Anglizismus des Jahres: Ferner liefen

Nachdem die Anglizismus-des-Jahres-Jury die Wortkandidaten zur Diskussion unter sich aufgeteilt hat, sind fünf Wörter übriggeblieben, die niemand haben wollte: Bromance, Bubble Tea, Eurobonds, Haircut und Partnering. Das bedeutet noch nicht zwingend, dass diese Wörter keine Chance mehr auf einen Sieg haben, denn wir haben uns die Wörter, mit denen wir uns ausführlich beschäftigen wollten, eher nach persönlichem Geschmack und Interesse ausgesucht, als nach der Frage, ob sie aussichtsreiche Kandidaten sind. Und eine ganze Reihe der bisher diskutierten Wörter sind ja in ihren Aussichten eher zurückhaltend bewertet worden.

Trotzdem muss sich natürlich irgendjemand dieser fünf Wörter annehmen, denn wenn sie gar nicht diskutiert werden, geraten sie am Ende doch in Vergessenheit, wenn wir in den nächsten Tagen die noch verbleibenden Kandidaten ausführlicher diskutieren. Also sollen sie hier wenigstens eine Kurzrezension erhalten.

Bromance. Eine Bromance ist laut Wikipedia eine „nicht sexuelle, sehr innige Beziehung zwischen zwei Männern“ (Wikipedia, s.v. Bruder). Was es von einer „Männerfreundschaft“ unterscheidet, erschließt sich mir selbst bei der Lektüre des recht langen Eintrags in der englischen Wikipedia nicht. Die Herkunft des Wortes ist wohl in der MTV-Reality-Show „Bromance“ zu suchen, die ab 2008 gesendet wurde. Die Verbreitung des Wortes im Deutschen scheint eher begrenzt. Es finden sich zwar fast 1 Million Treffer auf .de-Webseiten, aber die große Mehrzahl davon besteht aus Verweisen auf die Fernsehserie oder andere Medienerzeugnisse mit diesem Wort im Titel oder aus Artikeln, die das Wort selbst erklären. Im Deutschen Referenzkorpus gibt es nur drei Treffer, die alle aus einem Interview der Hamburger Morgenpost vom 22.8.2009 stammen:

Helders: P. Diddy hat mich neulich durch seine Nobel-Hütte in Miami geführt. Er behauptet jetzt sogar, er wäre unser fünftes Bandmitglied!

MOPO: Der Begriff „Bromance“ macht seit Ihrem Zusammentreffen die Runde.

Helders: In Amerika gibt es eine Reality-TV-Show, die so heißt. Ich habe keine Ahnung, warum sie es nicht einfach Freundschaft nennen. Aber nun haben Diddy und ich eben diese „Bromance“.

Das Google-News-Archiv liefert ganze 21 Treffer für die Jahre zwischen 2001 und 2011. Diese beginnen 2009 und stammen mehrheitlich von 2011, und unter ihnen finden sich tatsächlich ein paar Artikel, die das Wort verwenden, statt nur darüber zu reden — dabei geht es dann meistens um Hollywood-Stars. Ob das Wort überhaupt außerhalb der Klatschpresse verwendet wird, ist für mich aber nicht ersichtlich. Eine Bereicherung scheint mir das Wort schon im Englischen nicht zu sein, geschweige denn im Deutschen. Es mag sein, dass es sich in den nächsten Jahren ausbreitet und dann durch eine Ausdifferenzierung seiner Bedeutung tatsächlich eine lexikalische Lücke füllt. Dann darf es sich wieder bewerben. Bis dahin sehe ich es wie Arctic-Monkeys-Schlagzeuge Matt Helders — keine Ahnung, warum sie es nicht einfach „Freundschaft“ nennen.

Bewertung der Anwartschaft: 1/5 Sternchen (die ich auch als Sternchen darstellen würde, wenn die Blogsoftware, auf der wir hier bei den SciLogs arbeiten müssen, dazu in der Lage wäre).

