Sprache diskriminiert

Gestern habe ich an einer Podiumsdiskussion der Bundeszentrale für politische Bildung mit dem Thema „Wort und Wirklichkeit: Kann Sprache diskriminieren?“ teilgenommen, deren Ergebnisse ich auf vielfachen Wunsch in einigen Blogbeiträgen aufarbeiten möchte. Ich beginne heute mit den Gedanken, die ich mir vor der Diskussion zu der Frage „Kann Sprache diskriminieren“ gemacht und notiert hatte.

Das lateinische Verb discriminare bedeutet „trennen“, „unterscheiden“, und in dieser Bedeutung wurde es im 17. Jahrhundert in verschiedene europäische Sprachen entlehnt. Im Deutschen findet es sich zunächst sehr vereinzelt, erst ab dem 19. Jahrhundert ist es häufig belegt, dann hauptsächlich in seiner heutigen Bedeutung („herabwürdigen“, „benachteiligen“).

Wie diese moderne Bedeutung entstanden ist, lässt sich im Englischen sehr gut nachvollziehen, weil das Wort dort seit dem 17. Jahrhundert durchgängig im Gebrauch war und bis heute neben der modernen auch die ursprüngliche Bedeutung hat. Der erste Beleg für die moderne Bedeutung im Oxford English Dictionary ist der folgende:

Congress can repeal all State laws discriminating between whites and blacks in the subjects covered by this bill. (1866 A. Johnson Speech 27 Mar. in H. S. Commager Documents Amer. Hist. (1935) II. 16/2)

In diesem Beleg (und in anderen frühen Belegen) steht im Prinzip immer noch die Bedeutung „unterscheiden“ im Mittelpunkt, aber da der Zusammenhang einer ist, in dem es um Rechte geht, zieht diese Unterscheidung eine potenzielle Ungleichbehandlung nach sich (was ja der Grund ist, warum der Kongress keine solche Unterscheidung treffen soll). Diese Idee einer potenziellen Ungleichbehandlung wurde durch häufige Verwendung des Wortes discriminate zu einem festen Teil der Wortbedeutung. Im Deutschen dürfte eine ähnliche Entwicklung stattgefunden haben, oder die moderne Bedeutung wurde aus dem Englischen entlehnt (wegen der dünnen Beleglage lässt sich das für mich nicht ohne Weiteres entscheiden).

Für diesen Ausflug in die Bedeutungsgeschichte des Wortes diskriminieren gibt es natürlich einen Grund: Der Schritt vom „Unterscheiden“ zum „Abwerten/Benachteiligen“, der sich darin zeigt, ist Teil jeder diskriminierenden Handlung im modernen Wortsinn: Zunächst muss man eine Unterscheidung treffen, dann kann man diese Unterscheidung mit Bewertungen und Konsequenzen aufladen.

Und das Unterscheiden ist eine Kernfunktion von Sprache: Jedes Wort (und jede grammatische Struktur, aber bleiben wir der Einfachheit halber bei Wörtern) teilt die Welt in zwei Kategorien auf: das, was durch das Wort bezeichnet wird, und das, was nicht durch das Wort bezeichnet wird.

Solche Unterscheidungen können völlig harmlos sein. Das Wort Stuhl zum Beispiel unterscheidet eine Klasse von Objekten wie die, auf denen die meisten von Ihnen vermutlich gerade sitzen, von allen anderen Objekten im bekannten Universum, darunter auch eng verwandte Objekte, wie sie durch Hocker oder Sessel bezeichnet werden. Stühle und Hocker unterscheiden sich durch die An- oder Abwesenheit einer Lehne (Stühle haben eine, Hocker nicht), Stühle und Sessel durch die An- oder Abwesenheit von Armlehnen und den Grad der Polsterung (Stühle sind härter als Sessel und haben, anders als Sessel, typischerweise keine Armlehne).

Diese Unterscheidungen kommen uns natürlich vor, aber sie haben tatsächlich nichts mit objektiver Realität zu tun, sondern werden durch Sprache überhaupt erst konstruiert: Es gibt ja keinen besonderen Grund, gerade diese Merkmale zur Grundlage sprachlicher Unterscheidungen zu machen, und andere Sprache verhalten sich anders (im Englischen z.B. ist auch ein Sessel ein chair). Aber einmal sprachlich kodiert und muttersprachlich erworben erscheinen diese Unterscheidungen uns als selbstverständlicher Teil der Wirklichkeit.

Stühle und Sessel werden durch solche Unterscheidungen nicht diskriminiert — bei Menschen sieht das natürlich anders aus. Auch hier können Unterscheidungen auf den ersten Blick neutral wirken: Das Wort Frau unterscheidet eine Klasse von Personen sowohl von denen, die durch das Wort Mann bezeichnet werden (weiblich vs. männlich), als auch von denen, die durch das Wort Mädchen bezeichnet werden (jung vs. alt). Frau bezeichnet eine erwachsene, weibliche Person.

Beim genaueren Hinsehen fällt aber auf, dass selbst solche scheinbar neutralen sprachlichen Unterscheidungen in mehrfacher Hinsicht problematisch sind. Erstens stellen Sie die Merkmale, anhand derer sie getroffen werden, als durchgängig relevant dar. Zweitens bieten sie sich dazu an, den auf diese Weise kategorisierten Dingen weitere allgemeingültige Eigenschaften zuzusprechen. Drittens schließen diese Unterscheidungen andere Merkmale (und die Abwesenheit der verwendeten Merkmale) aus. Zum dritten Punkt kann ich derzeit noch nicht viel sagen, die anderen beiden will ich kurz ausführen.

Es gibt sicher einige wenige Situationen, in denen es eine Rolle spielt, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist (für viele Menschen spielt das bei der Partnerwahl eine Rolle und für Versicherungen ist es aufgrund der unterschiedlichen Lebenserwartung interessant). Aber objektiv betrachtet sind diese Situationen insgesamt recht selten. Es ist unsere Sprache, die uns einredet, es handle sich um einen wichtigen, alles durchdringenden Unterschied handelt und es ist unsere Sprache, die uns dazu zwingt, diesen Unterschied stets und ständig zu erwähnen, auch dort, wo er absolut nichts zur Sache tut.

Die Berufs- und Tätigkeitsbezeichnungen, um die es hier im Sprachlog schon öfter ging ([1], [2]), sind nur eins von vielen Beispielen. Wenn ich über Menschen spreche, die studieren — warum sollte ich gezwungen sein, sie nach Geschlecht zu kategorisieren? Die einzige sinnvolle Kategorisierung wäre hier eine nach Studienfächern. Wenn ich Menschen einstellen will, die Hotelzimmer reinigen, warum sollte ich gezwungen sein, deren Geschlecht zu erwähnen? Das Einzige, was eine Rolle spielt, ist ihre Qualifikation und ihre Bereitschaft, diese Tätigkeit auszuüben. Die aufgeplusterte Empörung, der selbstgefällige Spott und die unbegründbare Häme, die dem Versuch einer neutralen Formulierung (Studierende, Reinigungskräfte usw.) unvermeidlich entgegenschlägt, zeigt, wie tief die an dieser Stelle völlig irrelevante Unterscheidung nach Geschlecht sich in unser Denken eingegraben hat.

Das hängt zum Teil mit dem zweiten oben genannten Punkt zusammen: Der Aufladung von sprachlichen Kategorien mit Bedeutungsaspekten, die mit der ursprünglich getroffenen Unterscheidung gar nichts zu tun haben.

Wir gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass die sprachlichen Kategorien Mann und Frau mehr beinhalten als eine biologische Unterscheidung. Im Prinzip unterscheiden die Wörter im Alltagsverständnis ja zunächst nur Menschen, die einen Penis haben, von Menschen, die eine Vagina haben (weshalb die Unterscheidung manchmal für die Partnerwahl relevant sein kann). Aber trotzdem erscheinen uns Aussagen wie „Frauen können nicht einparken“ und „Frauen gehen gerne Shoppen“ oder „Männer können ihre Gefühle nicht zeigen“ und „Männer gucken gerne Fußball“ zwar nicht unbedingt wahr, aber zumindest ausreichend sinnvoll, um über ihren Wahrheitsgehalt nachzudenken.

Das liegt daran, dass wir die Wörter Mann und Frau im Laufe einer langen, wenig optimistisch stimmenden Geschichte mit zusätzlichen semantischen Eigenschaften aufgeladen haben, die sich uns nun als ein natürlicher Teil der Wortbedeutung darstellen.

Das scheint bei Wörtern übrigens leichter zu sein, als bei Umschreibungen, die explizit auf die Unterscheidungsmerkmale Bezug nehmen (die folgende Diskussion ist zum Teil durch Gedanken meines Kollegen Theodor Ickler inspiriert, auf die ich irgendwann noch einmal im Detail zurückkommen werde).

Nehmen wir die folgenden Sätze, die eigentlich bedeutungsgleich sein sollten:

(1) Blondinen sind dumm.

(2) Blonde Frauen sind dumm.

(3) Frauen mit blonden Haaren sind dumm.

(4) Frauen mit hellen Haaren sind dumm.

Diese Sätze (die übrigens alle falsch sind) unterscheiden sich in ihrer oberflächlichen Plausibilität. Satz (1) klingt am plausibelsten: In einer Umfrage würde er vermutlich die größte Zustimmung erhalten, und auch wer ihn ablehnt, wäre wohl eher bereit, über seinen Wahrheitsgehalt überhaupt nachzudenken, als bei Satz (4).

Satz (4) klingt nämlich schon bei oberflächlichem Hinhören absurd. Das scheint daran zu liegen, dass hier ein Zusammenhang zwischen Haarfarbe und Intelligenz ausbuchstabiert wird, der überhaupt keinen Sinn ergibt. Bei Satz (1) ist es zwar eigentlich genauso, aber da die Kategorie „Frauen mit hellen Haaren“ durch ein einziges Wort (Blondinen) bezeichnet wird. Dieses Wort kann — anders als die Phrase Frauen mit hellen Haaren leicht mit zusätzlichen Bedeutungsaspekten („wenig intelligent“, „sexuell willfährig“ usw.) versehen werden. Das scheint bei Substantiven leichter zu gehen, als bei Adjektiven — die Sätze (2) und (3) scheinen mir in ihrer oberflächlichen Plausibilität irgendwo dazwischen zu liegen.

Wörter wie Blondine sind natürlich gegenüber Wörtern wie Mann und Frau zusätzlich problematisch, weil die Unterscheidung, auf der sie beruht („Haarfarbe“), von vorneherein deutlich substanzloser ist als die Unterscheidung nach biologischem Geschlecht.

Solche substanzlosen Kategorisierungen führen schnell zu offen diskriminierender Sprache. Die verzweifelte Suche nach einem „akzeptablen“ Wort für „Menschen mit dunkler Hautfarbe“ — von Neger zu Farbiger oder Schwarzer zu dunkelhäutiger Mensch zu Menschen mit anderer Hautfarbe — verstellt den Blick auf die Frage, warum man Menschen überhaupt nach ihrer Hautfarbe kategorisiert — welche Situationen es selbst bei viel Phantasie geben könnte, in denen dies eine relevante Unterscheidung ist.* Die Sprachgeschichte zeigt, dass jedes neu eingeführte, neutral gemeinte Wort hier negative Bedeutungskomponenten annehmen wird, solange die zugrundeliegende Kategorisierung nicht wenigstens explizit benannt wird.

Sprache „kann“ nicht nur diskriminieren, Sprache diskriminiert. Und wir diskriminieren durch Sprache, jedes Mal, wenn wir den Mund aufmachen.

* Normalerweise hätte ich gesagt, dass es gar keine solche Situation gibt, aber nach der gestrigen Podiumsdiskussion (vor allem der Beiträge meiner Kollegin Susen Arndt) ist mir klarer geworden, dass ich da einer Post-Racism-Utopie aufgesessen bin, deren aktueller Status ungefähr dem der Post-Gender-Utopie der Piratenpartei entspricht (Hinweis: Es ist eine Utopie). Menschen mit einer Hautfarbe, die nicht der der (tatsächlichen oder gefühlten) Mehrheit entspricht, werden tagtäglich wegen dieser Hautfarbe einer imaginären „Rasse“ zugeordnet und für diese „Rassenzugehörigkeit“ diskriminiert, verletzt und getötet. An dieser Stelle brauchen wir Wörter, um diese Kategorie von Menschen zu benennen — vor allem brauchen die Mitglieder dieser Kategorie Wörter, um sich selbst zu benennen und die (tatsächliche oder gefühlte) Mehrheit darauf aufmerksam zu machen, dass sie es vorziehen würden, nicht diskriminiert, verletzt und getötet werden würden. Zu diesem Zweck kann man übrigens — auch wenn das in verschiedenen Diskussionen im Sprachlog (und im Bremer Sprachblog) immer wieder zu Verständnislosigkeit geführt hat ([1], [2], [3], [4], [5]) — keinesfalls die Wörter heranziehen, mit denen die Mehrheit jahrhundertelang kategorisiert, bewertet und benachteiligt hat.

[Hinweis an Kommentator/innen: Kommentare, deren Inhalt sich als „Ich bin anderer Meinung, sage aber nicht, warum“ zusammenfassen lassen und Kommentare, die herabwürdigende Äußerungen gegenüber (echten oder angeblichen) Gruppen von Menschen enthalten, werden gelöscht. Bitte auf solche Kommentare nicht antworten.]

© 2011, Anatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

93 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. die Rolle von Unterschieden

    Hm, der Betreff ist ein bisschen ungenau, weil ich zu zwei Aspekten Stellung nehmen möchte.

    „Frauen können nicht einparken.“ Solche Aussagen können sogar eine gewisse Relevanz haben, einerseits weil Menschen eines Geschlechts während ihrer Sozialisation eingeredet wird, sie könnten bestimmte Dinge besser oder schlechter als Menschen des anderen Geschlechts („Mädchen sind nicht so gut in Technik und Jungs weinen nicht“), andererseits weil sich das biologische Geschlecht u.U. signifikant auf körperliche oder neurophysiologische Merkmale auswirkt, die für bestimmte Fähigkeiten relevant sind. Ich habe immer wieder mal Untersuchen über Körperkraft, Ausdauer, räumliches Vorstellungsvermögen und anderes gelesen, die solche Schlüsse nahelegen.

    „Er ist schwarz.“ Manchmal braucht man genau diese Beschreibung, um im alten Sinn des Wortes zu diskriminieren. Ein Mensch, der ein äußeres Merkmal aufweist, das ihn von der Mehrheit abhebt, kann so leichter identifiziert werden. „Schau mal, da kommt mein neuer Kollege.“ – „Wo denn?“ – „Na da drüben, der {schwarze | rothaarige} Typ, der gerade hereinkommt.“ So wie das Wort diskriminieren aufgrund unserer Neigung, aus Unterschieden Werturteile abzuleiten, eine pejorative Konnotation hat, haben auch beschreibende Adjektive oder Substantive eine solche Konnotation – weil sie Menschen beschreiben, die für weniger wertvoll gehalten werden.

    Im Falle der roten Haare ist das beschreibende Adjektiv nicht „verbrannt“, im Falle der schwarzen Hautfarbe schon. Was ich als Problem sehe: Es ist schwierig, den Pejorationszyklus der Begriffe zu durchbrechen. Eigentlich gelingt es nur, wenn sich die gesellschaftliche Haltung verändert – „schwul“ ist ein gutes Beispiel. Berlin hat einen schwulen Bürgermeister. Ob das Wort herabsetzend gemeint und empfunden wird, ist inzwischen fast eine individuelle Sache von Sender und Empfänger.

  2. Konsequenz?

    Sprache diskrimiert dann, wenn:
    1. Sprechende (so muss es wohl heißen) diskriminieren wollen. Beispiel: ‚Neger‘ und alle o.a. Euphemismen. Insofern gebe ich Ihnen recht;

    2. die bezogenen Personen sich diskriminiert fühlen wollen.

