Das Blog ist tot, es lebe der Blog

Mein Sprachgefühl sagt mir ohne jeden Zweifel: Es muss das Blog heißen. Natürlich höre und lese ich immer wieder auch die Maskulinform der Blog, sie klingt also vertraut, fühlt sich aber trotzdem falsch an. Auch für den Duden ist das Neutrum die dominante Form: das, auch: der Blog, erfährt man dort.

Nur liegen mein Sprachgefühl und der Duden da falsch: der Blog ist die dominante Form, nur eine Minderheit der deutschen Sprachgemeinschaft bevorzugt das Blog. Das zeigt zunächst eine (sicher nicht repräsentative) Umfrage, die ich gestern auf der Facebook-Seite des Sprachlog durchgeführt habe:

Genus von Blog

Diese Umfrage wird aber auch durch das Deutsche Referenzkorpus des Instituts für deutsche Sprache bestätigt. Ich habe in den in diesem Korpus enthaltenen deutschen und Schweizer Tageszeitungen nach allen Vorkommen von das Blog (eindeutig Neutrum) und der Blog bzw. den Blog (eindeutig Maskulinum) gesucht (die österreichischen Tageszeitungen enthielten insgesamt nur drei Treffer, ich habe sie deshalb nicht weiter berücksichtigt).

Das Ergebnis zeigt, dass in der Schweiz das Maskulinum der Normalfall ist: es gab nur einen einzigen Treffer für das Blog. Das ist im Prinzip bekannt, es dürfte vor allem die Leser/innen aus der Schweiz nicht überraschen. Aber auch in Deutschland ist das Maskulinum mit fast siebzig Prozent der Vorkommen klar die dominante Form:

Genus von Blog

Warum sagt mein Sprachgefühl mir etwas so völlig anderes? Nun, zunächst ist klar, dass Blog eine Abkürzung von Weblog ist, und darin ist das Wort log enthalten. Die deutsche Entsprechung Log(buch) ist ein Neutrum, und als das Wort (We)blog vor noch nicht allzulanger Zeit ins Deutsche entlehnt wurde, war es deshalb auch ein Neutrum. Eine nach Jahren aufgegliederte Suche in den deutschen Tageszeitungen im Deutschen Referenzkorpus zeigt, dass das Verhältnis Neutrum/Maskulinum sich über die Jahre tatsächlich vom Neutrum zum Maskulinum verschoben hat (die Rauten sind die tatsächlichen Werte, die ansteigende Linie ist die Regressionsgerade für diese Werte:

Genus von Blog

Mein Sprachgefühl hängt also schlicht in der ersten Hälfte der 2000er fest, in der ich zum ersten Mal mit Blogs in Berührung gekommen bin.

Aber woher kommt dieser Trend zum Maskulinum? Nun, die semantisch motivierte Genuswahl, bei der einem Lehnwort das Genus der deutschen Entsprechung (oder des am nächsten verwandten deutschen Wortes) verpasst wird, ist nur eine von zwei Strategien. Die andere ist phonologisch: Das Lehnwort erhält das Genus eines lautlich verwandten Wortes. (Tatsächlich ist die Genuswahl noch etwas komplexer, aber das ist ein Thema für einen eigenen Beitrag.) Das Wort Blog ist nun lautlich identisch mit dem Wort Block, beide werden [blɔk] ausgesprochen. Und Block ist ein Maskulinum. Je stärker die ursprüngliche semantische Verwandschaft zwischen Blog und Logbuch also in Vergessenheit gerät, desto mehr setzt sich die phonologisch motivierte Genuszuweisung durch. Dass diese Erklärung stimmt, zeigt sich auch daran, dass die Vollform Weblog noch dominant als Neutrum verwendet wird:

Genus von Blog

Interessant ist nun die Frage, ob sich beim Genus von Blog ein Effekt „gebildeter Sprache“ nachweisen lässt, so wie es beim Virus der Fall ist. Die Antwort lautet: eher nicht. Es gibt zwar sowohl in Google-Gruppen, die sich mit Computern befassen, als auch in WordPress-Foren eine etwas stärkere Tendenz zum Neutrum als in den Tageszeitungen, aber angesichts der relativ ungenauen Häufigkeiten, die Google für Suchergebnisse liefert, kann man diese kaum als signifikant betrachten:

Genus von Blog

Die digital gebildeteren Experten in diesen Gruppen und Foren bevorzugen also, ebenso wie der Rest der Sprachgemeinschaft, die Form der Blog.

Mir, und allen anderen, für die es das Blog heißen muss, sage ich deshalb: Der Kampf ist vorbei. Das Maskulinum hat gewonnen. Auf dem Neutrum zu beharren, wird bald ebensoviel Charme haben, wie die Behauptung, dass Busen „eigentlich“ das „Tal zwischen den Brüsten“ bezeichnet.

Sprachgefühl hin oder her, man muss wissen, wann es Zeit ist, aufzugeben.

[P.S. An die Scilogs-Technik: Ich möchte trotzdem, dass es oben rechts auf der Seite weiterhin „Über das Blog“ heißt, und nicht „Über diesen Blog“, wie es einige der offensichtlich besser auf den Sprachgeist eingestellten Mitblogger/innen hier halten. Schließlich heißt mein Blog Sprachlog ohne b, und das ist auf jeden Fall ein Neutrum.]

Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

126 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dieser Artikel ist für mich persönlich eine große Enttäuschung und es überrascht mich, dass sie von einem Autor kommt, dem ich in Sachen Sprache bisher sehr viel Sachkenntnis attestierte. Es hieß von Anfang an „das Blog“. Dazu braucht man nur mal diejenigen zu befragen, die nicht erst 2007 mit dem Bloggen angefangen haben, und die es auch heute noch richtig machen. Die Der-Blog-sager kamen danach und liegen durch die Bank falsch. Dass es immer mehr werden, die den falschen Artikel verwenden, macht ihn auch nicht richtiger.

  2. Aussprache

    Werden Blog und Block tatsächlich identisch ausgesprochen? Ich hätte jetzt – bin da allerdings eher unfeinfühlig – behauptet, dass das Blog hinten „weicher“ ausklingt, mit einem Hauch von Hauch, während der Block rapiat endet.

    (Und natürlich „das Blog“ ;-))

  3. Das Log klingt aber für meine österreichischen Ohren auch befremdlich…
    Wäre interessant, ob man das noh regionaler einschränken könnte. Hinkender Vergleich, aber kenne das von einer Supermarktkette in Ö die in der Verbreitung auch ca 25J alt ist, in einigen Regionen wird fällt diese ins Neutrum.
    Mit ähnlich meine ich: relativ abstrakter Begriff (sowohl Log als auch Blog haben keine geläufige 1:1 Übersetzung) & ca gleich jung.

  4. der die das

    Ich blogge seit einem Jahr und habe mich ganz zu Anfang davon überzeugen lassen, dass es DAS Blog heißen muss / aus dem im Artikel erläuterten Grund), auch wenn es vom umgangssprachlichen Gefühl her Der Blog heißt. Mir ist allerdings noch nie jemand begegnet, der das wusste… ;( Tja, was nun, sollen wir Experten aufgeben? Noch nicht – ich weigere mich auch immer noch „wegen dem Dativ“ anzuerkennen… 😉

  5. Wieder mal – Sprachwandel

    @Markus
    Mir widerstrebt es auch zutiefst, meinem Blog ein „der“ zu spendieren, doch Sprachwandel passiert und lässt sich sicherlich auch nicht aufhalten.
    Durch die permanente Verbesserung der Mitmenschen wie im Falle von Schraubendreher oder Glühlampe kann man zwar zeigen, dass man es besser weiß, nur Freunde macht man sich damit nicht. Dann statt Blog besser Log und niemand würde sich mit „der Captains Log“ auf die Straße trauen.

    @Till
    Aufgrund der Auslautverhärtung m Deutschen sind Blog und Block tatsächlich gleich. Allerdings schlägt bei dir der „feine englische Unterschied“ durch, denn da gibt es sie nicht, die Auslautverhärtung.

  6. @markus

    wieder ein fall von „ich beanspruche die deutungshoheit über die welt, weil ich schon von anfang an dabei war“…

    mein tipp: get over it!

  7. Nicht sehr überzeugend

    Wenn die Häufigkeit des Vorkommens für die Richtigkeit ausschlaggebend wäre, dann müssten wir ab sofort auch „Standart“ und „Gallerie“ schreiben.

  8. Was aufgeben?

    „Sprachgefühl hin oder her, man muss wissen, wann es Zeit ist, aufzugeben.“

    Was soll man den aufgeben, sein eigenes Sprachgefühl etwa? Was mache ich, wenn „der Blog“ einfach immer zu einem Knoten im Kopf führt, egal wie oft ich es lese?

  9. .