Bubble Tea. Bubble Tea ist ein Getränk aus Tee, Zucker, Fruchtsirup, Milch, Stärke und Farbstoff, das in den 1980er Jahren in Taiwan entstand und in den letzten Jahren Deutschland erreicht hat. Einen sehr tiefen Eindruck hat es in der deutschen Sprache bisher nicht hinterlassen: Im DeReKo gibt es für Bubble Tea nur fünf Treffer aus zwei Artikeln. Die sind aber immerhin beide von 2011 und in beiden Artikeln wird erklärt, was Bubble Tea ist, woher er kommt, wie man ihn zubereitet — ein Hinweis darauf, dass es sich nicht nur bei dem Wort, sondern auch beim dazugehörigen Getränk um eine in Deutschland noch recht neue Erscheinung handelt. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass es auf .de-Webseiten schon weit über eine Million Treffer für Bubble Tea gibt. Den Wikipedia-Eintrag für Bubble Tea gibt es schon seit 2007, aber in den frühen Versionen wird noch explizit darauf hingewiesen, dass das Getränk „vor allem in Taiwan, China und Südostasien sehr beliebt [ist], aber seit einiger Zeit auch in den USA und in Australien“ (Wikipedia, s.v. Bubble Tea, 18.10.2007). Der erste Bubble-Tea-Shop in Deutschland war möglicherweise das „Bobo Q“ in Berlin, das am 20. Februar 2010 eröffnete. Lehnwörter gelangen häufig gemeinsam mit dem neuen Produkt oder der neuen Kulturtechnik, die sie bezeichnen, in eine Sprache und insofern ist Bubble Tea ein klassisches Lehnwort. Es füllt die lexikalische Lücke, die durch das neue Getränk geschaffen wurde. Die direkte deutsche Übersetzung, Blasentee ist semantisch bereits anders belegt und steht somit nicht zur Verfügung. Eine Bereicherung für die deutsche Sprache ist das Wort damit wohl, und neu ist es auch. Es ist halt etwas langweilig (das einzig interessante ist vielleicht, dass es, obwohl es ein englisches Wort zu sein scheint, möglicherweise in Taiwan enstand, also ein Scheinanglizismus war, der erst später in die englische Sprache übernommen wurde), aber Langeweile ist kein Disqualifizierungsgrund.

Bewertung der Anwartschaft: 4/5 Sternchen.

Eurobonds. Mit Eurobonds (oder Euro-Bonds) meint man heute (hypothetische) Staatsanleihen der Europäischen Union. Über die wird seit 2010 diskutiert, 2011 hat sich die Debatte intensiviert, was einen klaren Häufigkeitsanstieg des Wortes zur Folge hatte. Interessanterweise ist das Jahr 2011 aber nicht der erste Häufigkeitsgipfel, der sich im DeReKo findet:

Häufigkeitsentwicklung des Wortes Eurobonds

Der Gipfel im Jahr 1999 ist einer ganz anderen Bedeutung des Wortes zu verdanken, nämlich der von Aktien, deren Wert in Euro ausgewiesen ist. Über die konnte natürlich erst mit Einführung des Euro ausführlich gesprochen werden, nach ein paar Jahren war der Euro dann so normal geworden, dass es kein eigenes Wort mehr für diese Aktien brauchte. Um es kurz zu machen: Das Wort ist (in seiner aktuellen Bedeutung) neu und seine alte Bedeutung wird nicht mehr gebraucht, und es füllt eine lexikalische Lücke (erst recht dann, wenn Euro-Bonds wirklich eingeführt werden sollten). Die offensichtliche Alternativen EU-Staatsanleihe und Euro-Staatsanleihe, die sich vereinzelt finden, sind ungenau, weil die EU kein Staat ist, und sie haben den Nachteil, bereits zur Bezeichnung von Staatsanleihen einzelner Euro-Staaten verwendet zu werden. Das Wort ist, als einfaches Kompositum, nicht sehr interessant, qualifiziert sich aber trotzdem eindeutig für die Endrunde.

Bewertung der Anwartschaft: 5/5 Sternchen.

