung ausgerechnet sprachliche Ursachen haben soll, erklärt er nicht, die Dauer-Finanzkrise erwähnt er mit keinem Wort.

November. Ausgerechnet die Bildzeitung will die deutsche Sprache vor „Verhunzung“ und die Bürger vor „Verblödung“ schützen — leider nicht, indem sie sich selbst abschafft, sondern indem sie gemeinsam mit dem VDS eine Unterschriftenaktion startet, deren Ziel die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz ist.

Dezember. Ramsauer schafft es mit seinen sprachpuristischen Zwangsvorstellungen tatsächlich schon wieder in die Nachrichten, und jetzt soll doch auch der Laptop dran glauben und zum „Klapprechner“ mutieren. Diesmal hat aber jemand aufgepasst: Der Grünen-Abgeordnete und Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Winfried Hermann, ist „entsetzt“ darüber, dass Ramsauer „in einer Zeit, wo die Menschen schon froh darüber sind, dass ihr Zug im Winterchaos überhaupt am Ziel ankommt und Pünktlichkeit zur Seltenheit wird … kein anderes Problem als die Anglizismen in seinem Ministerium hat“.

Januar 2011. Das Sprachlog ehrt nach all den bösen Dingen die 2010 über die englische Sprache gesagt wurden, den Anglizismus des Jahres — aber nur, wenn weiter fleißig nominiert wird!

Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

27 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Anglzismen

    Kleine Anmerkung zu diesem interessanten Jahresrückblick: Seit 1994 gibt es in Frankreich ein Gesetz, nachdem die französischen Sender dazu verpflichtet sind, mindestens 40 % französische Musik zu spielen. Man will damit die Kultur der französischen Spreche schützen.
    Ein ähnliches wurde auch von den deutschen Politkern diskussiert,aber 2003 von der zuständigen Ministerpräsidentenkonferenz abgelehnt.

  2. Jahresrückblick

    Alles in allem also ein erfolgreiches Jahr mit viel Presse für die Sache der „Sprachnörgler“.

  3. Schön, dass sich Spektrum unterschwellig für mehr Engisch/Anglizismen einsetzt…

    Englisch ist ja auch eine aussterbende Sprache, die unbedingt unserer Unterstützung bedarf.

    Der eigentliche Grund für Anglizismen ist doch, dass die Deutschen vollkommen erstarrt sind und deshalb auch ihre Sprache eingefroren ist. Zum blossen Kopieren sind die Deutschen gerade noch fähig.

    Englische Worte verdrängen deutsche Worte, diese sterben aus. Ist das Leben? Aus der Post wird keine E-Post, sondern eine E-Mail. Aus dem Flugblatt wird eine Flyer. Aus dem Heim wird ein e-home. Alle Dinge, die modernisiert werden, erhalten einen englischen Ausdruck. Das amerikanische Englisch ist lebendig, weil sie diese Entwicklung durchmacht, das Aufpfropfen auf die deutsche Sprache ist armselig und nun wirklich nicht sehr kreativ.

    Schade 🙁

    [Spektrum setzt sich für gar nichts ein. Die SciLogs-Blogger/innen betreiben ihre Blogs in eigener Verantwortung, ohne irgendeinen redaktionellen Einfluss der SciLogs- oder Spektrum-Redaktion (und übrigens auch ohne Bezahlung. — A.S.]

  4. Bayern-Ticket

    Ich, Engländerin, hatte Probleme mit der Sprache der Bahn in Bayern, und bei Ramsauer muss ich daran denken. Im Automat musste ich zwischen „Bayern-Ticket“ und „Bayern-Ticket-Single“ wählen, und da ich eine Rückfahrkarte wollte, wählte ich „Bayern-Ticket“. Hätte da „Bayern-Ticket-Gruppe“ gestanden, hätte ich es verstanden, aber so musste ich mich auf meine Muttersprache verlassen. Im Zug wurde ich dann gefragt, wer mit mir reist.

