Unverständnis auf Deutsch

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Latein die Sprache der Wissenschaft. Galileo Galilei, Johannes Kepler und Tycho Brahe verfassten ihre Hauptwerke nicht in italienischer, deutscher oder dänischer Sprache, sondern in lateinischer. Das ermöglichte ihnen, ihre Ideen schnell und direkt nachvollziehbar auszutauschen, sie zu kritisieren oder darauf aufzubauen.

Das Tempo der wissenschaftlichen Forschung und der Grad ihrer internationalen Vernetzung haben sich seitdem drastisch erhöht, und der freie Austausch von Ideen ist unverzichtbarer denn je. Wissenschaftlicher Fortschritt wäre schlicht nicht möglich, wenn Forscher jahre- oder auch nur monatelang auf Übersetzungen warten oder sprachkundige Kolleg/innen bitten müssten, Ihnen bei der Lektüre der Flut wissenschaftlicher Veröffentlichungen behilflich zu sein.

Und so ist es natürlich, dass die Wissenschaft auch heute eine gemeinsame Sprache braucht, und diese gemeinsame Sprache ist das Englische. Das hat verschiedene Gründe: Nicht zuletzt hängt es mit der Exzellenz des US-amerikanischen Universitätssystems (nicht: US-amerikanischer Forscher/innen) zusammen, einem der am effizientesten organisierten und bestausgestatteten der Welt. Aber auch die Tatsache, dass Englisch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits das Französische als Sprache der internationalen Kommunikation abgelöst hatte, trug mit Sicherheit zu dieser Entwicklung bei. Nicht zu vergessen, dass die Nationalsozialisten durch die brutale Ermordung und Vertreibung vieler seiner besten Wissenschaftler/innen der Wissenschaftssprache Deutsch die Existenzgrundlage entzogen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist es völlig egal, in welcher Sprache der Ideenaustausch stattfindet. Wissenschaftliche Modelle sollen die Wirklichkeit abbilden und dazu ist jede Sprache in gleicher Weise geeignet. Wenn sich ein wissenschaftliches Modell nur in einer einzigen Sprache adäquat formulieren lässt, ist das ein sicherer Hinweis darauf, dass es das Papier nicht wert ist, auf dem sein/e Schöpfer/in es formuliert hat (davon abgesehen ist eine Wissenschaft, deren Ergebnisse sich nicht in die universelle „Sprache“ der Mathematik übersetzen lassen, ohnehin noch weit von ihrem Ziel entfernt).

Das alles will — oder kann — Klaus Reichert, emeritierter Professor für amerikanische Literatur und Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, nicht verstehen. Unter dem Titel „Weltverständnis auf Deutsch“ mäandert er sich auf den Seiten der Deutschen Welle durch einen Besinnungsaufsatz, dessen zentrale Botschaft ich nur so verstehen kann: Klaus Reicherts Englisch hat — seinem Fachgebiet zum Trotz — nicht das Niveau, das für den internationalen Austausch von Ideen nötig wäre, und deshalb soll auch kein anderer deutscher Wissenschaftler seine Forschungsergebnisse in englischer Sprache veröffentlichen (nebenbei jammert er auch noch über das Verschwinden von Konjunktiv und Futur II und redet sich den weltweiten Einfluss des Deutschen schön, aber das soll uns hier nicht weiter beschäftigen).

Fakten hat er nicht zu bieten, dafür aber jede Menge unbewiesener (und unbeweisbarer) Andeutungen und Behauptungen. Das fängt an mit dem Motiv, das er hinter der Verwendung der Wissenschaftssprache Englisch vermutet:

Nicht nur Natur-, auch viele Geisteswissenschaftler halten ihre Kongresse auf Englisch ab und publizieren in dieser Sprache, um, wie sie sich einreden, ein größeres Publikum erreichen zu können.

Die Formulierung „wie sie sich einreden“ kann ja nur heißen, dass Reichert nicht glaubt, dass man mit der Weltsprache Englisch, die weltweit immerhin von einer Milliarde Menschen verstanden wird, ein größeres Publikum erreicht als mit der Nationalsprache deutsch, die es auf gerade einmal 100 Millionen Sprecher bringt, die zum größten Teil in Deutschland, Österreich und der Schweiz leben. Aber selbst, wenn ihn die Zahlen überfordern, er müsste nur eine beliebige hochkarätige wissenschaftliche Konferenz besuchen, um sich zu überzeugen, dass ein substanzieller Teil der Anwesenden auf einer deutschsprachigen Konferenz nichts verstehen und sie deshalb auch nicht besuchen würde. Aber vielleicht war er nie auf einer solchen Konferenz. Ich enthalte mich eines Urteils darüber, was das über ihn und seine Forschung aussagen würde.

Bei seiner nächsten Behauptung fällt mir das schon deutlich schwerer:

Mir ist nicht bekannt, dass englisch geschriebene Aufsätze oder Bücher deutscher (Geistes-)Wissenschaftler sonderlich beachtet werden.

Ich kann nur sagen: Speak for yourself. Wenn er keine deutschen Wissenschaftler — Geistes- oder sonstwie — kennt, deren in englischer Sprache veröffentlichten Arbeiten international rezipiert werden, dann kennt er nicht die richtigen Wissenschaftler. Aber selbst wenn er recht hätte — will er ernsthaft behaupten, die schmählich Ignorierten würden mehr internationale Anerkennung erhalten, wenn sie ihre Arbeiten auf Deutsch veröffentlichen würden?

Und woran liegt es seiner Meinung nach, dass die internationale Fachöffentlichkeit die deutschen Wissenschaftler ignoriert? Klar, an deren mangelhaften Englischkenntnissen:

Das Englische ist nämlich, entgegen gängiger Meinung, ab einem gewissen Niveau, das für wissenschaftliches Schrifttum unabdingbar ist, eine außerordentlich schwierige Sprache. Dieses Niveau zu erreichen, ist für Nicht-Muttersprachler fast unmöglich. Es ist wichtig, hierfür ein Bewusstsein zu schaffen: dass die deutschen Forscher in der Regel kein Englisch schreiben können.

Es ist schon in der eignenen Muttersprache eine Herausforderung, komplexe Inhalte sprachlich klar und nachvollziehbar darzustellen und ich will gar nicht bestreiten, dass es in einer Fremdsprache tendenziell noch schwerer ist. Aber dass es im Englischen „außerordentlich“ schwer (also schwerer als in anderen Fremdsprachen) und „für Nicht-Muttersprachler [des Englischen] fast unmöglich“ sei, das ist weder logisch nachvollziehbar, noch entspricht es der alltäglichen Erfahrung. Deutsche Forscher können oft erstaunlich gut Englisch schreiben — selbst die, denen es schwerfällt, auf Englisch ein Gespräch über alltägliche Dinge zu führen.

