Was heißt ein Präsident Trump für die Wissenschaftskommunikation?

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… aber nicht einfacher
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Noch sind die allerletzten Stimmen nicht ausgezählt, aber die Chancen stehen gut für einen Präsident Trump. Und klar ist bereits jetzt, dass sich deutlich mehr US-Amerikaner als von den Meinungsforschern erwartet für Trump entschieden haben.

Klimawandel

Was heißt das für die Wissenschaft bzw. die Wissenschaftskommunikation? Erstens dass die Bevölkerung in den USA den Klimawandel weitgehend nicht ernst nimmt. Das ist wesentlich auch ein Problem der Wissenschaftskommunikation. Dass es bei diesem Thema Probleme gibt, hatte ich in den letzten Jahren besonders an dem einen Fall gesehen, den ich selbst nachgeprüft hatte, nämlich an der Berichterstattung über die globalen Temperatur-Mittelwertkurven (hier mein Beitrag von 2013, hier der Nachklapp von 2015).

Dass damals selbst in einigen Wissenschaftsredaktionen größerer deutscherer Medien die Mär von der Pause in der Erderwärmung die Runde machte und in Artikeln beschrieben wurde, finde ich nach wie vor unsäglich. Dass die Berichterstattung über das Thema selbst bei einer solchen eher elementaren Übung – was ist ein Trend, was sind Schwankungen, welche Aussagen lassen sich aus einer Überlagerung von Trend und Schwankungen ziehen? –  schwächelt, zeigt, wieviel Arbeit da noch zu tun ist.

Wissenschaft in der Gesellschaft?

Ich habe den Filterblaseneffekt bei dieser Wahl nur zum Teil erlebt. Im Gegenteil: Sowohl beim Brexit als auch hier gab es über internationale Facebook-Bekannte (Facebook nennt das ja “Freunde”) immer einmal wieder Einblicke in die Welt derer, die alles ganz anders sahen. Insofern: Ja, ich habe bei einigen Menschen tatsächlich verstanden, warum sie Trump gewählt haben.

Nicht aus Dummheit oder Ignoranz, sondern aufgrund einer anderen Gewichtung der Themen. Abtreibung ist so ein Thema, und die damit zusammenhängende, aber auch darüber hinausgehende Frage, was die zukünftige Zusammensetzung des obersten Gerichtshofs der USA über die nächsten Jahrzehnte (!) für Auswirkungen haben wird. Das war vielen Menschen offenbar wichtiger als die Angst vor Trumps Unberechenbarkeit, seinen Ausgrenzungen, seinem so gut wie kompletten Mangel an Qualifikationen.

Davon abgesehen: Unter den Wissenschaftlerkollegen im Institut und jenen, die ich über soziale Medien kenne, war die Ablehnung von Trump ebenso wie die Ablehnung des Brexit so gut wie universell. Das heißt andererseits auch, dass sich die Wissenschaft offenbar aus der Mitte der Gesellschaft entfernt. Und das wiederum ist eine Herausforderung für die Wissenschaftskommunikation – und hat Folgen für das Vertrauen der Menschen in die Wissenschaft.

Experten

Entsprechende Rhetorik hatten wir ja sowohl beim Brexit als auch im US-Präsidentschaftswahlkampf. Experten? Arrogante Besserwisser! Solche Rhetorik und das damit verbundene Misstrauen sind Gift für die Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft. Das Stichwort von der postfaktischen Gesellschaft betrifft die Wissenschaft und deren Methoden ganz direkt.

Und wenn eine Gesellschaft einmal beschlossen hat, dass sie eigentlich gar keine Experten braucht, sondern System-Außenseiter mit dem Herz am rechten Fleck (wo immer der dann von den Menschen verortet wird), in der Politik ebenso wie anderswo, kann die Wissenschaft, definitionsgemäß die Bastion von Experten bestimmter Fach- und Forschungsgebiete, auch irgendwann einpacken bzw. zurückstecken.

Was tun?

Was tun? Diese Frage stellt sich ja jetzt auf vielen Gebieten.

Für die Wissenschaft sollte das ein Ansporn sein, noch offener zu werden. Ich hatte das vor ein paar Jahren in Reproduzierbare Astronomie für die Astronomie angesprochen. Es gibt vielversprechende Ansätze, aber da geht noch deutlich mehr wenn es um das Zugänglichmachen von Skripten, Software und Daten geht. Wissenschaft kann und sollte noch transparenter werden. Aus eigenem Antrieb, im eigenen Interesse.

Alle Transparenz nutzt natürlich nichts, wenn Wissenschaftler unter sich bleiben. Insofern: Mehr und besser kommunizieren. Und die Wissenschaftler auch als Menschen sichtbar machen. Mit Leuten ins Gespräch kommen, mit denen man sonst nicht redet. Vorurteile abbauen. (Auf beiden bzw. allen Seiten.)

Wenn man sich anschaut, wer in den USA Trump gewählt hat und wer nicht, dann ist Bildung, formal gemessen durch den höchsten erreichbaren Abschluss, ein wichtiges Kriterium. Sich für bessere / breitere Bildung zu engagieren ist ein weiterer wichtiger Punkt.

All das ist deutlich leichter abstrakt hingeschrieben als dann im Detail getan, und die konkreteren Antworten auf die Frage, was jetzt zu tun sei, werden mich und vermutlich noch viele andere ja auch noch eine ganze Weile beschäftigen. Vermutlich sollte ich die Temperaturkurven wieder hervorholen.

 

 

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Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit, seit 2010 zudem Leiter der Öffentlichkeitsarbeit am Max-Planck-Institut für Astronomie und seit 2019 Direktor des am Haus der Astronomie ansässigen Office of Astronomy for Education der Internationalen Astronomischen Union. Jenseits seines "Day jobs" ist Pössel als Wissenschaftsautor sowie wissenschaftsjournalistisch unterwegs: hier auf den SciLogs, als Autor/Koautor mehrerer Bücher und vereinzelter Zeitungsartikel (zuletzt FAZ, Tagesspiegel) sowie mit Beiträgen für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

55 Kommentare

  1. Wie kann Wissenschaft im Wahlkampf eines Land eine Rolle spielen, in dem eine College-Ausbildung mitlerweile 200.000 $ kostet, Klimawandel als Thema in einem Wahlkampf nicht vorkommt und der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses Wissenschaft ablehnt? Willkommen in der post-factual world. Die es zu bekämpfen gilt. Vor allem im Vorgriff auf unsere eigenen Wahlen hier im Frühjahr.

    • Genau. Mangelnde Durchlässigkeit des Systems ist sicher eines der wichtigsten Symptome. Klimawandel ist, wie geschrieben, zum einen eine Frage des Vertrauens in die Wissenschaft, zum anderen aber z.B. auch ein Medienproblem mit falsch umgesetzter Ausgewogenheit. Was machen wir konkret?

  2. Angesichts der jüngsten Ereignisse neige ich dazu, zu resignieren. Und (womit man mich natürlich gerne kritisieren darf) die derzeitige Form der Demokratie in Frage zu stellen. Ob Bildung deart flächendeckend noch möglich ist zu erreichen? Öffentliche Medien werden von bestimmten Gruppen sowieso nicht mehr beachtet, die Polarisierung übers Internet nimmt zu. Solche Leute werden auch ihre Kinder beeinflussen, daher wird auch Schule nur begrenzt kohärent wirken können.

