Die vielstimmige Gesellschaft und ihre Feinde

Der Verein Deutsche Sprache hat ja bekanntlich große Angst vor einem Verfall, wenn nicht sogar vor einem Aussterben, der deutschen Sprache. Seit Jahren agitieren die sprachlichen Kleingärtner aus Dortmund deshalb gegen die Verwendung von englischen Lehnwörtern, zum Beispiel, indem sie regelmäßig einen Prominenten für „besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache“ als Sprachpanscher des Jahres an den Sprachpranger stellen. Allerdings mit gemischtem Erfolg: Die alljährliche Wahl, die in der Anfangszeit noch ein breites Presseecho fand, schafft es inzwischen kaum noch in die Medien. Zu ermüdend sind die immer gleichen Bezichtigungen wegen der gelegentlichen „Anglizismen“ die der „Sprachpanscher“ verwendet, oder, wie im Fall des aktuellen Titelinhabers Fritz Pleitgen, nicht verhindert haben soll.

Für ein potenziell unheilvolleres Anliegen hat die sprachliche Jagdgesellschaft nun aber einen starken Medienpartner gefunden: Seit Jahren agitiert der Verein für die Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz. Ab und zu ist es ihm gelungen, einen Hinterbänkler oder einen profilsüchtigen Politiker im Sommerloch von diesem Anliegen zu überzeugen, und sogar der CDU-Parteitag hat sich vor zwei Jahren gegen den ausdrücklichen Willen von Bundeskanzlerin Angela Merkel für einen entsprechenden Antrag ausgesprochen. Aber genutzt hat das bislang nichts.

Das könnte sich jetzt ändern, denn dem VDS ist es gelungen, die BILD für die Sache zu gewinnen. Auf BILD.de wirbt die seit gestern für eine Unterschriftenaktion des Vereins und fordert die Leser/innen auf, den folgenden Text auszudrucken und unterschrieben an den Verein weiterzuleiten:

An die Abgeordneten des Bundestages,
an die Mitglieder der Bundesregierung!
Hiermit fordere ich die Aufnahme der 
deutschen Sprache in unser Grundgesetz!
Denn: Ich habe genug von der Misshandlung unserer Muttersprache!
Ich will nicht länger in Läden einkaufen, die mit „sale“ für den Schlussverkauf werben!
Ich will keine Jobs, die mit „key account“ oder „facility  management“ schöngeredet werden!
Ich will keine Politiker, die sich in Parteiprogrammen für mehr „street worker“, für „gender mainstreaming“ oder „social networks“ einsetzen.
UND: Ich will keine Zuwandererfamilien, 
die sich bis in die dritte Generation weigern, 
die Sprache des Landes korrekt zu lernen, 
in dem sie leben!
ICH WILL, DASS UNSERE MUTTERSPRACHE 
GESCHÜTZT WIRD!
Deshalb fordere ich Sie auf: Nehmen Sie die
deutsche Sprache endlich in unser Grundgesetz auf. Machen Sie endlich Schluss mit der Verwässerung des Deutschen in Medien, Wirtschaft und Politik!
Ihr
[UNTERSCHRIFT]

Es ist unklar, wer den Text verfasst hat, aber meiner Einschätzung nach kommt er nicht vom Verein Deutsche Sprache, sondern von der BILD selbst, denn das Märchen von den „Zuwandererfamilien, 
die sich bis in die dritte Generation weigern, 
die Sprache des Landes korrekt zu lernen, 
in dem sie leben“ wäre für den VDS sehr untypisch, passt aber genau in die aufgeregt-verblödete Weltsicht der BILD. Außerdem wäre dem VDS kaum der Fehler unterlaufen, das Wort Jobs ohne Anführungszeichen zu verwenden.

Eigentlich ist der Petitionstext ja sprachnörglertypisch lächerlich und wäre keine weitere Erwähnung wert. Wer in Läden nicht einkaufen will, die einen „Sale“ veranstalten, der kann schließlich zur Konkurrenz gehen. Politiker, die sich für mehr „social networks“ einsetzen (?!?), braucht niemand zu wählen. Und wer keinen Job als Key Account- oder Facility Manager haben will, der bleibt im Zweifelsfall eben auf dem Sofa sitzen und liest weiter die BILD.

Aber leider, und aus Gründen, die kein rational denkender Mensch nachvollziehen kann, ist die BILD ein Schwergewicht im Meinungsbildungsprozess der deutschen Politik und so könnte es schnell notwendig werden, der Unterschriftenaktion von VDS und BILD etwas entgegenzusetzen.

Aber hier zunächst zum Hintergrund. Dass man in Deutschland Deutsch spricht, ist ja eigentlich offensichtlich, und so sind viele Menschen überrascht, wenn sie hören, dass das im Grundgesetz nicht festgelegt ist. Die einzige Erwähnung des Wortes Sprache findet sich dort unter den Grundrechten (in einem Zusammenhang, der dem Verein Deutsche Sprache so gar nicht zusagen dürfte):

Art. 3, Abs. 3. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. [Grundgesetz, Art. 3]

Den Schöpfern des Grundgesetzes ist es also entweder schlicht nicht in den Sinn gekommen, dass irgendjemand den Status der deutschen Sprache als Sprache Deutschlands infrage stellen könnte, oder sie haben bewusst darauf verzichtet, eine Verkehrssprache festzulegen (einen kleinen Hinweis darauf, welche Sprache das in Deutschland sein könnte, erhält man bei der Lektüre des Grundgesetzes natürlich trotzdem — immerhin es auf Deutsch verfasst).

Der VDS hat klare Vorstellungen davon, wie das Grundgesetz geändert werden soll: Man möchte den Artikel 22 ergänzen. Der lautet derzeit so:

(1) Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin. Die Repräsentation des Gesamtstaates in der Hauptstadt ist Aufgabe des Bundes. Das Nähere wird durch Bundesgesetz geregelt.
(2) Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.
[Grundgesetz, Art. 22]

Und so soll er geändert werden:

Ein ergänzender Artikel 22a mit dem Text „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ würde den Gebrauch der Sprache im öffentlichen Bereich regeln. [VDS, 2010]

Während die Väter des Grundgesetzes die Wahl der Sprache also als ein Grundrecht verstanden wissen wollten, möchte der VDS sie zu einer Pflicht umdefinieren. Dabei stellt sich natürlich die Frage, wie diese Pflicht dann konkret ausgestaltet werden soll. Soll es ausländischen Mitbürgern untersagt werden, vor Gericht einen Dolmetscher hinzuzuziehen? Sollen Jugendlichen aus Migrantenfamilien in Zukunft auf dem Schulhof oder im Sportverein ihre Muttersprachen nicht mehr verwenden dürfen? Wird es Mitgliedern sprachlicher Minderheiten (z.B. der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein oder der sorbischen Minderheit in Brandenburg und Sachsen) verboten, ihre Sprache in der Öffentlichkeit zu verwenden? Oder Sprechern von Dialekten (z.B. dem Bairischen oder der plattdeutschen Dialekte)? Wird die Verwendung von Lehnwörtern im öffentlichen Raum zu einer Ordnungswidrigkeit? Wird es deutschen Verlagen verboten, Fachbücher oder Fachzeitschriften in englischer Sprache zu veröffentlichen? Wird das Deutsche an deutschen Universitäten zur einzigen erlaubten Unterrichtssprache? Wird die deutsche Sprache zu einem staatlichen Symbol, dessen Herabwürdigung unter Strafe gestellt wird?

Dieser Fragenkatalog mag übertrieben dramatisch klingen, aber man braucht nur in unser Nachbarland Frankreich zu schauen, um zu erkennen, dass viele dieser Fragen in Ländern mit einer gesetzlich verankerten Sprachpolitik durchaus mit „Ja“ beantwortet werden. Und irgendeinem Zweck muss die Aufnahme des Deutschen ins Grundgesetz ja dienen, denn einen unmittelbaren Grund gibt es nicht.

Als Amtssprache — also als diejenige Sprache, in der der Staat mit seinen Bürgern kommuniziert — ist das Deutsche nämlich längst gesetzlich festgelegt. Das Bundesverwaltungsverfahrensgesetz lässt daran keinen Zweifel, wenn es in Paragraph 23, Abschnitt 1 unzweideutig klarstellt: „Die Amtssprache ist deutsch“ (BVwVfG, Art. 23).

Abschnitt 2 desselben Paragrafen bestimmt dann, dass jedem Dokument, dass einer Behörde in einer anderen als der deutschen Sprache vorgelegt wird, eine Übersetzung beiliegen muss, bzw. dass die Behörde eine solche kostenpflichtig anfertigen lassen kann. Abschnitt 3 regelt, dass ein Verfahren erst dann beginnt, wenn eine solche Übersetzung vorliegt. Und Abschnitt 4 besagt, dass durch das Einreichen von fremdsprachigen Dokumenten Fristen nur dann gewahrt werden können, wenn innerhalb eines angemessenen Zeitraums eine Übersetzung nachgereicht wird.

Die Verwaltungsverfahrensgesetze aller Bundesländer übernehmen entweder diese Vorschriften direkt oder sie formulieren fast identische Regelungen (wer sich selbst überzeugen möchte: Es ist in allen Fällen ebenfalls der Paragraf 23 des entsprechenden Gesetzes, außer in Schleswig-Holstein, wo es Paragraf 82a ist und in Sachsen, wo es Paragraf 2 der „Dienstordnung für die Behörden“ ist).

Der Paragraf 23 der Verwaltungsverfahrensgesetze ist kein inspirierender Text. Er regelt ganz emotionslos den deutschen Behördenalltag und lässt sich nur schwer medienwirksam für ideologische Zwecke nutzbar machen. Aber er stellt unmissverständlich klar, welche Sprache man in Deutschland sprechen muss, wenn man staatsbürgerliche Rechte und Pflichten ausüben muss oder möchte.

Bei der Aktion des VDS geht es also inhaltlich um rein gar nichts. Es ist reine Selbstinszenierung. Bei der BILD geht es, wie immer, um populistischen Pseudoaktionismus, der aber schnell gefährlich werden kann. Man kann hoffen, dass das Herunterladen, Ausdrucken und unterschreiben eines Word-Dokuments durchschnittliche BILD-Leser/innen weit überfordert, aber falls der VDS mit Unterstützung der BILD mit seiner Unterschriftenaktion Erfolg hat und den Diskussionsprozess um eine Grundgesetzänderung neu anstößt, werde ich von diesem Blog aus eine Gegenaktion starten.

Denn ich lebe gerne in einem Land, in dem ich Deutsch sprechen darf. Ich habe auch nichts dagegen, in einem Land zu leben, in dem alle Bürger deutsch sprechen können. Ich kann sogar nachvollziehen, dass ich mit staatlichen Institutionen Deutsch sprechen muss. Aber ein Land, das seinen Bürgern durch die Verfassung vorschreibt, welche Sprache ich außerhalb von Amtszimmern und Gerichtssäälen zu sprechen habe, ist für meinen Geschmack zu zwanzigstes Jahrhundert.

 

BILD.de/Vehlewald, H.-J. (2010) Deutsch muss ins Grundgesetz! Bild.de, 6. November 2010. [Link]

Verein Deutsche Sprache (2010) Memorandum: Warum Deutsch als Landessprache in das Grundgesetz gehört, VDS-EV.de, August 2010. [Link]

WELT.de/Lutz, Martin und Ansgar Graw (2010) Deutsch im Grundgesetz: CDU-Delegierte setzen sich gegen Kanzlerin durch. Welt Online, 2. Dezember 2008. [Link]

Der Text dieses Beitrags beruht in Teilen auf meinen ausführlicheren Beiträgen Alle Sprachgewalt geht vom Volke aus und Amtssprache Deutsch im Bremer Sprachblog.

via Carsten Ruhnke (per E-Mail)
via Bildblog

©2010, Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

114 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. stimmt alles

    … und ich bin dankbar dafür, von Ihnen so umfassend und unterhaltsam informiert zu werden. Aber ich finde, es ist nicht notwendig zu schreiben, dass „das Herunterladen, Ausdrucken und unterschreiben eines Word-Dokuments durchschnittliche BILD-Leser/innen weit überfordert“. Klar, man weiß, was Sie meinen, aber es klingt doch nur arrogant und muss nicht sein.

  2. Der Start einer Gegenaktion sollte besser jetzt als später erfolgen, und das möglichst in einem größeren Umfang als „nur“ in diesem Blog. Denn wie schon im Text richtig gesagt, aus nicht nachvollziehbaren Gründen folgen deutsche Politiker nur zu gerne solchen polemischen und bescheuerten Aktionen der Bild-„Zeitung“. Mir tun auch einige Anglizismen in den Augen weh (v. a. diejenigen, für die es seit langem etablierte deutsche Begriffe gibt. Pay-TV andererseits bspw. find ich besser als Bezahlfernesehen), aber die Aktionen und Forderungen des VDS sind mir immer zu reflexhaft, und kommen immer mit der ganz großen Keule. Und welche Sprache ich privat spreche, sollte meine Entscheidung sein. Wenn ich fluche (und zumindest das kann ich in 9 Sprachen), will ich bspw. „fuck“ oder „merde“ sagen können, ohne dass mir dann gleich das Ordnungsamt im Nacken sitzt.

    Also, was immer auch notwendig ist, um diesen Unfug der Bild und des VDS zu stoppen, ich wär dabei!

  3. Bildleser, Zeitpunkte

    @jen: Ich sage ja nicht, dass es so ist, sondern, dass ich HOFFE, dass es so ist…

    @Dennis M.: Das Problem dabei, jetzt schon zu starten, ist, dass man derzeit nur eine normale Unterschriftensammlung starten könnte; falls die BILD/VDS-Aktion jedoch Erfolg hat, wäre aber eine E-Petition an den Bundestag sinnvoller. Deshalb möchte ich noch abwarten, wie die Reaktion der Politik auf die BILD/VDS-Aktion ausfällt.

  4. > Außerdem wäre dem VDS kaum der Fehler unterlaufen, das Wort Jobs ohne Anführungszeichen zu verwenden.

    bzw. es *überhaupt* zu verwenden.

    Es ist aber in der Tat bezeichnend für das Niveau der „sprachlichen Kleingärtner“, welche der Vier-Buchstaben-Zeitungen sie sich für diese Kampagne ausgesucht haben. In der „Zeit“ würde man (hoffentlich) vor derlei zurückschrecken.

    Scherz beiseite.
    Vielleicht gibt es hier jemanden, der sich in Staatsrecht auskennt, und der mir erklären kann, ob es nicht gegen diverse Grund- und Minderheitenrechte verstoßen würde, exklusiv das (Standard-Hoch-)Deutsche in der Verfassung festzuschreiben und dabei Niederdeutsch, Friesisch, Dänisch, Sorbisch etc. außen vor zu lassen.

    [Das Verhältnis zwischen der Amtssprache Deutsch und den Minderheitensprachen und die aktuellen Regelungen in den Verwaltungsverfahrensgesetzen diskutiere ich explizit in dem oben verlinkten Beitrag „Amtssprache Deutsch“. — A.S.]

  5. Die Gefahr besteht immer darin, dass man unfreiwillige Werbung für so ein Projekt macht. Ich denke, dass ist ein Sturm im Wasserglas, die 2/3-Mehrheit, die man für so eine Änderung im GG bräuchte, ist in weiter Ferne. Das wäre wohl eher ein Geständnis der Unfähigkeit, die eigene Sprache vernünftig zu pflegen. Das Diskriminierungsverbot, dass Anatol hier zitiert, gilt ja weiterhin. Die Deutsche Gebärdensprache z. B. ist eine eigenständige Sprache und selbst ein verquaster Sprachpfleger kann einen Gehörlosen nicht zwingen, Deutsch zu sprechen.

  6. Purismus vs. Sprachunterdrückung

    Danke für diesen wichtigen Beitrag. Man sollte aber vielleicht noch deutlicher unterscheiden zwischen zwei verschiedenen politischen Zielen: Purismus in Bezug auf das Deutsche, und Unterdrückung von Menschen, die eine andere Sprache sprechen. Nur letztere ist mit dem Grundgesetz unvereinbar, soweit ich sehe (also etwa Schulordnungen, die den Gebrauch von Fremdsprachen verbieten). Die Reinhaltung des Deutschen dagegen wird ohnehin seit langer Zeit durch staatliche Maßnahmen betrieben, nämlich durch obligatorischen Schulunterricht. Purismus-Gesetze, die nur bestimmte Formen des Sprachgebrauchs regeln (also etwa bestimmte Produktbezeichnungen verbieten), halte ich für viel weniger in unsere Freiheit eingreifend, als etwa die Pflicht zum Deutschunterricht für Kinder.

