Die Sprachpanscher schlagen zurück

Der Verein der Dortmunder Sprachnarren hat die Liste der Kandiaten für den „Sprachpanscher des Jahres“ bekanntgegeben, mit dem die Anglizismenjäger jedes Jahr versuchen, parasitär von der Medienpräsenz bekannter Mitmenschen zu profitieren, indem sie diese beschuldigen, mittels englischer Lehnwörter den Untergang alles Deutschen voranzutreiben.

Wie nicht anders zu erwarten werden die Nominierungen mit den selben substanzlosen und schwer bis gar nicht überprüfbaren Behauptungen untermauert, die auch die sonstigen Aktivitäten des Vereins charakterisieren.

Am ehesten nachvollziehbar ist noch die Nominierung des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom, René Obermann, dessen Unternehmen tatsächlich eine enge Liebesbeziehung zu angelsächsischem Globalkolorit pflegt — der VDS führt Call & Surf Comfort, Entertain Installation Services, Business Flat Premium und Shared Cost International an, und tatsächlich finden sich all diese Dinge im Angebot von Obermanns Konzern. Ein Sprachpanscher wäre er damit frühestens, wenn die Sprachgemeinschaft diese Produktnamen in den allgemeinen Sprachgebrauch übernähme, wofür es natürlich keinerlei Anzeichen gibt. Aber das dem VDS zu erklären, haben schon viele versucht — es ist zwecklos.

Die Nominierung des deutschen Shell-Vorsitzenden Peter Blauwhoff fällt in dieselbe Kategorie, sein vergehen ist der Produktname Shell Fuel SaveSuper „und anderes Angeberenglisch an seinen Zapfsäulen“.

Nur mit großer Mühe kann man dagegen nachvollziehen, wie Bundesfamilienministerin Kristina Schröder auf die Liste geraten ist Nicht, dass man sie nicht kritisieren könnte — tatsächlich fällt mir kein Aspekt ihres politischen Wirkens ein, den man nicht kritisieren müsste –, aber nominiert ist sie für die Verwendung der Bezeichnung Equal Pay Day für einen Gedenktag, mit dem darauf hingewiesen werden soll, dass Frauen oft weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhalten, wie Männer. Sicher, den Tag könnte man auch anders nennen — Tag der Lohngerechtigkeit, oder so –, aber Equal Pay Day ist eine internationale Angelegenheit, viele Länder haben ihn (wenn auch an unterschiedlichen Tagen), und selbst im Katechismus der Sprachpuristen sollte es doch ein lässliches Vergehen sein, einem internationalen Gedenktag seinen international üblichen Namen zu geben.

Überhaupt nicht nachvollziehen — und zwar im Wortsinne — lässt sich die Nominierung des Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche Deutschlands, Nikolaus Schneider, der angeblich die Begriffe LutherActvities [sic, soll wohl LutherActivities heißen]  Wellness für die Männerseele, Marriage Weeks und Worship Summerpartys verwendet oder wenigstens zu verantworten hat. Nicht nachvollziehbar deshalb, weil ich keine Belege dafür finden konnte, dass Schneider oder die evangelische Kirche diese Begriffe verwenden. Wenn jemand Belege findet, trage ich sie gerne nach.

Ich würde mir aber normalerweise gar nicht mehr die Mühe machen, die Sprachpanscherhatz des VDS noch zu kommentieren — zu immergleich sind die Begründungen und die gespielte Aufregung (in diesem Jahr zitiert VDS-Chef Walter Krämer sich mit folgenden Worten selbst: „Es ist beschämend, wie die sogenannten Eliten unseres Landes aus der deutschen Sprache desertieren. In Frankreich, Spanien oder Italien würde man diese Leute umstandslos entlassen.“).

Nein, ich schreibe darüber überhaupt nur wegen der letzten Nominierung:

Kandidat ist außerdem Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit. Er hält offensichtlich seine neuen Jobcenter für etwas Besseres als die alten Arbeitsämter, und lädt Arbeitgeber zu Start-Up-Coachings und Businesstalks über soft und hard skills ein. [Pressemeldung des VDS]

Denn Weise, bzw. seine Behörde, hat zurückgeschlagen — endlich einmal. Statt, wie es die nominierten Sprachpanscher sonst oft tun, Abzustreiten oder Besserung zu geloben, hat die Bundesagentur für Arbeit eine Pressemeldung herausgegeben, die mir wieder Hoffnung für meinen fortgesetzten öffentlichen Kampf gegen die Sprachapokalyptiker und Fremdwortxenophoben gibt.

Schon die Überschrift ist für eine Behörde ungewöhnlich scharf und geistreich: „Knapp daneben ist auch vorbei: ‘Verein Deutsche Sprache’ schlägt den falschen Hund“. Und dann geht es los:

Der „Verein Deutsche Sprache“ hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) und ihren Vorstandsvorsitzenden zu Unrecht ins Visier seiner Schelte „Sprachpanscher des Jahres“ genommen. Die Kritik des Vereins macht sich unter anderem an dem Begriff „Jobcenter“ fest. Dieser Begriff wurde jedoch nicht von der BA und schon gar nicht von ihrem Vorstand gewählt, sondern im Rahmen der Neuorganisation der Grundsicherung gesetzlich festgelegt. [Pressemeldung der Bundesanstalt für Arbeit]

Tja, das hätte man beim VDS vielleicht mal recherchieren sollen, bevor man wild in der Gegend herumnominiert.

Zudem können und sollen die Jobcenter nicht – wir vorgeworfen – „etwas Besseres sein als die alten Arbeitsämter“ – beides hat nichts miteinander zu tun. Die früheren Arbeitsämter sind heute die Agenturen für Arbeit (auch dies übrigens ein Begriff, der politisch festgelegt wurde). Jobcenter sind der einheitliche Begriff für die bisherigen Arbeitsgemeinschaften und kommunalen Einrichtungen, in denen die Menschen in der Grundsicherung betreut werden. [Pressemeldung der Bundesanstalt für Arbeit]

Na gut, das kann man beim VDS natürlich nicht wissen, dazu braucht man ja — wie heißt das nochmal — Sachkenntnis. Und die hat man nicht und will man nicht, deshalb beschäftigt man sich ja mit Sprache, denn zu sprachlichen Fragen kann man ja bekanntlich auch ohne Sachkenntnis Stellung beziehen.

Aber bis zu diesem Punkt klingt die Pressemeldung noch so, als wolle die BA den Schwarzen Peter nur weiterreichen. Aber dann bekennt man sich offensiv zu englischem Lehngut und zeigt dabei, dass man, anders als der VDS, verstanden hat, wie Sprache funktioniert — man muss nämlich Wörter verwenden, die die Angesprochenen kennen und verstehen, ob diese Wörter nun reinrassig deutsch sind, oder nicht:

Mit anderen Begriffen aus dem angelsächsischen Sprachraum, die der "Verein Deutsche Sprache" bei der BA bemängelt, hat sich die BA bereits kritisch und selbstkritisch befasst. So zum Beispiel mit der Frage, ob ein „Businesstalk“, zu dem de BA einlädt, nicht durch ein besseres Wort ersetzt werden kann – „Geschäftsgespräch“ würde den Kern der Sache allerdings auch nicht treffen, sondern völlig in die Irre führen.
Andere Anglizismen, in denen der Verein offenbar einen Untergang der Kultur sieht, sind fester Bestandteil einer Sprache, die in der globalisierten Geschäftswelt gesprochen wird. Weder ist ein „Start-Up“ rätselhaft, noch ein „Coaching“. Wenn die BA ihren Auftrag für den Arbeitsmarkt erfüllen will, dann muss sie sich an die Gepflogenheiten und damit in bestimmten Fällen auch an die Sprache der heutigen Geschäfts- und Arbeitswelt anpassen.  [Pressemeldung der Bundesanstalt für Arbeit]

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

63 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die einzigen Google-Treffer…

    …für „LutherActivities“ sind jedenfalls dieser Blogbeitrag und diverse Webseiten, auf denen die VDS-Nominierung zu finden ist…

  2. Auch wenn ich weiß, dass diese Art Kommentar, wie ich ihn jetzt gleich abgeben werde, nicht besonders hilfreich oder sinnvoll ist, ist es mir doch ein Anliegen, meiner stellvertretenden Beschämung darüber Ausdruck zu verleihen, dass es Herrn Krämer offenbar nicht zu blöd ist, im Ernst zu behaupten, in anderen Ländern würden Spitzenmanager „umstandslos entlassen“, wenn sie Fremdwörter benutzen.
    Gewiss ist das im Vergleich mit vielen seiner sonstigen Äußerungen noch eine Kleinigkeit, aber trotzdem. Was für ein a…ußerordentlich unerfreulicher Mensch.
    (Ich mag übrigens die Captchas hier. Die sind problemlos zu lesen, immer. Vorbildlich. Hab ich doch immerhin auch noch was Konstruktives sagen können.)

