Blühende Neulandschaften: Neue Medien und Wissenschaftskommunikation

Nach dem ersten Tag des Workshops Image statt Inhalt? der Volkswagenstiftung (der im folgenden immer gemeint ist, wenn von „dem Workshop“ die Rede ist) am letzten Montag war ich ob der Haltung einer Reihe der Anwesenden zum Thema Social Media durchaus bestürzt. Von der Angst vor Shitstorms über (paternalistische?) Sorgen, dass die Leser im Internet nicht redaktionell kontrollierte Inhalte lesen können und dann womöglich glauben, bis zu „alles nur Hype, Online liest sowieso kaum jemand“ war ein ganzes Spektrum negativer Meinungen vertreten. Das sorgte für einigen Frust und Kopfschütteln bei denjenigen Teilnehmern, die viel oder sogar vorwiegend online unterwegs sind – siehe den Storify von Reiner Korbmann (Sammlung der Twitter-Beiträge zum Workshop, kenntlich am veranstaltungsspezifischen Hashtag #wowk14).

Hier zum Teil als Antwort, zum Teil durch die Diskussionen angestoßen, einige Gedanken zum Thema Neue Medien und Wissenschaftskommunikation, und zu den Fragen, die Wissenschaftskommunikatoren sich stellen sollten. Insgesamt wird hoffentlich klar, warum man die Neuen Medien bei einer sinnvollen Diskussion über das Verhältnis von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien gar nicht ausklammern kann.

Neue Medien, Social Media oder irgendwie „im Netz“?
Diese Begriffe laufen in der bisherigen Diskussion zum Teil etwas durcheinander. Neue Medien sind so neu nun auch wieder nicht; Social Media – bei denen Interaktionen, Freundesnetzwerke, Kommentarmöglichkeiten, kollaborative Inhalte etc. im Vordergrund stehen – sind nur ein Teil des Ganzen, und andere Online-Möglichkeiten wie Preprint-Archive für die Wissenschaft und -skommunikation mindestens ebenso wichtig. Mein Eindruck ist, dass einige von denen, die Web 2.0 kleinreden, selbst Web 1.0 nicht wirklich auf dem Programm haben. Ich schreibe jedenfalls in diesem Beitrag über alle Online-Möglichkeiten, die ich für die Wissenschaftskommunikation wichtig finde – egal ob Social oder nicht.

Neue Medien sind nicht nur eine Modeerscheinung
Die jungen Leute von heute, die an ihren Smartphones kleben, jede Nichtigkeit twittern, jedes Foto auf Facebook stellen und coole Stories mit ihren Freunden und Bekannten teilen, werden mit zunehmendem Alter nicht einfach ganz mit diesen Kommunikationsformen aufhören. Die heutigen Kanäle werden so wie heute oder in veränderter Form da sein, nutzbar sein, und von vielen genutzt werden. Und die Zahl der Älteren, die nur wenig Kontakt mit der Online-Welt hatten und haben, wird mit den Generationenwechseln naturgemäß kleiner werden.

Darüber nachzudenken, wie man diese Kanäle für die Wissenschaftskommunikation nutzt, ist daher auf alle Fälle sinnvoll. Das heißt nicht, dass jetzt jeder alles machen muss, nur weil es Online ist – das Beispiel vom Institutsdirektor, der unbedingt und von wenig Sachkenntnis getrübt möchte, dass sein Institut jetzt auch auf diesem Twitter ist, sehen nicht nur diejenigen kritisch, die den Neuen Medien gegenüber eher konservativ eingestellt sind.

Neue Medien brauchen Ressourcen
Neue Medien und insbesondere Social Media funktionieren nur, wenn sich jemand kümmert. Ein Twitter-Konto, auf dem kaum etwas passiert, wird eher selten viele Follower (=Abonennten) gewinnen (es sei denn, es gehört einem absoluten Offline-Star). Auch wenn Organisationen, die einen bestimmten Bekanntheitsgrad mit sich bringen, da einen Bonus vor dem Feld-Wald-und-Wiesen-Benutzer haben: Twitter, Facebook, Blogs leben davon, dass in schöner Regelmäßigkeit (Periodendauer variabel) neue, interessante Beiträge eingestellt werden. Das macht Arbeit. Und weil die Wissenschafts-Kommunikations-Ressourcen bei den meisten Institutionen meist schon beim Bedienen der herkömmlichen Kanäle an Grenzen stößt, ist „2.0-Arbeit“ kein Selbstgänger.

Das sollte aber kein Grund sein, das ganze Neue-Medien-Zeugs zu ignorieren. Sondern die Gelegenheit zu nutzen, einen Schritt zurück zu treten und sich anzuschauen, was man da eigentlich macht, und in welche Aspekte der Wissenschaftskommunikation man welchen Anteil seiner Ressourcen investieren möchte.

Wie genau dieser Prozess aktuell bei einigen Institutionen abläuft, ist durchaus interessant – und, wenn man alle seine Aktivitäten unter die Lupe nimmt, auch wichtig für klassische Instrumente der Wissenschaftskommunikation wie die Pressemitteilung. Lesen Journalisten heute überhaupt noch Pressemitteilungen – bei der Flut, die in den Redaktionen ankommt? Einige der Teilnehmer des Workshops haben das am Beispiel des Informationsdienst Wissenschaft direkt verneint. Was sind die Alternativen?

Die Macht des Enthusiasmus
Wie gesagt: Richtig twittern & Co. macht Arbeit. Es gibt aber viele Enthusiasten, die sich solche Arbeit gerne, freiwillig und unbezahlt machen (Lars Fischer hat in seinem Beitrag gerade darauf hingewiesen). Warum? In ihrer Freizeit, aus Interesse, weil sie das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun, und weil’s Spaß macht.

Und das nicht zuletzt mit der Möglichkeit, vielleicht, vielleicht groß herauszukommen. Die britische Bloggerin Elise Andrew hat mit I fucking love science – „fucking“ als verstärkendes Adjektiv in der Tradition eines „verdammt nochmal“ – auch als Enthusiastin angefangen. Inzwischen hat sie auf Facebook mit „IFLS“ knapp 17 Millionen Abonennten, also Menschen, die darum gebeten haben, dass ihnen die Nachrichten von IFLS – meist aus der Sparte Wissenschaftshumor oder „Wow!“ – regelmäßig auf Facebook vor die Nase gesetzt werden. Ihren jetzigen Job als Social Media Content Manager bei der Firma LabX hat Andrew, das wird niemanden verwundern, offenbar auch IFLS zu verdanken.

Florian Freistetter, um ein deutschsprachiges Beispiel zu nennen, hat sein Blog Astrodicticum Simplex auch angefangen, als er noch selbst als Astronom geforscht hat. Mit häufigen Beiträgen, vielen Inhalten zur Astronomie, aber auch kontroversen (und dann in den Kommentaren eifrig diskutierten) kritischen Beiträgen zu Esoterik, Astrologie & Co. wurde Florian immer bekannter – und insbesondere mit seinen Ausführungen zum angeblichen Weltuntergang am 21. Dezember 2012 fand er dann auch in den herkömmlichen Medien Aufmerksamkeit, wurde noch bekannter, begann Bücher zu schreiben und arbeitet inzwischen ganz als freier Wissenschaftsautor. Möglicherweise auch als Wissenschaftskommunikator, aber da ist er sich über die Bedeutung des Begriffs nicht so ganz sicher.

Aus Sicht der Wissenschaftskommunikatoren der Institute und Institutionen heißt das: Da draußen gibt es interessante potenzielle Verbündete, wenn es um die Faszination der Wissenschaft geht. Viele Menschen, die der Wissenschaft allgemein freundlich gesinnt sind. Solch ein Potenzial an Multiplikatoren zu ignorieren wäre – sagen wir mal diplomatisch: ineffizient. Aber genau wie gute Freunde nicht nur unkritisch alles hinnehmen, was wir tun, begleiten auch die vielen ehrenamtlichen Kommunikatoren da draußen das, was in der Wissenschaft geschieht, durchaus auch kritisch. Das ist ja auch gut so. Manchmal kann es aber umschlagen.