    @ Andrea: Sie verwechseln hier Grammatik (eine sehr tiefgreifende, in kognitiven Prozessen verankerte Eigenschaft von Sprache) mit Orthografie (einer sehr oberflächlichen, per Gesetz beliebig festlegbaren Eigenschaft von Sprache).

    @ DrNI: Jeden Tag hundertmal vor sich hin sagen.

  10. Über das Blog

    Den letzten Absatz kapier ich jetzt aber nicht. Herr Stefanowitsch hält die maskuline Form jetzt für angesagter, will aber „Über das Blog“, weil dahinter eine weibliches Wort steckt? Man sagt doch auch nicht „Über die Mädchen“.

  11. Österreich?

    Ja, werden denn in Österreich keine Zeitungen gedruckt? Spricht man in Österreich kein Deutsch? Oder hätte das am Ende gar die schöne Statistik verhunzt? Fragt ein besorgter Ösi-Freund aus der Schweiz.

  12. Genuswahl

    Die andere ist phonologisch: Das Lehnwort erhält das Genus eines lautlich verwandten Wortes. (Tatsächlich ist die Genuswahl noch etwas komplexer, aber das ist ein Thema für einen eigenen Beitrag.)

    … da bin ich schon mal sehr gespannt drauf! 🙂

    P.S.: Das Blog, aber was verstehe ich da schon von…

  13. @ A. S.

    Ich möchte trotzdem, dass es oben rechts auf der Seite weiterhin „Über das Blog“ heißt, und nicht „Über diesen Blog“, wie es einige der offensichtlich besser auf den Sprachgeist eingestellten Mitblogger/innen hier halten.

    Wie es der Zufall will, gestern habe ich das geändert, denn die Blogger haben darauf keinen Einfluß. Bei den Chronologs und bei den Kosmologs stand oben rechts „diesen Blog“, aber wie schon geschrieben seit gestern nicht mehr. Der kleine Fehler ist mir beim Relaunch passiert. Nun ist es überall einheitlich.

    Ich habe bisher noch nicht die Absicht aus „das Blog“ „der Blog“ zu machen. Vielleicht diskutieren wir nächstes Jahr in Deidesheim stundenlang drüber. 😉

  14. Zum P.S. („Über das Blog“)

    Deswegen sollte man auch „Über diesen Zeitung“ schreiben, wenn man z.B. den General-Anzeiger meint, weil dessen Name ja schließlich ein Maskulinum ist.

  15. .

    @ anderer Daniel a) Ich halte die Form nicht für angesagter, ich beweise, dass sie angesagter ist.

    b) Ich will hier weiterhin „das Blog“ stehen haben, weil es für mich ein Neutrum (also eine sächliche) Form ist, genau wie Sprachlog. Woher Sie die Idee mit dem „weiblichen“ Wort nehmen, weiß ich nicht.

    c) Was Mädchen betrifft, das ist ein Neutrum, das ein weibliches Wesen bezeichnet. Verwechseln Sie nicht grammatisches und natürliches Geschlecht!

    @ ke: Bei Zeitung gibt es eben keine grammatische Variation, die man diesbezüglich ausbeuten könnte.

  16. Männerdomäne

    Und dann verlinkt man auf diesen Text via Twitter und was machen die ersten Retweets draus?

    Der Blog > das Blog http://j.mp/rqkx2B Surprise, die Männerdomäne Internet steckt ihr Revier ab Link via @pulegon

    Ich ärgere mich gerade.

  17. It’s complicated …

    Wurde genau definiert, was gemeint ist? Einige Leute (wie viele?) scheinen mit „der Blog“ gar nicht „das Blog“ als Textsammlung, sondern nur einen einzelnen „Blogeintrag“ darin zu bezeichnen.

    Mich würde interessieren, ob das einen Einfluss auf die Antworten hatte.

  18. *seufz*

    Ich habe nie bei «Blog» and «Block» gedacht, mir wollte das neulich schon mal jemand in dem Zusammenhang meiner geäußerten Frustration über «der Blog» über die Schiene erklären. Aber was hat Block mit Blog zu tun? Ich kann das Weblog nachvollziehen, auch das Tagebuch, das Logfile – ich kann nur nie und nirgendwo erkennen, wo da in der Begrifflichkeit der Übersetzung jemals ein männlicher Artikel irgendwo Pate gestanden hätte.

    Egal, ich bleibe weiter bei das Blog, ich differenziere weiterhin Busen von Brüsten und ich fliege auch weiterhin im Flugzeug, vom Flieger gesteuert.

  19. Wie meinen? Der „Kampf“ ist verloren?

    Anatol, bitte! Es ist dem umsichtigen und besonders einsichtigen Menschenverstand geschuldet, daß man erkennt, daß es hier in Wahrheit nichts zu „kämpfen“ gibt, sondern daß es nunmal, wie Du ja selbst sagtest, DAS Blog heisst – einfach weil es den Regeln der deutschen Sprache geschuldet ist.

    So sehr, die Erde nicht wieder zu einer Scheibe wird, so sehr bleibt „das Blog“ auch „das Blog“. Da können die Leute sich meinetwegen auf die Wimpern stellen.

    So einfach ist das! :3

  20. Sie haben gezeigt, dass es bislang eine Tendenz vom sächlichen zum maskulinen Genus gab. Weshalb sind Sie sich sicher, diesen Trend beliebig in die Zukunft prolongieren zu können? (An der Börse ist dies das beste Rezept, um viel Geld zu verlieren.)

  21. Log oder Lok

    Muss es nach der Logik des Artikels nicht „die Blog“ heißen weil es ja schon „die Log“ heißen müsste weil das ja phonologisch identisch mit „die Lok(omotive)“ ist. Und ist nicht ein Blog eher sowas wie eine Lokomotive, die die ganzen Kommentar-Hänger in einem ausgefahrenen Gleis hinter sich her zieht?

    Alles nur Scherz, ich kann der Argumentation des Artikels gut folgen und werde von nun an auch „der Blog“ sagen (Wobei ich mit Till Westermann dazu tendiere, Blog etwas weicher auszusprechen als Block)

  22. Wäre das nicht eine mögliche Demarkationslinie? „Der Blog“ = der Blogeintrag/-artikel zähneknirschend akzeptieren, aber auf „das Blog“ = das Weblog beharren, komme was wolle?

  23. Süddeutsche Sprachverschiebung

    Wenn man zu sehr nach *dem* Österreich und *der“ Schweiz schielt, bekommt man eine süddeutsche Sprachverschiebung.

    Als Niederrheiner kann ich nur sagen: „Man gewöhnt sich an allem, selbst am Dativ!“ Von daher heißt es: „Über diesem Blog“

    Dies wurde schon vor Jahrzehnten von Klaus-Jürgen Haller (http://de.wikipedia.org/…laus_J%C3%BCrgen_Haller) in den Mittagsmagazin-Vorlegungen im WDR II dekliniert, die regelmäßig feind differenziert um 12:00 Uhr mittags mit „„Guten Tag, meine Damen und Herren, guten Morgen, liebe Studenten!““ eröffnete wurden.

    Es heist ja auch bei Goethe „Über allen Gipfeln ist Ruh““ und nicht „Über alle Gipfel ist Ruh“, wie es vielleicht der eine oder andere bei Merkel erwartet.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wandrers_Nachtlied

    Bei der Zivilisierung Germaniens ist es leider nicht gelungen, den lateinischen Lokativ final über die Alpen zu bringen, so dass wir uns mit dem Dativ bescheiden müssen. Aber lieber Dativ als weiter auf den Bäumen hocken.

    *Der* Blog fällt dem Germanen auch leichter, weil er auch den Blockwart geschaffen hat. Diese sprachliche Nähe wird jetzt zunehmend von der Politik aufgegriffen wo echte katholische Burschenschaftler ohne Frauen wie Friedrichs oder Uhl, aber auch Anglikaner wie Cameron neue Möglichkeiten staatlicher Kontrolle und Überwachung (wie in China) zu finden scheinen.

    (Bei *das* Genus dreht mir mein Sprachgefühl den Magen um).

  24. Was bin ich froh, dass ich auf englisch blogge. 😉

    Aber Spaß beiseite. Wie so oft haben hier wieder mal die „Deppen“ gewonnen, wie es heute morgen Herr Sixtus so schön formuliert hat. Es muß ganz klar das Blog heißen und es schockiert mich, dass selbst der Duden diesen Quatsch mit der Blog mitmacht.

    Ich finde es auch schwer irritierend, dass viele Leute für den einzelnen Blogartikel auch das Wort Blog verwenden. Daher kommt wahrscheinlich auch das unsägliche „der Blog“, da Eintrag, Artikel etc. maskulin sind.

    Und nein, man sollte sich nicht geschlagen geben. Warum soll man immer den „Deppen“ das Feld überlassen?