  3. krämer

    hätte bei dem leben sollen, was er kann, nämlich der Statistik. Als VDS-Sprachrohr ist er unerträglich.

    Komisch aber, dass euin Statistik-Professor nicht mal die eigene Sprache statistisch untersucht.

    Muss man da Ignoranz vermuten oder kann man sie unterstellen???

  4. Wenn mir jetzt noch jemand erklären kann, was dann diese Radiowerbespots sollten …

    (Kennt die jemand? Die, wo ein mutmaßlich türkischdeutscher junger Mann anfängt mit „Eh bin isch der Murat, bin isch voll gut in das deutsche Sprach“ und weitermacht in übertrieben gefeiltem Hochdeutsch, von wegen, Sprache sei die Grundlage um seine Gefühle und Gedanken auszudrücken und ihre semantischen Feinheiten seien gar nicht hoch genug einzuschätzen. Am Ende sagt dann ein anderer Sprecher, dass dieser Spot von der Bundesagentur für Arbeit kommt und der junge Mann nölt „das heißt ARRRRRRRRRRBEIT, nicht AAHHHBEIT“, woraufhin sich der Sprecher korrigiert.
    Ist schon eine Weile her und aus dem Gedächtnis zitiert.)

  5. Dortmunder Sprachnarren

    Es mag schon sein, dass der Verein manchmal übertreibt, grundsätzlich finde ich sein Anliegen aber nicht verkehrt. Ja, neue Dinge brauchen neue Namen, und die bringen sie eben aus ihrem Ursprungs-kulturkreis mit. Andererseits packt mich regelmäßig die Übelkeit, wenn wieder ein Schaumschläger meint, seine Trivialitäten durch Übersetzung in ein Alphamännchen-Kauderwelsch über jegliche Kritik emporheben zu müssen. So bleibt mir immer in Erinnerung, wie ein strebsamer Kollege mich aufforderte, sein Paper ASAP zu reviewen, aber bitte mit Track Changing (gemeint war die Word-Funktion „Änderungen nachverfolgen“).

    Menschen neigen eben zur Gruppenbildung und zum Chauvinismus, und ein Werkzeug dazu ist der Gruppen-Slang. Ein Großteil unseres Denglisch fällt in diese Kategorie, und das muss man nicht unterstützen.

    Kai Hiltmann

  6. Damit weiß man ja, wer den Preis wohl gewinnen wird – Das wird sich der VDS nicht gefallen lassen!

    (Immerhin sprechen wir hier über einen Verein dessen Mitglieder hier in der Vergangenheit immer weider gerne argumentierten: „Mit DEM Namen liegt Herrn Stefanowitch wohl auch nichts an der deutschen Sprache)

  7. @Logiker

    Statistik kann er übrigens auch nicht, wovon man sich z.B. in seinem Buch „So lügt man mit Statistik“ überzeugen kann. Vielleicht kann er richtig rechnen, aber das reicht nicht für Statistik, da muss man auch noch richtig denken. Viele seiner Beispiele sind schon in ihrer Grundannahme falsch.

  8. Vielen Dank für den Hinweis

    Diese Anglizismen sind wirklich nervtötend. Soft Skills klingt so wie Softdrinks und ich finde es gut, dass das kritisiert sind.

  9. @Agnes Stolle

    Den Artikel gelesen?

    Naja, Soft Skills wird nunmal in der Geschäftswelt verwendet. Das kann Ihnen gefallen oder auch nicht, ändert aber auch nichts dran.
    Soft Eis wird übrigens auch verwendet und auch das ist ein Anglizismus an dem man nichts ändern kann.
    Da muss ich jetzt jeden für kritisieren!

  10. Anglizismen

    Man sollte sich also besser den Gepflogenheiten Anderer anpassen, auch wenn man sie noch so dämlich findet? Das klingt für mich nach Druck durch die Peergroup, und hat nichts mit rationalen Argumenten zu tun.

    Wie Geschäftsleute untereinander reden, ist mir egal. Aber wenn Sie sich an Nichtgeschäftsleute (z.B. Kunden) wenden, und von diesen auch verstanden werden möchten, dann halte ich es für angebracht, dabei keine „Insidersprache“ zu verwenden.

    Dazu auch „SchönBlöd“ in der Hessenschau vom 22.05.2011:
    http://www.hr-online.de/…/index.jsp?rubrik=66207

    „Gelegentlich“ ist meiner Ansicht nach wesentlich seltener als eine „Gepflogenheit“. Fazit: Ich habe nichts gegen Anglizismen an sich, nur gegen deren überflüssige bzw. übermäßige Verwendung.

    Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Anglizismen denkfaul machen: Man verwendet vorschnell den dehnbaren englischen Begriff, anstatt sich Gedanken über eine angemessene Formulierung auf deutsch zu machen.

  11. @Muriel:
    „… dass es Herrn Krämer offenbar nicht zu blöd ist, im Ernst zu behaupten, in anderen Ländern würden Spitzenmanager „umstandslos entlassen“, wenn sie Fremdwörter benutzen.“

    Wer seine Brötchen als Mitglied der „Faculty and Board of Management“ an der „Ruhr Graduate School in Economics“ verdient, ist doch in dieser Frage sicherlich kompetent. ;->

    @Agnes Stolle:
    „Soft Skills klingt so wie Softdrinks und ich finde es gut, dass das kritisiert sind.“

    Analog könnte man unter Verwendung deutsch-deutscher Wörter behaupten: Weichzeichner klingt so wie Weichei. Macht das wirklich Sinn?

    Grundsätzlich kann man die ‚Argumentation‘ des VDS auch als Sprachlaie einfach nicht ernstnehmen. Das Problem ist nur, dass viele Politiker dies noch nicht bemerkt haben. Der nächste ‚Deutsch ins GG‘-Aktionismus ist wohl nur eine Frage der Zeit.

  12. @Ingo

    Verwenden Sie doch die Worte, die sie wollen. Mir sind z.B. Gallizismen ein Gräuel, insbesondere wenn ich die schreiben muss.

    Aber wenn es um eine Ausbildung/Weiterbildung geht, sollte man schon die Worte verwenden, die üblich sind. Ic z.B. verwende durchaus die ganzen lateinischen Begriffe im Chemieunterricht, obwohl es da bestimmt eine deutsche Entsprechung gäbe…

  13. Eliten desertieren

    „Es ist beschämend, wie die sogenannten Eliten unseres Landes aus der deutschen Sprache desertieren. “ Eliten desertieren – in Frankreich würde der sofort als Sprachschützer entlassen werden! Dabei kann man das so schön in unserer Muttersprache sagen: „Es ist beschämend, wie die sogenannten Edelleute unseres Landes aus der deutschen Sprache fahnenflüchtig werden. „

  14. Da muß noch etwas hinzugefügt werden

    „Wenn die BA ihren Auftrag für den Arbeitsmarkt erfüllen will, dann muss sie sich an die Gepflogenheiten und damit in bestimmten Fällen auch an die Sprache der heutigen Geschäfts- und Arbeitswelt anpassen. [Pressemeldung der Bundesanstalt für Arbeit]
    Dem ist nichts hinzuzufügen.“

    Doch. Man könnte sich zumindest fragen, warum die Sprache der heutigen Geschäfts- und Arbeitswelt so ist wie sie ist und ob man die Motivation gutheißen kann. Dabei geht’s nicht nur um Anglizismen, sondern auch um eine Vielzahl reinrassiger, im Jargon des VDS also ungepanschter deutscher Wörter, die ebenso wie die Anglizismen wegen ihrer Blähfunktion benutzt werden.
    Im Übrigen: Das Schlimme am Sprachpanscher ist dieses knalldeppenhafte Wort. Wer dafür kein Gespür hat, sollte sich an der Diskussion lieber nicht beteiligen, egal wie er in der Sache denkt.