    … die dem Versuch einer neutralen Formulierung (Studierende, Reinigungskräfte usw.) unvermeidlich entgegenschlägt, zeigt, wie tief die an dieser Stelle völlig irrelevante Unterscheidung nach Geschlecht sich in unser Denken eingegraben hat.

    Wenn mann wollte, könnte er sich durch ‚Reinigungskräfte‘ (grammatisch weiblich!) diskriminiert fühlen. Natürlich will das niemand. Warum sollten sich also Frauen durch ‚Studenten‘ diskriminiert fühlen?

    Dass hier nach Geschlecht unterschieden wird, ist eine bloße Behauptung. Wie wollen Sie beweisen, dass jemand auschließlich Männer meint, wenn er / sie ‚Studenten‘ sagt? Ich kenne jedenfalls niemanden, bei dem das der Fall ist.

    Ihre eigenen Worte:

    Drei Vorstellungen sind für den Sprachnörgler nicht fassbar. Erstens, Sprache verändert sich. Zweitens, Wörter (und andere sprachliche Zeichen) können mehr als eine Bedeutung haben. Drittens, Verstehen besteht nicht in einem mechanischen Dekodieren von Wortbedeutungen, sondern in einem aktiven Deuten von Äußerungen in konkreten Situationen und im sprachlichen Zusammenhang.

    Erstens: Unsere Sprache hat sich dahingehend geändert, dass mit dem generischen Plural meistens (s. 2) beide biologischen Geschlechter gemeint sind.

    Zweitens: ‚Studenten‘ kann mehrere Bedeutungen haben:
    a) männliche Studierende (‚Studenten und Studentinnen‘)
    b) alle Studierenden (‚Studenten‘).

    Drittens: Sie betreiben in der ganzen Diskussion genau dieses: mechanisches Dekodieren von Wortbedeutungen, indem sie vom grammatischen Genus (Singular) auf die Bedeutung des Pluralbegriffs schließen.

    Sorry, IMHO ist das inkonsequent und nicht überzeugend.

  3. taz

    [blockquote]Der Punkt aus der Fußnote ist übrigens sehr schön von der taz illustriert worden[/blockquote]
    Leider ist das im Kommentarbereich der verlinkten Seiten dann nicht mehr so schön; was für Creeps sich so auf taz.de tummeln… *grusel*

  4. Erwünschte „Diskrimination“

    Eine Unterscheidung, die als Diskrimination bekannt ist, wird nicht selten von den Diskriminierten selber betont, denn es hat ihre Erfahrungen geprägt. Der Schwarze kann also auf seinem Schwarzsein bestehen, weil das seine Sozialisisierung geprägt hat und er auch selber eine Andersartigkeit fühlt auf die er gar nicht mehr verzichten will. Der Begriff Black music wird von vielen Schwarzen wohl dem Begriff afroamerikanische Musik vorgezogen und ist nicht nur bei ihnen positiv besetzt.

    Auch Frauen und Schwule betonen nicht selten ihr Frausein oder Schwulsein als positives Diskrimierungsmerkmal. Die Diskrimination kann ja auch umgekehrt werden in dem Sinn, dass eine Frau ihr Frausein betont um dem Mann zu verstehen zu geben, dass er in diesen und jenen Punkten nichts zu melden hat.

  5. .“…Sprache diskriminiert. Und wir diskriminieren durch Sprache, jedes Mal, wenn wir den Mund aufmachen.“

    Wie soll ich das „diskriminieren“ hier verstehen? Als „unterscheiden“ oder als „herabsetzen“? Oder als Wort, das zwischen beiden Bedeutungen changiert?

    Im Falle von „herabsetzen“ müsste ich heftigst protestieren und subito hier endlos viel Poesie abladen, in der Götter und Geliebte (und sonst noch alles mögliche) VERHERRLICHT werden, dass es eine helle Freude ist …

  6. Wo ist Unterscheidung „erlaubt“?

    Was ich nicht ganz verstehe: Wenn das hier in Ordnung ist:

    „Es gibt sicher einige wenige Situationen, in denen es eine Rolle spielt, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist (für viele Menschen spielt das bei der Partnerwahl eine Rolle und für Versicherungen ist es aufgrund der unterschiedlichen Lebenserwartung interessant).“
    Warum ist es dann das nicht:
    „Aber trotzdem erscheinen uns Aussagen wie „Frauen können nicht einparken“ und „Frauen gehen gerne Shoppen“ oder „Männer können ihre Gefühle nicht zeigen“ und „Männer gucken gerne Fußball“ zwar nicht unbedingt wahr, aber zumindest ausreichend sinnvoll, um über ihren Wahrheitsgehalt nachzudenken.“
    Für eine Versicherung bspw. könnte die Frage, ob Frauen schlechter (oder vielleicht auch besser) einparken können als Männer, doch durchaus interessant sein. Ebenso wie es eine Werbeagentur, die Werbung für Rasierer schalten möchte, interessieren könnte, ob Männer besonders gerne Fußball schauen.

  7. Die Idee der „substanzlosen Kategorisierungen“ finde ich problematisch. Dazu nur ein paar so unsortierte wie unfertige Gedanken:

    Zum einen ist ja die Henne-Ei-Frage, woher denn die in Sprache gefassten Diskriminationen(die fraglos unsere Weltsicht prägen) herkommen und was nun die Rückkopplung wovon ist. Über kurz oder lang landet man da wohl wieder bei Sapir/Whorf…

    Zum anderen aber halte ich es – um mal ein bisschen küchenpsychologisch zu werden – für unvermeidlich, dass der Mensch Unterschiede zu anderen Menschen erkennt und benennt. Daraus schöpft sich doch Identität, aus dem Wechselspiel von Identifikation und Abgrenzung. Ich sehe nicht, wie man die Feststellung „Du bist anders als ich“ (und deren Versprachlichung) ausschalten sollte und könnte.
    Die Frage bleibt dabei natürlich, warum ausgerechnet die Hautfarbe als ein solches Diskriminationsmerkmal taugen sollte und vergleichbare Merkmale wie Haar- oder Augenfarbe dafür tatsächlich irrelevant sind.

    Unfertige Spontangedanken, wie gesagt…

  8. discriminate

    Sehr schöner und wichtiger Beitrag, bin auf die weiteren gespannt. Auch ich versuche, immer wieder zu erklären, dass Sprache tatsächlich unser Denken beeinflusst und man deswegen gut über Begriffe nachdenken sollte.

    Zur Bedeutung von „discriminate“ möchte ich aber noch anmerken, dass die deutsche Bedeutung „benachteiligen“ im Englischen eigentlich nur mit der zusätzlichen Präposition „against“ gegeben ist. Bei „discriminate“ ohne Präposition ist in der Regel immer noch nur „unterscheiden“ gemeint.

  9. @ Michael Allers

    Sie sind einer von diesen Menschen die das wohl immer noch nicht verstanden haben. Das wird langsam irgendwie etwas müßig, aber wir probieren es nochmal: Ob sich jemand diskriminiert fühlt oder nicht hat überhaupt nichts damit zu tun ob sie das persönlich plausibel finden oder nicht. Es steht Ihnen schlicht und einfach nicht zu zu entscheiden ob sich jemand diskriminiert fühlen darf oder nicht.

    Es ist wie es ist: Menschen fühlen sich diskriminiert vom generischen Maskulinum, egal wer das nachvollziehbar findet. Also bemüht man sich, Formulierungen und Vokabeln zu finden die nicht diskriminieren. Warum das so ein Problem darstellt weiss ich beim besten Willen nicht. Aber „Die sollen sich doch mal einfach nicht diskriminiert fühlen“ ist nun beim besten Willen keine Lösung.

  10. @ Michael Allers

    Es geht nicht um das grammatische Geschlecht eines Wortes (wie in ‚Reinigungskraft‘), sondern darum, ob es zu einem Wort eine (morphologisch markierte) männliche und weibliche Form gibt, wie in Lehrer/Lehrerin oder Student/Studentin. Wenn es diese Formen gibt, aber nur eine davon benutzt wird um beide zu bezeichnen, wird man automatisch an das mit der Form bezeichnete Geschlecht denken.
    Als Beispiel aus dem Alltag: Ich stelle mich einem neuen Kollegen vor und sage, dass ich für Professor x arbeite. Er kennt Professor x noch nicht und fragt: Ah, ist das der Typ, dem das Eckbüro gehört? Prof. x ist natürlich eine Frau, aber da ich die (angeblich neutrale) männliche Form gebraucht habe ist mein Kollege avon ausgegangen, dass es sich um einen Mann handeln müsse.

    Zugegebenermaßen ist das kein Phänomen, dass sich rein auf die Sprache beschränkt; nicht nur eindeutig männlich markierte Wörter werden gern als angeblich neutrale, inklusive Form verwendet. Wenn z.B. die Evolution des Menschen bildlich dargestellt werden soll, werden ganz selbstverständlich männliche Individuen dargestellt (einfach mal eine google-Bildersuche machen. Ein weiterer Effekt, der bei diesen Bilderserien zu beobachten ist, ist dass die Menschen mit zunehmender Entwicklung immer hellhäutiger werden. Aber dass prototypische Europäer stellvertretend für der Rest der Spezies stehen ist bestimmt auch reiner Zufall).

    Wie der Sprachblogger schon sagte, wie leben nicht in einer post-gender-Utopie, in der mal männliche, mal weibliche Formen verwendet werden, um alle Menschen zu bezeichnen. Männer werden automatisch als das typische, handelnde Subjekt gedacht und die Verwendung von maskulinen Formen als ’neutrale‘ Bezeichnung für alle ist ein Ausdruck und eine Verstärkung dieses Problems.

    Als Fußnote: Alles was ich gesagt habe lässt sich natürlich umgekehrt auf die Branchen anwenden, in denen Männer selten sind. Am besten sind geschlechtsneutrale Begriffe, und wenn sich die nicht bilden lassen müssen eben männliche und weibliche Formen benutzt werden (Krankenpfleger/innen statt Krankenschwester).

  11. Diskriminieren

    Zumindest im fachlichen Bereich der Mineralogie findet sich die ursprüngliche Bedeutung des Wortes dirkriminieren noch. Hier werden anhamd von Diskriminationsdiagrammen Gesteine nach ihren chemischen Hauptkomponenten dirkriminiert. Ein Umstand, der bei manchem Studierenden zuerst zu leichter Verständnislosigkeit geführt hat. Wobei mir aber nicht ganz schlüssig ist, ob es sich hier wirklich um ein Relikt einer „alten“ Bedeutung im Deutschen handelt, oder um eine Übernahme aus dem englichen Sprachraum.

  12. @Michael Allers

    Ich habe kürzlich irgendwo gelesen, dass Steffi Jones – die Organisationschefin der Fussball-WM 2011 – als Kind häufig darunter zu leiden hatte, dass andere Kinder ihr „Negerlein“ nachgerufen haben. Wahrscheinlich wäre es für sie hifreich gewesen, wenn ihr jemand erklärt hätte, dass es schließlich ihre eigene Schuld sei, wenn die anderen Kinder nicht mit ihr spielen wollten.

  13. Sozialisation, Generika, Verherrlichung

    @Achim Das mit der Sozialisation stimmt, aber das ist dann (zumindest teilweise) eine Konsequenz der sprachlichen Kategorisierung — genau das ist ja das Problem. Man kann Kindern einen Satz wie „Jungs weinen nicht“ einreden, weil ein Substantiv wie Junge, das eigentlich nur „nicht-erwachsene Menschen mit Penis“ bezeichnet, mit Attributen wie „weint nicht“ aufgeladen werden kann. Hätten wir kein Wort für Junge, sondern würden dort, wo es absolut nötig ist, eben „männliches Kind“ oder „Kind männlichen Geschlechts“ sagen, wäre diese Aufladung schwieriger.

    Das mit den neurophysiologischen Merkmalen halte ich in dieser Form angesichts der Forschungslage für eine äußerst verfrühte Spekulation. Vor allem wird hier die neurophysiologische Variation, die mehr oder weniger kontinuierlich sein dürfte, an einer Stelle in zwei diskrete Kategorien zerschnitten (Männer/Frauen) und dann wird so getan, als sagten die Mittelwertsunteschriede zwischen diesen Kategorien etwas über die einzelnen Mitglieder dieser Kategorien aus.

    Dass es manchmal offensichtlich praktisch sein kann, äußere Merkmale zur Identifikation eines Individuums heranzuziehen (Haarfarbe, Hautfarbe oder auch die Farbe des T-Shirts, das jemand trägt), ist klar. Ob es wirklich häufig Situationen gibt, in denen nur die Hautfarbe eine Unterscheidet, wie im Beispiel mit dem neuen Kollegen, weiß ich nicht, ich kann es mir aber kaum vorstellen. Wenn ja, dann kann man diese Eigenschaft ja direkt beschreiben, wie man es mit der Farbe des T-Shirts auch machen würde.

    Dass Gruppen manchmal negativ besetzte Wörter bewusst für sich reklamieren, wie im Fall von schwul, ist richtig. Es kann den Pejorationszyklus durchbrechen, muss es aber nicht. Auf jeden Fall ist das eine Entscheidung der Betroffenen.

    @ Nils Reiter, klappnase: Interessante Links, da steckt viel Stoff für Analysen drin (gerade in den Kommentaren)!

    @ Michael Allers: Zu Ihren Punkten 1 und 2: Nein. Es wäre sicher bequem, wenn es so wäre, ist es aber nicht. Es wird oft versucht, mit dieser Strategie strukturelle Diskriminierung zu verdecken, aber es ist tatsächlich die Sprache selbst, die diskriminiert (die Sprecher/innen natürlich auch).

    Bei Reinigungskraft verwechseln Sie (wieder einmal) grammatisches und natürliches Geschlecht.

    Die Behauptung, Studenten könne die Bedeutung „Studierende aller Geschlechter“ haben, wird nicht wahrer, indem man sie ständig wiederholt.

    @ Martin Holzherr: Ja, siehe meine Fußnote.

    @ Helmut Wicht: Wenn es doch nur so wäre, dass Verherrlichung und Diskriminierung einander ausschlössen. Tun sie aber nicht.

    @ amfenster: Das Problem ist doch, dass die Sprache uns die Dimensionen vorgibt, anhand derer wir Unterschiede zwischen uns uns anderen Menschen erkennen (bzw. konstruieren). Die Henne-Ei-Frage stellt sich natürlich, aber Sie beantworten Sie ja selbst: Wir haben es im Prinzip mit einem sich durch Rückkoppelung selbst verstärkenden System zu tun.

    @ Feathers McGraw, tungl: Danke!

    @ Gunnar: Es ist tatsächlich ein Relikt einer alten Bedeutung!

  14. @Feathers McGraw, @tung!

    @Feathers McGraw:
    Natürlich dürfen Sie sich 24/7 diskriminiert fühlen. Wenn es dazu einen objektiven Anlass gäbe: Müssten sich dann nicht alle Frauen durch den generischen Plural diskriminiert fühlen (was definitiv nicht der Fall ist)?

    Ihnen und auch dem Blog-Autor steht es schlicht und einfach nicht zu zu entscheiden, ob jemand ‚Studenten‘, ‚Kollegen‘, ‚Ärzte‘ diskriminierend meint oder nicht nicht. Die permanente Unterstellung einer Diskriminierung könnte man wiederum als Diskriminierung bezeichnen. Lassen wir es dabei.

    @tung!:
    Danke für die Klarstellung bzgl. gramm. Geschlecht und (un)markierte Form. Aber ist der Plural – nur um den geht es mir – wirklich markiert? Das muss wohl jede(r) für sich selbst entscheiden.

    Selbst beim Singular würde ich unter ‚Professor XY‘ nicht automatisch einen Mann verstehen.

  15. @A.S.:

    Die Behauptung, Studenten könne die Bedeutung „Studierende aller Geschlechter“ haben, wird nicht wahrer, indem man sie ständig wiederholt.