  25. Wenn das Ihre einzigen Sorgen sind …
    Mir scheint es bei der Bloggerei ohnehin oft mehr um die Form als um den Inhalt zu gehen. So gesehen passt die Diskussion gut zum Thema Blogging.
    Nur der Vollständigkeit wegen:
    ich bevorzuge das Blog zu sagen.

  26. Noch ein Gedicht

    Ich finde es gut, dass Sprachfragen nun metrisch anhand genutzter Sprache untersucht werden, statt ideologisch-dogmatisch mit deskriptiven Methoden des Dudens, die meist dem realen Sprachgebrauch hinterherhinken. Ich hatte den Diskurs mal mit den mehr als zwei Alternativen, wo dem Lateiner ab 3 die Nackenhaare sich aufstellen, aber die deutsche Sprache mehr als zwei Alternativen kennt. Wie der Duden jetzt auch richtig berichtet.

    Google soll da geile Untersuchungen mit eingescannten Büchern gemacht haben. Ich glaube in Boston. Leider bisher nur in Englisch. Aber vielleicht findet sich auch mal jemand in der deutschen Regierung mal jemand, dem deutsche Kultur am Herzen liegt und nicht nur der Wahlkampf mit Persönlichkeitsrechten von toten Mauern, der unser gemeinsames Erbe endlich einscannen lässt und es veröffentlicht, so dass man auch wissenschaftlich arbeiten kann, ohne den in der Regierung geübten Modus des Plagiates.

  27. Innerer Widerstand gegen Sprachänderung

    Man spürt beim Autor aber auch bei vielen Kommentatoren dass ihnen diese Änderung (von „das Blog“ zu „der Blog“) gegen den Strich geht, ja dass sie Unwohlsein verspüren.

    Für mich war „der Blog“ schon immer richtig, weil ich aus der Schweiz komme, wo das die gängige Form ist.

    Ich kann jedoch das Unwohlsein sehr gut nachvollziehen, denn ich habe es selbst erlebt, als die Regeln für die neue deutsche Rechtschreibung plötzlich „aufwändig“ ansatt aufwendig oder „Tipp“ ansatt „Tip“ einforderten. Seltsamerweise stört mich aufwändig noch immer, aber Tipp habe ich voll akzeptiert und ich würde Tip nun als falsch einstufen – nicht nur vom Wissen her sondern auch gefühlsmässig.

  28. Das Neutrum hat’s halt schwer

    Ich frage mich ja, wie die Verfechter von „der Blog“ das Wort aussprechen, korrekt mit angliziertem O und passend dazu weichem G oder tatsächlich wie den deutschen Block? Im letzteren Fall kann ich verstehen, dass deren Sprachgefühl dann zum Maskulinum tendiert, dann liegt das Grundproblem aber in der falschen Aussprache.

  29. @A.S.

    Wollten Sie nicht etwas Unkontroverses bloggen? 😉
    Klar, dass so ein Beitrag Leute anzieht, die den grundlegenden Charakter der Sprache, was „richtig/falsch“ betrifft, nicht verstanden haben … (siehe „den ‚Deppen‘ das Feld überlassen“, „dass es immer mehr werden, die den falschen Artikel verwenden, macht ihn auch nicht richtiger“, etc.)
    Es wird also mal Zeit für einen Beitrag, der das ganz grundsätzlich erklärt!

  30. Ich frage mich ja, wie man regelmäßig diese Blog (Rudi-Carrell-Variante!) lesen und dann immer noch in den Kommentaren was von richtig und falsch faseln kann, als hätten diese Kategorien bzgl. Sprache irgendeine Relevanz für Menschen, die der Schule und damit rechtschreibgeprüften Klassenarbeiten entwachsen sind …

  31. Noch ein Gedicht

    Ich finde es gut, dass Sprachfragen nun metrisch anhand genutzter Sprache untersucht werden, statt ideologisch-dogmatisch mit deskriptiven Methoden des Dudens, die meist dem realen Sprachgebrauch hinterherhinken. Ich hatte den Diskurs mal mit den mehr als zwei Alternativen, wo dem Lateiner ab 3 die Nackenhaare sich aufstellen, aber die deutsche Sprache mehr als zwei Alternativen kennt. Wie der Duden jetzt auch richtig berichtet.

    Google soll da geile Untersuchungen mit eingescannten Büchern gemacht haben. Ich glaube in Boston. Leider bisher nur in Englisch. Aber vielleicht findet sich auch mal jemand in der deutschen Regierung mal jemand, dem deutsche Kultur am Herzen liegt und nicht nur der Wahlkampf mit Persönlichkeitsrechten von toten Mauern, der unser gemeinsames Erbe endlich einscannen lässt und es veröffentlicht, so dass man auch wissenschaftlich arbeiten kann, ohne den in der Regierung geübten Modus des Plagiates.

  32. Deutsch war nie mein Lieblingsfach, auch wenn ich ungebräuchliche Wörter mag.

    Ich konnte mich nie wirklich entscheiden. Aber Der Blog klingt für mich einfach gefälliger.

    Hm… und ich sage auch weiterhin der Kata-log. Gefühlsmäßig scheint mir das nämlich eher für das „der“ verantwortlich zu sein als das Wort „Block“.

    Grüße
    ALOA

  33. Sprachentwicklung

    Wow – danke für diese gute Recherche und umfassende Erklärung. Die phonologisch-motivierte Genuszuweisung erscheint verständlich.

    Warum jedoch das Beklagen der Entwicklung? Sprache verändert sich, zurücklehnen und staunen scheint doch die bessere Einstellung als der Kampf gegen Windmühlen – gibt doch genug Sachen, über welche man sich aufregen kann. 😉

  34. Gesichtsbuch

    Eine Umfrage bei Facebook … Da erhält man ähnlich seriöse Ergebnisse wie man sie in Artikeln in der BILD oder in Beiträge auf RTL erwarten würde.

  35. Wortverwendung / Konnotation

    Ich kann leider die Ansage „Sprachgefühl hin oder her, man muss wissen, wann es Zeit ist, aufzugeben. “ nicht nachvollziehen.

    Neulich hatte ich eine Diskussion darüber, ob man ein Wort mit negativer Konnotation trotzdem in neutralem Kontext bzw. mit der ursprünglichen Bedeutung des Wortes verwenden sollte.

    Konkret ging es um den Begriff „Hacker“, der mittlerweile doch eher eine negative Bedeutung bekommen hat.

    Es galt die Meinung, man sollte ein anderes Wort verwenden bevor man es in einem neutralen/positiven Kontext verwenden will. (zB in einem Artikel über die Hackerkultur)

    Ich bin da eher der Meinung, dass man solche Wörter auch in anderen Zusammenhängen verwenden kann und sollte.
    Das kommt dann allerdings vielleicht einer Erziehung nahe. Wäre das denn etwas schlechtes ?

    Im Bereich der Politik und der Werbung muss man sich dann allerdings neue/andere Wörter verweden. (Stichwort Neusprech)

    Worauf ich eigentlich hinauswill: Nur weil sich ein Wort verändert heißt es ja nicht, dass man es nicht mit der vorherigen Form weiterverwendet. Es kommt ja immer darauf an wie ein Wort von der Masse verwendet wird. Wenn man aber aufhört es nach der ersten Änderung in einer anderen Form weiter zu verwenden, würde doch keine Entwicklung mehr stattfinden.

    Entwicklung der Sprache also nur durch unterschiedliche Verwendung der Wörter,
    oder liegen der Entwicklung noch andere Prozesse zugrunde ?

    Von daher finde ich es schlicht überflüssig Menschen aufzufordern doch ein Wort nun bitte so zu verwenden wie es gerade von der Mehrheit verwendet wird.

    Kann aber auch gut sein, dass ich einige Sachen falsche sehe 😉

    @Anatol S.
    Trotz allem interessanter Artikel, Danke

    vg,

  36. Blog als deutsches Wort

    In Bayern, Österreich und der Schweiz sagt man DER Blog. Wir „Südstaatler“ unterwerfen fremd-ländische Vokabeln nun mal gerne der eigenen Morphologie.

  37. ’s Blog

    Die Frage hätte vielleicht lauten sollen, „schreibst Du in Deinen Blog“ oder „schreibst Du in Dein Blog“?

    Für mich hört, fühlt, schmeckt „der Blog“ einfach falsch und im Gegensatz zu dem „die digital gebildeteren Experten“ weiter oben habe ich es bislang so mitbekommen, dass es eher ein Zeichen von „ich mach nicht soviel mit Web“ war, wenn Leute „der Blog“ benutzen. Was sich evtl auch in den Foren niederschlägt, wenn man den Anteil von Fragenden zu Antwortenden auseinandernehmen würde…

  38. Das Blog !!1elf

    „Mein Sprachgefühl hängt also schlicht in der ersten Hälfte der 2000er fest, in der ich zum ersten Mal mit Blogs in Berührung gekommen bin.“

    Dein Sprachgefühl ist damit nicht allein.

