Swaghalsige Jugendwörter

Der Langenscheidt-Verlag, der es als Herausgeber exzellenter Wörterbücher eigentlich nicht nötig hätte, macht sich seit 2008 jedes Jahr mit der Wahl zum „Jugendwort des Jahres“ zum Affen.

Nicht, weil es keine Jugendwörter gäbe — die gibt es, und sie werden auch sprachwissenschaftlich untersucht (zum Einstieg empfehle ich Schlobinski 2002). Sondern, weil der Langenscheidt-Verlag kein Interesse an Jugendwörtern hat, und sich folgerichtig auch nicht bemüht, etwas über Jugendwörter herauszufinden — oder wenigstens Jugendwörter zu finden.

Statt dessen wird einer Jury aus Jugendlichen (es geht ja um Jugendsprache) und Journalist/innen (es geht ja um, äh…) jedes Jahr eine beliebige Auswahl von Wörtern aus allen möglichen Funktionsbereichen der Sprache vorgelegt, aus denen die dann ein Siegerwort küren soll.

Und in diesem Jahr ist die Beliebigkeit der Auswahl sogar der Jury selbst aufgefallen. Ihre Begründung für die fünf Finalisten und deren Rangfolge liest sich wie eine einzige lange Distanzierung von dem, wozu sie sich da breitschlagen lassen haben.

Die Plätze 1 bis 5 der diesjährigen Jugendwortwahl waren die folgenden:

  1. Swag
  2. Fail/Epic Fail
  3. guttenbergen
  4. Körperklaus
  5. googeln

Dabei war swag das einzige Wort, mit dem die Jury sich überhaupt anfreunden konnte. Warum genau, das bleibt unklar. Es kam wohl in einer Coverversion eines amerikanischen Rap-Songs vor, und das dazugehörige Video wurde auf YouTube 14 Millionen mal angeklickt. Und obwohl das Wort es nicht geschafft hat, in die alltägliche Sprache der Jugend (oder sonst irgendjemandes) Einzug zu finden, macht für die Jury das millionenfache Anklicken eines Videos „einmal mehr deutlich …, wie schnell sich ein Begriff über das Internet verbreitet und in die alltägliche Sprache Einzug findet.“

Das zweitplatzierte Fail/Epic Fail dagegen kam bei der Jury nicht gut an, obwohl es sich hier ja um ein Wort handelt, das wenigstens im Online-Diskurs tatsächlich eine gewisse Rolle spielt, wenn auch sicher nicht nur unter Jugendlichen. Der Jury fehlte aber „das letzte Quäntchen Originalität“.

Dem drittplatzierten guttenbergen sprach die Jury, treffsicher und hellsichtig, den Status eines Jugendwortes gleich ganz ab. Die Jury sah zwar „die Aktualität des Begriffs als durchaus gegeben“, aber „das Wort sei doch schon sehr im Sprachgebrauch Erwachsener/Lehrer verankert“. Dass es sich überhaupt von Jugendlichen geschöpft wurde, ist aber wenigstens nicht völlig ausgeschlossen. Immerhin berichtete der eigentlich recht vertrauenswürdige Tagesspiegel schon Mitte März 2011, dass das Wort auf den Schulhöfen zum Alltag gehöre — es könnte also sein, dass guttenbergen tatsächlich das einzige genuine Jugendwort auf der Liste ist. Anderseits spricht die Tatsache, dass es schon einige Tage nach Guttenbergs Rücktritt auf einem T-Shirt erhältlich war, eher für ein medial geschaffenes Wort.

Auch Körperklaus fand keine Gnade bei der Jury. Das erstmals 2002 im Song „Waterpumpee“ von Seeed nachgewiesene Wort — „Geh bloß uns nicht auf’n Sack weil du zu feige bist zu tanzen, / Zieh die teure Jacke aus, du Körperklaus, zeig, was kannst’n? — konnte laut Jury „nicht mit der Verbreitung der Besserplatzierten mithalten“. Wie diese Verbreitung gemessen wurde, und warum sie bei Körperklaus als missionskritisch betrachtet wurde, bei swag aber nicht, bleibt Langenscheidts Geheimnis. Ohnehin distanziert man sich wohlweislich von Häufigkeitsargumenten „Das Jugendwort des Jahres wird nicht vorrangig nach der Häufigkeit seiner Verwendung ausgesucht“, erfahren wir einige Zeilen später.

