Wissenschaft ohne Faszination?

Bei den offiziellen Bemühungen, der Öffentlichkeit und insbesondere jungen Menschen die Naturwissenschaften ans Herz zu legen, habe ich in letzter Zeit den Eindruck, ein besorgniserregender Trend mache sich breit. Statt denjenigen Aspekten, die Wissenschaft für die meisten Wissenschaftler so spannend machen, schieben sich dort immer stärker die Anwendbarkeit der Wissenschaft und ihr Nutzen für die Gesellschaft in den Vordergrund.

Nun ist sicher richtig, dass Wissenschaft für unsere gesellschaftliche Entwicklung eine wichtige Rolle spielt. Aber zumindest meiner Erfahrung nach – die Austausch mit vielen Wissenschaftlern, die im Outreach aktiv sind, einschließt – ist das, diplomatisch gesehen, keine sehr effektive Strategie, um die Wissenschaft in die Öffentlichkeit zu tragen.

Die Doppelnatur der Wissenschaft

Wissenschaft ist zweierlei. Einerseits eine Kulturleistung der Menschheit; eine ungeheuer erfolgreiche Art und Weise, die Welt um uns herum zu verstehen. Eine Möglichkeit, uns von bestimmten, tief sitzenden Vorurteilen und unserer Alltagssicht der Dinge zu lösen und in Ideenwelten vorzudringen, die uns verschlossen geblieben wären, wenn uns Experimente und gescheite Vordenker nicht den Weg gezeigt hätten. Beim ersten Kontakt sind das Wow-Momente: Die Kleinheit der Erde im All. Die fernen Welten der Astronomie. Die fremden Welten der (nichtmenschlichen) Tiere, Planzen, Bakterie. Die Erde mit ihren langsam wandernden Kontinenten. Der biologische Mikrokosmos, die Doppelhelix unserer Gene, und bei noch kleineren Skalen die seltsame Welt der Quanten.

Man gewöhnt sich an alles, und ich habe den Eindruck, dass auch Wissenschaftler im Hinblick auf solch unmittelbare Faszination mit der Zeit etwas abstumpfen. Ich selbst ertappe mich bei der Astronomie nur noch selten bei ehrfürchtigem Staunen. Dafür wächst mit zunehmenden Kenntnissen und Erfahrungen die Wertschätzung für die subtileren Aspekte: Die Schwierigkeiten, trotz derer bestimmte Kollegen bestimmte Beobachtungsdaten gewonnen haben. Elegante Arten und Weisen, trotz rechnerischer Schwierigkeiten und eingeschränkter Datenlage bestimmte Schlüsse über das Universum zu ziehen. Grundlegende Fragen wie die Rolle der Statistik (Bayesian Analysis, anyone?).

Die andere Seite der Medaille ist der gesellschaftliche Nutzen der Wissenschaft: Die moderne Technik, die sich weitgehend aus der Grundlagenforschung des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelt hat (Elektrodynamik, Quantentheorie, Festkörperphysik). Die Revolution der Medizin, die sich seit Aufkommen molekularbiologischer Methoden entfaltet – und die, welche die immer einfachere Auswertung menschlicher Genome gerade mit sich bringt. Die Techniken, die sich nicht direkt aus den Ergebnissen, sondern aus den Anforderungen der Grundlagenforschung an ihre Instrumente entwickelt haben – etwa die Erfindung des World Wide Web, um Informationen in der durch ausgedehnte, umfangreiche, internationale Kollaborationen geprägten Welt der Elementarteilchenphysik auszutauschen, oder der Ceran-Kochplatten als Spin-Off besonders temperaturstabiler Spiegel astronomischer Teleskope.

Wissenschaft ist beides – Kulturleistung/intellektuelle Herausforderung/Knobeln für Erwachsene einerseits, Weltverbesserungsmöglichkeit/Wirtschaftsmotor andererseits.

Nutzt die Faszinationskraft!

Zumindest bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, mit denen ich gesprochen habe, stand der erste Aspekt bei ihrer Berufsentscheidung aber klar im Vordergrund. Sicher, die Möglichkeit, damit etwas sinnvolles zur Gesellschaft beizutragen ist für viele der Wissenschaftler wichtig. Aber bei der Stange halten einen die Faszination der täglichen Arbeit, das Knobeln, die Erfolge, etwas herauszufinden, die Freude am gelungenen Experiment, daran, wenn eine schwierige Mess- oder Simulationsaufgabe nach sorgfältiger Vorbereitung und konzentrierter Durchführung, meist auch etlichen Fehlschlägen dann endlich gelingt.

Für mich folgt daraus ziemlich direkt, dass auch wissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit die Faszinationskraft der Wissenschaft an den Anfang stellen sollte. Viele Themen bieten sich dafür an – in der Astronomie haben z.B. Planeten um andere Sterne (Exoplaneten) eine besondere Faszinationskraft, die Frage nach unseren kosmischen Ursprüngen, Extremphänomene wie Supernovae oder Schwarze Löcher oder die Urknallmodelle der Entstehung unseres Universums als Ganzes (vgl. hierzu auch die Cosmic Sexiness Ladder).

Daran anknüpfend kann man gemeinsam die nächsten Schritte gehen: Zu der Frage, woher Wissenschaftler eigentlich wissen, was sie wissen. Zu der Faszination, dass unsere Modelle und Theorien logisch zusammenhängende Gebilde sind, deren Aussagen systematisch miteinander und mit den experimentellen und Beobachtungsdaten verknüpft sind. Zu den Instrumenten und Methoden. Zu den Grenzen der Wissenschaft und dem, was wir nicht wissen. Und, klar, auch zu den Anwendungen, und für bestimmte Wissensgebiete den damit verbundenen Fragen von Machbarkeit und Ethik.

Der Trend der Wissenschaftsjahre

Eine Reihe von Wissenschaftskommunikations-Aktionen zäumen das Pferd allerdings, aus welchem Grunde auch immer, von hinten auf. Der Trend fängt bereits bei dem wohl offiziellsten Indikator der deutschen Wissenschaftskommunikationspolitik an, nämlich bei den Wissenschaftjahren des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. In den Jahren 2000 bis 2008 stand dort jedes Jahr eine andere Wissenschaft im Vordergrund, von der Physik (die Physiker hatten da eine Pionierrolle) bis zur Mathematik 2008. Das gab den teilnehmenden Wissenschaftlern und Wissenschaftsorganisationen viel Freiraum, ihre eigene Faszination zu transportieren (wie denn sowieso derjenige Outreach, der von den Wissenschaftlern selbst gemacht wird, diesem Aspekt meiner Erfahrung nach gebührenden Raum gibt – nicht von ungefähr).