  39. das Blögchen

    Während ich ausraste, wenn jemand „das E-Mail“ sagt, ist mir interessanterweise recht egal, ob man nun der oder das Blog sagt. Ich selbst würde aus dem im Artikel genannten Grund immer das Neutrum verwenden, aber wenn den Leuten das Maskulinum besser gefällt … sollen sie doch.

  40. So, und ich behaupte trotzdem mal, daß „das Blog“ Fachsprache ist und „der Blog“ Umgangssprache.

    (Und wenn es gar nicht anders geht, werde ich mir da eine Statistik zusammenlügen! … „Die digital gebildeteren Experten“ – im WordPressforum? Da muß ich doch sehr lachen! Pfff!) 😉

  41. Ist der Kampf ist vorbei?

    Die Sprechergemeinschaft hat entschieden, kann man nix machen, eigentlich.
    Es sei denn, man gründete nun flott einen Verein, um den Sprachverfall aufzuhalten und bevor die Masse der Ungebildeten auch noch auf die Idee kommen, das Blog in der Block einzudeutschen.

  42. Jeder blamiert sich so gut er kann…

    Fehler im letzten Satz meines Beitrages. Es müsste heißen, „bevor die Masse der Ungebildeten auch noch auf die Idee kommt„!

  43. Sprachveränderunge — gut oder schlecht?

    @Benedikt:
    Sprachveränderungen sind tatsächlich vollkommen normal und passieren andauernd und immer wieder. Vielfach gewöhnt man sich über kurz oder lang daran.

    Allerdings sind nicht alle Änderungen gut. Für mich sind schlechte Änderungen solche, die die Mehrdeutigkeit der Sprache erhöhen oder verstärkt zu Missverständnissen führen. Ein Beispiel ist der zunehmende Verzicht auf Durchkopplung bzw. häufige „Deppenleerzeichen“ (z.B. „Zwei Jahre ohne Grund Gebühr“).
    Zu den Verschlechterungen zählt daher für mich auch der Wandel zu „der Blog“, weil es in der gesprochenen Sprache dadurch eine höhere Verwechslungsgefahr mit „der Block“ gibt („Ich schreibe es auf meinen Blo(g/ck)“). Zugegeben: Das kommt sicherlich nicht so häufig vor. Eine kleine Verschlechterung ist es aber trotzdem.

    Insofern halte ich es durchaus für berechtigt und angebracht, manche Veränderungen abzulehnen.

  44. Bloß nicht nachgeben

    Wo kämen wir hin, wenn wir jedem Sprachgebrauch nachgeben und jede Schreibmarotte nachmachen würden? Ich wehre mich eisern dagegen, die Fehler anderer zu übernehmen, auch wenn ich weiß, dass ich damit auf ziemlich verlorenem Posten bin. Es ist und bleibt das Blog, warum sollen aus anderen Sprachen übernommene Begriffe anders behandelt werden als althergebrachte? Inhalt und Form sind die beiden Säulen, auf denen ein guter Text steht – und ein gutes Blog.

  45. Dr Blog und die URL

    Mich würde interessieren, ob die „das Blog“-Verfechter auch durch die Bank „der URL“ sagen oder die im Duden erstgenannte Form „die URL“ verwenden. „Korrekt“ wäre nach derselben Argumentation, die auch für „das Blog“ verwendet wird, allein „der URL“…

    Im Übrigen hat mein Sprachgefühl in der oralen Sprache immer – der phonologischen Analogie folgend – zu „der Blog“ tendiert, während ich im Schriftgebrauch – der Etymologie folgend – lieber „das Blog“ benutzt habe. Mittlerweile benutze ich aber voller Selbstbewusstsein – meinem Sprachgefühl folgend – überall „der Blog“. Und ich denke, die mehrheitliche Verwendung von „der Blog“ zeigt, dass die Sprachästhetik über den verkopften Sprachgebrauch der derjenigen gesiegt hat, die meinen, Sprache müsste logisch strukturiert sein.

  46. Fatzebohknarren können nicht irren?

    Ja, klar, auch dereinst jubelten Mehrheiten einem Adi zu und der Rest musste »wissen, wann es Zeit ist, aufzugeben.« Ich glaub, es hackt? Da kann ich Markus et al. nur beistimmen.

  47. @ Susanne Peyronnet

    Gegen Fehler kann und sollte man sich wehren. Man muss auch nicht jeden sprachlichen Mist mitmachen. Aber wenn es nun gar keine Fehler sind, was die Leute so von sich geben?

    Wenn ich jetzt unmotiviert anfange, „die Blog“ zu sagen, ist das natürlich falsch. Aber angenommen es gäbe einen (dem von A.S. geschilderten Grund für die Verschiebung vom Neutrum zum Maskulinum vergleichbaren, „echten“) Grund dafür, weshalb Blog ein Femininum sein soll. Dann wäre „die Blog“ kein Fehler mehr, sondern eine von dem aktuell vorherrschenden Sprachgebrauch abweichende Variante. Und je mehr Leute diesen Grund (bewusst oder – wie bei der Verschiebung vom Neutrum zum Maskulinum – unbewusst) zum Anlass nähmen, „die Blog“ zu sagen, desto größer wäre die Wahrscheinlichkeit, dass Blog einmal zu Recht als Femininum im Wörterbuch stünde.

    Die Leute, auch die Ungebildeten, die Unterschichtfernsehkucker und die, die jeden Mist mitmachen, wenden in ihrem Sprachgebrauch eine große Zahl von Regeln an, derer sie sich überwiegend nicht bewusst sind. Die Gesamtheit dieser Regeln macht die Sprache zu dem, was sie ist. Und es gibt eben Regeln, nach denen importierte Wörter ein deutsches Genus annehmen. Diese Regeln existieren unabhängig davon, ob Sie, ich oder Kalle von nebenan sie formulieren können, und sie sind produktiv. Dasselbe gilt für alle möglichen Prozesse, die in einer Gesellschaft oder Sprechergemeinschaft ablaufen und zu einer ständigen Veränderung der Sprache führen. Diese Veränderungen folgen bestimmten Gesetzmäßigkeiten, wobei man kaum je vorher sagen kann, welche dieser Gesetzmäßigkeiten zum Zuge kommen, oder ob und in welche Richtung sich bestimmte Merkmale einer Sprache entwickeln. Nehmen Sie z.B. die Lautverschiebung, die ungefähr bis zur Linie Köln-Berlin vorgedrungen ist und die niederdeutschen Mundarten verschont hat – sprechen die Nordlichter jetzt richtig, und die Hochdeutschen haben alle den Deppen nachgegeben und sprechen dieses schreckliche neumodische Deutsch?

    Sie können gern weiter „das Blog“ sagen (das tue ich übrigens auch, weil mein Sprachgefühl mir das nahelegt, nicht aus Gründen der Sprachreinhaltung), aber Sie stemmen sich damit nicht gegen die Flut der Deppen, sondern pflegen einfach Ihren eigenen Sprachstil, der in gewissem Maß vom vorherrschenden Sprachgebrauch abweicht. Das tut er bei jedem Menschen, bei manchen mehr, bei anderen weniger. Vielleicht ist Ihr Deutsch gepflegter als das vieler Der-Blog-Sager, vielleicht auch nicht. Das steht auf einem ganz anderen Blatt.

  48. Der URL und das Weblog

    @Adrian: Natürlich sage ich der URL und das Weblog, einfach, weil ich bei der Entstehung dabei war 😉
    Anfangs konnten die Irrenden schnell überzeugt werden: DAS Web – DAS Log(buch) = Das Weblog
    Aber wie ein Vorredner schon schrieb: Wenn die FB-Teilnehmer und WordPressforumsnutzer DER schreiben, muß es ja stimmen….
    Wie heißt es so schön in einem Politikmagazin o.ä. „Kommen Sie auf unsere Website und bloggen Sie mit uns“

  49. Get over it?

    Sprache ist Aushandlung. Wenn Anatol feststellt, dass die Mehrheit etwas benutzt was theoretische unrichtig ist, dann kann man das so feststellen. Dennoch folgt daraus noch keine Anweisung wie es richtig ist. Was war zuerst da? Theorie oder Praxis? Die Idee den Menschen vorschreiben zu können wie sie die Sprache verwenden ist absoluter Mumpitz.

    @ Prof. Dr. Ditzendatzer:
    Auch die Masse kann sich irren (siehe: Geschichte der Demokratie) und deshalb gilt: Selber denken und handeln und nicht andere machen lassen. Das gilt in Politik ebenso wie bei allen anderen Dingen des Lebens. Wenn Sie also nicht wollen, dass dieser Artikel so verwendet wird, dann machen sie es nicht, aber schreiben sie nicht anderen vor was sie zu tun haben und wie es richtig ist, dann sonst sind sie nicht besser als der Adi, den sie erwähnt haben!