Was schließlich googeln auf der Liste verloren hat, versteht vermutlich keiner der Beteiligten. Die Begründung für den abgeschlagenen letzten Platz ist allerdings reichlich verwirrt: „als jugendlicher Ausdruck für das Verb „suchen“ konnte [googeln] zwar in den Top Five landen, da es seinen einstigen modernen Radius Internet verlassen hat und ebenso für das Nachschlagen in einem Lexikon Anwendung findet. Allerdings musste sich dieser Begriff in der Kategorie Originalität geschlagen geben.“ Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, was das heißen soll. „Nachschlagen in einem Lexikon“? Die Jugendlichen besitzen Lexika? Und inwiefern handelt es sich um einen „jugendlichen Ausdruck“? In seiner Bedeutung „(mit Google) im Internet suchen“ steht das Verb auf jeden Fall schon seit 2004 im Rechtschreibduden.

Was soll’s, könnte man sagen. Ist doch nur ein überflüssiger Wortwettbewerb. Das stimmt zwar, aber — nein, es stimmt, Punkt. Langenscheidt war sich nicht zu schade, seine lexikographische Autorität in den Wind zu schießen, um Mario Barths in Buchform gegossene Dümmlichkeiten als Wörterbuch „Frau-Deutsch/Deutsch-Frau“ herauszubringen. Dagegen sind die Jugendwörter des Jahres Peanuts.

Mir bietet die Jugendwortwahl die Gelegenheit, auf unsere eigene Wörterwahl, die zum „Anglizismus des Jahres“ hinzuweisen, für die noch den ganzen Dezember über Nominierungen eingereicht werden können und bei der wir das Siegerwort nicht nach „Originalität“ oder YouTube-Zugriffszahlen, sondern nach harten sprachwissenschaftlichen Fakten auswählen.

Und natürlich bietet sie mir die Gelegenheit, im Sprachlog endlich, und lange überfällig, einen Song von Seeed zu verlinken. Hier ist „Waterpumpee“, inklusive der ersten dokumentierten Verwendung von Körperklaus:

 

Langenscheidt (2011): Das Jugendwort des Jahres 2011: „Swag“. Pressemitteilung vom 5. Dezember 2011. [Link]

Schlobinski, Peter (2002) Jugendsprache und Jugendkultur. In: Bundeszentrale für politische Bildung, Aus Politik und Zeitgeschichte B5/2002. [Link]

© 2011, Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

40 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Körperklaus

    Auch wenn es für die Frage der Nominierungs-/Auswahlkriterien keine Rolle spielt: Das Wort „Körperklaus“ kenne ich aus meiner Schulzeit (DDR, Ende der 80er Jahre) und wurde dort (allerdings nur von wenigen Kindern) als starkes Schimpfwort benutzt, in der Bedeutung „Körperbehinderter“. Woher das Wort kam bzw. wie es entstand, darüber habe ich keine Informationen, ich weiß nur noch, dass ich mich schon als Kind über dieses seltsame Wort gewundert habe. Ab der Gymnasialzeit (dann schon nach der Wende) ist mir das Wort, bis gerade eben, nie wieder begegnet, auch der Song von Seeed war mir nicht bekannt. Interessant!

  2. Swag

    Ich möchte doch eine kleine Lanze für den „Swag“ brechen. In meinem Bekanntenkreis (Studenten und so) hat es große Kreise gezogen. Und es scheint tatsächlich keine direkte Übersetzung dafür zu geben.

  3. Körperklaus

    @Matthias, danke für den Hinweis auf die Vor- und Frühgeschichte dieses Wortes. Tatsächlich ist es im DDR-Sprachgebrauch dokumentiert, und zwar in der Soldatensprache. Möller (2000) definiert es als „unbeholfener, ungeschickter Mensch“, und Möller (2004) nennt es als eins von einer Gruppe von Schimpfwörtern, die „körperliche Defekte“ „behaupteten oder betonten“. Von der Soldatensprache aus kann sich das Wort natürlich problemlos in den Sprachgebrauch der Jugendlichen ausgebreitet haben. Interessant ist aber, dass das Wort damit deutlich über zwanzig Jahre alt ist — mit Sicherheit das älteste der Wörter auf der Siegerliste.