Das Einsteinjahr 2005 war von der Themenwahl her ein Sonderfall, aber da Einsteins Themen von Quantentheorie bis zu den Relativitätstheorien ja regelrechte Musterbeispiele für die Faszinationskraft der Physik sind, lag das Jahr zumindest in dieser Hinsicht gleichauf mit den vorangehenden.

Dann die Wende. Hatte Annette Schavan, die Ende 2005 Bundesforschungsministerin wurde, anfangs noch mit Informatik, Geisteswissenschaften und Mathematik die Tradition fortgesetzt, wurde anschließend alles anders. Forschungsexpedition Deutschland, so das Thema des Jahres 2009, hört sich zunächst nach einer Art da-passt-alles-hinein-Lösung an; bei genauerem Hinsehen drängte dort bereits mit Macht die Anwendung in den Vordergrund.

Bei den Forschungsfragen aus zwölf Jahrzehnten auf der Webseite des Jahres kommt selbst bei wohlwollender Deutung im Schnitt weniger eine Frage aus der Grundlagenforschung auf 7 angewandte Fragen. Und die angewandten Fragen sind oft recht künstlich auf angewandt zurechtgemacht. Dass so getan wird, als seien dies die „spannendsten“ Fragen, die die Wissenschaft in Deutschland in den letzten 60 Jahren „bewegt“ hätten, ist der blanke Hohn. Hätte man die beteiligten Wissenschaftler selbst gefragt, stünden da ganz andere Fragen.

Die Anwendungsorientierung setzte den Trend für die Folgejahre, in denen die Wissenschaft jedesmal zeigen musste, was sie für die Gesellschaft tun kann: für unsere Energieversorgung (2010), für unsere Gesundheit (2011), für die Umwelt (Zukunftsprojekt Erde, 2012) und im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel (2013).

Deutschlands Nationale Akademie für angewandte Wissenschaft

Im letzten Blogbeitrag hatte ich dieses und noch ein weiteres Beispiel genannt: die Webseiten der Leopoldina, immerhin seit Frühjahr 2008 Deutschlands Nationale Akademie der Wissenschaften. Wer dort im Menu auf Wissenschaft klickt, landet direkt bei „Wissenschaft für die Gesellschaft“: Umweltforschung, Energie- und Gesundheitsforschung, und bei jedem Eintrag der Dreiklang der Pflichten, die die Akademie erfüllt: Konsequenzen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse einordnen. Forschungsbedarf identifizieren. Ergebnisse mit Politik und Gesellschaft diskutieren.

(Sorry, aber ich kann mir nicht helfen: Ich höre diese drei immer wiederkehrenden Zwischenüberschriften vor meinem inneren Ohr automatisch so, als würden sie von einer stereotyp-künstlichen Roboterstimme vorgelesen.)

Dass Deutschlands Nationale Akademie der Wissenschaften ihr ureigenstes Terrain so drastisch reduziert und intellektuelle Herausforderung und Kulturleistung, die ja sicher auch die große Mehrzahl ihrer Mitglieder motivieren, soweit unter den Teppich kehrt, finde ich sehr, sehr traurig.

Wissenschaft ist Anwendungssache!

Die EU ist da keinen Deut besser. Oder vielleicht ist das ein allgemeineres Phänomen, wenn die Wissenschaftskommunikation nicht von den Wissenschaftlern selbst kommt, sondern von generischen PR-Fachleuten entwickelt wird? Jedenfalls ist auch die aktuelle Kampagne „Science. It’s a Girl Thing“, zu deutsch „Wissenschaft ist Mädchensache!“, ganz der Nützlichkeit verhaftet.

Wir erinnern uns: Das ist die Kampagne, deren Auftaktvideo Mädchen für Wissenschaft hatte begeistern wollen, weil man da ultracool Stöckelschuhe und Erlenmeyerkolben kombinieren und herausfinden kann wie Lippenstift und Puder eigentlich funktionieren.

Nach einem voraussehbaren Sturm der Entrüstung hat man das Video mittlerweile in bester Orwell-Manier von Webseite und YouTube-Kanal der Kampagne verschwinden lassen. Stattdessen sollen die Mädchen jetzt über ihr Pflichtbewusstsein zur Wissenschaft gezogen werden: Werde Zoologin, um Tierarten zu bewahren! Umwelt-Gerontologin, um die Lebensqualität von Senioren zu verbessern! Geologin, um kohlenstoffarme Energiequellen sicherer und zugänglicher machen! Biochemikerin, um die Entwicklung besserer Nahrungsmittel, Medikamente und Landwirtschaftsprodukte zu unterstützen!

Das Quiz dazu fragt brav ab, wie frau denn nun am liebsten die Welt retten möchte. Und die sechs Gründe, warum die Wissenschaft die Mädchen braucht, sind sechs große gesellschaftliche Herausforderungen: Gesundheit und demografischer Wandel. Nahrungsmittelsicherheit. Sichere, saubere, effiziente Energie. Kluger und sauberer Transport. Klimawandel. Innovative und sichere Gesellschaften.

Ich habe mich gefragt, ob die Anwendungsbezogenheit eine Spielart des Sexismus sein könnte – „Jungen werden Wissenschaftler, weil es cool ist und Spaß macht; hm, für die Mädchen müssen wir wohl Gründe finden, warum Wissenschaft nützlich ist.“ Aber ich fürchte, es ist vor allem ein Vorurteil gegenüber Wissenschaft.

…und was die Wissenschaftlerinnen selbst sagen

Interessant ist dann der Kontrast der offiziellen Kampagneninhalte mit den Aussagen der Wissenschaftlerinnen, die die Macher in Video-Interviews vorstellen. Die Auswahl selbst erfolgte zwar offenbar ganz im Geiste der Kampagne, denn die anwendungsbezogene Forschung steht deutlich im Vordergrund. Aber sobald die Wissenschaftlerinnen selbst erzählen, blitzt natürlich doch durch, worum es ihnen eigentlich geht: Die Physikstudentin wollte Erfinderin werden und fand das herumbasteln toll. Die Forscherin, die jetzt Sicherheits- und Verteidigungsforschung bei Fraunhofer macht, war durch Evolution fasziniert und ist nach der Doktorarbeit, „wie das oft so ist“, eher zufällig in den anwendungsnahen Bereich gekommen. Ihr Rat an Mädchen, die heute zu studieren anfangen: Neugier in vielen Bereichen. Das machen, was einen interessiert.

