Rosettas Komet in den Alpen

Es gibt eine Reihe schöner Größenvergleiche für den Kern des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, auf dem die ESA-Sonde Rosetta am 12. November ihren kleinen Landa Philae absetzen soll. Einer der Vergleiche zeigt den Kometenkern in Los Angeles, ein anderer als dunkles Gebirge über Manhattan, und die BBC hat die einen Querschnitt des Kometenkerns auf das Stadtgebiet von London gelegt.

Als ich diesen Sommer auf Wanderurlaub in den Schweizer Alpen war, habe ich mir dort vorzustellen versucht, wie groß denn der Kometenkern vor dem Hintergrund der dortigen Berge wäre – ein naheliegender Vergleich, denn Berge sind nun einmal typische kilometergroße (und Kilometer weit entfernte) Objekte, mit denen man hier auf der Erde eigene Erfahrungen sammeln kann. Nachdem die ESA die Bilder der Navcam der Rosetta-Sonde vor kurzem unter einer Creative Commons-Lizenz freigegeben hat, habe ich heute mal eines meiner Urlaubsfotos hergenommen und den Kometenkern eingebaut.Das Foto wurde von einem Wanderweg zwischen den schweizer Dörfern Bettmeralp und Fiescheralp aufgenommen, laut GPS: hier. Der Blick geht nach Südosten. Hier schwebt der Kometenkern über dem Binntal:

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Bild: M. Pössel/HdA unter Benutzung eines Bildes von ESA/Rosetta/NAVCAM. Lizenz: CC BY-SA IGO 3.0

Der Kometenkern ist dabei rund 7.2 km vom Beobachter entfernt.

In einem zweiten Bild habe ich den Kometenkern deutlich weiter zurück gesetzt, nämlich in 14 Kilometer Entfernung – hinter die hinterste im Bild gut sichtbare Bergkette, deren höchstes sichtbares Mitglied der Monte Cervandone mit 3210 Metern ist. Der Kometenkern ruht direkt hinter der Bergkette auf rund 2000 Metern Höhe auf dem Boden:

67P-cervandone-mpoessel

Bild: M. Pössel/HdA unter Benutzung eines Bildes von ESA/Rosetta/NAVCAM. Lizenz: CC BY-SA IGO 3.0

Auch in solcher Entfernung ist der Kometenkern beeindruckend groß – und doch, im Gegensatz zu den allermeisten astronomischen Objekten, klein genug, dass er sich noch in die Welt unserer irdischen Erfahrungen einfügen lässt!

Ich wünsche den Kollegen, die am 12. November zum Landeanflug ansetzen (lassen), jedenfalls viel Glück, und bin gespannt, welche neuen Perspektiven sich dann nach der hoffentlich erfolgreichen Landung ergeben!

Hinweise zu den Bildern:

Landschaft aus zwei verschiedenen Bildern mit Canon 70D und Kit-Objektiv – einmal die Landschaft selbst, aus einem anderen Bild von anderem Ort aus die Wolken mit Himmel. Den Kometenkern habe ich mithilfe von Gimp eingebaut; das Navcam-Bild stammt von den Flickr-Seiten der ESA, den dortigen Angaben nach mit einer Auflösung von 5,3 Metern per Pixel. Mit dieser Information, der Ortsinformation per GPS, Google Maps und Höhendaten aus Mapcoordinates sowie mit einem Testbild, um die Pixelskala meiner Kamera herauszufinden, habe ich jeweils die scheinbare Größe des Kometenkerns im Bild berechnet (einfaches Modell: Lochkamera).

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online [http://www.einstein-online.info]. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie [http://www.haus-der-astronomie.de] leitet, ein neues Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Interessante Bilder. – Vor allem sind mir zumindest diese Vergleiche angenehmer als etwa das mit dem Kometenkern über Los Angeles, auf dass u.a. Frau Baumbusch hier im Blog schon mal aufmerksam gemacht hat. Wie ich dazu seinerzeit schon nebenan bei Michael Khan angemerkt habe, wirkt das Bild irgendwie furchterregend. Ihre Vergleichsbilder – oder zumindest das zweite wirken nicht ganz so dramatisch.
    OT: Auch wenn mir der Vergleich mit dem Hochgebirge besser gefällt, bleibt für mich festzustellen, dass der Kometenkern nicht in die Landschaft passt.