    Und nicht unwahrer, indem man sie ständig abstreitet. „Alle Sprachgewalt geht vom Volke aus“. Naja …

  16. @ Michael Allers

    In aller Deutlichkeit: An keiner Stelle wird hier jemandem unterstellt dass er das auch notwendigerweise auch diskriminierend *meint*. Das habe weder ich, noch A.S. noch sonst irgendwer behauptet. Der springende Punkt ist aber: Wie das alles *gemeint* ist spielt absolut keine Rolle. Wenn ich Steffi Jones „Negerlein“ nennen würde wäre das nicht OK, egal ob ich NAZI oder das total nett und ironisch meinen würde. Sie empfindet das als belastend und beleidigend, und damit ist das nicht ok und damit hat sich das. Und wenn eine nicht zu vernachlässigende Anzahl an Studentinnen findet, das Wort „Studenten“ schliesst sie implizit aus, dann spielt es keine Rolle wie das jemand gemeint hat, dann versucht man das Problem zu lösen.

    Warum das aber ein Problem sein soll ist mir immer noch nicht ganz klar. Bricht mir doch kein Zacken aus der Krone wenn ich „Studierende“ sage, und viele Menschen fühlen sich dann plötzlich nicht mehr ausgeschlossen. Minimaler Aufwand meinerseits, positiver Effekt!

  17. @Michael Allers

    Sie verstehen es wirklich nicht oder? Es spielt keine Rolle, dass sich z.b. nicht alle Frauen diskriminiert fuehlen.

    Z.b. gibt es hier in den USA viele fundamental christliche Frauen, die mit der Unterdrueckung der Frau ueberhaupt keine Probleme haben. Nach ihrer Argumentation hiesse das Frauen unterdruecken ist ok.

  18. Assoziation

    Nehmen wir die folgenden Sätze, die eigentlich bedeutungsgleich sein sollten:

    (1) Blondinen sind dumm.

    (2) Blonde Frauen sind dumm.

    (3) Frauen mit blonden Haaren sind dumm.

    (4) Frauen mit hellen Haaren sind dumm.

    Ich denke, dass jeder Mensch die Wörter verschieden assoziert. So kommt es wie oben erwähnt zu Stande, dass der erste Satz in der Bevölkerung die meiste Zustimmung finden würde. Zu dem Thema, dass wir jedesmal diskreminieren, wenn wir den Mund aufmachen, kann ich ebenfalls meine Zustimmung geben. Selten achten Menschen darauf, welche Wörter Sie benutzen und wie andere Menschen diese assoziieren könnten.
    Ich habe ein Beispiel aus meinem Freundeskreis. Ein guter Freund von mir kann nicht so gut Deutsch. seine Frage war, wie er beim Vorstellungsgespräch ausdrücken könne, dass seine jetzige Firma ihm einen Lehrang finanziert, welcher ihm bei der Firma, bei welcher er das Vorgesllungsgesräch hatte, einen entscheidenden Vorteil bringen könne. Er wollte sich so Ausdrücken, dass es nicht in etwa klingt wie: „ich nutze meine firma aus.“
    hätte er nun gesagt: „meine firma bezahlt mir nächsten monat eine fortbildung, deshalb könnte ich ab übernächsten monat bereits bei ihnen arbeiten.“ wäre das sicherlich kein vertrauensvoller Einstieg bei der neuen Firma.
    Nun haben wir daran gearbeitet und aus diesem Satz nun folgenden gemacht: „Ich bilde mich nächsten monat bereits in einem Seminar weiter um meine Kenntnisse in diesem Bereich zu erweitern. Aufgrund Dessen könnte ich mit dem neu erlangten Wissen bereits schon übernächsten Monat bei Ihnen arbeiten.
    An diesem Beispiel wird wir oben beschrieben deutlich, dass mit Wörtern eine Menge verschiedenen Infos vermittelt werden können.
    Tolle Seite übrigens, hier komme ich öfters her! 🙂

  19. @Michael Allers

    Ja, das bezieht sich auch auf die Pluralformen, da es da ja auch die feminine Form „Studentinnen“ gibt. Bei „Studierende“ gibt es keine andere Form, daher ist sie einfacher als inklusiv zu interpretieren.

    Wenn Sie es für gewöhnlich schaffen wirklich geschlechtsneutral zu denken, wären Sie der erste Mensch, den ich kenne (inklusive mir selbst) dem das gelingt… wenn ich z.B. einen linguistischen Aufsatz über den Spracherwerb von Kindern lese und dort von den Fortschritten eines bestimmten Kindes berichtet wird, stolpere ich jedesmal darüber, wenn dieses Kind später mit einem weiblichen Pronomen bezeichnet wird. „Das Kind“ ist sogar grammatisch weiblich, aber ich denke automatisch an einen Jungen (und ärgere mich dann drüber). Nur weil man sich eines Vorturteils nicht bewusst ist heißt das nicht, das man es nicht hat.

    Hier ist ein Link zum Abstrakt einer Studie, die Forschungsergebnisse zum Thema zusammenfasst (inwiefern sich Frauen vom generischen Maskulinum inkludiert fühlen). Das Bild ist natürlich kompliziert, aber „[d]ie Befunde stimmen darin überein, dass generische Maskulina zu einer geringeren gedanklichen Einbeziehung von Frauen als von Männern führen“.

    Hier ist noch ein Link, in dem die generelle und in der Sprache gespiegelte Tendenz zum Andozentrismus ganz gut erläutert wird: http://www.genderkompetenz.info/…hung/genderbias

  20. @tungl und evtl. andere

    Verständnisfrage eines linguistischen Laien:
    Was heisst: „Das Kind“ ist grammatisch weiblich?

  21. @martin holzherr

    „Afroamerican“ findet nicht in Gegenden statt, die außerhalb von Amerika (USA) liegen, deswegen sollte es nicht wundern, wenn Schwarze die Bezeichnung „Black Music“ bevorzugen, wenn sie auch von der (oder den) afrikanischen Soul-, Funk-, und Jazz- Szene(n) der 60-ger, 70-ger, 80-ger und so weiter Jahre und anderen auf der Welt wissen, was hierzulande zugegebenermaßen nicht einfach ist.

  22. Studenten/Studierende

    Auch wenn ich selbst die Wörter Studierende und Studenten ziemlich austauschbar verwende muss ich sagen: wenn ich die Wörter in einem Zusammenhang höre oder lese, zB „Viele Studenten sitzen bis spät in die Nacht in der Bibliothek.“ bzw „Viele Studierende sitzen…“, stelle ich mir bei der Studenten-Variante tatsächlich eine Gruppe abends in der Bibliothek sitzender Männer vor, bei der Studierenden-Variante tue ich das nicht.
    Ich habe keine Ahnung, was genau im Kopf der Leute, die finden, dass mit „Studenten“ auch Frauen gemeint sind vorgeht, aber es würde mich schon interessieren, ob sie bei einem Satz über „Studenten“ tatsächlich eine gemischt-geschlechtliche Gruppe assoziieren.

  23. Sprache kann genauso wenig diskriminieren, wie eine Geige Musik machen kann.

    Erstens stellen Sie die Merkmale, anhand derer sie getroffen werden, als durchgängig relevant dar.

    Umso verwunderlicher, dass Femisnistinnen auf sprachlicher Geschlechtersegregation bestehen und damit die Geschlechtlichkeit von Frauen und Männern als durchgängig relevant darstellen.


  24. Ich habe keine Ahnung, was genau im Kopf der Leute, die finden, dass mit „Studenten“ auch Frauen gemeint sind vorgeht …

    Was in deren Kopf „vorgeht“? Was, bitte, geht denn in Ihrem Kopf vor, so eine Formulierung zu wählen, die Menschen, die sich unter Studenten Frauen & Männer vorstellen, in die Ecke von Gestörten rückt? Was glauben Sie wohl, was in deren Köpfen vorgeht? Können Sie sich nicht vorstellen, dass in anderer Leut’s Köpfen etwas anderes vorgeht, als in Ihrem Kopf? Halten Sie das Vorgehen in Ihrem Kopf für das Maß der Dinge?

    … aber es würde mich schon interessieren, ob sie bei einem Satz über „Studenten“ tatsächlich eine gemischt-geschlechtliche Gruppe assoziieren.

    Selbstverständlich. Man assoziert schließlich auch bei Worten wie „Leute“, „Publikum“ oder „Gäste“ gemischgeschlechtliche Gruppen. Und das behaupte ich, auch ohne zu wissen, was in Ihrem Kopf so vorgeht.

  25. Studierendenkrawalle

    Natürlich diskriminiert Sprache, im Sinne von unterscheiden, dazu ist sie ja da.
    Diskriminierung im Sinne von Abwertung oder Aufwertung geschieht im Kopf des sprechenden/Hörenden.
    2 Beispiele die ähnlich hier im Blog kamen:
    Wenn von einem ‚bestimmten‘ Kind die Rede die Rede ist, denke ich automatisch eher an ein Mädchen. Ich habe nunmal nur eine Tochter.
    Wenn ich im Berufsleben von einem schwarzen Kollegen höre, den ich noch nicht kenne, sind damit bei mir ausgesprochen positive Assoziationen verbunden, denn ich hatte vor Jahren 2 fachlich und menschlich hervorragende Kollegen aus dem Senegal bzw. der Elfenbeinküste. Insofern fände ich es auch falsch den Begriff ‚Schwarzer‘ zu vermeiden. Falsch ist es, voreingenommen zu sein. Vermeidet man den Begriff krampfhaft, so ist man bereits voreingenommen, oder qualifiziert den Empfänger der Botschaft als voreingenommen ab.
    Wenn ich an Studenten denke kommt es irgendwie auf den Zusammenhang an. Bei Studentenunruhen mit Krawall und so, ja zugegeben da denke ich eher an Jungs. (Sollte man also stattdessen sagen:
    Studierendenkrawalle? ) Ansonsten gehen mir bei Studenten einfach Bilder aus meinem letzten Besuch der deutschen Bibliothek im Kopf rum, durchaus gemischt. Andrerseits ist es ja ziemlich den Begriff ‚Studierende‘ zu verwenden wenn man Individuen beider Geschlechter meint warum sollte man sich nicht präzise ausdrücken, wenn es so einfach ist?

  26. Mir ist nicht ganz klar , worauf die Argumentation hinausläuft: Soll es heißen: (1)Weil Sprache im ursprünglichen Sinne diskriminiert (unterscheidet), ist sie Komplizin des Diskriminierens im übertragenen Sinn (abwertend unterscheiden); und (2) deshalb wäre es besser, sie unterschiede gar nicht, außer für (3) den speziellen Zweck, auf Diskriminierung und Verfolgung hinzuweisen, um gegen diese Phänomene vorgehen zu können?

  27. @ Studierendenfutter

    Praktischerweise haben die von Ihnen gewählten Beispiele entweder gar keine gebräuchliche Variante im Singular oder eine die tatsächlich geschlechtsneutral ist („Gast“) Und ich meine hier das natürliche Geschlecht, nicht das grammatische (das ist bei „Gast“ natürlich männlich, tut aber nichts zur Sache in diesem Fall. „Mädchen“ ist ja auch Neutrum)

    Was allerdings wirklich eigentlich keine Rolle spielt: Was bei Leuten im Kopf vorgeht, die bestimmte Worte sagen. Wichtig ist nicht wie es gemeint ist, sondern wie es ankommt. Und da kann man sich doch wirklich auch minimal Mühe geben (wie bereits weiter oben erläutert) Schön für sie dass SIE Frauen im generischen Maskulinum mitmeinen, aber leider fühlen sich da trotzdem nicht alle mitgemeint.

    Persönlich können sie das auch hallten wie sie wollen, aber ich finde es durchaus angemessen das Menschen und Institutionen, die alle Studierenden ansprechen sollen (oder wollen) sich dahingehend auch etwas Mühe geben.


  28. Die Behauptung, Studenten könne die Bedeutung „Studierende aller Geschlechter“ haben, wird nicht wahrer, indem man sie ständig wiederholt.

    Natürlich kann es diese generische Bedeutung haben, auf Emittenten- wie auf Rezipientenseite. Es muss nicht und kann sich auf den Seiten unterscheiden.

    Das ist doch das eigentliche Dilemma: wir haben eine markierte sexus-weibliche Form, aber keine -männliche, d.h. um die Sprache zu „verbessern“ müssten wir entweder die eine markierte (weibliche) Form abschaffen oder eine zweite markierte (sexus-männliche) hinzufügen, und das auch bei den Pronomen und evtl. Artikeln. Alles andere sind zwar weniger schwierige (d.h. wahrscheinlicher akzeptierte) künstliche Eingriffe in das natürlich gewachsene Sprachsystem, aber letztlich bloß halbherzige Symptombehandlung.

    Ich bevorzuge Sprachökonomie vor Sprachpolitik, darum gibt es bei mir keine umständlichen „und -innen“- bzw. „oder -in“-Doppelformen, aber neben dem üblichen, generisch gemeinten „Studenten“ ggf. abhängig von Adressat und Situation ein zweifelsfreier generisches „Studis“ oder „Studierende“ … und neulich habe ich doch tatsächlich jemanden „die Students“ (deutsch ausgesprochen) sagen gehört, womit eindeutig alle Studis gemeint waren.

    Mich wundert, dass so oft am schwierigen Objekt Sprache angegriffen wird, wo es doch viel krassere Fälle, die noch dazu einfacher zu korrigieren – weil artefaktisch – sind, gibt, z.B. Toiletten- und Verkehrsschilder: In der europäisch-amerikanischen Sammelkultur (und durch deren geschichtlich und wirtschaftlich bedingten Einfluss praktisch weltweit) wird die stilisierte Frau meist durch einen Rock gekennzeichnet, während das Piktogramm des Mannes dem des geschlechtsunbestimmten Menschen entspricht, also unmarkiert ist. Da auch Piktogramme bis zu einem gewissen Maße arbiträr sind, schlage ich vor, dazu ein ähnlich anachronistisches und kulturspezifisches äußerliches Merkmal zu verwenden, bspw. einen Hut oder einen Schlips.

  29. @RD

    Ich freue mich das in ihrem Kopf die Assoziationen für „Schwarze“ positiv sind. Ist aber egal. Meine Grossmutter hatte bei „Negerlein“ auch nur positive Assoziationen. Da war sie aber ein Einzelfall. So sehr ich sie liebe, aber da gibt es auch für sie als zertifiziert netten Menschen keine Ausnahmegenehmigung. Und da geht die Tatsache das Menschen wie Steffi Jones als Kind sehr gelitten haben über die Gewohnheiten meiner Grossmutter.

    Das mit den Studierendenkrawallen finde ich aber schon interessant. Das Wort „Studierende“ wird meines Erachtens größtenteils in der Ansprache an dieselbigen verwendet. Studierendenkrawalle wären zwar richtigerweise als solche zu bezeichnen, aber klingt eben auch weniger schmissig. Es wird sich auch kaum jemand darüber beklagen, da verbal ausgeschlossen zu werden.

  30. Segregation, Argumentation

    @ Studierendenfutter: Feministinnen bestehen nicht auf sprachlicher Geschlechtersegregation, sie bestehen (häufig) darauf, dass Frauen nicht einfach sprachlich weggelassen werden. Die Geschlechtersegregation ist in der Struktur der Sprache angelegt.