Die dunkle Seite des Enthusiasmus
Wahrscheinlich gibt es kaum ein Wissenschafts-Thema, zu dem es da draußen nicht wenigstens einen Menschen gibt, dem sehr scharfe Kritik daran sehr wichtig ist, und der mit genausoviel Enthusiasmus und Engagement dagegen ist wie andere dafür. Früher stand so jemand dann im Extremfall vor der Tür des wissenschaftlichen Instituts und verteilte Handzettel (ich erinnere aus meiner Studienzeit u.a. „Pi ist Rational!“ vor den mathematischen Instituten, und die Irrtümer des Atomismus, die für unsere heutige Autogesellschaft verantwortlich sind, auf dem Hauptcampus). Heutzutage kann er/sie sich über da Internet potenziell sehr viel mehr Menschen mitteilen. Auch das bleibt meist ein Randphänomen, und Diskussionen mit entsprechenden Menschen sind in der Regel fruchtlos (vgl. meinen nun schon etwas älteren Blogbeitrag Diskussionen mit Unorthodoxen Kritikern).

Anders ist das bei Themen, die viele Menschen interessieren und direkt betreffen. Kritische Diskussionen zur Kernenergie oder zur Gentechnik sind die Paradebeispiele im Bereich der Wissenschaftskommunikation. Bei solchen Themen gibt es hinreichend viele Menschen im Netz, die zum Teil gegen die Position der wissenschaftlichen Institutionen argumentieren und damit potenziell oder real viele Dritte (ich weiß, ein Oxymoron) erreichen können. Auch damit, wie man mit solchen Reaktionen umgeht, muss sich Wissenschaftskommunikation auseinandersetzen. Zum möglichen Problem, gelegentlich „schlechte Presse“ zu haben, tritt das Problem „schlechtes Internet“. Macht man’s ganz falsch, droht der berüchtigte Shitstorm. Auch wenn der glücklicherweise selten ist.

Wenn die Scheiße stürmt
„Shitstorm“ ist eine extreme Variante der öffentlichen Online-Ablehnung. Was viele Leute im Netz interessiert, kann eine Eigendynamik entwickeln. Eine Aussage/Kritik/Nachricht wird dann enthuasiastisch mit anderen Bekannten/Abonnenten geteilt, die wiederum sind heutzutage ja auch nicht mehr nur passive Konsumenten, sondern verschicken auch selbst an Bekannte und Abonnenten, und dem Lawinenprinzip folgend ist das Thema dann in vieler Menschen – ja, „Munde“ strenggenommen nicht, aber auf alle Fälle bei vielen Menschen dort, wo diese Menschen ihre elektronischen Informationen beziehen: In ihrer Twitter-Nachrichtensammlung-die-aufs-Lesen-wartet („Timeline“), auf Facebook, seltener als wartende E-Mail-Nachricht.

Die Organisationsprinzipien der Online-Medien, die es erlauben, Nachrichten zu demselben Stichwort zusammenzufassen („hashtag“), begünstigen Trendbildungen – sobald ein Hashtag bekannt geworden ist, kann gezielt danach gesucht werden. Richtig Fahrt nehmen Shitstorms auf, wenn sie auch in die Mainstream-Medien überschwappen.

Glücklicherweise ist das Phänomen Shitstorm nicht allzu häufig. Kennt von meinen jemand überhaupt ein Beispiel aus der deutschen Wissenschaft? Ich derzeit nicht. Im Wikipedia-Artikel Shitstorm gibt es einige allgemeinere Beispiele. Beim #wowk14 wurde der Shitstorm als Beispiel für die Kehrseite der schönen neuen Netzwelt angeführt. Aber so selten, wie er zu sein scheint, denke ich nicht, dass er für die Wissenschaftskommunikations-Diskussion besonders wichtig ist. Allenfalls sollte es bei den Wissenschaftskommunikatoren denselben Stellenwert haben wie Krisenkommunikation allgemein – es ist gut, vorbereitet zu sein, aber nicht sehr wahrscheinlich, dass der Ernstfall eintritt.

Wissenschaftler direkt
Zurück zu einer für die Wissenschaftskommunikation besonders interessanten Sorte von freiwilligen Verbündeten in der Online-Welt: Wissenschaftlern des eigenen Instituts oder anderer Institute, die über Wissenschaft (und das Darumherum) bloggen, twittern, YouTube-Videos oder Podcasts produzieren.

Dass Wissenschaftler direkt kommunizieren, an den Pressestellen ihrer Institute oder Universitäten vorbei, ist nichts prinzipiell Neues. Gerade in Geistes- und Sozialwissenschaftlen gibt es die Tradition von „public intellectuals“, die in den Feuilletons oder in Büchern, die außer von den Fachkollegen auch von gebildeten Laien gelesen werden können, an die Öffentlichkeit treten. In den Naturwissenschaften gibt es Wissenschaftler, die populärwissenschaftliche Bücher und Artikel schreiben und Ausnahmeerscheinungen wie heutzutage den Astrophysiker Harald Lesch, der über das Fernsehen ein beachtliches Publikum erreicht. Im lokaleren Maßstab halten Wissenschaftler seit jeher öffentliche Vorträge oder besuchen z.B. Schulen in ihrer Nachbarschaft.

Mit den neuen Medien sind die Möglichkeiten der direkten Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Öffentlichkeit, aber auch die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen den Wissenschaftlern selbst, deutlich gewachsen – Josef Zens hat darüber unter den Stichworten „Science to laypersons“, S2L, und „Science to Science“, S2S, hier gebloggt, und Markus Dahlem das Thema hier aufgegriffen. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass S2S und S2L (ich denke: auch aus Sicht der Akteure!) keine grundlegend verschiedenen Angelegenheiten sind, sondern Teil eines breiteren Spektrums.

Das Spektrum der Wissenschaftler-Kommunikation
Schon dafür, dass Wissenschaftler mit Wissenschaftlern kommunizieren, gibt es schließlich ganz unterschiedliche Szenarien. Mit derjenigen Untermenge der wissenschaftlichen Gemeinschaft, die mit dem eigenen Spezialthema vertraut oder ganz nahe dran ist, kommuniziert man mit teilweise sehr spezialisierten Fachartikeln. Will man eine breitere Community erreichen, etwa über zusammenfassende Reviewartikel, Kolloquiumsvorträgen in anderen Instituten oder bei Plenumsvortragen allgemeinerer Tagungen, ist ein deutlich anderes Niveau, eine deutlich andere Art der Kommunikation gefragt.

Im Bereich der Lehre, der für viele Wissenschaftler mit dazugehört, setzt sich das Spektrum fort: bei Fach- oder Forschungsseminaren oder in Spezialvorlesungen eher spezieller, in allgemeineren Vorlesungen von viel weniger Vorwissen ausgehend, bei Bachelorstudenten noch einmal anders als bei Masterstudenten, und bei Servicevorlesungen („Physik für Mediziner“) oder im Studium Generale („Astronomie für Nicht-Physiker“) wiederum auf anderem Niveau.

Sind Wissenschaftler als Kommunikatoren überhaupt qualifiziert?
Dieses breiten Spektrums wegen finde ich Kurzformeln wie „Wissenschaftler können Wissenschaft, Wissenschaftskommunikatoren (oder Journalisten, oder PR-Fachleute, oder…) können Kommunikation“ irreführend. Bereits Forschung und Lehre spannen ein weites Spektrum an Kommunikationsformen auf, das in einigen Ausprägungen bis zu Kommunikationsformen reicht, mit denen man auch die interessierte Öffentlichkeit ansprechen kann.

