Dual Career und Gleichberechtigung in der Wissenschaft

Ich will hier nicht im Detail auf den ziemlich unsäglichen Fernsehbeitrag von „Report Mainz“ über die Max-Planck-Gesellschaft eingehen (hier der Beitrag, hier die MPG-Stellungnahme; Offenlegung: ich bin bei der MPG angestellt, schreibe mein Blog aber als Privatperson). Aber einer der Vorwürfe dort betrifft ein allgemeineres Thema, zu dem offenbar Erklärungsbedarf besteht.

Wer Wissenschaftler in seinem Freundeskreis hat oder z.B. hier bei SciLogs die entsprechenden Beiträge von Markus Dahlem liest, weiß, dass wissenschaftliche Karrieren alles andere als Selbstläufer sind: Nach der Doktorarbeit folgt üblicherweise eine Kette befristeter Postdoktoranden-Stellen. Die Befristung beträgt bei den ersten solcher Stellen eher 2 bis 3 Jahre, später dann für diejenigen, die bis dahin durchhalten, im besten Falle 5 Jahre. Unbefristete Stellen, insbesondere Professorenstellen, sind rar – eine solche Stelle zu ergattern ist nicht nur eine Frage fachlicher Qualifikation, sondern auch von Durchhaltevermögen und Glück. Wer im Teilgebiet A seiner Wissenschaft zu den besten Forschern gehört, dem oder der nützt es nichts, wenn in der entscheidenden Zeit nur Stellen freiwerden, die nach Experten in Teilgebieten B, C und D suchen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat für gute Wissenschaftler, die darauf warten, dass endlich eine geeignete Professorenstelle ausgeschrieben wird, sogar eine Art Warteschleifen-Stipendium: Das Heisenberg-Programm für Wissenschaftler, die geeignet und qualifiziert für eine Professur sind und auf die richtige Stelle warten.

Diese Situation hat mehrere Konsequenzen. Zum einen trägt sie zum Brain Drain bei – eine Reihe deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wandern dorthin aus, wo es bessere Perspektiven gibt: Nach Großbritannien etwa, mit einem System, das mit Dozentenstellen schon deutlich unterhalb des Lehrstuhlniveaus feste Stellen schafft, bei denen auch jüngere Wissenschaftler Chancen auf eine Festanstellung haben; nach Frankreich mit einem ähnlich abgestuften System bei der zentralen Forschungsorganisation CNRS, oder die USA mit ihrem „Tenure Track“, also mit Professorenstellen auf Zeit, die guten jüngeren Wissenschaftlern zumindest eine Perspektive geben, bei entsprechend guter Leistung eine Festanstellung zu bekommen (im Vergleich mit dem „Jaaa, wir würden Sie gerne behalten, aber wir können nicht“ an so mancher deutscher Hochschule). Einige von den betreffenden Wissenschaftlern kommen wieder zurück. Andere nicht.

Die entsprechende öffentliche Debatte darüber, wie man solche Wissenschaftler halten oder zumindest zur Rückkehr bewegen kann, hatten wir zuletzt, als Thomas Südhof 2013 den Nobelpreis für Medizin erhielt (siehe z.B. diesen Kommentar in der FAZ), auch wenn Südhof eigentlich kein repräsentativer Fall ist – der hatte, direkt bevor er in die USA ging, bereits eine gute feste Stelle in Deutschland als Direktor eines Max-Planck-Instituts.

Das soll wohlgemerkt nicht heißen, dass das Wissenschaftssystem in Deutschland ganz allgemein schlechter wäre als in den USA, Großbritannien, Frankreich etc. – auch bei der angesprochenen Debatte hat Südhof durchaus auch einiges an der deutschen Forschungslandschaft gelobt. Aber im Hinblick auf die Planbarkeit wissenschaftlicher Karrieren liegen wir gegenüber den genannten Ländern tatsächlich deutlich zurück.

Dass es einen Wettbewerb um knappe Stellen gibt, ist durchaus sinnvoll – solange es dazu führt, dass im wesentlichen wirklich die Besten die wenigen verfügbaren Stellen bekommen. Aber das jetzige System siebt insbesondere in einer Hinsicht nach anderen Kriterien aus als wissenschaftlicher Qualität. Überproportional häufig verlassen nämlich diejenigen jungen Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler entweder die Wissenschaft oder das Land, denen es wichtig ist, eine langfristige Partnerschaft, Kinder oder allgemeiner: Familienleben zu haben. Solche Wünsche haben durchaus auch junge Forscherinnen und Forscher, die zu den besten ihres Faches gehören. So verkleinert sich der Pool der exzellenten Wissenschaftler, aus denen man die Stelleninhaber für unbefristete Stellen rekrutiert, in ziemlich willkürlicher Weise.

