Blogspektrogramm #2

BlogspektrogrammUnsägliches bleibt besser ungesagt, aber Unaussprechbares muss manchmal ausgesprochen werden: Wollen wir zum Beispiel das Präsens des Verbs röntgen in der zweiten Person Singular bilden, sehen wir uns mit der Konsonantenfolge [ntgst] konfrontiert. Fragen Sie Dr. Bopp! diskutiert, was dann geschieht. 

Unsäglich ist auch das, was Geisteswissenschaftler oft zum Thema „Plagiate“ von sich geben — unsäglich oberflächlich. Das Texttheater nimmt sich einen Zeit-Online-Artikel des Philosophen (?) Rafael Wawer vor und zerpflückt nicht nur dessen Argumentation, sondern auch das Unverständnis linguistischer und sprachphilosophischer Grundlagen, auf denen sie beruht.

Bei englischen Muttersprachlern löst die Übersetzung der deutschen Redewendung in einem (oder im selben/gleichen) Boot sitzen (to be sitting in one boat) kein Unverständnis aus, auch wenn nur Deutsche sie tatsächlich so verwenden. Die entsprechende englische Redewendung ist das allgemeinere to be in the same boat („im selben Boot sein“), doch die Durchsichtigkeit der deutschen Variante sorgt für Verständlichkeit, wie */ˈdɪːkæf/ zeigt.

Undurchsichtig ist dagegen der Weg, auf dem das Kunstwort Rudelgucken es nur zwei Jahre nach seiner Erfindung im Rahmen eines Wettbewerbs zu einem eigenen Beitrag im Duden gebracht hat, obwohl es von der Sprachgemeinschaft weitgehend ungenutzt ignoriert wurde. Unvermeidlich deshalb, dass das Sprachlog nachforscht und auf viel Ungereimtes stößt.

Und nun zu etwas ganz anderem: Das aktuelle Blogspektrogramm ist im Juni erschienen und blickt zurück auf die Beiträge vom Mai. Im fünfzehnten Jahrhundert wäre das nicht nur technisch, sondern auch sprachlich unmöglich gewesen: Dort hätten wir im anderen Mai auf den Mai zurückgeblickt. Wen das verwirrt — alle Unklarheiten beseitigt das [ʃplɔk].

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Das Blogspektrogramm #3 erscheint Mitte Juli bei */ˈdɪːkæf/. Zu den Nominierungen wird rechtzeitig aufgerufen.

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. rönkt

    Oh je, der Dr. Bopp. Wer denkt sich denn sowas aus wie „er rönkt“? Man sollte diese Leute alle zu einem Sprachkurs nach Franken schicken. Selbstverständlich heißt es „er röncht“.

  2. nicht nur in Franken…

    … auch in der Heimat des Herrn Röntgen, im Rheinland.