Haircut. Mit Haircut, so erfahren wir aus dem Fachlexikon für Wirtschaft des Handelsblattes, bezeichnet man in der Finanzwelt „Abschläge vom Wert von Kreditsicherheiten“. Relevant wurde das Wort Ende 2010, als im Zusammenhang mit Staatsanleihen gewisser EU-Staaten erstmals begonnen wurde, über Forderungsverzichte der Gläubiger zu diskutieren, die dann ebenfalls mit dem Wort Haircut bezeichnet wurden. Zu diesem Zeitpunkt taucht es auch erstmals im DeReKo auf, allerdings nur mit 14 Treffern. In 2011 konnte das Wort seine Trefferzahl immerhin auf 28 verdoppeln. Das Wort ist also neu und füllte in seiner allgemeinsprachlichen Bedeutung („Forderungsverzicht bei Staatsanleihen“) anfangs eine lexikalische Lücke. Trotzdem kann es sich nicht für den Anglizismus des Jahres 2011 qualifizieren, und zwar deshalb, weil seine 15 Minuten Ruhm schnell vorbei waren. Wie es bei Lehnwörtern häufig geschieht, fand sich nämlich schnell ein deutsches Wort, das seinen Platz einnahm: das Wort Schuldenschnitt, das es 2010 auf einen einzigen Treffer im DeReKo brachte, das sich aber im letzen Jahr auf beachtliche 248 Treffer steigern konnte.

Bewertung der Anwartschaft: 0/5 Sternchen.

Partnering. Mit (Business) Partnering bezeichnen Unternehmensberater in der englischsprachigen Welt laut Wikipedia die langfristige Zusammenarbeit zwischen Firmen zum beiderseitigen Vorteil (Wikipedia, s.v. Business Partnering). In dieser Bedeutung taucht es seit 1996 vereinzelt auch im DeReKo auf. Einen Popularitätsschub erhielt es aber ertst 2010, als die USA begannen, die Zusammenarbeit zwischen Nato-Streitkräften und dem afghanischen Militär so zu bezeichnen und der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg das Wort begeistert aufgriff. Von 12 Treffern in 2010 steigerte sich das Wort dann 2011 auf 33 Treffer. An einem fehlenden Häufigkeitszuwachs scheitert die Kandidatur dieses Wortes deshalb nicht. Allerdings ist das Wort insgesamt selten geblieben und konnte sich aus dem ursprünglichen Verwendungszusammenhang bisher nicht lösen, und ob es eine lexikalische Lücke füllt, darf auch bezweifelt werden.

Bewertung der Anwartschaft: 1/5 Sternchen.

Anatol Stefanowitsch

Nach Umwegen über Politologie und Volkswirtschaftslehre habe ich Englische Sprachwissenschaft und Sprachlehrforschung an der Universität Hamburg studiert und danach an der Rice University in Houston, Texas in Allgemeiner Sprachwissenschaft promoviert. Von 2002 bis 2010 war ich Professor für Englische Sprachwissenschaft an der Universität Bremen, im August 2010 habe ich einen Ruf auf eine Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der Universität Hamburg angenommen. Mein wichtigstes Forschungsgebiet ist die korpuslinguistische Untersuchung der Grammatik des Englischen und Deutschen aus der Perspektive der Konstruktionsgrammatik.

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Business partnership

    Die Zweifel, ob da eine lexikalische Lücke gefüllt wäre, bestehen zu Recht. Man spricht gerne von „partnerschaftlicher Zusammenarbeit“, „Kooperation“ – oder auch „fairem Miteinander“.
    Die „Kooperation“ hat den Vorteil, dass sie international verständlich ist…

  2. Bromance

    „Bromance“ ist in der westlichen Welt gebucht auf die Beziehung der zwei Titelfiguren in der „Gears of War“-Reihe, die bisher in drei Teilen (http://goo.gl/MfET2, http://goo.gl/EaSm3, http://goo.gl/U4Jt9) für die XBox360 erschien.

    Auch wenn man VG Charts aus verschiedenen (hier nicht nennenswerten) Gründen mit Vorsicht genießen sollte, so sind die (angenommenen) Verkaufszahlen der Reihe beeindruckend — wir sprechen von weltweit insgesamt 17,45 Millionen verkauften (nicht geliehenen oder weiterverkauften) Einheiten (http://goo.gl/yVbWR). In Europa wurden knapp 5 Millionen Einheiten abgesetzt, obwohl Deutschland nach England der kaufkräftigste Markt ist und die ersten beiden Teile hier indiziert waren.