  5. Re: Bayern-Ticket

    @Margaret Marks,

    echt jetzt? Das haben sie sich doch jetzt unter dem Einfluss von zuviel Gluehwein, Weissbier und anderen Alkoholika ausgedacht, oder? Nennen die wirklich ihre Fahrkarten so?

    Obwohl, als ich 1998-2000 in Muenchen gewohnt habe gab es bei der Telekom unter anderem einen „Moonshine-Tarif“. Gibt’s den immer noch?

  6. Klapprechner

    Danke für diese Zusammenstellung, die sich ohne weiteres sicher erweitern ließe. Wetten, daß Sie es nicht schaffen, ein Wort zu finden, mit dem sich Ramsauer für die Bezeichnung „Klapprechner“ ausspricht? Allerdings ist der „Klapprechner“ nun dank der Medien doch recht bekannt geworden.

    Die wahren Hintergründe zum Streit um die „Affensprache“ lesen Sie in den Nummern 39 und 40 der „Deutschen Sprachwelt“.


  7. Wenn Sie übrigens Ramsauer (oder einen anderen) zum „Sprachwahrer 2010“ wählen wollen, können Sie das hier tun: http://deutschesprachwelt.de/…Formular/form.html

    Da wäre ich eindeutig für Stefan Mross! Wenn er gewinnt, kann er den gesamten VDS und alle anderen Anglizismenjäger, „Sprachwahrer“ oder wie auch immer sie sich nennen, auf seine Insel mitnehmen, auf der dann ausschließlich Deutsch gesprochen werden darf.

  8. Noch ein Preis

    Ich schlage vor, Personen des öffentlichen Lebens, die sprachpolitische Aktionen ankündigen, um von ihren eigenen Fehlern abzulenken, und dann nichts folgen lassen, als “Sprachopportunisten” zu bezeichnen.

    „Spiegel Online“ stellte neulich eine Studie vor, die besagt, dass Bahn und Flughäfen das Winterchaos bewusst einkalkulieren. Ihnen sind die Maßnahmen, die nötig wären, um einen reibungslosen Betrieb auch im Winter zu garantieren, schlicht zu teuer.

    http://www.spiegel.de/…sch/0,1518,735894,00.html

    Wer so handelt, gleichzeitig immer, wenn es zu Problemen kommt, sprachpflegerische Absichten äußert, dann aber nichts tut, hat sich eine Negativauszeichnung doch redlich verdient.

  9. Welt Online über Ramsauer und Denglisch

    http://www.welt.de/…-gehoert-zu-Deutschland.html

    Zitat:
    ———————————
    Der „Second Level Support für die Hotline“ heißt inzwischen „ergänzende Hilfsstelle für telefonische Notrufe“.
    ———————————
    Habe ich da einen Wettbewerb „Wie demotiviere ich meine Mitarbeiter / -innen“ verpasst? Im 2nd Level Support geht es ums ‚Eingemachte‘. „Ergänzende Hilfsstelle“ klingt eher nach Fußballern auf der Ersatzbank – Ergänzungsspielern eben.

    @A.S.: Wieder mal amüsantissimo!

  10. @Armin: so steht es im Automaten. Ich wollte nach Regensburg, es war Sommer also kein Glühwein, den Automaten habe ich nicht verstanden, erst die Mitarbeiter haben mich auf „Bayern-Ticket“ gebracht (sie durften mir keine Fahrkarten verkaufen, sagten sie). Ich habe es damals gebloggt . mit Fotos, zu meiner Rettung: http://www.transblawg.eu/…utung-von-Single.html.

    Ich will natürlich nichts gegen Anglizismen sagen, bei der Bahn sind sie nicht unbedingt gelungen.