  15. @Peer@Agnes Stolle

    „Naja, Soft Skills wird nunmal in der Geschäftswelt verwendet. Das kann Ihnen gefallen oder auch nicht, ändert aber auch nichts dran.“
    Steuerbetrug und Bestechung gibt es nun einmal in der Gesellschaft. Das kann Ihnen gefallen oder auch nicht, ändert aber auch nichts daran.

  16. Immer für Klarheit

    @Ludwig Trepl

    Das Schlimme am Sprachpanscher ist dieses knalldeppenhafte Wort. Wer dafür kein Gespür hat, sollte sich an der Diskussion lieber nicht beteiligen, egal wie er in der Sache denkt.

    Sie dürfen meinetwegen gerne Anglizismen oder Pseudoenglisch oder Fachsprache verwenden, sofern Sie mir damit klar machen können, was Sie meinen. Ich verstehe die angeführte Stelle nicht.

  17. @Dierk Immer für Klarheit

    Sie schreiben: „Sie dürfen meinetwegen gerne Anglizismen oder Pseudoenglisch oder Fachsprache verwenden, sofern Sie mir damit klar machen können, was Sie meinen. Ich verstehe die angeführte Stelle nicht.“
    Die angeführte Stelle: Sprachpanscher ist ein knalldeppenhaftes Wort.

    Sie sind sehr anspruchslos. Wenn es nur darum ginge, klar zu machen, was man meint, könnte man auch eine Kunstsprache aus Ziffernkombinationen benutzen. Mir würde das nicht gefallen. Ich möchte, daß mir auch gefällt, wie es gesagt ist. Und wenn man einem Wort allzu deutlich anmerkt, daß mit dem etwas nicht stimmt, der da spricht, dann gefällt es mir nicht.

    Was ich an der zitierten Stelle behauptet habe, ist: Man kann über die Anglifizierung nicht sinnvoll diskutieren, wenn man nicht berücksichtigt, (1) wie sich das Ergebnis anhört (es entstehen nun mal meist eher grausige Gebilde, auch wenn manches schöner ist als der deutsche Ausdruck, den es ersetzt), und (2) vor allem nicht wenn man nicht berücksichtigt, daß mit dem Einstreuen englischer Wörter in deutsche Sätze eine Zusatzbotschaft übermittelt wird. Und die heißt eben in der Regel: Ich bin gar nicht der Provinzler, für den du mich hältst, hör doch nur, wie weltgewandt ich mich ausdrücken kann. Seine Minderwertigkeitsgefühle kann man natürlich nicht nur mit Wörtern englischer Herkunft zum Ausdruck brigen, aber mit denen geht es heute besonders gut.

  18. @Ludwig Trepl

    Ich weiß nicht, weshalb Sie irgendwas in meine Frage hineingeheimnissen. Nirgendwo behaupte ich, dass im allgemeinen ’nur‘ verstanden werden darf; ich bin sogar so ziemlich der letzte, der den Funktionalitätsstil, den die Wolf Schneiders dieser Welt fordern, unterstützt. Ich wollte wirklich wissen, was Sie da meinen:

    – Welches Wort ‚am Sprachpanscher‘ ist knalldeppenhaft?
    – Wer hat für welches Wort kein Gespür?
    – Warum darf dieser Jemand nicht an irgendwelchen Diskussionen teilnehmen?
    – Wer darf [in ihrem Argument] wie denken, um sich an was zu beteiligen?

    Ganz ehrlich, ich würde gerne verstehen, was Sie mir und anderen schreiben, damit ich nicht andauernd darauf angewiesen bin, voreilige Schlüsse zu ziehen.

  19. @Dierk @Ludwig Trepl

    Zugegeben, meine Formulierung war schon sehr kryptisch.

    „Welches Wort ‚am Sprachpanscher‘ ist knalldeppenhaft?“ Sprachpanscher.

    „Wer hat für welches Wort kein Gespür?“
    Da meine ich natürlich nicht, daß man gerade für dieses Wort ein Gespür haben muß, sondern daß man überhaupt ein Gespür haben muß dafür, wie sich etwas anhört und was damit so nebenbei zum Ausdruck gebracht wird, und daß man nicht allein mit Funktionalität argumentieren kann (und daß man dieses Gespür als Argument gelten lassen muß).

    „- Warum darf dieser Jemand nicht an irgendwelchen Diskussionen teilnehmen?“
    „Dürfen“ tut natürlich jeder; ich meine, daß man, wenn man sinnvoll über die Frage der Anglifizierung diskutieren will, die eben angesprochene Ebene einbeziehen muß, und wer das nicht kann, weil er damit gar nicht zurechtkommt und bei der Frage, was in sprachlichen Dingen gut und schlecht ist, immer nur daran denkt, ob es denn funktioniert, in dieser Diskussion am Wichtigsten vorbeidiskutiert.

    Ich höre in dieser Diskussion fast immer nur zwei Sorten von Argumenten. Einerseits: Deutsch hat deutsch zu bleiben und alles von außen kommende ist Verunreinigung oder zumindest unpraktisch, weil viele nicht mitkommen. Andererseits: was von außen kommt ist gut, wenn es funktioniert, und funktional betrachtet ist es oft sogar von Vorteil (neue Nuancen usw.). Ich finde beides zweitrangig.

  20. Herrn Trepls Gespür für Sprache

    @Ludwig Trepl:
    Sie bringen hier unsere kleine Privatdiskussion m.E. besser auf den Punkt als a.a.O., weshalb ich sie hier fortsetze – hoffentlich nicht zu sehr OT.

    Über das „Knalldeppenhafte“ der VDS-Diktion sind wir uns wohl einig.

    was von außen kommt ist gut, wenn es funktioniert, und funktional betrachtet ist es oft sogar von Vorteil (neue Nuancen usw.). Ich finde beides zweitrangig.

    Erstrangig sind Ihnen also Gespür, Geschmack, Stil usw.? Das sei Ihnen unbenommen, aber über etwas so hochgradig Subjektives kann man im Ggs. zur objektiv fassbaren Funktionalität eigentlich nicht diskutieren. Warum können Sie sich nicht damit abfinden, dass andere Sprecher / Schreiber nun mal ein anderes Gespür, einen anderen Geschmack, einen anderen Stil haben?

    Und nein, Denglischsprecher sind nicht durchweg „Provinztrottel“! Was hat es mit „Minderwertigkeitsgefühlen“ zu tun, wenn man sich ganz rational die Vorteile von Denglisch zunutze macht???

  21. „Über das „Knalldeppenhafte“ der VDS-Diktion sind wir uns wohl einig.“
    Weil es knalldeppenhaft ist oder weil es von denen kommt?

    „Und nein, Denglischsprecher sind nicht durchweg „Provinztrottel“! „
    Sagt‘ ich denn das? Ich sagte nicht, daß sie es sind, sondern daß sie glauben, daß andere sie dafür halten, und von „durchweg“ war überhaupt nicht die Rede. Selbstverständlich gibt es zahlreiche, ach was, zahllose Fälle, in denen ein Wort englischer Herkunft das bessere ist, ebenso wie es bei Wörtern griechischer oder lateinischer Herkunft auch ist. Aber wollen Sie denn ernsthaft bestreiten, daß der übergroße Teil des Denglischen die von mir genannte Herkunft hat? Warum sind denn die Webeplakate heute halb englisch? Da rechnet man eben damit.
    „Erstrangig sind Ihnen also Gespür, Geschmack, Stil usw.? Das sei Ihnen unbenommen, aber über etwas so hochgradig Subjektives kann man im Ggs. zur objektiv fassbaren Funktionalität eigentlich nicht diskutieren.“
    Doch, ich hab in der Kommentarserie, auf die Sie verlinken (sagt man das so?), argumentiert, daß man da diskutieren kann, wenn auch nicht über Geschmack in jeder Bedeutung dieses Wortes. Aber das ist offenbar nicht angekommen.

  22. @Ludwig Trepl

    Erst einmal danke ich, dass sie meine Frage[n] beantwortet haben.

    Ich finde beides zweitrangig.

    Das sei Ihnen und jedem anderen – das ist wichtig: JEDEM – unbenommen, ist allerdings uninteressant. Wir beide können uns in üblicher Wein-/Bierlaune sicher Stunden darüber unterhalten, welchen Schreibstiel wir bei unserer Lektüre bevorzugen. Wir könnten, wenn es denn empirisch sein soll, auch die diversen massenkompatiblen Bestsellerlisten anschauen, um zu sehen, wen denn die Masse gerne liest [Dan Brown???]. Aber daraus lässt sich leider überhaupt nichts Allgemeingültiges folgern.