Reichert aber möchte dem Deutschen durch willentliches Ignorieren der sprachlichen Tatsachen wieder zur Wissenschaftssprache machen, und wer die deutschen Wissenschaftler dann nicht versteht, der ist selbst schuld:

Gleichzeitig sollten deutsche Forscher sich durchaus stolz und offensiv auf den formalen und lexikalischen Reichtum ihrer Sprache besinnen und sich sagen: Wer des Deutschen unkundig ist, dem entgeht ein Kultur- und Denkraum, ohne den die Philosophie Frankreichs, Italiens, Spaniens, Englands, Amerikas beider Hemisphären sich nie so entwickelt hätte, wie sie es tat. Man sage nicht, das seien tempi passati, und der hier schreibe, verkenne die Zeichen der Zeit, Entwicklung lasse sich eben nicht aufhalten.

Schließlich, so Reichert später im Text, würden ja selbst Muttersprachler anderer Sprachen das Deutsche verwenden, um sich literarisch auszudrücken:

Was sind die Alleinstellungsmerkmale der deutschen Sprache? Man frage die vielen Autoren mit „Migrationshintergrund“, die die deutsche Sprache gewählt haben und die einen immer bedeutenderen Teil der deutschen Gegenwartsliteratur bilden!

Entweder er widerspricht hier seiner eigenen These, und es ist doch möglich, komplexe Gedanken auch in einer Fremdsprache darzulegen, oder das Deutsche ist seiner Meinung nach irgendwie einfacher zu erlernen als das Englische. Wie sonst will er erklären, dass es zwar anderen Muttersprachlern gelingt, das Deutsche auf schriftsprachlich hohem Niveau zu verwenden, es aber umgekehrt Deutschen unmöglich sein soll, ein solches Niveau im Englischen zu erreichen?

Bevor Reichert den deutschen Wissenschaftlern pauschal ihre Englischkenntnisse aberkennt, bringt er noch ein anderes Argument für die Wissenschaftssprache Deutsch: deren einzigartige „Denkformen“. Hinter diesem Argument steckt die (falsche) Idee, jeder Sprache wohne ein eigenes „Weltverständnis“ inne. Schon in den Naturwissenschaften sei das ein Problem, so Reichert, erst recht aber in den Geisteswissenschaften:

Noch fataler ist es, wenn deutsche Geisteswissenschaftler (Philosophen, Literaturwissenschaftler) glauben, die Sprache wechseln zu sollen. Jede Sprache hat ihre eigenen Denkformen und -stile entwickelt – was in einer Sprache denkbar und sagbar ist, ist es nicht in einer anderen, oder nur mit erheblichen Verlusten und Verfälschungen. Ein englischer Hegel ist ein anderer als der deutsche („Phenomenology of the mind“ oder „of the spirit“ – weder das eine noch das andere deckt sich mit dem deutschen Wort ‚Geist‘.) Nach einem alten Wort bedingen Denken und Sprache einander.

Ich habe es eingangs ja schon gesagt: Wissenschaft soll die Welt beschreiben. Solange sie das tut, lassen sich ihre Aussagen in jede beliebige Sprache übersetzen. Erst da, wo sie sich von der Beschreibung der Welt löst und zu einem reinen Sprachspiel wird, endet die Übersetzbarkeit — aber eben auch die Wissenschaftlichkeit. Sollte es tatsächlich der Fall sein, dass Hegels Überlegungen nur für denjenigen nachvollziehbar sind, der das deutsche Wort Geist in seiner alltagssprachlichen Bedeutung kennt, dann hätte er sich nicht ausreichend klar ausgedrückt. Und dann wäre jede Beschäftigung mit seinem Werk aus wissenschaflicher Sicht Zeitverschwendung, egal, in welcher Sprache.

Dasselbe gilt für zwei andere Beispiele deutscher Denker, die Reichert nennt:

Der sein Leben lang in England lehrende Philosoph Ludwig Wittgenstein hat nur deutsch geschrieben und wurde und wird doch weltweit gelesen. (Das gleiche gilt für Jürgen Habermas, der das Englische weiß Gott beherrscht.)

Ja, Wittgenstein und Habermas werden weltweit gelesen, aber natürlich nicht im deutschen Original, sondern (ebenso wie Hegel) in englischer Übersetzung. Wenn diese Übersetzungen die Gedanken dieser Autoren korrekt wiedergeben, dann hätten sie diese auch auf Englisch ausdrücken können (vor allem, wenn sie „weiß Gott“ und im Widerspruch zu Reicherts vorangehender Pauschalkritik des Englischen mächtig waren oder sind). Wenn ihre Gedanken dagegen unübersetzbar sind, dann beruht der Erfolg der Übersetzungen auf einer Illusion und die Welt rezipiert gar nicht Wittgenstein und Habermas, sondern deren sprachliche Zerrbilder. Beide Möglichkeiten trügen nichts zu Reicherts Argumentationsstrang bei.

Die nebenbei aufgestellte und als „altes Wort“ deklarierte Behauptung, dass Denken und Sprache einander „bedingen“, ist der Höhepunkt leerer Rhetorik. Dieses „alte Wort“, besser bekannt als Sapir-Whorf-Hypothese, ist schon für das alltägliche Denken und Sprechen wissenschaftlich widerlegt. Bestenfalls ein schwacher gegenseitiger Einfluss lässt sich nachweisen, und auch der nur für wenige Bereiche der Sprache und unter sorgfältig kontrollierten Laborbedingungen. Dass diese schwachen Effekte Auswirkungen auf komplexe wissenschaftliche Modelle der Welt haben könnten, ist nach derzeitigem Kenntnisstand auszuschließen.

Und was die Frage betrifft, ob die Rolle des Deutschen als Wissenschaftssprache Vergangenheit („tempi passati“) sei, so dürfte klar sein, dass sie genau das ist. Wie jede andere Sprachgemeinschaft wählt sich auch die internationale Forschergemeinde ihre Sprache durch die Summe von Einzelentscheidungen ihrer Mitglieder. Sie hat sich für das Englische entschieden und daran ändert weder Wunschdenken noch die Verweigerung einzelner Wissenschaftler etwas. Das muss einem persönlich nicht gefallen, aber wer deutschen Wissenschafler/innen ernsthaft vorschreiben will, auf das Englische zu verzichten, der nimmt damit deren vollständige Isolation in Kauf.

REICHERT, Klaus (2009) Weltverständnis auf Deutsch. DW-World.de, 25. Januar 2010. [Link]

© 2010, Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

35 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gute Güte …

    Wittgensteins Logisch-Philosophische Abhandlung erschien 1921, die englische Übersetzung (als Tractatus Logico-Philosophicus) 1922. Philosophische Untersuchungen erschien 1953, die englische Übersetzung 1953. Die Zeitnähe der englischen Übersetzungen weist also weiß Gott klar darauf hin, daß die EngländerInnen Wittgenstein in deutscher Sprache gelesen und verstanden haben.

  2. Ich bin ja der Meinung, jeder solle selbst entscheiden (dürfen) in welcher Sprache er veröffentlicht. Und er solle sich über die Konsequenzen im Klaren sein; Also was es für seine Reputation als Wissenschaftler bedeutet, wenn er das ausschliesslich in seiner nicht-englischen Muttersprache tut. Wie auch immer.

    Was die Saphir-Whorf-Hypothese angeht; Ich finde das Thema ist schon fast einen eigenen Beitrag gleicher länge wert: So pauschal zu sagen, dass sie als wiederlegt gelte, halte ich für ziemlich undifferenziert.