    Möller, Klaus-Peter (2000): Der wahre E. Ein Wörterbuch der DDR-Soldatensprache. Berlin: Lukas. [Link]

    Möller, Klaus-Peter (2004) Anredeformen in der DDR-Soldatensprache und ihre Leistung für die Beschreibung der sozialen Verhältnisse der Wehrdienstleistenden. In: Hans Ehlert und Matthias Rogg (Hrsg.), Militär, Staat und Gesellschaft in der DDR. Forschungsfelder, Ergebnisse, Perspektiven. Berlin: Links, S. 531–558. [Link]

  4. Fail

    Also wenn ich mal nach meinen Schülern gehen soll, ist „Fail“ das einzige Wort der Liste, dass ich bei Jugendlichen gehört habe (OK, außer Googlen, aber das zählt nicht).

  5. Ich finde auch, dass man swag durchaus oft hört. Ich kann es nicht wirklich zuordnen in welchen Kreisen (bin 28), aber ich hatte beim Lesen des Siegers schon das Gefühl, dass es verdient sein könnte.

  6. Swagloser Wettbewerb

    Als jemand, der auch jeden Morgen aufs Neue seinen Swag aufdreht, würde ich mich da gerne Friedrich H. anschließen. Gut, ich weiß nicht, ob ich mit 29 noch zur Jugend zähle (Mutmaßung: Nein.), aber in meinen Sprachgebrauch ist das Wort auf jeden Fall eingezogen.

  7. Ich bezweifle, dass man heute noch zwischen Jugendsprachen und Nicht-Jugendsprache unterscheiden kann. Da sich im Internet Bekannten- und Freundeskreise oft bilden, ohne dass jemand auf die Idee kommt, nach dem Alter zu fragen, etablieren sich auch Ausdrücke, die man spontan eher der Jugend zuschreiben würde, bei ganz unterschiedlichen Alterklassen. Man könnte aber auch andersrum sagen, dass der Begriff Jugend sich nicht mehr hauptsächlich auf eine Altersklasse bezieht.

    Der Post ist wirklich das erste Mal, dass ich Swag in einem deutschen Text verwendet sehe. Im Englischen kommt er mir aber immer wieder unter. Eine Übersetzung würde ich aber leiber nicht wagen.

  8. Körperklaus

    Ich wollte gerade schreiben, dass ich das Wort Körperklaus aus meiner Jugendzeit (Rostock, Ende der 80er) kenne, aber da sehe ich, dass jemand schneller war. Bedeutung übrigens genau gleich. Es gab sogar deftige Körper-Klaus-Witze.

  9. ich verstehe nur Bahnhof

    Swag?

    Kann man mir das bitte mal erklären? Ist das ein Adjektiv oder ein Nomen oder ein Verb? Was heisst „to turn one’s swag on“?

  10. unsten lame

    also ich habe swag überhaupt zum ersten mal im Zusammenhang mit dieser Liste gehört. mein Bauchgefühl spricht dem Begriff eine ähnliche Übersetzung wie wanker zu 🙂

    da ich 5 tage die Woche mit Schulkindern eingepfercht im Bus fahre kann ich eine ziemlich repräsentative und ‚real‘ Liste aufstellen:

    5. Opfer (scheinbar ein Vornamensynonym)
    4. lol (keine Ahnung wohl aus dem schwedischen)
    3. dislike (gerne in Zusammenhang mit Tests, Hausaufgaben und Opfer)
    2. lame (bezeichnet wohl jemanden der nicht gut zu fuss ist)
    1. Spacko ( muss wohl ein Alias für ältere Männer sein, jedenfalls werde ich so freundlich von den Jugendlichen angesprochen zB ‚hier ist besetzt spacko‘)