Lisa (studiert Mathematik, Physik, Philosophie) reizen die Fragen und ungelösten Probleme. Sie findet Mathematik „mindestens so schön“ wie Physik. Ziel? Die Welt verstehen. Für Yael ist Astronomie eine Leidenschaft, seit sie 10 ist. Die Informatikerin wusste gleich: Das will sie studieren; Informatik heißt Rätsel lösen und Antworten auf ungelöste Fragen finden. Daran hängt ihr Herz, das gibt ihr einen Kick.  Schlüsselerlebnis der angewandten Physikerin war, wie sie mit 12 Jahren die Lenz’sche Regel besonders gut verstanden hatte und sie dann vor der ganzen Klasse erklären durfte. Die eine Virologin ist über Science-Fiction zur Wissenschaft gekommen. Die Ingenieurin hatte angebissen, als ihr Vater – sie war noch in Kindergarten oder Grundschule – einen der frühen PCs nach Hause brachte. Die andere Virologin war von Wissenschaft fasziniert, soweit sie zurückdenken kann; insbesondere von der Welt der Mikroben.

(Die Ingenieurin, die Materialwissenschaftlerin und die Informatik-Didaktikerin sagen leider nichts dazu, was sie ursprünglich für ihre Fächer begeistert hat.)

Ich frage mich, ob die Macher der Kampagne überhaupt gemerkt haben, dass das, was ihnen die Wissenschaftlerinnen da sagen, so gar nicht zu den Versuchen von „Science – It’s a Girl Thing“ passt, Mädchen über „Du kannst der Menschheit helfen!“ anzulocken.

Die Schlussfolgerungen sind aus meiner Sicht ziemlich klar. Mädchen wie Jungen gehen in die Wissenschaft, weil da etwas ist, was sie fasziniert: große Fragen. Sonderbare Phänomene. Knobeln, das nicht nur Spiel ist, sondern etwas bedeutet. Etwas ganz Besonderes. Wer für Wissenschaft begeistern will, muss diese Faszination wecken, die großen Fragen vorstellen.

Dass es Anwendungen gibt und das wir Wissenschaft brauchen, damit unsere Gesellschaft weiterbestehen und mit ihren Herausforderungen fertig werden kann, ist wichtig zu wissen. Es fließt sicher für viele Wissenschaftler in die Überlegungen ein. Es ist zweifellos der Grund, dass Wissenschaft von der öffentlichen Hand deutlich freigiebiger gefördert wird als andere Spielarten der Kultur. Aber das, was einen zur Forschung bringt und bei der Forschung hält, ist etwas anderes.

Und meiner Erfahrung nach lässt sich diese Erkenntnisse auf alle Versuche übertragen, Menschen dafür zu interessieren, sich näher mit wissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Ziemlich unabhängig davon, warum man möchte, dass sich die Menschen mit Wissenschaft beschäftigen – ob als Nachwuchswerbung, um Akzeptanz zu schaffen oder zu erhalten, oder um im Gegensatz Menschen zum Hinterfragen anzuregen: am Anfang sollten die Themen, Fragestellungen, Erkenntnisse stehen, die Wissenschaft für die Wissenschaftler selbst zu einem so fesselnden Gebiet machen. Wer diesen Aspekt ausklammert, muss sich nicht wundern, wenn das allgemeine Interesse gering bleibt.

 


Ein Blogartikel gibt den nächsten; einigen Lesern wird auffallen, dass dieser hier ein Spin-Off seines Vorgängers, Die Zukunft des deutschen Wissenschaftssystems – was ist wichtig? ist. Das Thema wird mich auf alle Fälle weiter beschäftigen.

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online [http://www.einstein-online.info]. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie [http://www.haus-der-astronomie.de] leitet, ein neues Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

26 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. genau

    wie es anfängt,so endet es!
    Der Frager formuliert die Antwort.
    Ich hab’s schon immer gewußt 😉
    Das ist das Dilemma!

  2. Exploratives Lernen in der Schule

    Wenn zum Kernbereich der wissenschaftlichen Tätigkeit das Explorieren, Herumbasteln, Recherchieren und Ausprobieren gehört, dann müsste man doch diese Fähigkeiten bereits in der Schule ausleben können.

    Dazu könnte man Schulfächer in 3 Grundbereiche unterteilen:
    Sprache, Mathematik+Naturwisseschaft und Explorieren.
    Im Bereich Explorieren könnten ganz unterschiedliche Aktivitäten untergebracht werden. Sie hätten jedoch alle gemeinsam, dass das Resultat der Aktivität nicht schon von vornherein feststeht, sondern dem Schlüler eine Art „Forschung“ abverlangt.

  3. @Martin Holzherr

    Das ist ein wichtiges Thema, allerdings ein durchaus problematisches. Verkürzt: Insbesondere mit G8 ist die Schule derzeit so mit Pflichtstoff überfrachtet, dass alle Zusatzangebote in Richtung forschendes Lernen einen noch deutlich schwereren Stand haben als vorher.

    Ehe da nicht „Mut zur Lücke“ und exemplarisches Lernen Einzug halten, dürfte es schwer sein, forschendes Lernen – das nun einmal sehr zeitintensiv ist! – zu etablieren.

    Generell stimme ich aber zu, dass schulisches Lernen die Faszination der Wissenschaft durchaus noch besser nutzen kann, als es bislang der Fall ist!

  4. Was und wen will man den erreichen?

    Ich kann Ihre Einstellung gut verstehen, aber sie ist auch aus der Perspektive des Wissenschaftlers verfasst, der Spaß daran hat zu experimentieren, zu forschen, Neues nicht nur zu erfahren, sondern selbst herauszufinden. Und Sie haben natürlich Recht, dass man den Nachwuchs hauptsächlich mit diesen Dingen für Wissenschaft begeistern kann und sollte.

    Wenn es aber um den gesellschaftlichen Diskurs geht, sollten meiner Meinung nach die Anwendungaspekte im Vordergrund stehen. Warum?