  3. mathematische Eindeutigkeit?

    Es gibt schon Differenzen zwischen Konzepten im Deutschen und im Englischen, die zwar nicht unübersetzbar sind, aber dennoch Probleme darstellen können. Denn welches Wörterbuch sagt einem: »Hey, das heißt in der Fremdsprache das, aber die Bedeutung ist etwas verschoben!«?

    In der englischsprachigen Literatur, die ich für eine Vorlesung über die Bildungsdynamik der modernen Welt lese, wird immer von ideology gesprochen, die deutsche Entsprechung hierzu ist Programmatik, da der Terminus Ideologie stark von Karl Marx geprägt wurde. Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch umgekehrt Konzepte gibt, die keine 1-zu-1-Entsprechung haben, bei denen man als Produzent bzw. Rezipient für die Unterschiede sensibilisiert sein muss, um nicht sein deutsches Denken in die Fremdsprache zu transportieren.

    Darüber hinaus ist es ja schon schwierig, in der eigenen Muttersprache mathematisch anmutende Gleichung à la »Synonym = …« oder »Wort = …« zu formulieren. Ich persönlich glaube, dass es Naturwissenschaften leichter gelingt, diesem Anspruch der Eindeutigkeit in der Terminologie gerecht zu werden. Aus meiner Erfahrung gelingt es Geisteswissenschaften (noch) nicht.

    @Martin
    Ich hoffe, das ist Ironie. Denn sonst erschlösse sich mir der Gedankengang nicht.

  4. gutes Englisch

    In der Praxis ist es nicht notwendig, einen Fachaufsatz in perfektem Englisch zu schreiben. In einer wissenschaftlichen Gemeinschaft bildet sich schnell ein eigenes Fachvokabular heraus, und die Sprache vieler Aufsätze ist eher ein „Fach-Pidgin“ als gutes Englisch. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass eben viel von Nicht-Muttersprachlern geschrieben wird und ein großer Teil des Rests von sprachlich uninteressierten Muttersprachlern. Sich in seinem Fach auf Englisch auszudrücken ist also in der Regel einfach.
    Ich sehe das Problem eher darin, dass man auch versuchen sollte, einem Laien die eigene Arbeit verständlich zu machen. Ein Mathematiker z.B. wird dann nicht nur Symbole schreiben, sondern erklären, was sie bedeuten. Sie in der Umgangssprache zu erklären, ist für den Fachmann auch eine Chance, die eigene Arbeit ein wenig von außen zu sehen, kritisch zu betrachten und neue Ideen zu gewinnen. Oft habe ich den Eindruck, dass Wissenschaftler, PR-Leute und Politiker auf einer Welle leerer Pidgin-Phrasen schwimmen, ohne über deren Gehalt nachzudenken.
    Den Medizinern sagte man ja früher auch nach, sie sprächen Latein um nicht zu zeigen, dass sie keine Ahnung hätten.

  5. ‚Wie sonst will er erklären, dass es zwar anderen Muttersprachlern gelingt, das Deutsche auf schriftsprachlich hohem Niveau zu verwenden, es aber umgekehrt Deutschen unmöglich sein soll, ein solches Niveau im Englischen zu erreichen?‘

    Einfach: die Deutschen sind blöd.

    Wie sieht es nach Reichert eigentlich mit dem sehr großen Schatz englischer und amerikanischer Wissenschaftler/Philosophen deutschsprachiger Herkunft aus, Menschen wie Einstein, Popper, Dahrendorf, von Braun um nur einen ganz winzigen Bruchteil zu nennen? Ich vermute mal, die liefen alle mit Dolmetscher durch Harvard, MIT, CalTech, Oxford, Cambridge, LSE, weil sie sich nach Reichert ja sonst nicht hätten – auf anständigem Niveau! – mit ihren englischen, australishcen, amerikanischen Kollegen unterhalten können. von Vorlesungen, Seminaren, tutorials und Veröffentlichungen ganz zu schweigen.

  6. @Patrick Schulz, Sapir-Whorf

    Was die Saphir-Whorf-Hypothese angeht; Ich finde das Thema ist schon fast einen eigenen Beitrag gleicher länge wert: So pauschal zu sagen, dass sie als wiederlegt gelte, halte ich für ziemlich undifferenziert.

    Reichert verwendet das Wort „bedingen“, was ja die starke Version der Hypothese nahelegt. Und die war ohnehin nie plausibel, kann aber durch die empirische Literatur klar als widerlegt gelten. Dass es, unter sorgfältig kontrollierten Bedingungen, schwache Wechselwirkungen geben kann, habe ich ja klar gesagt. Ich werde darüber nachdenken, über diese Wechselwirkungen einen Beitrag oder eine kleine Serie zu schreiben.

  7. danke

    danke, dass sie sich auch noch nach dem gefühlten zenhtausendsten artikel/buch dieser art die mühe machen, ihn/es auseinander zu nehmen und einzelne punkte zu widerlegen. das bringt mir großartige unterhaltung und ab und zu argumente für die nächste diskussion mit leuten, die dieses diffuse „ich hab das gefühl, deutsch wird von englisch unterdrückt, kann’s zwar nicht wirklich belegen, aber beharre rotzdem darauf“-gefühl haben. und ich bin wirklich dankbar für ihre arbeit, weil ich selbst nach dem lesen solcher sachen einfach viel zu aufgebracht wäre, um das noch objektiv auseinander nehmen zu können.

  8. Sigmund Freud auf Englisch

    Bruno Bettelheim, in „Freud und die Seele des Menschen“ (1983):

    »Als ich in der Mitte meines Lebens das Glück hatte, in den Vereinigten Staaten ein neues Leben beginnen zu können, und anfing, psychoanalytische Schriften auf englisch zu lesen und zu erörtern, entdeckte ich, daß die Lektüre Freuds in englischer Übersetzung zu ganz anderen Eindrücken führt als denen, die ich bei der deutschsprachigen Lektüre gewonnen hatte. Es wurde mir klar, daß die englischen Wiedergaben der Schriften Freuds viel von dem grundlegenden Humanismus, der das Original durchdringt, verzerren.«

  9. Pipilotta-Prinzip

    Herr Reichert folgt augenscheinlch dem Pipilotta-Prinzip: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

    Mal gespannt, wann Englisch in diesem Sinne von Mandarin abgeköst wird…

  10. Vielleicht eine gewisse Relativierung…

    Es ist m.E. nicht grundsätzlich egal, in welcher Sprache Wissenschaft betrieben wird. Der Austausch innerhalb der Wissenschaften findet zwar auf englisch statt und das ist auch gut und richtig so. Ich finde es aber durchaus problematisch, dass darüber Deutsch als Wissenschaftssprache vernachlässigt wird. Denn Wissenschaft ist ein Kulturgut, das unbedingt auch in die Gesellschaft hinein kommuniziert werden muss, und das geht nur in der Muttersprache. Insofern muss beides passieren, sonst verliert Wissenschaft den Kontakt zur Gesellschaft.