  11. Is‘ ja alles nur ein Spaß

    Der Hamburger Sprachwissenschaftler, Anatol Stefanowitsch, der es als anerkannter Wissenschaftler eigentlich nicht nötig hätte, macht sich seit 2010 mit der Wahl zum „Anglizismus des Jahres“ zum Affen.
    Nicht, weil es keine Anglizismen gäbe — die gibt es (und wie!), und sie werden auch sprachwissenschaftlich untersucht. Sondern, weil der Verein Deutsche Sprache (VDS) kein Interesse an Anglizismen hat, und sich folgerichtig auch nicht bemüht, den Gebrauch derselben auch noch zu propagieren.
    Statt dessen wird einer Jury aus Sprachwissenschaftler/innen (es geht ja um Sprache), Anglisten/innen (es geht ja um Anglizismen) und Germanisten (es geht ja um, äh…) jedes Jahr eine beliebige Auswahl von englischen Wörtern aus allen möglichen Funktionsbereichen der Sprache vorgelegt, aus denen die dann ein Siegerwort küren soll.
    Im Jahre 2010 war es leaken, das obsiegte. Herzlich Glückwunsch, Jury! Und herzlichen Dank nachträglich für diese Bereicherung unserer siechen Muttersprache!
    In diesem Jahr gibt es erneut gute Gründe, Angst vor einer weiteren Bereicherung des deutschen Wortschatzes zu haben. Man sehe sich die bisherigen Vorschläge nur einmal an:

    adden, Bail-out, Bubble Tea, Burn-Out, Carsharing, Casting-Truck, Cloud, circlen, Compliance, Copy & Paste, Copy-and-Paste-Kultur, Cupcake, Cyberwar/Cyberkrieg, Euro-Bonds, Fazialpalmierung, Fratzenbuch, frienden, Hacktivism, Haircut, Handy-Ticketsystem, Liquid Democracy, Nerd, Occupist, Occupy, Occupy-Bewegung, Onleihe, Post-Privacy, Rating/raten, Shitstorm, Smartphone, Stresstest, Tablet, trenden, whistleblowen (Verb).

    Was soll’s, könnte man sagen. Ist doch nur ein überflüssiger Wortwettbewerb. Das stimmt zwar, aber — nein, es stimmt, Punkt. Stefanowitsch ist sich nicht zu schade, seine wissenschaftliche Reputation in den Wind zu schießen, um in Wort gegossene Dümmlichkeiten herauszubringen. Dagegen sind die Unwörter des Jahres Peanuts.

  12. Referenzwerk

    „Niveaulimbo“ war letztes Jahr Jugendwort des Jahres. Es steht anscheinend für „immer öder oder ständig flacher werden“. Kam mir nur so in den Sinn in Zusammenhang mit dieser Wahl, weil die ja auch immer öder…

    Dann hätte ich noch diesen Buchtip*:
    Neuland, Eva (2008). Jugendsprache. Eine Einführung. Tübingen und Basel: Francke.

    Bin nicht verwandt mit Frau Neuland und habe auch sonst keinerlei Interessen.


  13. mein Bauchgefühl spricht dem Begriff eine ähnliche Übersetzung wie wanker zu 🙂

    Auf Ihren Bauch würde ich mich an Ihrer Stelle in Zukunft nicht mehr verlassen.

  14. lol

    Jens Polze:
    Lol kommt aus der Internetsprache: Laugigh out loud – und bedeutet „lustig“.
    Ohne Lehrertätigkeit wäre ich nie aif die Idee gekommen, das auszusprechen, aber dafür ist es ja Jugendsprache 😉

    Swag: Im englischen ist das sowas wie „gesundes“ Selbstbewusstsein“.

    @Klausi: Lassen sie sich mal was neues einfallen. Das inhaltlich immer selbe Post („sieche Mutterspraxhe“) wird etwas langweilig. Lesen sie ASs Beiträge nicht, wenn sie nix damit anfangen können und gut ist.


  15. Was heisst „to turn one’s swag on“?

    Ist ein Substantiv in diesem Fall. Ich zitiere in Ermangelung einer offizielleren Quelle eben Urban Dictionary:
    To put on (donne) one’s clothes and accessories, including jewellery, watches and general ‚bling‘.