    Die meisten Wissenschaftler sind sich zumindest in einem Aspekt ihrer Persönlichkeit sehr ähnlich. Sie lieben es, sich in einem für sie interessanten Fachbereich bis ins tiefste Detail einzuarbeiten und dabei strukturiert nach der „besten Lösung“ zu suchen (Wer sich näher damit beschäftigen möchte: im Humm-Wadsworth-Persönlichkeitsmodell nennt sich dieser Typ „Engineer“, einfach mal googlen)

    Die meisten anderen Menschen ticken aber nicht wie Wissenschaftler, weshalb für sie andere Aspekte stärker im Vordergrund stehen, als die Freude am Experimentieren. Wäre dies der einzige Vorteil der Wissenschaft, würde sich der Mann von der Straße auch zu Recht fragen „Wieso soll ich mit meinen Steuergeldern dafür bezahlen, dass andere ihrem Hobby zu experimentieren nachgehen können?“

    Aus diesem Grund würde ich sagen: Nachwuchsrekrutierung über die Freude am Experimentieren, den Rest der Gesellschaft lieber über einen konkreten Anwendungsnutzen einbinden.

  5. @Carlo Düllings

    Wenn bei der Forschung nur die „Anwendungsaspekte“ im Vordergrund stehen sollen, dann wird sie auf Auftragsarbeiten, wie im Handwerk, beschränkt. Um etwas Neues zu schaffen braucht es aber Emotion und Kreativität, das sollte man als Betreiber einer „Empathie-Akademie“ doch wissen. Daher würde ich Ihnen diesen kleinen Artikel ans Herz legen:
    http://www.3sat.de/…ce=/scobel/157116/index.html

  6. @Carlo Düllings

    Sich noch differenziertere Gedanken zur Zielgruppe zu machen ist sicher nicht schlecht.

    Aber dass man nur den potenziellen Nachwuchs mit den spannenden Fundamentalfragen erreichen würde, und den Rest der Gesellschaft nur über die Anwendung, ist meiner Erfahrung nach schlicht falsch.

    Meiner Erfahrung nach – erweitert durch Gespräche mit anderen Wissenschaftskommunikatoren – haben die großen Fragen eine Faszinationskraft, die weit über die Wissenschaftscommunity selbst hinausgeht. Wenn man das bei seinem Kommunikationskonzept ignoriert, macht man irgendetwas falsch…

  7. Trotzdem…

    @Mona: Klar ist Kreativität nicht nur von Vorteil, sondern für eine erfolgreiche Karriere in Forschung und Entwicklung sogar notwendig. Aber dem habe ich ja auch gar nicht widersprochen. Um auf die Empathie Akademie zurück zu kommen: meiner Erfahrung nach haben (fast) alle Wissenschaftler den Engineer. Die für Forschung und Entwicklung beste Charakterkombination ist aber Engineer-Artist (Der „Stereotyp Künstler“ aus Ihrem Artikel entspricht im Humm dem Artist). Ich würde den Artist allerdings nicht als „Chaoten“ bezeichnen, sondern eher als jemanden, der ganz bewusst einen Weg abseits des Mainstream wählt und so dann natürlich auch zu außergewöhnlichen Lösungen kommt.

    @Markus Pössel: Dass man die restliche Gesellschaft NUR über Anwendung für Wissenschaft gewinnen kann, habe ich ja nicht gesagt, aber eben hauptsächlich. Das sich dies nicht in Ihren Erfahrungen widerspiegelt, kann natürlich auch damit zusammenhängen, dass Sie vielleicht, wie die allermeisten Menschen auch, hauptsächlich mit Personen zu tun haben, die einen ähnlichen Hintergrund haben wie sie selbst. Auch Ihre Erfahrungen sind letztlich ja nur ein Ausschnitt der Realität. Ich würde bei Ihnen, wie auch bei den Wissenschaftskommunikatoren, vermuten, dass Sie am meisten mit Menschen zu tun haben, die ebenfalls einen akademischen Abschluss haben.

    Für die Mehrheit der Gesellschaft (=Nichtakademiker) würde ich vermuten, dass Germany’s Next Topmodel, Frauentausch, etc. wesentlich interessanter sind, als die Fundamentalfragen der Wissenschaft (sehr plakativ – ist mir schon klar). Ich denke, dass man Menschen aus bildungsfernen Schichten eher erreichen kann, wenn ein konkreter Anwendungsnutzen vorgestellt wird, als durch das Aufzeigen einer theoretischen Problemstellung. Meiner Meinung nach muss ein Kommunikationsziel auch darin liegen, in allen Teilen der Gesellschaft eine positivere Einstellung zur Wissenschaft zu fördern.

    Für mich persönlich liegt der Hauptnutzen der Grundlagenforschung nach wie vor in den weiteren Forschungsfeldern, die sich daraus ergeben. Es hängt wahrscheinlich aber auch sehr von der persönlichen Interessenslage ab. In Bereichen, die mich interessieren, wie z.B. Geschichte oder Astronomie, habe ich selbst ein Interesse an den Grundlagen. In Bereichen, die mich nicht interessieren, wie z.B. Medizin oder Chemie, bin ich nur an den Anwendungen interessiert. Aber auch ich bin natürlich nur ein Akademiker-Einzelfall.

    Ich denke, dass das Gros der Gesellschaft „von Haus aus“ eher weniger an Wissenschaft interessiert ist und deshalb denke ich, dass sich insgesamt eine größere Anzahl Menschen mit dem Thema beschäftigen, wenn konkrete Anwendungsmöglichkeiten gezeigt werden. Auch weil für den Nutzen von Wissenschaft und Forschung dann wesentlich weniger Fantasie notwendig ist.

  8. @Carlo Düllings

    Auch die Aussage, dass man Menschen ohne akademischen Hintergrund hauptsächlich über die Anwendungen für Wissenschaft gewinnen kann, halte ich für falsch. Aber möglicherweise haben wir einfach unterschiedliche Auffassungen davon, was „für Wissenschaft gewinnen“ heißt.

    Die Fundamentalfragen der Wissenschaft sehe ich im breiten öffentlichen Interesse weniger in Konkurrenz mit Anwendungsfragen, sondern mit, sagen wir mal verkürzt: Pseudo-Fundamentalfragen. Die Suche nach Planeten um andere Sterne hat ganz unabhängig vom Bildungsstand Faszinationskraft. Aber wer eine Fernsehsendung für eine möglichst breite Öffentlichkeit darüber plant und nur auf die Quote schaut, wird wahrscheinlich UFO-Sichtungen, Kontaktberichte und angebliche Alienfunde noch mit dazunehmen.