  11. Sigmund Freud

    @Balanus: Es geht ja hier um die Übersetzbarkeit von *wissenschaftlichen* Texten, nicht um die von kokaininduzierten Fieberphantasien…

  12. @Lars Fischer, Öffentliche Kommunikation

    Ich sehe es auch so, dass populärwissenschaftliche Texte (auch solche mit hohem Anspruch) in der jeweiligen Sprache der Gesellschaft verfasst sein sollte, an die sie sich richtet. Aber soweit ich das sehe, bestreitet das niemand und Reichert spricht dieses konkrete Problem nicht direkt an. Er spricht naturwissenschaftlichen Schulunterricht in englischer Sprache an und er sieht die Gefahr, dass die Wissenschaftssprache Deutsch nicht mehr angemessen ausgebaut (also mit entsprechender Terminologie angereichert werden könnte). Ersteres ist ein Thema, das mit Wissenschaftssprache nur am Rande zu tun hat und das ich demnächst getrennt aufgreifen werde, letzteres ist meines Erachtens eine grundlose Befürchtung, denn die Prinzipien, nach denen der terminologische Ausbau einer Sprache vorgenommen werden sollte, sind ausführlich erforscht und leicht anwendbar.

  13. Sagen sie das mal auf Englisch!

    Sehr geehrter Reichert,

    Sie haben diesen Text noch auf Deutsch verfaßt, anstatt ans Ausland zu denken.

    Deutsche Dax-Konzerne sind da schon weiter: sie unterhalten sich auf BSE, was für Bad Simple English steht. Daß da Vieles nicht gesagt oder verstanden wird, ist unvermeidlich, und daß solche Mißverständnisse Geld kosten, auch.

    Englisch wurde in Deutschland und weltweit mit vorgehaltenem Bajonett eingeführt, also nicht aufgrund seiner Güte. Das englische Empire ist schon untergegangen, da war das Englische keine Hilfe. Was, wenn jetzt nach den englischsprachigen Finanzmärkten auch noch die US-Streitkräfte versagen sollten? Zum Vergleich: als die Sowjetunion seinerzeit in Konkurs ging, verstand Osteuropa plötzlich kein Russisch mehr. So schnell kann´s gehen.

    Der Kriegssieger gibt die Verkehrssprache vor, der Besiegte muß sich anpassen. Aber er muß sich das nicht auch noch schönreden. Doch Wissenschaftler stecken in einem engen Korsett, nicht nur beim Thema Klima.

    Das Deutsche erschafft intelligente Denkstrukturen, die im volksnahen Englisch nicht vorgesehen sind, und auch andere europäische Sprachen sind ärmer ausgestattet. Dadurch bietet sich Deutsch als europäische Elitesprache an. BSE wird sicher noch eine Zeitlang internationale Verkehrssprache sein. Dies vermutet die Forschungsgruppe LEAP E/2020: http://www.leap2020.eu/…zeichnen-sich_a1035.html

    Danke für Ihre Denkanstöße!

  14. @Julius
    „Es gibt schon Differenzen zwischen Konzepten im Deutschen und im Englischen, die zwar nicht unübersetzbar sind, aber dennoch Probleme darstellen können.“
    =========

    Das sind aber nur semantische Unterschiede, die durchaus nichts mit der „Denkweise“ zu tun haben müssen.

    „Denkweise“ oder „Denkformen“ wie es Reichert nennt, sind ziemlich schwammige Begriffe. Ich verstehe sie so, dass es Konzepte gäbe, die nur in bestimmten Sprachen denkbar seien, in anderen nicht. Wenn nun das berühmte Eskimo-Beispiel korrekt wäre und es in einer entsprechenden Sprache Begriffe für Schnee gäbe, die sich nicht ins Deutsche übersetzen lassen, dann wäre es kein Problem für Sprecher des Deutschen, das dahinter stehende Konzept zu erlernen und dann Begriffe dazu zu bilden.
    So etwas machen wir ständig, etwa, indem wir Fremdwörter, die eine bestimmte Bedeutungsnuance ausdrücken, für die wir noch kein Wort haben, einfach übernehmen und in unsere Sprache integrieren.

    Was es hingegen bedeuten soll, ein Konzept prinzipiell nicht denken, d.h. das Denken dieses Konzeptes ohne genaue Kenntnis der entsprechenden Fremdsprache gar nicht erlernen zu können, ist völlig unklar. Kommt es dabei zu einem neuronalen Kurzschluss? Explodiert unser Kopf?
    Es müsste bedeuten, dass mit dem Erstspracherwerb auch die neuronalen Strukturen zum Erfassen neuer kognitiver Konzepte etabliert würden, dann aber „verschlossen“ würden und sich allenfalls noch „öffneten“, wenn das Erlernen einer Zweitsprache das Erfassen neuer kognitiver Konzepte ermöglichte. Und das ist Quatsch.

  15. Sapir-Whorf

    Dass es, unter sorgfältig kontrollierten Bedingungen, schwache Wechselwirkungen geben kann, habe ich ja klar gesagt. Ich werde darüber nachdenken, über diese Wechselwirkungen einen Beitrag oder eine kleine Serie zu schreiben.

    Ich hoffe, daß dieses Nachdenken zu einem positiven Ergebnis führt. Ich würde mich jedenfalls sehr über (einen) solche(n) Artikel freuen.

    btw: Jetzt, wo ich hier erstmals kommentiere, muß ich Detlef Guertler recht geben. Daß das Kommentarfenster hier oben über allen bestehenden Kommentaren ist, ist zumindest ungewohnt. Mal schauen, ob ich mich schnell daran gewöhne.

  16. Sehr geehrter Herr Reichert,

    muß natürlich die Anrede in meinem Beitrag

    Sagen sie das mal auf Englisch!
    26.01.2010 | 12:08

    lauten. Ich bitte die dort begangene Unhöflichkeit zu entschuldigen.

  17. @A.S.

    „letzteres ist meines Erachtens eine grundlose Befürchtung, denn die Prinzipien, nach denen der terminologische Ausbau einer Sprache vorgenommen werden sollte, sind ausführlich erforscht und leicht anwendbar.“

    Da bin ich nicht so optimistisch. Ich beobachte inzwischen einen selbstverstärkenden Effekt, der immer mehr Themen der muttersprachlichen Diskussion entzieht: Über neue wissenschaftliche Konzepte wird auf englisch kommuniziert, so dass überhaupt keine deutschsprachigen Begriffe mehr entstehen. Und das führt dazu, dass diese Konzepte tendenziell nicht mehr (oder nicht korrekt) thematisiert werden. Wissenschaftler sollten ganz bewusst auch in ihrer Muttersprache wissenschaftlich arbeiten, denn wer sollte denn die Muttersprache um die notwendigen Begriffe erweitern, wenn nicht die Wissenschaftler selbst?

  18. Übersetzen deutscher Denkkonzepte

    @Thomas Müller, Sie schrieben um 12:08:
    „Ich verstehe sie so, dass es Konzepte gäbe, die nur in bestimmten Sprachen denkbar seien, in anderen nicht. .. dann wäre es kein Problem für Sprecher des Deutschen, das dahinter stehende Konzept zu erlernen und dann Begriffe dazu zu bilden. So etwas machen wir ständig .. „

    .. oder ggf. auch nicht. Noch schlechter sieht es aus, wenn englische und sonstigen Muttersprachler auf die ins Englische aus dem Deutschen übertragenen Texte treffen.