  11. OT – Usability

    Sorry, off-topic- aber gibt es hier auf der Site irgendeinen Link, über den ich Feedback zur Usability der Website per-se abgeben kann? Konkret: Klicks auf einen Kommentar in „letzte Kommentare“ führt leider nicht zu dem Kommentar selbst, sondern immer nur zum betreffenden Post, so dass ich jedesmal scrollen muss, um den Kommentar zu lesen.
    (Oh, pardon: Hier noch die Version für die VDSler:)
    Ich bitte hiermit formlos um Verzeihung dafür, dass dieser Beitrag über die Grenzen des eigentlichen Gegenstandes diese Plauderfadens hinausgeht. Wie dem auch sei: Gibt es hier in dieser Sammlung untereinander vernetzter Inhaltsseiten irgendeinen Querverweis (im Sinne eines Bereiches, der mit dem Rollkugeleingabegerät angesteuert werden kann und durch Betätigung der Taste des Rollkugeleingabegerätes zur Anzeige einer neuen Seite führt), über den ich eine Rückmeldung (im Sinne einer Frage an bzw. Anregung für die Ersteller dieses Angebotes) bezüglich der Benutzerfreundlichkeit (im Sinne der vom Nutzer erlebten Nutzungsqualität , insbesondere im Zusammenhang mit der Nutzung von mechanischen Rechnern) dieser Sammlung untereinander vernetzter Inhaltsseiten um-ihrer-selbst abgeben kann? Worum es mir tatsächlich geht: Die Betätigung der Taste des Rollkugeleingabegerätes, während sich der Zeiger über einer Anmerkung „letzte Kommentare“ befindet, führt leider nicht zu der Anmerkung selbst, sondern nur zum betreffenden Beitrag, so dass ich jedesmal Maßnahmen ergreifen muss, den Inhalt der Seite in Bezug zum umschliessenden Bildschirmbereich senkrecht zu bewegen, um zu der jeweiligen Anmerkung zu gelangen.
    // BTW: Wieso eigentlich „letzte“ Kommentare? As in: Nach Kommentar verstorben? Sollten es nicht „neueste“ Kommentare heissen? Ah, James Last, my dear false friend… 😉

    [Ihre Rückfütterung bezüglich der Nutzbarkeit der Netzseite nehme ich dankend zur Kenntnis. Ich werde sie in meine Sammlung von eigenen Beschwerden aufnehmen und auf dem nächsten Netz-Tagebuch-Schreiberlinge-Ting der SciLogs (die eigentlich WissBuch heißen müssten) vortragen. Meiner eigenen Meinung nach wäre es am Besten, den Grundriss dieser Netz-Tagebuch-Bühne (oder Flach-Form?) gleich ganz in die Abfallgrube zu befördern und von Grund auf neu aufzubauen, und LifeType (die Weichware, auf der hier alles läuft, und die natürlich eigentlich LebensSchlag heißen müsste), sollte von einer schnellen un unwiederbringlichen Vernichtung ereilt werden. — A.S.]

  12. Klapprechner, Mobilrechner et cetera

    Den Begriff „Klapprechner“ (oder auch „Mobilrechner“) ist doch gar nicht so schlecht – kommt der Sache so nah wie irgendwie möglich und muss ja auch nicht ausschliesslich eingesetzt werden.
    Warum nicht mit Wörtern ein bisschen spielen?

    Was heisst denn schon „Laptop“?
    Lap = Ansatz, Schoß, Rockzipfel etc.
    Top = (irgenwas mit) „oben“

    Eine sehr kuriose Bezeichnung für einen Mobilrechner…

    Wenn sich ein englischer Muttersprachler dieses Wort mal genau(!) ansieht – was denkt sich der eigentlich dabei?
    Dieses Wort soll für einen mobilen Rechner passend sein? Wohl kaum! Anscheinend hat er sich aber daran gewöhnt. Das Wort „Klapprechner“ bedarf überhaupt keiner Erläuterung oder Eingewöhnung.