    • Demokratie ist und bleibt die schlechteste Gesellschaftform, ausgenommen all die anderen Möglichkeiten (Churchill). Schule ist und bleibt ein wichtiger Faktor. Und die Medien dürfen ruhig auch mal an größerer Transparenz arbeiten – das geschieht hie und da ja schon. Insofern: Resignieren bringt nichts, aber hoffnungslos ist die Lage auch nicht.

      • Ich bezweifle, dass wir all die anderen Möglichkeiten schon ausprobiert haben, und ich bezweifle, dass Demokratie selbst nicht noch verbesserbar wäre. Beispielsweise könnte man den Einfluss von Sachkunde in jedem Entscheidungsgebiet erhöhen – also eine “Expertokratie” fördern, die zweifellos momentan – mehr denn je – von der Mehrheit abgelehnt wird.

        • Dass das Churchill-Zitat keine mathematisch exakte Aussage sein soll, ist hoffentlich klar.

          Wir haben zwar sicher nicht alles ausprobiert, aber wir haben ja an diversen Beispielen gesehen, wohin die Versuche führen, auf freie Wahlen und Kandidatenvielfalt zu verzichten. Ich sehe keine “Expertokratie”, in der nicht letztlich diejenigen, denen es vor allem um die Macht geht, Mittel und Wege finden, das System und die jeweilige Experten-Definition für ihre Zwecke auszunutzen.

          Derzeit haben wir ja so etwas wie eine Mischung aus Wahlen und Expertokratie – sprich, wir haben die nicht-politischen Beamten in den diversen Ministerien und Dienststellen und die gewählten Politiker und deren politische Beamte. In solch einem System die Korrekturmöglichkeiten durch Wahlen abzuschaffen und ganz nach einer (dann einigermaßen willkürlichen) Experten-Definition vorzugehen, fände ich fatal.

          • Ich hingegen finde fatal, dass die Mehrheit der Menschheit nicht einmal das nötige Wissen hat, um für sich selbst sinnvolle Entscheidungen treffen zu können (Beispiel: Klimawandel, gegen diesen wird – wenn – ziemlich anti-basisdemokratisch, eben genau expertokratisch, agiert). Aber abgesehen davon gäbe es in vielerlei Hinsicht Verbesserungen zu diskutieren, z.B. nach Reybrouck. Das Problem ist: Es gäbe so viel zu verbessern, aber stattdessen geht der öffentliche Druck meist eher in Richtung Autokratie/Nationalismus/Faschismus als “Lösung”.

  3. Ich glaube, dass das Misstrauen gegenüber der Wissenschaft auch deshalb zugenommen hat, weil es immer mehr Disziplinen gibt, deren wissenschaftlicher Gehalt gering, deren Öffentlichkeitswirksamkeit aber umso höher ist.

    Das ist zum Beispiel bei Wirtschaftswissenschaften, Ernährungswissenschaften oder Genderwissenschaften der Fall.

    Es ist völlig verständlich, dass Menschen die Wissenschaft nicht mehr ernst nehmen, wenn es immer wieder heißt “Researchers have found …” was sich später dann als falsch oder unbelegt herausstellt.

    Interessanterweise liegt das gar nicht an zu wenig, sondern an zu viel (falscher und/oder sensationsgeiler) Wissenschaftskommunikation.

    • Ich weiß nicht, ob das den Vertrauensverlust in den letzten Jahren wirklich erklärt. Wirtschaftswissenschaften hatten immer schon einen schlechten Ruf, dass die Wunderdiät nichts bringt haben viele Menschen auch schon vor 30 Jahren am eigenen Leibe erfahren, und wenn ich mir einige Studien von Genderwissenschaften anschaue, finde ich die Ergebnisse ganz interessant, und die Methodik durchaus auf dem üblichen Standard der Sozialwissenschaften – dass das trotzdem ein kontroverses Thema ist, habe ich ja auch hier auf dem Blog schon gemerkt.

      Aber all das spricht ja eigentlich für mehr Transparenz und mehr Science Literacy. Wenn man “Researchers have found…” (früher ja klassisch: “US-Wissenschaftler haben herausgefunden…”) automatisch hinterfragt und Kriterien dafür entwickelt, hat was tragfähig ist und was nicht, sollte man dagegen gefeit sein, alles erstmal zu glauben und dann enttäuscht zu werden (und umgekehrt: ganze Fachgebiete in einen Topf bzw. Mülleimer zu werfen).

      • Markus Pössel schrieb (9. November 2016 @ 09:46):
        > Wenn man „Researchers have found…“ (früher ja klassisch: „US-Wissenschaftler haben herausgefunden…“)

        … oder aktueller und konkret SciLogs-bezogen auch “… We did it!”

        > automatisch hinterfragt

        … insbesondere dermaßen automatisch, wie die Assistenten, die Lamport, Voevodsky, Reddy & Co. sich vorstellen und uns zur Verfügung stellen (könnten) …

        > <em und Kriterien dafür entwickelt, […] was tragfähig ist und was nicht

        … wobei sicherlich diejenigen Kriterien(-Bestandteile) von vornherein als an sich und wesentlich tragfähig gelten können,
        die man anwenden (und deren Anwendbarkeit man gleichermaßen jedem
        anderen Assistenten zugestehen) müsste, um bewerten zu können,
        welche Kriterien sich überhaupt zur Bewertung eigneten, was tragfähig ist und was nicht …

        > sollte man dagegen gefeit sein, alles erstmal zu glauben und dann enttäuscht zu werden (und umgekehrt: ganze Fachgebiete in einen Topf bzw. Mülleimer zu werfen).

        Sollte man außerdem die dadurch auftretenden Fragen denjenigen öffentlich stellen können, deren öffentliche Äußerungen dazu Anlass gegeben haben?

        Sollte man auf (deren) Kenntnisnahme und sogar (ggf. geeignet assistierter und autorisierter) Beantwortung hoffen?

        Sollte man zumindest auf überhaupt jemandes Kenntnisnahme und eventuelle Antwort-Versuche hoffen?

        Was tun, falls derartige Kenntnisnahme ausbleibt und/oder sich eventuelle Antwortbemühungen sich als nicht tragfähig herausstellen? …

        Sollte man öffentlich darauf hinweisen, welche Kriterien(-Bestandteile) man überhaupt von vornherein als an sich und wesentlich tragfähig gelten lässt (sofern man denn solche gefunden hat)?

        Und sollte man (ggf. automatische) Assistenz erhalten können, um eventuell dabei bestehende Barrieren zu überwinden bzw. zu beseitigen?

        • Die Frage, auf welchem Niveau, mit welcher Zielgruppe und wie individuell kommuniziert werden kann, ist ja nun nicht nur für die Wissenschaftskommunikation zentral.

          In punkto Klimawandel dürfte es eine Kombination sein. In einer idealen Welt würden die Grundlagen zum Daten-Verstehen schon in der Schule gelehrt (und da mit den üblichen Möglichkeiten, direkt nachzufragen). Und neben den populärwissenschaftlichen Artikeln etwa auf Spektrum-der-Wissenschaft-Niveau gäbe es eine breite Auswahl Erklärtexte/videos/… auf dem Niveau der KlimaLounge nebenan und wahrscheinlich auch etwas darüber / technischer.