    Zu Ihrer Antwort auf „Schleuderkurs“: Lesen Sie genauer und mäßigen Sie bitte Ihren Tonfall. Niemand rückt jemanden in die Ecke von gestörten. „Schleuderkurs“ weist hier lediglich darauf hin, dass er/sie nicht weiß, was Leute sich vorstellen, wenn sie eine männliche Personenbezeichnung hören. Die Forschung weiß es glücklicherweise, und ich werde in einem Folgebeitrag über diese Forschung berichten. Zum Rest Ihres Kommentars könnte ich nur das Wiederholen, was Feathers McGraw schon darauf antwortet

    @ D. Müller: Die Argumentation läuft darauf hinaus, dass mit jeder Unterscheidung die Möglichkeit einer Bewertung entsteht, die mit der ursprünglichen Unterscheidung nichts mehr zu tun hat. Das ist grundsätzlich unvermeidlich, aber in einigen Fällen ist es weniger unvermeidlich als in anderen. Mein Ziel ist es, auf diese Tatsache aufmerksam zu machen und ein kleines Stück zur Bewusstseinsbildung in diesem Bereich beizutragen. Ob Individuen, Gruppen oder Institutionen Konsequenzen für den eigenen Sprachgebrauch daraus zieht und wenn ja, welche, liegt nicht bei mir.

  31. Vorurteile

    …habe ich jede Menge. Das ist nicht nur menschlich, sondern auch gut so. Ohne Vorurteile könnte man nämlich keinen Tag seines Lebens heil überstehen. Es sind der brenzlichen Lebenssituationen zu viele, als dass ich Sie alle erst einmal zur Einschätzung durch mein Gehirn schicken könnte, um sie objektiv zu bewerten. Im schlimmsten Falle wäre ich nämlich bereits lange vor Abschluss der Auswertung tot. Deshalb ist der Mensch von der Natur mit Vorurteilen gesegnet worden.
    Wir teilen uns die Welt in einfache Bilder und Muster ein, um über die Flut von Informationen, die auf uns tagtäglich einströmen, überhaupt noch Herr zu werden. Zunächst deshalb sprechen wir in unseren Breiten von einem „Schwarzen“, wenn wir einen Schwarzafrikaner beschreiben, denn zunächst einmal dadurch, dass er eine schwarze Hautfarbe hat, unterscheidet er sich hier bei uns unter lauter Weißen. Und auch in Schwarzafrika ist das erste Unterscheidungsmerkmal für uns Hellhäutige ebenfalls die Hautfarbe.

    Erst danach kommen die bösen Vorurteile, die jedoch andere Gründe haben, auch wenn sie dem selben atavistischen Muster folgen. Es sind aber nicht die Worte, die böse sind, sondern der Mensch, der seine Vorurteile in Worte kleidet und in seiner Sprache zum Ausdruck bringt. Demnach sind Worte und ist Sprache unschuldig, die Vorurteilsbildung findet im Kopf und nicht im Transportwesen menschlicher Verständigung statt.

    Über das, was laut A.S. Sprache ansonsten noch so mit uns macht und zu was sie uns angeblich zwingt, muss ich noch einmal nachdenken. Es erscheint mir aber auf den ersten Blick so, als ob er den Pfad der reinen Lehre, der guten Sache wegen versteht sich, zu verlassen bereit ist. Höre ich aus seinen Worten so etwas wie Spracherziehungsabsichten heraus, oder täusche ich mich? Und was ist in diesem Zusammenhang mit der Automomie der Sprechergemeinschaft? Wollen wir es zukünftig nicht mehr ihr überlassen, welchen Worte sie für was auch immer verwendet? (Oder soll es nur um eine Ausnahme von der Regel gehen?) Wenn nicht mehr sie, weshalb sollte man nur an einer Stelle eingreifen dürfen und nicht auch an anderen des Sprachgebrauches? Diese Zusammenhänge verstehe ich noch nicht ganz. Wie gesagt, darüber muss ich noch einmal nachdenken.

  32. @Studierendenfutter

    Ich halte mich nicht für das Maß der Dinge, daher meine Frage:
    Was geht in Ihrem Kopf vor/was denken/assoziieren/stellen Sie sich vor, wenn Sie den Ausdruck hören? Das war eine ernstgemeinte Frage.
    Von Gestörtsein war nicht die Rede, wie A.S. sehr richtig bemerkt hat.

  33. @Schleuderkurs

    „Ich habe keine Ahnung, was genau im Kopf der Leute, die finden, dass mit „Studenten“ auch Frauen gemeint sind vorgeht, aber es würde mich schon interessieren, ob sie bei einem Satz über „Studenten“ tatsächlich eine gemischt-geschlechtliche Gruppe assoziieren.“

    Speziell bei dem Wort „Studenten“ sehe ich tatsächlich eine gemischtgeschlechtliche Gruppe vor dem inneren Auge.

    Was genau dabei in meinem Kopf vorgeht, kann ich natürlich schlecht sagen – ich vermute aber einfach mal, dass es daran liegt, dass ich tagtäglich ebenso viele weibliche wie männliche Studenten sehe und eine größere Gruppe von Studenten automatischerweise fast immer aus Frauen und Männern besteht.

    Anders ist das zum Beispiel bei „Professoren“, wo ich mir spontan eher eine Männerrunde vorstellen würde, was – zumindest zu einem Teil – sicher daran liegt, dass ich bisher fast ausschließlich männliche Professoren kennen gelernt habe.

  34. Man kanns gar nicht oft genug sagen…

    …was vor Ihrem inneren Auge zu sehen ist, ist total wurscht! Ich freu mich total für sie dass sie Studentinnen dabei vor dem inneren Auge haben, viele Studentinnen sehen sich nicht in dem Wort. Auch wenn sie persönlich gar nichts dagegen hätten wenn die sich jetzt einfach mal mitgemeint fühlen würden – sie tuns halt einfach nicht. Und da die „Na die sollen sich mal nicht so haben“-Methode seit fast 30 Jahren wirkungslos bleibt, könnte man es doch mal mit einem Wort versuchen welches, wie man so schön sagt, etwas mehr „inclusive“ (hier als Anglizismus verwendet) ist.

  35. schon durcheinander

    @ Stan: Damit meine ich, dass ich meinen Post nicht ordentlich gegengelesen habe… Sorry!

    „Das Kind“ ist natürlich grammatisch sächlich.

    @Studierendenfutter: Die deutsche Sprache hat nun einmal die Möglichkeit, Geschlechtsunterschiede morphologisch zu markieren, also kann man nicht einfach die männliche Form als „neutral“ herauspicken. Mir wären komplett geschlechtsneutrale Ausdrücke auch lieber.

    @diverse:
    Es ist klar, dass persönliche Erfahrungen die eigene Vorurteilswelt prägt und Einzelne daher gegenüber bestimmten gesellschaftlich benachteiligten Gruppen auch positive Vorurteile (die sind es ja dann immernoch) haben kann. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Menschen mit „ausländisch“ klingenden Namen bei gleicher Qualifikation schlechtere Chancen auf Einstellung haben.
    Selbst wenn man also von sich selbst denkt, diese Vorurteile nicht zu teilen kann man nicht einfach das zugrundeliegende gesellschaftliche Problem beiseitewischen und/oder das Bemühen um eine inkluierende Sprache zu überkorrekten Sprachnörglertum erklären.


  36. Praktischerweise haben die von Ihnen gewählten Beispiele entweder gar keine gebräuchliche Variante im Singular …

    Was für meine Assoziation irrelevant ist. Menschen hat einen Singular und ich denke dabei auch nicht nur an Männer. Ich denke dabei an Menschen und gar nicht an deren Geschlecht. Auch nicht an das Geschlecht der Männer.

    oder eine die tatsächlich geschlechtsneutral ist („Gast“) Und ich meine hier das natürliche Geschlecht, nicht das grammatische …

    „Gast“ ist zunächst einmal genauso geschlechtsneutral wie „Student“ und wird es solange bleiben, bis sich „Gästin“ etabliert.

    Die Behauptung, Studenten könne die Bedeutung „Studierende aller Geschlechter“ haben, wird nicht wahrer, indem man sie ständig wiederholt.

    Das Gegenteil wird aber auch nicht wahrer. In der Praxis gibt es allerdings ein sehr schönes Beispiel, dass es die Bedeutung „Studierende beider Geschlechter“ sehr wohl gibt und gab. In der ehemaligen DDR nämlich. Dort sprach man explizit von männlichen Studenten, wenn diese gemeint waren.

    Die Geschlechtersegregation ist in der Struktur der Sprache angelegt.

    Und wurde in dem Moment aufgeweicht, als Frauen in die Bedeutung der vormals männlichen Begriffe einwanderten und die Bedeutung neutralisierten. Dabei hätte man es belassen können.

    Lesen Sie genauer

    Verzichten Sie bitte auf Bewertungen meiner kognitiven Fähigkeiten! Danke.

    Was geht in Ihrem Kopf vor/was denken/assoziieren/stellen Sie sich vor, wenn Sie den Ausdruck hören? Das war eine ernstgemeinte Frage.

    Das habe ich zwar bereits geschrieben, aber noch mal: Wenn ich „Studenten“ höre / lese, dann assoziiere ich das Wort etwas genauso wie „Leute“, nur das diese Leute an einer Uni eingeschrieben sind und einem Studium nachgehen.

    Von Gestörtsein war nicht die Rede, wie A.S. sehr richtig bemerkt hat.

    Dann sollten Sie ihre Fragen etwas neutraler fomulieren.

  37. @ Klausi

    Lieber Klausi, was Sie als „Vorurteil“ bezwichnen, sind Heuristiken, und die haben mit Vorurteilen nichts, aber auch gar nichts gemeinsam. Heuristiken sind Denkstrukturen, um in unbekannten, neuen Situationen auf alte, schon erlabte Situationen zurückgreifen zu können. Beispiel: Ob die Ampel jetzt in Köln, Berlin, Lissabeon oder Tokio steht, bei rotem Licht geht die Heuristik „Rote Ampel = Anhalten“ an.

    Ohne diese Heuristiken könnten wir tatsächlich kaum einen Tag überleben, da die Verarbeitungskapazität des Gehirns nicht in der Lage ist, die einströmende Datenmenge zeitnah zu verarbeiten.

    Zu Ihrem Vorwurf, A.S. würde Spracherziehung betreiben wollen, schauen Sie mal ein paar Beiträge zurück.

    A.S. schrieb:
    „Ob Individuen, Gruppen oder Institutionen Konsequenzen für den eigenen Sprachgebrauch daraus zieht (sic) und wenn ja, welche, liegt nicht bei mir.“

    Noch Fragen, Klausi?

  38. Spracherziehungsabsichten

    An A.S.:
    Vielen Dank für den Wink. Den Text kenne ich natürlich, hatte ihn aber nicht parat und wollte vermutlich lieber meine Vorurteile pflegen.

  39. @ Studierendenfutter

    – „Gast“ ist zunächst einmal genauso geschlechtsneutral wie „Student“ und wird es solange bleiben, bis sich „Gästin“ etabliert. –

    Sie merken schon, dass Sie sich da selbst widersprechen, oder? Wenn Gast so lange geschlechtsneutral ist, bis sich eine Form „Gästin“ entwickelt (und bis dahin stimme ich Ihnen zu), dann kann Student nicht geschlechtsneutral sein, weil es da schon eine etablierte Form „Studentin“ gibt. Ob ein Wort geschlechtsneutral ist oder nicht hängt davon ab, ob es eine morphologisch (also durch Endungen u.ä.) markierte „Gegenform“ gibt. Und bei Student gibt es die, also ist das Wort nicht neutral. Bei „Gast“ und „Studierende“ gibt es die Gegenform nicht, also sind die Worte neutral.

    Und was bei Menschen im Kopf vorgeht, wenn sie generische Maskulina hören WIRD bereits erforscht (einfach mal dem Link folgen, den ich oben gepostet habe) und die Ergebnisse sind zimlich eindeutig (ich zitiere einfach noch mal): „[d]ie Befunde stimmen darin überein, dass generische Maskulina zu einer geringeren gedanklichen Einbeziehung von Frauen als von Männern führen“. Auch wenn Sie da eine Ausnahme darstellen sollten, ist das, wie bereits erwähnt, völlig egal.

    @ AS: Ich freue mich schon auf den angekündigten Artikel zum Thema!

  40. unbegründbare Häme

    „Wenn ich über Menschen spreche, die studieren — warum sollte ich gezwungen sein, sie nach Geschlecht zu kategorisieren? Die einzige sinnvolle Kategorisierung wäre hier eine nach Studienfächern. Wenn ich Menschen einstellen will, die Hotelzimmer reinigen, warum sollte ich gezwungen sein, deren Geschlecht zu erwähnen?“

    Gegen wen richtet sich der Vorwurf? Keiner von denen, die Sie in diesem gesamten Artikel angreifen, habt ein Interesse daran, Menschen nach ihrem Geschlecht zu unterscheiden, wo es nicht nötig ist. Gerade der vorgeblich gerechte und nichtsexistische Sprachgebrauch ist es doch offensichtlich, der in jedem Satz die Existenz zweier biologischer Geschlechter zutage treten lässt. Nun haben Sie sich natürlich mit „Studierenden“ und „Reinigungskräften“ bequeme Beispiele ausgesucht, die problemlos neutrale Begriffe sind. (Gegen beide Wörter habe ich persönlich übrigens nichts, bis auf die manchmal etwas alberne Offensichtlichkeit der Bemühung um eine ordentliche Sprache.) Aber was ist mit Lesern, Hörern, Nörglern, Terroristen, Bundeskanzlern, Hexen, Päpsten, Autoren, Engeln, Reitern, Ärzten, Autofahrern, Rollschuhläufern, Nutzern, Rauchern, Direktoren, Müllmännern, Zauberern, Hackern und was wissen die Teufel und Teufelinnen noch alles? Wäre es denn nicht viel erstrebenswerter, dafür zu sorgen, dass diese Wörter für jeden Deutschsprecher geschlechtsneutral sind, statt überall ein unaussprechbares /innen ranzuklatschen? In der DDR soll es ja schließlich auch geklappt haben 🙂

  41. @Statistiker

    Wenn „Heuristiken Denkstrukturen [sind], um in unbekannten, neuen Situationen auf alte, schon erlabte Situationen zurückgreifen zu können“, was sind dann Vorurteile? Beispiele: Ich essen eine Pizza, mir wird schlecht -> Vorurteil: von Pizza wird mir schlecht (auch wenn es nur die Ananas war). Kahlköpfiger Typ mit Springerstiefeln schreit Naziparolen -> alle Glatzen mit Springerstiefeln sind Nazis (auch wenn es nur Skinheads sind). Oder hat das ihrer Meinung nach „nichts, aber auch gar nichts mit Vorurteilen gemeinsam“?

  42. @ Michael Allers: Absicht unerheblich

    Ergänzend zu Feathers McGraw möchte ich noch anmerken, dass es für den Sachverhalt der Diskriminierung unerheblich ist, in welchem Maß sich Angehörige der der diskriminierten Bevölkerungsgruppe tatsächlich diskriminiert fühlen. Will heißen: Wenn viele Frauen sich nicht daran stören, bei Student bzw. Studenten usw. mitgemeint zu sein, ändert das nichts daran, dass man mit diesem Sprachgebrauch Frauen diskriminiert.

    Weiterhin ist es unerheblich, ob jemand, der Studenten sagt, wenn er Studenten und Studentinnen meint, bewusst und mit Absicht diskriminiert. Allein die pauschale Verwendung der maskulinen Form für männliche und weibliche Studierende erfüllt schon den Sachverhalt der Diskriminierung, Absicht hin oder her. (Dieser Text von mir ist sprachlich diskriminierend – ich schreibe „jemand, der Studenten sagt, wenn er Stud…, obwohl ich meine Aussage nicht auf männliche Sprechende beschränke.)

    Außerdem: wenn viele Betroffene sich nicht die Mühe machen, gegen diskriminierenden Sprachgebrauch anzgehen, lässt sich daraus nicht ohne weiteres ableiten, dass sie sich nicht daran stören. Vielleicht sehen sie nur keine Aussicht auf Erfolg und arrangieren sich. Und wenn man sich die von A.S. schon angesprochene Häme anschaut, die allen Bemühungen um neutrale Sprache entgegenschlägt, kann man es ihnen kaum verdenken. Da ist vergleichsweise harmlose sprachliche Diskriminierung vielleicht das geringere Übel. Ändert aber trotzdem nichts daran, dass dieser Sprachgebrauch diskriminierend ist.