  9. Wissenschaft & Bibel – eine Faszination

    Die Wissenschaft fühlt sich herausgefordert, die Aussagen der Bibel mit wissenschaftlichen Methoden zu beweisen – oder zu widerlegen – eine vertretbare Einstellung.
    Vor um 8.500 Jahren soll ein Dammbruch am Bosporus das Schwarze Meer langsam überschwemmt haben. Das geht i. O.
    Nun werten aber die Wissenschaftler [PR] diese Überschwemmung als biblische Sintflut, die auch noch weltweit gewirkt hat. Wie kommt eigentlich die Arche auf den 300 km entfernten Ararat, wenn das Wasser vom Mittelmeer nach unten fließt? Das sind schon mehrere Unmöglichkeiten!
    Der Stern von Bethlehem soll eine Planetenkonjunktion gewesen sein. Der Jupiter ist um 5 AE von der Sonne entfernt – die anderen noch weiter. Wie heißt es in Mt 2,9? „…Der Stern, den sie schon bei seinem Aufgehen beobachtet hatten, ging ihnen voraus. Genau über der Stelle, wo das Kind war, blieb er stehen.“ Das kann kein natürlicher Stern! Aber diesen Satz hat keiner zitiert – oder zitieren dürfen? Eine Planetenkonjunktion kann man nicht einem Haus zuordnen. Wenn wir ein Flugzeug in ca. 10.000 m hoch oben am Himmel sehen, ist das auch nicht möglich! Nehmen wir einen Hubschrauber in wenigen 100 m Höhe – da sieht das schon anders aus.
    Hubschrauber u. a. fliegende Objekte können wir in einer Serie sehen, die von 2003 – 2009 in GB produziert wurde: http://dokumonster.de/…uge-history-channel-doku/ .
    ZDFinfo: „Entdeckungen der Antike und altertümliche Technologien: Archäologen und Experten zeigen Ihnen die Ursprünge der heutigen Technologien.“ – „Die Bibel ist eine der wichtigsten historischen Schriften aller Zeiten. Sie enthält eine Vielzahl wissenschaftlicher Erkenntnisse und Hinweise auf Phänomene, die oft für übertrieben oder unmöglich gehalten werden – sollten nochmals überprüft werden!“ – So in: http://www.veoh.com/watch/v20448828z7xqsxXB .
    Vor 115 Jahren hat ein amerikanischer Ing. und Reverend Burrell Cannon einen technischen Nachbau nach biblischer Beschreibung erfolgreich versucht: http://altereddimensions.net/…ies-first-airplane …
    [PR] Pitman, W., Ryan, W.: Sintflut. Ein Rätsel wird entschlüsselt. Herbig 1999

  10. Vertrauensbruch in der Wissenschaft?

    Sehr geehrter Herr Dr. Pössel,

    Zitat Markus Pössel:

    “Das Einsteinjahr 2005 war von der Themenwahl her ein Sonderfall, aber da Einsteins Themen von Quantentheorie bis zu den Relativitätstheorien ja regelrechte Musterbeispiele für die Faszinationskraft der Physik sind, lag das Jahr zumindest in dieser Hinsicht gleichauf mit den vorangehenden.
    […]
    Und meiner Erfahrung nach lässt sich diese Erkenntnisse auf alle Versuche übertragen, Menschen dafür zu interessieren, sich näher mit wissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Ziemlich unabhängig davon, warum man möchte, dass sich die Menschen mit Wissenschaft beschäftigen – ob als Nachwuchswerbung, um Akzeptanz zu schaffen oder zu erhalten, oder um im Gegensatz Menschen zum Hinterfragen anzuregen
    […]
    Ein Blogartikel gibt den nächsten; einigen Lesern wird auffallen, dass dieser hier ein Spin-Off seines Vorgängers, Die Zukunft des deutschen Wissenschaftssystems – was ist wichtig? ist. Das Thema wird mich auf alle Fälle weiter beschäftigen.“

    Vielleicht könnten Sie bei Ihrer weiteren Beschäftigung mit dem Thema aufgrund folgender, aktueller Sachverhalten analysieren, warum die in der Öffentlichkeit ohne Zweifel vorhandene Faszinationskraft im Bereich der theoretischen Physik durch die praktizierte Wissenschaftskommunikation zu Desinteresse oder gar zu einem gravierenden Vertrauensbruch umkippen kann:

    Neutrino-Experiment: Anfrage an die Physikalisch-Technische Bundesanstalt
    href=http://www.kritik-relativitaetstheorie.de/2012/07/neutrino-experiment-anfrage-an-die-physikalisch-technische-bundesanstalt/

    Offizielles Fazit (“Loser Stecker”) zu den Neutrino-Experimenten am CERN ist fragwürdig
    http://www.kritik-relativitaetstheorie.de/…rdig/

    Was meinen Sie?

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  11. @Klaus Deistung

    Dass sich „die Wissenschaft“ da herausgefordert fühlt, ist aus meiner Sicht eine übertriebene Verallgemeinerung. Den allermeisten Wissenschaftlern dürfte das, was sie da schreiben, eher von, diplomatisch ausgedrückt, untergeordnetem fachlichen Interesse sein.

    Ihr Kommentar zeigt allerdings einen Aspekt der Faszination, der für die Wissenschaftskommunikation durchaus eine Herausforderung ist: Dass für die breite Bevölkerung zwar viele Grundfragen der Wissenschaft interessant sind, dass aber andererseits von den Grundfragen, denen breites Interesse entgegengebracht wird und die als wissenschaftlich verkauft werden, eine ganze Reihe eher in die Grenzgebiete der Wissenschaft fallen oder sogar jenseits der Grenze liegen.

  12. @Jocelyne Lopez

    Mit der Frage, was hinter den (wenigen) steckt, die das Vertrauen in die herkömmliche Wissenschaft offenbar gänzlich verloren haben, werde ich mich in Zukunft sicher auch noch weiter auseinandersetzen. Meine unschönen Erfahrungen mit solchen Leuten hatte ich ja früher bereits in dem Blogbeitrag Diskussionen mit unorthodoxen Kritikern beschrieben.

    Dass die Faszination in der breiten Öffentlichkeit allgemein in Vertrauensverlust umgekippt wäre, wie Ihr Kommentar zu implizieren scheint, sehe ich allerdings beim besten Willen nicht. In Bereichen wie Gentechnik vielleicht; in der theoretischen Physik sehe ich dafür keine Anzeichen.