    Meiner Meinung nach spricht also viel dafür, dass mit der Kommunikation über diese Spielereihe auch der Begriff schließlich seinen Weg verbunden mit einem klaren Konzept nach Mitteleuropa gefunden hat.

  3. Haha ja, genau, das Wort Bromance ist über die Xbox in den deutschen Wortschatz – nein in den Wortschatz der westlichen Welt! – vorgedrungen. Das glauben Sie ja wohl selbst nicht. Aber immerhin haben Sie mit Ihrem Beitrag schön Werbung für das Spiel gemacht.

  4. Gears of War

    Dass Gears of War ein wichtiger Bezugspunkt für die Verwendung des Wortes Bromance ist, bezweifle ich angesichts der Tatsache, dass [bromance „Gears of War“ site:de] nur 1.620 Google-Treffer liefert, [bromance -„Gears of War“ site:de] dagegen 2.320.000.

  5. @impala Das war ja ein konstruktiver Beitrag! Besten Dank!

    @A.S. Die Vermutung rührte daher, dass auch die Community in Deutschland — wie überall anders auch — weltweit und damit in Englisch kommuniziert (z.B. im englischsprachigen NeoGAF [http://www.neogaf.com/forum/index.php%5D) und sich besonders in den letzten Monaten (also der fraglichen Zeit für die Wahl zum Angliszismus 2011) der Begriff „Bromance“ just an Kommentare zu dieser Reihe festsetzte und eventuell dies u.a. auch deutschsprachige User zur Übernahme des Begriffs bewegte. Das ist statistisch möglicherweise (noch) nicht belegbar und mit Sicherheit auch gerade nicht auf der deutschen Google-Seite, ich habe allerdings auch nicht den Gegentest auf Google.com gemacht.

    Wie dem auch sei, meine zweite Vermutung, „Scrubs“, eine TV-Serie, führt, nimmt man den Google-Test als vorläufige Hypothesenprüfung an, deutlich weiter (bromance scrubs [456.000]; bromance -scrubs [25.000.000]).

  6. Ungefähr so konstruktiv wie Ihre wilden Vermutungen. Dass die englischsprachigen Filme und Fernsehserien, die das Konzept Bromance aufgegriffen haben, weitaus mehr zu seiner Verbreitung beigetragen haben, dürfte doch offensichtlich sein. Die Klatschpresse hat dann sicher in bestimmten Bevölkerungsschichten auch die Popularität des Begriffs gefördert. Dass irgendwelche Charaktere in dem von Ihnen genannten Spiel eine „Bromance“ haben und das in der dazugehörigen Szene auch so benannt wird, will ich ja gar nicht abstreiten. Wenn so viele unterschiedliche Kontexte zusammenspielen, ist es allerdings ganz schön hanebüchen, ein erfolgreiches Ballerspiel, designt für eine mittelmäßig erfolgreiche Konsole, als Ursache der Verwendung „in Mitteleuropa“ oder „der westlichen Welt“ zu sehen. Vor allem, wenn das gänzlich ohne Belege passiert.

  7. Blasentee???

    Es wäre ja vielleicht denkbar, etwas mehr Zeit und Phantasie aufzuwenden, um eine angemessene deutsche Entsprechung für einen Ausdruck wie bubble tea zu finden.

    Blasentee ist ein geradezu prototypisches Beispiel für eine mißglückte Wort-für-Wort-Übersetzung. Hinzu kommt, daß schon das die Bezeichnung bubble tea selbst höchst irreführend ist. Diese Teegetränke haben mit Blasen so gut wie nichts zu tun. Ein Englischsprechender, der das Wort zum ersten mal hört, dürfte eher an sprudelnden Tee denken, analog zu bubble water oder bubbly water, Bezeichnungen für Sprudelwasser. Eine etwas angemessenere wortwörtliche Übersetzung wäre daher Bläschentee. Eine Verwechslung mit Blasentee ist dabei auszuschließen. Zufriedenstellend wäre aber auch das nicht, denn anscheinend sprudelt der bubble tea so gut wie gar nicht.