  50. Ich war und bin da völlig unbekümmert und verwende munter beide Formen.
    Genauso wie ich mir nicht sicher bin, ob ich die Verbissenheit, mit der diese Frage von der Web-Bohème mit dem Argument „Wir waren aber zuerst da!“ zum Grabenkampf stilisiert wird, eher amüsant oder befremdlich finden soll.

    @Prof. Ditzendatzer: Brüller, der Kommentar!

    @gnaddrig: Danke!

  51. Fehler?

    Könnten diejenigen, die so ehern darauf beharren, dass ‚der Blog‘ ein Fehler sei, dafür irgendeinen Grund angeben außer ‚führer war alles besser‘ und ‚das ist einfach falsch‘?

    Danke.

  52. Was ist denn hier los?

    Für mich klingt „der Blog“ richtig, einige meiner Freunde sagen „das Blog“, was mich gar nicht weiter stört. Was mich stört, sind aber viele der Kommentare hier: Welch absurde, ja fast aggressive Intoleranz gegenüber einer, wenn sie denn stattfindet, ja ohnehin, und unabhängig davon, was ihr denkt, stattfindenden Veränderung. „Ich werde weiter dies und jenes sagen“ gut für euch. Offensichtlich macht es die Mehrheit anders. Das hier gleich wieder zum letzten Gefecht des Bildungskampfes geblasen werden muss… unverständlich.

  53. Österreichisch: die Blog

    Klarer Fall, in Österreich ist es die Blog. Was sich ins Hochdeutsche mit „die Plage“ übersetzen lässt. So erklärt sich auch, warum so wenig Einträge in österreichischen Zeitungen sind. Do blogt sie koana gern (da plagt sich keiner gerne). Eigentlich verständlich.

  54. Riff, Schild, Blog

    Es gibt „das Riff“ und „der Riff“,
    „das Schild“ und „der Schild“,
    und beides können vermutlich Mehrheiten nicht auseinanderhalten. Wenn die „das Blog“ und „der Block“ nicht unterscheiden können/wollen, warum sollte ich mich denen beugen?

  55. Ich fühle mich grade an sehr, sehr viele sehr ähnliche Diskussionen um die/das Nutella erinnert… ohne Godwin allerdings, das muss ich zugeben.

  56. Privat und öffentlich

    @gnaddrig
    Zugegeben, jeder Depp kann für sich reden und schreiben wie er will. Und das meine ich gar nicht von oben herab. Aber diejenigen, die sich öffentlich äußern, ob schriftlich wie wir Zeitungsjournalisten, oder mündlich wie Radio- und Fernsehkollegen, aber auch Politiker, Lehrer (Teilöffentlichkeit) und Stars und Sternchen sollten richtiges Deutsch und richtige Orthografie pflegen. Denn jede Sprachmarotte schleicht sich durch dauernde Wiederholung ein, warum dem nicht durch dauernde Wiederholung des Richtigen entgegensteuern. Privat darf auch jeder gerne weiter alte Rechtschreibung schreiben, in öffentlichen Texten sollte es schon die geltende sein.

  57. @Susanne Peyronnet

    Was ist den ‚richtiges Deutsch‘, wer bestimmt das? Mit welchem Recht behältst du dir vor, zu sagen, wann etwas richtig und wann es falsch ist? Wieso ist die Mehrheit beim Sprachgebracuh im Irrtum und die Minderheit nicht, gibt es irgendwo einen Club der Spracheliten, der das bestimmt? Wie werde ich Mitglied?

    Was die Profischreiber angeht – zu denen ich mich auch zählen darf -, habe ich nie verstanden, weshalb so viele Kollegen sich so vehement z.B. gegen die Rechtschreibreformversuche der 1970er bis zur Verabschiedung einer völlig verwässerten Neuordnung 1996/2004/2006 gestemmt haben. Dabei geht’s mir gar nicht darum, dass sie durchaus nicht gezwungen waren, die neuen Kommaregeln zu bestimmten Infinitivkonstruktionen oder zur Zusammenschreibung zu benutzen. Einige der lautesten ‚So geht das aber nicht‘-Schreier waren bekannt geworden durch ihren kreativen Umgang mit der Rechtschreibung von 1902. ‚Sprachstark‘ nennen Kritiker das manchmal.

    Es ist mir doch völlig egal, was Duden, Mehrheit oder Deutschlehrer sagen, wenn ich durch gezielten Regelbruch oder mehr oder weniger fantasievollen Umgang mit Wortkategorien, Neologismen und Eigenschöpfungen Effekte erzielen will. Wir sind doch Sprachschöpfer und keine Sprachbuchhalter!

    Wie ich an anderer Stelle erwähnte, ‚Log‘ kommt vom englischen Wort für Holzklotz => der Log => der Blog. Nur für die, die unbedingt eine sprachhistorische Ableitung benötigen, um zu sprechen.

    Ceterum censeo, Lutherdeutsch ist das einzig wahre Deutsch!

  58. Sehr launig geschrieben

    finde ich diesen Artikel. Eine seit Jahren geführte Diskussion unter Bloggern findet hier endlich ihren sprachwissenschaftlich untermauerten Höhepunkt (und Abschluß ?).

    Danke, hat mir viel Freude gemacht, das zu lesen.

    Jürgen Schnick

  59. Ich gestehe…

    dass ich ein „Depp“ bin, der „falsches Deutsch“ benutzt..

    Ohne jegliche Skrupel sage ich „der Blog“, weil das „Sinn macht“ und das werde ich auch noch Ende „diesen Jahres“ sagen.

    In meinem Bekannten- und Verwandtenkreis als auch unter den Arbeitskollegen kenne ich kaum jemanden, der „das Blog“ sagt. Und wenn es dann doch alle Jubeljahre mal fällt, kommt die Frage: „Hä? Wie doof klingt das denn?“.

    Ich wohne übrigens direkt neben der Schweiz, allerdings der Holsteinischen Schweiz in Schleswig-Holstein. Der Ausdruck „der Blog“ ist also offenbar kein süddeutsches/österreichisches/schweizer Phänomen.

    btw: Es hat immerhin gestern bis 16:13 gedauert, bis die Nazi-Schiene kam. Immerhin erst sechs Stunden und 17 Minuten nach Veröffentlichung des Eintrags in diesem Blog…

  60. @till & Wurzelsepp

    Die Verwechslung von Blog und Block dürfte in der Tat der kruden deutschen Aussprache geschuldet sein. Mit starkem deutschen Akzent klingt Blog (wo das o einen Hauch länger und das g weich ausgesprochen wird) genau wie Block. Ein Engländer würde sich vermutlich schwer wundern, wie man diese beiden Wörter je miteinander verwechseln kann.

  61. Statistik

    Ich hab mal angefangen, die Top-100-Blogs (deutscheblochcharts.de) auszuwerten: der oder das Blog? da überwiegt ‚das‘ ich bin aber noch nicht durch und die Liste müsste wohl auch angepasst werden 😉
    Mithilfe erwünscht 😉

  62. Sprachgefühl von 2000…

    … und was ist daran schlecht? Es zeigt doch nur, dass Du Dich bereits länger als die meisten unter uns mit Blogs beschäftigt hast.

    Mein Sprachgefühl war immer eindeutig „der Blog“ – und ich kann Dir wirklich nicht erklären warum. Ich finde es klingt einfach besser.

    Grundsätzlich ist es aber meiner Meinung nach auch „wurscht“ – wir wissen doch alle, worüber wir reden, oder?

    Darum ist es aus meiner Sicht ein sinnloser Kampf, wenn auch zugegebenermaßen sehr unterhaltsam ;).

  63. Das Log

    Für mich als Halbnerd ist es eben schon seit mehr als Zehn Jahren „das Log“ (von „logfile“), also auch „das Weblog“ und damit „das Blog“.

    Aber bitte, da „file“ ja „Datei“ hießt: „die Logfile“ und damit am Ende „die Blog“. Außerdem klingt „file“ ja ähnlich wie „Feile“, muss also feminin sein. Hehe.

  64. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich Leute von „dem Blog“ sprechen höre – aber ist mein Seelenschmerz nicht eigentlich egal? Es scheint im Deutschen eine grundsätzliche Sympathie zu geben, Worten einen klar bestimmten Genus zuzuordnen, Neutrum ist den meisten Leuten einfach unsympathisch. Und da mag man dann eben hundertmal betonen, dass der Begriff von „Logbuch“ abstamme (was afaik linguistisch auch durchaus umstritten ist): Die Leute mögen „der Blog“ trotzdem lieber. Und weil Sprache organisch statt logisch funktioniert, wird sich „der Blog“ durchsetzen.

    Und wenn ich als Neutrum-Verwender entsprechend zum doofen „Busen ist das Tal zwischen den Brüsten“-Argumentierer werder, dann ist mir das auch wurscht.