  7. Nun mögen Wissenschaftler nach wie vor, wenn auch abnehmend, in der Öffentlichkeit eine große Reputation genießen. Somit hat auch das Wort Herrn Stefanowitsch Einfluß. Aber auch einen abnehmenden.

    Mit rhetorischem Geschick, er ist ja studiert und Sprachwissenschaftler, dreht und wendet er Argumente – zu seinen Gunsten.
    Seiner Beurteilung des Themas mit strenger Observanz kann man mit ebensolcher Strenge in Teilen folgen. Nur ist es eben ein Wortgeklingel um des Klingelns willen.
    Der Normalbürger (und Nichtwissenschaftler) im Alltag sieht die Sprachentwicklung völlig anders.

    Alleine der Hinweis Herrn Stefanowitsch, daß man bei „Sale“-Läden nicht kaufen muß, ist, neben ähnlich gearteten Beispielen, Rede von oben herab. Es gibt ja nicht nur „Sale.“ Wenn man Herrn Stefanowitsch rhetorischen Floskeln folgt, dürfte man kaum noch einen Laden betreten oder sonstig Waren und Dienstleistungen erwerben.
    Nicht der Sprachverhunzer ist schuldig, er lebt unschuldig in den Tag hinein. Nein, der Bürger und die Streiter für den Spracherhalt sind die Schuldigen.

    Herr Stefanowitsch vermeidet leider die wissenschaftliche Kühle und polemisiert. Überwiegend gegen den Verein deutsche Sprache. Vermutlich hat ihm einmal ein Mitglied nicht freundlich die Tageszeit entboten. Oder Herrn Stefanowitsch wurde keine wissenschaftliche Mitarbeit angeboten. Gründe für die manische Abneigung kann es also viele geben, nachvollziehbare weniger.

    Die Ankündigung einer „Gegenaktion in diesem Blog“ wird glücklicherweise auf diesen Blog beschränkt bleiben. Die Bild-Aktion wird erfolgreicher gewesen sein. Die „Drohung“ ist wenig souverän und nur von der bekannten Abneigung inspiriert.

    Wie wäre es mit sachlichen, wissenschaftlichen Argumenten.Wissenschaftlich heißt, überprüfbar und nachvollziehbar. Nur eine Meinung äußern ist zu wenig. Auch wenn man sich auf seine Singularität beruft.

    PS: In den meisten EU-Staaten (und natürlich auch anderen Staaten) gibt es Sprachschutzgesetze. Herr Stefanowitsch bleibt verurteilt, in diesem seinem Lande zu bleiben. Er kann nicht einmal auswandern.

    [Herr Ambros ist Moderator im Internetforum des Verein Deutsche Sprache und ehemaliger VDS-Regionalleiter für den Raum Bad Homburg, Offenbach, Hanau, Aschaffenburg. — A.S.]

  8. Sprachschutzgesetze?

    @Ambros,

    da ja wissenschaftliche Belege gefordert werden, gibt es Belege und Statistiken zu der Aussage „In den meisten EU-Staaten (und natürlich auch anderen Staaten) gibt es Sprachschutzgesetze“?

    Zumindest die Briten (wo ich es aus eigener Erfahrung kenne) scheinen sich da keine grossen Gedanken zu machen, zumindest nicht was Englisch angeht. Die Werbung ist voll mit Deutschlish (Vorsprung durch Technik, Das Auto und was weiss ich noch alles) und diversen anderen Sprachen. Sehr viele Verwaltungsdokumente und/oder Behoerdenmitteilungen gibt es in diversen Minderheiten- und Einwanderersprachen, teilweise auch die jeweiligen Websites. Einige Gegenden sind zweisprachig (z.B. Wales und Teile von Schottland).

    Ach ja, „Sprachschutzgesetze“ gibt es. Allerdings nicht fuer Englisch, sondern fuer die diversen Minderheitensprachen die aktiv geschuetzt werden sollen (Walisisch, Scots Gaelic, Cornish und ich glaube auch noch ein paar andere). Englisch ist keine verfassungsmaessig festgelegte oder geschuetzte Sprache. Einwanderer muessen glaube ich noch nicht einmal unbedingt nachweisen dass sie Englisch sprechen (Walisisch oder Scots Gaelic reichen aus).

  9. Ist die Amtsprache Deutsch oder deutsch?

    Danke schön für den Artikel! 🙂

    Sollte so ein Vorschlag schlechterdings irgendwann seinen Weg ins GG finden, wäre dann ein Slogan wie „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ verfassungsfeindlich? BW stellt doch einen der größten CDU-Landesverbände? Die würden sich das doch nie verbieten lassen, auch weiterhin zu „babbeln“. 🙂

    Auf die Gefahr hin, mich lächerlich zu machen: Mir selbst ist auch schon ganz wirr geworden; ich habe nun ganz und gar den Überblick verloren, wann man Deutsch spricht und wann deutsch.

    Warum steht im BVwVfG „Die Amtssprache ist deutsch.“? Da erscheint mir der VDS-Vorschlag (den ich beileibe nicht Unterstütze!) mit „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ plausibler. Warum steht im Amtsdeutsch da ein Adjektiv, beim VDS aber ein Substantiv? Ist beides akzeptabel? Gibt es da einen semantischen Unterschied?

    In Ihrem letzten Absatz schreiben sich auch zwei Mal „Deutsch“ und ein Mal „deutsch“. An der Stelle verstehe ich den Kontrast zwischen Substantiv und Adverb nicht.

    Wenn ich nach „deutsch“ google, dann geht es auch bei Onlinezeitungen mit der Zuschreibung von Substantiv bzw. Adjektiv/Adverb (willkürlich?) drunter und drüber.

    Ist die richtige Verwendung irgendwo leichtverständlich erklärt?

    [Die Verwendung ist schnell erklärt. Das großgeschriebene Deutsch ist ein Substantiv und der Name einer Sprache, das kleingeschriebene deutsch ist ein Adjektiv/Adverb, das (im Kontext von Sprache) die Eigenschaft beschreibt, in deutscher Sprache ausgedrückt bzw. zur deutschen Sprache zugehörig zu sein. Überall da, wo [D|d]eutsch durch die deutsche Sprache ersetzt werden könnte, muss es also großgeschrieben werden, wo es durch in deutscher Sprache/zur deutschen Sprache gehörig ersetzt werden kann, muss es kleingeschrieben werden. In der Position eines Prädikatsnomens und als Objekt/Ergänzung von Verben wie sprechen besteht eine Wahlmöglichkeit, da hier ja beide Umformulierungen möglich wären, wobei sich eine leicht unterschiedliche Bedeutung ergäbe; das ist bei mir im letzten Absatz der Fall, ohne, dass es beabsichtigt war: in dem ich Deutsch sprechen darf bedeutet „in dem ich die deutsche Sprache verwenden darf“ und dass ich mit staatlichen Institutionen Deutsch sprechen muss bedeutet „dass ich mit staatlichen Institutionen die deutsche Sprache sprechen muss“ — in beiden Fällen eine Art umfassender Anspruch, die Sprache als Ganzes zu verwenden. Die Formulierung in dem alle Bürger deutsch sprechen können bedeutet dagegen eher „in dem alle Bürger in deutscher Sprache sprechen können“, vielleicht ohne den Anspruch, die Sprache umfassend zu beherrschen oder zu verwenden. In sofern passt dieser Tippfehler ganz gut. Interessant ist allerdings tatsächlich, dass in den Verwaltungsverfahrensgesetzen ein kleingeschriebenes Adjektiv/Adverb steht. Hier müsste meinem Emfpinden nach ein Substantiv stehen, da „die deutsche Sprache“ als Amtssprache definiert wird. Ob die Wahl der Kleinschreibung Absicht war, weiß ich nicht, aber soweit ich sehe folgen alle Gesetzestexte dieser Schreibung. — A.S.]

  10. Ambros,

    Gründe für die manische Abneigung kann es also viele geben, nachvollziehbare weniger.

    Wahrscheinlich sind Sie Mitglied beim VDS, weswegen Sie natürlich vieles nicht nachvollziehen können. Geschenkt. Gründe, gegen den Unsinn, den der VDS verbreitet, vorzugehen, gibt es genug. Von der Belanglosigkeitensammlung auf der Webseite („Sprüche“ oder „Zitate“ oder so) bis hin zur Pseudo-Wissenschaftlichkeit, die durch die Vorstandsmitglieder vorgegaukelt wird, unter denen sich kein Sprachwissenschaftler befindet. Der Großteil der Webseite ist unerträglich albern und noch obendrein nicht wissenschaftlich belegt.

    Der Normalbürger (und Nichtwissenschaftler) im Alltag sieht die Sprachentwicklung völlig anders.

    Ich bitte um eine Statistik, die diese Aussage belegt. Wenn ich mich nicht täusche, kann der „Normalbürger“ frei entscheiden, welche Wörter er benutzt und welche nicht. Wörter, die er nicht braucht, wird er auch nicht benutzen. Da kann der VDS den „Laptop“ noch so hassen.

    Im Übrigen obliegt die wissenschaftliche Beschreibung solcher Phänomene nunmal den Wissenschaftlern, die sich damit auseinandersetzen. Die Richtigkeit biologischer Erkenntnisse wird ja auch nicht angezweifelt, wenn der „Normalbürger“ das „im Alltag“ völlig anders sieht.

  11. Sprachpurismus und Deutschunterricht

    @Martin Haspelmath: Danke für den Kommentar. Ich stimme zu, dass die Pflicht zum Deutschunterricht für Kinder (oder auch für Einwanderer) ein schwerer Eingriff in die persönliche Freiheit ist, aber solange sie nicht mit einem Verbot der Verwendung anderer Sprachen einhergeht, kann ich eine gesellschaftliche Raison darin erkennen: Hier sollen Menschen in die Lage zur staatsbürgerlichen Partizipation versetzt werden. Daraus ergibt sich für mich eine Rechtfertigung für diesen Eingriff (zumindest solange Deutsch die Sprache der Mehrheit der Staatsbürger ist). Das Verbot von fremdsprachlichen Produktbezeichnungen hielte ich aber ebenfalls für einen schweren Eingriff in die persönliche Freiheit, auch, wenn möglicherweise weniger Menschen direkt davon betroffen wären. Und hier sehe ich keine gesellschaftliche Raison, aus der sich eine Rechtfertigung ergeben würde. Wenn kein Mensch wegen seiner Sprache benachteiligt werden darf, gilt das m.E. auch für die Wahl etwa einer von englischen Produktnamen durchsetzen Varietät des Deutschen oder anderer sprachvermischender Varietäten.

    Inwieweit die Schulpflicht an sich schon eine sprachpuristische Maßnahme ist, wäre eine interessante Frage für eine ausführlichere Diskussion. Sicher wird in der Schule der Versuch unternommen, ein bestimmtes bildungssprachliches Register herauszubilden, das nicht nur von Lehnwörtern jüngeren Alters sondern überhaupt von umgangssprachlichen Elementen „bereinigt“ ist, aber dieses Register soll ja eigentlich andere Register nicht ersetzen, sondern zusätzlich erworben werden.

  12. Überhaupt ist es rechtsphilosophisch bedenklich, wenn der Staat so etwas wie Sprache und Sprachverhalten reglementiert und sanktioniert. Alles was über die Festlegung einer in formalen (bürokratischen, juristischen, politischen …) Prozessen amtlich verbindlichen Sprache hinausgeht, überschreitet die Befugnis und das Verständnis der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und ihres Menschenbildes. Der freie Ausdruck in Wort und Schrift ist ein höheres Gut als ein kaum einigungsfähiger Kanon sakrosankter und verbotener Wörter. Zumal man ja kaum noch darauf hinweisen muss, wie lange schon lateinische, griechische, französische, usw. Worte ins Deutsche aufgenommen wurden, und deshalb eine Sprachreinigung äußerst kompliziert, mit negativen praktischen Konsequenzen verbunden und moralisch äußerst fragwürdig sein dürfte.

  13. Grundgesetz und die Bürger

    Viele Menschen schaffen es ja nicht den 1. Artikel des Grundgesetzes zu lesen. „Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“

    Das Grundgesetz hat keine Wirkung auf die Bürger. Das Grundgesetz verpflichtet nur den Staat. Folglich kann man Bürger über das Grundgesetz auch nicht dazu zwingen, Deutsch zu verwenden. Man kann nur den Staat dazu zwingen, Gesetze, Urteile, Bescheide etc. nicht in ausländisch zu schreiben. Das findet aber ja eh nicht statt (wobei zynische Leute sich natürlich fragen, ob das Behördendeutsch eigentlich noch verständliches Deutsch ist).

    Die Aufregung darüber, ob Deutsch nun als Sprache aufgenommen werden soll oder nicht, ist leider nur hysterischer Art – sowohl von der Pro- als auch der Kontra-Fraktion, denn an den bestehenden Fakten, dass der Staat bereits als Amtssprache Deutsch definiert hat, ändert es nichts. Und das, was sich die Pro-Seite erhofft, kann das Grundgesetz gar nicht leisten.

    [Das Grundgesetz hat aber erstens eine symbolische Wirkung, und um die geht es der Pro-Seite wohl vorrangig (und mir auch); zweitens liefert es natürlich eine Rahmenvorgabe, die dann hervorragend als Rechtfertigung für konkretere gesetzliche Regelungen dienen könnte; drittens möchte ich gar nicht daran denken, wie viele überflüssige Klagen die Sprachnörgler vor dem Verfassungsgericht anstreben würden — gegen den frühbeginnenden Fremdsprachenunterricht, gegen die Förderung von fremdsprachigen Kulturprojekten, usw . — A.S.]

  14. Paragraphenreiterei

    Eine kleine Anmerkung:

    Das BVwVfG hat keine Artikel, sondern Paragraphen.

    [Ich habe das korrigiert, danke! — A.S.]

  15. rss

    Und schon bist Du in meinem Feed Reader. Schon allein, damit ich ggf. die Gegenaktion nicht verpasse 😉

  16. Überall und vermehrt . . .

    . . . sowie vehement nach-schiebend aus alle den mittlerweile vermeintlich verschlossen geglaubten Löchern, Spalten und Ritzen der Kanalisation kommt sie wieder hervor gekrochen dieser Tage . . .

    . . . DIE BRÄUNLICH-SCHWARZE SCHEIßE VON VORGESTERN!

    DIE PLUMPS-KLOS, KACKLÖCHER und PISS-RINNEN des letzten Jahrhunderts sind wieder weit offen und verbreiten ihren penetranten, beißenden und Vernunft und Intelligenz zersetzenden GESTANK!

    [Dieser Kommentar hing im Spamfilter, dem ein gepflegter Umgangston wohl wichtiger ist als die Redefreiheit. Bei mir ist es umgekehrt, deshalb habe ich ihn freigeschaltet. Trotzdem denke ich, wir hätten den Punkt auch ohne die Kacklöcher und Pissrinnen verstanden — A.S.]

  17. Merkt eigentlich niemand, wie unsinnig die Formulierung in der „Petition“ ist? „Hiermit fordere ich die Aufnahme der deutschen Sprache in unser Grundgesetz!“ Das ist entweder absichtlich nicht mal schwammig, sondern völlig sinnfrei, um sich um die Beantwortung der Fragen, die in Ihrem Artikel berechtigterweise gestellt werden, herumzudrücken oder es stellt selbst eine „Misshandlung unserer Muttersprache“ dar.
    Den ganzen Unfug würde man durch eine Gegenaktion unnötig aufwerten.

  18. Was denn, der Moderator eines Forums hat sich selbst nicht besser unter Kontrolle und der Funktionär eines Vereins, der sich anmaßt, die deutsche Sprache schützen zu wollen, stammelt so unzusammenhängendes Zeug? Na, da wundert mich gar nichts mehr, noch nicht einmal der Text der Petition.

    @Lars: Vielen Dank, Sie haben es auf den Punkt gebracht.

  19. Deutsch?

    Mir stellt sich vor allem die Frage: Was ist „Deutsch“ denn überhaupt? Diejenige Sprache, welche von der Mehrheit der Menschen in Deutschland gesprochen wird? Dann wären wir schnell bei Dativ-statt-Genitiv-Konstruktionen (welche meiner Meinung nach übrigens einen gewissen Reiz haben), der generischen Verwendung von Du/Ich („wenn du als Team…“, „ich als Ehepaar würde ja…“) und natürlich jeder Menge Anglizismen, die Sprachpfleger à la VDS doch so entschieden ablehnen.
    Oder welches „Deutsch“ ist da gemeint? Möchte man etwa wieder daherplappern wie ein Goethe?