    Woher die Bezeichnung bubble tea kommt, ist unklar. Die verschiedenen Chinesischen Ausdrücke haben mit Bläschen nichts zu tun. Allerdings werden in den meisten Varianten kleine Stärkeperlchen ins Getränk getan. Perlchen und Bläschen haben immerhin eine gewisse Formanalogie. Vielleicht ist auch das chinesische Wort boba zu bubble verballhornt. Meistens erhält das Getränk durch schütteln eine Schaumkrone. Neben der Hauptvariante bubble tea gibt es daher auch andere englische Varianten wie pearl tea, boba tea und foam tea. Denkbare deutsche Bezeichnungen wäre daher Bläschentee, Perlchentee, Boba-Tee oder Schaumtee.

    Ich zweifle dennoch nicht daran, daß es auch im Deutschen bei bubble tea bleiben wird, allerdings ganz bestimmt nicht deshalb, weil die falsche „direkte deutsche Übersetzung“Blasentee „semantisch bereits anders belegt“ sei.

  8. @impala

    Es ging aber gerade auch im Ausgangstext von A.S. mMn darum, dass trotz geringer Belegdichte (etwa bei Google News) der Begriff dennoch in der Wahl zum Anglizismus des Jahres auftaucht — und das ist doch zumindest bemerkenswert. Nun ist es eine Moeglichkeit, sich hinzustellen und eine Herkunft aus dem dumpfen Medienverbund aus alten und neuen Medien anzunehmen und es darauf beruhen zu lassen. Das andere jedoch ist, moegliche Quellen zu benennen, die nicht so einflusslos sind, wie Sie glauben, selbst wenn es nur Vermutungen sind: Wichtig ist — so unbedeutsam der Begriff „Bromance“ auch sein mag –, dass seine Anwendungskontexte sehr beschraenkt sind und es ein Begriff ist, der nur aus der Beobachterperspektive verwendet wird, eben dann, wenn ueber ein bestimmtes (hier medial vermitteltes) Thema, naemlich eine spezielle Art von ‚Maennerfreundschaft‘ gesprochen wird. Und auch, wenn Sie es nicht glauben, aber 17.5 Millionen verkaufte Titel, ueber die weltweit gesprochen wird und in deren Zentrum eine spezielle Art von ‚Maennerfreundschaft‘ steht, koennen Ausloeser sein fuer die Uebernahme eines Begriffs. Allerdings erhaelt dieser mit hier bereits 7 Kommentaren mehr Aufmerksamkeit, als er verdient hat 😉

  9. Nochmal zur Verdeutlichung: Ich streite nicht ab, dass die in Deutschland verkauften Exemplare (und das sind natürlich nicht die 17 Millionen, die Sie gerne wiederholen) dieses Videospiels zur Verbreitung des Begriffs beigetragen haben. Natürlich sind so Menschen mit dem Wort in Berührung gekommen, die vielleicht nie die Klatschpresse oder amerikanische Serien in der OV gesehen hätten. Ich fand Ihre Behauptung albern, das Spiel hätte den Begriff „in der westlichen Welt“ etabliert. Und dabei können wir es dann in der Tat gerne belassen.

  10. @Jens: Das ist gut möglich und würde durch diesen Artikel in der Hamburger Morgenpost bestätigt, der mit der Phrase Tee mit Glupschkugeln übrigens auch eine schöne deutsche Alternative zu Bubble Tea bereitstellt.

    @Nörgler: Wenn Sie die Texte lesen würden, bevor Sie kommentieren, wären ihre Kommentare vielleicht weniger irrelevant (aber vermutlich nicht interessanter).

    @impala und Alexander: Contenance, meine Herren. Wir kämpfen doch alle auf der selben Seite.