Ein extremes Beispiel, wenn auch nicht aus Deutschland, sondern aus Australien, ist Brian Schmidt, mit dem ich 2012 in Lindau ein Interview führen konnte. Schmidt war 1997 kurz davor, die Wissenschaft an den Nagel zu hängen. Seine auf drei Jahre befristete Postdoc-Stelle in Australien war am Auslaufen; seine Frau, eine Australierin, hatte selbst gerade einen guten Job gefunden. Schmidt hatte sich an seinem damaligen Institut auf eine neue Stelle beworben, war aber zunächst nur auf Platz vier der Auswahlliste gelandet. Die Entscheidung, dass er nicht in der Forschung weitermachen würde, hatten Schmidt und seine Frau zu diesem Zeitpunkt bereits gefällt – beide waren dort, wo sie waren, glücklich, die Frau hatte einen guten Job, und beide sahen nicht ein, dass sie das alles aufgeben sollten, um für Schmidts nächste Postdoc-Stelle an irgendeinen anderen Ort der Welt zu ziehen. Es kam dann doch anders: Die ersten drei Bewerber auf der Auswahlliste sagten dem Institut ab, und Schmidt bekam die Stelle. Die Forschung, die er deswegen weiterführen konnte, brachte ihm 2011 den Nobelpreis für Physik ein.

Nobelpreise sind natürlich nur in ganz seltenen Ausnahmefällen im Spiel, aber die grundlegende Situation ist in der Wissenschaft so häufig, dass es dafür eine eigene Bezeichnung gibt: das „Zweikörperproblem“, ein aus der Physik entlehnter Begriff. Verschärft wird das Problem, wenn beide Partner wissenschaftliche Karrieren anstreben. Das ist keine seltene Konstellation: Dieser Beitrag hier gibt an, leider ohne Quelle und Qualifikation, bei 30 Prozent der männlichen Wissenschaftler und 80 Prozent der Wissenschaftlerinnen seien Partner bzw. Partnerin ebenfalls in der Wissenschaft tätig.

Gerade in der Postdoktorandenphase wird erwartet, dass junge Wissenschaftler flexibel sind und z.B. auch ins Ausland gehen. Das ist per se sehr sinnvoll, denn so bekommt der Wissenschaftler bzw. die Wissenschaftlerin wichtige Kontakte, Wissen wird nicht nur über Fachartikel, sondern auch über Personen von Ort zu Ort getragen, und so weiter – der rege Personenaustausch zwischen den verschiedenen Zentren der Forschung trägt auf alle Fälle zur Lebendigkeit der Wissenschaft bei.

Wenn der oder die Betreffende nicht zu den absoluten Überfliegern gehört, wird die Auswahl zwischen den jeweils freien Postdoc-Stellen dabei allerdings begrenzt sein. Dass ein Wissenschaftlerpärchen dann zwangsweise eine Fernbeziehung zwischen Boston und Sidney, Heidelberg und Oxford, Tucson/Arizona und Paris führt, ist dann einfach so. Ein Teil der Beziehungen übersteht das, ein Teil nicht.

Kritischer wird es, wenn Wissenschaftler in das Alter kommen, in dem sie über Kinder nachdenken – die Erweiterung des Zweikörperproblems zum Mehrkörperproblem. Dass dafür bei den Wissenschaftlerinnen ein biologisches Zeitfenster eine Rolle spielt, das ungünstigerweise in der Regel in eine Phase der Karriere fällt, in der keiner der beiden Partner eine feste Stelle hat, erhöht den Druck. Dann wird es deutlich wichtiger als zuvor, dass beide Partner am gleichen Ort arbeiten, und das ist im heutigen System alles andere als einfach.

Wenn es nicht gelingt, das Zweikörperproblem zu lösen und für beide Partner am gleichen Ort geeignete Jobs zu finden, dann sind Kinder nur möglich, wenn einer der Partner seinen Job in der Wissenschaft aufgibt. Überproportional ist es dann die Partnerin, die ihren Job aufgibt – und damit in der Regel auch ihre wissenschaftliche Karriere. Letzteres ergibt sich meist ganz automatisch, denn bei der Bewerbung auf jede neue Stelle wird natürlich geschaut, was die verschiedenen Bewerberinnen und Bewerber in der letzten Zeit geforscht und insbesondere davon auch veröffentlicht haben. Wer ein paar Jahre aussetzt, hat gegen Konkurrent(inn)en, die in den gleichen Jahren eifrig Artikel publiziert haben, wenig Chancen.