          Bei diesen Veröffentlichungen gäbe es dann über die Kommentarfunktion auch (begrenzte) Diskussionsmöglichkeiten. Auch da dürfte es immer wieder Menschen geben, die sich durch nichts überzeugen lassen (und mit denen die Diskussion irgendwann nicht mehr lohnt) oder solche, bei denen man abwägen muss ob ihre Einlassungen (und sei es vom Niveau her) überhaupt für hinreichend viele Leser interessant sind, um zeitintensive Stellungnahmen zu lohnen, aber einen guten Prozentsatz der Menschen sollte man auf diese Weise schon erreichen können.

      • Markus Pössel schrieb (9. November 2016 @ 09:46):
        > Wenn man „Researchers have found…“ (früher ja klassisch:
        „US-Wissenschaftler haben herausgefunden…“)

        … oder aktueller und konkret SciLogs-bezogen auch “… We did it!”

        > automatisch hinterfragt

        … insbesondere dermaßen automatisch, wie die Assistenten, die Lamport, Voevodsky, Reddy & Co. sich vorstellen und uns zur Verfügung stellen (könnten) …

        > und Kriterien dafür entwickelt, […] was tragfähig ist und was nicht

        … wobei sicherlich diejenigen Kriterien(-Bestandteile) von vornherein als an sich und wesentlich tragfähig gelten können,
        die man anwenden (und deren Anwendbarkeit man gleichermaßen jedem
        anderen Assistenten zugestehen) müsste, um bewerten zu können,
        welche Kriterien sich überhaupt zur Bewertung eigneten, was tragfähig ist und was nicht …

        > sollte man dagegen gefeit sein, alles erstmal zu glauben und dann enttäuscht zu werden (und umgekehrt: ganze Fachgebiete in einen Topf bzw. Mülleimer zu werfen).

        Sollte man außerdem die dadurch auftretenden Fragen denjenigen öffentlich stellen können, deren öffentliche Äußerungen dazu Anlass gegeben haben?

        Sollte man auf (deren) Kenntnisnahme und sogar (ggf. geeignet assistierte und autorisierte) Beantwortung hoffen?

        Sollte man zumindest auf überhaupt jemandes Kenntnisnahme und eventuelle Antwort-Versuche hoffen?

        Was tun, falls derartige Kenntnisnahme ausbleibt und/oder sich eventuelle Antwortbemühungen sich als nicht tragfähig herausstellen? …

        Sollte man öffentlich darauf hinweisen, welche Kriterien(-Bestandteile) man überhaupt von vornherein als an sich und wesentlich tragfähig gelten lässt (sofern man denn solche gefunden hat)?

        Und sollte man (ggf. automatische) Assistenz erhalten können, um eventuell dabei bestehende Barrieren zu überwinden bzw. zu beseitigen?

      • Ich sage auch gar nicht, dass die Gebiete nicht wichtige Teilgebiete der Wissenschaft sind. Nur, dass sie (lange) nicht so weit sind, auf die reale Welt angewendet zu werden – was aber ständig passiert.

        “Wenn man „Researchers have found…“ (früher ja klassisch: „US-Wissenschaftler haben herausgefunden…“) automatisch hinterfragt und Kriterien dafür entwickelt, hat was tragfähig ist und was nicht, sollte man dagegen gefeit sein, alles erstmal zu glauben und dann enttäuscht zu werden”

        Das ist allerdings aus dem Elfenbeinturm heraus argumentiert. 90% der Menschen können und/oder wollen sich nicht differenziert mit wissenschaftlicher Methode und wissenschaftlichen Ergebnissen auseinandersetzen.

        Die meisten Menschen brauchen einfache Aussagen. Sie wollen wissen, ob Fleisch essen gut oder schlecht ist. Man kann nicht erwarten, dass die Menschen die genauen Daten durchgehen und eine Risikoabschätzung vornehmen, wenn sie hören, dass die WHO Fleisch als krebserregend einstuft.

        Das Einzige was hängen bleibt ist “Wissenschaftler sagen, dass Fleisch schlecht ist”, was aber so massiv der Alltagserfahrung widerspricht.

        Noch schlimmer sind solche Ergebnisse “Wein ist gut für den Körper” gefolgt von “Wein ist doch schlecht” usw. Das hinterlässt den Eindruck, dass prinzipiell alle Ergebnisse der Wissenschaft sich jederzeit als falsch herausstellen können.

        Denn wo ist der Unterschied für einen Laien zwischen “Wein ist gesund”, “Es findet ein Klimawandel statt” und “Die Menschheit ist durch Evolution entstanden”?

        Gerade in der USA haben sich z.B. in den letzten Jahren die liberalen Geisteswissenschaften zunehmend von der Wissenschaft zu einer politischen Institution entwickelt. Genau in die Kerbe hat auch Trump geschlagen.

        Die ganze “Grab by the pussy”-Geschichte hat Trump dann eher geholfen, als geschadet. Denn für die “einfachen” Menschen ist das ein Ausdruck von Weltfremdheit der “Gebildeten”. Ganz offensichtlich ist es doch der Traum jeden Mannes, einfach mal Schönheitswettbewerberinnen an die Pussy zu greifen…

        (Was ich mit dem letzten Satz sagen will: Politische Meinung und Wissenschaft verschwimmen in der Wahrnehmung zunehmend.)

    • @ cero :

      Ich glaube, dass das Misstrauen gegenüber der Wissenschaft auch deshalb zugenommen hat, weil es immer mehr Disziplinen gibt, deren wissenschaftlicher Gehalt gering, deren Öffentlichkeitswirksamkeit aber umso höher ist.

      Das ist zum Beispiel bei Wirtschaftswissenschaften, Ernährungswissenschaften oder Genderwissenschaften der Fall.

      Schon korrekt angemerkt, aber punktuell: “I beg to differ”:
      Die Wirtschaftswissenschaften, den Homo Oeconomicus meinend, sind so übel nicht, auch weil in gewissem Sinne alternativlos, schlecht natürlich die ideologische Überladung, erfolgt sie im Negativen oder im Globalistischen, die Nationalökonomie funktioniert generell schon (halbwegs), die Ernährungswissenschaften müssen auch nicht schlecht sein, sofern dort nicht besonders medialisiert, skandalisisert wird und die sogenannten Gender Studies müssten Esoterik sein.

      Oder anders formuliert:
      Das Misstrauen gegenüber der Wissenschaft hat auch deswegen zugenommen, weil die Wissenschaftskommunikation zunehmend stattfindet, früher waren hier viele (potentielle) Abnehmer gar nicht interessiert, weil auch nicht adressiert, heute sieht es dbzgl. deutlich besser aus.

      Das Web ist zuvörderst eine Chance.

      MFG
      Dr. Webbaer

  4. Zwei Fragen:
    1) Wenn Trumps Wahl das Resultat zu tiefer Bildung in den USA war, warum wurde Trump dann gerade jetzt gewählt, wo die Anzahl der gut Ausgebildeten höher ist als irgendwann sonst in der US-Geschichte
    2) Wenn Trumps Wahl das Resultat zu tiefer Bildung in den USA war, warum wurde Trump dann kaum von Latinos, Schwarzen und viel weniger von Frauen als von Männern gewählt obwohl Latinos, Schwarze und Frauen im Durchschnitt weniger gut ausgebildet sind.

    Trumps Wahl muss wohl als Protestwahl gesehen werden, Protestwahl aber nicht allein der Abgehängten und wenig Gebildeten, Protestwahl auch nicht vor allem der Abtreibungsgegner (die im Beitrag oben erwähnt werden), denn davon gibt es insgesamt zuwenig. Der Protest hat offensichtlich eine viel breitere Basis als angenommen, sonst wäre Trump nicht gewählt worden. Trumps Wahl deutet darauf hin, dass wir die USA zuwenig gut kennen und dass auch viele US-Amerikaner die USA zu wenig kennen. Paul Krugman hat in der NYT nicht umsonst den Artikel “Our Unkown Country” geschrieben.