  11. @A.S. Um bei der Kriegsmetaphorik zu bleiben: Der Meinungskrieg entzündete sich an der nicht glücklichen Formulierung meinerseits, dass „mit der Kommunikation über diese Spielereihe auch der Begriff schließlich seinen Weg verbunden mit einem klaren Konzept nach Mitteleuropa gefunden“ habe — das klingt, wenn so verstanden, nach einer monokausalen Erklärung und damit nach dem einzigen auszumachenden ‚Einfallstor‘. Dass ich das so nicht verstanden wissen wollte, spielt keine Rolle — es hätte wohl eines differenzierten Kommentars bedurft. Darüber sind wir uns im Klaren und einig — die Fronten sind also geklärt 😉

  12. @Nörgler

    Ich denke auch dass Bubble Tea von Boba abgeleitet ist, aber da keiner weiß, was „Boba“ bedeutet, ist das ja auch in Ordnung (oder sind ihnen -oder sonstwem – Lehnwörter aus dem chinesischen einfach mehr genehm als aus dem englischen?)

    Und sicher man könnte auch Bläschentee sagen. Oder Glubschkugeltee oder Stärketee. Man könnte auch sitt für „nicht mehr durstig verwenden“. Ist dieselbe Liga.
    Das Sprache sich aber nicht am Reißbrett entwerfen lässt, ist Ihnen vermutlich aber bekannt.

    (OK die Rechtschreibreform hat genau das gemacht, was die Anglizismengegner fordern: Sprache reglementiert. Aber das war sicherlich eine Ausnahme)

  13. @Peer

    Boba hätte immerhin den Vorzug, daß es für einen Deutschen nichts bedeutet, und daher keine irreführenden Vorstellungen weckt, wie Bubble Tea es tut. Übrigens gibt es anscheinend in Berlin eine Bubble Tea Bar, die sich Babbel T nennt. Die Bezeichnung Babbeltee fände ich wirklich hübsch (dafür würde ich die Assoziation mit dem Verb babbeln gerne in Kauf nehmen). Sie wäre jedenfalls lustiger als die primitive Übernahme des englischen Ausdrucks. Das finde ich langweilig und stimme damit mal ganz mit A.S. überein.

    Im übrigen ging es mir ja gar nicht darum, irgendwelche deutsche Ersatzwörter für Bubble Tea vorzuschlagen. Dafür ist der Zug schon längst abgefahren, wie ich am Ende meines Beitrags glaube deutlich gemacht zu haben. Ich habe mich nur an der Aussage zur angeblich „direkten deutschen Übersetzung Blasentee“ gestoßen.

  14. Kris

    Ein bisschen spät, aber zum Thema Bubble-tea, den ich seit meiner Zeit in Taiwan liebe:

    á«6 pàomò hóngchá „Schaum-Schwarztee“ ist in der Tat der Ursprung der Bezeichnung „Bubble Tea“. á« pàomò ist hier wohl besser mit Schaum übersetzt, nur hat sich im Englischen „foam tea“ nicht durchsetzen können. Dieser Tee ist lediglich mit ein wenig Syrup gemischt, schön durchgerührt und so zum Schäumen gebracht, aber ohne Tapioka oder Milch.

    Íàv6 hnzhk nÎichá „Perlen-Milchtee“: Das ist die in Taiwan gebräuchlichste Bezeichnung, und ist sozusagen eine Weiterentwicklung des ursprünglichen á«6 pàomò hóngchá: es werden „Perlen“ (Tapioka-Bällchen) sowie Milch beigegeben.