Aufgrund dieses Ungleichgewichts sind Zwei- und Mehrkörperproblem nicht nur für die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie, sondern auch im Hinblick auf die Frage, warum überproportional viele Wissenschaftlerin ihre Karrieren aufgeben – und was man dagegen tun kann.

Eine Entwicklung der letzten Jahre, die aus meiner Sicht (und der vieler anderer) in die richtige Richtung geht, ist das Konzept von „Dual Career“, also Doppelkarrieren: Universitäten oder außeruniversitäre Institute, die sich bemühen, Wissenschaftler/innen dabei zu unterstützen, dass auch der jeweilige Lebenspartner bzw. die Lebenspartnerin einen erfüllenden Job (in der Wissenschaft oder außerhalb) bekommt. Die Spielarten sind dabei vielfältig: Manchmal geht es direkt um Jobs am gleichen Institut, oder an einem der anderen wissenschaftlichen Institute vor Ort. Hier in Heidelberg haben sich beispielsweise die Universität und universitätsnahe Institute (wie die hiesigen Max-Planck-Institute) zu einem „Bündnis für Familie“ zusammengetan, in dessen Rahmen es solch einen Dual Career Service gibt.

In anderen Fällen gibt es Stipendien zur Überbrückung, bis Partnerin oder Partner selbst einen Job gefunden haben. In denjenigen Fällen, wo beide Partner sehr gute Wissenschaftler sind, kann es sein, dass beide auch eine Professur bekommen (Doppelberufung), eine Gruppenleiterstelle oder eine unbefristete Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Für die Unis geht es dabei zum Teil durchaus um mehr als nur um die allgemeine Familienfreundlichkeit. Gerade bei Berufungen stehen die Unis nicht selten in internationaler Konkurrenz. Fast die Hälfte der Mitarbeiter im Bereich Gleichstellung verschiedener Hochschulleitungen, die im Auftrag der Jungen Akademie dazu befragt wurden, hatte bereits mit einem Fall zu tun, in dem eine Absage zumindest zum Teil mit den mangelnden Karrierechancen des Partners oder der Partnerin des/der Umworbenen begründet wurde (Ergebnisse der Befragung hier, 2002). Gerade wenn es um die absoluten Spitzenleute geht, ist Familien- und Partnerfreundlichkeit und sind Dual Career-Programme damit für die Hochschulen oder für die außeruniversitären Wissenschaftsorganisationen auch ein Wettbewerbsvorteil.

Dual Career ist sicher kein Patentrezept, kann aber ein wichtiger Baustein sein, um das Wissenschaftssystem familienfreundlicher zu gestalten (und so den Pool der Bewerber um die Spitzenpositionen nicht unnötig zu verkleinern) und für mehr Gleichberechtigung zu sorgen.

Dass der genannte Beitrag von „Report Mainz“ an einer Stelle allein den Umstand, dass neben einem Institutsdirektor auch dessen Ehefrau Direktorin eines Instituts wurde, als Vorwurf präsentiert, in die Nähe von systematischer Vetternwirtschaft rückt und dann in bedauernd-verständnislosem Ton hinzufügt, so etwas sei unter dem Namen „Dual Career“ sogar gewollte Politik der MPG, ist damit schlicht eine Frechheit und zeigt dringenden Nachhilfebedarf. Bittesehr, Report Mainz, gern geschehen.

Einige weitere Informationen zum Thema gibt’s hier:

 

 

 

 

 

 

 

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie leitet, ein Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Als Dokotorand im letzten Drittel der Promotion beschäfitige ich mich natürlich auch mit der Problematik. In einem Survey meines Doktoranden-Bekanntenkreises musste ich feststellen, dass die, die keine (zu) feste Bindung oder gar Familie haben, sich nach Postdoc-Stellen (im Ausland) umschauen und ihre Karriere vorrangig akademisch weiterführen wollen. Zumindest für den Moment.

    Die mit fester Bindung (oder Familie) (sind im Vergleich dazu auch weniger, ob das wohl mit dem Zeitmanagement während der Promotion zusammenhängt?) haben meist keine Lust, sich dieser Karrieren auszusetzen, z.B. weil die Partnerin (klar Geschlechterbias auf meinem Feld) einen festen Job hat oder einen anderen Grund, der die Flexibilität einschränkt.