    So ist zum Beispiel auch in Soulja Boys Lied zu hören. Lässt sich meines Erachtens nur schwer ins Deutsche übersetzen, ganz vielleicht mit aufbrezeln oder aufstylen, aber beiden Wörtern fehlt natürlich die genretypische Konnotation, die der englische Ausdruck hat. Vielleicht sollten wir es in Analogie zu den anderen Wörtern als aufswaggen eindeutschen. 😉

  16. @Klausi

    Was ist an den Anglizismen Ihrer Liste bitte so angsteinflößend?
    Cloud ist ein technischer Ausdruck im sogenannten Cloud Computing, circlen ein Ausdruck aus Google+, für Euro-Bonds habe ich noch nie einen deutschen Ausdruck gehört, frienden ein Ausdruck von Facebook, für Hacktivism (hacken aus sozialen/politischen Motiven) gibt es kein deutsches Wort, Handy-Ticketsystem ist doch nun wirklich unkontrovers, Liquid Democracy der Ausdruck für ein bestimmtes Abstimmungssystem, Nerd ist ein seit Jahren etablierter Begriff für eine Subkultur, Die Occupy-Bewegung heißt nun mal so, oder schauen Sie keine Nachrichten?, Smartphone bezeichnet neue Technik wofür es wieder kein deutsches Wort gibt, ebenso Tablet, Stresstest ist doch wohl seit Jahrzehnten etabliert.
    Ich vermute ganz einfach mal, Klausi, dass Sie gar nicht wissen, was viele der Ausdrücke bedeuten und ob es deutsche Begriffe dafür gibt. Ihre Angst vor Englisch ist lächerlich.


  17. Swag: Im englischen ist das sowas wie „gesundes“ Selbstbewusstsein“.

    Nee, der Begriff hat eindeutig eine Stil- bzw. Modekomponente.

  18. Ich lese aus Jens Polzes Beitrag Ironie heraus. Er beschreibt, welche Assoziationen diese Wörter bei einem (potenziell älteren) Außenstehenden hervorrufen können.

    Und Klausi: Nun ja, er versucht mal wieder einen Thread (sic) zwecks Anglizismen-Bashing (sic) zu hijacken (sic). (Ist ihm offenbar schon gelungen, denn weder er noch diejenigen, die ihm antworten, diskutieren über konkrete Inhalte des vorliegenden Blogbeitrages.)

  19. Jugendwahn

    @Detlef Gürtler: Die Altersfrage scheint mir tatsächlich wichtig, sie wird von in Diskussionen von Jugendwörtern, und Jugendsprache allgemein, nie ernsthaft gestellt. In einer Gesellschaft, in der Lebensläufe hoch individualisiert und Lebensbereiche (Subkulturen) stark differenziert sind, kann man sich fragen, ob Alter überhaupt noch ein Parameter sein kann, an dem sich sprachliche Variation ausdifferenziert. Ich vermute, dass das nicht der Fall ist.

  20. Fail!

    Also ich bin schon 24 und so was von nicht hip, aber „fail“ benutze sogar ich (und sogar ein paar noch ältere Leute aus meinem Freundeskreis). Und sogar für mich hat schon einen etwas ausgetretenen Klang, sodass ich nur folgern kann dass „echte“ Jugendliche sich peinlich berührt abwenden, wenn sie mich das Wort verwenden hörten…

  21. @florian / impala

    Oh, da habe ich vorschnell vermutet, dass zwischen Swagger und Swag ein Zusammenhang besteht…
    Swag kenne ich dann tatsächlich nicht.

  22. @ impala

    Aha.

    Danke.

    „Sich in Schale schmeissen“, hätte man ganz früher gesagt. „Every girl’s crazy ‚bout a sharp dressed man“, hätte man vor 15 Jahren gesagt. Nu‘ sammer „swag“. Egal. Hauptsache: steilisch. Stylig. Stielisch. Stielig. Whatever.