    Herr Krämer, und zumindest in Teilen Sie, mögen bestimmte Englisch anmutende Vokabeln nicht, ich mag kein Eisbein. Und? Ich esse kein Eisbein, Herr Krämer könnte, wenn er es denn könnte, eine saubere Sprache schreiben, Sie dürfen Blähwörter, Fachsprache, Was-auch-immer aus Ihren Texten entfernen.

    Aber erzählen Sie mir nicht, wie mein Stil auszusehen hat, damit er – ja, was eigentlich, gut, verständlich, sauber, toitsch? – ist. Nichts weiter versucht der VDS, nichts weiter versuchen Sie: Ihren persönlichen Geschmack anderen als ‚korrekt‘ oder ’schön‘ aufzudrücken. Verstehen Sie mich nicht falsch, von mir aus dürfen Sie nölen, so viel Sie wollen, ich tue das auch. Es wäre nur nett, wenn das nicht als allgemeingültige Regel, als „richtiger“ Sprachgebrauch oder gar als Wissenschaft getarnt daher käme.

  23. Für mich gehört „Denglisch“ seit je in die top ten der Knalldeppenvokabeln meiner komischen Sprachgemeinschaft. Was nun?

    @Ingo:

    Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Anglizismen denkfaul machen: Man verwendet vorschnell den dehnbaren englischen Begriff, anstatt sich Gedanken über eine angemessene Formulierung auf deutsch zu machen.

    Das scheint dann richtig, wenn man die Krönung und schönste Würde des Denkens als unabänderlich im Finden passender deutscher Wörter bestehend sieht. Mir ist es allerdings bei Betätigungen, die ich, vielleicht zu voreingenommen von meiner eigenen Herrlichkeit, auch als „Denken“ bezeichnen würde, schon passiert, daß sich englische Vokabeln sogar dort eingeschlichen haben, wo ich nach der exakten deutschen Entsprechung nicht lange hätte suchen müssen. Und zwar deshalb, weil die Vokabeln zur betreffenden Zeit oft in einem Englischen Kontext verwendet wurden. Faul war ich da sicher. Aber denkfaul? Weiß nicht.

  24. „Steuerbetrug und Bestechung gibt es nun einmal in der Gesellschaft. Das kann Ihnen gefallen oder auch nicht, ändert aber auch nichts daran.“

    Stimmt. Wenn ich mich darübver aufrege, ändert es auch nichts. Wie schrieb schon der große Nörgelforscher Hansen: „Nörgeln tut man, weil man sich mit etwas nicht arrangieren kann und zu faul ist, wirklich etwas dagegen zu tun.“

    Nörgel ist nicht konstruktiv. Sprachnörgelei auch nicht. Man fühlt sich zwar besser, hat aber eigentlich nur heiße Luft produziert.
    Aber das muss ich Ihnen ja nicht sagen.

  25. Weniger wie Männer?

    Also wenn Mann sich schon mit Sparche beschäftig, dann sollte man doch den klassischen WIE-ALS-Fehler vermeiden. Ich will hier nicht als Sprachnörgler dastehen, doch wenn Frauen weniger WIE Männer verdienen, dann kann das zwar Hans-Peter der Uschi in der Kneipe sagen, doch an dieser Stelle geht das einfach nicht. Bitte verbessern!

  26. faux pas

    … dass Frauen oft weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhalten, wie Männer. …

    ist ja nun eigentlich nicht ungerecht, oder

  27. Och nö…

    “ […] dass Frauen oft weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhalten, wie Männer.“

    Ich wollte gerade den RSS-Feed dieses Blogs abonnieren, habe allerdings bei aller Progressivität große Schwierigkeiten, jemanden, der eine Konstuktion wie diese benutzt, als Sprachwissenschaftler ernst zu nehmen. Überlege mir das mit dem Weiterlesen nun doch noch mal.

  28. Besser ‚als‘ als wie ‚wie‘?

    Als ordinärer Sprachuser frage ich mich eher, warum überhaupt zwischen ‚wie‘ und ‚als‘ unterschieden werden muss. ‚Weniger wie‘ sagt doch dasselbe aus wie ‚weniger als‘. Mehr stört mich das Komma vor dem ‚wie‘, das den Lesefluss hemmt.
    Aber wegen so einer Lappalie dieses hervorzügliche Blog zu ignorieren, käme mir nicht in den Sinn.

  29. Dem ist noch etwas hinzuzufügen

    In der Tat, die Vorschlagsliste hat Mängel, sogar erhebliche.
    Den Unterschied zwischen Agentur für Arbeit und Jobcenter nicht zu kennen, ist ein peinlicher Schnitzer. Und weder Bundesagentur für Arbeit noch die Jobcenter sind dafür bekannt, dass sie mit Anglizismen verschwenderisch umgehen, Gott sei Dank. Das jedoch ändert nichts daran, dass Begriffe wie „soft skills“ unnötig wie ein Kropf sind, zumal die BA nichts anderes als die guten alten Sozialtugenden, die viele (Langzeit-)Arbeitslose nicht (mehr) draufhaben, damit meint.
    Der Rest der Pressemitteilung ist das übliche Gesülze von ‚Kann man nicht übersetzen‘ bis hin zu ‚das ist heute so‘.

    Am schlimmsten mitgenommen hat mich, dass auch Nikolaus Schneider nominiert wurde, hat es doch dieses Urgestein der Evangelische Kirche in Deutschland gar nicht nötig, sich mit Anglizismen zu bewaffnen. Wenn er sie dennoch in den Mund genommen haben sollte, hat er dabei sicherlich geschmunzelt – und sich dabei innerlich vor Lachen abgerollt.
    Allerdings kleidet sich unsere Evangelische Kirche in Deutschland nun auch immer mehr in anglizistische Gewänder. So wurde zum Beispiel „Good Governance“ eingeführt. Wenn das so weitergeht, wird das Evangelium demnächst auf Englisch verkündet und wir evangelische Christen müssen auf einen neuen Luther warten, der uns den ganzen Kram in’s Deutsche rückübersetzt.

    Rene Obermann hingegen ist ein guter Vorschlag. Die Telekomm ist zwar schon vor geraumer Zeit (und zwar unter Ron Sommer) zu einem in jeder Beziehung Sau-Laden verkommen, aber nun muss eben der seinen Kopf dafür hinhalten, der derzeitig dafür bezahlt wird.
    Und selbstverständlich ist sein Laden eine einzige große Sprachpanscherfabrik, die vermutlich größte des Landes sogar. Weit ist sie mit dem „Telefonlatein“ allerdings nicht gekommen, das stimmt. Das liegt bestimmt daran, dass ich zu diesem Konzern seit langem keine Kontakte mehr pflege.

  30. @peer kein Betreff

    Sie kritisieren mich so:
    „Nörgel[n] ist nicht konstruktiv. Sprachnörgelei auch nicht.“
    Es freut mich, daß Sie mich nicht zu den Konstruktiven zählen.

    Gottfried Keller dazu:
    „Es giebt eine Redensart, daß man nicht nur niederreißen sondern auch wissen müsse aufzubauen, welche Phrase von gemüthlichen und oberflächlichen Leuten allerwegs angebracht wird, wo ihnen eine sichtende Thätigkeit unbequem entgegentritt. Diese Redensart ist da am Platze, wo obenhin abgesprochen oder aus thörichter Neigung verneint wird; sonst aber ist sie ohne Verstand. Denn man reißt nicht stets nieder, um wieder aufzubauen; im Gegentheil, man reißt recht mit Fleiß nieder, um freien Raum für Licht und Luft zu gewinnen, welche überall sich von selbst einfinden, wo ein sperrender Gegenstand weggenommen ist.“

  31. @Dierk @Ludwig Trepl

    Auf genau die Vorwürfe, die Sie mir hier machen, habe ich in einem Kommentar, auf den Michael Allers in seinem Beitrag „Michael Allers: Herrn Trepls Gespür für Sprache“ (auf dieser Seite) verlinkt hat, ausführlich geantwortet. Falls es Sie interessiert, ob es gegen Ihre Auffassung Argumente gibt, können Sie dort nachlesen.
    Sie halten, so scheint mir, Ihre Auffassung für selbstverständlich, aber das ist sie nicht. Grob gesagt die Hälfte derer, die seit 200 oder 300 Jahren unsere Frage wissenschaftlich diskutieren, widerspricht ihr, und die Argumente haben nichts mit denen unserer Sprachschützer zu tun.