    â8v6 bMbà nÎichá „Boba-Milchtee“: hier wurde schon spekuliert, ob „Bubble“ eine Verballhornung von „Boba“ sei. Es ist wohl aber anders herum. Diese Bezeichnung ist in Taiwan nicht gebräuchlich, und es wird auf der chinesischen Wikipedia-Seite spekuliert, dass die Bezeichnung vom gebrochenen Englisch von asiatischen Immigranten in Amerika stamme. â bM bedeutet „Welle“ und 8 bà „Hegemon“, was wobei die Zeichen hier nur für ihre Aussprache ausgewählt worden sind (Boba Fett aus Star Wars z.B. ist auch â8 »y bMbà fèitè). Dieses Verfahren nennt sich im chinesischen óo yinyì „Laut-Übersetzung“.
    Allerdings hat sich â8 im Chinesischen noch zu eine weiteren Slangausdruck entwickelt. â bM „Welle“ ist seit jeher ein Slang-Wort für die weibliche Brust, auch redupliziert ââ bMbM. Kombiniert mit 8 „Hegemon“ bezeichnet â8 eine Frau mit großem Busen. Kein Wunder, dass die Bezeichnung â8v6 im chinesischsprachigen Raum sich nicht durchgesetzt hat. (Es ist leider nicht mit letzter Sicherheit festzustellen, ob â8 zuerst als Slang-Ausdruck für „Frau mit großem Busen“ auftritt, oder als Rückübertragung des englischen „Bubble“. Es kann aber wohl ausgeschlossen werden, dass die Bezeichnung Boba-Tee irgend etwas mit Busen zu tun hat. Es wird zwar im Internet munter spekuliert, ob die Milch vom Boba-Milchtee von glücklichen Kühen kommt, aber das ist wohl eher als Volksetymologie abzulehnen)

    Daneben gibt es noch weitere chinesische Bezeichnungen für diese Art von Tee, aber die lasse ich jetzt der Einfachheit halber weg.

  15. Bubble tea

    (Erneuter Versuch, ohne Sonderzeichen, insbesondere ohne chin. Schriftzeichen

    Zum Thema Bubble-tea, den ich seit meiner Zeit in Taiwan liebe:

    pao4mo4 hong2cha2 „Schaum-Schwarztee“ ist in der Tat der Ursprung der Bezeichnung „Bubble Tea“. pao4mo4 ist hier wohl besser mit Schaum übersetzt, nur hat sich im Englischen „foam tea“ nicht durchsetzen können. Dieser Tee ist lediglich mit ein wenig Syrup gemischt, schön durchgerührt und so zum Schäumen gebracht, aber ohne Tapioka oder Milch.

    zhen1zhu1 nai3cha2 „Perlen-Milchtee“: Das ist die in Taiwan gebräuchlichste Bezeichnung, und ist sozusagen eine Weiterentwicklung des ursprünglichen á«6 pàomò hóngchá: es werden „Perlen“ (Tapioka-Bällchen) sowie Milch beigegeben.

    bo1ba4 nai3cha2 „Boba-Milchtee“: hier wurde schon spekuliert, ob „Bubble“ eine Verballhornung von „Boba“ sei. Es ist wohl aber anders herum. Diese Bezeichnung ist in Taiwan nicht gebräuchlich, und es wird auf der chinesischen Wikipedia-Seite spekuliert, dass die Bezeichnung vom gebrochenen Englisch von asiatischen Immigranten in Amerika stamme. bo1 bedeutet „Welle“ und ba4 „Hegemon“, was wobei die Zeichen hier nur für ihre Aussprache ausgewählt worden sind (Boba Fett aus Star Wars z.B. ist auch Bo1ba4 fei4te4). Dieses Verfahren nennt sich im chinesischen yin1yi4 „Laut-Übersetzung“.
    Allerdings hat sich bo1ba4 im Chinesischen noch zu eine weiteren Slangausdruck entwickelt. bo1 „Welle“ ist seit jeher ein Slang-Wort für die weibliche Brust, auch redupliziert bo1bo1. Kombiniert mit ba4 „Hegemon“ bezeichnet bo1ba4 eine Frau mit großem Busen. Kein Wunder, dass die Bezeichnung bo1ba4 nai3cha2 im chinesischsprachigen Raum sich nicht durchgesetzt hat. (Es ist leider nicht mit letzter Sicherheit festzustellen, ob bo1ba4 zuerst als Slang-Ausdruck für „Frau mit großem Busen“ auftritt, oder als Rückübertragung des englischen „Bubble“. Es kann aber wohl ausgeschlossen werden, dass die Bezeichnung Boba-Tee irgend etwas mit Busen zu tun hat. Es wird zwar im Internet munter spekuliert, ob die Milch vom Boba-Milchtee von glücklichen Kühen kommt, aber das ist wohl eher als Volksetymologie abzulehnen)

    Daneben gibt es noch weitere chinesische Bezeichnungen für diese Art von Tee, aber die lasse ich jetzt der Einfachheit halber weg.