    Da ich täglich Englisch, Schwedisch und Deutsch spreche, stoße ich regelmäßig an Denkkonzeptschwellen.

    Beispiel: „Beschäftigungsprogramm“.
    Den schwedischen Freunden war allein der Gedanke schon Häresie, denn hier gilt: Arbeit für alle! Da sei es unerwünscht, gewisse Arbeiten als Formen von Körbeflechten zu bezeichnen. Es dauerte 3 Stunden und brauchte ein von mir neugeschaffenes Wort, um das Konzept zu vermitteln.
    Der englische Mann kannte das Konzept auch nicht, hatte aber bereits einen Anfangsverdacht.
    Allein der amerikanische Schwiegersohn erkannte sofort: „Busy Work“!

    Ein weiteres Wort, „Beuteschema“, war den Schweden und dem Amerikaner ähnlich schwer zu erläutern, wurde aber vom Engländer sofort verstanden.

    Anschließend wurden die neuen Begriffe vergessen und später nicht wiedererkannt.

    Wenn mehrere typisch deutsche Konzepte in einem deutschen Text vorkommen, bräuchte es bei der Übersetzung ins Englische viele Fußnoten. Weiß man ja nicht, welche Muttersprache ein zukünftiger Leser hat, und welche zugrundeliegenden deutschen Denkkonzepte ihm unbekannt wären. Versteht der Chinese oder Buschmann „Busy Work“? Oder muß man das erläutern?

    Einfacher ist es, den Text solange zu abzustreichen, bis man den kleinsten gemeinsamen Nenner erreicht. Der kann ggf. sehr klein sein. Daher wäre es m.E. nötig, zuerst den deutschen Text vollmundig zu schreiben und zu erhalten! Das geschieht wohl eher nicht:

    Lars Fischer @A.S. 26.01.2010 | 13:38 schreibt:
    „Ich beobachte inzwischen einen selbstverstärkenden Effekt, der immer mehr Themen der muttersprachlichen Diskussion entzieht: Über neue wissenschaftliche Konzepte wird auf englisch kommuniziert, so dass überhaupt keine deutschsprachigen Begriffe mehr entstehen.“

  19. Zustimmung zu Lars Fischer

    Ich stimme Lars Fischer zu: Wissenschaft darf sich nicht *ausschließlich* in einer „Wissenschaftlersprache“ abspielen, sondern auch in der Sprache der Nicht-Wissenschaftler, und damit in den Muttersprachen. Englisch ist nicht zuletzt auch dadurch eine so hervorragende Wissenschaftssprache, weil sie so flexibel ist. Sie nimmt leicht neue Begriffe auf oder definiert bereits bekannte um. Das Deutsche tut sich da schwerer.

    Ein Beispiel: Der englische Begriff „Jet“ hat (neben vielen nicht-wissenschaftlichen) folgende wissenschaftliche Bedeutungen:

    „Jet (fluid), a coherent stream of fluid that is projected into a surrounding medium, usually from some kind of a nozzle or aperture

    Jet (particle physics), a narrow cone of hadrons and other particles produced by the hadronization of a quark or gluon in a particle physics or heavy ion experiment

    Polar jet, a phenomenon in astronomy, where streams of matter are emitted along the axis of rotation of a compact object

    Relativistic jet, an extremely powerful jet of plasma which emerges from the centers of some active galaxies

    Jet (lignite), a type of coal used in some jewelry (origin of the adjective „jet-black“)

    Jet, a type of upper atmosphere lightning phenomena

    In differential geometry, the jet bundle is a certain construction which makes a new smooth fiber bundle out of a given smooth fiber bundle

    In mathematics, the jet is an operation which takes a differentiable function f and produces a polynomial, the truncated Taylor polynomial of f, at each point of its domain“

    (Schamlos kopiert aus Wikipedia.)

    Wie würde man diese Begriffe auf Deutsch bezeichnen? Ohne eben „Jet“ zu sagen?

    Übrigens stimmt es zwar, dass die Wissenschaftssprache zu Galileis Zeiten Latein war, doch soweit ich weiss (mag sein dass ich mich irre, aber: http://v1.theglobeandmail.com/…NStory/DAVA+SOBEL), verfasste er seinen „Dialogo“ zuerst in italienischer Sprache – gerade weil er verstanden werden wollte(?)

  20. @lars fischer

    Ist das etwas Neues? Schließlich haben die von Dir benutzten Wörter „optimistisch“, „Effekt“, „Diskussion“, „Konzepte“, „kommuniziert“, „tendenziell“, „korrekt“, „thematisiert“ es ganz wunderbar geschafft, als (zwar durchaus als Fremdwörter empfundene) Begriffe heutzutage „im Deutschen“ benutzt und auch verstanden zu werden.

    Warum sollten Wissenschaftler dann heute die deutsche Sprache um irgendwelche „Begriffe erweitern“ (erfinden oder wie?), wenn viele davon über kurz oder lang als ganz natürlicher Bestandteil _deutscher_ Sprache benutzt werden? Dieses Mal halt nicht lateinisch odr griechisch, sondern eben englisch. Mal schauen, was als nächstes kommt.

  21. @ ohno

    Um als Fremd- oder Lehnworte übernommen zu werden, müssen diese Begriffe allerdings erst einmal mit der deutschen Sprache in Kontakt kommen. Und das ist nun mal nicht gegeben, wenn man dauernd nur englisch über Wissenschaft spricht. Worte wechseln nicht per Osmose zwischen Sprachen, sondern einzig und allein durch Gebrauch.

  22. @Ingrid Blum
    Da war das Problem aber nicht notwendig das Nichtvorhandensein von kognitiven Konzepten, sondern eben das bloße Fehlen eines entsprechenden Wortes dafür. Wenn die erwähnten Personen die Konzepte gar nicht verstanden hätten, ohne vorher Deutsch zu erlernen, dann würde das Reicherts Punkt bzw. die Sapir-Whorf-Hypothese stützen.
    So ist es einfach nur eine Lücke im Lexikon, die vielleicht durch kulturelle Differenzen zustande gekommen ist. Das ist nichts besonderes. Es zeigt nicht, dass aufgrund der Sprache, die ein Sprecher spricht, diesem andere kognitive Konzepte zugängig oder verwehrt sind, sondern nur, dass es zwischen verschiedenen Sprechergruppen kulturelle Unterschiede gibt, die sich (auf lexikalischer Ebene) auf die Sprache niederschlagen.

  23. Stehe ich so auf dem Schlauch, dass ich die Ironie nicht erkenne, oder ist Ingrid Blum ein Gespenst aus Deutschlands jüngerer Vergangenheit, das die Überlegenheit der deutschen Sprache gegenüber anderen Sprachen ernsthaft postuliert?

  24. Wie idiotisch, dass das Kommentarfenster über den schon veröffentlichten Kommentaren steht statt darunter. Das verführt ja direkt dazu, zu kommentieren, bevor man sich vergewissert hat, ob das Argument, das man anbringen möchte, schon fünfmal erwähnt worden ist.