    Ob Diskriminierung im Sinne von Unterscheidung oder Kategorisierung immer schlecht sein muss, steht dahin. Das dürfte von vielen Faktoren der jeweiligen konkreten Situation abhängen. Dass Diskriminierung im Sinne von Herabwürdigung und Ausgrenzung grundsätzlich schlecht ist, dürfte unstrittig sein. Wie die Betroffenen damit umgehen, ob sie etwa den Spieß umdrehen oder sogar zurückdiskriminieren, ist wieder eine ganz andere Frage.

  43. @Feathers McGraw

    …was vor Ihrem inneren Auge zu sehen ist, ist total wurscht!

    Nein, in dem Fall nicht – denn ich habe hier ja gar nichts dazu gesagt, ob ich es gut/richtig finde „Studenten“ für weibliche wie für männliche Studenten zu verwenden.

    Vielmehr habe ich auf eine Frage von Schleuderkurs geantwortet – und der hatte ja explizit danach gefragt, was im Kopf von Leuten vorgeht, die „Studenten“ sowohl mit weiblichen als auch mit männlichen Studenten assoziieren. 😉

  44. @gnaddrig

    Aber ist das als allgemeiner Anspruch überhaupt noch praktikabel? Dass es für den Umstand, dass eine Bezeichnung (negativ) diskriminierend ist, unerheblich ist wie viele der so bezeichneten sich davon tatsähclich diskriminiert fühlen und in welchem Maße?
    Daraus abzuleiten, dass man möglichst geschlechtsneutrale Sammelbegriffe verwenden sollte, ist da sicher kein Problem – aber als allgemeiner Anspruch scheint mir das doch etwas problematisch (wer sagt denn, dass es nicht vielleicht irgendjemanden gibt, der sich durch die Bezeichnung „Studierende“ nicht angesprochen/diskriminiert fühlt (warum auch immer)?).

    Müsste es da nicht noch zumindest eine weitere Einschränkung geben, wie etwas sprachwissenschaftliche Plausibilität, tatsächliche Diskriminierung der betroffenen Gruppe, o.ä.? Oder ist dieser Anspruch „nur“ als abstraktes Ziel gemeint, dem man zwar versuchen soll möglichst nahe zu kommen, das man aber nicht tatsächlich erreichen kann?

  45. @Anatol: Quellen der Referenz

    „Zunächst muss man eine Unterscheidung treffen, dann kann man diese Unterscheidung mit Bewertungen und Konsequenzen aufladen.“
    Ja, das ist wohl der richtige Weg. Hast du dir schon Gedanken darüber gemacht, woher die bewertenden Aufladung kommt? Denn in

    (1) Blondinen sind dumm.

    referiert – das hast du ja selbst herausgearbeitet – „Blondine“ auf etwas andere als in

    (4) Frauen mit hellen Haaren sind dumm.

    „Frauen mit hellen Haaren“.

    Und dieser semantische Unterschied in der Referenz ist natürlich nicht so mal eben zu bewerkstelligen.

  46. @ Rumo

    Zunächst einmal ergibt die Bestandsaufnahme, dass die deutsche Sprache diskriminiert, und zwar unabhängig von einer eventuellen Absicht der Sprecher und von dem Bewusstsein Betroffener, Gegenstand diskriminierenden Sprachgebrauchs zu sein. Diese grundsätzliche Feststellung wird oft schon nicht akzeptiert, weil angeblich 1. viele Sprecher das nicht mit (böser) Absicht machen und 2. viele Betroffene sich nicht dran stören.

    Zwar treffen die Sätze 1. und 2. wahrscheinlich weitgehend zu. Das bedeutet aber nicht, dass deshalb keine Diskriminierung vorliegt. Darum bleibt zu klären, für wie schlimm man das hält und ob und inwieweit man diese Diskriminierung etwa durch Änderung des Sprachgebrauchs vermeiden könnte oder sollte. Wie weit man dabei gehen will und was da im Einzelnen praktikabel ist, muss man herausfinden. Da gibt es sicher keine einfache und keine pauschale Lösung.

  47. @gnaddrig

    Angenommen, einen gewissen Sprachgebrauch benutzt 1) keiner im beleidigenden Sinne, und 2) keiner stört sich daran. Das halten Sie dann also immer noch für diskriminierend? „Diskriminierend“, also im Sinne von „unterscheidend“ ist es ja wegen 1) nicht, und diskriminierend im heutigen Sinn? Ist eine Beleidigung, die keinen beleidigt und nicht als Beleidigung gemeint ist eine Beleidigung? Macht ein fallender Baum im Wald ein Geräusch, wenn ihn keiner hört? Lohnt es sich, darüber zu diskutieren, wie man diesen Krach verhindert?

  48. @ anderer Daniel:

    Ja, das denke ich. Wenn ich jemandem auf den Fuß trete, ist das eine Verletzung von dessen Intimdistanz, ganz egal, ob ich das mit Absicht mache und ob ihm das wehtut (vielleicht hat er ja Stahlkappen in den Schuhen und merkt es gar nicht). Wenn ich zu schnell fahre, ist das ein Verstoß gegen die StVO, egal ob ich absichtlich zu schnell gefahren bin und egal ob jemand zu Schaden kam oder konkret gefährdet wurde. Ob das schlimm ist und welche Konsequenzen man daraus zieht oder ziehen sollte, hängt von den konkreten Umständen ab.

    Diskriminierung ist eine gruppenspezifische Benachteiligung. Und das „Mitgemeintsein“ bei einem Wort, das eine bestimmte Gruppe aus grammatischen Gründen nicht anspricht, wäre zunächst mal eine Benachteiligung. Daraus folgt ja nicht automatisch, dass das in jedem Fall besonders schlimm ist und dass man deshalb durchgängig den Sprachgebrauch ändern sollte. Das kann man erst nach Bewertung der Gesamtsituation entscheiden. Man kann nach Abwägung der Umstände auch zu dem Schluss kommen, dass sich der Aufwand nicht lohnt.

    Aber gleich vorneweg abzustreiten, dass Sprache diskriminiert, ist sachlich falsch und oft unlauter (etwa wenn Männer das tun, weil sie einfach keine Lust haben, sich mit dem „Gejammere der betroffenen Zimperliesen“ auseinanderzusetzen).

  49. Sprache diskriminiert. Dieser Aussage muss man Zustimmen, denn Sie stimmt immer. Sprache die überhaupt zwischen Objekten und Eigenschaften unterscheidet ist immer diskriminierend. «A ist Blond» oder «A hat helle Haare» sind genauso diskriminierend, wie das generische Maskilinum oder Femininum. Im ersten Fall werden all diejenigen Personen diskriminiert, aussieht das Merkmal nicht zu trifft. Im zweiten Fall all diejenigen, deren Geschlecht nicht repräsentiert wird. Mann kann diese Diskriminierung selbstverständlich versuchen auf sprachlicher Ebene zu lösen: Im ersten Fall kann man «Blond» versuchen durch einen anderen Begriff zu ersetzen. Dann läuft man allerdings Gefahr, dass man entweder eine Sprachliche Differenzierung (im Sinne einer sprachlichen Genauigkeit) verliert, oder dass die negativen «Bewertungen» mit auf den neuen Begriff übergehen. In beiden Fällen wirkt die so veränderte Sprache oftmals gestellt und man hat den Eindruck, dass Grade der korrekte Sprecher mehr Diskriminiert als der Unkorrekte.
    Da ist man aber auch schon bei dem Zweiten Ansatz : Die Diskriminierung durch Verwendung von generische maskulinen oder femininen Wörtern. Dieses kann zumindest bei einzelnen Personen noch durch die Verwendung von einer entsprechend weiblichen oder männlichen Form umgangen werden, stellt jedoch spätestens bei nicht homogenen Gruppen ein Problem dar. Als Beispiel kann man die Studierenden nehmen: Der Terminus Studenten ist gernerisch maskulin und umfasst damit sowohl Studenten, wie auch Studentinnen. Zumindest für den Laien ist, wenn man «Studierende» und «Studenten» vergleicht, einer der auffälligsten Unterschiede der Anknüpfungspunkt: Während «Studenten» an die Personen anknüpft, knüpft «Studierende» an die Tätigkeit als solche an. Mag dieses bei Studenten und Studierenden noch unproblematisch sein, so ist es gut Möglich, dass dieses anderswo ein entscheidender Unterschied ist. Dieses führt zu einer Verarmung der Sprache und damit zu mangelndem Ausdrucksvermögen.
    Weiter gibt es das Problem, dass man selbst durch die «neutrale» Formulierung diskriminiert oder diskriminierend kann. Es soll Personen geben, die sich von diesen Neutralen nicht repräsentiert werden.
    Dieses kann man selbstverständlich durch Benutzung von alternativen Schreibweisen, wie z.B.  «StudentInnen», «Student*innen» oder dem Genderktistall umgehen. Fraglich ist jedoch ob dadurch nicht wieder Diskriminiert wird: in der Gesprochenen Sprache wird dieses zu einem generischen Femininum, in der Schriftsprache muss man ebenso auf die femininen Adjektive, Pronomen, etc. zurückgreifen. Wobei man/frau schon wieder bei einer Diskriminierung ist. Dieses Karussell lässt sich beliebig weiterdrehen. Auch andere Varianten z.B. «neutrale Sprache» diskriminieren. (S.O.)
    Im übrigen: Je neutraler und weniger unterscheidend bzw. diskriminierend eine Sprache ist, desto umständlicher muss man formulieren um präzise Aussagen über Personen zu treffen. Diskriminierung im negativen Sinn geht von Gedanken aus und wird in Sprache reininterpretiert. Statt Sprache zwangsweise zu «entdiskriminieren» sollte man lieber die Ursachen der Diskriminierung bekämpfen.

  50. Kleine morphologische Betrachtung

    Verlassen wir mal das akademische Standardbeispiel {stud}{ent|ierend}[SEXUS][GENUS][NUMERUS][KASUS] und wenden uns einem nicht zu weit entfernten Beispiel zu: {lehr}{er}[SEXUS][GENUS][NUMERUS][KASUS].

    Es gibt in deutschen (Personal-)Substantiven sowohl das Morphem [SEXUS] als auch [GENUS], wobei ersteres lexikalisch (also semantisch interessant) und letzteres grammatikalisch (also syntaktisch relevant) ist. Darum ist die Geschlechtsdiskriminierung synchronisch auch morpholinguistisch interessant, während andere biologische (phänotypische oder genotypische) und soziologische (habituelle oder funktionelle) Eigenschaften nicht oder nur in Ausnahmefällen abseits der Basislexemebene sprachlich realisiert werden.

    [SEXUS] kann je nach Sprachsystem verschiedene Ausprägungen annehmen: am häufigsten ‚männlich‘ und ‚weiblich‘, aber auch ‚sächlich‘ (unbestimmt: weder männl. noch weibl.), ‚neutral‘ (unbekannt: männl. oder weibl. oder ggf. sächl., v.a. bei [NUMERUS=Singular]), ‚utral‘ (männl. und weibl., aber nicht sächl., v.a. bei [NUMERUS=Plural|Dual]), ‚kommunal‘ (männl. und weibl. und ggf. sächl.) und theoretisch noch mehr.†
    Falls [SEXUS=männl.|weibl.], dann und nur dann determiniert es [GENUS] im Deutschen, kann aber bspw. vom höherwertigen [DIMINUS = {chen|lein|li|…}] überschrieben werden.

    Hier, bei {lehr}{er}, liegt [SEXUS] – wie häufig im Deutschen, aber längst nicht immer – lediglich mit den suffigierten Morphen {in} und {Ø} vor, ersteres offenbar für [SEXUS=weibl.][GENUS=femin.], zweiteres mit [GENUS=maskul.] auf jeden Fall für [SEXUS=männl.], aber – und das wollen viele nicht einsehen, weil es ihr Gerechtigkeitsempfinden stört – auch für [SEXUS=neutr.|utr.], während [SEXUS=sächl.] nur für das weniger produktive und daher eingangs nicht erwähnte Suffix {schaft} existiert (und es wäre etwas weit hergeholt, {körp} als Infix für [SEXUS=komm.] zu postulieren).

    Das lexikalische Derivationsmorphem [AKTÖR] kommt oben mit den Morphen {ent} und {ier-end} für den Stamm {stud} sowie {er} für {lehr} vor (mit Funktions- oder Orthographem ‹Großschreibung›). Manchmal werden diese naiverweise für die (polit-soziologische, nicht linguistische) Diskussion mit den Morphen von [SEXUS][GENUS] zusammengefasst. Dass das Unsinn ist, sieht man schon an der Schrägstrichschreibung, die eben „Lehrer/-in“ und nicht *„Lehrer/-erin“ lautet, da damit die Morphfolge {lehr-er-Ø|lehr-er-in} und nicht *{lehr-er|lehr-erin} verkürzt geschrieben werden soll.

    Wenn man übrigens {stud}{ierend}[SEXUS][GENUS][NUMERUS][KASUS] im Kontext betrachtet, nämlich mit Linksattribut (vulgo Artikel, Possessivpronomen, Adjektiv) [ATTR = [ART = {d|dies|jen|ein|jed|…}] | [POSS = {mein|dein|sein|ihr|unser|euer}|…] | [ADJ]]([GENUS][NUMERUS][KASUS] = {er|e|es|…}), wird man ganz schnell feststellen, dass das auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, spätestens wenn man das erste Mal in einer Mail begrüßt wird mit „Liebe/r Studierende/r“ o.ä.
    Man sollte außerdem auch mal die Semantik von Ingenieursstudenten und Lehramtstudenten vergleichen, statt nur die von Studenten mit Studierende und Studenten und Studentinnen.

    † In manchen Sprachen wird [SEXUS] auch gerne mit [ANIMUS] vermischt, also der Unterscheidung in belebt, ggf. belebbar und unbelebt.
    PS: Ein paar Begriffe sind idiolektal, aber hoffentlich intuitiv.
    PPS: Studierer und Studiererin sind auch völlig regelkonform gebildet.

  51. Fehlerkorrektur

    ‚sächlich‘ ist hier dasselbe wie ‚neutral‘ oder „ungeschlechtlich“ in Unterscheidung vom „geschlechtlichen“ ‚utral‘. Was ich fälschlich als ‚neutral‘ bezeichnet habe, ist ‚egal‘.


  52. Und das „Mitgemeintsein“ bei einem Wort, das eine bestimmte Gruppe aus grammatischen Gründen nicht anspricht, wäre zunächst mal eine Benachteiligung. Daraus folgt ja nicht automatisch, dass das in jedem Fall besonders schlimm ist und dass man deshalb durchgängig den Sprachgebrauch ändern sollte. Das kann man erst nach Bewertung der Gesamtsituation entscheiden.

    Letztlich hat jeder Mensch selbst die freie Entscheidung, sich gemeint zu fühlen.

    In den neuen Bundesländern funktioniert das z.T. noch immer und ist somit der beste Gegenbeweis gegen alle vorgebrachten Argumente für die Sexualisierung von Sprache.

  53. Schön und gut. Möglicherweise ist „Student” diskriminierend und möglicherweise nicht.

    Aber was ist die Lösung? „Student/in” erachte ich nicht als Lösung. Gerade derartige Sprachlösungen führen doch nur weiter zu eine Dichotomie im Denken. Mir ist noch kein Fall begegenet, wo das Geschlecht eines studierenden Menschen relevant wäre und daher stellt sich die Frage nach der Rechtfertigung einer solchen sprachlichen Disrkiminierung. Durch die Existenz einer derartigen sprachlichen Unterscheidung, ist man aber gezwungen, sowohl in Geschlechtern zu denken, als auch in Geschlechtern zu sprechen; so ist es zum Beispiel nicht möglich über einen „Studenten” zu sprechen, ohne sein Geschlecht zum Gegenstand des Sprechens zu machen.