Und bei einigem von dem, was zur Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse nötig ist, haben Kommunikatoren, die aus der Wissenschaft anstatt z.B. aus dem Journalismus kommen, durchaus einen Heimvorteil. Wer wissenschaftliche Ergebnisse nachvollziehbar erklären und die Hintergründe deutlich machen will, muss Elementarisieren – also komplexe Zusammenhänge so zu vereinfachen, dass sie sachlich möglichst richtig bleiben. Elementarisierung ist, Stichwort Modellbildung, ein zentraler Teil der Wissenschaft, und es gibt eine ganze Reihe inzwischen hauptamtlicher Wissenschaftskommunikatoren, die über diesen Weg, aus der Wissenschaft heraus zu ihrer jetzigen Arbeit gekommen sind (vgl. WK und KW in meinem Beitrag Die nächste Stufe der Wissenschaftskommunikation?).

Sicher stimmt auch: Insbesondere um Anfängerfehler zu vermeiden, können Weiterbildungsangebote wie z.B. die des NaWik eine echte Hilfe sein.

Online-Material zur Wissenschaftskommunikation – für Wissenschaftler ebenso wie für Journalisten – gibt es natürlich auch. Aber die Online-Kommunikation bietet auch andere, informelle Möglichkeiten der Übung im Umgang mit der Öffentlichkeit. Wer z.B. in Foren mitdiskutiert, merkt schnell (und bekommt auch direkte Rückmeldung!), wenn er seine Zuhörer überfordert, abhängt oder anderweitig an ihnen vorbeiredet – und kann daraus lernen.

Institut vs. Einzelwissenschaftler?
Für die institutionelle Wissenschaftskommunikation (Pressestellen etc.) ist die direkte Kommunikation der Wissenschaftler eine Chance – freiwillige Helfer aus der eigenen Institution! -, hat aber auch eine Kehrseite, liegt doch damit ein Teil der Kommunikation außerhalb der Kontrolle der Pressestelle bzw. der Institut(ions)leitung.

Das mag harmlos sein, wenn es um populärwissenschaftliche Artikel oder Berichte über das eigene Forschungsgebiet geht. Aber was ist mit Krisenkommunikation – mit einem Zwischenfall am Institut beispielsweise? Strafverfolgung? Unglücksfall? In solchen Fällen dürfte die Pressestelle gute Gründe haben, sehr vorsichtig mit den Medien und der Öffentlichkeit zu kommunizieren, da eine überzogene Berichterstattung dem Ruf der Institution durchaus schaden kann. Querschießende Einzelwissenschaftler machen das Leben in solch einem Falle nicht leichter.

Oder, noch kritischer (im doppelten Sinne): Was ist mit einem Wissenschaftler, der Missstände im eigenen Haus anprangert? Zu recht oder zu unrecht?

Über die hierarchischen Strukturen (Vorgesetzte, Arbeitsvertrag) der Wissenschaftspraxis gibt es für Wissenschaftler im eigenen Institut durchaus Kontrollmöglichkeiten. Andererseits dürften die meisten Wissenschaftler – gerade ob des fließenden Übergangs zur „Science2Science-Kommunikation“ – durchaus unwillig sein, sich einer als zu streng empfundenen Kontrolle zu unterwerfen. An dieser Stelle wird es sogar rechtlich relevant, ob und bis wohin Kommunikation nach außen zur Wissenschaft gehört – und damit durch die grundgesetzlich garantierte Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre gedeckt ist.

Auch diesen Problemkreis werden die Wissenschaftskommunikatoren diskutieren müssen. Spätestens, wenn es dann tatsächlich Konflikte gibt. Brauchen wir vielleicht zu diesem Thema einen allgemeinen Kodex, der die Rechte der Institutionen und der einzelnen Wissenschaftler gegeneinander abwägt?

Was sonst unzugänglich wäre
Ich hatte das Thema in Bloggende Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikation bereits angeschnitten: Durch Blogartikel beispielsweise werden Bereiche der Wissenschaft – vom Thema her ebenso wie vom Darstellungsniveau – zugänglich, die früher unzugänglich waren. Das Darstellungsniveau-Spektrum hat sich erheblich erweitert.

Das sollte nicht zuletzt ein Plus für die herkömmlichen Medien sein. Vom Webportal seiner Zeitung (guter Ruf; breite Leserschaft; einfach gefunden) auf zuverlässige und gute Blogbeiträge (nicht selten etwas versteckt) geleitet zu werden stellt schließlich für interessierte Leser einen erheblichen Mehrwert dar (ich schrieb dazu hier).

Auch Metathemen – viele Facetten Wissenschaftspolitik, der Frage, wie Wissenschaft eigentlich gemacht wird, aber z.B. auch der Frage nach Gleichberechtigung in der Wissenschaft – finden Online eine Nische.

Ebenso sind die Möglichkeiten, Wissenschaftlern über die Schulter zu schauen, beachtlich gewachsen. Von Blogs, in denen Wissenschaftler für ihre Kollegen schreiben, bis zu Plattformen wie PLoS, arXiv und all dem, was sonst noch mit Open Access an Fachartikeln im Netz steht, machen die Neuen Medien (nicht begrenzt auf Social Media!) Wissenschaft dem/derjenigen, den sie interessiert, so direkt zugänglich wie nie zuvor.

Die neue Zugänglichkeit geht zum Teil direkt bis zu den Originaldaten. In der Astronomie gibt’s im ESO-Archiv oder im Datenarchiv des Hubble-Weltraumteleskops und anderer Weltraumteleskope Originalbilder und -spektren bis zum Abwinken. Einfache Werkzeuge, um mit diesen Daten umzugehen, gibt’s kostenlos dazu. Die Hürden, der Wissenschaft richtig auf den Zahn zu fühlen, waren früher (a) das nötige Vorwissen und (b) Zugang zu den Daten, zu eigenen Instrumenten und so weiter. Hürde (b) ist in einigen Bereichen dank der Neuen Medien sehr niedrig geworden. Zu ihren Archivdaten hat die ESO vor ein paar Jahren sogar einen Wettbewerb ausgerichtet. Das Ziel: aus dem Datenarchiv verborgene Schätze an schönem Bildmaterial zu heben.

Massenkommunikation, Nischenkommunikation, Gruppenkommunikation
Einen Einwand gegen das Wissenschaftskommunikations-Engagement in den Neuen Medien, den ich auch auf dem Workshop gehört habe, lautet: Die liest doch niemand! Da erreicht man doch viel weniger als über die klassischen Medien! Die Zeitungen haben nach wie vor die Meinungsführerschaft.

Richtig dürfte sein: Wer einfach nur ein Blog betreibt, wird zunächst kaum Leser erreichen. Selbst wer ein äußerst populäres Wissenschafts-Blog betreibt, erreicht vermutlich weniger Leser als eine Tageszeitung. Die großen Informationsmarken – Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehsender – haben auch Online die Vorherrschaft, wenn es um die Reichweite geht.

(Kollegen z.B. von gwup | die skeptiker, oder Florian Freistetter: verratet ihr uns Zugriffszahlen, oder stehen die sowieso irgendwo öffentlich? Auflagen deutscher Tageszeitungen gibt’s auf Wikipedia; wieviele der Leser, die eine solche Zeitung in die Hand nehmen, einen gegebenen Wissenschaftsartikel im Durchschnitt lesen, können uns ja vielleicht die Kommunikationsforscher sagen? Oder die Redakteure?)

Aber Reichweite ist ja immer nur ein Teil des Arguments. Ginge es nur um Leserzahlen, müssten sich Süddeutsche (Auflage rund 400.000 laut der zitierten Wikipedia-Liste) oder FAZ (330.000) ja täglich fragen, auf welche Weise sie mehr wie die BILD-Zeitung werden können (2.650.000). Oder wie das Fernsehen, das ja laut offizieller Statistik auch mehr Menschen konsumieren als eine Tageszeitung.