    „Notebook“ wird übrigens ja bekanntlich auch für „Laptop“ verwendet – aber nicht überall, scheinbar nicht in Indien. Auf die Frage eines Inders nach einem „Notebook“ wurde von einem deutschsprachigen Mitarbeiter erwidert, dass er doch schon eines hätte. Irgendwann wurde mal klar, dass er einen „Notizblock“ wollte. In Deutschland erhalten doch Gegenstände englische Begriffe, die im Ausland überhaupt nicht so verwendet werden.

    (http://www.wortwarte.de/ ist ganz lustig, aber wirklich Einzug finden diese Worte nicht in die deutsche Sprache.)

    Die Phonetik ist im Englischen eine andere, die Diskrepanz zwischen Orthografie und Aussprache viel grösser (und auch anders).
    Englische Begriffe bleiben meistens isoliert – es erfolgen auch keine Ableitungen (und keine Eindeutschungen in der Schreibweise).
    Wo ist da der Witz?

  13. Level …

    An Michael Allers:
    „Second Level Support für die Hotline“ (engl. engl. engl. dt. dt. engl) ist doch einfach grausam.

    Was bedeutet überhaupt „Second Level“? Was bedeutet dann „Third Level“?

    Kann die Stelle nicht einfach so benannt werden, dass jedem, ohne in einer Tabelle nachschauen zu müssen, deren Aufgabe klar ist?

  14. Christoph,

    Die Phonetik ist im Englischen eine andere, die Diskrepanz zwischen Orthografie und Aussprache viel grösser (und auch anders).
    Englische Begriffe bleiben meistens isoliert – es erfolgen auch keine Ableitungen (und keine Eindeutschungen in der Schreibweise).
    Wo ist da der Witz?

    Was sagen Sie denn zur Phonetik und Rechtschreibung von Wörtern wie Accessoire, Chauffeur, Déjà-vu, Ensemble, Fauxpas, Genie, Hommage, Journalist, Loge, Mayonnaise, Niveau, Rendezvous, Souterrain oder Voyeur?


  15. Da gilt natürlich dasselbe.

    Dann hoffe ich, dass Sie sich mit demselben Eifer gegen diese unverständlichen Gallizismen aufregen.

  16. Laptop Computer

    @Christoph,

    Der Englische Muttersprachler denkt bei einem Laptop erst einmal an einen laptop computer, laptop ist ja nur die Kurzform fuer laptop computer. Wie desktop fuer desktop computer.

    Wieso sollte er sich da Gedanken ueber einen „komischen Begriff“ machen?

    Wenn er ein bisschen Deutsch kann wundert er sich eher wieso die Deutschen auf einer Bank sitzen anstatt dort ihr Geld einzuzahlen und abzuheben.

  17. „Klapp“

    An Armin:
    Also wenn sich ein englischer Muttersprachler sich keine Gedanken darüber macht, wenn das entscheidende Wort fehlt („Computer“), ja wieso machen sich dann eigentlich deutsche Muttersprachler so viel Gedanken über das Wort Klapp- bzw. Mobilrechner? So gesehen wäre es auch kein Problem, einen Klapprechner nur noch „Klapp“ zu nennen. Nach einiger Eingewöhnung denkt dann jeder nur noch an Mobilrechner…

    Zitat: „Wenn er ein bisschen Deutsch kann wundert er sich eher wieso die Deutschen auf einer Bank sitzen anstatt dort ihr Geld einzuzahlen und abzuheben.“

    …das tun höchstens Erstklässler und ist auch ein anderes Thema, wenn überhaupt.

    Gezielt Anglizismen einzusetzen kann ja ganz lustig sein, aber ich verstehe nicht, warum sich viele dafür so ereifern.

  18. Überpräzision bei englischen DB-Ansagen

    Ich habe nichts gegen das Ansagen des nächsten Halts auf Englisch, wenn es sich um eine von vielen ausländischen Reisenden frequentierte Haltestelle handelt. Was ich dabei jedoch immer ziemlich peinlich finde, ist die Präzision des deutschen Ausdrucks, der wörtlich übersetzt, im Englischen einfach unidiomatisch wirkt.