  13. aber nicht vergessen

    im Bereich der Gentechnik wie auch in anderen fortschritlichen Technologien ist das auf massive und irreführende Kampagnen von diversen Lobby- und anderen Gruppen zurückzuführen. Mit purer, teilweise irrationaler Angstmache werden viele Bürger erreicht und beeinflußt bis sich eine breite „Gegnerschaft“ aufgebaut hat.
    Diese Tendenzen haben wir auch in den „weniger interessierenden“ Wissenschaftsbereichen, in vielen deutschsprachigen Hochschulen haben wir schon (geduldete) okulte Unterwanderung. Man sollte die Erfolge selbst kleiner Versuche neunmalkluger Kritiker eher nicht unterschätzen. Besonders an Fachhochschulen hat der physikalische Humbug Einzug gehalten, die Erfinder des perpetuum mobile sind lägst wieder unterwegs. Mußte raus 😉

  14. @Markus Pössel

    Es fällt irgendwie auf, dass bei Wissenschaftskommunikation so etwas wie eine professionelle Erfolgskontrolle praktisch nicht stattfindet. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, bemerkte unlängst dazu [Essay „Marketing oder Kommunikation?“]:

    Wissen wir eigentlich, was Wissenschaftskommunikation bringt? Und wollen wir es überhaupt so genau wissen? Hohe Besucherzahlen, begeisterte Presseberichte oder Fotos mit glücklichen Kindergesichtern sind gern genommene, aber häufig völlig ungeeignete Methoden der Projektevaluation. Das ist nicht nur für potenzielle Geldgeber ein Problem. Die fehlende objektive Erfolgskontrolle verstellt auch häufig den Blick auf die tatsächlichen Herausforderungen und behindert die realitätsgeleitete Weiterentwicklung der verschiedenen Formate der Wissenschaftskommunikation.
    Hier, scheint mir, gibt es viel zu tun.

    Mit seinem Fazit hat der Mann wohl recht.

  15. Schon wieder?

    Tut das nun echt wieder Not? Soll man das überlesen oder darauf eingehen und das Ganze eskaliert wieder? Kann diese nervige Propaganda und Provokation und unnötige Verlinkung auf die eigenen Seiten nicht einfach unterlassen werden?

    Antwortet man dazu ganz sachlich, wird es wie immer keine Ende nehmen. Die unorthodoxe Kritik hat ihre eigenen Seiten und Portale, dort wird Kritik an der unorthodoxen Kritik aber von vornherein ausgeblendet. Das Thema PTB wurde überall schon zelebriert.

    Wolfgang Engelhardt hat hier:

    http://www.relativ-kritisch.net/…t#comment-21329

    einen Gastauftritt, dort kann das Thema mit ihm nach seinem Urlaub debattiert werden. Die Fehler welche die Kritiker und die Engelhardt bei dem Thema machen, sind alle aufgezeigt.

  16. Zu Jocelyne Lopez

    Nachdem Frau Lopez hier wieder nach Kräften versucht, der Diskussion ihre persönlichen Steckenpferde aufzuzwingen, diese aber (a) für die Mehrheit der Leser eher nicht interessant sein dürften, (b) sowieso erfahrungsgemäß auf Frau Lopez‘ eigenem Blog gespiegelt werden und (c), siehe Link von Herrn Krüger, auch auf Relativ kritisch diskutiert werden können, fange ich jetzt wieder an, allzu themenfremde Kommentare zu löschen.

    Zu den Hintergründen meines Umgangs mit Kommentaren hatte ich mich hier ja bereits ausführlich geäußert.

  17. Hoppla…

    …jetzt habe ich doch aus Versehen glatt auch den Kommentar von Frau Lopez gelöscht, der sich noch einigermaßen ans Thema hielt. Sorry.

    Aber ich bin sicher: der wird für die, die es interessiert, in Bälde mit dem üblichen entrüsteten Beiwerk auf Frau Lopez‘ Blog auftauchen.

  18. @Chrys

    Das mit der systematischen Evaluation ist ein guter Punkt. Ich habe dazu auch keine Patentlösung und gehe im wesentlichen nach meinen Erfahrungen und den Erfahrungen anderer. Einiges, was ich an Evaluationsvorträgen z.B. beim Forum Wissenschaftskommunikation 2010 gehört habe, war regelrecht grausam — von Leuten, die wahrscheinlich die sozialwissenschaftlichen Methoden beherrschen, aber nicht genug über den Untersuchungsgegenstand wussten, um aussagekräftige Untersuchungen durchzuführen.

  19. aus Versehen und mit Absicht gelöscht…

    Zitat Markus Pössel

    “hoppla…jetzt habe ich doch aus Versehen glatt auch den Kommentar von Frau Lopez gelöscht, der sich noch einigermaßen ans Thema hielt. Sorry.
    Aber ich bin sicher: der wird für die, die es interessiert, in Bälde mit dem üblichen entrüsteten Beiwerk auf Frau Lopez‘ Blog auftauchen.“

    Nachstehend meinen heutigen aus Versehen gelöschten Beitrag. Der mit Absicht gelöschte Beitrag, der sehr wohl mit der Thematik zu tun hatte, auch wenn es Markus Pössel nicht recht ist, finden interessierte Leser in der Tat im Blog Jocelyne Lopez, wo ich schon verschiedene von Markus Pössel zensierte Kommentare gesammelt habe.

    Zitat Chrys:

    Es fällt irgendwie auf, dass bei Wissenschaftskommunikation so etwas wie eine professionelle Erfolgskontrolle praktisch nicht stattfindet. […]
    Mit seinem Fazit hat der Mann wohl recht.“

    Auch das Fazit dieses Autors gibt zu bedenken:

    The Twilight of the Scientific Age, Martín López Corredoira, 2013

    Beschreibung: “This book gives a challenging point of view about science and its history/philosophy/sociology. Science is in decline. After centuries of great achievements, the exhaustion of new forms and fatigue have reached our culture in all of its manifestations including the pure sciences. Our society is saturated with knowledge which does not offer people any sense in their lives. There is a loss of ideals in the search for great truths and a shift towards an anodyne specialized industry whose main goal is the sustenance and procreation of an endogamic professional caste. A wide audience of educated people interested in these topics will most likely respond to the ideas expressed here as things they have thought about or observed, but have not dared to say out loud.”