    Ich erwarte mittlerweile selbst Nachwuchs; und wenn ich mir so die Situation ansehe, verspüre ich auch wenig Interesse an einer akademischen Karriere. Nicht, weil die Begeisterung oder das Interesse fehlt, sondern weil die Randbedingungen bzw. Perspektiven einfach zu schlecht sind. Und mit dieser Ansicht stehe ich nicht allein da.
    Außerdem möchte ich mich nicht von diffus bestimmten äußeren Bedingungen meine Familienplanung bestimmen lassen. Andere (z.B. mein Betreuer) haben dies getan und erst mit Erreichen einer unbefristeten Stelle Kinder bekommen. (Und mir dann wiederholt erzählt, dass die wenige Elternzeit, die sie genommen haben total unnötig und langweilig war und sie weiter gearbeitet haben.)

    Was mich weiterhin beschäftigt, dass *keiner* der mir persönlich bekannten Lehrstuhlinhaber bzw. Inhaber unbefristeter Stellen hinsichtlich seines familiären Hintergrunds ein Vorbild darstellt.
    Also, entweder keine Kinder, oder doch Kinder, aber geschieden, sehr spät Kinder, überhaupt alleinstehend, usw… Da trifft man auf alle möglichen Situationen, die m. E. keinen erstrebenswerten Lebensentwurf darstellen. Es gibt sicherlich auch wenige andere, die beides managen können, das ist meiner Beobachtung nach aber die Ausnahme. Und aufgrund dieser Aussichten werde ich langfristig keine Karriere in der Wissenschaft verfolgen.
    Dazu passen auch folgende Zitate von Professoren(!) meines Instituts: „Wer in der Wissenschaft bleiben will, bezahlt mit seinem Leben.“ oder „In der Wissenschaft setzt sich nicht der Beste durch, sondern das größte Arschloch.“

    Mein Fazit aufgrund persönlichen Erfahrungen und denen aus meinem Umfeld: Wissenschaft? Auf Dauer lieber nicht.

    • Ich kenne durchaus festangestellte bzw. Lehrstuhlinhaber, die ein gutes Familienleben (z.T. auch mit Kindern haben); ansonsten: ja, genau das sind eben die Probleme…

    • Vermutlich etwas entspannter – wobei es ja andererseits nicht nur um das Einkommen geht, sondern auch darum, einen erfüllendem Job zu haben bzw., wenn beide Partner in der Forschung bleiben möchten, eine Position an einem guten Institut. Da ist „Ihre Partnerin kann mitkommen und kriegt hier am Institut auch einen Schreibtisch; leben kann sie dann ja von ihrem bedingungslosen Grundeinkommen“ natürlich keine Aussage, bei der man sich wertgeschätzt vorkommt. Ein Postdoktorandenpärchen mag sich mangels Alternative darauf einlassen; wenn der/die Partner/in selbst gestandene/r Wissenschaftler/in ist und in der betreffenden Karrierephase mehr braucht als ein Grundeinkommen (nämlich eigene Mittel, Laborplatz, Geräte, den Grundstock einer eigenen Arbeitsgruppe) sieht das vermutlich anders aus.

      • Stimmt, je mehr „Geräte“ ein Wissenschaftler benötigt, desto mehr wäre er (auch mit BGE) von einer „Außenfinanzierung“ abhängig. Aber in Fächer wie z.B. Mathematik, Politik, Jura, Philosophie, Sprachwissenschaft, Soziologie etc. braucht man nur bekleidet, ausgeschlafen und satt sein + Neugier fürs Fach. Im Prinzip ist nicht mal zwingend eine Stelle an der Uni notwendig, denn mathematische Sätze lassen sich auch Zuhause beweisen, ähnliches gilt für juristische Gedankengänge usw. Bibliotheken sind online wie offline (meist) kostenlos zugänglich und Treffen/Austausch mit Kollegen sind auch im Grunde kostenlos. Auch Studenten ohne Einkommenssorgen / BAföG / Studienkredit etc. können sich besser aufs Lernen konzentrieren, ohne den ständigen Existenzsorgendruck und den Papierkram wegen Kleinstbeträgen.

        • Bliebe immer noch die Frage der Wertschätzung – auch nicht unwichtig. Es gibt ja auch heute Wissenschaftler, die am Rande der Institute eine Nische gefunden haben, mit eigenem Einkommen aus anderen Quellen und Wissenschaft als Passion. Natürlich in der Tat vor allem in denjenigen Fachgebieten, in denen man keine große eigene Ausstattung benötigt. Aber das als Lösung für die Partner (vornehmlich ja: Partnerinnen) anzubieten klingt nicht sehr gerecht.