    • Ergänzung: Trump ist der Unqualifizierteste von allen US-Präsidenten, die es je gab. Gewählt wurde Trump zu einem Zeitpunkt in dem es noch nie so viel Qualifizierte in den USA gab wie heute.

    • Natürlich ging es nicht nur um Bildung. Aber Bildung war ein wesentlicher Faktor – und in dem speziellen Kontext hier, nämlich Wissenschaftskommunikation, ist dieser Faktor wichtig.

      Das ging aus den Analysen vor der Wahl hervor und zeigt sich auch bei den Exit Polls, siehe z.B. hier bei der NY Times: Klarer Trump-Vorsprung bei White Without a College Degree (das meinte ich mit Bildung, formal gemessen am höchsten Abschluss) und ganz klarer Vorsprung bei den Evangelikalen – mit letzterem hat Trump vieles von der klassischen Republikaner-Wählerschaft doch noch hinter sich geholt, und das sind genau die Leute, denen Abtreibung und, allgemeiner, die Zukunft des Supreme Court besonders wichtig sind.

      • Zitat:

        Klarer Trump-Vorsprung bei White Without a College Degree (das meinte ich mit Bildung, formal gemessen am höchsten Abschluss)

        Nur sind die “White Without a College Degree” eben auch die Industriearbeiter, die ihren Job durch die Auslagerung der Fertigung nach China verloren haben. Und dieses Segment von Unzufriedenen hat ja Trump im Wahlkampf gezielt angesprochen.

        Es könnte also sein, dass es Unzufriedene sind, die Trump gewählt haben. Viele dieser Unzufriedenen sind wenig Gebildete und auch Arbeitslose. Doch Bildung schützt nicht in jedem Fall vor Unzufriedenheit und als schlecht empfundenen Lebenschancen. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien, Griechenland, selbst in Italien mit 37% betrifft nicht nur Unqualifizierte, sondern auch Studenten, die eben das Studium abgeschlossen haben.
        Fazit: Bildung macht nicht nur gescheiter, sondern erhöht auch die Aussichten auf eine (gute) Stelle. Das galt bisher. Doch ob es weiterhin und generell gelten wird, ist nicht mehr so sicher.

        • Klar ist es eine Mischung. Und es kommt ganz sicher darauf an, was man unter Bildung versteht. Ich verstehe darunter mehr als eine (eher enge) fachliche Qualifikation, sondern auch Fähigkeiten, Zusammenhänge zu erkennen und einzuordnen, ein gehobenes Grundwissen wie unsere Gesellschaft und Gesellschaften allgemein funktionieren, geschichtliche Kenntnisse die einen Parallelen erkennen lassen, ein bestimmtes Wissen, was Demagogie und Populismus sind und anrichten können.

          Nun hat sich das Universitätsstudium sicher (auch bei uns) von einer idealen Umsetzung dieses Bildungsbegriffs entfernt, aber auch in den USA mit deren Variante von fast einer Art Studium Generale in den ersten College-Jahren ist noch etwas von dieser Art von Bildung übrig. Und ja, ich denke dass neben anderen Faktoren – Abgehängtheit und Unzufriedenheit ganz sicher, Jobchancen in Abhängigkeit von der (dann weniger allgemein verstandenen) Bildung – auch diese Art von Bildung eine Rolle dabei spielt, wer Trump gewählt hat und wer nicht. Lasse mich aber, wenn es dazu anderslautende Umfragen/Zahlen/Daten gibt, gerne korrigieren.

          • @ Herr Dr. Pössel :

            Und es kommt ganz sicher darauf an, was man unter Bildung versteht. Ich verstehe darunter mehr als eine (eher enge) fachliche Qualifikation, sondern auch Fähigkeiten, Zusammenhänge zu erkennen und einzuordnen, ein gehobenes Grundwissen wie unsere Gesellschaft und Gesellschaften allgemein funktionieren, geschichtliche Kenntnisse die einen Parallelen erkennen lassen, ein bestimmtes Wissen, was Demagogie und Populismus sind und anrichten können.

            Es wird in einigen Fachbereichen auch, womöglich: zunehmend, gelehrt, wie Gesellschaften nicht funktionieren, gleichfalls behauptet wird, dass gelehrt wird, wie Gesellschaften funktionieren.

            Es muss sich hier nichts vorgemacht werden, der Neo- oder Kulturmarxismus hat an den universitären Bildungsstätten Einzug gehalten und heraus kommen oft formal Gebildete, die leider leider am Markt dann aber nicht teilnehmen können.
            Diese Bildung wäre dann eher unguter Art.

            Der Markt ist schon wichtich, es wird auch oder gerade für den Markt gelehrt.
            Dieser Markt meint auch den Geist.


            Ansonsten natürlich Zustimmung, hierzu – ‘Ich verstehe darunter mehr als eine (eher enge) fachliche Qualifikation, sondern auch Fähigkeiten, Zusammenhänge zu erkennen und einzuordnen (…)’ -, Opi W hat hierzu mal den Satz entwickelt, dass Bildung das ist, was übrig bleibt, wenn sozusagen alles vergessen worden ist.
            Er war, wie sich (vgl. zeitnah) herausgestellt hat, allerdings nicht der Einzige, der dies so gesehen hat bzw. derart entwickeln konnte.

            Vgl. auch mit:
            -> https://de.wikiquote.org/wiki/Werner_Heisenberg (‘Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat, was man gelernt hat’ – andere zuvor waren allerdings bereits ähnlich unterwegs, liegt ja auch auf der Hand, diese griffige Formulierung)

            Zudem gibt es auch noch so etwas wie Herzensbildung, kein schlechtes Wort,
            MFG
            Dr. Webbaer

            [1]
            Zu dieser ‘Demagogie’ noch kurz, Demagogie meint Leadership, sie konnte derart negativ konnotiert werden, als es da nicht wenige gab, die diese missbrauchten.
            Der ‘Populismus’ meint besondere Volksnähe, den Auftrag im Namen des Volkes oder im Namen des Souveräns zu handeln, erst einmal nichts Schlechtes daran, allerdings, allerdings, darf ein derartiger Mandatsträger oder Herrscher seiner Verantwortung gegenüber den Genannten gerecht werden, geschieht dies nicht, kann er zum Verbrecher werden.
            Es gilt sich auf der Schiene “PopulismusElit(ar)ismus” für Mandatsträger bestmöglich, womöglich: mittig, einzuordnen.
            Der ‘Elit(ar)ismus’ wird als Antonym zum ‘Populismus’ nicht gerne genannt, sollten sich hier Extrema ergeben, entsteht in der Regel Verbrechen.
            Was abär nicht geht, ist den Populismus per se negativ zu konnotieren.

          • Korrekturen:
            *
            wie sich (vgl[w]. zeitnah) herausgestellt hat
            **
            auf der Schiene „Populismus[-]Elit(ar)ismus“

    • “Wenn Trumps Wahl das Resultat zu tiefer Bildung in den USA war, warum wurde Trump dann kaum von Latinos, Schwarzen und viel weniger von Frauen als von Männern gewählt obwohl Latinos, Schwarze und Frauen im Durchschnitt weniger gut ausgebildet sind.”