    Noch schlimmer: Wenn man anfängt, zu schreiben, und dann beim Lesen weiterblättert, verschwindet alles, was man geschrieben hat! Zum Glück habe ich das im Vorhinein befürchtet und alles kopiert, bevor ich weitergeblättert habe. Aber wem ist dieser Blödsinn eingefallen???

    nebenbei jammert er auch noch über das Verschwinden von Konjunktiv und Futur II

    Der Konjunktiv II ist in den bairisch-österreichischen Dialekten quicklebendig (wenn auch regelmäßiger als in der Schriftsprache), weil es kein Präteritum gibt, mit dem man ihn verwechseln könnte. Das Futur II war immer schon selten, und ich verwende es immer noch gelegentlich… es wird nicht aussterben, weil seine Konstruktion so naheliegend ist.

    Sollte es tatsächlich der Fall sein, dass Hegels Überlegungen nur für denjenigen nachvollziehbar sind, der das deutsche Wort Geist in seiner alltagssprachlichen Bedeutung kennt, dann hätte er sich nicht ausreichend klar ausgedrückt.

    Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn Hegel die Bedeutungen, die das Englische mit mind und spirit ziemlich sauber trennt, durcheinandergebracht hätte, und das die Basis für alle seine Spekulationen über den Geist wären. Solche unfreiwilligen Wortspiele sind in der Philosophie ja häufig (mindestens seit Anselms ontologischem Gottes“beweis“). Ich habe es aber nie für nötig gehalten, Hegels Werke zu lesen, also bin ich lieber ruhig…

    Bruno Bettelheim, in „Freud und die Seele des Menschen“ (1983):

    Das passt ja – die Psychoanalyse ist keine Wissenschaft.

    Mal gespannt, wann Englisch in diesem Sinne von Mandarin abgeköst wird…

    Naja, frühestens, wenn es nicht mehr in chinesischen Zeichen geschrieben werden muss.

    Außerdem sind die Töne nicht leicht zu lernen (und noch schwieriger zu merken!), wenn man nicht schon eine Tonsprache spricht. (Der englische Artikel ist übrigens besser. Im deutschen sind sogar Übersetzungsfehler. Tut mir leid, ich habe im Moment keine Zeit, sie zu korrigieren.)

    Englisch wurde in Deutschland und weltweit mit vorgehaltenem Bajonett eingeführt […] Das englische Empire ist schon untergegangen […] US-Streitkräfte […] Der Kriegssieger gibt die Verkehrssprache vor, der Besiegte muß sich anpassen. Aber er muß sich das nicht auch noch schönreden.

    Sie haben den 2. Weltkrieg nicht verloren, Frau Blum. Die Nazis haben ihn verloren.

    Doch Wissenschaftler stecken in einem engen Korsett, nicht nur beim Thema Klima.

    Was meinen Sie?

    Das Deutsche erschafft intelligente Denkstrukturen, die im volksnahen Englisch nicht vorgesehen sind, und auch andere europäische Sprachen sind ärmer ausgestattet.

    So kommt es einem immer vor, wenn man keine Fremdsprache richtig gut kann.

    Den schwedischen Freunden war allein der Gedanke schon Häresie, denn hier gilt: Arbeit für alle! Da sei es unerwünscht, gewisse Arbeiten als Formen von Körbeflechten zu bezeichnen. Es dauerte 3 Stunden und brauchte ein von mir neugeschaffenes Wort, um das Konzept zu vermitteln.

    Das ist ein kultureller Unterschied, nicht einer, der in der Sprache begründet ist.

    Ein weiteres Wort, „Beuteschema“, war den Schweden und dem Amerikaner ähnlich schwer zu erläutern, wurde aber vom Engländer sofort verstanden.

    Prey spectrum.

    I’m a biologist, you can trust me on that. But don’t – look it up instead!

    Dunning-Kruger-Effekt (… und wieder ist der englische Artikel viel ausführlicher).

  25. Das Kommentarfeld geht mir auch mehr und mehr auf den Zeiger.

    Aber zum Thema:

    Der Konjunktiv II ist in den bairisch-österreichischen Dialekten quicklebendig (wenn auch regelmäßiger als in der Schriftsprache), weil es kein Präteritum gibt, mit dem man ihn verwechseln könnte.

    Der Konjunktiv II (der starken Verben) ist auch in anderen Gegenden des deutschen Sprachraums noch quicklebendig. Ich würde eher sagen, dass der Konjunktiv I im gesprochenen Deutsch so gut wie ausgestorben ist, eben wegen der (teilweise) Formengleichheit mit dem Indikativ.

  26. Denken wir wirklich in Sprache?

    Die Ironie von Ingrid Blum hier in den Kommentaren ist wohl schon sehr subtil… 😉

    Es ist jedenfalls schwierig, zu behaupten, der Mensch denke direkt in Sprache. Konzepte und deren Zusammenhänge (im Sinne einer Ontologie) können ja auch von Tieren verstanden werden, deren „Sprache“ sehr viel limitierter als unsere ist. Sollte sich nun das Gehirn des Menschen wirklich so drastisch von dem der Tiere unterscheiden?

    Was sich natürlich unterscheiden kann, das ist der Transportweg der Gedanken. Hier stehen je nach Sprache unterschiedlich gut treffende Konzepte (im lexikalisch-semantischen Sinn) zur Verfügung. Das Problem dürfte jedem Übersetzer sehr gut bekannt sein.

    Im Zweifel darf jeder auf englisch veröffentlichende deutsche Wissenschaftler einen muttersprachlichen Kollegen bitten, das Werk Korrektur zu lesen.

  27. Weltverständnis auf Unverständnis?

    oder Selbstverständis als Wirklichkeit?

    Der deutsche Wissenschaftler kann natürlich Korrektur lesen lassen, und doch wird schon der Korrektor ihn nicht ganz verstehen – es sei denn er kann ebenfalls (in) Deutsch denken! Ich habe das – allerdings mit dem Französischen – selbst mehrfach erlebt, und zwar sowohl anfangs als Verfasser als auch sieben Auslandsjahre später als Korrektor.

    Genau dort liegt wohl auch ein Denkfehler des Blogbeitrages. Eine einheitliche Sprache mag nötig sein (persönlich zweifle ich daran – im 18./19. Jahrhundert genügte die erstaunlich zügige Übersetzung). Und falls sie wirklich einheitlich ist – wie überwiegend in der Mathematik – dann wird sie kaum den wissenschaftlichen Fortschritt behindern. ABER: Eine lebende Sprache ist niemals einheitlich, wird nie von allen Forschern gleich verstanden – außer vielleicht im Bereich des innersten Fachchinesischs. (Doch selbst dort gibt es z.B. im Rechtsfranzösisch gravierende Unterscheide zwischen Frankreich und der Schweiz oder im Rechtsdeutsch zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz.) (Etwas) anders war das beim bereits toten Latein – denn das beruhte auf einer (recht) einheitlichen Wurzel!