  65. Tagebuch

    Früher – also richtig früher, vor dem Jahr 2000, da hat man gesagt.“ Hier haste 20 Pfennig, ruf deinen Friseur an und erzähl ihm das!!“

    Heute schreibt man ein BLog, um sich der Umwelt mitzuteilen.

    Bei dieser ganzen Diskussion handelt es sich doch nur um den wöchentlichen Shitstorm und am Montag geht es wieder um etwas anderes. Ich danke aber allen Kommentatoren hier für die Hinweise auf die vielen wundervollen BLogs zum mitlesen (ich glaube, ich muss meinen Job kündigen, gebügelt habe ich auch noch nicht und das Geschirr stapelt sich).

  66. @ Zahnwart:: Seelenschmerz mit Genus

    Ähm, von „dem Blog“ zu sprechen ist doch aber auf jeden Fall korrekt, egal ob es „der Blog“ oder „das Blog“ heißt. Woher kommen da Ihre Seelenschmerzen? Und Genus ist im Deutschen übrigens ein Neutrum…

  67. blag

    Dabei weiß doch jeder, dass es „the blag“ heißt ( http://xkcd.com/148/ )

    PS. Was ist denn die Achsenbeschriftung der zweiten Graphik?.. Und so wirklich dolle/überzeugend sieht der Korrelationskoeffizient auch nicht aus (0.6-0.7?)?

    Muss ich nun die zweite Umpolung auch noch durchführen (hatte „intuitiv“ mit „der Blog“ gestartet und mir dann das „das“ antrainiert, was sich für mich nun auch besser anhört)? Soll ich den Beweis akzeptieren, auch wenn jeder um mich herum „das“ sagt (fast nur Österreicher, glaube ich)?

  68. ARGH! Das = klar wie Kloßbrühe 😉

    >>Sprachgefühl hin oder her, man muss wissen, wann es Zeit ist, aufzugeben.

    In diesem Fall NIEMALS!
    Das Weblog. Das Weblog. Das Blog.

    Und die merkwürdige Angewohnheit, die auch schon jemand vor mir ansprach, einzelne Blogartikel mit „der Blog“ zu bezeichnen, scheint auch immer mehr um sich zu greifen.

    Ein schöneR Wochenende allen
    Gitte

  69. Ich möchte nur kurz einen Vorredner zitieren:
    „Klar, dass so ein Beitrag Leute anzieht, die den grundlegenden Charakter der Sprache, was ‚richtig/falsch‘ betrifft, nicht verstanden haben … (siehe ‚den ‚Deppen‘ das Feld überlassen‘, ‚dass es immer mehr werden, die den falschen Artikel verwenden, macht ihn auch nicht richtiger‘, etc.)
    Es wird also mal Zeit für einen Beitrag, der das ganz grundsätzlich erklärt!“

  70. Anatol hat einiges mit Stephen Colbert gemein: Ein kleiner, aber nicht zu vernachlässigender Teil seiner Anhängerschaft besteht aus den Leuten, über die er sich lustig macht.

    Ich persönlich finde es – ganz wertfrei – auch gar nicht so abwegig, dass die Gewöhnung an „der Blog“ über den Umweg „der Blogger“ von statten gegangen ist.

  71. Regressionslinie??

    Sorry – aber in einem zeitlichen Verlaufsdiagramm eine Regressionslinie einzufügen ist ungefähr so sinnvoll, wie aus dem Mittelwert der Haarfarbe von Personen auf den Anfangsbuchstaben der Straße zu schließen, in der sie wohnen. Statistik 5, setzen!

    😉

  72. Kapitulation

    Eine großartige Kapitulationsurkunde für „das Blog“! Vielen Dank für den Blick ins echte Leben des Wortgebrauchs! Eigentlich ist Ihr Blogbeitrag ja deskriptiv, daher zuerst dazu:
    Ich bin selbst unentschlossen und habe festgestellt, dass ich in meinem Blog häufig genusneutrale Formulierungen verwende (z.B. „ein Blog“, aus „diesem Blog“, „des Blogs“). Womöglich wäre es interessant festzustellen, wie selten eigentlich eindeutige Vorkommen von „das Blog“ (eindeutig Neutrum) und „der Blog“ oder „den Blog“ (eindeutig Maskulinum) sind im Vergleich zu genusneutralen Wortformen. Ich tippe auf: sehr selten! Das wäre ein möglicher Grund dafür, warum so ein Genuswandel, noch dazu in so kurzer Zeit, möglich ist: Es wurde einfach zu selten das alte Genus durch eindeutige Verwendung bestätigt.
    Als weitere Ursache für den Wandel sehe ich an, dass zur phonetischen Ähnlichkeit zu „der Block“ auch die semantische Ähnlichkeit zu „der Block“ (im Sinne von Schreibblock) hinzutritt. Viele Blogger betrachten „ihren Blog“ eher als Notizblock denn als Logbuch, meine ich.
    Nun zur normativen Komponente: Sie legen nahe, die „das-Blog“-Verfechter sollten nun aufgeben und sich der Mehrheit anpassen. Ein Argument dafür wäre, dass der Zug sowieso in diese Richtung fährt. Das ist aber kein normatives Argument (denn aus Sein folgt kein Sollen). Das andere Argument lautet, in Fragen der Sprache sei (stets) der tatsächliche Sprachgebrauch entscheidend, nicht irgendwelche abstrakten Prinzipien. Dem Argument würde ich aber widersprechen. Würde man dieser Begründung generelle normative Geltung zubilligen, dürfte man gebräuchliche Worte nicht willentlich durch andere ersetzen, Sprachkritik (z.B. an diskriminierender Sprache) dürfte nicht stattfinden.
    Oder ist die Richtigkeit von Sprache für Sie gar keine normative Frage?

  73. @ glamorama

    Was ist dabei so schwierig: Man sucht sich eine Funktion, z.B. eine Gerade, die in ihren Parametern so angepasst wird, dass die Summe der Abweichungsquadrate der Zeitreihe von der Regressionsfunktion minimal wird.

    Das Verfahren ist vielleicht nicht ganz so einfach, aber das Prinzip ist trivial.

  74. @Statistiker

    Dabei setzen Sie aber implizit voraus, dass der zeitliche Verlauf durch die gewaehlte Funktion sinnvoll beschrieben werden koennte. Warum sollte der Zusammenhang hier linear sein (ich sehe z.B. ganz deutlich 1-Fermifunktion)? Extrapolieren Sie mal nach 2011 oder 2012, dann waere der Anteil bei ueber 100%

  75. Scherz, oder

    Darf ich kurz die Ironie noch einmal herausstreichen, dass AUF FACEBOOK eine Analyse gemacht wurde, ob es DER oder DAS heißt?

    Das ist ungefähr so als ob man in einem Audi-Club eine Umfrage macht, ob es „der“ oder „das“ Manta heißt.

    Auf Facebook landet man, wenn man zum Bloggen zu faul ist. Wir lassen also von der uninformierten Masse bestimmten, wie sie etwas nennen, mit dem sie überhaupt nichts zu tun haben.

    Weil sie in ihre „Wall“ schreiben. Wie heißt es denn da? Die oder das Wall?

    Also ich als Blogger finde ja es sollte „DAS“ Wall heißen. Machen wir doch mal eine Umfrage unter allen Bloggern. Und dann fallen wir bei Facebook ein und benasweisen sie.

  76. Anderes Beispiel: Toolbar

    Zunächst: Für mich heißt es aus den o.g. Gründen immernoch DAS Blog… aber ich werde wohl alt.

    Eine ähnliche Sache, die mich immer stört ist, wenn es überall „DIE Toolbar“ heißt. Es scheint hier eine ähnliche Logik dahinterzuliegen: Die Bar (z.B. als Lokal), also auch die Toolbar. Allerdings ist hier auch die deutsche Entsprechung „Leiste“ (die m.E. von Microsoft geprägt wurde) feminin. Für mich heißt es trotzdem immer „Der Toolbar“, „Im Toolbar“, „auf dem Toolbar“ etc. (eher von Balken oder Streifen abgeleitet).
    Was ist hier richtig?

  77. Es ist ähnlich wie bei

    dem von dir schon angesprochenen „der“ Virus und „das“ Virus. Beides ist möglich und beides ist vollkommen okay.
    Die Sprache passt sich an das Volk an und nicht das Volk an die Sprache, so ärgerlich das für manch einen auch sein mag.
    Gerade bei Begriffen aus dem Englischen ists teilweise sehr schwierig einen eindeutigen Artikel zu finden.
    So lief letztens erst „Green Lantern“ im Kino an. Meiner Meinung nach wiederspricht „die Green Lantern“ dem Genus des Protagonisten, der ja ein Mann ist.
    Aber so ist das, das Sprachgefühl kann uns auch täuschen.