  20. Wie sähe ein deutsches Grundgesetz aus?

    Das Ansinnen, die deutsche Sprache grundgesetzlich zu verankern, sehe ich schon seit Jahren sehr kritisch, aus dem einfachen Grund, daß ein Großteil dessen, was wir an Wortschatz im Alltag verwenden, genauso wie in amtlichen Dokumenten, schlicht und einfach nicht deutsch ist.
    In Debatten wie diesen wird immer sehr gern auf das eher neuere Phänomen der Anglizismen gesehen. Die weitaus länger vorhandenen Gallizismen, Latinizismen, Graecizismen, usw. werden ausgeblendet. Bei einer expliziten gesetzlichen Regelung wäre das nicht mehr möglich.

    Werfen wir einmal einen kurzen Blick in die Verfassung. Dort stolpern wir über Ausdrücke wie Demokratie (griechisch), Parlament (Latein), Republik (Latein), Partei (Latein), um nur einige wenige zu nennen.
    Selbst die Frage, ob das Wort „deutsch“ als deutsch zu betrachten ist, oder ob es sich um ein lateinisches Fremdwort handelt, halte ich für offen.

    Würde eine Regelung durchgesetzt, die den Staat zu ausschließlicher Nutzung deutschen Wortgutes zwingt, müßte die komplette Gesetzgebung umgeschrieben werden (verglichen mit dem Bankenrecht, das sich fast ausschließlich aus italienischen Begrifffen zusammensetzt, wären die Änderungen im GG vermutlich noch harmlos), und würde mehr als holprig klingen.

    Einer Gegenkampagne oder entsprechenden Unterschrifenaktion würde ich mich jederzeit anschließen.

  21. Platt

    Feiner Text, wobei mich zwei Gedanken umtreiben:

    1) Wie steht es mitz der Kulturhoheit der Länder? Wäre der vorgeschlagene Art 22a GG nicht ein unzulässiger Eingriff in eben jene und somit unzulässig?

    2) Platt ist eine eigene Sprache, kein Dialekt des Deutschen (sagt jedenfalls der Norddeutsche in mir, der das so auch in der Wikipedia nachgeschlagen hat http://de.wikipedia.org/wiki/Plattdeutsch 🙂 ). Also irgendwie eher in einer Reihe mit den anderen Minderheitensprachen Dänisch, Friesisch (jaja, viel los an der Küste), und Sorbisch.

  22. Fremd schämen

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    Noch Fragen, Herr Ambros?

    Kommafehler, seltsame manuelle Umbrüche, verlorene Sinnhaftigkeit auf halber Strecke von Sätzen, komplett fehlender roter Faden [= stringente Argumentation] und eher schwächlicher Versuch das argumentum ad hominem ad absurdum zu führen – das wollten Sie doch, oder? – werden mal nicht weiter bewertet.

  23. Außer „Jobs“ gibt es noch weitere Wörter, die nicht deutsch sind:
    Familie, Politiker, Medien, Generation

    Wie soll z. B. mit folgenden Wörtern verfahren werden: Fenster, Keller, Nase, Schule, Auto. Wörter mit „ion“ „tik“
    selbst „Deutsch“ ist kein deutsches Wort.

  24. Deutsch ins Grundgesetz

    Die vom VDS angestrebte Aufnahme des Deutschen ins Grundgesetz ist gerecht, jedoch nur als symbolischer Akt zu betrachten. Dass man dabei „Bild“ ins Boot holt und dann auch noch mit diesem unmöglichen Text, ist traurig genug. Unterschreiben würde ich so einen Mist nicht, aber wer kann sich seine Verbündeten schon immer aussuchen, zumal wenn man von der Sache an sich überzeugt ist?

    Über die Leser der Bildzeitung abzuziehen, ist allerdings auch nicht niveauvoller, sondern das bekannte eitle Geschwätz und die ewige Besserwisserei der Sprachnörglernörgler, die die Wahrheit per se bei sich verortet sehen möchten. Man darf gespannt sein, was die Leser der Bildzeitung dazu sagen werden, immerhin sind sie doch ein gewichtiger und gleichberechtigter Teil der Sprechergemeinschaft. Bei all dem fehlt eigentlich nur noch die übliche elitäre Schelte über den deutschen Schlager und die Volksmusik als Ausdruck eines schlechten Musikgeschmacks des gemeinen Deutschen. Bei der Verurteilung der Leser der Bildzeitung und Hörer deutscher Musik gestatten die Herren sich Geschmack, lassen aber bei Sprache keinen anderen als den ihren gelten. Sehe ich da was falsch, oder wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

    Kein Mensch will im übrigen vorschreiben, wie man privat zu sprechen oder zu schreiben hat, selbst der VDS nicht. Es muss jedoch erlaubt sein, Behörden, Schulen und anderen öffentlichen Institutionen daran zu erinnern und ggf. zu mahnen, dass die Landessprche Deutsch (und nicht etwa Englisch) ist und sie ein unverzichtbares gesellschaftliches Bindeglied darstellt.
    Wenn schon in bestimmten Fällen Englisch als Gerichtssprache eingeführt werden soll oder der „Freizeitdeutsche“ Oettinger Englisch als zukünftige Verkehrssprache propagiert und Deutsch auf eine Art von Eingeborenensprache herabsinken lassen möchte, ist es an der Zeit, diesem Unsinn einen Riegel vorzuschieben.

  25. . . .

    Ich lach‘ ja auch über all die „Live concerts“, noch besser: „Life concerts“, oder „Rosi’s Curry-Stube“ usw. aber:
    Allein schon die Zusammenarbeit mit dem Schundblatt… der Verein hat sich ja nun total ins intellektuelle Abseits gestellt.

  26. Ausländer raus

    Liege ich mit meinem Sprachverständnis falsch, oder lässt sich folgende Passage mit „Ausländer raus (soweit sie kein Deutsch sprechen)“ übersetzen?

    „UND: Ich will keine Zuwandererfamilien, die sich bis in die dritte Generation weigern, die Sprache des Landes korrekt zu lernen, in dem sie leben!“

    Auch ich bin der Meinung, dass jeder die Sprache des Landes erlernen sollte in dem er lebt. Dies geschieht bereits längst (Schule, Einbürgerungstest, Sprachkurse etc.).

    Der Text vom Verein Deutsche Sprache ist wenigstens dahingehend missverständlich, dass sich das eigene Anliegen gegen die Zuwanderfamilien selbst und nicht gegen deren mangelnde Sprachkompetenz richtet.

    Dieses Kokettieren, sprich Spielen mit stumpfen Parolen ist wirklich typisch für die Bildzeitung.

    Auch wenn ich dem Verein Deutsche Sprache kein rechtes Gedankengut vorwerfen will, so werfe ich dennoch ihm einen zweideutigen, missverständlichen Sprachgebrauch vor.

    Einen ungenauen Sprachgebrauch finde ich persönlich tragischer, als ein paar Anglizismen, zumal Sprache sich entwickelt.

  27. Diesem Teilsatz fehlt ein „ist“:
    immerhin es auf Deutsch verfasst).

    Hier ist das zweite „dass“ falsch geschrieben:
    Abschnitt 2 desselben Paragrafen bestimmt dann, dass jedem Dokument, dass einer Behörde in einer anderen als der deutschen Sprache vorgelegt wird, eine Übersetzung beiliegen muss, bzw. dass die Behörde eine solche kostenpflichtig anfertigen lassen kann.

    Ansonsten sehr guter Artikel, inhaltlich wie sprachlich- chapeau

  28. Müsste dann nicht noch ein Zusatz ins Grundgesetz, der exakt beschreibt, welche der vielen deutschen Sprachen gemeint ist? Diejenige der Amtsstuben, der Jargon der Politik, das anakoluthische Biertisch-Gestammel, am Ende gar das Plattdeutsche, das Säggsiesche, die Journalisten-Sprechweise oder vielleicht das Juristen-Kauderwelsch?

  29. Gerhörlose

    Ein wichtiger Aspekt fehlt in Deiner Aufzählung noch: Die Gebärdensprache, die von gehörlosen und schwerhörigen Menschen verwendet wird.
    Erst seit 1992 ist die Gebärdensprache in Deutschland überhaupt als eigenständige Sprache anerkannt; seit 2002 ist im Behindeten-Gleisstellungsgesetz (BGG) festgelegt, dass Gehörlosen in amtlichem Verkehr (also z.B. bei Behördenbesuchen) ein Dolmetscher gestellt werden muss, damit sie sich verständigen können.
    Eine Aufnahme der Pflicht zur Verwendung der deutschen Sprache im Grundgesetz, würde die entsprechenden Passagen des BGG mit einem Schlage verfassungswidrig machen, und damit die Gebärdensprache in den Stand vor 1992 zurückkatapultieren.

    [Gebärdensprache ist die einzige Sprache, die grundsätzlich der Amtssprache Deutsch gleichgestellt ist. Dies regelt das Sozialgesetzbuch (Zehntes Buch, § 19, dessen erster Abschnitt wie folgt lautet:

    Die Amtssprache ist deutsch. Hörbehinderte Menschen haben das Recht, zur Verständigung in der Amtssprache Gebärdensprache zu verwenden; Aufwendungen für Dolmetscher sind von der Behörde oder dem für die Sozialleistung zuständigen Leistungsträger zu tragen. [SGB X, §19, Abs. 1]

    In einzelnen Bundesländern kommen noch andere Minderheitensprachen hinzu: Im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland ist das Friesische dem deutschen gleichgestellt — es sei denn, in einer Behörde spricht niemand friesich, dann muss der Antragsteller alles ins Deutsche übersetzen lassen. In Brandenburg und Sachsen ist innerhalb des sorbischen Siedlungsgebietes das Sorbische dem Deutschen gleichgestellt, Übersetzungen muss die jeweilige Behörde selbst bezahlen. — A.S.]

  30. es geht ja schon so Undeutsch los …

    Ich fordere dann aber auch die Streichung des Nicht-deutschen Wortes „Präambel“ und Ersatz durch „Vorwort“, „Einleitung“ oder auch „Erklärung“ gleich zu Beginn des GG.

    Es fasziniert mich wie es die B**D immer wieder schafft, mit Albernheiten den Nerv der Leute zu treffen und Aufmerksamkeit durch aufgeplusterte Nicht-Themen zu erregen. Dieses Blatt wird viel zu ernst genommen. Eine anspruchslose Pausenlektüre für anspruchslose Menschen.

  31. @Klaas E.

    Auf dieser Basis müsste man auch §23.1, BVwVfG infrage stellen. (btw. ist dieser Paragraph überhaupt mit Art 3 Abs 3, GG zu vereinbaren?) Oder bleiben wir bei Art 1 Abs 1 GG; was ist denn „Würde“?

    Gesetze, vor allem die im GG, sind im bewusst schwammig gehalten. Es ist Aufgabe des BVfG diese dann Auszulegen. Ich glaube, allein auf der Basis der Undefiniertheit verfassungsrechtlicher Begriffe lässt sich keine Gesetzesinitiative stoppen.

    Aber das bringt mich auf eine Idee:
    Vielleicht hilft es einigen „Deutsch ins GG“-Befürwortern, wenn man ihnen sagt, dass ein Anrufen des BVfG im Falle von Streitigkeiten ob der Auslegung des Begriffes „deutsch“, Unsummen an Steuergeldern kosten würde um zu klären, was „Deutsch“ ist. Das sind Argumente, denen der gemeine BILD-Leser zugänglich sein dürfte.

    Und als Gegner der Initiative könnte man gleich damit anfangen, zu drohen, dass man gegen so ziemlich jedes Gesetz das wir in Deutschland kennen, natürlich jedes einzeln, Verfassungsbeschwerde einlegen würde. Mit der Begründung, dass das Deutsch, das bei Gesetzestexten verwendet wird, selbst Muttersprachlern des Deutschen in vielen Fällen derart unzugänglich ist, dass man Hilfe von Außen (durch einen Anwalt, z.B.) braucht.

    Allein die Frage, wie der Art. 22.1 GG in diesen Fällen auszulegen wäre, würde das BVfG auf Jahre beschäftigen und den Steuerzahler auf Jahre belasten. Ich bin sicher, es gibt nicht wenige Gesetze, in denen mal die Syntax ambig ist, mal die Lexik und mal solche, wo mal ein juristischer Fachterminus aus dem Lateinischen auftucht. Alles verfassungswidrig.

    Und das kann doch nicht mal der VDS wollen, oder?

  32. Einfach lächerlich…

    …ich habe, bevor BildBlog nicht drüber berichtete und den Link hierher veröffentlichte, nicht wirklich was von diesem Verein gehört. Ich habe mir dennoch die Mühe gemacht, einmal genauer zu schauen, was dieser Verein will. Und prompt kam ich aus dem Lachen nicht mehr raus.

    Gleich auf den ersten Seiten wird geschrieben: „Gegen fair, Interview, Trainer, Doping, Slang haben wir nichts einzuwenden. Prahlwörter wie event, highlight, shooting star, outfit, mit denen gewöhnliche Dinge zur großartigen Sache hochgejubelt werden, lehnen wir ab.“
    Ja was denn nun? Slang zu akzeptieren (es gibt ja die eins-zu-eins Entsprechung: Umgangssprache, wieso also das Wort akzeptieren?) aber „Event“ nicht, ist lächerlich. Der Duden akzeptiert beide gleichrangig als Anglizismus oder denglisch oder eingedeutscht oder wie mans auch immer sehen will.

    Der Verein hat ein großes Problem mit seiner Glaubwürdigkeit: Dieses Problem heißt Willkür. Der Verein definiert für sich willkürlich was er an Begriffen gut findet und was nicht. Einem solchen Verein kann ich doch nicht unterstützen. Überhaupt: Wer definiert denn die deutsche Sprache? Wer anderes als der Duden selbst, der den Quasi-Standard des Wortschatzes festhält?
    Sprache ist in erster Linie eines: Gesprochenes Wort. Und Sprache lebt. Wörte die heute noch fremd erscheinen, sind morgen völlig normal. So wie das Fenster, das ebenfalls einmal ein Nicht-deutscher Begriff war. Oder das Gymnasium. Oder oder oder…

    Dass Springer selbst ja nichts von der eigenen Aktion hält, wurde bereits von Bildblog auseinandergenommen.

  33. @Martin Eisengardt

    Ich weiß nicht genau, was Sie daran lächerlich finden. Ich finde, es ist genau der Punkt, an dem man nachdenken sollte, ob sich nicht doch ein etabliertes deutsches Wort findet. Denn nicht die Suche nach einer deutschen Alternative, sondern die unnötig gestelzte Formulierung ist lächerlich. Man schließt damit direkt Teilgruppen von der Kommunikation aus, manchmal, weil man zeigen will, dass man toller/besser/schlauer/moderner als derjenige ist, der es nicht versteht, manchmal einfach, weil man zu faul/beschäftigt/ignorant/unwissend/hilflos war eine Alternative zu finden.

    Ich möchte damit in keiner Weise die BILD-Aktion verteidigen, denn der Brief ist mindestens genauso dumm, aber eine Differenzierung tut hier not. Lehn- und Fremdwörter, die in unsere Alltagssprache Eingang erhalten haben (und damit teilweise wichtige Lücken füllen), sollte man nicht verteufeln, das wird Ihnen jeder bestätigen, der sich mit Kommunikationswissenschaft und Wissensmanagement (!) auseinandersetzt. Vokabeln aber, die die Zuhörerschaft nicht oder nicht ausreichend versteht, sind Kommunikationshürden und deshalb zu vermeiden – ob jetzt englisch, deutsch oder altgriechisch.

  34. Das wird aber schwer…

    Es gibt wohl diverse Hürden, die dem Wunsch der BILD im Wege stehen. Eine nicht unerhebliche ist sicherlich die Unfähigkeit der Leserschaft, die Deutsche Sprache korrekt zu verwenden. „Kalle, gib‘ ma‘ Zeitung“ (aus dem taz-Spot) ist keinesfalls eine Übertreibung gewesen, sondern fügt sich herrlich in das Gesamtbild dieser Konsumenten. Nun mag es diese Leute stören, wenn man von „Street Workern“ spricht (wobei das Deutsche „Straßenarbeiter“ längt von einem anderen Beruf belegt ist), aber den VDS stört es sicherlich mehr, wenn Deutsche den Genitiv falsch verwenden oder nicht in der Lage sind, ein Verb durch alle Zeiten zu konjugieren.