    Lebende Sprachen – und als Sprachforscher wissen Sie, Prof. Stefanowitsch, das sicher – transportieren immer auch kulturelle Ideen und Vorstellungen. Und diese kulturellen Spezifika kann der Nichtmuttersprachler nur schwer erlernen. Er kann es, insbesondere wenn er (im)migriert (oder Sprach- bzw. Kulturwissenschaftler wird) und dadurch auch die Kultur umfassend mitverinnerlicht. Aber das braucht Zeit und Kraft, und die haben Wissenschaftler ja nach Ihrem Postulat gerade nicht. (Anders wohl noch zu Zeiten Rilkes, der Dänisch gelernt haben soll, um Kiekegaard im Original lesen zu können.)

    In den Naturwissenschaften ist dies von eher untergeordneter Bedeutung, doch jedenfalls in den sprachbetonten Geisteswissenschaften nicht mehr vernachlässigbar. Das umso mehr als gut 90% der Kommunikation unbewusst erfolgt und dieses Unbewusste selbst in wissenschaftlichen Publikationen nie ganz ausgeschlossen werden kann, wenn auch reduziert. Ein wissenschaftlicher Übersetzer kann allerdings das unbewusste zumindest weitgehend bewusst machen.

    Ganz leicht lässt sich dies mit der ach so formalen Mathematik beweisen: 77 + 1 = 100 wird wohl leicht als falsche Aussage qualifiziert werden, und doch ist sie richtig – im Oktalsystem. Hier ist das Missverständnis zwar schnell geklärt – es wäre schon schwieriger, wenn Amerikaner an das Oktalsystem und Europäer an das Dezimalsystem gewohnt wären – in der normalen Sprache aber wird es meist nicht einmal bewusst, meint man also zu verstehen und versteht nicht.

    Daher haben Sie wohl ebenso Recht, wie Prof. Reichert: Vorschreiben kann man die deutsche Sprache nicht; anraten und vor Missverständnissen warnen aber sehr wohl…

    Und vielleicht hängt die Vorherrschaft des Englischen ja zumindest auch von der schieren Landesgröße ab, von dessen wirtschaftlicher Übermacht, von der handelsbezogenheit der englischen Kultur, von (Kontinental)Europas (leichtgläubiger) Akzeptanz eines amerikanischen Wissenschafts- bzw. Fortschrittsverständnisses, etc.

  28. Nicht so einfach

    Meine wissenschaftliche Laufbahn dauerte nicht sehr lang, aber ein paar Erfahrungen auf dem Spannungsfeld Muttersprache vs. lingua franca des Fachgebiets habe ich schon gesammelt:

    Die Diskussion subtiler Unterschiede zwischen verschiedenen Hypothesen z.B. fand ich in der Muttersprache einfacher. Ganz einfach, weil mir ein größerer Wortschatz zur Verfügung steht, und ich mich hinsichtlich der Bedeutungsnuancen im Englischen (wie natürlich in Fremdsprachen überhaupt) nicht so sicher fühle wie im Deutschen. Andererseits habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass diese Schwierigkeit in den Formulierungen mich zu mehr Klarheit in der Argumentation gezwungen hat…

    Um erfolgreich in einer Fremdsprache zu publizieren, reicht es meines Erachtens nicht, fachlich gut zu sein. Ich habe doch an mir selbst erlebt, dass Fachartikel, Vorträge etc., die auf BSE verfasst waren, mir inhaltlich schon sehr viel mehr bieten mussten als solche in gutem, flüssigem Englisch, wenn sie rezipiert werden wollten – weil ich für die Rezeption mehr Mühe aufwenden muss.

    Zum Thema Konzepte: Wenn man ein Konzept nicht kennt, hat man natürlich Probleme, das Wort zu verstehen.

    Zum Thema Freud: Da gibt es zwei mögliche Erklärungen – entweder reichte Herrn Bettelheims Englisch nicht aus, um die Übersetzung zu würdigen, oder die Übersetzung war einfach schlecht. Angesichts Bettelheims Aussage Es wurde mir klar, daß die englischen Wiedergaben der Schriften Freuds viel von dem grundlegenden Humanismus, der das Original durchdringt, verzerren tippe ich hier auf die Übersetzung als Kern des Problems.

  29. Tatsächlich sprachlich nicht so einfach
    Die Probleme mit BSE reichen meines Erachtens noch weiter: Mehr Mühe, explizitere Argumentation und fehlende Konzepte zwingen letztlich entweder zu einem deutlich längeren Artikel oder zu deutlich weniger Inhalt.

    Darüber hinaus ist das Denken wohl nicht ganz so unabhängig von der Sprache, zumindest beim Individuum. Gewisse Probleme durchdenke ich z.B. eher auf Französisch, andere eher auf Deutsch. Natürlich wäre es in der jeweils anderen Sprache möglich, doch kämem/kommen mir dann nicht dieselben Gedanken. Das beginnt bereits mit den Wörtern (Assoziationen) und setzt sich in der Ausdrucksweise fort. Was in einer Sprache fließend sich verbindet, passt oft in der anderen (vorerst) nicht. Ganz zu schweigen von (oft unbewusst mitgedachten) kulturellen Eigenheiten. Dazu kommt noch, dass das Deutsche eher die Zustandsänderung beschreibt, während das Französische mehr das Ergebnis betont.

    Zum Thema Freud: Es gibt eine dritte mögliche Erklärung – die Zielsprache kann (die) Gedanken nicht gleichermaßen wiedergeben. Dies ist z.B. bei der Übersetzung ins Französische passiert (und Freud wurde ganz anders rezipiert). Sehr verkürzt gesagt, liegt das an den beiden angeführten Unterschieden: anderes Vokabular und andere Formulierung. Das im Deutschen tief verankerte Wort „Trieb“ musste im Französischen erst erfunden werden. Und dass die Schwierigkeiten nicht weniger werden, wenn man mehr auf (noch dazu oft indirekt vermittelte) Ergebnisse als auf Handlungen achtet, das leuchtet sicher ein. Recht detailliert dazu, wenn auch nur ein (teils polemischer) Essay: Goldschmidt, Als Freud das Meer sah und Goldschmidt, Freud wartet auf das Wort.

    Vielleicht gibt es darum ja noch eine weitere Erklärung: Welterkenntnis kann nur aus der Kombination aller Sprach(an)sichten folgen, und bleibt selbst dann intersubjektiv. Vielleicht solle man daher auch/gerade in der Wissenschaft wieder sprachliche Vielfalt suchen und (auch) in der Muttersprache publizieren…

  30. Saussures Semiologie hilft

    Ich lese dieses Blog ja ganz gerne mal, aber bin doch nun überaus erstaunt, welche Ansicht von der erkenntnistheoretischen Funktion der Sprache hier vertreten wird. Dieses ganze Gerede von der weltabbildenden Funktion von Sprache widerspricht meinem Verständnis völlig.

    Hier wird offensichtlich eine doppelte Repräsentationstheorie von Sprache zugrundegelegt: Die Gedanken eines Menschen beziehen sich auf die Welt bzw. stehen für Sachverhalte in der Welt und die Wörter stehen für eben diese Gedanken. Diese Sichtweise wird deutlich in Sätzen wie folgenden:

    „Aus wissenschaftlicher Sicht ist es völlig egal, in welcher Sprache der Ideenaustausch stattfindet. Wissenschaftliche Modelle sollen die Wirklichkeit abbilden und dazu ist jede Sprache in gleicher Weise geeignet.“

    „Wissenschaft soll die Welt beschreiben. Solange sie das tut, lassen sich ihre Aussagen in jede beliebige Sprache übersetzen.“

    „Wenn diese Übersetzungen die Gedanken dieser Autoren korrekt wiedergeben…“

    „Wenn ihre Gedanken dagegen unübersetzbar sind…“

    Bei solchen Grundannahmen ist klar: Übersetzen heißt herausfinden, welche Dinge/Sachverhalte oder Gedanken abgebildet werden und diese dann einfach in der anderen Sprache ausdrücken.