  78. Lesen hilft

    @Sebastian:
    Die Facebook-Umfrage war eine blitzlichtartige Stichprobe, die in diesem Blogbeitrag klar erkennbar als ein erster Anhaltspunkt (!) für die nachfolgende ausführlich dargelegte Korpusanalyse dient und darüber hinaus explizit als nicht repräsentativ bezeichnet wird.
    Davon abgesehen war das Ziel der Untersuchung doch gar nicht, DIE richtige Variante herauszufinden, sondern die im tatsächlichen Sprachgebrauch vorherrschende zu ermitteln. Ihre Forderung nach Befragung eines erlesenen Expertenzirkels geht damit völlig an der Forschungsfrage vorbei.
    Was dabei herauskommt, wenn sich diejenigen zu einem Statement berufen fühlen, die aus welchem Grund auch immer die alleinige Kompetenz in dieser Frage für sich beanspruchen, ist ja außerdem aus den Kommentaren hier ersichtlich.
    Und schließlich: Ihre These von FB-Usern und Bloggern als sich gegenseitig ausschließende Teilmassen scheint mir sehr gewagt.

    @Thomas:
    Für mich ganz klar „die Toolbar“ wegen: Leiste.

  79. Über das Blog

    > Schließlich heißt mein Blog Sprachlog ohne b,
    > und das ist auf jeden Fall ein Neutrum.

    Müsste es dann nicht eher „Über das Log“ heißen? 😉

  80. Alle schön still sein

    @Markus

    Und wer nicht schon vor 1910 ein Auto gefahren hat, sollte auch heute keines fahren – und sich schon gar nicht anmaßen darüber zu urteilen, ob es Auto oder Automobil heißen sollte?

  81. Sprache ist mehr Gefühl als Semantik

    Mein (offensichtlich phonologisch motiviertes) Sprachgefühl hat mir immer gesagt, es müsse „Der“ Block heißen. Nach langen Anfeindungen habe ich mich äußerst ungern mit „das“ Blog abgefunden. Dank dieses Artikels werde ich wieder meinem Gefühl vertrauen.
    Danke.

  82. Ich blogge seit 2004 und fand immer „der“ Blog schöner, war aber durchaus bereit, das Neutrum zu akzeptieren, weil’s mir letztlich auch egal ist. Da ich mich am Anfang vor allem in der englischsprachigen Blogwelt rumgetrieben habe, stellte sich die Frage auch gar nicht. Da müssen erst wieder die Deutschen kommen, um daraus einen Grabenkrieg zu basteln, bei dem man sich im Zweifelsfall auf der intellektuell überlegenen Seite sieht.

    Im Übrigen hab ich noch nie verstanden, wie man aus dem Wort Logbuch eine einwandfreie Schlussfolgerung auf den Artikel des Wörtchens Blog schließen kann. Der einzige Grund, warum es „das“ Logbuch heißt, ist, dass bei einem zusammengesetzten Wort der Artikel des letzten Wortes ausschlaggebend ist. Hieße es Logdatei, dann hieße es „die“ Logdatei, also nix da, es heißt „das“ Logbuch, also heißt es auch „das“ Log, also heißt es „das“ Weblog, also heißt es „das“ Blog. Die Kausalität scheitert schon an der ersten Hürde. Das Einzige, was wirklich Relevanz hätte, wäre der Artikel des Wörtchens „Log“, den ich aber nicht kenne, da ich dieses Wort im deutschen so alleine (und als deutsches Wort) selten bis gar nicht verwende.

    Also, mir ist es ernsthaft egal, wer was wie sagt, bin aber doch etwas beruhigt, dass ich nicht die einzige bin, die sich durch das vielfache Predigen sprachmoralischer Blogger haben verunsichern lassen. Anscheinend gibt es da einfach unterschiedliche Präferenzen und wer jetzt glaubt, die Welt würde besser, weil man da einen Artikel als richtig deklariert, da würde ich ja schon fast aus Protest einfach immer das andere sagen.

  83. War dieser Beitrag für den gestrigen

    Shitstorm bei Twitter auslösend? 🙂
    Da ging es wirklich hoch her, mit Beschimpfungen und Entfolgungen. Und dazwischen auch noch Spinner wie mich, die das alles nicht Ernst nehmen konnten und die Streitenden als Sprach-Blockwarte beschimpften…
    Ich bin übrigens, als ich im Zuge dieses Shitstorms über das Geschlecht des Blogs nachdachte, auch zu dem Ergebnies gekommen, dass es „das Blog“ heißen müsste. Aber aus Faulheit bevorzuge ich trotzdem die männliche Form 🙂

  84. Blog kommt von Weblog, das sich aus Web und Log zusammensetzt, nicht aus Web LogBUCH. Letzteres ist tatsächlich nach dem Log der Seefahrt benannt, ein aus dem Englischen stammendes Wort, das Holzklotz heißt, der wiederum eindeutig männlich ist. Für diejenigen, die auf einer sprachhistorischen „Logik“ bestehen.

    Ich gehe recht in der Annahme, das alle, die ‚der Blog‘ in Grund und Boden verteufeln, auch ‚die Tisch‘ sagen, schließlich heißt diskos DIE Scheibe/Platte.

    Weder ist ‚der Blog‘ falsch noch ‚das Blog, beides darf verwendet werden – wo ist das Aufregerpotenzial?

  85. Ein schönes Beispiel dafür, dass Sprache lebendig ist, gerade bei relativ neu entstandenen Worten und natürlich ein Indiz dafür, dass Artikel von mehr abhängen als nur von Gewohnheit und Erziehung.

  86. Aua, noch ein Unkenntlicher

    @ Phorkyas: Regressionen INTRApolieren immer nur, sie EXTRApolieren nie!!!!!!

    Wenn Sie dies mal kapierten, löschten Sie Ihren Beitrag.

    Das Problem der langfristigen Extrapolation ist jedem Mathematiker bekannt, wird aber immer von Mathematikunkundigen benutzt, um die Mathematik zu beleidigen. Peinlich, so etwas…..

  87. Aua, noch ein Unkenntlicher

    @ Phorkyas: Regressionen INTRApolieren immer nur, sie EXTRApolieren nie!!!!!!

    Wenn Sie dies mal kapierten, löschten Sie Ihren Beitrag.

    Das Problem der langfristigen Extrapolation ist jedem Mathematiker bekannt, wird aber immer von Mathematikunkundigen benutzt, um die Mathematik zu beleidigen. Peinlich, so etwas…..

  88. Aussprache dreier Wörter

    Ich spreche „das Blog“ zusätzlich mit einem langen, offenen o vor dem weichen g. Diese Aussprache höre ich häufig verknüpft mit dem sächlichen Artikel. Leider läßt sich die Aussprache nicht so leicht statistisch überprüfen wie die Schreibweise im Internet.

    Ich postuliere drei verschiedene Wörter: „Der Block“, auf den man schnell Notizen mit dem Bleistift kritzelt; „der Blog“ hat die gleiche Funktion im Internet, wird gleich gesprochen und schreibt sich mit g aus dem gleichen Grund wie das Zeichen für „geschütztes Warenzeichen“ auch nie mitgesprochen wird (manchmal wird auch tatsächlich dafür „Block“ geschrieben). „Das Blog“ wird englisch gesprochen und dient zum Ausdruck ausgefeilter Gedanken statt simpler Notizen.

    Umfrage: Wer spricht Blog noch mit langem o?

  89. Blockeintrag

    Ich habe 28.000 Google-Nennungen für das Wort „Blockeintrag“ und den Plural dazu gefunden. Das entspricht etwa 5% der Nennungen von „Blogeintrag“ und dem dazugehörigen Plural. Ich gehe davon aus, dass sich beide Wörter fast ausschließlich auf das Internet beziehen.

    Diese Tatsache weist darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung den Unterschied zwischen „Block“ und „Blog“ nicht verstanden hat.

    Ich plädiere für „Spracherhalt“ (hier also den Unterschied zwischen den Varianten „der Block“ und „das Blog“), sofern der Unterschied die Verständlichkeit erhöht. Der Unterschied zwischen „der Tau“ und „das Tau“ liegt auf derselben Ebene.

  90. Holladiewaldwee

    Moin sagen!

    Ist das schlimm, wenn ich mich bei „phonologisch motivierte Genuszuweisung“ ausklinke?

    Ich find‘, irgendwann is‘ auch gut…

  91. Für mich heißt es schon aus rein praktischen Gründen weiterhin „das Blog“, weil sich so in Gesprächen (ich meine nicht Chats oder IMs oder Kommentare in Schriftform, denn es gibt da noch eine andere, kaum noch bekannte Form der Kommunikation) eben besser zwischen Block und Blog unterscheiden lässt, die sich phonetisch so ähnlich sind.

  92. Nautik

    Ein paar Kommentatoren meine, der Genus von „Log“ sei maskulin (weil engl. log = Klotz). Ein Log ist aber normalerweise weniger ein Klotz, sondern eher ein Scheit oder Brett (beides Neutrum), und mir ist bis jetzt nur „das Log“ untergekommen.

