Die nächste Stufe der Wissenschaftskommunikation?

Welche Veränderungen sind nötig, um die Wissenschaftskommunikation in Deutschland auf die nächste Stufe zu heben? Anlass, dass ich mir darüber wieder einmal Gedanken mache, ist die Gründung des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation, kurz NaWik, eines gemeinsamen Instituts der Klaus Tschira Stiftung und des Karlsruher Instituts für Technologie; der Grund, warum ich, während ich dies schreibe, gerade im Gartensaal des Karlsruher Schlosses sitze und derzeit KIT-Chef Eberhard Umbach zuhöre, der zum Thema „Kommunizieren leichtgemacht“ spricht. Nebenbei darüber zu bloggen scheint mir ganz gut zum Thema des Abends zu passen.

In Umbachs Rede geht es natürlich vor allem darum, was das NaWik leisten soll: einen Studiengang „Wissenschaft, Medien und Kommunikation“ wird es beispielsweise geben. Carsten Könneker, Chefredakteur von Spektrum der Wissenschaft und jetzt mit frisch verliehenem Professorenstatus Gründungsdirektor des NaWik, wird noch konkreter: das NaWik soll das Handwerkszeug für Wissenschaftskommunikation vermitteln und das Bewusstsein der Wissenschaftler für die Fragen schärfen, die dabei eine Rolle spielen (z.B. zu den Zielgruppen und zum eigenen Rollenverständnis). All das soll in Seminaren mit vielen praktischen Übungen (Schreib-, Online-, Vortrags-, Interviewtrainings und mehr) vermittelt werden.

Aber bei mir schwingt bei all dem, was ich hier über Wissenschaftskommunikation höre, das ungute Gefühl mit, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Klaus Tschira hatte es in seiner Begrüßung ironisch auf den Punkt gebracht: Dass es in punkto Wissenschaftskommunikation ganz gut geklappt hat, ist nicht, weil dafür bislang so wenig getan wurde, sondern trotzdem.

Aber erst einmal einen Schritt zurück: es gibt grob aufgeteilt zwei Seiten der Wissenschaftskommunikation, die man als Wk und Kw abkürzen könnte (ich borge hier eine Konstruktion, die ich aus Beschreibungen der Physikdidaktik kenne).

Das erste ist das W für Wissenschaft, mit Index k für die Kommunikation. Wk steht für all diejenigen, die von Haus aus Wissenschaftler sind, typischerweise zu einem bestimmten Stadium ihrer Karriere Forschung gemacht haben oder dies auch noch tun, und die ihre Wissenschaft kommunizieren – sei es neben ihrer regulären Arbeit in Vorträgen oder z.B. auch als Blogger, sei es als inzwischen hauptamtliche Kommunikatoren (ich zähle mich auch selbst zu Wk). Auch dafür hatten wir heute nachmittag ein schönes Beispiel: den Vortrag von Lisa Kaltenegger, die mitreissend über den aktuellen Stand der Suche nach Planeten um andere Sterne berichtete.

Das große K für Kommunikation mit dem Index w für Wissenschaft deckt den anderen Fall ab: Kw, das sind Kommunikatoren, die sich von Haus aus als Journalisten, PR-Fachleute, Öffentlichkeitsarbeiter o.ä. verstehen, mit Spezialisierung eben auf die Wissenschaft. Das NaWik-Team kommt, den Kurzbiografien nach, die Carsten Könneker vorstellte, aus dieser Richtung („mein Name ist X – ich bin Diplom-[Wissenschaftsstudiengang] und ausgebildeter Journalist“ war das Grundmuster der kurzen Videobotschaften, in denen sich die Teammitglieder selbst vorstellten).

Ich will die Wichtigkeit der Kw-Kommunikatoren nicht in Abrede stellen, im Gegenteil. Aber unterschätzt wird meiner Überzeugung nach nicht die Rolle von Kw – klar brauchen wir z.B. Wissenschaftsjournalisten! – sondern vor allem die Wichtigkeit von Wk. Nicht in den Einzelfällen – jeder, der schon einmal einen richtig  packenden Vortrag eines Wissenschaftlers oder einer Wissenschaftlerin gehört hat, weiss, wie effektiv der Funke dabei überspringen kann. Unterschätzt wird die Wichtigkeit von Wk strukturell. Will heißen: das Wissenschaftssystem als Ganzes ist so ausgerichtet, dass es Wissenschaftler eher entmutigt, Zeit und Engagement in die verständliche Vermittlung ihrer Wissenschaft zu investieren.