    Wie schon andere hier schrieben, ist das Deutsche durchsetzt von Lehnwörtern, die man heute gar nicht mehr als solche wahrnimmt. So wird es auch mit dem „Denglisch“ sein. Einiges bleibt, vieles geht auch wieder. Sollte China in den nächsten 100 Jahren vorbildlich aufsteigen und sich eine neue Weltsprache durchsetzen, wettert man 2086 vielleicht gegen dieses unsägliche „Deunesisch“. Nebenbei: Weltsprache nennt man auch Lingua franca, denn es gab Zeiten, da war es Französisch, nicht Englisch, was man sprach, wenn man „von Welt“ war. Und beschwert sich jemand darüber, daß so viele Opern in Italienisch sind und in der Musik ohnehin viele Bezeichnungen in konkret italienischer Sprache vorkommen?

    Sprache ist im Fluss. Und das ist gut so. Letztlich wird von den Nutzern definiert, was Sprache ist, nicht von ein paar älteren Personen an einem Konferenztisch.

    Garbo

  35. @VonFernSeher

    Die meisten Begriffe, die auch jeder Normalbürger versteht, sind diejenigen, die bereits zum normalen Sprachgebrauch gehören. Nehmen wir das Beispiel „Handy“ oder „Laptop“. Und wieso geraten solche Begriffe wie „Slang“ oder „Event“, „Laptop“ oder „Handy“ überhaupt in den Duden? Richtig: Weil sie in der deutschen Sprache, die in erster Linie gesprochen wird, Einzug erhalten. Was auch immer das heissen mag. Eventuell mag das ein Duden-Redakteur erklären.

    Den Vorstoß selbst halte ich schlichtweg für überflüssig. Den Verein halte ich aufgrund der Willkür und der Abgrenzung in guten und schlechten Nicht-Deutschen-Worten schlichtweg für lächerlich.


  36. Man schließt damit direkt Teilgruppen von der Kommunikation aus, manchmal, weil man zeigen will, dass man toller/besser/schlauer/moderner als derjenige ist, der es nicht versteht, manchmal einfach, weil man zu faul/beschäftigt/ignorant/unwissend/hilflos war eine Alternative zu finden.

    Und wo ist das Problem?

    Auf der Suche nach einer guten Ausgabe von James Joyce Ulysses las ich mich letzte Woche durch die negativen Kommentare zum Titel bei Amazon UK. Überraschenderweise fanden diese Kritiker das Werk vor allem unlesbar, langweilig und wohl nur für Literaten und Akademiker geschrieben. Die Filmkritik in D und US ist übrigens auf demselben Niveau. Aber was genau sagt uns das eigentlich? Doch nur, dass es auch für Geschriebenes Zielgruppen gibt.

    Wollen Sie BILD-„Leser“ erreichen, verzichten Sie auf Buchstaben, setzen Sie auf mittelprächtige bis beschissene Fotos, streuen Sie – um den Anspruch ‚Qualitätsmedium‘ zu sein zu erhalten – in Schrift gegossene soundbites ein, kurz, knapp und möglichst strafrechtlich relevant ohne dabei offen justiziabel zu werden. Der VDS und Walter Krämer wissen das mit den Zielgruppen, und haben das gerade konkret umgesetzt – das Dümmste in die BILD, deren Redakteure dampfen die überflüssigen Buchstaben der PR-Mitteilung schon runter.

  37. Outfit

    Nur so nebenbei, wo ich gerade gelesen habe, dass sich der VDS daran stört (surprise surprise!), was ist denn bitte das deutsche Wort für Outfit, wenn das angeblich nur ein Prahlwort ist?


  38. . . sowie vehement nach-schiebend aus alle den mittlerweile vermeintlich verschlossen geglaubten Löchern, Spalten und Ritzen der Kanalisation kommt sie wieder hervor gekrochen dieser Tage . . .

    . . . DIE BRÄUNLICH-SCHWARZE SCHEIßE VON VORGESTERN!

    DIE PLUMPS-KLOS, KACKLÖCHER und PISS-RINNEN des letzten Jahrhunderts sind wieder weit offen und verbreiten ihren penetranten, beißenden und Vernunft und Intelligenz zersetzenden GESTANK!
    [Dieser Kommentar hing im Spamfilter, dem ein gepflegter Umgangston wohl wichtiger ist als die Redefreiheit. Bei mir ist es umgekehrt, deshalb habe ich ihn freigeschaltet. Trotzdem denke ich, wir hätten den Punkt auch ohne die Kacklöcher und Pissrinnen verstanden — A.S.]

    Ich verstehe, wenn es der eigenen Sache dient..
    Wer wird als anspruchsvoller Intellektueller so etwas von sich weisen?

    Überhaupt bin ich wegen der Argumentationen und Formulierungen – vor allem dann, wenn man anderer Meinung ist – recht überrascht. Offen gestanden, ich hatte mir Besseres erwartet.
    (Habe ich einen Kommafehler gemacht?)

    Der Satz in meinem Beitrag über das zurückgehende Ansehen der Wissenschaftler ist schneller als gedacht bestätigt. Zugegeben, Intellektuelle sind auch nur Menschen.

    [Herr Ambros, meine Liebe zur Redefreiheit ist der einzige Grund, warum Sie hier kommentieren dürfen, also gönnen Sie es doch auch anderen. — A.S.]

  39. Wo das Problem liegt

    @Martin Eisengardt

    Ich weiß ja schon, was Sie für lächerlich halten, aber Sie brauchen keinen Widerspruch zu konstruieren. Ich will nicht sinnvolle neue oder geliehene Wörter aus der Sprache verdrängen. „Mobiltelefon“ ist globiger als „Handy“, „Laptop“ bildlicher als „Klapprechner“ oder „Mobilrechner“. „Event“ dagegen ist ein Modewort, dass mit Sicherheit ein großer Teil der deutschen Bevölkerung nicht oder nicht richtig versteht. Warum dann nicht Veranstaltung? Weil es nicht so wichtig klingt?

    Über den VDS kann ich wenig sagen, habe mich vor Jahren mal mit denen ausgiebiger befasst. Damals allerdings erweckte alles, was ich zu diesem Verein finden konnte und angefordert habe, den Eindruck, sie wollten genau das tun: die deutsche Sprache für alle verständlich halten.

    @Dierk

    Wo das Problem liegt? Das müssen Sie schon selbst herausfinden. (Ihr Ablenkungsmanöver hin zur Literatur lasse ich mal links liegen.) Sie müssen sich einfach bewusst sein, dass Sie mit der Wahl Ihrer Vokabeln Ihre Zielgruppe einschränken. Vielen ist das nicht bewusst. Und manche muss man übersetzen, damit auch Leute außerhalb der Zielgruppe verstehen, was jene für einen Unsinn reden.

    @Gareth

    „Outfit“ ist doch ein schönes Beispiel, dass es im Deutschen feinere Unterteilungen gibt, die man auch benutzen darf. Warum muss ich mir eine Vokabel suchen, die alle Bedeutungen von „Outfit“ vereint, wenn es im Deutschen zehn und mehr gibt, die genauer sind?

    Erscheinung, Bild, Kleidung, Gewand, Mode, Robe, Zwirn, Figur, Anzug, Aufzug, …

  40. Nein, Herr VonFernSeher, ich muss das nicht selbst herausfinden, denn ich habe den Quatsch nicht von mir gegeben. Ich habe die Gegenthese aufgestellt und dazu ein kurz gefasstes Argument gebracht, außerdem ein Beispiel, dessen Kern Ihnen anscheinend entgangen ist.

    Was das Überdenken benutzter Wörter angeht – siehe dazu auch meine Antwort an Herrn Ambros zu seinem Elaborat -, habe ich gar nichts dagegen. Ebensowenig, sein Vokabular an seine Zielgruppe anzupassen. Dahingestellt sein lasse ich mal, inwieweit Schreiber viel zu oft ihr Publikum unterschätzen.

    Lustigerweise reduziert sich das Argument der VDS’ler immer ganz schnell auf die Feststellung, dass es schlechte Schreiber gibt. Ja. Habe ich hier auch schon gelesen, solche. Manche von denen schreiben schlechter, als sie müssten, weil sie ach so gerne auf Welsches verzichten möchten.* Andere schreiben nicht gut, weil sie sich irgendwelchen Richtlinien oder juristischen Spitzfindigkeiten ergeben müssen. Das hat allerdings alles nichts mit Englisch, Denglisch, Latein, Französisch, Amerikanisch, Indisch, Chinesisch oder Lehnwörtern zu tun.

    *Sorry, auf Englisches natürlich, das mit dem Welsch meinen die ja gar nicht.

  41. Was dahintersteht…

    …konnte man erfahren, als man bei Ihnen den ersten Artikel zu dem Thema vor einigen Jahren las und dann auf das Forum des Vereins klickte.

    Da wurden (von Vereinsmitgliedern) Hoffnungen laut, dass damit im Radio endlich mehr deutsche Musik (!) lief und einige äußerten ihre Angst, dass ohne einen entsprechenden Paragraphen bald alle in Deutschland polnisch bzw. türlisch sprechen… (komischerweise hatte niemand Angst, dass wir alle englisch sprechen würden, was irgendwie inkosequent ist, oder?)

  42. [Herr Ambros, meine Liebe zur Redefreiheit ist der einzige Grund, warum Sie hier kommentieren dürfen, also gönnen Sie es doch auch anderen. — A.S.]

    Donnerwetter! Welche Großzügigkeit, derer ich sonst nicht würdig bin und mich deshalb schon verabschiede.
    Übrigens: Ich bin der einzige Teilnehmer, der seinen Namen nicht verbirgt. Gründe für das Verbergen gibt es offenbar.

  43. Irgendwie habe ich beim Lesen dieses BILD-Textes in jeder Zeile auf ein „Und bitte schmeißen sie die Neger raus!“ gewartet… was soll man dazu noch sagen, außer: BILD – populistisch, parteiisch, blöd.

  44. Mann, was haben wir im Studium über „Sprachschützer“ gelacht! Wer Erkenntnisse zur Soziolinguistik, zur Sprachgeschichte, zum Sprachwandel, ja zur Natur der Sprache selbst so vehement ignoriert, nur um seine eigene Sprachverwendung zur kommunikativen Königsform zu erheben, muss sich wirklich nicht wundern, wenn ihm keine „wissenschaftliche Kühle“ mehr entgegengebracht wird.

    Sollte der Staat sich jemals anmaßen, unsere Sprache zu „reglementieren oder sanktionieren“, werde ich mich umgehend um einen JOB im Ausland bemühen.

    Sebastian
    (immerhin Magister der Germanistik)

  45. Wirklich gut!

    Ich bin von Ihrem Text begeistert! Zu Anfang war mir nicht ganz klar, welche Position Sie vertrete, was aber denke ich spätestens am Ende jedem klar sein müsste. Ich bin keine BILD-Leserin, weshalb ich erst hierdurch von diesem irrwitzigen Versuch der BILD erfahren habe. Ich apelliere an Redakteure der BILD, falls diese dies lesen, zukünftig mit gut recherchierten Artikeln die Löcher zu stopfen, die dann entstehen, wenn niemand mehr eine Ahnung hat, was man in einem Blatt schreiben könnte, das ganz Deutschland liest. Eine Schlagzeile „TAXI-WUT“ (das ist übrigens auch kein deutsches Wort) weist darauf hin, dass dies nicht immer der Fall ist. Die Ausgabe dieser Zeitung müsste aus dem Sommer 2007 sein, sicher bin ich mir da jedoch nicht. Wir haben den Artikel im Deutschunterricht verbessert, einige Fehler waren zu finden 😉

  46. Deutsche Sprache

    Leider ist es wirklich so, dass wir den Amtssprachen scheinbar ausgeliefert sind. Aber ehrlich gesagt…..wer kennt sich schon in der den überhaupt wirklich in der nicht mehr ganz so neuen Rechtsschreibung aus? Obwohl ich alles andere bin als als Bildzeitungsfan so finde ich dennoch, dass die dortigen Redakteure (natürlich unter dem Hintergrund einer großen Leserschaft und den entsdprechenden Verkaufszahlen)es schaffen,Inhalte zwar subjektiv aber doch verständlich rüber zu bringen.

  47. Berufsideologie statt Wissenschaft

    Dieser Artikel ist zum Teil recht informativ und in der Kritik vieler Einzelheiten treffend.
    Aber insgesamt redet er am Thema vorbei.
    Es geht darum, dass ein Sprachvolk für sein öffentliches Leben neben einer Flagge und anderen Attributen auch ein normiertes Kommunikationsmittel braucht.
    Wenn dieses in Frage gestellt wird (was ja einige Forendiskutanten andeuten, wenn sie es von der Muttersprachlerzahl abhängig machen wollen), entstehen zunächst hohe Transaktionskosten und irgendwann vielleicht bürgerkriegsähnliche Spannungen (vgl Katalonien, Kosovo etc).
    Das ist für ein Land, dass sich durch seine Sprache konstituiert hat, noch wichtiger als für andere.
    Ihr Blog sollte sein Motto zu „Alle Sprachgewalt geht von den Individuen aus“ ändern, um klar zu machen, dass es sich nur für die deskriptive, möglichst wert- und zweckfreie Beschreibung der Entwicklung von Individualverhalten interessiert, wie man sie in Vorlesungen der Diachronen Linguistik im Germanistikstudium lernt. Die hieraus resultierende Ideologie bezeichnen die Philosophen als „Naturalismus“ und im Bereich der Ethik als „naturalistischen Fehlschluss“.
    Der naturalistische Fehlschluss ist, wie man an diesem Forum sieht, das Markenzeichen des Germanistenmilieus, auf welches dieses sich viel einbildet. Einen Erkenntnisgewinn im Bezug auf das Funktionieren von Sprache bietet er nicht. Er dokumentiert nur die (im deskriptiven Kontext bisweilen sinnvolle) konsequente Weiterung, auf Zwecke und daraus abgeleitete kommunikationsethische Aspekte einzugehen.

  48. @metropolitan

    Ich würde das, was in der Bild steht nicht als „verständlich rüber bringen“ bezeichnen, sondern als „verfälschend vereinfachen“. Ich geb mal den Naiven und behaupte, dass die Redakteure das nicht mit Absicht machen.

    Davon abgesehen, glaube ich kaum, dass es VDS und Bild um Randphänomene wie Rechtschreibung geht…

  49. Wider den Methodenzwang

    Der Bürger begegnet den Sozialwissenschaften zu Recht mit weniger Achtung als den Naturwissenschaften. Um so mehr bemüht sich der Sozialwissenschaftler, das Fehlen der Exaktheit (aus der wiederum Anwendungen, Geld und Prestige folgen würden) durch ein übermäßiges Betonen von Methodologien zu kompensieren. Nun wusste aber schon Paul Feyerabend, dass die größten Naturwissenschaftler sich nicht nach den etablierten Methoden richteten. Nichts ist daher so ärmlich wie die Stützung des eigenen Selbstverständnisses auf eine wissenschaftliche Methode, wenn diese dann auch noch aus ihrem Kontext (Beschreibung vergangener Lautverschiebungen und Sprachwandel-Ökonomien) herausgenommen und zu einem bekanntermaßen fehlerhaften Werteleugnungsinstrument (naturalistischer Fehlschluss, Historizismus) umgemünzt wird.
    Manche dieser Germanisten vertreten diesen haltlosen Standpunkt umso verbissener, je mehr sie merken, dass sie, anders etwa als ihre Kollegen aus der Physik und Chemie, nicht einmal in ihrer eigenen Disziplin ihre Meinungsführerschaft durchsetzen können.

  50. „Outfit“

    Ich musste da ein bisschen kichern: 10 Beispiele einer Übersetzung für „Outfit“ genannt – und keins passt. Ein „Outfit“ bezeichnet eine Zusammenstellung von Kleidungsstücken, meist auf einen Gesamteindruck zielend. (Das hab ich mal eben so hindefiniert, dürfte aber ungefähr hinhauen). Von den Wortvorschlägen passt da kein einziges, manche sind sogar geradezu albern („Robe“? wirklich?)

    Aus der inhaltlichen Diskussion hat sich der Herr Ambros ja eh weitestgehend herausgehalten – die Frage „Warum das ganze?“ im Lichte dieses Blogeintrags scheint mir nicht beantwortet.

    Am wichtigsten scheint mir aber immer noch die Frage: Was ist der Maßstab für „Prahlwörter“ vs. akzeptable Anglizismen? Ein ungefähres Bauchgefühl von ein paar alternder Herrschaften scheint mir da irgendwie nicht auszureichen.

  51. @Andreas Stahl

    „Outfit“ kann im Englischen „set of clothing“ heißen, aber meint auch allgemeiner eine Austattung. Insofern entspricht schon der Anglizismus nicht mehr der vollen Wortbedeutung (was aber nicht ungewöhnlich ist).