  32. VDS vs. Wortkraftzersetzung

    Denglish? Depperter Duktus der Duden-Defätisten. Damned!

    m/fg
    Dr. 😀

  33. „als/wie“

    Da es so faszinierend zu sein scheint: das wie im Satz „dass Frauen oft weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhalten, wie Männer“ soll sich auf die gleiche Arbeit beziehen, nicht auf weniger Lohn. Ich bin überrascht, dass das den Als/wie-Nörgler/innen hier nicht als Möglichkeit in den Sinn gekommen ist.

    Selbst, wenn es sich auf weniger Lohn beziehen würde, wäre es aber kein „Fehler“, es wäre eine dialektale Variante. Und wer glaubt, dass Sprachwissenschaftler keinen Dialekt sprechen dürfen, hat ganz grundsätzlich nicht verstanden, was Sprachwissenschaft ist. Und das liegt dann sicher nicht an m

  34. Dr. D VDS vs. Wortkraftzersetzung

    „Denglish? Depperter Duktus der Duden-Defätisten. Damned!“ schreiben Sie.
    Wollen Sie damit sagen, daß „Denglisch“ deppert ist? Da haben Sie recht, das Wort ist unüberbietbar deppert. Die Sache aber leider auch.

  35. @A.S. „als/wie“

    „… das wie im Satz „dass Frauen oft weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhalten, wie Männer“ soll sich auf die gleiche Arbeit beziehen, nicht auf weniger Lohn. Ich bin überrascht, dass das den Als/wie-Nörgler/innen hier nicht als Möglichkeit in den Sinn gekommen ist.“

    Nein, nein, Herr Stefanowitsch, da ist Ihnen mal was danebengegangen. Diese Möglichkeit kann einem hier gar nicht in den Sinn kommen, außer man nimmt, an, daß der Schreiber halt einfach ganz und gar nicht schreiben kann. Darauf kommt man aber bei Ihnen nicht so leicht.

    „Selbst, wenn es sich auf weniger Lohn beziehen würde, wäre es aber kein „Fehler“, es wäre eine dialektale Variante.“
    Das ist möglich, aber es kommt mir sehr nachgeschoben vor. Natürlich darf, ja sollte ein Sprachwissenschaftler wie jeder Mensch Dialekt sprechen, aber er darf die dialektale Variante nur dann in einen hochdeutschen Text einfügen, wenn’s paßt, sonst ist es ein Stilbruch, ich ich kann mir nicht vorstellen, daß sie das in diesem Fall nicht merken.

    Noch was. Anders als Herr/Frau Hergen will ich gerne als Sprachnörgler dastehen; ich möchte Sie fragen, ob Ihnen, als sie das Wort hier eingeführt haben, die literarische Herkunft von „Nörgler“ bewußt war, und wenn, was dann ihre Absicht gewesen ist.

  36. als wie

    [quote]das wie im Satz „dass Frauen oft weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhalten, wie Männer“ soll sich auf die gleiche Arbeit beziehen, nicht auf weniger Lohn.[/quote]

    Das verwirrt mich nun vollends. Was soll denn der Satz dann noch bedeuten?

    Dass Frauen weniger Lohn für die gleiche Arbeit bekommen als/wie Männer, leuchtet mir noch ein. Aber dass sich der Satz, dass Frauen weniger Lohn bekommen, wenn sie die gleiche Arbeit wie Männer leisten, dergestalt verkürzen ließe, scheint mir nicht einfach so annehmbar.

    [quote]Selbst, wenn es sich auf weniger Lohn beziehen würde, wäre es aber kein „Fehler“, es wäre eine dialektale Variante. [/quote]

    Ist das so? Es würde mich tatsächlich interessieren, ob die seit langer Zeit anhaltende Verdrängung von ‚als‘ durch ‚wie‘ in der deutschen Sprache von einem oder auch mehreren Zentren – also Dialekten – ausgeht oder ob es sich nicht vielmehr – so mein Eindruck – um ein Phänomen handelt, dass sich auf breiter Basis und ohne lokale Schwerpunkte Bahn bricht.

  37. @Dirk Geßner

    Tipp für’s nächste Mal: HTML Tags statt BBCode. Für Zitat also ‚blockquote‘ in einfachen spitzen Klammern.

  38. ad Ludwig Trepl

    Ich will ehrlich sein: habe mich über das zuvor Gelesene lustig gemacht. Also gar nicht mal so interessant.

    ps, bzw. btw: Tolles Linguotop. Gestern erst entdeckt. Und der Beschicker hat einen schmachtschönen Namen. Damit kann man alles werden. /rss

  39. Problematisches Denglisch

    Ich bin auch so ein Denglischbenörgler. Im Prinzip stören mich auch Denkfaulheit und Angebertum, aber ich freue mich 2 Fragen loszuwerden, die ich nie loswerde, weil sich öffentlich fast niemand zum Denglisch bekennt.

    Und zwar: Wie bilde ich Vergangenheitsformen, wie dekliniere ich denglisch, wie beuge ich Verben (heißt das so – weder kann ich Latein, noch gefällt mir das Wort ‚beugen‘ – aber gut), und überhaupt die Schreibung. Ich will mich gleich ins Konkrete flüchten, zu Beispielen. Nicht ‚gedownloadet‘ oder ‚downgeloadet‘ – das hat man schon allenthalben gehört, aber nehmen wir den „Equal Pay Day“, Tag des gleichen Lohns. Ja, ja – nicht gerechten Lohn, dass Frauen weniger verdienen ist nur gerecht, weil … – usw. Nein, gleicher Lohn, nicht gerechter Lohn wird verlangt.

    Aber es soll ja nicht um den Inhalt, sondern die Sprache gehen. Den Tag des gleichen Lohns würde man doch so schreiben, wie ich eben, wie den Tag des Baumes, den Tag der Arbeit – Substantive groß, den Rest klein.

    Aber der Equal Pay Day wird in Deppenleerzeichenschreibweise geschrieben? Wieso? Wieso nicht ‚equal Pay Day‘ – als wäre es Deutsch? Oder als Eigenname ‚Equal-Pay-Day‘ mit Bindestrichen? Oder ‚do as the Romans do‘ ‚equal pay day‘ – ist ja Englisch!

    Bei „Wellness für die Männerseele, Marriage Weaks und Whoreship Summerpartys“ fällt mir nicht mehr viel ein – würde man ‚for the masculine soul‘ schreiben, so bliebe ‚und‘ als einziges, deutsches Wort übrig – wozu überhaupt noch Deutsch sprechen und schreiben? Und von da zu der Frage, wie man mit dem amerikanischen Apostroph umgehen soll, für dass es ja andere Regeln gibt, als bei uns. Susi’s Imbi’s ist ja dort richtig – bis auf den Imbis, also mit der Ausrede „Anglizism'“ müßte man da alles erdulden.

    Heißt es nun eigentlich Summerpartys oder Summerparties oder summer parties?

    Schreibt man wirklich ‚Businesstalks über soft und hard skills‘? Ich lese da unwillkürlich ein ’stalks‘ und erwarte entweder ’soft und hard Skills‘ oder ‚Soft- und Hardskills‘, aber ‚Businesstalks zusammengeschrieben als ein Wort, und die Skills getrennt – das ist doch willkürlich und wirkt, wie man es macht falsch – entweder deutsch-falsch, oder englisch-falsch, oder gar doppeltfalsch.

    Die Sprache muss leicht gelesen werden können, denn was einmal geschrieben wird, wird i.d.R. oft gelesen. Nicht das Schreiben muss einfach sein.

    Und kommen wir zu den Geschlechtern. Die Amis haben sowas ja nicht – dort ist ja alles Unisex. Der doitsche Tannenbaum, alias die Tanne, als Baum, der Baum, the tree, the fir tree. Ist es nun der tree, aber die fir tree? Wonach gehts? Nach Nase? Nach der dt. Form, die nicht eindeutig im Geschlecht sein muss (the shop => der Laden, das Geschäft) oder nach dem Klang? Ich spreche jahrelang davon meine Mail zu lesen, und dann kommt jmd. und fragt mich, ob ich den Mail gekriegt hab. Den Mail? Aber wieso – was ist right und was ist wrong?