Aber es kommt ja immer auch darauf an, wen man erreicht. Ein spezialisierter Artikel, der nur für die wirklich Interessierten von Interesse und für alle anderen zu ausführlich und zu sehr in die Tiefe gehend ist, wird selbstverständlich weniger Leser erreichen als eine massentaugliche Darstellung, die ihrerseits dann zwangsweise näher an der Oberfläche bleibt. Aber sagen wir mal so: Wenn z.B. meine Kritik an der Akademien-Stellungnahme, die bislang 750 Besucher verzeichnet, von einer Reihe derjenigen gelesen würde, die wirklich Einfluss auf die Zukunft der Wissenschaftskommunikation nehmen können, wäre es allein das schon wert. Zum Vergleich: Früher hätte ich wahrscheinlich mit der gleichen Hingabe, gleichem zeitlichen Aufwand und ungleich weniger Effekt einen kritischen Brief an den Hauptautor der Studie geschrieben. Und mich schon gefreut, wenn der meinen Brief überhaupt gelesen hätte.

Vom Nutzen des Blogbeitrag-Schreibens für die eigenen Denkprozesse mal ganz abgesehen (siehe meinen Beitrag Über die allmähliche Verfertigung der Wissenschaft beim Bloggen).

Natürlich ist auch die Einschränkung der Zielgruppe keine Erfolgsgarantie. Auch die wenigen wirklich interessierten Leser müssen erst einmal auf ein Blog aufmerksam werden. Aber das ist ja nun eines der Grundprobleme des Internet: Wie findet man bei soviel Angebot das richtige? Und es ist eine der Stärken von Social Media – Twitter, Facebook & Co. – dass sie große Verweismaschinen sind auf interessante Inhalte, die bei der Antwort auf die Frage, was ein Individuum interessiert, deutlich besser abschneiden als eine schnöde Google-Suche. Da wird dann allerdings auch das „Social“ wichtig: Allein die Technik von Twitter bewirkt noch nicht, dass ich zuverlässig interessante Hinweise auf neue Inhalte erhalte. Ich muss mir schon mit der Zeit die richtigen Leute heraussuchen, deren Mitteilungen ich abonniere („follow“). Der Beitrag von Twitter besteht nur darin, dass es mir die Möglichkeit gibt, von diesen Leuten dann auch ohne großen Aufwand zu hören.

Der Nutzen der Neuen Medien für die Kommunikation in einigermaßen kleinen Communities ist dabei noch gar nicht mitgezählt. Dabei sehen wir doch gerade, wie der Workshop, um den es hier geht, in diversen Online-Texten nachwirkt. Marcus Anhäuser sammelt die stetig wachsende Zahl von Beiträgen hier. Wie wäre es denn früher gewesen? Man denkt im stillen Kämmerlein nach? Diskutiert am Telefon oder per Brief mit einigen ausgewählten Anwesenden? Wartet auf das nächste Treffen in einigen Monaten? Da ist das, was hier passiert, doch schon etwas deutlich anderes.

Journalisten und andere Wissenschaftskommunikatoren direkt
Ich habe mich bislang in punkto Direktwirkung und Neue Medien vor allem auf bloggende, twitternde etc. Wissenschaftler konzentriert – vor allem, weil mir die Wissenschaftler-Direktkommunikation in der Diskussion auf dem Workshop deutlich zu kurz kam.

Aber natürlich profitieren auch Journalisten und Wissenschaftskommunikatoren, die selbst keine Wissenschaftler sind, von den Neuen Medien, aus ganz ähnlichen Gründen: Wer für einen Artikel richtig gut recherchiert hat, weiß ungleich mehr, als er/sie dann auch (Platzbegrenzung!) in die Zeitung/Zeitschrift setzen können wird. Ein Blogbeitrag – sei es auf der eigenen oder auf den Webseiten des auftraggebenden Mediums – kann auch hier zugänglich machen, was ansonsten verborgen geblieben wäre. Auf den persönlichen Webseiten oder dem eigenen Blog ist aber auch Raum für Themen, die einen interessieren, aber von den Redaktionen (bislang) nicht abgekauft wurden. Sowie ganz allgemein für Arbeitsproben.

Nicht zuletzt: Auch Meta-Diskussionen, über Journalismus, Wissenschaftskommunikation, die für die Praktizierenden ja im Idealfall durchaus anregend sein können, die Masse der Leser aber kaltlassen, finden im Netz ihren Raum. Siehe, wie gesagt, die lebhafte Diskussion, die dieser Workshop angestoßen hat.

Wie erkennt man Qualität?
Bei der Akademie-Stellungnahme stand die Qualitätssicherung im Vordergrund, und auch auf dem Workshop war sie ein wichtiges Thema. Ein Teil davon betraf die Befürchtung, durch den direkten Kontakt mit der Öffentlichkeit und im Wettbewerb um Aufmerksamkeit könnten sich Wissenschaftler zu steilen Thesen hinreissen lassen, ihre Forschungsergebnisse übertreiben, ja, eventuell der Publikumswirksamkeit bereits bei der Auswahl ihrer Forschungsthemen zuviel Gewicht beimessen (Markus Dahlem hat neulich gerade hier dazu gebloggt).

Wie steht’s mit der Qualitätssicherung, wenn online jeder alles schreiben kann? Oder, wie ein Teilnehmer in einer Kaffeepausen-Diskussion auf dem Workshop sinngemäß bemerkte: Wenn seine Studenten nicht einmal den qualitativen Unterschied zwischen einer einfach mal so dahingeschriebenen Facebook-Nachricht und einem per Vieraugenprinzip, Textredakteur und evt. noch Factchecker mehrfach überprüften redaktionellem Beitrag sähen, wie könne man dann verlangen, dass sie Wissenschafts-Blogbeiträge (evt. dann noch mit dem Logo einer großen Wissenschaftsorganisation versehen!) kritisch einordneten?

Das Stichwort ist dabei natürlich: Medienkompetenz. Ich bin bei diesem Thema (wie bei vielen hier angesprochenen!) allerdings nicht sicher, dass sich durch die Neuen Medien da grundlegend etwas geändert hätte. Dass eine Wissenschaftsmeldung in der BILD vermutlich mehr Skepsis verdient als eine in der FAZ ist ja nun nicht erst seit gestern so.

Hinzugekommen sind durch die Neuen Medien aber auch hier neue Möglichkeiten. Wenn ich auf der Homepage einer größeren deutschen Tageszeitung oder eines größeren deutschen Wochenmagazins die schönsten YouTube-Videos der Woche („Löwenbaby bleibt in Büffel-Hintern stecken!“) präsentiert finde, dann sieht das nicht nach Anstrengungen aus, die redaktionellen Qualitäten professioneller Medien herauszuarbeiten. (Es sei denn, dass da jemand die vielen schlechteren Videos von Löwenbabies, die in Büffel-Hintern steckenbleiben, aussortiert hätte – glaube ich aber irgendwie nicht.)

Dabei macht es doch auch bei den Zeitungen einen Unterschied, dass man Online nicht auf jeden Quadratzentimeter Platz achten muss. Sprich: Da wäre durchaus Raum für eine Kurz-Zusammenfassung der Quellen („Diesen Artikel hat ein Praktikant aus einer dpa-Nachricht zusammengeschrieben“ versus „Interviews mit XY am 1.2.2014, mit YZ am 2.4.2014, Archivrecherche, Factchecker: Thomas Pingeli, Textredaktion: G. Nau“), sprich: Raum dafür, den Unterschied für den Leser auch sichtbar werden zu lassen. Medienkompetenz kann man stärken, wenn man deutlicher macht, welcher Aufwand für welchen Text getrieben wurde – oder eben nicht. ZEITWissen macht so etwas (und natürlich nicht im gedruckten Heft, sondern online). Macht das sonst noch jemand? Und warum machen das nicht schon längst alle?