Und „investieren“ ist das richtige Wort. Handwerkzeug, wie es das NaWik vermittelt, ist ja nur der Anfang. Damit schon alles in punkto Wissenschaftskommunikation für geritzt zu halten wäre etwa so, als hielte man einen Studenten, der eine der heutzutage verbreiteten „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“-Veranstaltungen besucht hat, damit schon für einen richtigen Forscher. In beiden Fällen sind die Grundlagen wichtig, und ohne diese Grundlagen macht man sich das Leben unnötig und nicht selten sogar fatal schwer. Aber die höhere Qualifikation kommt aus der langen, intensiven Arbeit am Thema. Weder für Forschung noch für Wissenschaftskommunikation gibt es Patentrezepte. Neue Forschungsergebnisse ebenso wie Vermittlungsleistungen (sei es zur optimalen Struktur, zu möglichst unverzerrten Analogien, zu stimmigen Bildern im übertragenen und, bei der Visualisierung, im wörtlichen Sinne) muss man sich erarbeiten.

Die wissenschaftliche Karriereleiter ist steil: man konkurriert zum Teil schon um Doktorandenstellen, ganz sicher dann um die zwei- bis dreijährigen „Postdoc“-Stellen, um die noch knapperen länger befristeten Stellen und zuletzt um die extrem knappen unbefristeten Stellen, etwa um Professuren. Aber ob es nun um Forschungsanträge, um die Bewerbung auf ausgeschriebene Stellen oder auf Stipendien geht: was zählt ist die Forschungsleistung, dokumentiert in einschlägigen Fachartikeln.

Das ist ja auch billig und recht so, wenn wir uns erstklassige Forscher heranziehen wollen. Und dass Engagement auf dem Gebiet der Wissenschaftskommunikation damit zunächst einmal ein Nachteil ist, ist ja auch kein gewollter Nebeneffekt; es ist eben halt so: Was mit der Forschungsarbeit um die knappe Ressource Zeit konkurriert, kann der Forschungsarbeit schaden. Dass ein Doktorand oder Postdoktorand von seinem Betreuer oder einem älteren Wissenschaftler gemahnt wird, nicht zuviel Zeit auf die Wissenschaftskommunikation zu ver(sch)wenden, kommt durchaus vor, und hat auch eine gewisse Berechtigung. (Die Frage, ob Outreach auch die Forscherfähigkeiten stärkt, klammere ich an dieser Stelle aus; dazu hatte ich ja schon z.B. hier etwas geschrieben.)

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt. Erfolgreiche Forscher sind nicht alle nach dem gleichen Muster erfolgreich, haben nicht alle die gleichen Stärken. Natürlich gibt es bei den Dauerstellen – als oberste Stufe der Karriereleiter – die klassischen Lehrstühle, Professorenstellen, „staff scientists“ (wobei natürlich interessant ist, dass jemand dafür, dass er sich als individuell forschendes Individuum einen Namen gemacht hat, damit belohnt wird, einen Teil seiner Forschungszeit nunmehr in Leitungs- und Verwaltungsaufgaben stecken zu müssen).

Aber es gibt eben auch Stellen mit anderem Schwerpunkt. In der Astronomie beispielsweise gibt es Wissenschaftler, deren Hauptaufgabe den Bau eines bestimmten Instruments oder Design und Management der wissenschaftlichen Aspekte eines bestimmten Teleskopprojekts betrifft. Neben dieser Arbeit können diese Wissenschaftler noch eigene Forschungsprojekte verfolgen. Eine andere Variation über dieses Thema sind Stellen, deren Hauptaufgabe in der Betreuung z.B. eines neuen Studienganges oder einer Doktorandenschule besteht. Auch dort bleibt der Wissenschaftler ganz klar Forscher, und hat (wenn auch nicht unbegrenzt) Zeit für seine eigene Forschung. Damit werden neben der direkten Forschungsfähigkeit noch andere Qualifikationen wichtig; das schafft Vielfalt, und es gibt nun mehrere Wege zum Ziel: Auch der, dessen Stärke z.B. im Instrumentenbau liegt, hat eine Chance auf eine Stelle als forschender Astronom.