    Bei mouse drängt sich ein ‚die‘ natürlich auf, und gesprochen hört man eh nicht, ob jmd. Maus oder mouse sagt. Ich kaufe ja seit langem nur noch optische Scrollmäuse, und tendiere fast dazu, diese ein wenig einzudeutschen, zu Skrollmäusen. Interessanterweise habe ich von scroll mouses noch nichts gehört – obwohl solche Pluralbildungen ja kein Hexenwerk sind – derlei lernt man im ersten Jahr Englisch.

    Also, ich erhoffe mir hier ein wenig Aufklärung. Bis dahin trickse ich mich weiter mit meinem plain old german durch, garniert mit österreichischen Anleihen wie der schönen Stromgittarre, die man niemandem erklären muss, oder dem Bank-o-mat, eine ganz besonders possierliche Neuschöpfung.

    Halt – mir fällt noch ein gutes Beispiel ein: Queue: die Queue/der Queue/das Queue? Im dt. vom Billard eingedeutsch: der Billardqueue (weil: der Stock?). Aber als LiFo-Datenstruktur – die (Warte-)schlange – eine Queue. Oder das Queue, als Kompromiß?

    Der Erklärungen harrend voll Zuversicht,

  40. Sprachfortschritt

    „Aber der Equal Pay Day wird in Deppenleerzeichenschreibweise geschrieben? Wieso? Wieso nicht ‚equal Pay Day‘ – als wäre es Deutsch? Oder als Eigenname ‚Equal-Pay-Day‘ mit Bindestrichen?“

    Entweder pay day, und das am besten kursiv, denn das ist englisch. Oder, wenn groß geschrieben, mit Bindestrichen. Die sind unumgänglich, weil das Deutsche sonst die Betonung von „Day“ verlangt, und das ändert den Sinn vollkommen.

    Im Übrigen scheint mir die Aufgabe sehr oft einfach nicht lösbar, und dann ist das englische Wort, wenn nicht eigens als solches gekennzeichnet (etwa durch Kleinschreibung) in einem deutschen Text nicht möglich. Es ist ein Fehler so lange, bis „keiner“ ihn mehr bemerkt, dann ist es nicht nur als Wort, sondern mitsamt seiner Grammatik eingebürgert. Aber das erleben wir wohl alle nicht mehr. Darum muß man die Leute minderer Sprachkompetenz ihr segensreiches, den Sprachwandel förderndes Werk unter dem berechtigten Gelächter der anderen verrichten lassen, in der Hoffnung auf Lohn in ferner Zukunft. Die Welt ist halt kompliziert.

  41. Schreiben sie es wie einen Eigennamen ‚Equal Pay Day‘; wir schreiben ja auch nicht Ludwig-Trepl.

    Ansonsten empfehle ich: schreiben Sie nur das, was sie kennen. Zwingt Sie ja niemand, englische, lateinische, altgriechische, französische, italienische, indische, chinesische, japanische, Bantu [irgendjemand nie Idee für das Adjektiv?], amerikanische, spanische … meine Güte, Sie müssen nicht mal deutsche Wörter benutzen, wenn Sie keine Ahnung haben, was sie bedeuten oder wie sie sich schreiben, beugen lassen, ausgesprochen werden.

    Ist das denn so schwer zu verstehen?

  42. Problematisches Denglisch

    Ansonsten empfehle ich: schreiben Sie nur das, was sie kennen.
    […]
    Ist das denn so schwer zu verstehen?

    So wie Sie? Ich schreibe jedenfalls nicht, dass dieses Jahr der Tag Der Arbeit auf einen Sonntag gefallen sei, aber ich erkenne den faulen Trick: Man erklärt jeden Anglizismus zum Eigennamen – die ‚Rule Of Least Surprise‘ wird dann zum Eigennamen für die Regel der kleinsten Überraschung, die aus welchen Gründen auch immer auf Deutsch keinen Eigennamen hat, und ‚Soft Skills‘ werden auch zum Eigennamen – wie es sich mit den Geschlechtern verhällt, vor dieser Antwort wurde sich auch gedrückt, aber mit ’schreiben Sie nur was Sie kennen‘ naseweis Ignoranz demonstriert.

    Ich bedanke mich für die konstruktive Teilnahme. Ich meine – wenn Sie es auch nicht wissen, dann können wir uns ja darauf einigen, es beide nicht mehr zu verwenden, was ja der Inhalt meiner Argumentation ist.

    Wenn Sie es aber wissen, und sich nicht schämen, dann erzählen Sie doch einfach, wie es geht.

  43. @Stefan Wagner

    Da helfe ich doch als bekennender „Sprachhunzer“ gern aus:
    Grundsätzlich finde ich die Frage „was ist right und was ist wrong?“ (nanu, Denglisch?) nicht angemessen. So wie ein Wort mehrere Bedeutungen haben kann, kann es meinethalben auch mehrere Schreibweisen, Geschlechter oder gar Konjugationsformen (Beugungs~) haben (forgewardet, geforwardet).

    1. Grammatisches Geschlecht (Genus):
    Meistens wird in der Tat das Geschlecht des entspr. deutschen Worts verwendet: die Post -> die Mail. Kein Problem. Wenn sich keine wörtliche Übersetzung anbietet, z.B. beim Shuttle, ist das Genus m.E. völlig egal, denn die Unterscheidung ist abseits des biologischen Geschlechts für nichts gut. Sie können der / die / das Shuttle sagen – man wird Sie verstehen. Ich als Nordlicht verstehe ja auch einen Bayern, welcher ‚der Butter‘ und ‚der Radio‘ sagt. Wieder kein Problem.

    Mit der Zeit bilden sich allerdings, wodurch auch immer, Präferenzen heraus. Ich höre am häufigsten ‚das Shuttle‘. Beim Billiard hat sich m.E. ‚das Queue‘ (franz. Ausssprache) durchgesetzt, während man in der IT meistens ‚die Queue‘ (engl. Ausssprache) sagt, vgl. die Warteschlange.

    2. Zusammengesetzte Wörter
    Ach ja, das Deppen Leer Zeichen. Grundsätzliches zu zusammengesetzen Wörtern gibt es z.B. hier und auch im Bremer Sprachblog, aber da ist gerade der Server down (hoffentlich nicht für immer!?!).

    In einem Punkt gebe ich Ihnen völlig recht:

    Die Sprache muss leicht gelesen werden können

    Aber sie lesen doch nicht Zeichen für Zeichen und auch nicht Wort für Wort i.S.v. durch Leerzeichen begrenzte Buchstabenfolge. Sie erfassen doch Wortgruppen oder ganze Satzteile. Deshalb ist der Equal Pay Day höchstens beim allerersten Lesen ein Stolperstein. Bloß: Beim Gleichbezahlungstag wäre dies nicht anders.
    Die Großschreibung des Adjektivs ist m.E. ebenfalls OK, denn es ist ein feststehender Begriff wie das Rote Kreuz. Andernfalls wäre equal Pay Day auch kein Problem.

    Wenn Sie über etwas nörgeln wollen, das den Lesefluss wirklich hemmt: Nörgeln Sie über völlig unmotiviert, gesetzte Kommata! 😉

    3. Deppen Apostroph:

    Susi’s Imbi’s ist ja dort richtig

    Nein, ist es nicht. Imbi’s macht hier keinen Sinn, wie Sie ja auch eingestehen. Ob man im Deutschen Herrn Kaisers Versicherung oder Herrn Kaiser’s Versicherung bezahlt, ist ebenso egal wie die Versicherung oder das Versicherung. Die Information ist dieselbe. Aber: Was machen Sie, wenn der Mann Kaisers heißt? Herrn Kaisers Versicherung – warum sollte dieser Apostroph weniger deppenhaft sein?

    Weiteres zu diesen Themen, auch zur Beugung, finden Sie hier, 5. Denglisch ist nicht ‚undeutscher‘ ….

    Fazit: Ob Summer Parties oder Sommerpartys, das Problem oder der Problem: Ungewohntes muss nicht‘ falsch‘ sein. Denglisch ist nur dann ein Problem, wenn man sich einen [sic] daraus macht. Wie schön für die Sprachnörgler, dass sie anscheinend keine wirklichen Probleme haben.

  44. Korrekt

    Der sonst so überkorrekte Autor sei darauf hingewiesen, dass es schon seit Jahren keine „Bundesanstalt für Arbeit“ mehr gibt.

  45. Danke fürs Editieren …

    … meines vorigen Posts.