    Parce que:

    „Le style, c’est l’homme“

    Oh ja …

  23. Körperklaus

    Seit einigen Jahren habe ich die mir äußerst peinliche Angewohnheit die Sendung Germany’s Next Topmodel zu schauen (jeder tut mal was dummes), daher kenne ich das Wort „Körperklaus“.
    Eine etwas unbeholfene Kandidatin der letzten Staffel (die vermutlich in Wirklichkeit ca. ein Mal pro Woche gestolpert ist, wurde aber so dargestellt als könne sie keinen Meter geradeaus laufen) bezeichnete sich einmal selbst als Körperklaus, was im folgenden natürlich ständig in Einspielern/Untertiteln etc. wiederholt wurde.
    Ich nehme an, dass das Wort deswegen auf der Liste gelandet ist.

  24. Swag

    Wie ja schon vielfach angemerkt, das Wort Swag ist unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchaus verbreitet. +1

  25. Etwas Flach der Beitrag, etwas mehr Hintergrund zu den einzelnen Wörtern und vielleicht auch ein paar der Wörter die es (leider) nicht in die Top5 geschafft haben hätte ich interessant gefunden.

    (btw: wer sagt denn „googlen“ zur Suche in Lexika? Ist mir noch nie begegnet.)

    Was mir bei der Wahl auffällt ist der anscheinend fehlende Bezug zu einem bestimmten Gebiet (oder /Schicht/), denn auch wenn die Welt ein Dorf geworden ist, die Jugendwörter sind mMn oft regional und vom Umfeld abhängig, was sich auch in den Kommentaren zeigt, wo manche eins der Top5 Wörter anscheinend ständig und andere wiederum gar nicht hören.

    [Bitte beachten Sie, dass Kommentare ohne gültige E-Mail-Adresse und Kommentare von Kommentator/innen, die unter verschiedenen Namen kommentieren, gelöscht werden können. Die Kommentarregeln finden Sie hier. –A.S.]


  26. Sich in Schale schmeissen

    … sage ich auch heute noch und bin mit 24 wohl zumindest noch nicht allzu weit von meiner Jugend entfernt. Der Ausdruck hat m.E. aber nix mit Swag zu tun. In Schale schmeißen würde ich mich für einen offiziellen Empfang oder einen Ball oder sonstige seltene Gelegenheiten, bei denen es eine Art feineren Dresscode gibt. Bling scheint mir da unangebracht.

  27. @Peer

    Ich halte es durchaus für plausibel, daß zwischen swag und swagger ein Zusammenhang besteht, allerdings wohl anders, als Sie angenommen hatten.

    Die Hauptbedeutung von swagger ist: ein starkes Selbstvertrauen zur Schau stellendes Einherstolzieren.
    Nun kann dieses tatsächliche oder gespielte Selbstvertrauen verschiedene Ursachen haben. Eine Ursache kann sein, daß der/die Betreffende sich im allercoolsten Outfit, mit dem allerletzten Dernier Cri herausgeputzt hat.

    Anscheinend sind es diese Ausstattungsstücke, die aktuell im Slang als swag bezeichnet werden. Im älteren Slang bezeichnete übrigens swag eine Diebesbeute (gibt es da vielleicht auch einen Zusammenhang?).

  28. @NörglerIn

    Es könnte gut sein, dass Sie recht haben. Das altehrwürdige Oxford English Dictionary kennt „Swag“ in der hier diskutierten Bedeutung gar nicht. Dafür gibt es aber „Swagger“ sowohl als Nomen – „external conduct or personal behaviour marked by an air of superiority or defiant or insolent disregard of others“ (frühester Beleg 1725) – als auch als Adjektiv mit der Bedeutung „Showily or ostentatiously equipped, etc.; smart or fashionable in style, manner, appearance, or behaviour; ‘swell’“ (frühester Beleg 1825).
    Für die Etymologie wird immer auf das Verb „swagger“ verwiesen. Ob sich das Ajdjektiv jetzt aus dem Nomen oder aus dem ursprünglichen Verb entwickelt hat (und ob man das überhaupt sagen kann) geht aus den Einträgen aber nicht hervor. Da „swag“ aber anscheinend amerikanischer Herkunft ist, müsste man da auf jeden Fall noch mal in einem speziellen Wörterbuch/Lexikon nachschlagen.