Bei Blogartikeln ist der Umgang mit Quellen zumindest für mich durchaus eines der Kriterien, an denen sich entscheidet, wie ernst ich den Text nehme – wer sich offenbar viele Quellen angeschaut hat und diese dann auch verlinkt, ist für mich eher ernstzunehmen als jemand, der seine Quellen für sich behält.

Wenn es darum geht, Empfehlungen für Qualitätssicherung in der Wissenschaftskommunikation zu geben: Die Empfehlung, Hintergrundinformationen zur Recherche zu liefern, gehört sicher dazu. Und umgekehrt wäre sicher eine Empfehlung an die Pressestellen sinnvoll, dass es zur guten Wissenschaftskommunikation gehört, neben dem Pressemitteilungstext auch den Fachartikel zugänglich zu machen – vielleicht in geeigneten Fällen auch die Originaldaten? Darüber sollten wir einmal diskutieren.

(Und ich schreibe das nicht nur, weil ich gerade vergeblich nach den Details der GfK-Studie Trust in Professions gesucht habe – das relative Vertrauen der Öffentlichkeit in Wissenschaftler und Journalisten war auf dem Workshop ja auch angesprochen worden.)

Qualitätssicherung durch Diskussionen
Wichtigstes Instrument der Qualitätssicherung dürfte aber nach wie vor die offene Diskussion sein – nicht zuletzt das Bewusstsein, dass andere da draußen die eigenen Aussagen nicht nur lesen, sondern mit etwaiger Kritik auch an die Öffentlichkeit gehen können. Da die Meta-Diskussion („Was war an dem Artikel falsch?“) erfahrungsgemäß weit weniger Leser interessiert als das Artikelthema selbst, haben wir auch hier in den herkömmlichen Medien ein Platzproblem. Online nicht. Da ist es durchaus üblich, auf andere Texte direkt zu antworten, zum Teil durchaus kritisch.

Bildblog dürfte das bekannteste deutsche Medienwatchblog sein. mediendoktor-doktor.de begleitet kritisch die Berichterstattung zu Gesundheitsthemen und Umweltthemen [Nachtrag 7.7.]. Jenseits des großen Teiches nimmt der Knight Science Journalism Tracker Wissenschaftsnachrichten und -berichte unter die Lupe.

Jenseits der eigentlichen Watchblogs ist ein Medien-Check z.B. regelmäßiger Bestandteil des Klimalounge-Blogs, und auch bei einer ganzen Reihe anderer Blogger sind die Medienberichte gelegentliches Thema (bei mir auch).

Insofern kann man gerne darüber nachdenken, ob es eines Wissenschafts-Presserats bedarf, der bei Bedarf öffentliche Rügen aussprechen kann. Aber viel wirksamer scheint mir eine lebendige Diskussionskultur, in der ein Journalist oder eine Journalistin, der/die Pressesprecher/in oder der/die direkt kommunizierende Wissenschaftler/in damit rechnen müssen, dass die eigenen Äußerungen auch in öffentlichen Foren kritisch unter die Lupe genommen werden.

Wikipedia
Ich erinnere mich nicht, dass am ersten Tag des Workshops das Stichwort Wikipedia überhaupt gefallen wäre. Jedenfalls ist Wikipedia ein Paradebeispiel dafür, dass Wissenschaftskommunikation auch jenseits von PR und Marketing geht – im Gegenteil: wer die eigene Institution zu pushen versucht, dürfte von der Wikipedia-Gemeinschaft, die derlei Selbstdarstellungsversuche gewohnt ist, in der Regel recht schnell in die Schranken verwiesen werden.

Wem es dagegen wirklich nur um die Wissenschaft geht, der kann wahrscheinlich nichts wirkmächtigeres tun, als die wissenschaftlichen Wikipedia-Artikel zu verbessern. Das bringt zwar keine Lorbeeren – noch nicht einmal die, dass unter dem eigenen Text der eigene Name steht! -, dürfte aber im Bereich Schüler/innen, Studierende und allgemeine Öffentlichkeit so nachhaltig positiv wirken wie kaum eine andere Wissenschaftskommunikations-Aktivität.

Wobei diejenigen, die gleich die Nase rümpfen, wenn es heißt, man habe etwas aus Wikipedia, nicht vergessen sollten, dass ein Hauptnutzen der Wikipedia darin liegt, zugängliche Quellen direkt zugänglich aufzulisten. Sich auf Wikipedia als Autorität zu berufen, ist in der Tat zweifelhaft; Wikipedia zu benutzen, um direkt eine zuverlässige Quelle (z.B. einen Originalartikel) zu finden, ist dagegen eine der effektivsten Arten und Weisen, an belastbare Informationen zu kommen.

Insofern ein Korollar zu dem obigen Absatz: Selbst wer als Wissenschaftler/in nicht so gerne eigene Texte schreibt, kann Wikipedia verbessern, indem er/sie sinnvolle Fachartikel und andere Ressourcen verlinkt. Entschuldigt mich einen Moment; mir dabei gerade etwas ein – so, weiter geht’s.

Öffentlichkeit forscht: Bürgerwissenschaft
Wikipedia ist das bekannteste Beispiel eines Projekts, bei dem im Prinzip jede/r helfen kann, Wissen zu vermitteln. Unter dem Stichwort Bürgerwissenschaft, so die häufigste Eindeutschung von „Citizen Science“, laufen Projekte, bei denen im Prinzip jede/r forschen helfen kann.

Wiederum gab’s so etwas bereits vor der Online-Welt: Der Christmas Bird Count der amerikanischen National Audubon Society sammelt bereits seit 1900 systematisch die Daten von freiwilligen Vogelbeobachtern, um sie anschließend wissenschaftlich aufzuarbeiten. Aber neuere Projekte wie Galaxy Zoo – längst ein Klassiker -, bei dem astronomische Laien helfen, online systematisch Galaxenbilder zu klassifizieren, gäbe es ohne die Möglichkeiten der Neuen Medien nicht.

Derzeit läuft übrigens gerade der Aufruf des Zooniverse für neue Projekte – nicht nur aus den Natur-, sondern auch aus den Geistes- und Sozialwissenschaften; gerade bei letzteren gab es ja mit der Auswertung etwa von britischen Kriegstagebüchern aus dem Ersten Weltkrieg ein spannendes jüngeres Projekt.

In Deutschland sind die Bürgerwissenschaften inzwischen auch angekommen – vgl. Bürger schaffen Wissen als Plattform, die u.a. vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

Der Dialog mit der Öffentlichkeit
Wo wir gerade beim aktiven Mitwirken der Öffentlichkeit sind: Dass Wissenschaftskommunikation keine Einbahnstraße sein soll, sondern ein Dialog, und zwar einer „auf Augenhöhe“, ist auch ohne Neue Medien nicht so ganz einfach.

Aber, klar: Auch da stellen die Neue Medien ganz neue Möglichkeiten bereit. Kommentarfunktionen fallen einem da als erstes ein, oder Antworten auf Tweets, bis hoch zur E-Petition beim Bundestag.

Dass die technischen Möglichkeiten für Partizipiation mit den Neuen Medien besser geworden sind, zeigt allerdings durchaus auch Probleme mit der Partizipation auf. Es ist ja schön und gut, von Dialog zu reden, wenn dann die Trolle anrücken.

Aber ich merke beim Schreiben der vorangehenden Zeilen gerade, dass ich zu diesem speziellen Aspekt außer einem skeptischen Bauchgefühl wenig zu bieten habe, und wähle daher den Ausweg auf Augenhöhe: Was meint ihr denn zum Thema Dialog mit der Öffentlichkeit und zur Rolle der Neuen Medien dabei? Schreibt’s bitte unten in euren Kommentaren! (Hah! Crowdsourcing!)

Die neue Wissenschaftskommunikations-Landschaft
Zum Teil ist sie bereits da, zum Teil wird sie noch kommen: die neue Wissenschaftskommunikations-Landschaft mit Journalisten, institutioneller Wissenschaftskommunikation und individuell kommunizierenden Wissenschaftlern und deren mannigfaltigen Wechselwirkungen.