      Was ist das für eine Frage? Die Frage ist vielmehr, warum so viele Latinos, Schwarze (sogar der Halbbruder von Barak Obama) und Frauen trotz all seiner rassistischen und sexistischen Äußerungen und Anfeindungen dennoch Trump gewählt haben.

      • @Christof: Zitat:

        Was ist das für eine Frage?

        Genau. Die Frage ist eben nicht die Frage nach der Bildung der Wähler wie Markus Pössel, aber auch Kommentatoren in SPON gemeint haben, sondern es ist die Frage nach dem Weltbild der Trump-Wähler.
        Dass die Wahl Trumps mit der geringen Bildung der Trump-Wähler in Zusammenhang gebracht wird ist aber typisch für das Denken der Elite in Deutschland. In Deutschland herrscht bei der Elite eine grosse Skepsis gegenüber der Partizipitation des Volkes am politischen Prozess. Mit der ungenügenden Bildung und Sachkenntnis des gemeinen Volkes werden von der deutschen Elite -sei sie politisch in der Mitte oder eher links – Referenden und direktdemokratische Elemente abgelehnt, mit der ungenügenden Bildung des Volkes wird auch die Wahl Trumps erklärt.
        In letzter Konsequenz würde ein Verweigern des Stimmrechts für wenig Gebildete tatsächlich bedeuten, dass in den USA Latinos und Schwarze nicht mehr wählen könnten, was die Chancen von White-Supremacists wie Donald Trump noch erhöhen würde.

      • @ Christoph :

        (…) trotz all seiner rassistischen und sexistischen Äußerungen (…)

        Derartige Äußerungen Donald J. Trumps gab es schlichtweg nicht, Ihr Kommentatorenkollege beömmelt [1] sich insofern, wenn Sie ‘wissenschaftliche Denkweise’ bemühen, insbesondere auch die ‘Aufklärung’, aber nicht in der Lage scheinen zu belegen, wenn Sie schwerwiegende Vorurteile rauslassen, dem Sapere Aude fern. [2]

        MFG
        Dr. Webbaer

        [1]
        Zum Wiehern reicht es abär noch nicht.

        [2]
        Also gerne mal per Zitation oder per audiovisuelles Dokument zu belegen suchen, gerne in diesem Zusammenhang auch (die erforderlichen) Rassismus- und Sexismus-Definitionen beibringen.
        Hier, im wissenschaftsnahen WebLog-Verbund darf gerne auch fern vom Munkeln und Raunen anderer dezidiert wissenschaftlich-definitorisch beigebracht werden.

  5. Das Problem ist doch: man kann emotional viel besser überzeugen, als mit sachlichen Argumenten. Der Wissenschaftler kann natürlich auch an einem “Narrativ” arbeiten, ein große “Erzählung”, die die Leute dort abholt, wo sie stehen, auf sie eingehen, ihnen Perspektive aufzeigen und damit entfernen sie sich immer mehr von einer sachlichen Argumentation und machen sich angreifbar. Die Gegenseite kann überdies mit einer immer besseren “Story” punkten, z.B. “Make America great again”.
    Was ist die Lösung in einer Demokratie? Wenn die “Massen” satt und hinreichend gut versorgt sind, materiell wie mit Hoffnungen (“The American dream”), dann lassen sie die “Eliten” ihre Machtspielchen spielen und kümmern sich wenig um Politik.

    • man kann emotional viel besser überzeugen, als mit sachlichen Argumenten.

      Genau, da kann ich nur zustimmen und das ist auch gut nachvollziehbar. Emotional heisst doch konkret: Man fühlt sich gut und es klappt überall oder man fühlt sich “in der Scheisse”. Es ist doch klar, dass das eine wichtige Rolle spielt.
      Die Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation spielt die emotionale Rolle viel zu wenig und bringt auch zuwenig Narrative. Dabei gäbe und gibt es sehr gute Narrative für die Wissenschaftskommunikation: Wissenschaft und Technik haben unser Leben enorm verbessert. Hygiene, Impfungen, Chirurgie und Medikamente, aber auch Energiequellen, Fahrzeuge und vieles mehr haben das Leben enorm verbessert.
      Heute aber dominiert Skepsis gegenüber Technik und Wissenschaft das öffentliche Bild. Dieses falsche Bild muss korrigiert werden.

    • Zitat:

      „Make America great again“.

      ist ein Spruch für Unzufriedene und Enttäuschte. Die Politik sollte sich gerade um die Unzufriedenen kümmern. Doch leider werden die Unzufriedenen, leider wird der “Basket of Deplorables” oft vegessen oder schlimmer noch: Diejenigen negative Seiten unserer Gesellschaft, die weder den Linken noch den Rechten passen, die werden tabuisiert und verdrängt. Die USA ist das Land des Aufstiegstraums. Das schlimmste was den USA passieren kann ist, dass dieser Traum in den USA nicht mehr geträumt werden kann, weil es ein anderes Land geworden ist: Ein Land der Hoffnungslosen anstatt der Hoffnungsvollen.

    • @Paul Stefan: Das ist ein hochinteressanter Aspekt, über den ich mir auch noch nicht vollständig im Klaren sind. Ich finde es wichtig, zu kommunizieren, dass Wissenschaft eine menschliche Seite hat. Begeisterung / Faszination sind ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Wissenschaftskommunikation. Und meine Erfahrung mit Menschen, die ich frage, wie sie zur Wissenschaft gekommen sind, ist oft, dass bestimmte Biographien von Wissenschaftlern eine Rolle gespielt haben. Insofern ist die emotionale Seite bei erfolgreicher Wissenschaftskommunikation schon in der einen oder anderen Weise im Spiel.

      Ich sehe nicht, dass die Populisten auf dieser Ebene automatisch die besseren Chancen hätten. Aber ich sehe das Problem, das man nicht zu weit auf die emotionale Ebene gehen sollte und insbesondere das, was die Wissenschaft an nicht-subjektiven Eigenschaften besonders macht, nicht verlorengehen darf. Ich denke, es gibt da einen guten Mittelweg (der aber, wie so viele gute Mittelwege, nicht eindeutig und einfach zu definieren sein dürfte).

  6. Hi,

    erstmal, das ist ganz sicher kein guter Tag für uns Wissenschaftler hier, und noch viel weniger für die Kolleginnen und Kollegen in den USA!

    Was Du oben schreibst halte ich für richtig, Markus. Ich befürchte aber, das Thema “Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse” ist zwar für uns zentral und ist auch das (alles?) an dem wir mit den Mitteln der Wissenschaftskommunikation etwas verbessern können. Für den Ausgang dieser und anderer Wahlen aber scheint mir wichtiger zu sein, dass viele “Trump-Wähler” wohl den subjektiven Eindruck haben, bei ganz pragmatischen Themen des täglichen Lebens (Arbeit, Einkommen,…) auf einer Art Verliererstraße zu sein. Und dass sie nicht (mehr) das Vertrauen in traditionelle Institutionen haben, ihnen da heraus helfen zu können/wollen. Dieser Eindruck ist objektiv sehr wahrscheinlich falsch. Post-faktische Welt also ja, aber das Ausmass geht fürchte ich weit über die naturwissenschaftlichen Themen hinaus…

    • Du hast natürlich vollkommen Recht mit dem Verweis auf weitere, andere Faktoren. Aber mir ging es konkret um die Wissenschaftskommunikation – auch aus der Motivation heraus, dass man zwar immer allgemein kommentieren kann, dass aber am Ende zählt, was jede-/r in seinem/ihrem Bereich konkret bewirken und verbessern kann.