    Wieso sollte sich die Öffentlichkeit zum Beispiel für die theoretische Physik interessieren, die ausschließlich auf den Postulaten der Relativitätstheorie beruht, wenn offen von den offiziellen Seiten der Forschung und der Wissenschaftskommunikation verkündet wird, dass die breite Öffentlichkeit prinzipiell nicht in der Lage sei, sie überhaupt zu verstehen, siehe zum Beispiel die Aussagen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt als Antwort auf die Frage, wie die Uhren beim CERN-Neutrino-Experiment synchronisiert wurden:

    22.03.2013 – Zitat PTB:
    http://www.kritik-relativitaetstheorie.de/…talt/

    “Wenn man in diesem Feld, wo die Intuition versagt, genau verstehen will, was passiert (und was nicht passieren kann), reicht eine Argumentation in der Alltagssprache einfach nicht: Man muss sich des korrekten und vollständigen mathematischen Formalismus bedienen. Das ist mühevoll, erfordert viele Vorkenntnisse und bietet viele Möglichkeiten, etwas falsch zu machen. Nicht ohne Grund lernen Physikstudenten diese Dinge erst in späteren Studienjahren.”

    Da man davon ausgehen darf, dass 99% der Bevölkerung Deutschlands kein abgeschlossenes Physikstudium absolviert haben, sind sowohl Öffentlichkeitsarbeit als auch Wissenschaftskommunikation in den Medien restlos hinfällig. Die Bevölkerung wird zwar zur Kasse gebeten, um Ausbildung der Wissenschaftler und Forschungsprojekte zu finanzieren (und nicht zu wenig im Falle der CERN-Experimente), aber sie darf draußen bleiben… Die Wissenschaft ist dann ausschließlich als private Veranstaltung für den Spaß einer geschlossenen Gesellschaft von Forschern gemäß Schilderung von Markus Pössel in diesem Blog organisiert und hinzunehmen:

    Zitat Markus Pössel:
    „Aber bei der Stange halten einen die Faszination der täglichen Arbeit, das Knobeln, die Erfolge, etwas herauszufinden, die Freude am gelungenen Experiment, daran, wenn eine schwierige Mess- oder Simulationsaufgabe nach sorgfältiger Vorbereitung und konzentrierter Durchführung, meist auch etlichen Fehlschlägen dann endlich gelingt.“

    Sind persönliche Faszination und Spaß der Forscher zur einzigen Daseinsberechtigung der theoretischen Physik geworden? Und ist es recht?

    Viele Grüße
    Jocelyne Lopez

  20. @Jocelyne Lopez

    …und damit wären wir wieder bei dem für Ihre Beiträge hier in der Vergangenheit leider recht typischen Konglomerat aus verzerrten Darstellungen, tendenziösen Vereinfachungen, logischen Sprüngen und Anschuldigungen.

    Ich lasse das als Beitrag jetzt einfach mal so stehen. Ich traue den Lesern hier durchaus zu, selbst den Unterschied zwischen einem bis-in-die-Details-hinein-verstehen und einem auch ohne Studium möglichen guten Überblick über die Ergebnisse einer Wissenschaft zu sehen. Und zwischen meiner Aussage dazu, was Wissenschaftler persönlich motiviert und der ganz anders gelagerten Frage nach der gesellschaftlichen Daseinsberechtigung des Wissenschaftsbetriebes.

    Bei so geringem Mehrwert ist ihr Kommentar allerdings schon haarscharf an der Grenze dessen, was ich hier noch freischalte.

  21. Was verhilft zu Anerkennung?

    Kann es sein, dass die Erwartungshaltung der etablierten Wissenschaft zu einer hohen Bereitschaft zum Einschmeicheln verführt? Werden neue Ideen auch dadurch abgeblockt? Würde beispielsweise eine bahnbrechende, das Weltbild verändernde, Entdeckung in der Physik überhaupt angeschaut?

    Es ließe sich mit wenig Aufwand testen, welche der gegensätzlichen Ansichten zu c = const. richtig ist. Falls die Feinstrukturkonstante, wie ich behaupte, durch Stöße diskreter Objekte erzeugt wird, könnte die Lichtgeschwindigkeit nur lokal konstant sein. Eine Rechnung dazu lässt sich, durch Herunterladen und laufen lassen, durch Anklicken überprüfen.
    => http://struktron.de/…urkonstante-Berechnung.html
    Wie kann man in Deutschland eine Überprüfung erreichen? Wer von den Kontrahenten ist dazu bereit? Auch die PTB hält sich zurück, das Ergebnis zu bestätigen. Bedeutet das, die Behauptung kann nicht widerlegt werden und ist vermutlich wahr? Warum soll so eine Wahrheit nicht an die Öffentlichkeit gelangen? Wollen die RT-Kritiker so etwas vielleicht auch nicht? Ist die deutsche Jugend genügend fasziniert von neuen Ideen, um sich dafür besonders anzustrengen?

  22. @Lothar Wiese

    Da Diskussionen hier in der Vergangenheit beachtlich ausgeufert sind (siehe auch hier und hier) achte ich verstärkt darauf, dass die Kommentare am Thema des Hauptbeitrags bleiben.

    Die Frage, die Sie aufwerfen — insbesondere: wie sollte man vorgehen, wenn man außerhalb des Mainstreams ist und eine der Selbsteinschätzung nach gute Idee hat, die man aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht in den herkömmlichen Fachzeitschriften unterbringen kann — finde ich durchaus interessant, aber eine Diskussion Ihres konkreten Modells hätte dann doch nichts mehr direkt mit dem Thema dieses Blogbeitrags zu tun.

    Insofern: Sie haben auf Ihr Modell hingewiesen, wer interessiert ist, kennt jetzt die Webseite, wo er oder sie weitere Informationen findet, aber dabei möchte ich es dann auch bitten zu belassen.

  23. @Marcus Pössel: Veröffentlichungen

    Zunehmende Vielfalt von genutzten Informationsquellen erzeugt möglicherweise den Eindruck nachlassender Faszination für Wissenschaft. Der eine Teil von Neuigkeiten im Rahmen des Mainstreams wird allerseits beachtet, euphorisch zitiert und leider gern als „Wahrheit“ interpretiert. Die Themen werden faszinierend dargestellt.

    Andererseits werden mittlerweile viele Ideen anderweitig veröffentlicht, welche nicht die Hürde für Fachzeitschriften genommen haben. Diese sind, weil sie die Meinung der Wissenschaft negieren, oft leider ebenfalls so faszinierend, dass sie sich wie ein Lauffeuer verbreiten.