    Nachtrag zum Thema ‚zusammengesetzte Wörter‘ bzw. ‚Deppenleerzeichen‘:
    Presseschau:

    Das Englische, zum Beispiel, schreibt zusammengesetzte Wörter im Allgemeinen auseinander. Aber das wäre dann eine relativ oberflächliche Eigenheit der deutschen Rechtschreibung — mit der Sprache an sich hat das wenig zu tun und mit Sicherheit macht es das Deutsche nicht „vielseitiger“.

    Kompositumspatriotismus

    Eigentlich ist zu Denglisch, Dummdeutsch, Sprachverfall längst alles gesagt / geschrieben – man muss es nur mal lesen, idealerweise unvoreingenommen.

  46. Dierk kein Betreff

    „Schreiben sie es wie einen Eigennamen ‚Equal Pay Day‘; wir schreiben ja auch nicht Ludwig-Trepl.“
    Ja, das ist zumindest ein großer Teil des Problems. Getrennt geschrieben wird etwas zu einem Eigennamen, was keiner sein soll. Equal Pay Day könnte allerdings in der Tat einer sein. Meist aber geht die Getrenntschreibung nicht, weil sich der Sinn ändert. Der Adenauer-Platz ist ein nach dem Politiker Adenauer benannter Platz, der Adenauer Platz dagegen ist nach dem Städtchen Adenau benannt.

    „Ansonsten empfehle ich: schreiben Sie nur das, was sie kennen. Zwingt Sie ja niemand, englische, lateinische, ….
    Ist das denn so schwer zu verstehen?
    Das nicht, aber was Sie mir damit sagen wollen, verstehe ich nicht. Habe ich irgendetwas geschrieben, worauf das eine Antwort ist?

  47. @Michael Allers Danke fürs Editieren …

    „Eigentlich ist zu Denglisch, Dummdeutsch, Sprachverfall längst alles gesagt / geschrieben – man muss es nur mal lesen, idealerweise unvoreingenommen“
    Sie meinen: zur Verteidigung von Denglisch usw.?
    Dann wundere ich mich, warum Sie immer noch so eifrig darüber schreiben. Ich vermute: Sie wissen es besser. Selbst zur Verteidigung, für die sich ja nicht viel vorbringen läßt, ist noch lange nicht alles gesagt. Es läßt sich zu Dingen dieser Art nämlich immer unendlich viel sagen.

  48. @Ludwig Trepl

    OK, mein Fehler. Es ist nicht alles, aber doch vieles oder sogar das meiste gesagt.

    Und ich meine nicht speziell „zur Verteidigung von Denglisch“, sondern grundsätzlich zur Funktion von Sprache, zum sog. Sprachverfall und darüber, ob sie ein paar Sprachnörglern „gehört“, die nach ihrem Gusto bestimmen wollen, was falsch und was richtig ist.
    Siehe das Motto dieses Blogs (Header).

  49. @Ludwig Trepl

    Die Antwort bezog sich, wie jeder, der hier liest hätte erkennen können, an Stefan Wagner; ihr Name diente nur als Beispiel wg. der Bindestrichnummer.

    Ansonsten habe ich mit dem Ihnen unverständlichen Absatz genau das gemeint, was ich geschrieben habe. Wer meint, er Fremd- und Lehnwörter sowie Neuschöpfungen seien zu vermeiden, solle dies tun. Aber halt nicht zur allgemeingültigen Regel erklären.

  50. @Dierk @Ludwig Trepl

    „Wer meint, er Fremd- und Lehnwörter sowie Neuschöpfungen seien zu vermeiden, solle dies tun. Aber halt nicht zur allgemeingültigen Regel erklären.“
    Mach‘ ich das denn? Nichts benutze ich lieber als Fremd- und Lehnwörter und zwar nicht Neuschöpfungen an sich, aber doch schöne Neuschöpfungen sind mir eine Freude. Ich wollte ja nur wissen, ob das dieser Vorwurf sich an mich richtet und wenn ja, warum.

  51. Immer wieder schön!

    Es tut einfach immer wieder gut, die Blogs hier zu lesen, etwas zu kichern und zu wissen, dass man nicht der einzige Mensch mit Hirn ist!

    Danke! Danke! Danke!
    An den Blog und auch an die Bundesanstalt für Arbiet!

  52. Korrektur

    Oja, auch ich habe den Begriff „Bundesanstalt für Arbeit“ benutzt, in Referenz an die Quellangabe „Pressemeldung der Bundesanstalt für Arbeit“. Sorry.

  53. Auch Narren sind Menschen

    Ich lese eigentlich gern Beiträge über Sprache(n) und deren Verwendung, Entwicklung usw. Und da ich mich weder als eifernden „Sprachpanscher“ noch ebensolchen „Sprachnörgler“ sehe, erregen womöglich dank meiner einigermaßen unvoreingenommenen Herangehensweise Unsitten meine Aufmerksamkeit, die Vertreter der widerstreitenden Überzeugungen und somit Betroffene nicht für erwähnenswert halten. So frage ich mich bspw., ob es wohl möglich ist, in einem Text seinen Standpunkt spritzig und griffig darzulegen und auch auf den Gegner (Feind trifft es wohl eher) einzugehen, OHNE in Turnschuh-Polemik zu verfallen? Wenn ich das an einigen Beispielen aus diesem Blog-Beitrag veranschaulichen darf… ich übergehe ja noch die wiedeholten (zum Teil zugegebenermaßen originellen) Verunstaltungen eines gewissen Vereinsnamens. Aber wenn ich als neutraler und/aber kritischer Leser eine Aussage vor den Latz geknallt bekomme wie „parasitär von der Medienpräsenz bekannter Mitmenschen zu profitieren“, drängt sich mir die Frage auf, von wem der Verfasser in ebenso parasitärer Weise profitiert?! Mir, der hier noch nicht einmal alle Artikel gelesen hat, fallen spontan der Herr Busch und der VdS ein – und dazu noch Pseudo-Zitate biblischer Herkunft, in denen von Splittern, Balken, Sünden und Steinen die Rede ist. Hat es leider, leider auch der Verfasser dieser streckenweise wirklich geistreichen Texte nötig oder ist einfach nur die Versuchung zu groß, die Gegenseite als nur aus Vollidioten bestehend hinzustellen, denen jeglicher Sachverstand abgeht, um sich selbst zu erhöhen? So wenig Vertrauen in die Kraft Ihrer Argumente, Herr Stefanowitsch?

    Naja, vielleicht bin ich auch einfach nur zu zart besaitet. Zudem betrifft meine Kritik auch eher die Form als den Inhalt, so daß ich trotzdem einige Anregungen und Denkanstöße aus diesem Blog mitnehmen kann – auch für den Sprachgebrauch auf meiner eigenen Homepätsch.

  54. Auch Narren sind Menschen, …

    … und auch mit Narren oder Menschen anderer Meinung sollte man eigentlich höflich umgehen. Aber:

    1. Es geht hier nicht um Meinungen, sondern von A.S. in jedem Fall glasklar nachgewiesene falsche Tatsachenbehauptungen; da fehlt in der Tat auf Seiten der Sprachnörgler jeglicher Sachverstand, von gedanklicher Konsequenz ganz zu schweigen.
    Es ist ja nicht schlimm, wenn man von etwas keine Ahnung hat. Aber dann sollte man gem. Dieter Nuhr „Einfach mal die Klappe halten“ und sich über die Materie informieren, anstatt die mediale Öffentlichkeit mit Falschaussagen über Public Viewing usw. zu überschwemmen.

    2. Die Verunglimpfung Andersdenkender geht in diesem Fall ganz klar von den Sprachnörglern aus. Die Frage nach der Henne und dem Ei stellt sich hier nicht. Der VDS wurde 1997 gegründet, lange vor diesem und auch dem Vorgänger-Blog.

    Wenn es Ihnen nichts ausmacht, sich als „anglomaner Schwätzer“, „amerikahörig“ und deshalb (!) „fremdenfeindlich“ sowie als „roher Sprachverderber“ bezeichnen zu lassen, der sich einer „Schimpansensprache“ bedient – schön für Sie.
    (Für entspr. Links fehlt mir gerade die Zeit; Sie können diese aber gern von mir bekommen).

    Gegenüber solch plumpen Beschimpfungen sind jedenfalls die witzigen, intelligenten und auf seriöser Forschungsarbeit beruhenden Sticheleien von A.S. eine wahre Wohltat.

    … „parasitär von der Medienpräsenz bekannter Mitmenschen zu profitieren“, … drängt sich mir die Frage auf, von wem der Verfasser in ebenso parasitärer Weise profitiert?!