  2. Danke für den guten Hinweis! Durch Verständnis für Familienfragen ist mir der „Report Mainz“ auch bisher nicht aufgefallen, das scheint hier bestätigt…

  3. Schwieriges Thema. Einerseits stimmt es natürlich, dass das viele Umziehen nicht familienfreundlich ist, und wenn Uni oder MPI da helfen können, ist das erst mal positiv.

    Aber es hat schon auch ein Gschmäckle, wenn der „Job für den Partner“ (in der Praxis quasi immer die Frau, leider) bei Berufungsgesprächen in die Verhandlungsmasse einfliest, neben Sequenziermaschinen und Laborräumen.

    Denn eigentlich gilt ja doch das Prinzip, dass für jede Stelle der beste Bewerber, die beste Bewerberin eingestellt werden sollte – das widerspricht sich schon ein wenig mit Versprechungen für einen „Job für die Frau“ die man dem zukünftigen Prof oder MPI-Direktor gibt.

    Mich würde auch mal interessieren, wie die Kollegen das sehen – ob es da nicht Gemecker und schlechte Stimmung gibt – „Die hat den Job doch nur wegen ihrem Mann“ ,etc?

    Also, so ein klein wenig entwürdigend ist das schon auch für den Partner/die Partnerin, und vielleicht nicht die ideale Lösung des Zweikörperproblems.

    • Das kommt doch ganz darauf an, oder? Bei wirklichen Spitzenleuten dürfte es noch am einsichtigsten sein: Wenn die Frau (bleiben wir mal dabei) vorher an einer Universität mit vergleichbarem Ruf einen Lehrstuhl hat, dann sollte nichts dagegen sprechen, ihr auch an der zukünftigen Uni ihres Mannes eine äquivalente Position zu geben.

      Analog bei Postdocs: Wenn die Frau eine Postdoc-Position an einer anderen Institution vergleichbarer Güte hat, gibt es keinen Grund, nicht an der neuen Institution eine vergleichbare Position einzurichten.

      Es geht doch im Gegenteil um die Gründe, die auch außerhalb von Dual Career jenseits eines abstrakten Qualitätsbegriffs beeinflussen, wer eine Stelle bekommt: Um den Zufall, wann wo welche Stelle mit welcher genauen Beschreibung ausgeschrieben wird. Diese Begleitumstände sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass Paare es schwer haben, am gleichen Ort gleichzeitig Stellen zu kriegen. Und diese Begleitumstände verändert man jetzt künstlich so, dass Paare eine bessere Chance haben.

  4. „…gibt es keinen Grund, nicht an der neuen Institution eine vergleichbare Position einzurichten.“

    Genau das frustriert aber andere Bewerber ohne Ende. Denn oft muss so eine Position aus formalen Gründen öffentlich ausgeschrieben werden. Auch wenn von vorneherein klar ist, dass alle anderen Bewerber keine Chance haben, weil die Sache schon intern ausgekartet wurde. Die Stellenanzeige wird dann halt so aufgesetzt , dass genau eine Person dazu passt.

    Natürlich, wenn die Uni/Fakultät/MPI beide wirklich haben will, sollte man auch beiden eine Stelle geben. Aber in der Praxis läuft es doch oft so, dass die Uni einen Partner unbedingt will und den anderen „unterbringt“ – vielleicht auf Kosten anderer Bewerber, die besser zum Institut passen würden.

    Aber eine bessere Lösung fällt mir auch nicht ein…außer der pessimistischen Antwort, dass man sich in den meisten Fällen von der Illusion verabschieden muss, dass beide Partner eine wissenschaftliche Karriere verfolgen können.

    • Das so halb unter der Hand zu machen mit quasi-freier, aber praktisch doch abgekarteter Ausschreibung ist natürlich ganz daneben – klar, dass das Bewerber, die sich darauf bewerben, als wäre es eine normale Stelle, frustriert.

      Aber bei „besser zum Institut passen“ sind wir ja schon auf einer deutlich anderen Stufe als „der wissenschaftlich beste Bewerber bekommt die Stelle“. Gut oder weniger passen ist eine künstliche Rahmenbedingung, die durchaus subjektiv sein kann und im Institut meist auch ganz unterschiedliche Antworten hervorbringt. Nicht zuletzt kann man eine Antwort von ganz unterschiedlichen Seiten angehen: Das Institut beleben und voranbringen kann ein neuer Mitarbeiter, weil er/sie etwas ganz ähnliches macht wie die, die schon da sind – oder eben im Gegenteil, weil er/sie etwas deutlich anderes macht, das interessante Querverbindungen besitzt. Zu diesen Rahmenbedingungen kommt jetzt eben noch eine weitere hinzu.