      • “Post-faktische Welt also ja, aber das Ausmass geht fürchte ich weit über die naturwissenschaftlichen Themen hinaus…”

        Es geht nicht nur um die naturwissenschaftlichen Themen, sondern ganz allgemein um die wissenschaftlichen Denkweise. Wenn diese Denkweise mehr oder weniger aufgegeben wird, oder nicht mehr verstanden wird, bedeutet das einen Rückfall in die Zeit vor der Aufklärung. Und ich denke, dass Wissenschaft und die Art wie sie vermittelt wird, hier eine wichtige Rolle spielt. Und sei es, dass immer wieder darauf hingewiesen werden sollte, dass es ohne solide Wissenschaft und Experten Facebook, Internet und Smartphone nicht gäbe, also die wichtigsten Utensilien ihrer post-faktischen Welt, gar nicht gäbe.

  7. Ich denke eher, dass es ein Bildungsproblem ist, denn ein Problem der Wissenschaft für sich alleine
    es gibt soooo viele Menschen – auch mit Abitur, die zwar durch das Schulsystem durch kommen aber erstens hinterher nie verstanden haben, warum sie Mathe hatten, geschweige denn, dass sie die Inhalte verstanden hätten – sie haben nur eines MINT und Wissenschaft allgemein ziemlich gut hassen gelernt und Kochrezepte auszuführen (sie haben Mathe implizit gelernt – können also Integrale auflösen, haben aber nie verstanden, was sie da eigentlich tun und warum) und haben auf der anderen Seite sinnlose Fakten ohne Verknüpfung – wozu muss man wissen was Endoplasmatisches Retikulum ist/ wie das aussieht, wenn man keinerlei Bezug dazu hat, was genau das ist oder viel schlimmer, wofür das da ist und warum man das wissen sollte – und das Schlimmste, die Leher, die das vermitteln, wissen es in 90% der Fälle auch nicht oder können es nicht kommunizieren

    es fehlt also das grundlegende Verständnis: sehr oft umfasst das schon was der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität ist, was das im Alltag heißt – zB beim Arzt/ Medikamenten/ Impfung, Risiken allgemein – wenn also ein Wissenschaftler etwas kommuniziert, können das viele einfach nur glauben oder nicht und das richtet sich dann weniger nach Fakten denn mehr nach Sympathie

  8. Wenn man sich anschaut, wer in den USA Trump gewählt hat und wer nicht, dann ist Bildung, formal gemessen durch den höchsten erreichbaren Abschluss, ein wichtiges Kriterium.

    Es ist wohl so, dass in den Staaten die republikanischen Wähler traditionell über ein höheres Einkommen verfügen als die US-demokratische Konkurrenz, womöglich wird dies auch bei diesem Wahlentscheid (wieder einmal) nachgewiesen werden, im Post Mortem sozusagen.
    Es gibt ja auch Bildung, die vom Markt wenig belohnt wird, dies nur am Rande, aber auch als Denkanstoß angemerkt, natürlich sind besser Verdienende nicht notwendigerweise besser gebildet.

    Das war vielen Menschen offenbar wichtiger als die Angst vor Trumps Unberechenbarkeit, seinen Ausgrenzungen, seinem so gut wie kompletten Mangel an Qualifikationen.

    Donald J. Trump ist nicht ‘unberechenbar’, er verfügt zudem über ‘Qualifikationen’, über Leadership bspw. – der Bundesdeutsche Gerd Schröder muss hier als Generalist, dies war Schröders eigentliche Stärke, aus Sicht vieler, nicht anders verstanden werden.
    Trump gilt zudem als verständig, Dr. W legt hierfür sozusagen seine Tatze ins Feuer.

    Ansonsten ist Trump sozusagen hochgradig lernfähig, was sich auch in seiner Entwicklung im anderthalbjährigen Wahlkampf ablesen lässt.
    Er hat anfänglich massiv gepoltert, weil er (nur) darin seine Chance gesehen hat als Außenseiter bemerkt zu werden, trat dann im Wahlkampf mit einem kohärenten Programm auf (das, fürwahr, nicht jeder mögen muss) und wird jetzt, nach dem Wahlsieg, zu beachten hier auch seine erste Rede als Gewinner, zunehmender präsidentiell.

    Scott Adams (“Dilbert”) hat über Trump und sein Vorgehen etliche WebLog-Artikel verfasst, hier lohnt sich vielleicht für Interessierte einmal nachzulesen.

    Trump ist ein für US-republikanische Verhältnisse sehr moderater Kandidat, er wird jetzt, wenn es an die Umsetzung geht, (hoffentlich) sachnah und an Problemlösungen ganz zuvörderst interessiert fortschreiten.

    Der Schreiber dieser Zeilen, der zwar Trumps Wahlsieg nicht prädiktiert, nur erwahnt hat, ihm aber stets zugesprochen hat, auch stets darauf hingewiesen hat, dass Trump bei einem angeblichen Rückstand von bis zu 3 %, Meinungsforschungsinstitute meinend, die Wahl gewinnen würde, ihn auch nicht endossiert hat, ist sich sicher, dass alsbald ein anderer Trump erlebt werden wird.

    Dies hat auch ganz praktische Ursachen, den Trump ist auch im US-republikanischen Lager, dessen “Establishment” meinend, derart angeeckt, dass er in der Folge versuchen wird auch US-demokratische Mandatsträger mitzunehmen, Umsetzungen meinend.
    Ansonsten besteht nämlich die Gefahr, dass er wegen Widerstände im eigenen Lager, trotz klarer Mehrheiten im “House” und Senat, wenig umsetzen kann.

    Trump steht auch in besonderer Verantwortung seiner Familie gegenüber.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Spekulieren kann man viel. Aber im Wahlkampf gab’s ja doch eine Reihe spontaner Momente, in denen Trump sich nicht beherrschen konnte. Was entsprechende mangelnde Beherrschung und unbedachte Attacken aus gekränktem Stolz in einer Position wie der des US-Präsidenten für folgen haben können, liegt auf der Hand. Die Positionen Trumps, die ja nun gerade sloganhaft, ohne konkrete Ausformulierung und ohne realistische Umsetzungspläne daher kommen, ausgerechnet als “kohärent” zu bezeichnen, halte ich für sehr gewagt. Aber das führt alles in Bezug auf die hier doch recht eingeschränkte Fragestellung zur Wissenschaftskommunikation zu weit. Wir werden in der ein oder anderen Version sehen, wie es weitergeht.

      • Klar, Herr Dr. Pössel, es wird viel spekuliert, auch darüber, was Donald J. Trump als Präsident machen wird – ob sich Trump nicht beherrschen kann, ist eine spannende Frage, aus Sicht einiger hat er auf pers. Angriffe -im Wahlkampf- mit regelmäßig gleicher Münze [1] zurückgezahlt. Dies muss keine gute Angewohnheit sein, geht für die Präsidentenrolle gar nicht, korrekt.

        Zur Wissenschaftskommunikation: Die Wissenschaft spielte im Wahlkampf für ihn nur eine ganz untergeordnete Rolle, wohl auch aus taktischen Gründen hat er die Problematik mit dem zunehmenden atmosphärischen CO2-Gehalt weitgehend ausgeklammert, da wäre für ihn, egal mit welcher Meinung, wohl auch nichts im Positiven zu holen gewesen.
        Denkbar, dass er “in Klima” machen wird, wie auch immer, er betont zum Beispiel immer seine “clean Coal”-Vorhaben.