    „Ausstieg in Fahrtrichtung links“ wird da gnadenlos übersetzt mit „exit to the left in the direction of travel“.

    „… to the left in the direction of travel“; of course „in the direction of travel“, what else?

  19. Gernot Back,

    Was ich dabei jedoch immer ziemlich peinlich finde, ist die Präzision des deutschen Ausdrucks, der wörtlich übersetzt, im Englischen einfach unidiomatisch wirkt.

    „Ausstieg in Fahrtrichtung links“ wird da gnadenlos übersetzt mit „exit to the left in the direction of travel“.

    „… to the left in the direction of travel“; of course „in the direction of travel“, what else?

    Was sonst? Ist doch irgendwie klar, oder? Dieser Satz wird hinzugefügt, weil man in Zügen nicht automatisch in Fahrtrichtung sitzt. In den meisten Zügen ist die Ansage nicht notwendig, weil es nur wenige Sekunden dauert, die richtige Tür zum Ausstieg aufzumachen, aber bei Zügen, deren Türen sich automatisch öffnen, geht es um die Sicherheit der Fahrgäste, die z.B. mit dem Rücken an den Türen lehnen könnten.

    Und ich kann Sie beruhigen, es ist nicht unidiomatisch. Es ist zwar ungewöhnlich (den Eindruck der Überpräzision haben wir im Deutschen ja auch), wird aber, wie man nach kurzer Google-Recherche feststellen kann, auch im Englischen benutzt, so z.B. in Chicago:
    „In the direction of travel, doors open on the left at Pulaski.“
    http://www.chicago-l.org/…d/Pulaski-51_doors.wav

  20. Sprachnörgelei?

    März 2011
    Deutsch als Wissenschaftssprache stirbt aus, wenn man nicht dagegen unternimmt. Aus gutem Grund, wie ich meine, will nicht nur der VDS das nicht akzeptieren.
    Der folgende Wink liefert einige gute Gründe dafür, weshalb man diese Entwicklung aufhalten sollte.

    vhttp://www.tagesspiegel.de/…larheit/3969920.html

    Der Autor, Georg Turner, ist meines Wissens nicht Mitglied im VDS. Und nörgelt trotzdem.

  21. Deutsch als Wissenschaftssprache

    Turner nörgelt, doch überzeugt er auch? Man darf Deutsch als Wissenschaftssprache ja fördern wollen, aber der Vorschlag, dass deutsche Texte Geld kosten, hingegen die englischen Übersetzungen umsonst sein sollen – wozu nützt das?

  22. Aha, ein gewisser Herr T. mit einer E-Mail-Adresse beim Tagesspiegel behauptet einfach in 5 Absätzen ein paar Mal, dass Deutsch als Wissenschaftssprache ausstirbt. Das war es auch schon. Keine Zahlen, keine Vergleiche, keine Mechanismen, keine Gründe dafür oder dagegen.

    Sagen wir mal, er hat recht – was sagt uns das dann? Doch nur, dass deutsche Wissenschaftler ganz gerne weltweit gelesen, verstanden und für ihre Gedanken respektiert werden möchten. So wie früher mal Latein, später das Französische ist halt heute Englisch Lingua franca, vielleicht wird es einmal von Chinesisch abgelöst oder sogar vor Deutsch oder auch irgendeiner arabischen Sprache oder Hindu. Wollen wir dann jedesmal heulen?

    Wenn deutsche Technik im Ausland so erfolgreich bleiben soll wie chemische und nukleare Einrichtungen in Libyen, im Irak oder in Japan, werden wir uns mit den Libyern, Irakis, Japanern und vielen anderen unterhalten müssen – Englisch als weltweit verbreitetste Sprache bietet sich da an. Weder Portugiesisch noch Friesisch [in der niederländischen Variante] oder sogar Spanisch war historisch so erfolgreich.