    Die Lösung hat außerdem das Problem, dass sie Menschen explizit exkludiert, die sich keinem Geschlecht zuordnen können oder wollen.

    Meiner Meinung nach ist „Student/in” ist damit eine ebenso schlechte Lösung, wie „Student”.

    Die einzige verünftige Lösung, wäre tatsächlich die Einführung geschlechtsneutraler Begriff. Bis dahin, erachte ich es als einerlei ob man von „Studenten”, „Studierenden”, „Student/innen”, „Student*innen” oder was auch immer spricht.


  54. Die einzige verünftige Lösung, wäre tatsächlich die Einführung geschlechtsneutraler Begriff.

    „Studierende“ ist aber auch nur im Plural neutral. Und das würde der Plural „Studenten“ ebenso leisten. Es pricht ja überhaupt nichts dagegen, im Singular „Studentin“ und „Student“ zu verwenden. Das muss man aber bei „Studierenden“ auch, und somit ist das kein Fortschritt in Sachen Neutralität, denn an „Studentin“ und „Student“ ist ja gar nichts auszusetzen. Die „Studierende“ und der „Studierende“ ist sogar ein Rückschritt, da zwei völlig taugliche und inhaltlich korrekte Bezeichnungen durch eine unpräzise Hilfkonstuktion ersetzt wird.

    wie man es auch dreht und wendet: Es gaht bei dieser Debatte nicht um Sprache, sondern um Ideologie. „Feministische Linguistik“ ist insofern keine Wissenschaft, da sie nicht deskriptiv sondern normativ ist.

  55. Wertende / nichtwertendeUnterscheidung

    Zunächst einmal ergibt die Bestandsaufnahme, dass die deutsche Sprache diskriminiert, und zwar unabhängig von einer eventuellen Absicht der Sprecher und von dem Bewusstsein Betroffener …

    Wenn mit Diskriminierung eine wertende/abwertende Unterscheidung gemeint ist, dann ist dies falsch.

    Wenn im Sender-Empfänger-Kommunikationsmodell weder der Sender noch der Empfänger eine Wertung vornimmt, dann liegt keine Diskriminierung vor, sondern lediglich die simple Feststellung einer Differenz, die eine Unterscheidung erlaubt, also die Diskriminierung im ursprünglichen Wortsinn als nichtwertende Unterscheidung.

    Die Auffassung von Paul Watzlawick, dass einzig und allein die Decodierung der Botschaft durch den Empfänger massgebend sei teile ich nicht. Sowohl der Sender wie auch der Empfänger tragen die Verantwortung für eine unmissverständliche Kommunikation.

    Der Sender, der das Wort „Neger“ benutzt, obwohl er weiss, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit der Empfänger den Sprachgebrauch als abwertend decodiert, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er die Abwertung bewusst vornimmt.

    Der Empfänger, der weiss, dass der Sender nicht abwerten will und ihm solches trotzdem unterstellt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, er wolle nicht verstehen, sabotiere die Kommunikation (aus welchen Gründen auch immer) und unterstelle in perfider Weise dem Sender unlautere Absichten.

  56. @ Studierendenfutter

    Wie ich schon mehrfach gesagt habe: Nein, es ist eben nicht die freie Entscheidung eines jeden Menschen sich gemeint zu fühlen! Bei der Verwendung generischer Maskulina werden Frauen nicht oder in zumindest in geringerem Maße mitgedacht. Das ist ein empirischer Fakt und wenn Sie das ständig verleugnen bzw. ignorieren, dann stellt sich schon die Frage, wer hier ideologisch motiviert ist.

    Diskriminierung ist eben nicht nur die bewusste Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit; Diskriminierung kann unbewusst, schwer zu entdecken, institutionell/strukturell angelegt sein. Nehmen wir noch mal das Beispiel von den Menschen mit ausländisch klingenden Namen, die bei gleicher Qualifikation schlechtere Jobchancen haben. Direkt gefragt würde wohl kaum ein Personalchef sagen „Ja, ich will mit türkischen/türkischstämmigen Leuten nichts zu tun haben“. Die meisten gehen für sich davon aus, dass so etwas für sie selbstverständlich keine Rolle spielt. Aber das heißt nicht, dass sie damit recht haben. Und das heißt vor allem nicht, dass hier keine Diskriminierung vorliegt und sich der seit zwei Jahren arbeitslose Ingenieur Öztürk mal nicht so anstellen soll.

    Dass die Umsetzung einer geschlechtsneutraleren Sprache schwierig ist (und das Problem damit noch nicht gelöst wäre) ist denke ich jedem klar. Aber wenn es ein Wort wie Studierende gibt, das zumindest im Plural inklusiv ist, warum ist es dann so schwer es zu verwenden?

  57. @Studierendenfutter

    (ich weiß nicht, wie man hier zitiert)

    „“Studierende“ ist aber auch nur im Plural neutral. Und das würde der Plural „Studenten“ ebenso leisten. Es pricht ja überhaupt nichts dagegen, im Singular „Studentin“ und „Student“ zu verwenden.”

    Ich will speziell zu deiner Position keine Kontra-Position beziehen, weil ich deine Einstellung denke ich, sehr gut nachvollziehen kann.

    Mir persönlich ist es völlig egal, ob man jetzt grammatikalisch männliche, weibliche oder sächliche Begriffe verwendet, solange man sich darauf einigt, dass es eine geschlechtsneutrale Bezeichnung ist und sie auch so verwendet.

    @tungl

    „Bei der Verwendung generischer Maskulina werden Frauen nicht oder in zumindest in geringerem Maße mitgedacht. Das ist ein empirischer Fakt und wenn Sie das ständig verleugnen bzw. ignorieren, dann stellt sich schon die Frage, wer hier ideologisch motiviert ist.”

    Ja, das mag ein Fakt sein, aber daran stören mich persönlich zwei Dinge:

    1. Dieser Fakt ist kein Naturgesetz sondern höchstens eine Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Status. Wären Frauen in der Erlebniswelt von Menschen gleichstark vertreten und würde man konsequent ein generisches Maskulinum verwenden, dann würde sich auch das Denken meiner Meinung nach ändern.

    2. Ich denke, die Bedeutung dieses Faktes wird deutlich überbewertet. Wenn du „Student” sagst, denkst du vielleicht zuerst an einen männlichen Stunden. Aber du denkst auch zuerst an einen weißen Studenten, an einen Deutschstämmigen, an einen Nicht-Behinderten, an einen Heterosexuellen, an einen CIS (jemand dessen biologisches Geschlechts und Geschlechtsidentität übereinstimmt), an jemand Junges.

    Ich kann nicht sagen, woran ich zuerst denke, wenn ich den Begriff höre. Aber die Studenten hier sind teilweise afrikanischer, chinesischer und indischer Herkunft (kulturell und phänotypisch), es gibt Studenten hier, die über 60 sind, Behinderte, vermutlich (kann ich nicht beurteilen) auch Transgender, Homosexuelle und und und. All diese Menschen können genauso für sich beanspruchen, dass der Begriff sie diskriminiert, wenn er dazu geeignet ist — was er meiner Meinung nach ist — sie asoziiativ auszuschließen.

    Das ist ein Problem, der menschlichen Kognitiion. Wir verbinden nun einmal Terme mit dem was wir als archtypisch für diesen Term ansehen. Das werden wir durch eine Sprachänderung kaum überwinden können, meiner Meinung nach.

    „Nehmen wir noch mal das Beispiel von den Menschen mit ausländisch klingenden Namen, die bei gleicher Qualifikation schlechtere Jobchancen haben. Direkt gefragt würde wohl kaum ein Personalchef sagen „Ja, ich will mit türkischen/türkischstämmigen Leuten nichts zu tun haben“. Die meisten gehen für sich davon aus, dass so etwas für sie selbstverständlich keine Rolle spielt. Aber das heißt nicht, dass sie damit recht haben.”

    Aber gerade das ist etwas, was meiner Meinung nach völlig losgelöst von der Sprache ist.

    Ich erinnere mich an eine Studie, nach der weiße Amerikaner bei der Bewertung von Charaktereigenschaften von Menschen anhand ihres Aussehen, Schwarze und Weiße gleich bewerten. Aber: Sie brauchen kürzer um positive Eigenschaften mit Weißen und negative Eigenschaften mit Schwarzen zu verbinden. Das sind Prozesse die rein visuell ablaufen, unterbewusst sind und meiner Meinung nach, weder durch Sprachregelungen noch durch „In sich gehen” wirklich behoben werden können.

  58. @kinch

    Ich stimme Ihnen durchaus zu, dass man das Problem nicht auf Sprache reduzieren kann. Aber „völlig losgelöst“ ist es auch nicht: Sprache kann Vorurteile perpetuieren und – wie AS in seinem Artikel verdeutlicht – strukturell verankern. Das heißt aber gleichzeitig, dass man durch eine überlegte Verwendung von Sprache solche Vorurteile bewusst machen kann. Und ich finde, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet, sollte man das tun.

    Dass man sich unter „Student“ nicht nur einen männlichen, sondern auch einen weißen, heterosexuellen, cisgender etc. Menschen vorstellt, stimmt vermutlich. Diese Vorstellungen werden durch das Wort selbst aber nicht kodiert (im Gegensatz eben zum Geschlecht), deswegen kann man durch eine sprachliche Änderung da wenig erreichen.
    Lassen Sie uns aber Sprache als Zeichensystem weiter fassen und z.B Bilder mit in die Diskussion nehmen. Auf Bildern kann man z.B. Hautfarbe und in gewissem Maße Behinderung sehen. Also sollten Unis darauf achten, dass ihre Selbstdarstellung diese Diversität spiegelt. Man sollte die Probleme tatsächlich an allen Fronten angehen (je nachdem, wie es gerade passt) – und Sprache ist eben eine davon.

  59. @kinch

    „Wären Frauen in der Erlebniswelt von Menschen gleichstark vertreten und würde man konsequent ein generisches Maskulinum verwenden,… „
    Sind sie aber nicht, und tut man nicht. Das ist doch genau der Punkt, um den es geht.

  60. Linguistik vs. Soziologie

    Dass Menschen abhängig vom Geschlecht (und diversen anderen Eigenschaften) unterschiedlich behandelt werden, ist der Sprachwissenschaft erstmal ziemlich egal, das ist Thema der Soziologie. Erst wenn es darum geht, ob diese Ungleichbehandlung sich in der Sprache zeigt oder von ihr gefördert bzw. gar verursacht wird, kommen (Sozio-)Linguisten ins Spiel.

    Tatsächlich kann die deutsche Sprache zu einem gewissen Grad nach Geschlecht diskriminieren – i.S.v. unterscheiden, denn abwerten tut das Sprachsystem nicht, höchstens der Sprachgebrauch (außer man meint, dass die Existenz von nur einer sexus-markierten Form, nämlich der weiblichen, bereits mit einer (negativen) Wertung behaftet ist).

    Dass ein sprachliches Generikum (v.a. generisches Maskulinum) nicht unbelastet von subjektiven sozialen Vorstellungen, die von objektiven Realitäten beliebig abweichen können, wahrgenommen wird, halte ich für ein Symptom, nicht für eine Ursache. Wahrscheinlich behebt sich das nachgelagert zum gesellschaftlichen Wandel von selbst, aber die Möglichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, dass bewusste sprachpflegerische Eingriffversuche, diesen Wandel unterstützen könnten.

    Die Betonung der Geschlechterdichotomie durch Doppelnennung („Studenten und Studentinnen“ bzw. „Student oder Studentin“) kann jedenfalls keine General- und Dauerlösung sein, denn sie ruft dem Rezipienten zwar ins Bewusstsein, dass die Referenz gemischtgeschlechtlich ist, aber sie hebt eben auch hervor, dass das relevant sei. (Außerdem ist sie in all ihren Ausprägungen stilistisch unelegant.)
    (Je nach Kasus und Numerus) weniger stark genus-markierte Synonyme („Studierende“) oder Umformulierungen egalisieren hingegen die Bedeutung der Unterscheidung. Die (gewünschte) Awareness kann aber lediglich erreicht werden, wenn der Alternativbegriff für die Sprachgemeinschaft ungewohnt (aber systematisch gewöhnlich) ist. Über kurz oder lang wird diese Eigenschaft verschwinden und die semantische Spirale dreht sich weiter.

    Man kann da (und nur da), wo es notwendig ist, unterstützend sprachlich auf zu behebende Unterschiede hinweisen, aber je inflationärer man das tut, desto stärker verpufft der Effekt. Wo es nicht wichtig ist, reichen egalitäre Formulierungen und dazu gehört auch und gerade das generische Maskulinum, d.h. die Vermeidung der markierten weiblichen Form.

  61. @Feathers Mc Graw: Studierendenkrawalle

    Sie schreiben: „Das mit den Studierendenkrawallen finde ich aber schon interessant. Das Wort „Studierende“ wird meines Erachtens größtenteils in der Ansprache an dieselbigen verwendet. Studierendenkrawalle wären zwar richtigerweise als solche zu bezeichnen, aber klingt eben auch weniger schmissig.“

    Da gebe ich Ihnen Recht. Wie alle diese Wörter. Und die allermeisten Menschen werden bei der Backendeninnung, der Richtendenakademie, dem Steuerzahlendenbund und der Drückendenkolonne auch Verständnisschwierigkeiten haben.

    Sie schreiben weiter: „Es wird sich auch kaum jemand darüber beklagen, da (sc. bei den Studentenkrawallen) verbal ausgeschlossen zu werden.“

    Ich finde hier denken Sie nicht weit genug. *Wenn* ein Mensch von Studierenden und Studierendenvertretung spricht, aber dann von Studentenkrawallen, -besäufnissen und -ulken, (obwohl an diesen auch weibliche Studierende teilnehmen), fühle ich mich als Mann ernsthaft diskriminiert, weil der Mensch den Eindruck vermittelt, dass beim Blödsinn immer nur die Männer mitmachen. Mich würde wirklich interessieren, ob die Verfechtenden des Wortes „Studierende“ dieses Wort auch in negativ aufgeladene Komposita einbauen. Google lässt auf das Gegenteil schließen.

  62. @Phaeake

    Da muss ich mich leider dann logisch schon wieder von Ihnen verabschieden. Diese Männerdiskriminierung und nun tatsächlich nur eingebildet. Da könnte man natürlich auch länger drüber schreiben (und das soll ja auch gar nicht Thema dieses Beitrags sein) aber die Diskriminierung von Frauen und die Ungleichbehandlung bei Wortwahl usw. drückt sich ja in ganz messbarer Benachteiligung für Frauen in den entsprechenden Gebieten aus. Das jetzt aber weil das generische Maskulinum auch nun ebenso generisch in negativen Ausdrücken auftaucht bedeutet jetzt beim besten Willen nicht dass da irgendwie eine Nettobenachteiligung von Männern bei rauskommt.

    Wie ich bereits weiter oben erwähnt habe ist diese verbale Gleichbehandlung in unterschiedlichen Kontexten auch unterschiedlich wichtig. Kein Mensch ist zum Beispiel für die Umbenennung von Studentenfutter in Studierendenfutter – da spielt es einfach keine Rolle. Bei Studentenverbänden hingegen ist es schon wichtiger – da ist teilweise die Mehrzahl der Studierenden weiblich, sie werden aber trotzdem mit dem Plural des Wortes für männliche Studenten bezeichnet.

    Also kurz gesagt: Was für konkrete Benachteiligungen für Männer aus der verbreiteten Nutzung des Wortes „Studentenkrawalle“ nun hervorgegangen sind müsste man mir nochmal genau erklären.

  63. Ich kommentiere hier zum ersten Mal und weiß wie Kinch nicht, wie man Zitate kenntlich macht oder Links korrekt einfügt. Ich konnte auch auf die Schnelle keine Anleitung finden. Daher bitte ich, das etwas unbeholfene Layout dieses Beitrags zu entschuldigen.