        Ansonsten ging es Ihrem Kommentatorenfreund auch darum den moderaten Trump zu betonen, Trump ist nämlich für US-republikanische Verhältnisse moderat – was sozusagen klassische US-republikanische Positionen betrifft.
        Es gibt hier auch etliche schriftliche Erklärungen vom Trump-Team.

        MFG
        Dr. Webbaer (der sich natürlich bewusst ist, dass moderat relativ ist)

        [1]
        Es gibt hier ein Muster, Scott Adams hat’s sehr ausführlich bearbeitet, eskalieren tat Trump nicht.

        • “Gleiche Münze” scheint mir doch eine arg verzerrte Wahrnehmung zu sein. Aber die Diskussion in diese Richtung führt uns zu weit vom Thema weg; lassen Sie uns diesen Faden hier bitte beenden.

  9. Was heißt ein Präsident Trump für die Wissenschaftskommunikation?

    Diese Frage könnte ein “Kurzschluss” sein, also eine zu weitreichende Folgerung aus dem, was gerade passiert ist. Bei der Wahl um den zukünftigen Präsidenten geht es um eine Richtungs- und Personenentscheidung für die nächsten 4 Jahre und nicht primär um einzelne Sachfragen wie den Klimawandel. Klar, wer den (gelgentlichen) Klimaleugner Trump wählt, hält das Klimaproblem für nicht so wichtig. Scheinbar trifft das auf die meisten Wähler zu, weswegen wohl auch Hillary Clinton kaum über Klimapolitik gesprochen hat.

    Richtig ist aber: Der Klimawandel steht nicht an vorderster Stelle bei den Sorgen der Bürger. Doch ist dies ein Versagen der Berichterstattung, der Wissenschaftskommunikation? Nur bedingt, denn beim Klimawandel geht es um ganz andere Zeiträume. Die Konferenz von Rio 1992 an der man schon von der Dringlichkeit einer Klimapolitik sprach, war zur Zeit der Präsidentschaft von George Bush und damit 3 Präsidentschaften zurück und vor der Geburt der Millenials.
    Dass die sogenannte Klimapause so viel Beachtung fand, hängt damit zusammen. Sogar einige gestandene Klimawissenschaftler haben sich damit beschäftigt.

    • Ähm – nein, eine Frage kann per Definition kein “Kurzschluss” sein. Fragen darf man immer. Und die Aussage, dass Trump-Wähler den Klimawandel für nicht so wichtig hielten, ist gerade eine der Verbindungen zur Wissenschaftskommunikation. Der verlinkte Artikel bezeichnet Klimawandel als “kommunikative Knacknuss” und stellt ganz ähnliche Fragen wie ich hier aus aktuellem Anlass.

      • Anders formuliert: Kann man die Wahl für einen Politiker mit der Wissenschaftkommunikation in unmittelbaren Zusammenhang bringen? Wenn es eine enge Beziehung gäbe, dann wäre es für einen wissenschaftlich Denkenden oft klar, wer gewählt und wer nicht gewählt werden darf.
        Zugegeben: Es gibt einen Zusammenhang zwischen einer rationalen Weltsicht zu der die Wissenschaftler von Beruf aus neigen und allem übrigen, also der Gesellschaft und Politik. Doch so eng ist die Verbindung nicht.
        Trump muss vor allem politisch geantwortet werden: Sein Isolationismus, Protektionismus, die Ablehnung des Freihandels und die Ablehnung von vermeintlich den USA schädlichen Verträgen wie dem Klimavertrag, der in Paris ausgehandelt wurde, kann unter der Kategorie Antiglobalisierung eingeordnet werden. Wie aber haben die anderen Politiker darauf geantwortet und wie würden in der Wissenschaftskommunikation Arbeitende darauf reagieren.
        Tatsache ist, dass in den USA und auch Europa Antiglobalisierung wieder hoch im Kurs ist – und das sowohl Rechts wie Links (Bernie Sanders, Jeremy Corbin). Hillary Clinton reagierte auf Trumps Äusserungen indem sie ankündigte, als zukünftige Präsidentin ebenfalls den Nafta-Vertrag (Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada) in Frage zu stellen und metikulös jede Klausel auf US-Verträglichkeit zu prüfen. In den Medien gab es nur wenig Auseinandersetzung dazu. Sogar in der New York Times, einer qualitativ hochwertigen Zeitung, wurde mehr über Trumps Charaketerzüge, seinen Rassismus und seine Frauenfeindlichkeit geschrieben als über seine wirtschaftspolitischen und aussenpolitischen Vorstellungen. Hier fehlt also die rationale Auseiandersetzung mit politischen Absichten eines zukünftigen Präsidenten. Können aber Wissenschaftler und in der Wissenschaftswelt Lebende hier einspringen und das aus der Sicht der Wissenschaft Richtige vortragen? Ja, wenn es um Sachfragen wie die Klimapolitik geht. Schwieriger wird es aber mit mit der generellen Ausrichtung der Politik.
        Die Denkwelt der Politik, die Gesellschaftstheorie und sogar der Ökonomie ist eine ganz andere als die der Wissenschaft. Ich denke aber die Wissenschaft könnte auch hier etwas beitragen, wenn auch nicht Entscheidungshilfen in konkreten Fragen. Wenn die Wissenschaft allgemein gültige Aussagen über den Menschen selbst und über seine Gesellschaft machen könnte, könnte sie Hilfestellung geben. Davon sind war aber noch weit entfernt und wissenschaftliche Prognosen etwa über den Wirtschaftsverlauf etwa sind um Grössenordnungen weniger zuverlässig als Aussagen über die zukünftige Klimaentwicklung.

  10. In den letzten Wochen und Monaten nimmt die Rede vom “Postfaktischen Zeitalter” an Fahrt zu. Und auch hier ist davon zum Teil die Rede gewesen. Kann es sein, dass diejenigen, die vom “Postfaktischen Zeitalter” reden, sich einfach nur in einer anderen, eher elitären “Fakten-Blase” befinden, und gar nicht die für andere relevanten Fakten mehr wahrnehmen können? Wir sollten mal darüber nachdenken, ob dieses Reden vom “Postfaktischen Zeitalter” nicht zu einem “Kontrafaktischen Zeitalter” führt, bevor wir auch in Deutschland, Frankreich, Österreich usw. Menschen abhängen, die uns als “Besserwisser” abtun oder sie uns aus unserem demokratischen Traum abhängen.

    • Unterschiedliche Bewertung von Fakten aus ganz unterschiedlichen Bereichen hat es schon immer gegeben. Aber was jetzt passiert, hat schon qualitativ eine neue Dimension, finde ich – wenn man sich z.B. die Fact-Checking-Webseiten anschaut, etwa Politifact.