Solch eine Option würde ich mir für die Wissenschaftskommunikation wünschen – Stellen, die ganz selbstverständlich noch in den Bereich „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ fallen, deren Inhaber zumindest zum Teil noch aktiv forschen, deren Hauptaufgabe aber in der Wissenschaftskommunikation besteht. Das wäre endlich ein System, in dem Engagement für und Stärken in der Kommunikation karriererelevant sind, und damit einen ganz anderen Stellenwert bekämen. Und es wäre von Seiten der Geldgeber ein überzeugendes Bekenntnis zur Wichtigkeit der Wissenschaftskommunikation – „put your money where your mouth is“.

Wer bekommt Geld für solch eine Stelle? Zunächst einmal könnte eine Institution wie die DFG solche Stellen schlicht ausschreiben. Das ist leider gegen den Trend der Geldvergabe bei diesem Thema – da liegt der Schwerpunkt doch ziemlich klar in Richtung Marketing; siehe etwa diese (alte) Ausschreibung für eines der Wissenschaftsjahre. Die richtet sich an eine Marketingagentur, es geht um Corporate Identity, die Ausrichtung von Events und ähnliche Dinge, und die Themen werden von oben vorgegeben. Gäbe es stattdessen offene Ausschreibungen für die Förderung von Wissenschaftskommunikationsprojekten – genau wie es das für Forschungsprojekte gibt! – dann gäbe es einen gesunden Wettbewerb; genau so, wie einige Institute Schwerpunkte in der Instrumentierung bilden, könnten sich, wo das richtige Know-How vorhanden ist, Schwerpunkte in der Wissenschaftskommunikation bilden.

Eine andere Möglichkeit wäre die Einführung von Overheads mit einer teilweisen Zweckbindung. Overheads sind ein Aufschlag auf die Finanzmittel, die man für ein Forschungsprojekt erhält. Den Betrag X hat man beantragt und genehmigt bekommen; zusätzliche 20 Prozent von X fließen dann automatisch zur freien Verwendung in den Haushalt der betreffenden Institution. Hintergrund ist, dass man die grundlegende Infrastruktur, Wartungskosten, allgemeine Verwaltungskosten etc. bei Forschungsprojekten üblicherweise nicht mit beantragt. Aber solche Kosten fallen natürlich, wenn über ein Forschungsprojekt z.B neue Stellen eingeworben und neue Geräte angeschafft werden, verstärkt an; im Ergebnis wurden erfolgreiche Antragssteller früher geradezu dadurch bestraft, dass sie sich mit ihrem Antrag gehörige Nebenkosten einhandelten. Seit 2007 ist das bei der DFG anders (zumindest für universitäre Antragsteller). Noch einmal ein paar geeignete Prozent zweckgebunden für die Kommunikation der Ergebnisse aufgeschlagen, und es gäbe einen direkten Anreiz für Institute, solche Wissenschaftler-Wissenschaftskommunikatorstellen zu schaffen. Seit ein paar Jahren geht das bei der DFG zumindest für sehr große Projekte (Sonderforschungsbereiche), aber für einen Systemwandel wie den hier angedachten ist das in der Summe weitaus zu wenig.

Dass es zu so einer grundlegenden Änderung im System kommt, ist leider ziemlich unwahrscheinlich. Die Wichtigkeit von Wissenschaftskommunikation wird zwar oft beschworen, aber in den meisten Fällen darf es dann bloß nichts kosten. (Ich gebe freimütig zu, als Mitarbeiter des Hauses der Astronomie Nutznießer einer der durchaus existierenden Ausnahmen zu sein.)

Wenn diese Änderung kommen soll, muss sie jedenfalls politisch gewollt sein. Dazu bot die NaWik-Eröffnung leider ein schlechtes Omen. Die eingeladenen Vertreter von Bund und Land hatten nämlich ausnahmslos abgesagt.