    Was genau passt Ihnen denn zum Beispiel an Kleider, Kleidung oder Erscheinungsbild nicht? Oder am Gewand? Vielleicht auch Montur? Oder ein Satz neuer Kleider? Ich sehe nicht noch nicht die Situation, in der es keinen deutschen Ausdruck gäbe. Aber vielleicht habe Sie ja ein Beispiel.

  52. VonFernSeher,

    Sie sind sich schon bewusst, dass man Outfit v.a. in solchen Kontexten gebraucht wie „Tolles Outfit!“ (als Kompliment) oder „Ich brauche ein neues Outfit für heute Abend“, oder? In diesem Zusammenhang ist übrigens überhaupt nichts von der Originalbedeutung verloren gegangen, denn das Wort wird im Englischen genauso benutzt.

    Und Sie können doch wirklich nicht ernsthaft vorschlagen, dass man stattdessen „Tolle Kleidung!“ oder „Ich brauche ein neues Gewand für heute Abend“ sagen soll. Haha. Das ist doch echt albern. Und jetzt sagen Sie nicht, dass man stattdessen das Kleidungsstück hervorheben könnte, das einem gefällt, denn wie Herr Stahl bereits sagte, bezieht sich Outfit auf das Ensemble von Kleidungsstücken, das man trägt.

  53. Schichtenmodell

    Es ist ein merkwürdiges Gesellschaftsbild, dass sich in einigen Kommentaren widerspiegelt:
    Herr Ambros etwa sieht eine Front zwischen „in den Tag hineinlebenden“ „Sprachverhunzern“ (repräsentiert durch Unternehmer, Personalchefs, Ladenbesitzer und Wissenschaftler“ und „Bürgern und Streitern für den Spracherhalt“ (repräsentiert durch die BILD-Leserschaft“.
    Herr Pilch befürchtet sogar bürgerkriegsähnliche Spannungen, wenn Deutsch nicht ins Grundgesetz kommt, wobei eine gesetzlich geregelte Amtssprache als „normiertes Kommunikationsmittel“ offensichtlich nicht ausreicht. Ich dachte bisher, Bürgerkriege würden unter anderem dadurch befeuert, dass man Minderheiten verbietet, ihre Sprache zu benutzen.
    Jetzt stellt sich nur noch die Frage, auf welche Seite die „Zuwandererfamilien“ gehören, die „sich bis in die dritte Generation weigern, die Sprache des Landes korrekt zu lernen, in dem sie leben“. Wegen ihrer Verachtung der deutschen Sprache wohl zu den Unternehmern und Wissenschaftlern. Werden sie im Bürgerkrieg kämpfen, wenn Deutsch nicht ins Grundgesetz kommt? Aber gegen wen? BILD-Leser? Sorben, Friesen und Gehörlose? Und warum nochmal?

  54. @Hartmut Pilch

    „Es geht darum, dass ein Sprachvolk für sein öffentliches Leben neben einer Flagge und anderen Attributen auch ein normiertes Kommunikationsmittel braucht.“

    1. Haben wir eine Amtssprache
    2. Sind wir jetzt gut 60 Jahre ohne „Deutsch im Grundgesetz“ ausgekommen. Ich sehe keinen Bedarf für das Hineinschreiben, wenn man nicht gerade eine bestimmte Agenda (nur noch deutsche Musik im staatlichen Radio, Verbot von „Denglish“, Institut für deutsche Sprache nach französischem Vorbild…) verfolgt. Und dann sollte man die auch bitteschon klarmachen, sonst ist man unehlrich – den Gegnern und den Befürwortern gegenüber.

  55. Feinde der Gesellschaft

    Überinterpretiere ich hier die Überschrift, oder arbeitet da jemand daran, sich über Leute, die seine Meinung nicht teilen, nicht nur lustig zu machen, sondern sie auch noch zu Volksfeinden zu erklären?

  56. Gebärdensprache

    Habe eben den Begriff „Gebärdensprache“ geogoogelt und dabei gelernt, daß es auch hier verschiedene Nationalsprachen und Dialekte gibt.

    Ob es da wohl auch eine Debatte über Sprachverfall und die Übernahme von Gebärden aus anderen Sprachen gibt? Anglizismen, die mit den Händen ausgedrückt werden?

  57. @ Anton Müller: In der Phrase „die [Adjektiv] Gesellschaft und ihre Feinde“ bedeutet „Feinde“ doch wohl „Gegner der jeweiligen Gesellschaftsform“. Eine existierende Gesellschaftsform mit dem „Volk“ gleichzusetzen, halte ich für unangemessen. Wird dies von Regierungsseite getan, haben wir es im allgemeinen mit einer Diktatur zu tun, in der Kritiker gesellschaftlicher Verhältnisse zu „Volksfeinden“ erklärt werden. Anatol Stefanowitsch ist aber kein Regierungsvertreter. Wenn eine Privatperson Kritiker bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse (in diesem Fall den VDS) kritisiert, so hat man es nach meinem Verständnis mit einer politischen Diskussion zu tun. Und das Wort „Volk“ oder gar „Volksfeinde“ kommt in dem Beitrag auch nicht vor.

    @ Gregor:
    Meine Erfahrungen mit Sprechern von Gebärdensprache sind, dass man dort immer erfreut darüber ist, wenn es trotz dialektaler oder „nationalsprachlicher“ Unterschiede gelingt, sich zu verständigen. Gehörlose selbst preisen oft ihre Sprache(n) gerade dafür, dass sie sich sozusagen überall mit anderen Gehörlosen verständigen können. Die Grundlage dafür ist jedoch nicht nur ein hoher Grad an Motiviertheit einzelner Lexeme in den verschiedenen Gebärdensprachen, sondern vor allem die Tatsache, dass Sprecher unterschiedlicher Dialekte und Sprachen sich in den wenigsten Fällen darauf versteifen, „ihre“ Sprache zu sprechen, sondern vielmehr immer bemüht sind, die kommunikativen Absichten ihres Gegenübers zu verstehen. Denn gelungene Kommunikation ist für Gehörlose ein hohes Gut, da sie tatsächlich oft davon ausgeschlossen sind.
    Ich will hier nicht dafür argumentieren, dass Gehörlose die besseren Menschen sind. Aber sie haben – möglicherweise wegen der Seltenheit, mit der dies im Falle von Gehörlosigkeit problemlos funktioniert – offensichtlich verstanden, wie wertvoll gelungene Kommunikation ist. Gelungene Kommunikation lebt jedoch vom sprecher- und hörerseitigen Bemühen, sich zu verstehen. (Und wenn man verstanden hat, was „Sale“ bedeutet, dann ist das gelungene Kommunikation, auch wenn man das Wort aus irgendeinem Grund ablehnt.) Die „Streiter für den Spracherhalt“ jedoch wollen allzu oft nur den Sprechern vorschreiben, wie diese sich verhalten sollen, damit erfolgreiche Kommunikation stattfinden kann und lassen die Rolle des Hörers außen vor.

  58. @ Juliana und Anton Müller

    Die Überschrift ist wohl eine Anspielung auf das Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ von Karl Popper.

  59. @VonFernSeher

    Da hat Gareth völlig recht. Dass das Wort Outfit im Deutschen einen anderen (engeren) Wortsinn hat als im Original hat tut nichts zur Sache. Im Englischen bedeutet „Angst“ (ein dort recht beliebter Neologismus) auch etwas anderes bzw. spezifischeres als im Deutschen. Man importiert eben gerne Begriffe für etwas, dass es in der Präzision noch nicht gibt.

    Wenn in einem englischen Text das Wort „outfit“ wie im Deutschen verwendet würde könnte ein Übersetzer keinen einzigen der von ihnen Vorgeschlagenen Begriffe verwenden. Stimmt, so etwas ähnliches sagen die irgendwie alle, im Detail sind die aber alle im falschen Register, mit irreführenden Nebenbedeutungen (wie Gareth ja auch erwähnte)

    „Kleider“ bzw „Kleidung“ wäre „clothes“, ist ein allgemeiner Überbegriff. „Montur“ ist eher im Handwerk üblich („Handwerkermontur“ bzw. „in voller Montur“) und würde wenn überhaupt nur ironisierend funktionieren. „Satz neuer Kleider“ hingegen könnte auch 4 neue Hosen (oder sogar „dresses“) bezeichnen. Kurzum, für das was man im Deutschen als „Outfit“ bezeichnet gibt es keine angemessene 1:1 Entsprechung.

    Und selbst wenn sie einige der Worte azeptabel finden: Ihr Bauchgefühl bzw. Widerwillen diesbezüglich ist einfach kein hinreichender Grund um das Wort abzuschaffen. Niemand zwingt sie ja zu dessen Verwendung.

  60. Outfit

    @Gareth

    Ich und viele Leute, die ich kenne, würden wohl schon „Tolle/schicke Kleider!“ oder etwas lockerer „Tolle/schicke Klamotten/Sachen!“ sagen, Outfit wäre wohl eher die Ausnahme. Ich fühlte mich bisher nicht als Sonderling oder albern, wenn ich so etwas gesagt habe.

    Vom kommunikationstechnischen Aspekt her kann ich mir allerdings bei „Tolle Klamotten!“ wohl sicherer als bei „Tolles Outfit!“ sein, dass mich mein Gegenüber zuverlässig versteht. Und darum geht es grundlegend. Erst wenn ich sicher bin, dass mein Gegenüber mich überhaupt versteht, kann ich mit der Wahl der Worte auch eine Metabotschaft senden.

    @Andreas Stahl

    Die Handwerkermontur ist auch vom „outfit“ (BE) abgedeckt.
    Es gibt für mich auch keinen Grund im Deutschen nach einer 1:1-Entsprechung zu suchen, solange ich alle Belange mit deutschen Wörtern abdecken kann. Wenn nicht, werde ich ein Fremdwort verwenden, aber nur dann.

    Ich weiß auch nicht, wo Sie gelesen haben wollen, ich wollte jemandem den Gebrauch von Fremdwörtern verbieten. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass Fremdwörter (und welche, die manche dafür halten) oft dazu genutzt werden auszugrenzen und das dies bewusst und unbewusst geschieht. Dabei stammt das Beispiel „Outfit“ nicht von mir.

  61. Wir sind dabei!

    Hallo Herr Stefanowitsch,

    ich habe mit Freude Ihren Artikel gelesen und möchte Ihnen unsere Hilfe anbieten…
    Falls Sie also demnächst eine Kampagne starten müssen, sind wir gern mit dabei.
    (Wir, das ist eine deutschsprachige Berliner Band mit Mitgliedern aus vier Nationen, die versucht, gesunden Menschenverstand in die Köpfe zu bekommen)

    Grüße,
    Uli von Auch gut!

    [Das klingt gut. Ich werde darauf zurückkommen! — A.S.]

  62. @ Gregor, Juliana

    … und da ging es ja wohl tatsächlich um Feinde, nicht um Gegner. Mir ist doch eher unwohl dabei, wenn hier eine Gruppe von Menschen aufgrund ihrer Meinung permanent verächtlich gemacht und schließlich noch zu „Feinden“, egal wovon, erklärt wird.

  63. @ Anton Müller

    …soll vorkommen.

    Hier etwas über den Verfasser der „Freien Gesellschaft…“: Im Winter 1944/45 erhielt Popper (…) das Angebot, an der London School of Economics and Political Science zu lehren, welches er annahm. (…) Wegen der mitunter anmaßenden und aggressiven Art, mit der er seine Standpunkte vertrat, erwarb er sich dort schnell den Spitznamen „totalitärer Liberaler“.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper

  64. @ Anton Müller

    Nun, Ihr Unwohlsein angesichts einer scharf geführten Debatte gegenüber in allen Ehren, aber der entscheidende Unterschied ist doch, ob Menschen „aufgrund ihrer Meinung“ verächtlich gemacht werden, oder ob ihre Meinung verächtlich gemacht wird. Ersteres ist immer unschön, das sehe ich aber in diesem Blog vor allem in einigen Kommentaren. Letzteres muss man wohl aushalten, wenn man sich mit seiner Meinung in die Öffentlichkeit begibt. Das macht Redefreiheit und politische Diskussion aus.

  65. @VonFernSeher: Mal abseits des ganzen Drumherums der Diskussion: Ein Outfit beinhaltet (zumindest in meiner Generation um die 20) mehr als nur Klamotten, da gehört auch Frisur, gegebenenfalls Make-Up etc. dazu. Wenn dann sollte man also von einem „Erscheinungsbild“ oder „Aufzug“ sprechen, so gestelzt das dann auch klingen mag.
    Wieviele Menschen verstehen eigentlich „Outfit“ nicht? Da muß ich mich wohl in den falschen Kreisen und der falschen Altersgruppe bewegen…

  66. Armin:
    da ja wissenschaftliche Belege gefordert werden, gibt es Belege und Statistiken zu der Aussage „In den meisten EU-Staaten (und natürlich auch anderen Staaten) gibt es Sprachschutzgesetze“?

    Statistiken sind hier vorgesehen, aber Belege gibt es:

    dpad-Meldung vom 9.11.2010

    Deutsch in Verfassung: 40.000 Unterschriften
    Berlin – Mit über 40.000 Unterschriften soll der Bundestag dazu gebracht
    werden, über eine Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz zu beraten.
    So soll das Vorhaben realisiert werden.

    Vertreter des Vereins für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) und des
    Vereins Deutsche Sprache (VDS) übergaben am Dienstag im Bundestag vier Pakete
    mit Unterschriften an Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU). Der
    VDA-Vorsitzende und parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium,
    Hartmut Koschyk (CSU), sagte, die deutsche Sprache sei „das einigende Band
    unserer Nation“ und zugleich der „Schlüssel für eine bessere Integration“ von
    Zuwanderern. In 18 europäischen Ländern habe die eigene Sprache bereits
    Verfassungsrang.
    Ende des Zitats.

    Ich hoffe, eine Presseagentur genießt Ihr Vertrauen.

    Und nun flott an die Tasten und die angedrohte Gegenbewegung in Gang setzen.

  67. @wakarazu

    Nochmal: Ich habe den Begriff „Outfit“ gar nicht an sich kritisiert, sondern im Speziellen hinsichtlich der Zielgruppe (s. Diskussion vorher). Mir zu unterstellen, ich hätte etwas gegen den Begriff oder wollte Leuten um die Zwanzig (ich bin nicht so weit davon entfernt wie Sie vielleicht glauben) verbieten ihn zu benutzen, ist abwegig.

    Ich würde grob schätzen, dass – je nach Altersgruppe – 50-90% diesen Begriff verstehen und richtig interpretieren. Wenn also Sie mit Ihren gleichaltrigen Bekannten Bekannten über ein neues Outfit – oder im von Ihnen angeführten Sinne auch vom neuen Look – sprechen, ist das technisch überhaupt nicht zu bemängeln. Im Gegenteil hätte (berichtigen Sie mich) „Aufzug“ wohl dort etwas Negatives und „Gewand“ etwas Verstaubtes im Subtext.

    Ich habe lediglich darauf geantwortet, ob es deutsche Alternativen zu „Outfit“ gibt. Ja, die gibt es und sie sind teils besser, teils aber auch nicht.

  68. @Ambros

    Der VDA-Vorsitzende und parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, Hartmut Koschyk (CSU), sagte, die deutsche Sprache sei „das einigende Band unserer Nation“ und zugleich der „Schlüssel für eine bessere Integration“ von Zuwanderern. In 18 europäischen Ländern habe die eigene Sprache bereits Verfassungsrang.

    (Hervorhebung von mir.)

    Das ‚habe‘ könnte ein Hinweis darauf sein, dass eine sauber arbeitende Presseagentur hier lediglich die Behauptung von Herrn Hartmut Koschyk wiedergibt. Ein Beleg für den Verfassungsrang in 18 Ländern ist eine Behauptung deshalb noch lange nicht (auch wenn Sie hier aus einer Agenturmeldung zitieren). Und danach wurde hier gefragt.

    Ich halte die Tatsache, in wie vielen Ländern die nationale Sprache ‚Verfassungsrang‘ hat, ohnehin für relativ irrelevant für unsere Diskussion; das kann in traditionell mehrsprachigen Ländern schließlich ganz unterschiedliche Gründe haben. Aber wer anderen durch die Blume Ignoranz vorwirft („Ich hoffe, eine Presseagentur genießt Ihr Vertrauen“) und sich auf Agenturmeldungen so sehr beruft, der sollte diese auch korrekt interpretieren können.