      • Sorry, aber darum geht es mir nicht und auch nicht darum, ob Trump mehr und besser als Clinton gelogen hat, um die Wahl für sich zu entscheiden. Die Mehrheit der Deutschen (einschl. der Wirtschaftsbarone) hat ja auch Hitler gewählt und hätte vorher die Fakten checken und über ihn lesen können (“Mein Kampf” ist 1925/26 erschienen). Das ist nur als eine Randbemerkung.
        Was mich viel mehr irritiert, ist, dass es unter Intellektuellen und Wissenschaftlern populär geworden ist, vom “Postfaktischen Zeitalter” zu sprechen, weil sie andere Fakten wahrnehmen als die Mehrheit der Bevölkerung und fest davon überzeugt sind, die “richtigen Fakten” zu kennen. Das ist deren Hybris. So lange man in diesem Glauben ist – und das kann auch für die US-Wahl gelten – so lange wird man sich nicht mit jenen Fakten befassen und die Ängste großer Teile der Bevölkerung vor Globalisierung und anderen gesellschaftlichen Entwicklungen ernst nehmen, und sich damit weiter in der eigenen Blase warm halten. Das gilt übrigens auch für die Teile der Wissenschaft, die, wie z.B. in den USA, mit “trigger Warnungen” und “Mikroaggressionen” auf ihnen unangenehme Fakten reagieren und somit die offene Diskussion unterbinden, während die große Mehrheit in den Staaten der Mitte fröhlich mit Waffen vor der Haustür sitzt und den Staat des Establishments ablehnt. Das aber sind die Leute, die Trump die Mehrheit verschafft haben. Wie gesagt, es geht nicht darum, Fakten unterschiedlich zu bewerten, sondern je nach Schicht und Klasse werden unterschiedliche Fakten wahrgenommen und für wahr oder falsch gehalten. So viel zu einem wesentlichen Widerspruch in den heutigen Gesellschaften.

      • Ich halte das keineswegs für einen Nebeneffekt. Und es geht auch nicht darum, ob Trump besser gelogen hat, sondern darum, ob und dass er dreister gelogen hat und damit durchgekommen ist. Komplett falsche Dinge öffentlich behaupten, weil sie zur Stimmung passen und deswegen bei den Anhängern Applaus finden, sich nicht um Fakten-Checks scheren, weil die auf die Anhänger sowieso Null Eindruck hinterlassen – das und dessen Verallgemeinerung sind für mich die beunruhigendsten Symptome für das “Postfaktische”.

  11. Lieber Herr Pössel,

    gute Gedanken, die hoffentlich vielfaches Gehör finden.
    Das Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen wird bei der Verfilzung von Macht und Kapital sicher sehr schwer sein. In der Wissenschaft gibt es viel mehr Möglichkeiten die Menschen mitzunehmen. Der offene Zugang zu Daten und Ergebnissen und so oft wie möglich die aktive Erfahrung von Wissenschaft sind Beispiele, die ja auch schon zahlreich angeboten werden. Der offene Dialog ist da sicher für beide Seiten, Wissenschaftler wie Laien, schwieriger. Mit unterschiedlichen Ausgangspositionen, Emotionen und natürlich dem Faktor Zeit sind hohe Hürden zu überwinden. Respekt voreinander halte ich für einen weiteren wichtigen Schlüssel. Nur wer Ernst genommen wird, wird bereit sein mitzugehen.

    Als ein Beispiel möchte ich ein eigenes Erlebnis anführen. Ich habe der Redaktion ‚Sterne und Weltraum‘ einen Leserbrief geschrieben, in dem ich meinen Unmut und meine Zweifel über die ‚Entdeckung der Gravitationswellen‘ und über die Berichterstattung geäußert habe. Wenngleich nicht im perfektem Stil, so doch – so hoffe ich – in keiner Weise ehrverletzend. Dieser Brief wurde nicht veröffentlicht, weder in der Zeitschrift noch auf dem Portal der Leser. Um Sicher zu gehen, dass der Brief überhaupt die Redaktion erreicht hat, habe ich nachträglich um eine Eingangsbestätigung gebeten. Keine Reaktion. Dabei liegt mir fern, dass meine Meinung maßgeblich und zu veröffentlichen ist, aber ich fühle so etwas wie Mißachtung und der Gedanke der unerwünschten Einmischung liegt nahe.

    • Ich denke, die Redaktion von Sterne und Weltraum (für die ich natürlich nicht sprechen kann) hat da bestimmte Kriterien, die deutlich anspruchsvoller sind als z.B. für die Kommentarfunktionen von Blogs. Veröffentlichte Leserbriefe, zumal im Heft mit entsprechender Platzknappheit, sollten den Lesern etwas bringen; kontroverse Meinungen kommen da durchaus vor, aber wenn die Redaktion beispielsweise den Eindruck hätte, dass ein Leserbrief auf Missverständnissen beruht (ich kenne Ihren Brief nicht und greife mal auf Beispiel entsprechender Kommentare zurück, die ich kenne), wäre das sicher ein Grund, ihn nicht zur Veröffentlichung auszuwählen. Eine Eingangsbestätigung in irgendeiner Form (elektronisch ist immer einfacher) wäre allerdings in der Tat gut gewesen (wobei ich nicht weiß, wie hoch das Aufkommen an Briefen dort ist).

      • Nun es war vielleicht nicht ideal ein persönliches Beispiel anzuführen. Aber ihre Antwort bestätigt doch einige der aufgeführten Probleme des Dialoges. Aus meiner Sicht sollte genau hier angesetzt werden, sowohl in der Politik, wie auch in der Wissenschaft.

        …. bestimmte Kriterien, die deutlich anspruchsvoller sind… -> Ausgangspositionen
        … dass ein Leserbrief auf Missverständnissen beruht … -> Ausgangspositionen und Emotion
        … und greife mal auf Beispiel entsprechender Kommentare zurück, die ich kenne … -> Emotion
        … Heft mit entsprechender Platzknappheit … -> Faktor Zeit
        … ich nicht weiß, wie hoch das Aufkommen an Briefen dort ist … -> Faktor Zeit

        • Verstehe die Kurzfassung nicht, insbesondere was “Emotion” da heißen soll.

          Dass ein Leserbrief nach Einschätzung von Menschen, die sich damit auskennen, auf Missverständnissen beruht, sagt doch z.B. noch nichts über die Emotionen aus, die da im Spiel sind, oder?

          Faktor Zeit bzw. Arbeitsaufwand ist aber ganz sicher wesentlich.

          • Aus meiner Sicht sind bei jedweder Art von Kommunikation Emotionen im Spiel, wenn man mal den Begriff ‘Emotion’ entsprechend weit fasst. Sicher ist das bei einem Dialog nur ein Aspekt von vielen. Das Buch von Friedemann Schulz von Thun ‘Miteinander reden’ gibt einen guten Einblick in die Komplexität dieses Themas.

          • Der allgemeinen Aussage, dass bei jedweder Kommunikation auch Emotionen im Spiel sind, stimme ich zu, und “Miteinander reden” von Schulz von Thun habe ich vor Jahren mit großem Gewinn gelesen und profitiere noch heute von der Vorstellung von den vier Seiten einer Nachricht und den entsprechenden Ohren.

            Das hilft mir aber leider nicht zu verstehen, warum Sie in obigem Kommentar “Emotion” bei einigen der Auszüge (und ja gerade nicht bei allen!) als besonders wichtig und vom Kontext her problematisch markiert haben, und um welche Emotionen von wessen Seite es geht.

  12. Hallo Markus! Hast Du den Artikel “Donald Trump und die möglichen Folgen für die Forschung” in der Süddeutschen Zeitung gelesen? Da wird skizziert was amerikanische Wissenschaftler vom neuen Kabinett erwarten können.

    • Eine gute und vorsichtige Analyse von Nate Silver. Auch seine Vermutungen warum weniger Gebildete häufiger für Trump wählten, sind gut nachvollziehbar, unter anderem weil diese andere Medien konsumieren und weil sie sich nicht an Trumps vagem, über Emotionen transportierten Programm stören.