Jede Akteursklasse hat eigene Möglichkeiten und Einschränkungen, Stärken und Schwächen. Der herkömmliche Journalismus hat starke professionelle Strukturen, starke Marken mit weiter Reichweite, eine lange Tradition mit wirkungsmächtigem Selbstverständnis, das kritisches Nachfragen und eine gewollte Unabhängigkeit einschließt – aber ist direkt von seinen Geschäftsmodellen abhängig und wird immer einen „größeren gemeinsamen Nenner“ bei Themenwahl und Präsentationsformen suchen müssen.

Institutionelle Wissenschaftskommunikation trägt deutliche Züge von institutionellem Marketing und PR. Von der Pressestelle kann nicht erwartet werden, dass sie prominent auf Forschung der institutionellen Konkurrenz hinweist, hieß es an einer Stelle des Workshops, und auch Probleme der eigenen Institution wird eine Pressestelle vermutlich nicht an die Öffentlichkeit bringen, solange kein zwingender Grund dafür besteht; für so etwas brauchen wir so dringend wie eh und je guten Journalismus. Andererseits muss sich die institutionelle Wissenschaftskommunikation deutlich weniger Gedanken um die Massentauglichkeit ihrer Kommunikation machen. In einem Magazin wie MaxPlanckForschung (Offenlegung: die Max-Planck-Gesellschaft ist mein Arbeitgeber) kann man daher eine Reihe von Themen finden, die es aus genau jenem Grunde nicht in die herkömmlichen Medien geschafft haben.

Individuelle Wissenschaftler, Journalisten, Wissenschaftskommunikatoren die mit der Öffentlichkeit kommunizieren, decken ein breites Spektrum an Themen und Präsentationsniveaus ab und schließen so Lücken der anderen Akteure. Dafür ist ihre Reichweite in der Regel nicht besonders hoch – ob sich das Engagement trotzdem lohnt, muss jeder von ihnen selbst entscheiden.

Die drei Klassen von Akteuren können sich gegenseitig unterstützen und kontrollieren – mit wechselnden Graden von Effektivität und Reichweite. Ein Wissenschaftsjournalist wäre schön dumm, wenn er oder sie bei der Vorbereitung eines Themas nicht auch die Materialien von Pressestellen oder Bloggern nutzen oder sich über Twitter auf interessante neue Entwicklungen aufmerksam machen lassen würde. Blogger und Pressestellen erreichen, wenn sie oder ihre Texte es in die Mainstream-Medien schaffen, deutlich größere Reichweite als mit ihrer direkten Kommunikation. Läuft bei einer Institution oder sonstwie in der Wissenschaft etwas schief, wird guter Wissenschaftsjournalismus das öffentlich kritisieren (so denn hinreichendes öffentliches Interesse zu erwarten ist); bei Missständen der Berichterstattung über die eigene Institution kann institutionelle Wissenschaftskommunikation mit eigenen Erklärungen direkt an die Öffentlichkeit gehen; Blogartikel schauen den anderen Akteuren und sich gegenseitig kritisch auf die Texte.

Ganz dürften die verschiedenen Klassen von Akteuren ihr natürliches gegenseitiges Gleichgewicht noch nicht erreicht haben. Aber eins sollte hoffentlich jetzt schon klar sein: Die Neuen Medien kann man, wenn man nach dem Verhältnis von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien fragt, nicht einfach ausklammern. Wer als Wissenschaftler vereinfachte Modelle anbietet, muss immer nachweisen, dass die Vereinfachung sinnvoll und das Modell trotzdem aussagekräftig ist. Wer über Qualitätsicherung, Varianten der Berichterstattung über und Kommentierung von Wissenschaft, die Rollen der beteiligten Akteure, die Präsenz von Wissenschaft und Wissenschaftlern in der Öffentlichkeit redet, wird an den Neuen Medien schwerlich vorbeikommen.

 

Markus Pössel hatte bereits während des Physikstudiums an der Universität Hamburg gemerkt: Die Herausforderung, physikalische Themen so aufzuarbeiten und darzustellen, dass sie auch für Nichtphysiker verständlich werden, war für ihn mindestens ebenso interessant wie die eigentliche Forschungsarbeit. Nach seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam blieb er dem Institut als "Outreach scientist" erhalten, war während des Einsteinjahres 2005 an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt und schuf das Webportal Einstein Online [http://www.einstein-online.info]. Ende 2007 wechselte er für ein Jahr zum World Science Festival in New York. Seit Anfang 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, wo er das Haus der Astronomie [http://www.haus-der-astronomie.de] leitet, ein neues Zentrum für astronomische Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Pössel bloggt, ist Autor/Koautor mehrerer Bücher, und schreibt regelmäßig für die Zeitschrift Sterne und Weltraum.

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  1. Du fragtest nach meiner „Auflage“. Ich weiß jetzt so spontan gar nicht, ob ich irgendwann mal was unterschrieben habe wo drin steht, dass ich die nicht verraten darf. Aber ich kann dich auf meinen Wikipedia-Artikel verweisen (http://de.wikipedia.org/wiki/Florian_Freistetter). Die Zahl von 400.000 Seitenaufrufe pro Monat die dort erwähnt wird, ist nicht so falsch (natürlich schwankt es – jetzt bei Sommerwetter und Fußball-WM ist eher weniger los; im Dezember 2012 hatte ich dafür über ne Million Seitenaufrufe…)

    • Danke für die Auskunft bzw. den Verweis! Bei 50-60 Beiträgen pro Monat (schnell mal für 2013 ausgerechnet: knapp 56) sind das 7000 bis 8000 Leser pro Beitrag (wobei mir klar ist, dass einige Beiträge deutlich beliebter sein werden als andere).

      Jetzt käme es noch darauf an, wieviele Leser z.B. der FAZ auch die Wissenschaftsartikel darin lesen. Wenn’s nur 2-3 Prozent sind, wären es genau so viele Leser wie bei dir. Ich hoffe allerdings, dass es deutlich mehr Prozent sind. Hat dazu eigentlich jemand irgendwo Zahlen?

      • „7000 bis 8000“ – darf man das so als „Leser“ rechnen?
        FF hat viele Stammleser, dazu gibt’s Stammkommentierer, ich gucke nur häufig.
        ScienceBlogs hat keine Kommentarvorschau „über alles“ wie scilogs.
        Will man neben dem Blogticker Neuigkeiten, muß man auf die Webseite.
        Zu vielen Beiträgen laufen Diskussionen teilweise über Monate und Jahre.
        Nach meinen „Gewohnheiten“ sind 7000 Zugriffe vlt 1000 Leser geschätzt.
        Trotzdem weiterhin viel Erfolg und viel Publikum – Senf

        • OK, guter Punkt. Das war in der Tat eine grobe Abschätzung. Dass jemand mehrmals auf den Artikel zugreift, um zu kommentieren, treibt die Zugriffszahlen in der Tat in die Höhe.

  2. Ohne jetzt hier genaue Statistiken veröffentlichen zu können, kann ich auf jeden Fall sagen, dass die Mehrheit der Seitenaufrufe nicht von Stammlesern kommt. Die machen zwar einen wichtigen und relevanten Teil aus aber nicht die Mehrheit.

  3. Danke Markus für die Erwähnung des Medien-Doktor. Kurzer Hinweis dazu: Wir beschränken uns nicht mehr nur auf Gesundheitsberichterstattung, sondern auch auf Umwelt und haben begonnen das auch auf Pressemitteilungen aus diesen Bereichen auszudehnen.