  69. Herr Ambros, sind Sie Christian Ulmen oder Hape Kerkeling? Sie zitieren hier die Kurzfassung einer Pressemeldung aus Ihrem eigenen Laden als Beweis dafür, dass in diversen EU-Staaten irgendeine mögliche Landessprache Gesetzesschutz hat? Und dann heißt es nur, dass sie 40.000 BLÖD-Leser zu Unterschriften drücken konnten [benutzen sie da die üblichen Zeitschriftenvertretersprüche?]? Eine PR-Meldung komplett anderen Inhalts als gefordert als Beleg – Respekt, das ist schon Nonsense-Komik der Sonderklasse, durchaus auf dem Niveau der besseren Monty-Python-Sketche, wie dem Ministry for Silly Walks.

    Um es mal klar zu machen:
    Sie dürfen reden, schreiben und lesen wie und was Sie möchten. Genau wie ich. Und jeder andere. Wir haben sogar beide das Recht, uns gewisse pet peeves zu suchen und darüber zu lamentieren.

    Allerdings ist es eine ganz, ganz schlechte Idee, Gesetze auf der Grundlage von Befindlichkeiten zu erlassen. Wirklich, ganz schlecht. Wirklich übel. Daher ist das bei uns auch nicht so vorgesehen, darum gibt es diese oft recht langen Prozesse, in denen Fakten und Notwendigkeiten und mögliche Einschränkungen geprüft und abgewogen werden. Werden diese Verfahren abgekürzt – wie beispielsweise beim ‚Zugangserschwernisgesetz‘ – kommt Quatsch raus, der dann verfassungswidrig auch noch durch die Exekutive nicht umgesetzt wird.

    40.000 Unterschriften bei ca. 82 Mio Einwohnern. Die Petition zu oben genanntem Gesetzesvorhaben hatte sehr schnell wesentlich über 100.000 Zeichner.


  70. Ich und viele Leute, die ich kenne, würden wohl schon „Tolle/schicke Kleider!“ oder etwas lockerer „Tolle/schicke Klamotten/Sachen!“ sagen, Outfit wäre wohl eher die Ausnahme.

    „Tolle Kleider“? Ich kann Kleider nur als Plural von Kleid benutzen und das wäre dann wohl eine (größtenteils) auf Frauen reduzierte Verwendung. Zumal ich dann nicht zu einer Frau „Tolle Kleider!“ sagen würde, außer sie trägt gleich mehrere auf einmal.

    Sachen funktioniert wohl kaum ohne Kontext, weil es zu unspezifisch ist. Sie können nicht, wenn jemand zur Tür reinkommt, ohne z.B. draufzuzeigen einfach spontan ausrufen „Tolle Sachen!“ (höchstens in Ergänzung von „… hast du an“). Auch als Nachsatz (z.B. „Außerdem fand ich seine Sachen gut“) funktioniert das nicht ohne Weiteres.

    Klamotten ist m.E. in der Tat auf bestimmte Register beschränkt, während Outfit dies nicht ist (einen Generationsunterschied in der Verwendung hat hier übrigens nie jemand bestritten). Ich kann auch sagen, dass mir das Outfit der Bundeskanzlerin gefiel, jemand ein legeres Outfit trägt etc.

    Und darum dreht sich doch die ganze Lehnwortdiskussion. Anglizismenjäger behaupten konsequent, dass sich das Englische auf das Deutsche stürze und nichts Besseres zu tun habe, als „unnötige“ Wörter zu exportieren. Wörter werden aber nur in den allerseltensten Fällen (!) aus anderen Sprachen entlehnt, um längst etablierte exakte Synonyme zu ersetzen. Meist geht es um eine lexikalische Lücke, die gefüllt werden soll. Was mit Outfit auch geschehen ist.

  71. @Gareth

    Ich kann Sie bei allem guten Willen langsam nicht mehr ernst nehmen. Wer erinnert sich auch nicht an den sprichwörtlich gewordenen Buchtitel „Kleider machen Frauen“.

    Wenn Sie sich über Bild und VDS aufregen möchten, attackieren Sie doch diese, aber lassen Sie die Scheingefechte. Hören Sie auf, mir Dinge zu unterstellen, die ich nicht gesagt habe. Ich bin kein Amglizismenjäger, aber ich freue mich, wenn man sich ohne Fremdwörter verständlich machen kann.

  72. VonFernSeher,

    Ich kann Sie bei allem guten Willen langsam nicht mehr ernst nehmen. Wer erinnert sich auch nicht an den sprichwörtlich gewordenen Buchtitel „Kleider machen Frauen“.

    Ich weiß nicht, was zuerst da war, die Novelle oder das Sprichwort, und ich habe gerade leider keine Zeit ausführlich zu recherchieren, aber die Novelle ist aus dem Jahr 1874. Sie wollen ja wohl nicht erzählen, dass es seitdem bei dem Begriff Kleider (außerhalb des von Ihnen zitierten Sprichworts, was zweifelsohne die Mehrheit der Verwendungen des Wortes darstellen dürfte) nicht zu einer Bedeutungsverengung gekommen ist. Kleider ist heute kein Synonym für Kleidung und Klamotten. In den Satz: „Er legt keinen Wert auf seine [Klamotten / Kleidung].“ können sie nicht Kleider einsetzen, um nur eins von zahlreichen Beispielen zu nennen.

    Im Übrigen kann ich nicht nachvollziehen, wie Sie mich nicht ernst nehmen können, sich selbst aber schon, schließlich bemühe ich mich, Beispiele zu liefern und auf Ihre Äußerungen einzugehen, während Sie meine pauschal kontern.

    Außerdem bezog sich das „Anglizismenjäger“ in meinem vorigen Beitrag nicht auf Sie sondern war eine allgemeine Feststellung. Mir ist egal, wozu Sie sich zählen, ich würde gerne ein paar Argumente in der Sache hören, die nicht auf persönlichem Geschmack beruhen (also nicht einfach, wie bisher, „bessere“ Wörter liefern) oder mit 1874 datiert sind.

  73. @Gareth

    Es ist nicht zu einer Bedeutungsverengung gekommen, sondern es hat eine speziellere Bedeutung an Gebrauch gewonnen, die andere ist aber dadurch nicht verschwunden.

    In den Satz: „Er legt keinen Wert auf seine [Klamotten / Kleidung].“ können sie nicht Kleider einsetzen

    Das kann ich ohne Probleme und viele Menschen würden das verstehen. „Er legt keinen Wert auf seine Outfits“ würde wohl aber bei vielen eine Augenbraue nach oben und vielleicht die Frage nach sich ziehen, ob ich mich vielleicht auch normal ausdrücken könne. Ich weiß auch nicht ganz welche Argumente Sie von mir hören möchten,

    (also nicht einfach, wie bisher, „bessere“ Wörter liefern)

    haben Sie doch nach einem deutschen Wort gefragt und ich Ihnen einige angeboten. Das haben Sie zum Anlass genommen, mich in eine Ecke mit jenen zu stellen, zu deren Gesellschaft ich mich nicht zähle. Das ist das, was ich nicht ernst nehmen kann.

  74. @Gareth wg. Kleider/Kleidung

    Das eigene Sprachgefühl ist nicht das Maß aller Dinge 😉 Natürlich gibt es eine Vielzahl von kompetenten SprecherInnen des Deutschen, die Kleider (im Plural) im Sinne von Kleidung benutzen. Einen Hinweis darauf bietet z.B. die Wikipedia. Oder ein paar willkürlich gewählte Belege aus dem DWDS-Korpus:

    Vielleicht retten wir dem ursprünglichen Besitzer dieser Kleider irgendwann mal das Leben. (Moers, Walter, Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär, Frankfurt a.M.: Eichborn 1999, S. 99)

    bis der alte König, tobend und protestierend, seine Macht, seine gesellschaftliche Rolle, seine Bediensteten, sein Haus, seine Kleider, seine Kinder und schließlich den Verstand verliert (Schwanitz, Dietrich, Bildung, Frankfurt a.M.: Eichborn 1999, S. 224)

    Ingeborg war 16, als eine Sozialpflegerin in ihre Schule kam und Kleider sammelte. (o.A., Immer ein Querkopf, in: DIE ZEIT 15.07.1999, S. 18)

    Später wurden sie auf mehrere Zellen verteilt und bekamen trockene Kleider, die von Düsseldorfer Bürgern zur Verfügung gestellt worden waren. (Hannover, Heinrich, Die Republik vor Gericht 1954 – 1974, Berlin: Aufbau-Verl. 1998, S. 163)

  75. @VonFernSeher

    Ich denke nicht, dass Sie sich mit der Thematik ausreichend auseinandergesetzt haben. Ich möchte Ihnen etwas helfen, den Widerspruch zu erkennen: Wenn der Verein konsequent wäre und es wirklich um die deutsche Sprache als solches gehen würde, würde er an alle Wörter die gleichen Kriterien anlegen. Es gibt keine vernünftige sachliche Begründung, warum das Wort „Slang“ anders behandelt werden soll als das Wort „Event“. Was soll also die Unterscheidung?
    Beide werden nur von einer Minderheit wirklich verstanden. Beide sind eins zu eins durch deutsche Wörter ersetzbar. Beide haben keinen Mehrwehrt. Beide sind Modewörter. Eines um irgendein Ereignis modern und frisch daher kommen zu lassen, das andere um im Rap- und Ghetto-Bereich cool zu wirken.

    Gesetze müssen sachlich sein. Es kann nicht im Gesetz stehen: Das, was der Verein blöd findet, wird ausgeschlossen. Nun sind beide Wörter aber offiziell Bestandteil des Duden. Sie haben im Duden den gleichen Status. Ich erkenne nichts, was sie unterscheidet. Übrigens den gleichen Status wie das Wort „Engagement“. Was sagt der Verein dazu? Er äußert sich nicht. Ich denke sogar dass er sich, da er sich bewusst auf Anglizismen stürzt, gar nicht um den Rest des Wortschatzes kümmert.

    Da ist der Widerpsruch. Der Verein schreibt sich auf die Fahnen, die deutsche Sprache zu schützen, wirbt für radikale Dinge, wie eine Aufnahme ins Grundgesetz. Der Verein schert sich weder um die Konsequenzen noch um eine sachliche Definition, was er für Bestandteil der deutschen Sprache hält, noch kümmert er sich um eine Pflege der deutschen Sprache. Pure Willkür oder purer Populismus. Und sonst nichts 🙂

    Es mag sein, dass es Sie nicht stört, dass der Verein inkonsequent ist und nicht nachvollziehbare Trennungen in gute und böse Wörter vornimmt. Mich stört es, denn was soll ich von einem gesetz halten, dass ich nicht verstehe? Ein gesetz was aufgrund des Wandel des Wortschatzes eh kaum begreifbar ist, weil Wörter, die heute noch fremd sind, morgen schon fester Bestandteil des Wortschatzes sind.

    Nicht zuletzt: Der Wortschatz ist regional abhängig. Wieviele von uns sagen Hähnchen? Wieviele in Berlin sagen das nicht? Sollen nun alle Berliner gezwungen werden, fortan nur noch Hochdeutsch zu sprechen? 😉

  76. Verfassungsrang in 18 Staaten?

    @Ambros @suz

    Aha, 18 Europaeische Staaten. Sehr informativ. Von den ca. 50 insgesamt, was es weniger als die Haelfte machen wuerde? Oder geht es nur um die EU, wo es dann immerhin 2/3 waeren? Der Satz ist aber arg schludrig geschrieben, da er so einige Interpretationen zulaesst. Und solch ein schlampiger Sprachgebrauch von den Rettern der Deutschen Sprache?

    Aber ehrlich gesagt, die Zahl als solche ist doch irrelevant. Viel wichtiger waere doch wie der Verfassungsrang ausgestaltet ist, warum dies dort steht und was damit erreicht werden soll.

    In Finnland werden wenn ich das richtig verstanden habe Schwedisch (da es ja in Finnland soweit ich weiss eine bedeutende Schwedische Minderheit gibt) und Finnisch gleichgestellt. Das hoert sich fuer mich nicht gerade nach einem Schutz des Finnischen vor auslaendischen Einfluessen an.

    In Irland ist Irisch (Gaelisch) die offizielle erste Landessprache, auch wenn ein Grossteil die Bevoelkerung dieses gar nicht sprechen kann und die de facto (und in gewissem Sinne auch de jure) Landessprache Englisch ist. Englisch ist nach wie vor die bevorzugte Sprache und Irisch wird in gewissem Sinne kuenstlich am Leben gehalten. Die meisten Schueler lernen hauptsaechlich Englisch und Irisch eher als „Fremdsprache“, zumindest in den hoeheren Schulen.

    Wenn ich mir das so ansehe frage ich mich wie das dann in den anderen 16 Laendern aussieht (von Frankreich mal abgesehen, das ja immer als Paradebeispiel herhalten muss).

    PS: Ich habe natuerlich inzwischen etwas recherchiert, angeblich sind es 18 der 27 EU Mitglieder (manchmal auch nur 17, aber wer wird denn kleinlich sein?). Ob das stimmt habe ich allerdings nicht ueberprueft. Und ob es nach den obigen Beispielen als Argument taugt noch weniger.

  77. Kleider und Outfits

    Kristin,

    Das eigene Sprachgefühl ist nicht das Maß aller Dinge 😉

    Die Existenz von Korpora ist mir bewusst und ich habe auch gar nicht behauptet, dass meine Intuition das Maß aller Dinge ist. Ich stelle die Vermutung auf, dass Kleider eine Bedeutungsverengung erfahren hat oder, um es weniger drastisch zu formulieren und hier VonFernSehers zu Recht angebrachten Punkt aufzugreifen, die speziellere Bedeutung häufiger geworden ist, als die allgemeine Bedeutung. Die Vermutung kann ich nur mit Beispielsätzen wie dem von mir angeführten begründen, wo Kleider m.E. nicht einzusetzen ist. VonFernSeher sieht das anders. 4 Beispiele aus dem DWDS sagen zwar aus, dass die „alte“ (oder von mir als alt empfundene) bzw. allgemeinere Bedeutung weiterhin existiert, sie sagt aber nicht aus, welche Variante nun geläufiger ist. Dazu müsste man dann alle Korpusdaten auswerten und evtl. auch zeitlich vergleiten, um die Tendenz zu bestätigen bzw. zu widerlegen. Mich würde es überraschen, wenn Kleider im Sinne von Kleidung außerhalb lexikalisierter Wendungen überwiegt.

    VonFernSeher,

    […] haben Sie doch nach einem deutschen Wort gefragt und ich Ihnen einige angeboten.

    Sie haben eben keine Synonyme angeboten sondern Wörter, die nicht das gleiche bezeichnen bzw. weniger allgemein zu gebrauchen sind.

    Der Satz „Er legt keinen Wert auf sein Outfit“ ist für mich übrigens logischerweise weniger markiert als „Er legt keinen Wert auf seine Kleider“, weil ich, wie bereits erwähnt, Kleider nicht für das Ensemble dessen, was man trägt, verwende, sondern außer als Plural von Kleid höchstens in Begriffen wie Altkleidersammlung und was damit in Verbindung steht.

  78. Deutsch, Dänisch, Friesisch, Sorbisch…

    „Neben der deutschen Sprache sind regional seit langem auch Sprachen in Deutschland ansässiger Sprachminderheiten offiziell als Minderheiten- oder Regionalsprachen nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt. Im Einzelnen sind das: Dänisch (sowohl Reichsdänisch, überwiegend in der Variante Sydslesvigdansk, als auch Sønderjysk), Friesisch (als Minderheitensprache: Nordfriesisch in Schleswig-Holstein, Saterfriesisch in Niedersachsen), Sorbisch (als Minderheitensprache: Obersorbisch in Sachsen, Niedersorbisch in Brandenburg), Romani (Minderheitensprache der Sinti und Roma), Niederdeutsch (Regionalsprache in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt).“
    Quelle: http://de.wikipedia.org/…d#Sprachen_und_Dialekte

  79. Danke, nein.

    @Martin Eisengardt
    Ich denke nicht, dass Sie sich ausreichend mit meinen Kommentaren auseinandergesetzt haben. Daher weiß ich nicht ganz genau, wobei Sie mir helfen möchten.

    In einem haben Sie recht: Es stört mich tatsächlich nicht, ob der VDS inkonsequent handelt. Mir ist es auch völlig egal, ob der VDS und/oder die Bild eine Verfassungsänderung wünschen. Mir gefällt es nur nicht mit den Brandstiftern von der Bild in eine Ecke gestellt zu werden, bloß weil ich darauf achte, dass ich möglichst wenig und nur die in der Zielgruppe bekannten Fremwörter verwende. Der Duden ist für mich eine Referenz in der Rechtschreibung, nicht dafür, ob ich ein Wort einsetzen sollte.

    Ich habe mich, wie viele aus dem Bereich Kommunikationswissenschaften, sehr ausführlich damit auseinandergesetzt, wie man Verständigung in und zwischen verschiedenen Gruppen erreicht. Der Verzicht auf unnötige Fach- und Fremdwörter ist in der Wissensvermittlung ein prinzipieller Appell.