  29. swagman

    Im australischen Englisch scheint „swagman“ Herumtreiber zu bedeuten, wie man in der heimlichen Nationhymne hören kann:
    Once a jolly swagman camped by a billabong, under the shade of a coolibah tree…

  30. Swag

    Lest Ihr keine Englischen/Amerikanischen Blogs?

    Swag ist der ganze Werbemuell/-krimskrams den man auf Messen, Konferenzen und aehnlichen Veranstaltungen abstaubt. Leitet sich von Diebesgut ab.

    Uralter Begriff und bestimmt nicht Jugendsprache.


  31. Swag ist der ganze Werbemuell/-krimskrams den man auf Messen, Konferenzen und aehnlichen Veranstaltungen abstaubt. Leitet sich von Diebesgut ab.

    Uralter Begriff und bestimmt nicht Jugendsprache.

    Darauf nahm Soulja Boy sicher keinen Bezug als er „Turn my swag on“ sang.

  32. Jugend?

    Warum bestimmen eigentlich Erwachsene Jugendwörter?
    Wäre es nicht sinnvoller, sowas von Kindern und Jugendlichen wählen zu lassen? Eine kleine Umfrage bei SchülerVZ oder sowas Ähnlichem dürfte repräsentativer sein als jede Juryentscheidung von Berufsjugendlichen und/oder Schulhofverstehern.

  33. Swag, Fail

    Ich denke mit meinen 16 Jahren gehöre ich den Jugendlichen an unter die drei Wörter Swag, Körperklaus und Fail kenne ich nur zu gut.
    Das Wort Swag wurde eigentlich erst durch einen Newcomer in der Rapszene bekannt, Moeny Boy. Er verwendet diese Wort sehr häufig und meint im übertragenen Sinne damit den Style und den Kleidungsstil einer Person. Mit vielen Accesoires, wie zum Beispiel Ketten,Caps oder Bandanas (Halstücher) trägt man einen gewissen Swag.
    Mit dem Wort Fail wird in der Jugend ein Unglück, Unfall oder Missgeschick eines anderen bezeichnet. Wenns z.B einer in der Schule etwas in einer Klausur erreichen wollte und eine schlechte Bewertung bekommen hat, hat er einen Fail gelandet oder wenn ein Auto einen Unfall hatte und in einen Fluss gefahren ist, ist das ein Fail. Es beurteilt einfach ob jemandem etwas negatives zugestoßen oder passiert ist und ist ironisch oder sogar sarkastisch gemeint.

  34. @Baer

    Lieber Herr Baer,

    könnten Sie mir dann bitte auch mitteilen, ob „Guttenbergen“ für „abschreiben“ und „googeln“ für „in der Papierwelt nachschauen“ real benutzte Jugendwörter sind?

    Danke im Voraus.

  35. @Phaeake

    In der von mir befragten Gruppe (20 NeuntklässlerInnen) war „guttenbergen“ zwar bekannt, aber nicht Teil des aktiven Wortschatzes. „Googeln“ für „in der Papierwelt nachschauen“ war unbekannt und nach Ansicht der Befragten auch „voll blöd“.
    Ergänzend hierzu:
    „Swag“ war bekannt und akzeptiert; ebenso „fail“. „Körperklaus“ kannte lediglich eine Informantin aus „Germany’s Next Topmodel“.

  36. @Lars v. Karstedt

    Besten Dank. Sie haben mir den Glauben an die Jugend wiedergegeben. Vorallem durch die Erhebung, dass nur eine von 20 NeuntklässlerInnen diese furchtbare Sendung schaut.

  37. „guttenbergen“, „googeln“

    Also bei uns im Freundeskreis und ich selbst auch benutzte das Wort „guttenbergen“ eher weniger bis gar nicht. Aber ich hab es des öfteren schon gehört und ja es bedeutet so viel wie abschreiben oder kopieren, meist im „illegalen“ Sinne bzw. im nicht korrekten Sinne.
    Das Wort googeln bedeutet so viel wie, „ich schau es bei Google/im Internet nach“. Es heißt einfach, dass man es im Internet recherchiert oder einfach im Internet nachschaut was der gesuchte Begriff bedeutet oder was damit gemeint ist. Dass man es dann in der „papierwelt“ nachschaut hab ich noch nie gehört.