    Auf die Idee, daß sich Blog und Block phonetisch entsprechen, bin ich nie gekommen. Da muß ich wohl meinem Englischlehrer und meiner süddeutschen Herkunft danken.

  93. Abgesehen von der phonetischen Ähnlichkeit zum Block, könnt ich mir vorstellen, dass es auch mit der emotionalen Besetzung des Worts zusammenhängt: In Blogs drückt sich die eigene oder andere Persönlichkeit aus, das Neutrum aber schafft Distanz. ‚Der‘ ist mir näher als ‚das‘.

  94. @ wentus

    außer Ihenn keiner. Alle normalen Menschen wenden die Auslautverhärtung an, Sie haben also einen Sprachfehler. Tragisch, ist aber so.

  95. aufgeben ist nicht die lösung

    … tolerieren schon eher. ich werde noch auf der bahre „das blog“ sagen und muss nicht jeden schmarrn mitmachen. 😉

  96. das blog

    Das Genus-Problem generell ist auch von den Sprachwissenschaften nicht gelöst, nur warum Dinge überhaupt männlich oder weiblich sein können: Die Urgründe aller Sprachen sind magisch geprägt: der Sonnengott, die Mondgöttin -aber eben auch umgekehrt: die Sonnengöttin, der Mondgott -je nach Kultur. Die modernen Sprachen sind wie ein Einsiedlerkrebs, der ein Schneckenhaus (alte Grammatik nur ohne Magie)bewohnt und sich überhaupt nicht sonderlich dafür interessieren müßte, ob es einer Schnecke oder einem Schneck gehört hat. Das Englische weißt Sachen keinen männlichen oder weiblichen Genus mehr zu. Die Genuszuweisung in den Sprachen, die Sachen immer noch männl. oder weibl. „deuten“, ist vollkommen beliebig und gilt als unerklärlich. Selbst bei neuen, vom Englischen übernommenen Wörtern weißt die deutsche Sprachgemeinschaft einen nicht sächlichen Genus zu!
    Vielleicht liegt darin doch noch etwas Magie, Sublimierung: die Website – der Blog? Oder man will eine möglichst grooße Zuhörerschaft herauf“beschwören“. ..sodass mänl. oder weibl. Wörter besser „glänzen“? ..

  97. @Lars Fischer

    Ja, äußerst amüsant.

    @Statistiker
    Vielleicht bin ich ja in Unkenntnis und im Internet auch unkenntlich, aber das ist eine andere Diskussion. Und spätestens wenn sie die Datenpunkte von 2011 und 2012 hinzunehmen, wird es keine INTERpolation(sic!) mehr sein. Außerdem müssten Sie den „Fehler“ dann nicht mir anlasten, denn offensichtlich ist das Hauptargument des Artikels ja gerade die Extrapolation; also aus diesen „Daten“ einen Trend zu extrahieren, der in die Folgerung mündet, die Das-Sager könnten einpacken – darüberhinaus könnten Sie mit diesem „Fehler“ vermutlich die Hälfte der Physik und aller Naturwissenschaften totschlagen, weil da andauernd extrapoliert wird. Und nun genug gelacht, [über mich, dass ich so etwas ernst nehme].

  98. Wie banal…

    Wie muss man eigentlich drauf sein, dass man so viel Zeit darauf verwenden kann, welchen Artikel Blogs im Singular bekommen sollen?

    Ist das nicht völlig egal? Ob der, die, oder das Blog, alle verstehen sofort, worum es geht.

    Können wir unsere Zeit nicht sinnvoller verwenden?

    Ayn wahrhaftieg schwagsinninger Ahrtiekel!

  99. Methodischer Fehler?

    Führt das beschriebene Vorgehen „Ich habe in den in diesem Korpus enthaltenen deutschen und Schweizer Tageszeitungen nach allen Vorkommen von das Blog (eindeutig Neutrum) und der Blog bzw. den Blog (eindeutig Maskulinum) gesucht.“, bei dem eindeutige Neutra in nur einem Kasus, eindeutige Maskulina aber in zwei Kasus gezählt werden, nicht zwangsläufig zu einer übermäßigen Gewichtung der männlichen Form? Oder wird jeder Quell-Artikel nur ein Mal gewertet?

  100. Rückzug

    Äh… ich ziehe meinen letzten Beitrag zurück, da ich _meinen_ methodischen Fehler erkannt habe. Sind ja in beiden Varianten je zwei Kasus, die gewertet werden. Nix für ungut 😉

  101. Log != Logbuch

    Ich denke ein fundamentaler Fehler ist es, den Genus von „Log“ von demjenigen des Wortes „Buch“ abzuleiten, bloß weil man ersteres meist im Kotext zweiteren kannte.
    In der Informatik/Computerei ist ein „Log“ durchaus auch alleine gebräuchlich. Hier verwende ich (ebenso wie beim Blog) das Maskulinum, auch wenn hier vermutlich keine einheitliche Meinung herrscht und meisst eher von „Logfile“ oder „Logdatei“ die Rede ist.

  102. Ein lesenswerter Eintrag – ebenso wie der vorhergegangene.

    Allerdings kommt mir die versuchte kausale Erklärung der Genusveränderung nicht ganz überzeugend vor. Die Erklärung durch das phonologische Prinzip ist zunächst nur eine Vermutung, die näher begründet werden müßte.

    Die Aussage, daß „Dass diese Erklärung stimmt, zeigt sich auch daran, dass die Vollform Weblog noch dominant als Neutrum verwendet wird“, ist ein klares non-sequitur. Daraus läßt sich allenfalls schließen, daß das inzwischen dominante Genus von Blog nicht auf dem semantischen Prinzip beruhen kann. Daraus auf das phonologische Prinzip zu schließen, wäre nur möglich, wenn es nur diese beiden Möglichkeiten gäbe.

    Letzteres halte ich aber für sehr zweifelhaft, worauf ja auch die einschränkende Aussage „Tatsächlich ist die Genuswahl noch etwas komplexer, aber das ist ein Thema für einen eigenen
    Beitrag“ hinweist.

    Im übrigen ist ja schon das Genus von „Log“ nicht so eindeutig klar. Gerade im IT-Bereich ist auch die Rede von „der Log“. Ich habe sogar „die Log“ gefunden (kommt vielleicht von „Log-Datei“). Außerdem ist aus dem Balkendiagramm zu entnehmen, daß „das Weblog“ zwar überwiegt, daß es aber in etwa einem Drittel der Fundstellen „der Weblog“ heißt. Die „semantische Motivation“ ist also schon hier nicht gerade überwältigend stark.

    Dann gibt es ja noch andere Fälle, wo weder semantische noch phonologische Motivation zu greifen scheinen (der/das Modul wurde schon erwähnt). So ist „das Modem“ heute die weitaus überwiegende Form, obwohl es von der Wortherkunft (Modulator-Demodulator) her eindeutig „der Modulator“ heißen müßte. Ein lautlich verwandtes Wort im Deutschen ist mir nicht ersichtlich.

    Mit Interesse sehe ich einem „eigenen Beitrag“, der die Genuswahl umfassender behandelt, entgegen.

  103. Erratum

    In der vorletzten Zeile des vorletzten Absatzes muß es natürlich „der Modem“ und nicht „der Modulator“ heißen.

    Der Redaktion wäre ich für Korrektur dankbar.

  104. Sehr interessant zu lesen. Meiner Meinung nach heißt es oder sollte es „Das Blog“ heißen, für eine bessere unterscheidung zu „Der Block“

  105. Blog m. oder n.

    Ich bin Sprachler, glaube ein gebildeter Mensch zu sein und habe immer instinktiv „der Blog“ gesagt. Vielleicht kommt es daher, dass ich dem Wort überhaupt zuerst auf Französisch (damals noch „le blogue“ geschrieben) begegnet bin. Im Französischen gibt es bekanntlich kein Neutrum.
    Nun habe ich gerade noch im Reimwörterbuch nachgeschaut: Dialog, Monolog, Katalog, Prolog, Nekrolog, Epilog sind alle maskulinum. Dazu kommen noch „der Trog“ und „der Sog“.
    Gratulation zur fundierten und gründlichen Betrachtung dieses Genus-Problems! Aber wieso kommt das Wort in österreichischen Zeitungen so wenig vor?

  106. Das Blog

    Hier http://german.stackexchange.com/q/928/266 ist auch eine hübsche Diskussion über das Geschlecht von Anglizismen.

    Ich frage mich auch, ob man nicht, statt „gebildete Sprache“ separat zu untersuchen besser dran getan hätte, Küstensprachler (Hamburg, Kiel, Bremen) zu untersuchen, die leichter den Bezug zum Logbuch herstellen könnten, als die dt. Bergvölker und Süßwassermatrosen in NRW.

    Kommt die Logdatei nicht auch daher, oder gibt es ein eigenständiges Wort „Log“?