  4. Es gibt die Vermutung, dass es Journalisten für die Kommunikation benötigt, so dass für die Sicherung angeblicher Qualität im Web Rahmen gesetzt werden müssen, nicht nur das Wissenschaftliche betreffend.
    Im Außer-Wissenschaftlichen läuft man Gefahr sich mit derartiger Sicht lächerlich zu machen,
    MFG
    Dr. W

  5. »Der Dialog mit der Öffentlichkeit«

    … so haben Sie, Herr Pössel, den Absatz überschrieben, in dem es u. a. um das aktive Mitwirken der Öffentlichkeit an der Wissenschaft geht.

    Sie sprechen dabei u. a. ein bestimmtes Problem an:

    »Es ist ja schön und gut, von Dialog zu reden, wenn dann die Trolle anrücken.«

    Trolle, die als solche für jedermann klar zu erkennen sind, mögen zwar lästig sein, aber sie sind m. E. nicht wirklich ein Problem.

    Schwierig wird es meiner Erfahrung nach mit dem Dialog vor allem dann, wenn ein Autor oder Blogger Thesen vertritt, die in der Wissenschaftswelt, um es mal milde auszudrücken, nicht unumstritten sind. Dann können sich die Verhältnisse zwischen Blog und Öffentlichkeit schon mal umkehren, dann versuchen informierte Stimmen aus der Öffentlichkeit zu manchen Fragen den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu erklären, während der Blogger die Rolle der Gegenseite einnimmt. Das wäre in etwa so, als würde hier auf dem Blog die These vertreten, Einstein hätte mit seiner Relativitätstheorie falsch gelegen.

    Erst kürzlich habe ich hier auf SciLogs erlebt, wie ein Blogger, genervt von der sachlichen Kritik eines kommentierenden Lesers, den Dialog mit diesem Teil der Öffentlichkeit mittels einer Sperre kurzerhand abgebrochen hat. Und das, obwohl der Blog-Autor zuvor ausdrücklich darum gebeten hatte, der Leser möge doch bitte mal, sinngemäß, genau benennen, welche Thesen oder Erkenntnisse des Autors er für falsch halte.

    Als die Antwort dann kam, meinte der Blogger, nun reiche es aber mal, und verhängte die Sperre.

    Das alleine wäre für den Leser nun nicht weiter von Bedeutung gewesen, da er sich nach der Löschung eines Kommentars vor einigen Jahren ohnehin nur noch sporadisch auf dem Blog zu Wort meldete (damals ging es um die Abhängigkeit der Fertilität von der Religiosität eines Paares am Beispiel des studierten Theologen Charles Darwin—die der Leser bestritt).

    Das eigentlich Ärgerliche an der Geschichte ist, dass im Zuge der Sperrung auch ein interessanter innerkommentatorischer, durchaus themenbezogener Gedankenaustausch brutal abgewürgt wurde. Ein solches Verhalten erinnert an einen Gastgeber, der einen der Gäste, der mal kurz hinausgegangen ist, um eine zu rauchen, einfach nicht mehr ins Haus lässt, und damit die Fortsetzung eines angefangenen Gesprächs einfach unterbindet. Der Hausherr hat zwar das Recht dazu, keine Frage, aber es verstößt eben auch gegen die guten Sitten.

    Ebenfalls fragwürdig ist, wenn dann der gesperrte Leser vom Blogger im Nachhinein in eine Reihe gestellt wird mit den üblichen Verdächtigen, die eine fruchtbare Diskussion bekanntermaßen verunmöglichen (den „festgelegten Klima-, Evolutions-, Impf- etc.)Leugnern“), wobei das Perfide darin besteht, dass der mundtot gemachte Leser auf diese und diverse andere Unterstellungen („Zumüllen“, gezielte Provokationen) nicht mehr an Ort und Stelle reagieren kann.

    Das einzig Positive an dem ganzen Vorgang ist, und das muss man lobend anerkennen, dass sich zukünftige Leser selbst ein Bild machen können, ob die Sperre zu Recht ausgesprochen wurde oder nicht, da die ehrliche Antwort, um die der Blogger gebeten und die er erhalten hat, bislang nicht gelöscht wurde.

    Sie sehen, Herr Pössel, der »Dialog mit der Öffentlichkeit«, zumal der »auf Augenhöhe« kann sich für die interessierte und informierte Öffentlichkeit mitunter recht schwierig gestalten, besonders dann, wenn es um strittige Themen geht und der Autor oder Blogger kritische Stimmen nicht immer ertragen kann und zudem gewisse Regeln des höflichen Umgangs mit seinen interessierten Gästen vermissen lässt—von den guten Regeln des wissenschaftlichen Dialogs „auf Augenhöhe“ ganz zu schweigen.

    • Apropos »nicht unumstrittene Thesen«. Franz Wuketits schreibt: „Verschiedenen Studien zufolge haben religiöse Menschen mehr Kinder […] Solche Studien sind mit Vorsicht zu genießen, nur zu leicht wird – wie bei vielen methodologisch vergleichbaren Untersuchungen aus anderen Bereichen (zum Beispiel in der Medizin) – Koinzidenz mit Kausalität verwechselt.

      Auf SciLogs könnte er sich dafür womöglich eine unbefristete Sperre einhandeln.

      Vielleicht wäre ein Warnschild zur Kennzeichnung neuralgischer Punkte hilfreich.

      • @Chrys

        Danke für das Plädieren auf Freispruch auf dem Blog NdG!

        Als Zeichen meiner Dankbarkeit möchte ich hinsichtlich des logisch richtigen Verhaltens von Skinners Taube zu folgendem noch kurz etwas anmerken:

        »B ⇔ (¬A ∧ B) ∨ B ⇔ (¬A ∨ B) ∧ B ⇔ (A → B) ∧ B.

        Wenn also B ganz links wahr ist, dann ist auch der Ausdruck rechts hinter dem letzten ‚⇔‘ wahr, und der ist wiederum nur dann wahr, wenn A → B wahr ist.«

        Gäbe es diesen logischen Zusammenhang nicht, würde die Konditionierung der Taube wahrscheinlich nicht funktionieren, und es gäbe nichts, was den Beobachter an das abergläubische Verhalten des Menschen erinnern könnte. Ich vermute, da sind wir uns am Ende doch einig.

        Themenwechsel (hier ebenfalls offtopic): Dass Franz Wuketits, ein Vorstandsmitglied des Konrad Lorenz Instituts für Evolutions- und Kognitionsforschung, bei bestimmten Religionsstudien zur Vorsicht mahnt, ist wohl zustimmungsfähig. Er schreibt aber auch:

        Wir sind nur von dieser Welt und alles, was unser trickreiches Hirn uns über „andere Welten“, über „erste Gründe“ und „letzte Zwecke“ zu ersinnen erlaubt, muss der Prüfung der Evolution durch natürliche Auslese standhalten. Bislang hat religiöser Glaube diese Prüfung gut bestanden.

        Da hakt es bei mir aus. Charles Darwin dürfte sich angesichts solcher zumindest missverständlicher Formulierungen im Grabe umdrehen.

        • @Balanus

          Nur war ich eben in der Rolle als Anwalt nicht sonderlich erfolgreich. Im Zuge der Ereignisse ist mir jedenfalls klar geworden, dass man sehr weit davon entfernt ist, Religiosität als ein empirisch feststellbares Merkmal auffassen zu können. Mir scheint vielmehr, der Wunsch, Religiosität unbedingt auf Biologie zurückführen zu wollen, wird da zum Vater des Gedankens. Die vorgelegten Befunde alleine rechtfertigen so eine Idee ansonsten nicht, insbesondere angesichts der Vagheit und Vielfältigkeit der mit Religiosität verknüpften Vorstellungen. In dieser Hinsicht sind wir uns wohl auch ziemlich einig.

    • @Balanus

      So, so, hier trollst Du dich also jetzt rum (Imaginiere bitte ein Smiley).

      Gut, ich kenne die ganze Geschichte, aber warum machst Du es Herrn Pössel und anderen möglicherweise Interessierten so schwer und sprichst in Rätseln?