    @A.S.
    »Die Behauptung, Studenten könne die Bedeutung „Studierende aller Geschlechter“ haben, wird nicht wahrer, indem man sie ständig wiederholt.«

    Natürlich kann es diese Bedeutung haben. Es ist sogar die Hauptbedeutung, zumindest im Plural, je nach Zusammenhang eventuell auch im Singular. Wenn es nur um Männer gehen soll, müßte das ausdrücklich erwähnt werden, und weil es keine männlich markierte Form gibt, geht das nur z. B. durch das Attribut „männlich“. Ich bin kein Sprachwissenschaftler und kann hier keine genaue Begründung liefern. Andere sind da qualifizierter, und diese Frage wurde ja in mehreren Kommentaren bereits angesprochen (z. B. von Christoph Päper).

    Ich kann aber sagen, daß die maskuline Form solcher Gruppenbezeichnungen für mich klar geschlechtsunabhängig ist, und zwar ganz automatisch, ohne daß ich darüber nachdenken müßte. Es ist also offenbar in meinem Sprachzentrum so verankert. Wer in einem feministischen Umfeld aufgewachsen ist, in dem Geschlechterunterschiede ständig zum Thema gemacht werden, ist da vielleicht anders programmiert. In dem Bereich, in dem ich (als Mann) viele Jahre gearbeitet habe, waren Frauen in der Mehrheit, und die meisten hatten niemals ein Problem mit den maskulinen Gruppenbezeichnungen. Keine hätte sich dadurch ausgeschlossen gefühlt.

    In diesem Zusammenhang ist vielleicht ein Vergleich mit anderen Sprachen interessant. Im Dänischen gibt es bei Berufsbezeichnungen neben der unmarkierten Form auch eine weiblich markierte, z. B. „lærer“ (Lehrer) und „lærerinde“ (Lehrerin). Die weibliche Form ist aber eher unüblich geworden, weil die Frauen gleichberechtigt genannt und nicht von den Männern abgegrenzt werden wollen. Man sagt einfach: „Hun er lærer“ (Sie ist Lehrer). Es ist also ganz anders als im Deutschen, wo mit zunehmender Gleichberechtigung gerade das Gegenteil eingetreten ist und die weiblichen Formen zunehmen – und damit die Unterschiede hervorgehoben und betont werden, die man doch eigentlich loswerden will. Mir erscheint der dänische Weg da doch erheblich logischer, und viel einfacher ist er ohnehin.

    @Schleuderkurs
    (»Ich habe keine Ahnung, was genau im Kopf der Leute, die finden, dass mit „Studenten“ auch Frauen gemeint sind vorgeht, aber es würde mich schon interessieren, ob sie bei einem Satz über „Studenten“ tatsächlich eine gemischt-geschlechtliche Gruppe assoziieren.«

    Ja, ich denke bei „Studenten“ an eine gemischtgeschlechtliche Gruppe. Genauer gesagt denke ich eigentlich gar nicht an ein Geschlecht, wenn ich „Studenten“ höre. Ich habe umgekehrt keine Ahnung, was im Kopf derjenigen vorgeht, die dabei nur an Männer denken. Mein Sprachzentrum jedenfalls ist wie oben erwähnt auf die geschlechterübergreifende oder besser geschlechtsunabhängige Bedeutung der unmarkierten Form „Studenten“ programmiert. Das bedeutet auch, daß „Studentinnen“ für mich eine Teilmenge von „Studenten“ ist.

    Illustrieren kann ich das an einem Beispiel, auf das ich zufällig gestoßen bin:

    »Sie bat 32 Studierende, sich in kurzer Zeit Witze für vorgegebene Cartoons auszudenken. […] Andere Studierende sollten anschließend die Witzigkeit bewerten, ohne das Geschlecht der jeweiligen Autor_innen zu kennen. Die Autoren schnitten dabei tatsächlich etwas besser ab als die Autorinnen. Allerdings nur 0,11 Punkte auf einer Skala von 1 bis 5. Und: Männer fanden Autoren lustiger als dies Frauen taten.« (http://maedchenmannschaft.net/…he-mit-dem-humor/)

    Ich habe beim Lesen der Kommentare nicht den Eindruck gewonnen, daß hier jemand solche Konstruktionen wie „Autor_innen“ fordert und möchte darauf auch nicht weiter eingehen. Auch daß „Autor“ in diesem Zusammenhang nicht unbedingt das passende Wort ist (im Originalartikel steht „writer“), tut hier nichts zur Sache.

    Mir geht es um den Satz „Die Autoren schnitten dabei tatsächlich etwas besser ab als die Autorinnen.“ Wie bei den „Studenten“ verstehe ich die maskuline Bezeichnung „Autoren“ geschlechterübergreifend. Deshalb widerspricht der zitierte Satz meinem Sprachgefühl, sobald ich das letzte Wort „Autorinnen“ gelesen habe. Der Satz wäre für mein Verständnis völlig in Ordnung, wenn dort nicht „Autorinnen“, sondern z. B. „Journalisten“ stünde, man also eine Gruppe von Personen mit einer anderen vergleicht, ohne daß das Geschlecht dabei eine Rolle spielt. Hier wird aber ein Vergleich zwischen einer Teilmenge und der Gesamtmenge konstruiert, was logisch zumindest in dieser Form unmöglich ist. Das Wort „Autoren“ erhält für mich erst nach dem Auftauchen des Wortes „Autorinnen“, also erst am Ende des gesamten Satzes, nachträglich die Bedeutung „männliche Autoren“. Und das auch nur, weil ich dann erkenne, daß es sich hier um feministische Sprache und damit das künstliche Aufladen von „Autoren“ mit einer geschlechtlichen Bedeutung handelt, die das Wort eigentlich überhaupt nicht hat. Obwohl ich also nach dem Lesen des gesamten Satzes im Rückblick seine Bedeutung verstehe, wird er auf mich immer unnatürlich wirken, weil er meinem Sprachgefühl widerspricht. Für mich müßte der Satz lauten: Die männlichen Autoren schnitten dabei tatsächlich etwas besser ab als die weiblichen. Nur so wird von Beginn an klar, daß es hier ausdrücklich um einen Geschlechtervergleich gehen soll.

    Mich würde nun interessieren, was diejenigen, die die maskuline Form immer als männlich betrachten, denken, wenn sie diesen Satz lesen. Hat für sie das Wort „Autoren“ tatsächlich eine so starke geschlechtliche Bedeutung, daß sie bereits am Beginn des Satzes nur an Männer denken?

  64. @ Feathers McGraw

    Sie schreiben „Das jetzt aber weil das generische Maskulinum auch nun *ebenso generisch* in negativen Ausdrücken auftaucht bedeutet jetzt beim besten Willen nicht dass da irgendwie eine Nettobenachteiligung von Männern bei rauskommt.“ (Hervorhebung von mir)

    Ich meinte explizit NICHT den Fall, dass generische Maskulina „ebenso generisch“ negativ verwendet werden, sondern die Schieflage, dass bei positiv besetzen Begriffen „durchgegendert“ wird bei negativen aber nicht. Das ist ein schon oft beschriebenes Phänomen. Eine konkrete Gruppe Bankraubender beiderlei Geschlechts (!) wird selbst von der taz als „Bankräuber“ bezeichnet.

    Sie schreiben“Also kurz gesagt: Was für konkrete Benachteiligungen für Männer aus der verbreiteten Nutzung des Wortes „Studentenkrawalle“ nun hervorgegangen sind müsste man mir nochmal genau erklären.“

    Ich will Sie nicht in Haftung für Ihre Vorredner nehmen, aber von diesen wurde sehr oft behauptet, es reiche völlig aus, dass sich Studentinnen durch die Verwendung „Studenten“ ausgeschlossen *fühlen*.

    Männliche Menschen sind faktisch in vielen Bereichen gegenüber weiblichen im Hintertreffen. Es gibt zum Beispiel deutlich mehr Gymnasiastinnen als Gymniasiasten (http://www.bmfsfj.de/…62,render=renderPrint.html). Dass dies auch mit einer Vorstellung bei den Lehrenden zusammenhängt, dass die weiblichen Studierenden sich sogar in der Studierendenvertretung engagieren, während die männlichen Studenten ihr Studium vornehmlich als Vorwand fürs Saufen und Randalieren nutzen, ist sicher eine sehr schlecht beweisbare Behauptung. Ich hielte diesen Zusammenhang aber für nicht unwahrscheinlicher als einen Zusammenhang zwischen der Verwendung des Wortes „Studentenparlament“ und konkreten Benachteiligungen für Studentinnen.


  65. Wie ich schon mehrfach gesagt habe: Nein, es ist eben nicht die freie Entscheidung eines jeden Menschen sich gemeint zu fühlen! Bei der Verwendung generischer Maskulina werden Frauen nicht oder in zumindest in geringerem Maße mitgedacht.

    @tungl
    Das hängt doch allein vom Erfahrungshorizont ab: Auch bei der neutralen Formulierung „Bergleute“ / „Feuerwehrleute“ denke ich an Männer, weil Bergleute der Erfahrung nach Männer sind. Beim neutralen Begriff „Erziehungspersonal“ denke ich an Frauen, weil in diesem Bereich mehrheitlich Frauen zu finden sind.

    Aber wenn es ein Wort wie Studierende gibt, das zumindest im Plural inklusiv ist, warum ist es dann so schwer es zu verwenden?

    Ich verwende es nicht, weil die Bedeutung von „Studierenden“ nicht die gleiche ist wie von „Studenten“. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass man die Realität ändern muss, nicht aber deren Abbild in der Sprache.

    @Kinch

    Wenn du „Student” sagst, denkst du vielleicht zuerst an einen männlichen Stunden.

    Wenn du „Studierender“ sagst, denkt man auch einen männlichen Studenten!

    @LMK

    „Wären Frauen in der Erlebniswelt von Menschen gleichstark vertreten und würde man konsequent ein generisches Maskulinum verwenden,… „

    Sind sie aber nicht, und tut man nicht. Das ist doch genau der Punkt, um den es geht.

    Es geht also darum, Frauen mittels Herbeisprechen in die Erlebniswelt zu bugsieren? Das ist Voodoo.

    @tungl

    Dass man sich unter „Student“ nicht nur einen männlichen, sondern auch einen weißen, heterosexuellen, cisgender etc. Menschen vorstellt, stimmt vermutlich.

    Der eine spezielle Student ist ja auch ein Mann, sonst wäre es eine Studentin. Der einzelne Studierende ist auch keine Frau. Dass man sich in Europa einen eher Europäer vorstellt, in einer Gesellschaft, die mehrheitlich hetersosexuell ist, einen Heterosexuellen usw. ist nicht verwunderlich. In China wird man sich Chinesen vorstellen, in Afrika Afrikaner. Assoziationen generieren wir aus Erfahrungen.

  66. Die wahren Unterdrückten

    Lehrer – Lehrerin, Student – Studentin gibt es immerhin, und dann kann eine Unterscheidung nach Geschlecht Sinn haben. Mit dem Oberbegriff Student kam man solange aus, wie es noch so gut wie keine Studentinnen gab. Da es jetzt mehr Frauen als Männer (oder gleich viel) gibt, die studieren, könnte man in der Tat nach einem geschlechtsneutralen Wort wie Studierende suchen, um den Verhältnissen gerecht(er) zu werden. Darüber hinaus ist es zeitraubend und ungemein nervig jedes Mal von Studenten und Studentinnen oder Genossen und Genossinnen oder gar von Parteifreundinnen und Parteifreunde sprechen zu müssen (Das allein wäre schon Grund genug, nicht in eine Partei einzutreten).

    Bei anderen Berufen oder Titulierungen ist die Sache allerdings komplizierter, etwa bei Kindergärtnerin. Denn wer hätte je ein männliches Exemplar, also einen Kindergärtner, zu Gesicht bekommen, ich genau ein Mal in meinem ganzen Leben. Auch die relativ neue Bezeichnung Erzieherin für die gute alte Kindergärtnerin ist nur auf den ersten Blick nicht mehr als ein sprachlicher Missgriff (an dem die Sprechergemeinschaft übrigens nicht beteiligt war), auf den zweiten hilft sie uns noch nicht einmal weiter. Natürlich gibt es den Erzieher, aber eben nicht im Kindergarten! Daran hat sich und wird sich vermutlich auch nichts ändern (Jedenfalls solange nicht, wie A.S. sich nicht der Sache annimmt).
    Bei Grundschullehrer treffen wir auf eine vergleichbare Problematik, die gibt es nämlich auch nicht, höchstens als Einzelexemplare und vermutlich nur der Quote wegen. Bei Krankenschwester wären wir völlig am Ende mit der Weisheit, denn Krankenbruder möchte noch nicht einmal einer werden, wenn es den Krankenpfleger nicht gäbe! Nach der Schwester und dem Pfleger kann man rufen, aber nicht nach dem Bruder!

    All das ist aber meine geringste Sorge. Viel mehr beschäftigt mich der Umstand, dass mein Sohn, bzw. Knaben im allgemeinen, vom Kindergarten an, über die Grundschule und dann auf der weiterführenden Schule, die vielleicht wichtigste, weil ungemein prägende Zeit seines Lebens alleingelassen unter Frauen verbracht hat. Kein Mann weit und breit, mit dem er mal an einem Baum, in ein Urinal (gibt es im Kindergarten nicht) oder heimlich in’s Toilettenbecken (im Stehen) hätte pinkeln können. Noch nicht einmal Fußballspielen war mit den Gärtnerinnen, und Meisterinnen im Danebentreten, möglich. Dafür aber jede Menge Basteln und Malen. Und Zuhause herrschte Mama (Letzteres stimmt bei mir nicht, aber ich bin so eine Ausnahme wie der eben genannte Kindergärtner auch).

    Was will ich damit sagen? Es gibt Mädchentage, es gibt Förderprogramme und Quoten für Mädchen und Frauen als wären sie Behinderte, aber für Jungs gibt es nichts, aber auch gar nichts. Dabei hätten sie es dringend nötig. Mädchen sind in einem bestimmtem Alter den Jugen haushoch überlegen, vor allem in der Pubertät(Es gibt Frauen, die behaupten, das ändere sich nie). Den Buben ist in dieser Zeit kaum ein Lächeln abzugewinnen und werden bei jeder Gelegenheit pampig, die Mädels jedoch geben sich artig und haben das berechnende Lächeln schon von Geburt an drauf.
    Die wahren Benachteiligten sind demnach nicht immer die, die in aller Munde sind, und die sich selbst wehren können. Die Unterdrückung von Wehrlosen findet woanders statt, nämlich in unseren Kindergärten und Schulen.

  67. Männerbenachteiligung?

    Sind wir jetzt schon soweit? Diese Diskussion dürfen hier gerne andere führen oder nicht führen, aber das Ungleichgewicht in der Erziehung besteht seit bestimmt 30 Jahren so oder so ähnlich, und trotz der frappierenden gefühlten Benachteiligung von Männern und Jungs in der Welt der Erziehung hat sich das in der Arbeitswelt noch praktisch gar nicht durchgeschlagen. Obwohl die Jungs schlechtere Noten haben kriegen sie hinterher die besser bezahlten Jobs. Dann kanns ja mit der Benachteiligung nicht so weit her sein.

    Und nur noch mal was generelles: Ich hab überhaupt keine Lust hier was die generelle Benachteiligung von Frauen im Arbeitsleben angeht irgendwelche weiterführenden Nachweise vorzulegen. Da schwingt so ein grundlegendes „jetzt reichts aber auch langesam mit dem ganzen Emanzipationsgedöns“ drin mit dass ich höchst unangenehm finde.