    Die Idee bzw. Entdeckung aus meinem letzten Blogbeitrag zeigt, dass die Bereitschaft zu wissenschaftlicher Beurteilung wegen der zunehmenden Vielfalt von Informationsquellen nachlässt. Selbst sensationelle Entdeckungen und nützliche Ideen können schwer vermittelt werden.
    Das kann verschiedene Gründe haben:
    – Wenn es verstanden wurde, jemand aber eine grundsätzliche Abneigung gegen die übergeordnete Grundidee hat, wird er die Anerkennung des möglicherweise richtigen Ergebnisses von sich schieben.
    – Wenn diese jemand nicht versteht, weil sie ihm zu kompliziert erscheinen, wird er kaum dafür zu begeistern sein.
    – Weil es Mühe macht, wartet man ab, ob es jemandem anderen gelingt, es in den Mainstream einzufügen.
    – Die meisten Theorien erfordern Mathematik. Mathematiker oder Physiker, welche oft so auftreten, als würden sie alle vorkommenden Rechenmethoden kennen und beherrschen, geben ihre Schwächen schwerlich zu. Es erfordert häufig zeitaufwendige Bemühungen, neue Ideen und Entdeckungen nach zu vollziehen.
    – Aus gewissen (mir unbekannten) sonstigen Gründen sind manche Gedanken unerwünscht.

    Trotz auftretender Probleme bei der Bekanntmachung neuer Ideen glaube ich fest daran, dass sich wichtige Entdeckungen, egal wo sie veröffentlicht werden, verbreiten. Weil diese einen großen Beitrag zur Faszination der Wissenschaft leisten, wäre ein Blog über ein solches Thema wünschenswert. Vielleicht ergibt sich dadurch eine Möglichkeit zum sinnvollen Nebeneinander verschiedener Veröffentlichungsarten neben den Fachzeitschriften und auch eine Anerkennung von Zitaten aus solchen. Wikipedia könnte eine übergeordnete Schiedsstelle für so etwas werden.

  24. @Lothar Wiese

    Das Internet ist voll von Menschen die wie Sie glauben etwas ganz großes und neues in der Physik entdeckt zu haben. Von vielen Weltformeln über unzählige Widerlegungen der RT. Auch die QT wird oft widerlegt und ersetzt. Es zeigt sich jedoch bisher immer, dass die Entdecker große Wissenslücken haben und dadurch Fehler machen. Nimmt sich ein Physiker die Zeit und erklärt die Zusammenhänge stößt er immer auf massiven Widerstand des Entdeckers. Dieser will sich sein Werk nicht mehr nehmen lassen, zu viel Zeit hat er investiert, zum Teil über Jahre gerechnet und Bilder gemalt. So blitzt der Entdecker bei allen Physikern ab, keiner will sein Werk anerkennen, den Aussagen zustimmen. So werden die Entdeckungen selber im Web veröffentlicht, oder in Eigenverlagen. Doch auch das bringt nicht die erhoffte Reaktion, es gibt keine Anrufe, und auch das Fernsehen steht nicht vor der Tür. So sucht der Entdecker nach einem Grund und kommt dann in der Regel immer zum Schluss, es gibt eine Verschwörung in der Wissenschaft, die seine und andere Entdeckungen unterdrückt. Es ist ein ganz altes Lied und der Text hat sich nicht geändert. Mag hart klingen, ist aber so. Es wurde schon oft versucht im Gespräch mit solchen Entdeckern eine Basis zu finden, jedoch war es nie möglich. Die Entdecker lassen nur einen Weg zu, sie haben mit dem was sie entdeckt haben Recht. Wird dem nicht zugestimmt, endet es immer im Streit.

    Zu Ihrer Seite, es fehlt eine Einführung, eine Beschreibung um was es überhaupt geht, was genau entdeckt wurde, warum es wichtig ist, was es anders sieht, wo die Unterschiede zur anerkannten Physik sind, und was es bringt. Und warum sollte sich die Feinstrukturkonstante aus Stößen errechnen lassen?

    Mal ein Angebot, da Herr Pössel hier im Blog eine Diskussion zu diesem Thema wünscht, biete ich hier:

    http://forum.alltopic.de/index.php

    eine Plattform auf der Sie Ihre Entdeckung zur Diskussion stellen können. In dem Forum schreiben einige Physiker, eventuell bekommen Sie da ja Resonanz. Versprechen Sie sich aber nicht zu viel, es ist davon auszugehen, dass Ihre Entdeckung seziert wird.

  25. @Manuel Krüger, Bemühungen – Faszination

    Ihre Antwort zeigt, dass doch auch Themen außerhalb des Mainstreams Interesse und vielleicht auch Faszination verursachen. Ob Interessierte außer verbaler Diskussion, welche gewissen Unterhaltungswert besitzt, auch bereit sind, sich etwas stärker selbst zu bemühen, werde ich nach bisherigen negativen Erfahrungen auch noch im Forum alltopic testen. Wenn dort, wie auch hier und in news:de.sci.physik sowie http://www.quanten.de/forum/index.php5 und http://www.manus-zeitforum.de/list/1 niemand bereit ist, die geringe Mühe auf sich zu nehmen und erst mal nur zu sehen, ob diese geheimnisvolle Zahl bei den Rechnungen heraus kommt, zeugt das dafür, dass die Faszination sich auf einen einfachen passiven Unterhaltungswunsch beschränkt.
    Weshalb nicht einmal Leute, welche mit dem derzeitigen Stand der Physik unzufrieden sind, die Möglichkeit zum Überprüfen meiner Behauptung durch ein paar Klicks wahrnehmen, verstehe ich nicht.

  26. @ Markus Pössel Grenzgebiete

    Sie schreiben mir: „Den allermeisten Wissenschaftlern dürfte das, was sie da schreiben, eher von, diplomatisch ausgedrückt, untergeordnetem fachlichen Interesse sein.“ Sie machen es aber und da lassen sich klare Fehler aus wissenschaftliche Analyse eindeutig nachweisen – also Wissenschaftler 2. Klasse?
    Will man hier nicht ordentlich arbeiten – oder ist das so vorgeschrieben?

    Es bleibt auch die Frage der Grenzgebiete – wer legt das/was fest? – und warum? Da kommt es mir eher so vor, dass hier Wissenschaftlichkeit oft nur eine untergeordnete Rolle spielt.
    Es gibt Wissenschaftler die auf verschiedenen Gebieten feststellen, dass wir uns mit einigen Techniken und Technologien der Vergangenheit und Gegenwart zu wenig beschäftigen und uns so Chancen vergeben in Verbindung mit unseren Erkenntnissen schneller weiter zu kommen – gern mehr dazu.

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