    Und ganz praktisch trainiert man die eigenen grauen Zellen, wenn man versucht leicht verständliche Beschreibungen für Fachvokabeln zu erarbeiten.

    Ach, und @Gareth,
    bevor ich Ihnen die Antwort auf Ihre Frage schuldig bleibe: die Novelle.

  80. @Gareth

    Alles klar. Ich hatte den ersten Beitrag zum Thema als wesentlich „dickköpfiger“ aufgefasst, als er wohl gemeint war, nämlich so, dass Kleider die Bedeutung ‚Kleidungsstücke‘ heute nicht mehr tragen könne.

    Eine diachrone Untersuchung fände ich auch sehr spannend, besonders weil es ja so aussieht, als habe die Singularform ihre Bedeutungsverengung früher und vor allem absoluter erfahren als die Pluralform (wenn man der Pluralform eine Bedeutungsverengung zugesteht) – oder anders herum betrachtet, als könne sich die Pluralform dem Wandel besser widersetzen, und das obwohl es Konkurrenten wie Kleidung gibt. (Ich tippe auf die Frequenz als Übeltäter(in).)

    Das DWB zeigt ungefähr den heutigen Stand:

    gewöhnlich dagegen ist der pl. kleider, wo sämtliche kleidungsstücke zu bezeichnen sind, auch die welche einzeln nicht kleid heiszen, wie doch auszer dem hauptkleide auch das unterkleid, niederkleid, beinkleid

    in eigentlicher geltung ist kleid als kleid der frauen; […] doch scheint noch dis 17. und theilweise das 18. jh. diese bevorzugung nicht zu kennen, noch Adelung gibt auch als männliches kleid an rock und weste, bisweilen mit einschlusz der beinkleider. jetzt aber bringt uns kleid allein als ersten gedanken den des hauptkleides einer frau, in dem sie vor den leuten erscheint.

    kleidung ist wie kleider, die kleidungsstücke die zu éinem anzug gehören.

    Interessant auch, dass dem Rock ähnliches passiert ist, dito dem engl. dress, allerdings ohne dass die Pluralform hinterherhinkt.

    Ich selbst verwende übrigens fast immer Kleider und empfinde Kleidung als technischer/formaler.
    Also „Bitte packen Sie warme Kleidung für Ihr Kind ein“ auf einem Informationszettel o.ä., aber „Ich hab keine sauberen Kleider mehr, ich muss dringend waschen“.

  81. Zeit-Ungeist damals und heute

    In den ersten Tagen des Grundgesetzes wäre es — unter den kritischen Augen der Besatzungsmächte — wohl nicht opportun gewesen, so sehr auf die deutsche Sprache abzuheben. Zu großes Unheil hatte das Hetzen gegen alles „Undeutsche“ gerade kurz vorher doch gebracht! Und wer hat damals schon ernstlich an der Position der deutschen Sprache gezweifelt? Eine Anglisierung des tatsächlichen Ausmaßes war damals kaum zu vermuten, und wer sie vermuten konnte, fand wahrscheinlich sogar erstrebenswert, dass sich ein Morgenthau über das Land lege.
    Heute bedient man damit die Ressentiments, die die meisten Menschen 60 Jahre lang nicht laut zu äußern wagten. Natürlich ist damit nicht gleich die Rede von Ausländerfeindlichkeit, aber es sickert da so eine unausgesprochene Abwehrhaltung gegen Fremdsprachen herein. Ich gehe ja auch gern gegen fehlerhafte und sogar komische Anglismen vor (body bag, payback), aber es ist nicht sinnvoll, sich gegen alle zu wenden, zumal manche Begriffe im Englischen auf eine unübersetzbare Weise gerafft und zusammengefaßt werden.
    Die neue Tendenz der Ausländerfeindlichkeit, die sich vielleicht nicht hinter den Artikeln des VDS verbirgt, aber von vielen so gelesen werden kann, ist für mein Gefühl so unreflektiert und auch gefährlich, daß man ihr keine Nahrung geben darf. Wir waren doch schon mal viel weiter.

  82. Kristin,

    Alles klar. Ich hatte den ersten Beitrag zum Thema als wesentlich „dickköpfiger“ aufgefasst, als er wohl gemeint war, nämlich so, dass Kleider die Bedeutung ‚Kleidungsstücke‘ heute nicht mehr tragen könne.

    Nein, da habe ich mich allerdings auch missverständlich ausgedrückt.

    Ich habe mir gerade im DWDS beim Korpus der Berliner Zeitung (um nur „zeitgenössische“ Ergebnisse der letzten 15 Jahre zu haben) die ersten 50 Ergebnisse von *Kleider angeguckt (also noch ohne den Dat. Pl.) und schon da fand ich die Kategorisierung teils grenzwertig, es wäre also ein zeitintensives Unterfangen, alle Beispiele durchzuschauen und zu entscheiden, ob „Kleidung“ oder „mehrere Kleider“ gemeint sind oder einfach ein feststehender Ausdruck benutzt wird wie „des Kaisers [und hier auch Neuschöpfungen mit anderen Genitiven] neue Kleider“ (z.B. „Audis neue Kleider“). Es stellt sich außerdem die Frage, ob sowas wie „alte Kleider“ als lexikalisiert zu betrachten ist oder nicht…

    Leider habe ich da momentan nicht die Zeit zu, aber interessieren würde es mich auf jeden Fall.

  83. Alternative zum „Outfit“?

    Ich habe den Blogeintrag und die Kommentare mit Interesse gelesen. Was ich mir jetzt wünsche, sind die passenderen deutschen Bezeichnungen für „Outfit“, die laut Kommentator „VonFernSeher“ angeblich existieren.

    Ein „Outfit“ bezeichnet nach meiner Auffassung die Kombination aus Kleidung, Accessoires (wieder so ein Fremdwort!) und Make-Up (für den VDS: Schminke). Dem am nächsten käme meiner Meinung nach das hier bereits erwähnte „Erscheinungsbild“. Da dieses allerdings auch das (genetisch bedingte) Aussehen oder etwa die Körpersprache umfasst, ist es als Synonym für „Outfit“ auch unpassend.

    Ich warte also weiterhin auf den besseren/passenderen deutschen Begriff – und bin mir ziemlich sicher, dass da nichts besseres kommen wird.

    Im Übrigen: Mein Vater ist über 60, meine Oma 85 Jahre alt. Beide verstehen das Wort „Outfit“ problemlos. Überhaupt ist mir keine deutschsprechende Person bekannt, die das Wort „Outfit“ nicht versteht.

  84. @A.S.

    Und weil irgendwelche Leute das sog. Denglisch als Schimpansensprache bezeichnen, müssen Sie zu zwar subtileren aber ähnlich herabwürdigenden Formulierungen greifen?


  85. Überhaupt ist mir keine deutschsprechende Person bekannt, die das Wort „Outfit“ nicht versteht.

    Mir auch nicht, aber VonFernSeher schwört ja zahlreiche Menschen zu kennen, die Outfit nicht verstünden und die Kommunikation einstellen müssten.

  86. Outfit, die 154ste

    So sehr mir Detaildiskussionen um Synonyme – hier im Moment das „Outfit“ – Spaß machen (vor allem, wenn echte Sprachdaten ins Spiel kommen), gibt es doch einige generelle Dinge dazu zu sagen. Diese sind bekannt und müssen eigentlich nicht an Einzelbeispielen wieder und wieder belegt werden.

    Das erste ist, dass Lehnwörter oft lexikalische Lücken füllen und deshalb sprachintern wichtige Funktionen haben und nicht einfach überflüssig sind. Das ist, unter anderem in diesem Blog, schon häufig gezeigt worden. Natürlich könnte man lexikalische Lücken auch mit echten Neuschöpfungen nach deutschen Wortbildungsmustern füllen (und dann etwa Klapprechner statt Laptop sagen). Das Deutsche bietet hier äußerst produktive Muster (Nominalkomposita sind fast unbeschränkt bildbar). Warum Sprecher einer Sprache aber häufig auf existierende Wörter aus anderen Sprachen zurückgreifen, ist eine andere Frage: Es könnte in vielen Fällen einfach praktikabel sein – immerhin existiert das Wort schon, das heißt, man kann es zum Beispiel in entsprechenden Wörterbüchern nachschlagen, viele Sprecher beherrschen mehr als eine Sprache und können das neue Wort deshalb verstehen usw. In diesen Fällen kann man wohl keinesfalls davon ausgehen, dass Sprecher sich so verhalten, obwohl sie dann niemand versteht, ganz im Gegenteil.

    Das zweite ist, und hier kommt ein von Sprachschützern, -pflegern und -nörglern ein gern gebrachtes Argument ins Spiel, dass Lehnwörter – im Moment vor allem Anglizismen – von Sprechern deshalb benutzt werden, weil sie sich irgendwie großtun möchten oder banale Inhalte hochtrabend ausdrücken wollen – und das auf Kosten der Verständlichkeit. Und auch dieser Mechanismus existiert und ist wohlbekannt und muss meines Erachtens auch nicht von weniger präskriptiven Leuten wegdiskutiert werden. Natürlich wird Sprache auch dazu benutzt, um Gruppenzugehörigkeiten zu signalisieren. Dialekte und Soziolekte haben genau diese Funktion. Hier werden oft sogar mit Absicht Wörter oder Konstruktionen verwendet, die nicht der Gruppe Zugehörige nicht verstehen und das auch nicht sollen. Nun kann ich die jeweilige Gruppe, zu der sich ein Sprecher sprachlich bekennen will, lächerlich oder albern finden. Ich kann es affig finden, dass jemand sächsisch spricht und sich so sofort als Ostdeutscher zu erkennen gibt. Das ist auf der gleichen Ebene, wie pastellfarbene Jacketts albern zu finden. Ich kann es auch affig finden, wenn jemand „yo, Digger“ (oder so) sagt, und das ist auf derselben Ebene, wie bis unter den Po heruntergezogene Hosen affig zu finden. Sprache fungiert hier – genauso wie Kleidung – als sozialer Marker. Was würde es nun aber bringen, pastellfarbene Jacketts und heruntergezogene Hosen per Gesetz zu verbieten? Oder auch nur, auf die jeweiligen Menschen einzureden, das doch bitte sein zu lassen, weil es meinem ästhetischen Empfinden widerspricht? Nichts. Warum aber nicht? Weil die entsprechenden Gruppen neue Dinge finden würden, um sich zu kennzeichnen (und sich damit von anderen abzugrenzen und sich für Mitglieder der eigenen Gruppe erkennbar zu machen). Wenn sie das nicht täten, hätte ICH ein Problem. Dann müsste ICH mich anders verhalten, um mich abgrenzen, denn das tue ich normalerweise, indem ich meine Hosen hochziehe, keine pastellfarbene Kleidung trage, nicht sächsele und auch nicht „Digger“ sage. Das ist keineswegs das „Normale“, sondern das markiert meine Zugehörigkeit zu einer anderen Region und zu einer anderen sozialen Schicht. Um das zu erreichen, müsste ich dann aber, wenn das nicht mehr reicht, zu extremeren Mitteln greifen – die Hosen NOCH höher ziehen, NUR noch schwarz tragen, darauf achten, dass ich niemals wieder „Drei-Raum-Wohnung“ sage oder mir etwas ganz neues ausdenken.

    Und natürlich werden auch Lehnwörter auf diese Weise in die Sprache gebracht, obwohl es in einigen Fällen im Moment der Übernahme gute Synonyme im Deutschen gibt. Nach einer Weile differenziert sich der Gebrauch dann meistens so aus, dass es eben doch wieder Unterschiede in der Bedeutung (oder im Register) gibt. Wenn ich diesen Mechanismus aber unvernünftigerweise ablehne, dann muss ich gegen das Portemonnaie genauso vorgehen wie gegen den Trainer und das Outfit. Nur sollte ich dann weder das Verständnisargument bringen – wer von allen verstanden werden will, der hält sich schon an bestimmte Regeln, wer nur bestimmte Leute ansprechen will, verhält sich auch entsprechend – noch den Sprachverfall beschwören. Warum letzteres nicht, weiß der Leser dieses Blogs zur Genüge.

  87. Alternative zum „Outfit“

    An Herbinger:
    Mit „Outfit“ ist der Auftritt einer Person gemeint oder das gesamt Erscheinungsbild einer Person.
    Da man bekanntlich in jeder Sprache alles ausdrücken kann, gibt es grundsätzlich keine unübersetzbare Begriffe.
    Leider weiß ich nicht mehr, wer diesen klugen Satz gesagt hat und leider bekomme ich ihn auch nicht mehr wortwörtlich hin, er lautet in etwa wie folgt: „Man nehme ein deutsches Wort für einen fremdsprachlichen Begriff und betrachte es so lange, bis es das, was man in dem Wort erkennen will, tatsächlich bedeutet.“
    Mit anderen Worten, man kann die Bedeutung eines bekannten Wortes jederzeit erweitern. Nähmen wir für „Outfit“ fortan z.B. Bild, hätte mit der Zeit das bekannte Wort eine Bedeutungserweiterung erfahren und stünde zukünftig nicht nur für das Fremdwort „Outfit“, sondern auch für das längere deutsche Wort „Erscheinungsbild“.
    Leider wird so eine schöne Sprachpflege bei uns nicht (mehr)aktiv betrieben. Vielmehr werden heutzutage Fremdwörter kritiklos übernommen, oft mit dem windigen Argument, man könne sie gar nicht überstzen. Tröstlich immerhin, dass solche Begriffserweiterungen auch von selbst geschehen, wobei ich mir als Anhänger meiner Muttersprache hier viel mehr Einsatz gerade von unseren Eliten wünsche. Die Sache braucht die besten Köpfe. Das könnte doch (wieder) eine gute Tradition werden und ich weiß nicht, weshalb daran etwas auszusetzen sein sollte(zumal selbst Stefanowitsch nach eigener Aussage bereits so verfährt). Ein derartige Sprachpflege sehe ich eher als Anliegen und Anspruch und nicht als Sprachnörgelei oder gar Vergewaltigung von Sprache an.
    Mein Beispiel, „Outfit“ durch „Bild“ ersetzen zu wollen, passt im übrigen schon heute ganz gut, man müsste auf die Begriffserweiterung sicherlich nicht lange warten, spricht man doch durchaus schon lange von „ein gutes Bild abgeben“. Wenn jemand „ein gutes Bild abgibt“ oder „kein gutes Bild abgibt“, haben wir doch im Sprachgebrauch schon ein sehr schönes bildhaftes Gleichnis für den Eindruck, den jemand hinterlassen hat.

    Sprache ist schön, und altmodisch wie ich bin, liebe und pflege ich sie (meine Muttersprache), ich habe keine andere.

  88. Weg mit den Pastellfarben!

    Und ich möchte, dass zukünftig auf pastellfarbene Jacketts verzichtet wird. Wir brauchen sie nicht, es gibt so schöne schwarze und graue. Die haben doch bisher auch immer gereicht. Sie sind genauso praktisch, nur eben schöner.

    Kleidung ist schön, und altmodisch wie ich bin, liebe und pflege ich sie (meine schwarzen und grauen Jacketts). Ich habe keine anderen.

    (Will jetzt jemand sagen, dass Sprache wichtiger ist als Kleidung? Denkt vorher bitte genau nach! Kleidung unterscheidet uns vom Tier, sie ermöglicht das Überleben in unwirtlichen Gebieten, sie hat uns ermöglicht, zum Nordpol und ins All vorzudringen, sie spiegelt nationale und regionale Traditionen wider, sie kann unsere Wertschätzung von Menschen und Ritualen ausdrücken, sie ist Kultur!)

  89. @ Klausi

    Absolut! Wir sind uns einig. Die Eliten müssen ran – Akademiker, Unternehmer, Politiker, Diplomaten. Sonst verkommt die Sprache und die Kleidung.

  90. Alternative ist halt auch ein Fremdwort

    Klausi,

    Mit „Outfit“ ist der Auftritt einer Person gemeint oder das gesamt Erscheinungsbild einer Person.

    Offensichtlich checken Sie es nicht. Sie sollen Synonyme präsentieren, die exakte Synonyme sind und keine Duden-Definition des Wortes Outfit. Sie können die Begriffe nicht in die folgenden Beispiele setzen, sie sind also keine Synonyme:

    a) „Tolles Outfit!“ ungleich „Tolles Erscheinungsbild!“ oder „Toller Auftritt!“
    b) „So ein teures Outfit kann ich mir nicht leisten.“ ungleich „So ein teures Erscheinungsbild kann ich mir nicht leisten.“ oder „So einen teueren Auftritt kann ich mir nicht leisten.“
    c) „Ihre ständig wechselnden Outfits sind ein Geschenk für jeden Paparazzi“ – ich habe jetzt keine Lust den Satz dreimal zu tippen, auch hier passt weder Erscheinungsbilder noch Auftritte.