    Eine Rezeption des Gründungsvaters der modernen Linguistik Ferdinand de Saussures (sogar des im Cours de linguistique générale deformierten) wäre hier sicher ganz anregend, um diese Sicht von Sprache zu hinterfragen. Saussures Semiologie stellt die erkenntniskonstitutive Leistung der Sprache heraus, ihre welterschaffende Funktion. Es gibt eben keine Erkenntnis ohne Zeichen, der Mensch hat keine der Sprache vorgängige Erkenntnis der Welt. (Ich lasse mal andere Medie wie Malerei und Musik außen vor.) Auch Wilhelm von Humboldt hat dies verstanden und so ausgedrückt:

    „Die Sprache ist das bildende Organ des Gedanken. Die intellectuelle Thätigkeit, durchaus geistig, durchaus innerlich und gewissermassen spurlos vorübergehend, wird durch den Laut in der Rede äußerlich und wahrnehmbar für die Sinne. Sie und die Sprache sind daher Eins und unzertrennlich von einander. Sie ist aber auch in sich an die Nothwendigkeit geknüpft, eine Verbindung mit dem Sprachlaute einzugehen: das Denken kann sonst nicht zur Deutlichkeit gelangen, die Vorstellung nicht zum Begriff werden.“

    Eine sehr ähnliche häufig zitierte Stelle aus dem Cours lautet (meine Übersetzung):

    „Es ist nicht die charakteristische Rolle der Sprache gegenüber dem Denken, ein lautliches materielles Mittel für den Ausdruck der Gedanken zu schaffen, sondern als Vermittlerin zwischen dem Denken und dem Laut zu dienen, dergestalt, dass deren Vereinigung notwendig zu wechselseitigen Abgrenzungen von Einheiten führt. Das Denken, von seiner Natur her chaotisch, wird gezwungen, sich in seiner Zergliederung zu präzisieren. Es gibt also weder eine Materialisation von Gedanken noch eine Vergeistigung von Lauten, sondern es handelt sich um diese auf irgendeine Weise mysteriöse Tatsache [„ce fait en quelque sorte mystérieux“], dass der ‚Gedanken-Laut’ Gliederungen mit sich bringt und dass die Sprache diese Einheiten bildet, indem sie sich zwischen zwei amorphen Massen konstituiert.“

    Mit anderen Worten: Begriffe und Denkinhalte werden – wie die Lautformen auf der anderen Seite – erst mit ihrer Vereinigung im Zeichen als differente/identische Begriffe gebildet
    . Aber was ist die Bedeutung eines Wortes oder Satzes dann, wenn sie nicht durch das jeweils Referenzierte (Gedanke/Ding/Sachverhalt) bestimmt ist? Die Bedeutung eines Zeichens ist das Ergebnis seiner Beziehung zu den anderen Zeichen der Sprache. Dieses „Prinzip der Differenz“ geht auch auf Saussure zurück und ist der Grundgedanke des Strukturalismus.

    „Hinter diesem Argument steckt die (falsche) Idee, jeder Sprache wohne ein eigenes „Weltverständnis“ inne.“

    Wenn man schon von unterschiedlichen Sprachen spricht, dann trifft diese Idee zu, weil sich in einer Sprache eine je eigene Weltsicht oder „Lebensform“ zum Ausdruck bringt.

    Ich möchte also bitten, falls die Sprach(un)abhängigkeit des Denkens hier nochmal Thema wird, nicht nur Sapir-Whorf in Augenschein zu nehmen, sondern auch Saussure und Humboldt (und auch Wittgenstein, den ich nicht auch noch aufführen wollte).

  31. Flexion…

    …ist zum Glück im Englischen auch so gut wie ausgestorben.
    Und daher ist es wohl ein weiterer Vorteil, dass das auf englisch nicht hätte passieren können:
    „Reichert aber möchte dem Deutschen durch willentliches Ignorieren der sprachlichen Tatsachen wieder zur Wissenschaftssprache machen…“

    Außerdem finde ich es sehr einleuchtend, dass natürlich nicht einzelne Worte, aber sehr wohl die Bilder, die in einer bestimmten Sprache zur Darstellung eines Sachverhalts dienen, in ihrer Gesamtheit auch eine Weltsicht oder Denkweise widerspiegeln.

    Trotzdem stimme ich selbstverständlich zu, dass in den Naturwissenschaften auf englisch publiziert werden sollte.
    Herr Reichert ist aber Literatur-wissenschaftler und spricht wohl für seine Sparte. Da denke ich dann schon eher, dass Deutsch die Sprache der Wahl ist, sofern das Thema wiederum deutsche Sprache oder deutsche Literatur ist.

    Falls es in diesem Zusammenhang interessant ist: Ich persönlich hätte die vorangegangenen Sätze auch mühelos auf englisch schreiben können.

  32. Deutsche Wissenschaftler zu doof?

    Es lässt sich das alles (ich habe jetzt nicht das Original gelesen, sondern nur die Zitate) evtl. auch so deuten, dass Reichert meint, dass die deutschen Wissenschaftler zu doof für Englisch sind? Zum Glück hat der gute Mann keine Vorurteile. 😉

    Grüßle, Gonzo


  33. Dazu kommt noch, dass das Deutsche eher die Zustandsänderung beschreibt, während das Französische mehr das Ergebnis betont.

    Das halt ich ja irgendwie für ein Gerücht. Es gibt den bekannten Unterschied, dass germanische Sprachen die Art und Weise des Geschehens im Verb kodieren und das Resultat gerne mal mit Partikeln ausdrücken, während romanische Sprachen die Art und Weise oftmals mit einer separaten Phrase ausdrücken.

    Na wenn schon? Ereignisse werden in beiden Fällen beschrieben, und ein Wissenschaftler, der nicht weiß, ob die Art und Weise nun relevant ist oder nicht, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

    Genauso halte ich es für fragwürdig, sich in wissenschaftlichen Texten auf irgendwelche Bedeutungsnuancen zu verlassen. Ich mag wohldefinierte Konzepte.

    Dass dem Deutschen mittlerweile teilweise die wissenschaftliche Terminologie fehlt, kann ich aber bestätigen. Ich erfahre das sowohl in der analytischen Philosophie als auch in der Linguistik des öfteren, weswegen ich über beides lieber auf Englisch nachdenke und spreche. Warum das was macht, sehe ich aber nicht. In Hinblick auf die Allgemeinkommunizierbarkeit bleibt es sich auch gleich, ob ich neue deutsche Wörter bilde oder die englischen verwende – erklären muss ich sie auf jeden Fall. Anderen Wissenschaftlern muss ich aber wenigstens die englischen nicht erklären.