    Wer der Meinung ist dass Frauen gar nicht mehr benachteiligt sind, der wird auch glauben dass gerechtere Sprache nicht nötig ist. Wer selbst allerdings nicht teil einer Minderheit ist, dem möchte ich doch mal nahelegen darüber nachzudenken, was Ihn jetzt besonders befähigt die Situation von Frauen besser einschätzen zu können als Frauen selbst. (Statt Frauen kann man übrigens auch nach belieben Schwule, Ausländer usw. einsetzen, bei den meisten anderen Fällen haben die Probleme weniger strukturell linguistische Probleme und sind deswegen hier eher uninteressant)

  68. @Feathers McGraw Faktencheck

    „aber das Ungleichgewicht in der Erziehung besteht seit bestimmt 30 Jahren so oder so ähnlich, und trotz der frappierenden gefühlten Benachteiligung von Männern und Jungs in der Welt der Erziehung hat sich das in der Arbeitswelt noch praktisch gar nicht durchgeschlagen. „

    1980 waren in der Bundesrepublik 48 Prozent der Frauen erwerbstätig und 82 Prozent der Männer. 2010 waren 65 Prozent der Frauen erwerbstätig und 75 der Männer. (http://www.bpb.de/files/O4NQPA.pdf) Ich räume ein, dass dieser Fortschritt zu einem Teil auf die Wiedervereinigung zurückzuführen ist, aber auch wenn man die rausrechnet, dürfte diese Entwicklung mit „praktisch gar nicht“ falsch beschrieben sein.

    Ja, Sie können natürlich sagen, dass alleiniges Kriterium für die Frage, ob Gleichberechtigung herrscht, die des Gehalts ist. Aber Sie sollten sich bewusst sein, dass sich die Vertretenden der These, dass Männer diskriminiert seien, mit der Lebenserwartung auch ein solches Kriterium herausgreifen KÖNNTEN. Ich mache das ausdrücklich nicht.

    Ich halte es für nur bedingt erfolgversprechend, mit einer gerechteren Sprache die Welt gerechter machen zu wollen. Ein sprachliches System erfordert ein gewisses Maß an Kohärenz – sicher eine geringeres als ein mathematisches System. Wer – so wie Sie es mir zu tun erscheinen – jede eingeforderte sprachliche Kohärenz („dann müsste es auch Studierendenkrawalle heißen“) mit dem Argument verweigert, dass insoweit keine soziale Ungerechtigkeit zu beheben sei, begibt sich auf die Ebene der Ideologie.


  69. Wer der Meinung ist dass Frauen gar nicht mehr benachteiligt sind, der wird auch glauben dass gerechtere Sprache nicht nötig ist.

    Ich glaube, dass eine gerechtere Welt nötig ist. Die ist nicht mittels „gerechterer Sprache“ herstellbar. Diese Sprachgymnastik wird nun seit den 70er betrieben und nachhaltig hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: Es gibt einen massiven Backlash zu beklagen.

    Wenn aber Frauen de facto nicht benachteiligt wären, wären sprachliche Bemühungen ebenso überflüssig.

  70. Gerechte Sprache

    Weder sind Männer pauschal benachteiligt, noch sind es die Frauen. Weder Frauen noch Männer sind eine homogene Gruppe. Deshalb wäre es für alle, die so grossen Wert auf eine gerechte Sprache legen angezeigt, Benachteiligte schlicht und einfach als „Benachteiligte“ zu bezeichnen.

    Weder „Männer“ noch „Frauen“ bezeichnet eine soziale Klasse. Es sind genau diese aufgrund der Heterogenität der benannten Gruppen sachlich nicht zu rechtfertigenden Pauschalisierungen, die diskriminieren (oder privilegieren).

  71. Zweierlei

    Zum einen: Erwerbstätig ja, aber in welcher Art von Berufen?

    Aber viel schöner ist doch der zweite Ansatz: Sie sagen, dass es mit Änderungen in der Sprache nicht funktionieren wird, die Gerechtigkeit in der Welt auch wirklich herzustellen. Ich sage, *ohne* Änderungen in der Sprache ist Gerechtigkeit auch nicht herzustellen. Keiner will gerechtere Sprache als einziges Mittel verwenden, aber es ist ein wichtiger Anfang um Gerechtigkeit auch im Bewusstsein zu verankern.

  72. Nichts geändert?

    @ Studierendenfutter:
    Das sich „nichts geändert“ hat stimmt schlicht nicht – gerade im Bereich ausländerfeindlichen/rassischter Terminologie und auch was Menschen mit Behinderungen betrifft, hat sich sowohl die Sprache auch als das Menschenbild gewandelt.


  73. Das sich „nichts geändert“ hat stimmt schlicht nicht – gerade im Bereich ausländerfeindlichen/rassischter Terminologie und auch was Menschen mit Behinderungen betrifft, hat sich sowohl die Sprache auch als das Menschenbild gewandelt.

    Angesichts der jüngsten rechtsextremen Gewaltverbrechen ist das reines Wunschdenken. Inzwischen sagt man nicht mehr Krüppel, sondern Behindi und „Deutschland schafft sich ab“ stieß auf breite Zustimmung. Das haben sich zwar Worte geändert aber nicht das Menschenbild.

  74. Die Untercheidung von Mann und Frau

    Sie sagen, dass man in den meisten Fällen die Trennung der Geschlechter übrrhaupt nicht braucht. Völlig richtig – ist es aber richtig, dass die Sprache sie weiterhin vollzieht? Nehmen wir Ihr beliebtes Beispiel, die Studenten. Früher gab es nur Studenten, so dass es weder mit Singular nur mit Plural Probleme gab. Heute gibt es Studentinnen und Studenten. Es wäre umständlich und schwerfällig, immer beide Formen Formen im Plural zu nennen. Die Lösung der Sprache ist: Sie nimmt die männliche Form, meint aber Frauen und Männer. Es ist also sprachlich einfach nicht so, dass wir alles nach Frauen und Männern trennen. Also: Wir sagen Studenten und meinen dabei Studentinnen und Studenten. Das Strafgesetzbuch, zum Beispiel, ist sogar noch radikaler und nimmt die männliche Singularform, aus dem Sinnzusammenhang ergibt sich aber, dass Frauen mitgemeint sind: „Mörder, ist, wer….“, weil jedem klar ist, das auch Frauen Menschen umbringen, wenn auch weniger als Männer.

    Für Sie ist es evident, dass diese schlichte Lösung, die in der Praxis doch eigentlich die Regel ist, einen chauvinistischen oder diskriminierenden Beigeschmack hat. Ich halte dies nicht für evident, das müssten Sie beweisen!

    Sprachliche Formen bedeuten ja nicht das, was sie wörtlich aussagen sondern sind Etiketten, verblasste Bilder mit einer langen Geschichte.
    Sie müssen unterscheiden zwischen der Geschichte einer sprachlichen Form und der gegenwärtigen Verwendung. Wenn Sie die Sprache allen Punkten so scharf betrachten würden wie in diesem einen, würden Sie merken, dass wir pausenlos völligen Unsinn reden: „Die Sonne geht auf. Der Morgen erwacht im Stadtviertel…“ Die Sonne geht nicht auf, kann der Morgen schlafen?- Ein Stadt“viertel“ gibt es nirgendwo auf der Welt. Hätten Naturwissenschaftler, nachdem sich die Einsicht durchgesetzt hat, dass die Erde sich um die Sonne dreht, sich sagen sollen: „Die Formulierung „Die Sonne geht auf/unter“ stammt aus einer finsteren, unaufgeklärten Zeit. Höchste Zeit, den immer noch vorhandenen Aberglauben im Volk zu heilen und einen neue Formulierung zu finden!“?
    Im übrigen schützt die Verwendung geschlechtsneutraler oder politisch korrekter Doppelbezeichnung Mann/Frau vor Chauvinismus kein bisschen: Addolf Hitler begann seine Reden mit den Worten „Deutsche Volksgenossinnen und Volksgenossen…“

  75. Ähnliche Diskussion

    Eine ähnliche Diskussion hat vor einiger Zeit auch bei den ScienceBlogs stattgefunden. Mit ähnlich ‘heißen’ Kommentaren, Die Texte habe ich unter dem Titel Die ScienceBlogs und die Macht der Sprache gesammelt (für wen es interessant ist):

    http://www.fiktionen.net/…die-macht-der-sprache/
    sion

    Dass es so viel Nachholbedarf/Nicht-Wissen in Sachen Sprache/Kommunikation gibt, gerade bei Menschen die auch beruflich ‘sprechen’ (z.b. Journalist_innen), wundert mich. Siehe zb Wikipedia, Linguistische Wende:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Linguistische_Wende

  76. Auch zur Fussnote

    Ich habe die Kommentare nicht gelesen, und mir ist auch bewusst, dass der Post alt ist.

    Nichtsdestotrotz als Tipp: Warum es so unendlich schwer ist, auch in bester Absicht Äußerlichkeiten nicht als relevantes Unterscheidungsmerkmal überhaupt wahrzunehmen lässt sich hervorragend ableiten aus Irving Goffmans Stigmatheorie (das Buch heisst einfach Stigma). Goffman argumentiert, wie Susen Arndt mit der Selbstdefinition von Mehrheiten, bei ihm ist das das Normale, alles abweichende davon ist stigmatisierend.
    Meine Referenz, wenn ich zwischen bemühter Nichtdiskriminierung und Post-Irgendwas-Diskriminierung steckenbleibe.

  77. Korrektur! Vagina!

    Bitte das weibliche Genital korrekt als Vulva zu bezeichnen!
    Danke!

  78. Hautfarbe

    Meiner Meinung nach stellt schon die optische Unterscheidung einen Grund dar ein sprachliches Label wie z.B. „dunkelhäutiger Mensch“ zu finden. In vielen Kontexten mögen sie recht haben das eine Unterscheidung nicht nötig wäre, aber der Mensch verarbeitet Information nun mal durch Kategorisierung, man nehme Personenbeschreibungen. Würde man die Hautfarbe bei der Beschreibung einer Person weglassen würde eines der wesentlichsten optischen Unterscheidungsmerkmale wegfallen, die Farbe. Um Kategorisierungen mitzuteilen braucht man dann aber einen Begriff dafür. Bringt man den Begriff dann mit einem unnötigen Kontext in Verbindung entsteht natürlich sprachliche Diskriminierung, aber ich denke das es nicht per se unnatürlich ist Objekte nach Farbe zu unterscheiden und dann ein Wort dafür zu finden.

  79. Anekdote/Erfahrungsbericht

    (keine wissenschaftliche Diskussion, vielmehr Input zur Sprachentwicklung)

    Mein Sohn (5 Jahre) war zu Besuch bei mir in der Schule. Wir gehen ins Lehrerzimmer.
    Er: Warum heißt das ‚Lehrerzimmer‘?
    Ich: Weil das hier der Raum für alle Lehrer von der Schule ist.
    Er: Aber du bist doch auch hier. Warum heißt das nicht Lehrer- und Lehrerinnenzimmer?

    Anmerkung: Bei uns gibt es keine bewusst gegenderte Sprache oder Diskussionen über sprachlich nicht-diskriminierende Bezeichnungen zu Hause. Auch ist mir dieser von ihm aufgezeigte ‚Missstand‘ zuvor nie aufgefallen. Eventuell ist sein Bewusstsein geprägt durch die durchgehend weiblichen Erzieherinnen in der Kita.

  80. Frau | Mann

    Einige Monate später bin ich gerade nochmal über den Artikel gestolpert.

    A.S. erwähnt im Artikel ja, dass das Diskriminieren die Hauptfunktion von Sprache bzw. (lexikalischen) Wörtern ist und dass dabei jeweils eine Trennung in X und Nicht-X vorgenommen wird. Man darf dabei aber nicht dem Trugschluss aufsitzen, dass es regelmäßig ein Y gibt, für das gilt Y = Nicht-X und Nicht-Y = X. Beispielsweise entspricht „Frau“ nur in bestimmten Fällen Nicht-„Mann“ (und umgekehrt). Das erkennt man schon daran, dass es zu den männlichen Begriffen (bzw. Stämme) Mann, Herr eine größere Anzahl weibliche Gegenstücke gibt: Männin, Herrin, Frau, Dame, Weib.

  81. Anderssein

    Es ist völlig natürlich, dass der Mensch, der anders aussieht als die andern, auffällt. Man sollte sich hier keinen Rassismus einreden lassen, weil das Gehirn seine Aufgabe erfüllt, Abweichungen vom Normalen zu registrieren und zu beobachten. Ein schwarzer Mensch unter lauter Weißen löst genau so einen Alarmreflex aus wie ein plötzliches Weckerklingeln in der Stille.

    Wer sich deswegen des latenten Rassismus bezichtigen lässt und sich damit quält, ein schlechter Mensch zu sein, der sollte einmal eine Reise nach Afrika oder Asien machen oder sich dorthin begeben, wo sich „andersartige“ Menschen versammeln. Zur Not hilft auch, zwei oder drei Filme hintereinander zu sehen, in denen die Personen ausschließlich schwarz, asiatisch, oder indisch sind. Das Resultat ist verblüffend: Schon nach kurzer Zeit erscheint der Weiße als fremdartig, blasse Haut, lange Nase, helle Haare. Zwei Wochen in einem schwarzafrikanischen Land, und bei der Rückkehr nach Deutschland fühlt man sich unter fremdartigen Menschen. Wir sind so gestrickt. Man wird das Gefühl, jemand sei fremdartig, am besten in einer Gesellschaft los, in der alle Hautfarben und Herkünfte gemischt sind, also z.B. in manchen Gegenden der USA oder in Weltstädten wie London. Dann werden die unterschiedlichen Hautfarben bald so normal wie die unterschiedlichen Haarfarben, und man achtet nicht mehr darauf.

  82. wie auch immer…

    …es mutet einfach seltsam an, wenn sich ein Mann, zumindest ein biologischer, für die armen Frauen in der deutschen Sprache einsetzt,
    Ein Frauenversteher, wie rührend-
    Und der Artikel über das Generische Maskulinum, das natürlich garnicht existiert.
    Und die gendergerechte Sprache, die ja garnicht verständniserschwerend ist….der stümperhafteste Artikel den ich je gelesen habe.
    Ein Satz wie dieser erschwert also nicht das Verständis:
    „Wenn ein/eine Dienstnehmer/Dienstnehemrin mit einem/einer Arbeitgeber/Arbeitgeberin ein Dienstverhältnis eingeht, dann enstehen dem/der Dienstgeber/Dienstgeberin Pflchten gebenüber dem/der Dienstnehmer/Dienstnehmerin….etc“
    Diese Studien vergessen allesamt auf eines, den HAUSVERSTAND.
    Und Gendersprache ist einfach bescheuert, auch wenn sie vielleicht eine teils als solche betrachtete Gerechtigkeit bringt.
    Apropos: ein alternatives Mädchen sagte mir unlängst, sie sei von Beruf Student….:
    Sachen gibts, die gibts garnicht, dabei musste sie sich nicht einmal MITMeinen, und hat trotzdem die generische Form verwerwendet.
    Wie man es dreht und wendet: Gendersprache ist schwachsinnig !
    Eine generische Form ist notwenig, wir könnten ja die weibliche Form abschaffen, dann hat sich das Problem gelöst – im Englischen existiert sie auch nicht.
    Ich warte nur noch auf Formulierungen wie BürgerInnenmeisterIn oder
    Bürger_innenmeister_in.
    Wo wir ja schon beim Nächsten sind, der Gendergap…ganz heikel, Binnen_I ist ja von gestern, was ist den mit denen die weder Mann noch Frau sind oder sein wollen….:
    Was sich die Gendergapler_*+#innen nur nicht überlegt haben, welchen Artikel das Mittelgeschlecht bekommt.
    „wenn ein_ Mitarbeiter_ kündigt, dann kann _ nachhause gehen“
    Coole Sache !
    Ich empfehle allen Genderinfizierten, einfach mal eine Zeit locker durch die Hose zu atmen…dann wird das schon wieder.