      Der gesperrte Leser, den Du erwähnst, bist Du selbst, @Balanus; der SciLogs-Blog, in dem das passiert ist, heißt „Natur des Glaubens“ und der Blogger Michael Blume.

      Für eine eigene Meinungsbildung (die ganze Sache hat sich über Jahre erstreckt, das ist nur das Ende):
      http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/kann-sinn-zeit-die-achillesferse/#comment-35156

      „Und vielleicht wird es Zeit, dass wir endlich auch mal unsere Stimmen erheben und für Vernunft und Empathie einstehen…Technologie ist, was wir daraus machen!“ (Michael Blume)

      Mit seiner Erlaubnis könnten wir die Diskussion, obwohl es da natürlich um etwas anderes ging, ja eventuell auch unter Michael Blumes Blogbeitrag „Was mich hier (auf Facebook & im Netz allgemein) nervt“ fortsetzen. (Vermutlich sollte ich hier noch ein Smiley anbringen, obwohl ich es ernst meine)

      • @Joker

        »…warum machst Du es Herrn Pössel und anderen möglicherweise Interessierten so schwer und sprichst in Rätseln?«

        Ich habe versucht, unabhängig von meiner Person und meiner Befindlichkeit auf ein, wie ich meine, grundlegendes Problem beim Dialog zwischen Blog-Autor und Kommentator hinzuweisen, welches dann auftreten kann, wenn es im Blog um strittige Thesen geht. Es ist mir wohl nicht ganz gelungen, den unerfreulichen Anlass und den Ärger über den erzwungen Abbruch meines Austauschs mit @Chrys völlig außen vor zu lassen.

    • Das eigentlich Ärgerliche an der Geschichte ist, dass […] ein interessanter […] Gedankenaustausch brutal abgewürgt wurde.

      Aber doch nicht grundlos. Das „ehrenamtlich“ bloggende Geheimdienstopfer hat Sie gesperrt, weil Sie seine „immer nur vorläufigen“ Positionen nachhaltig angegriffen und ihm damit die Anerkennung verweigert haben, die es durchs Bloggen erst erzielen möchte. Mehr können Sie dort nicht erreichen.

      • @Ano Nym

        Dieser wiederholte Verweis Michael Blumes auf das „Ehrenamtliche“ seines Bloggens kommt, so vermute ich, daher, weil es auf SciLogs auch bloggende Journalisten bzw. Verlagsangestellte gibt, die während ihrer Arbeitszeit bloggen können, dürfen oder sogar sollen. Ich vermute auch, dass Michael Blume sich im Grunde als „Lehrer“ versteht. Und wie das im Unterricht eben so ist, da gibt es brave Schüler, die sich ordentlich beteiligen, und solche, die den Unterricht durch unangenehme Fragen immer wieder stören und irgendwann auch schon mal in die Ecke gestellt werden müssen.

        Der von Herrn Pössel gewünschte Dialog mit der Öffentlichkeit auf Augenhöhe erfordert wohl ein etwas anderes Selbstverständnis als Blogger, als wir es gerade erleben durften.

        • Ich finde den Begriff des „Dialogs auf Augenhöhe“ durchaus problematisch – und habe deswegen dazu ja im Haupttext absichtlich nicht allzuviel gesagt. Dazu schreibe ich sicher nochmal einen eigenen Beitrag, wenn meine eigenen Gedanken dazu etwas geordneter sind.

          Zu Michael Blume: Das Problem mit Diskussionen, die aus dem Ruder laufen, kenne ich von meinem Blog ja durchaus auch; daher damals ja z.B. der Beitrag Diskussionen auf Relativ Einfach v2 und sein Vorgängerbeitrag. Die Portale von Zeitungen etc. haben aus dem Grunde so etwas wie professionelle Kommentarbetreuer. Wenn Michaels Hinweis auf seine Ehrenamtlichkeit in diese Richtung geht, kann ich ihn gut nachvollziehen – dieselbe Professionalität (gerade im Hinblick auf die investierte Zeit!) wie z.B. bei Zeitungsportalen kann man bei ehrenamtlichen Bloggern in der Tat nicht so erwarten. Die (und ich) machen’s mit den Kommentaren, so gut es geht.

          • Wenn Michaels Hinweis auf seine Ehrenamtlichkeit in diese Richtung geht, kann ich ihn gut nachvollziehen

            Sie können nachlesen, was er direkt auf einen Kommentar von Chrys schrieb: http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/kann-sinn-zeit-die-achillesferse/#comment-35266

            Mein gesamtes Engagement hier als Blogger ist ehrenamtlich.

            Das ist – jedenfalls ohne Anführungszeichen um „ehrenamtlich“ – eine Formulierung, die vom Wendler* stammen könnte. Ich würde „unentgeltlich“ schreiben, wenn ich kein Geld dafür bekäme, dass ich ein Blog befülle.

            Im Übrigen ist die Aussage auch fragwürdig, da ein Teil seiner Beiträge die Absatzförderung von Büchern zum Gegenstand hat, etwa diesem:

            http://www.amazon.de/dp/B008C90ALK

            Dem Buch wurde folgendes Beitrag gewidmet:

            http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/religionen-der-menschheit-weltreligionen-als-mein-erstes-ebook/

            * http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Wendler

          • Hallo Herr Pössel! Mein gestriger Kommentar von 16:38 ist nicht sichtbar. Ist der verloren gegangen oder gibt es von Ihrer Seite eine inhatliche Beanstandung?

          • Zum 16:38-Kommentar: Der war, vermutlich wegen der vielen Links, vom System zurückgehalten und mir zur Moderation vorgelegt worden. Er ist jetzt freigeschaltet.

            Desungeachtet finde ich den Kommentar durchaus problematisch.

            Ihre Ausführungen zur Ehrenamtlichkeit finde ich überzogen. Auch wenn „ehrenamtlich“ den üblichen Begriff dehnt, scheint es mir doch etwas wichtiges auszudrücken: Dass (viele?) Blogger auch das Selbstverständnis haben, mit ihrem Bloggen etwas für die Gesellschaft wichtiges zu tun (Wissenschaft an die Öffentlichkeit zu bringen, die Öffentlichkeit zu informieren, Bildungsangebote), ohne direkt dafür bezahlt zu werden. Das ist ziemlich nahe an der Motivation für klassischere ehrenamtliche Tätigkeit, und wenn man von „unentgeltlich“ statt von „ehrenamtlich“ redet, geht ein wichtiger, vielleicht der wichtigste Teil, nämlich die Absicht, etwas sinnvolles damit zu tun, verloren.

            Insofern kann man gerne darüber diskutieren, was denn der sinnvollste Begriff ist, um das, was Michael Blume, ich und viele andere hier machen, zu beschreiben. Aber die Aggressivität, mit der sie Michael da angehen und in die Nähe des Wendlers rücken, finde ich wirklich unpassend.

            Und nein, dass Michael u.a. auch für seine Bücher wirbt, halte ich in dieser Hinsicht für nebensächlich. Das Blog hat er schließlich nicht hauptsächlich als Verkaufsinstrument für seine Bücher aufgesetzt. Wenn z.B. ein Professor seine Vorlesung nach dem eigenen Lehrbuch hält oder Auszüge daraus verteilt, wird die Veranstaltung damit ja auch nicht grundlegend von einer Lehrveranstaltung zu einer Verkaufsveranstaltung transformiert.

  6. Jetzt kann ich den Kommentar von gestern sehen, er ist mit „Der Kommentar wird moderiert.“ überschrieben.

    • Dazu mal etwas zu machen, reizt mich schon; einiges von der Kritik der DPG (insbesondere auch den Anschluss zwischen Schule und Hochschule bzw. existierender Physikliteratur) teile ich auf alle Fälle, einige andere der Kritikpunkte und Entgegnungen will ich mir nochmal genauer anschauen. Das wird aber sicher nicht von heute auf morgen etwas werden.