    Mir auch. Welcher Politiker, welcher sonstige Promimente lässt sich denn vor den Karren dieses Blogs spannen?

  55. Pünktlich zum Mittagessen: Henne oder Ei

    Herr Allers, die Frage, wer angefangen hat, ist eine eher historische. Für Gegenwart und Zukunft und auch für „die Sache selbst“ bedeutender scheint mir die Frage zu sein, wer aufhört. Hühnchenfrikassee oder Rührei?

    Aber wenn ich bedenke, daß mich die Anfeindungen seitens des VdS nicht (be)treffen, gebe ich Ihnen Recht, daß mein Vorwurf in dem Sinne unfair ist, daß man als Betroffener nicht unablässig noch die andere Wange hinhalten kann. Nur: Den in meinem letzten Kommentar angebrachten Vorwurf, aber auch die gerade vorgenommene Einschränkung desselben richte ich genauso an die Gegenseite.

    Darüber hinaus werden Sie zugeben müssen, daß Bezeichnungen wie „plump“ oder „witzig“ in hohem Maße subjektiven Maßstäben unterliegen.

    In Sachen Karren ist Ihnen ein kleiner logischer Fehler unterlaufen, glaube ich. Ich fragte ja nicht, wer sich (freiwillig) vor irgendeinen Karren spannen läßt, sondern wer (unfreiwillig) vor einen Karren gespannt wird! Dort die vom VdS zu Sprachpanschern erklärten Menschen und Einrichtungen, hier halt bspw. der VdS und Herr Busch.

  56. @André

    Für Gegenwart und Zukunft und auch für „die Sache selbst“ bedeutender scheint mir die Frage zu sein, wer aufhört. Hühnchenfrikassee oder Rührei?

    Soweit einverstanden, schon wegen der überaus gelungenen Metapher. 🙂
    Aber was geschieht, wenn eine der beiden Fraktionen aufhört (d.h. die Linguisten, denn die Sprachnörgler werden das nicht tun)? Die andere macht weiter und beeinflusst die Volksmeinung völlig ungehindert.

    Ein paar seriöse Linguisten-Blogs symbolisieren eh nur das von unbeugsamen Wahrheitssuchenden bevölkerte Dorf inmitten einer von VDS-Römern besetzten / unterwanderten Medienlandschaft.

    Aufhören darf der Widerstand gegen die sprachliche (und politische) Volksverdummung also nicht. Zurück zur Frage der Mittel:

    Darüber hinaus werden Sie zugeben müssen, daß Bezeichnungen wie „plump“ oder „witzig“ in hohem Maße subjektiven Maßstäben unterliegen.

    Jein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass „roher Sprachpanscher“ schon nicht witzig gemeint ist und erst recht von niemandem so verstanden wird. Dagegen stehen gelungene Wortspiele wie „die Fanatischen Vier“. Ohne die Möglichkeit einer empirischen Untersuchung kann ich nur behaupten, dass der zweite Begriff mehr Lacher erzielen wird.

    Will sagen: Wenn das SPRACHLOG nur aus einer endlosen, streng wissenschaftlichen Aneinanderreihung von ‚-emen‘ bestünde, würde ich es als Nicht-Linguist nicht lesen. Ich denke, viele lesen es, weil es linguistische Methodik auch für Laien nachvollziehbar macht, und weil man sich bestens unterhalten fühlt. Das ist gelungenes Infotainment – m.E. überhaupt nichts Negatives!

    Ich fragte ja nicht, wer sich (freiwillig) vor irgendeinen Karren spannen läßt, sondern wer (unfreiwillig) vor einen Karren gespannt wird! Dort die vom VdS zu Sprachpanschern erklärten Menschen und Einrichtungen, hier halt bspw. der VdS und Herr Busch.

    1. ist die EKD wohl wesentlicher bekannter als der VDS, und Hrn. Busch kannte ich im ggs. zu Hrn. Obermann bisher überhaupt nicht.

    2. muss man natürlich Ross und Reiter nennen; das gebietet schon die wissenschaftliche Seriosität. Ich sehe jedoch nicht, dass hier Name Dropping für mehr Google-Hits betrieben wird.

    Die Sprachnörgler hingegen spannen Prominente dadurch vor ihren Karren, dass sie deren Verquickung in die weltweite Verschwörung zum Untergang der deutschen Kultur an den Haaren herbeikonstruieren.

    Fazit: Sprachnörgler sachlich-argumentativ überzeugen zu wollen, ist ungefähr so aussichtsreich wie eine Litfaßsäule zum Buddhismus zu bekehren. Aber ein bisschen dagegenhalten sollte man schon. Wenn das in informativer und amüsanter Form geschieht – umso besser!

  57. Beleidigung des Souveräns

    Die Überschrift der Presseerklärung ist vielleicht „geistreich“, jedenfalls ist sie sehr gewagt.

    Der VDS hat also danebengeschossen (kann jedem mal passieren). Er hätte eben besser schießen sollen, und zwar auf den richtigen „Hund“, nämlich den Gesetzgeber, den Volksvertreter, den Souverän. Früher wäre das allerdings Majestätsbeleidigung gewesen.

    Die arme BA muß also zu ihrem Leidwesen das schreckliche Wort „Jobcenter“ benutzen, nur weil der Souverän es so wollte.

    Dabei ist die BA ja sprachlich so sensibel, daß sie sich nicht nur „kritisch“, sondern – man höre und staune – sogar „selbstkritisch“ mit der eigenen Wortwahl „Businesstalks“ befaßt hat. Allerdings ist ihr, trotz intensivster Bemühungen (eines Praktikanten?), nichts anderes eingefallen als das offenkundig unzulängliche „Geschäftsgespräche“.

    „Wirtschaftsgespräche“, „Arbeitnehmergespräche“ (meinetwegen auch „ArbeitnehmerInnenGespräche“) oder „Arbeitsmarktgespräche“ wären aber vielleicht doch noch etwas treffender gewesen.

    Aber man kann ja nicht an alles denken, oder?

    Übigens sollte sich die BA auch mal Gedanken über eine einheitliche Schreibweise machen. In der Presseerklärung heißt es „Businesstalks“, im Jahresbericht „BusinessTalks“ und auf der besonderen Internetseite „Business Talks“.

  58. Unnötige und schädliche Polemik der BA

    In ihrer Presseerklärung rutscht die BA an einer Stelle in offene Polemik ab:

    Andere Anglizismen, in denen der Verein offenbar einen Untergang der Kultur sieht, …

    Das ist zunächst eine Unterstellung, die „der Verein“ vermutlich zurückweisen würde, falls er auf die Presseerklärung reagieren sollte, was er aber vermutlich nicht tun wird.

    Außerdem schadet sich die BA damit selbst, denn die Presseerklärung wirkt ja (abgesehen von der Überschrift) bei erstem Lesen sehr sachlich und überzeugend, was durch dieses Abgleiten in Polemik aber erheblich beeinträchtigt wird.

    Gerade deshalb habe ich die Erklärung ein zweites Mal und sorgfältiger gelesen. Seitdem erscheint sie mir sehr viel weniger überzeugend (s. meinen vorangehenden Beitrag).

    Jedenfalls gehört es nicht zu den Aufgaben einer nachgeordneten staatlichen Behörde, Vermutungen über die Auffassungen irgendeines Vereins anzustellen und sich dazu polemisch zu äußern.

    Es ist ein Gebot der Klugheit, sich in derartigen öffentlichen Erklärungen auf das absolut Notwendige zu beschränken, um öffentlichen Angriffen entgegenzutreten. Alles, was darüber hinausgeht, ist gefährlich, da es neue Angriffsflächen bieten kann.

    Die Leitung der BA hätte den Entwurf der Presseabteilung sorgfältiger und kritischer lesen sollen. Oder hat sie ihn gar nicht gelesen? Das wäre allerdings ein schwerer Führungsfehler.

  59. Danke,

    schön zu wissen, dass es noch andere Menschen gibt, denen dieser Verein gegen den Strich geht 🙂

  60. Sprache ist lebendig, wenn man sie lässt

    Größtenteils stimme ich zu. Ihren Satz,
    „Ein Sprachpanscher wäre er damit frühestens, wenn die Sprachgemeinschaft diese Produktnamen in den allgemeinen Sprachgebrauch übernähme, wofür es natürlich keinerlei Anzeichen gibt.“, kann ich aber nicht nachvollziehen.

    Was hat das Panschen mit dem allg. Sprachgebrauch zu tun?