    Entweder Sie liefern exakte Synonyme oder Sie lassen es, aber kommen Sie nicht mit dem x-ten unnötigen Vorschlag.

    Sprache ist schön, und altmodisch wie ich bin, liebe und pflege ich sie (meine Muttersprache), ich habe keine andere.

    Amen. Ich kaufe mir fürs Wochenende dann mal ein neues Erscheinungsbild. Oder sollte ich neuen Auftritt sagen?

  91. An Gareth

    Ihrer freundlichen Aufforderung komme ich gerne nach:

    1.“Tolle Klamotten!“
    2.“So teure Klamotten kann ich mir nicht leisten!“
    3.“Ihre wechselnden Garderoben sind ein Geschenk…“

    Wenn Sie wollen und wieder so nett darum bitten, suche ich Ihnen aus meinem Sprachschatz auch noch Synonyme für „Klamotten“ und „Garderoben“ heraus.

  92. @Gareth & Klausi

    Jungs, da meine Chips langsam alle sind…

    Sie reden beide so komplett aneinander vorbei, dass Sie hier noch 200 Mal den Ball hin und her werfen können, ohne auch nur ein Stückchen weiter zu kommen.

    @Gareth: Sie haben als Grundannahme, dass es keine absolute Synonymität gibt (womit Sie, egal wie eng die Definition von Synonym ist, ja auch recht haben). Sie fordern von Klausi aber exakte Synonyme ein, die er Ihnen natürlich nicht liefern kann, was sie ihm dann wiederum vorwerfen. Das ist recht zirkulär.

    @Klausi: dass man in einer Sprache alles ausdrücken kann oder dass es keine unübersetzbaren Begriffe gibt, bedeutet nicht, dass ein Begriff eben immer genauso „treffend“ und „genau“ übersetzt werden kann, sondern oftmals paraphrasiert wird (werden muss). Manchmal/Oft sind durch die „Übersetzung“ gewisse Bedeutungsschattierungen der einheimischen Begriffe nicht abgedeckt bzw. decken die Übersetzungen weitere Bedeutungsnuancen der mutmaßlichen Übersetzung nicht ab. Das ist spannend, aber nicht neu oder besonders streitwürdig (oder angreifbar). Und wie Juliana schon gesagt hat, das ist schon oft hier diskutiert worden.

  93. Garderobe, Klamotten

    Garderobe: aus dem Französichen, urspr. Bedeutung „Kleiderablage“.

    Klamotten: aus dem Rotwelschen, urspr. Bedeutung „alte Kleidungsstücke“.

  94. @VonFernSeher

    Die Frage, die sich mir stellt ist, ob Sie als Kommunikationswissenschaftler entweder von einigen Teilen ihrer Wissenschaft keine Ahnung haben oder ob Sie diese bewusst um der Diskussion willen ausklammern.
    Aber da ich kein Mörder sein möchte, werde ich den Troll weiter füttern.

    Als Kommunikationswissenschaftler zu fordern, dass Wörter nur dann in einer Sprache Verwendung finden dürfen, wenn Sie exakt, umfassend und richtig von einer breiten Masse verstanden und begriffen werden, ist sehr arrogant. Das ignoriert den Umstand, wie Wörter und vor allem Bedeutungen entstehen, sowie den Umstand, dass sich Bedeutungen verschieben. Sie können mir sicher erklären, wieviele Menschen die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „geil“ kennen, sowie verstehen und sich weigern, die aktuelle Bedeutung anzuerkennen. Ist „geil“ demnach ein schlechtes Wort? Eines, was von der deutschen Sprache ausgeschlossen werden muss, weil sich die Bedeutung verschoben hat? Was machen Sie, wenn eine Gruppe das Wort in seiner alten Bedeutung begreift und eine Gruppe in seiner neuen Bedeutung?
    Und nun übertragen Sie diese Überlegungen auf das Wort „Event“. Was ist daran verkehrt, ein etabliertes Wort zu akzeptieren, auch wenn die breite Masse es zwar richtig assoziiert aber die exakte Herkunft und Bedeutung nicht kennt?
    Wieso wollen Sie aus Deutsch eine tote Sprache machen, die vor äußeren Einflüssen geschützt werden muss? Wieso der Verweis auf ausgerechnet die Zielgruppen, die ein Wort nicht begreifen? Wieso spielen bei Ihnen als Kommunikationswissenschaftler die Zielgruppen, die das Wort verstehen, keine Rolle? Sie würden sich wundern, wieviele in Deutschland mit dem Wort das richtige assoziieren.

    Dass das Wort „Event“ ein Modewort ist, eines, was vorrangig aus Marketing-Gründen verwendet wurde und verbreitet wurde, das macht das Wort nicht per se schlecht. Das Wort „geil“ ist ebenfalls von der jungen Generation wiederentdeckt worden und dann von findigen Werbestrategen in eine andere Bedeutung verschoben worden bzw. mit der neuen Bedeutung ausgeschlachtet worden („Geiz ist geil“).

    Sie diskutieren hier – wie auch der Verein im übrigen – ständig mit Argumenten, die sich konsequent ausgelegt so auf sicher die Hälfte des deutschen Wortschatzes anwenden lässt und ihn in Frage stellt.

    Und um die Diskussion in einem halbwegs vernünftigen Rahmen zu belassen, versuchen Sie an den Haaren herbeigezogene Argumente zu liefern von wissenschaftlichen Bedeutungen und Herkünften der Wörter, von willkürlichen Einteilungen in gute und schlechte Wörter…

    Ein spannendes Beispiel: Das Wörtchen „lol“. Es hat einen rasanten Aufstieg hinter sich, ist mittlerweile in der Chat-generation sowieso etabliert und findet nach und nach im Sprachgebrauch der jungen Menschen Platz. Nun schimpfen Wissenschaftler, dass Menschen von heute nicht mehr richtig lachen können, bringen sie doch ein gequältes „lol“ über die Lippen und begreifen nicht die ursprüngliche Bedeutung von „lauthals lachen“. Sie vergessen dabei, dass seit vielen Jahren schon das Wort auch im Chat seine ursprüngliche Bedeutung verlor. Was machen wir mit diesem Wörtchen. Es hat weder deutschen Wortstamm noch ist es im engeren Sinne ein Wort, da es eigentlich nur eine Abkürzung ist. Ist das Wort irgendwann einfach aufgrund der breiten Verwendung irgendwann würdig, Bestandteil der deutschen Sprache zu werden? Wer entscheidet das? Sie? Was ist mit der Tatsache, dass es seine historische Bedeutung nahezu vollständig verloren hat und mittlerweile für ein „gequältes lächeln ohne Emotionen“ steht. Also für ein „Ich fand das nicht witzig aber irgendwie verstehe ich, dass du einen Scherz machen wolltest“.
    Ich sehe täglich in der Strassenbahn Jugendliche, oftmals kommt dieses gequälte „lol“, einige Zeit später gibt es ein sehr emotionales Lachen. Die Jugend unterscheidet zwischen beiden Varianten und findet für dieses gequälte Lächeln ein Wort wie „lol“.

    Ich bin gespannt, was Sie mit solchen Beispielen, die es zu tausenden auch schon in den Jahrhunderten vor den Anglizismen gab, umgehen. Eines ist Fakt: Das, was Sie als deutsche Sprache schützen wollen, das ist voll von Einflüssen anderer Sprachen und voll von im Grunde überflüssigen Import-Wörtern.

  95. Outfit

    Um die Diskussion über out fit oder nicht out fit für mich zu beenden:

    Meine Frau hat 2 Kleiderschränke voll mit nichts anzuziehen drin. Will heißen, sie findet nichts, um sich outzufiten.


  96. Sie fordern von Klausi aber exakte Synonyme ein, die er Ihnen natürlich nicht liefern kann, was sie ihm dann wiederum vorwerfen. Das ist recht zirkulär.

    Ich hoffte auf Einsicht oder Erkenntnis. Diese Naivität war natürlich mein Fehler.

  97. @Gareth

    Ich glaube, Klausi hofft auch auf Einsicht oder Erkenntis. Und auch sein Hoffen wird wohl vergebens sein.

  98. Weg mit den Pastellfarben!

    An Juliana:

    Klimanörgler wollen das Klima schützen. Ihnen gefällt nicht, dass das Klima sich zur Zeit (mal wieder)
    ändert. Sie möchten, naiv wie sie sind, den gegenwärtigen Zustand am liebsten einfrieren und jede Veränderung sehen sie als Bedrohung und den Untergang der Umwelt an.
    Dabei sind derartige Veränderungen normal. Klima ändert sich permanent, und das seit es Klima gibt. Das Klima folgt dabei den Naturgesetzen. Gläubige Menschen behaupten sogar, Klima sei uns von Gott gegeben. Es steht den Klimanörglern demnach nicht an, am Klima und an der Umwelt ständig herumzunörgeln, zumal man gegen ein Naturgesetz oder gar gegen Gottes Willen eh nicht viel ausrichten kann. In diesen Fragen sollten sich die Nörgler besser an die Fachleute (nämlich Klimawissenschaftler oder – je nach Glaubenslage- an den lieben Gott) wenden, wo sie auf jeden Fall und am besten aufgehoben sind. (Gerade in letzter Zeit haben die Klima-Kollegen wieder hervorragende Forschungsergebisse abgeliefert, das sei hier zwar nur am Rande erwähnt, aber die sind der Wahrheit tatsächlich dicht auf der Spur. Ich sage nur ELITE!)
    Klimaveränderungen sind wertneutrale Vorgänge, die sich nicht in gute oder böse und auch nicht in richtige oder falsche einteilen lassen. Selbst wenn durch derartige Naturereignisse (ersatzweise: durch den göttlichen Willen) die Umwelt derart auf den Kopf gestellt werden würde, dass man sie nicht wiederzuerkennen glaubte, bliebe Umwelt doch Umwelt. Sie sähe nun nur anders aus und fühlte sich nur anders an. Das wäre aber auch schon alles. Und Umwelt wird es immer geben. Dass wir sie in 1000 oder in 100 oder gar schon in 10 Jahren nicht wiedererkennen würden, ist dabei völlig klar. Das alles ist bei Umwelt eben möglich. Und gerade das macht sie so interessant. Unsere Vorfahren aus der letzten Kälteperiode der Erde – lebten sie noch – würden sich nach der guten alten Kaltzeit zurücksehnen, weil es ihnen heutzutage einfach viel zu warm wäre. Und uns wäre es – lebten wir in in 1000, 100 oder 10 Jahren noch – vielleicht zu dunkel/hell oder zu trocken/feucht oder was auch immer. Man sieht, man kann es keinem recht machen. Und wem wollte man bei der Frage, wie sollte unser Klima zukünftig sein, folgen? Den Nörglern, die sich noch nicht einmal untereinander einig sind, doch wohl nicht? Dann doch eher denjenigen, die sich wissenschaftlich oder zumindest hauptberuflich mit dem Thema beschäftigen und sich in der Materie bestens auskennen wie etwa die oben genannten Klimaforscher. Nebenbei könnte man dabei hätte auch breite und bildungsresistente Volksteile („Bild“-Leser) erreichen und eine Bildungsoffensive starten.

  99. @ Klausi

    Aha, jetzt wird es langsam spannend. Die von Ihnen vorgeschlagene Analogie ist das Klima (als Gegenvorschlag zur Kleidung): wandelt sich auch jederzeit, sollte man es sich also nicht einfach wandeln lassen? Das Problem sehe ich darin, dass globale Erwärmung und deren Konsequenzen für die Menschheit nicht einfach nur Geschmackssache sind wie im Falle von Sprachwandel oder Mode. So lange uns Sprache und Kleidung prinzipiell zur Verfügung steht, ist es letztlich eine Geschmacksfrage (die ich nicht unwichtig finde, aber eben eine Geschmacksfrage), wie genau diese aussieht. Beim Klima kann man das wohl nicht so abtun („der eine mag es lieber etwas wärmer, der andere nicht“), da bei einem globalen Anstieg der Temperaturen viele Gebiete der Erde nicht mehr bewohnbar sein werden. Das geht dann doch ein bisschen über persönliche Präferenzen für Ski- oder Badeurlaub, deutsche oder lateinische Wortstämme und bunte vs. schwarz-graue Kleidung hinaus.

    Mir ist außerdem noch nicht ganz klar, wie Sie die vielbeschworenen Eliten definieren. Ich wäre immer dafür, Experten zuerst anzuhören, aufgebrachte Laien dagegen nicht gerade zu ignorieren, aber mit Vorsicht zu genießen. Im Falle von Klimaforschung genauso wie in der Sprachwissenschaft – deshalb lese ich dieses Blog. Ich hatte allerdings bisher den Eindruck, dass Ihnen sprachwissenschaftliche Expertise nicht besonders viel Eindruck macht. Also, wer darf denn nun Ihrer Meinung nach bei den Eliten mitmachen? Zählt dort formale Qualifikation, sozialer Status oder welche Meinung vertreten wird?

  100. Vortragsreihe VDS

    Wie schade…Im Einführungstext zur Vortragsreihe „Sprache und Öffentlichkeit“ im Haus der Wissenschaft (!)Braunschweig wird dankenswerterweise die Diskussion Sprachverfall vs. Kulturpessimismus eingebracht, doch gibt es dann nicht einmal einen einzigen Sprecher, der letztere These vertritt…

    http://www.hausderwissenschaft.org/…ichkeit.html

  101. Die Frage ist auch, ob man von einem Haus der Wissenschaft, das seine Räume nach Sponsoren (statt etwa nach herausragenden Forschern) benennt, unbedingte wissenschaftliche Objektivität erwarten kann.

  102. „Bei der Aktion des VDS geht es also inhaltlich um rein gar nichts. Es ist reine Selbstinszenierung.“

    Ich bin schon ein wenig enttäuscht, dass die wenigen Fehler, genannt in dem Kommentar

    http://www.wissenslogs.de/…-feinde#comment-20811

    unverändert dastehen.

    Tragic response for someone like you in the outfit of a serious scientist…

    (psst: mit dem letzten Satz mache ich darauf aufmerksam, dass „outfit“ noch eine andere Bedeutung haben kann.

  103. Wie verbindlich wäre Deutsch?

    Die Aufnahme des Deutschen ins Grundgesetz darf auf keinen Fall so verbindlich werden, wie Sie es befürchten! Da stimme ich voll mit Ihnen überein. Dieser Eintrag ins GG darf auf keinen Fall die Vielfalt der Sprachen gefährden. Es ist aber wünschenswert, daß Deutsch als Amts- und Universitätssprache einen gewissen Schutz bekäme.
    Zur Zeit haben wir eine Gefährdung der Lehre und Forschung durch das Vordringen von Lehrtätigkeit in englischer Sprache. Damit wird auf Jahrzehnte erschwert, daß deutsche Forscher bedeutende Preise bekommen können. Wer Englisch nicht als Muttersprache hat, ist klar im Nachteil, denn die Subtilität, die man für Aussagen auf hohem Niveau braucht, ist dann kaum zu erreichen, meine ich. Zugleich geht ein philosophischer Schatz zugrunde, als den ich das Deutsche betrachte. Es ist also eine Attacke auf die Bedeutung Deutschlands als Forschungsland. Ich glaube auch, daß das Deutsche einen Schutz davor braucht, weil Sprache zugleich Philosophie ist.
    Zur gleichen Zeit darf man nicht vergessen, daß — wie Sie es oben darstellen — die Pluralität der Sprachen nicht unter der Dominanz des Hochdeutschen leiden darf. Platt ist schon stark gefährdet. Die Forschung ist sich nicht ganz einig, ob es sich um eine Sprache oder um einen Dialekt handelt. Sein Verschwinden wäre äußerst bedauerlich, und ich glaube, die Verfechter des „Deutsch ins GG“ sehen das auch so.
    Ich muß dazu noch sagen, daß ich zwei Sprachen fast perfekt beherrsche und mich in 5 anderen leidlich verständigen kann, bis also kein Deutschtümler.

  104. Was genau wäre an so einem Staat 20. Jahrhundert? Eigentlich hat sich doch im 20. Jahrhundert die Idee von der Freiheit des Individuums, zumindest in Europa, langsam durchgesetzt. So ein Staat wäre noch nichtmal 20. Jahrhundert, sowas würde ich eher im 18. oder 19. Jahrhundert erwarten. Also genau da, wo ich die Bild zeitgeistlich meistens einordne.