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online [http://www.einstein-online.info]. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie [http://www.haus-der-astronomie.de] leitet, ein neues Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. „Welche Veränderungen sind nötig, um die Wissenschaftskommunikation in Deutschland auf die nächste Stufe zu heben?“

    -> Mein Vorschlag:

    Alle Publikationen weltweit ins deutsche übersetzen. Effektiver kann man Wissenschaft nicht kommunizieren – zumindest für den detuschsprechenden.

    natürlich ersetzt das nicht eine mediale Aufbereitung der Ergebnisse, wie sie etwa hier auf scilogs.de geschieht.

    Aber schon die Übersetzung würde es im Zweifel erheblich vereinfachen, eine solche Zusammenfassung zu erstellen. (O.k., … nicht so relevant für den geübten englisch sprechenden Akademiker).

    Ich jedenfall hätte mir sicher schon hunderte Papers durchgelesen, wenn sie denn nur auf deutsch vorliegen würden. Ich kann eohl etwas englich als alltags und Umgangssprache, aber zum Lesen von Wissenschaftsberichten reicht das lange nicht.

    Es wäre überhaupt eine Art Revolution darstellen und auslösen, wenn man alle Wissenschaftsergebnisse in alle Sprachen würde übersetzen (und an einem Orte zugänglich machen).

    Also… frisch zur Tat…

  2. W(K) und K(W) brauchen Publikum

    Kommunikation braucht Agierende/Kommunikatoren und Zuhörer/Leser/Publikum. Das hat sich seit 2000 Jahren nicht geändert. Was wäre das griechische Theater ohne Arena – nichts. Das Amphitheater von Ephesos fasste 24’000 Zuschauer und der Erfolg des Theaters das dort aufgeführt wurde misst sich auch daran wie oft dieses Amphitheater bis zum letzten Platz gefüllt war.

    Was der Wissenschaftskommunikation fehlt um eine Breitenwirkung und vor allem eine Tiefenwirkung zu erreichen sind genau solche Amphitheater, also Foci der Aufmerksamkeit. Im Unterschied zu diesen antiken Vorbildern sollten aber heutige Gefässe mehrere verschiedene Zugänge bieten entsprechend den unterschiedlichen Interessen und dem Grad der Vertiefung, den ein Interessierter sucht. Das moderne Analoga zu Amphitheatern wären Wissenschafts-Portale. Teil dieser Wissenschafts-Portale könnten Wikis sein, die analog zur Wikipedia strukturiert sind, aber einen anderen Fokus haben und die nicht nur das Gefestigte, Bekannte sondern auch das gerade Erforschte, im Entstehen Begriffene zum Thema haben.

  3. Wk

    Lieber Markus,
    da hast Du beim Tippen während des Zuhörens etwas ein wenig durcheinander gebracht;-) Das NaWik hat mit dem Studiengang nichts zu tun. Der Studiengang wird natürlich vom KIT angeboten.
    Das NaWik macht genau das, was Du für besonders wichtig hältst: Wk.
    Im Studiengang Wissenschaft-Medien-Kommunikation wird die Kw-Schiene gelehrt.
    Einzig die Personalunion von Carsten Könneker als Wissenschaftlichem Direktor des NaWik und Professor am KIT bildet eine Brücke. Gleichzeitig achtet er akribisch auf eine klare Trennung der inhaltlichen Ausrichtung der beiden Ansätze am NaWik und am KIT.

  4. @BLugger

    Hallo Beatrice; dass zwischen dem Studiengang und dem NaWik so klar getrennt wird, ist mir aus der Veranstaltung tatsächlich nicht klar geworden. Für mich hörte sich das so an, als sei alles ein Paket, gerade mit Carstens Berufung. Ich hätte es jetzt auch nicht unlogisch gefunden, dass alles miteinander zu kombinieren. Danke jedenfalls für die Klarstellung!

  5. Berufspolitiker und Glaubwürdigkeit

    Der Wunsch Wissenschaftsvermittler, -journalisten gezielt auszubilden scheint mir so sinnvoll wie Berufspolitiker an der Uni zu züchten. Studiengänge wie Verwaltungsrecht, Politologie etc. gibt es ja, trotzem ist das Parlament voller Pädagogen und Juristen.

