Ein Beispiel für Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung ist die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen, zum Leidwesen nicht zuletzt aller, die astronomische Beobachtungen vornehmen wollen.

Dagegen regt sich zu Recht Widerstand. Einige der Leser hier werden von dem ScienceStarter-Projekt SkyGlow Berlin von Christopher Kyba gehört haben, der mit Berliner Schulen die Lichtverschmutzung gemessen hat und sich auch sonst im Rahmen des Projekts Verlust der Nacht mit dem Thema beschäftigt hat; nebenan in den KosmoLogs findet man z.B. bei Jan Hattenbach immer wieder Beiträge zu dem Thema, und auch die VdS-Fachgruppe Dark Sky engagiert sich für einen dunkleren Nachthimmel.

Ich bin jemand, der gerne Dinge selbst nachvollzieht und, gerade wenn es um Wissenschaft geht, selbst nachprüft, wenn möglich auch nachmisst und nachrechnet. Deswegen habe ich jetzt versucht, mein eigenes Lichtverschmutzungs-Vergleichsfoto herzustellen. Tatsächlich habe ich unter den Fotos, die ich letztes Frühjahr in Südafrika aufgenommen habe (vgl. meine Beiträge damals zu SciFest Africa, Township-Schulen, 10-Meter-Teleskop SALT, Radioteleskop SKA, Südhimmel) eine Himmelsregion gefunden, die ich mit der gleichen Kamera bei gleichen Einstellungen unter deutlich unterschiedlichen Bedingungen fotografiert hatte: Einmal  vom (sanft beleuchteten) Innenhof unseres Hotels in Grahamstown aus, einer Stadt mit rund 70.000 Einwohnern in der Provinz Ostkap, und dann noch einmal vom (dunklen) Hinterhof unserer Herberge in Sutherland, der Kleinstadt direkt am südafrikanischen Nationalobservatorium SAAO.

Hier sind, direkt untereinander, die drei Vergleichsaufnahmen: Ganz oben aus dem einigermaßen lichtverschmutzten Grahamstown (in einer Großstadt dürfte es noch deutlich schlimmer aussehen), darunter mit genau den gleichen Einstellungen aus Sutherland (Belichtungszeit beide Male 10 Sekunden), und als unterstes Bild wiederum ein Bild aus Sutherland, aber diesmal doppelt so lang belichtet (20 Sekunden).

Alle drei Bilder sind mit einer Canon 450D und Tokina 11-16 mm-Objektiv bei Einstellung 11 mm aufgenommen, Empfindlichkeit ISO 1600, Blende 2,8. Ich habe die Bilder erst kombiniert und dann das Resultat einheitlich mit GIMP etwas nachbearbeitet (größerer Kontrast und Helligkeit, etwas größere Sättigung).

untereinander

Die Unterschiede sind deutlich. Im untersten Bild sieht man das Band der Milchstraße, in der Mitte ein Dreieck von offenen Sternhaufen (unten links NGC 3532, unten rechts die südlichen Plejaden).

Im obersten, stark lichtverschmutzten Bild ist selbst dann, wenn man die gröbsten Störungen (Lichtquellen im Hof unten links und rechts) weglässt, klar: Hier ist mit längerer Belichtung nichts mehr zu holen; die Sterne verschwinden in einer diffusen Suppe.

Man kann jedem nur wünschen, dass er oder sie Zugang zu einem Ort hat, wo der Nachthimmel sich noch so erleben lässt, wie es für unsere Vorfahren selbstverständlich war – und Initiativen, zumindest einige Regionen zu Reservaten zu erklären, in denen der dunkle Nachthimmel unter Schutz steht, sind unbedingt begrüßenswert.

 

P.S.: Hier zur Orientierung noch eine Version mit den eingezeichneten Namen heller Sterne, erstellt mit dem Web-Werkzeug von astrometry.net:

annotated

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eindrücklich der Unterschied zwischen dem Nachthimmel von Grahamstown und Sutherland, einmal mitten aus einem mittelgrossen Siedlungsgebiet aufgenommen (Grahamstown) und einmal von einem Dorf aus in einer Gegend, die wegen ihres ariden Klimas (und der abgelegenen Umgebung in 1450 m über Meer) für die gute Nachtsicht bekannt ist.
    Die Sicht auf den Nachthimmel wird wohl in grösseren Städten immer schlecht bleiben, egal wie rücksichtsvoll beleuchtet wird. Aber es wäre schon toll, wenn man nur ein paar Kilometer aus der Stadt herausfahren müsste um einen prächtigen Nachhimmel geniessen zu können. Heute braucht es 70 km Weg aus Berlin heraus um zu einem der dunkelsten Orte Deutschland zu kommen (Naturpark Westhavelland). Wie müsste man wohl die Beleuchtung Berlins ändern, damit das schon 10 km aussserhalb der Stadt möglich wäre?

    • Es erstaunt mich, dass 70 km von Berlin entfernt (Westhavelland) bereits die dunkelsten Nächte Deutschlands zu erwarten sind und habe eine Erklärung in der simplen Tatsache gefunden, dass die Erde eine Kugel ist. Die 70 km Entfernung zwischen Berlin und dem dunkelsten Ort Deutschlands entsprechen einem Winkel von 0.63° zwischen dem Erdradius der durch Berlin und dem Erdradius der durch Westhavelland geht. Blickt man vom Westhavelland horizontal Richtung Berlin so geht der Sehstrahl etwa 400 m oberhalb von Berlin hinweg unter der Annnahme Berlin und Westhavelland lägen beide auf gleicher Höhe über Meer (was ungefähr stimmt). Damit befindet sich die Lichtverschmutzungs-„kugel“ von Berlin von Westhavelland aus gesehen zum grossen Teil bereits unter dem Sehhorizont und man blickt von Westhavelland ins Freie, in einen Raum, der deutlich oberhalb von Berlin liegt.

  2. Ich finde den Unterschied zwischen den Bildern ebenfalls beeindruckend. Schade nur, dass zukünftige Generationen die Sterne womöglich nur noch in „Reservaten“ besichtigen können, so wie man in einen Zoo geht um wilde Tiere zu sehen, die es in Freiheit kaum mehr gibt.

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