    Bei Wissenschaftsjournalisten scheint es mir ähnlich. Letztendlich werden echte Wiss. eine höhere Glaubwürdigkeit besitzen als jeder Wiss.journalist, ich zumindest werde erstere letzteren bei Wahl eines Blogs oder Zeitungsrubrik vorziehen. Seit es Blogs gibt, hab ich mich von Wiss.rubriken in Zeitungen verabschiedet, oft viel zu seicht, blumig und oberflächlich.

    Ich kann die Vorschläge hier nur befürworten, tätigen Wissenschaftlern müssen mehr bezahlte Möglichkeiten gegeben werden ihre Arbeit zu kommunizieren ausserhalb der Wiss.journale und -Veranstaltungen. Ein Wiss.journalist muss sich ja auch wieder spezialisieren auf Geistes-, Sozial- oder Naturwissenschaften, um das Grundstudium oder den Bachelor kommt er nicht herum, andererseits wie hält man sich besser auf dem Laufenden und ist am Puls der scientific communities als über regelmässige Teilnahme an Konferenzen und eigener Forschung an vorderster Front innerhalb einer Gruppe?

    Sieht sehr nach Aktionismus aus. Und billiger wäre es auch die vorhandenen Wiss. für solche Arbeit zu bezahlen anstatt neu auszubilden. Gute Wiss. müssen doch auch gute Kommunikatoren sein in Gruppen mit 20-30 Leuten, Studenten faszinieren und einführen in neue Gebiete, da scheint mir diese neue Studiengang redundant zu sein.

  6. Kulturgrenzen überwinden

    Wenn Wissenschaftler kommunizieren, genügt es nicht, verständlich zu formulieren. Sie müssen Kulturgrenzen überwinden – hie die rational bestimmte, jede Emotion nach Möglichkeit ausschließende Kultur der Wissenschaft, da die von Emotionen bestimmte Kultur der Kommunikation und Wahrnehmung. Wissenschaftler als Instrumentenbauer müssen das nicht. Aber zur erfolgreichen Kommunikation gehört als zweite Grundlage noch die Außensicht: Ich muss mich in den anderen hineinversetzen, muss spüren oder wissen, wie er mich und mein Fachgebiet sieht, was er wissen will, wie seine Motivation ist. Manche Forscher schaffen das hervorragend – Frau Kaltenegger war bei der NaWik-Eröffnung wirklich ein tolles Beispiel. Ich nenne sie „Naturtalente“, denn diese Wissenschaftler haben Kommunikation ohne große Ausbildung verstanden.
    Das kann man natürlich auch lernen. Ob das NaWik dazu das passende Curriculum anbietet, darüber diskutiere ich derzeit heftig mit Beatrice Lugger und Carsten Könneker(http://wissenschaftkommuniziert.wordpress.com). Ich denke, Wissenschaftler müssen dazu vor allem lernen, wie Kommunikation funktioniert und vor allem, wie die Gesellschaft – und für sich selbst eine entsprechende Einstellung entwickeln.
    Ich freue mich, dass Sie erkannt haben, dass das neue NaWik nur einen Teil des Themas „Wissenschaftskommunikation“ angeht. Nämlich die Wk-Seite. Nachdem ich in meiner Karriere wohl hunderte wissenschaftliche Institute und meist auch ihre Pressestellen kennengelernt habe, kann ich Ihnen versichern, das größere Problem der Wissenschaftskommunikation in Deutschland ist die Situation auf der Kw-Seite. Für die Kommunikatoren gibt es nicht einmal vernünftige Ausbildungs- oder Fortbildungsmöglichkeiten. Ihre Stellung in den Instituten entspricht (wohl auch deshalb)eher der von untergeordneten Lakaien als der von kundigen Beratern. Hier ist viel zu tun, leider sieht sich das NaWik dazu nicht berufen.
    Meine Idealvorstellung wäre, dass Wissenschaftler und Kommunikatoren auf Augenhöhe zusammenarbeiten, wie dies zumindest in erfolgreichen großen Unternehmen durchaus praktiziert wird: Natürlich ist der Unternehmenschef (durch entsprechendes Training)in der Lage, verständlich über seine Ergebnisse und seine Ziele zu sprechen. Seine Kommunikation zu konzipieren, strategisch zu planen, ihn zu beraten und vor Glatteis zu warnen, sowie die Tagesarbeit zu machen, also die Kommunikation zu managen – das wäre Sache des Kommunikators, auch in der Wissenschaft.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben