Kernenergie: Ist die Natur beherrschbar?

In einer Reportage zum Atomunglück in Fukukshima I ging ein Reporter durch eine Norddeutsche Kleinstadt und fragte die Passanten: „Können wir die Natur beherrschen?“ Die Antworten waren eindeutig. Nein, wir Menschen seien viel zu klein um uns anzumaßen, die Natur beherrschen zu wollen. Die Natur hole sich stets ihr Recht zurück. Sicher sind solche Äußerungen nicht immer wörtlich zu nehmen. Die wenigsten werden wohl eine persönliche, rachsüchtige Gottheit in der Natur sehen, die sich überlegt, wie sie es den Menschen heimzahlen kann. Sehen wir diese Äußerungen lieber als Metapher. Naturvorgänge, so kann man die Aussagen der Menschen ins wissenschaftliche Übersetzen, seien so komplex, dass wir die Konsequenzen unseres Tuns nicht vollständig vorherberechnen können. Ist diese Aussage korrekt und ist die gemeinte Konsequenz gerechtfertigt, dass der Versuch die Kernkräfte beherrschen zu wollen eine Nummer zu groß für die Menschheit ist?

Sicher ist, dass es undenkbar ist, alle Parameter der Welt bis hinunter in den Quantenzustand jedes einzelnen Atoms zu kennen und die Zukunft deterministisch vorauszuberechnen. Aber so weit müssen wir nicht gehen. Die Thermodynamik zeigt uns, dass die Kenntnis weniger makroskopischer Parameter ausreicht, um das Verhalten eines Gases zu berechnen. Druck, Volumen, Temperatur und Stoffmenge sind in der idealen Gasgleichung so eng verknüpft, dass sich die vierte dieser Größen berechnen lässt, wenn man nur die anderen drei kennt. Daraus kann man schon eine große Zahl physikalischer Abläufe sehr exakt voraussagen. Wir kennen das kollektive Verhalten unzähliger Atome, deren individuellen Ort wir gar nicht kennen können.

Ein anderes Beispiel ist der Laser. Hier wechselwirken wieder unzählige Atome mit einem oder mehreren Lichtfeldern. Jedes der Atome kann sich in unterschiedlichen Zuständen oder gar in quantenmechanischen Überlagerungen von Zuständen befinden. Dennoch reicht es aus zu wissen, wie ein einzelnes Atom mit den Lichtfeldern interagiert. Man kann dann über Ratengleichungen den Laservorgang modellieren und das Verhalten des Lasers recht genau vorhersagen. Laser haben stabile und instabile Arbeitsbereiche. Pumpt man einen Lasermedium mit zu wenig Energie, so passiert nichts als dass das Medium ein bisschen leuchtet. Pumpt man es stark genug und hat man die Spiegel gut justiert, so bekommt man stabilen Laserbetrieb.

Die starke Kernkraft, die man sich in den Atomkraftwerken zu nutze macht, ist keine Ausnahme. Man kann zwar nicht vorhersagen, wie sich ein einzelnes Atom unter Neutronenbeschuss verhalten wird, kann man aber ganz gut ausloten, welche Prozesse möglich sind und welche nicht. Uran 235, der Brennstoff in den gängigen Atomkraftwerken, zerfällt fast immer relativ unspektakulär über Alpha-Zerfall und wandelt sich dann in einer Zerfallsreihe in ein stabiles Bleiatom um. Nur sehr selten zerbricht solch ein Atomkern spontan in zwei vergleichbar große Bruchstücke und ein paar schnelle Neutronen. Die Kettenreaktion, die im laufenden Betrieb zur Energieerzeugung genutzt wird, kann nur aufrecht erhalten werden, wenn nach jeder Kernspaltung im Mittel ein Neutron wieder eine Kernspaltung auslöst. Ob das der Fall ist, hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig sind die Konzentration spaltbarer Stoffe, die Energie (also Geschwindigkeit) der Neutronen und die Form und Verteilung des spaltfähigen Materials.

KKW Stade

Das Kernkraftwerk Stade and der Elbe war von 1972 bis 2003 in Betrieb und befindet sich jetzt im Rückbau.

Ein Atomkraftwerk ist nun nicht etwa, wie es in einem Kommentar irgendwo hier in SciLogs zu lesen war, eine  Atombombe, die durch die Moderatoren einigermaßen unter Kontrolle gehalten wird. Im Gegenteil die Anordnung und Konzentration von spaltbaren Stoffen ist in einem Kernkraftwerk der Bauart von Fukushima I so gewählt, dass von selbst keine Kettenreaktion aufrechterhalten werden kann und erst recht nicht selbsttätig startet. Die Angst, dass hier plötzlich eine atomare Explosion ähnlich einer Atombombe auftreten kann, ist also völlig unbegründet. Die Kernspaltung ist nicht nur kontrollierbar. Sie ist unter Kontrolle.

Das Problem, mit dem die Techniker in Japan noch immer zu kämpfen haben, ist die Restwärme der Spaltprodukte. Ein Atomkern enthält um so mehr Neutronen im Verhältnis zu Protonen, je schwerer er ist. Neutronen halten schwere Atomkerne stabil gegen die elektrische Abstoßung. Die Spaltprodukte sind aber viel leichtere Atomkerne, die für ihre Stabilität weniger Neutronen benötigen. Deashalb sind sie fast alle Radioaktiv. Sie wandeln sich unter Abgabe von energiereichen Elektronen und Gamma-Strahlung in Kerne mit einem günstigeren Neutronen-Protonen-Verhältnis um. Dabei entsteht Wärme und wenn die nicht abgeführt wird, kann es zur Bildung von explosivem Wasserstoff oder zur Kernschmelze, also zum Schmelzen der Brennstäbe kommen.

Aber macht es denn so einen großen Unterschied, ob die Kerne explodieren oder der Wasserstoff? Ja, denn wenn eine Kernexplosion von innen stattfände, dann würden die Spaltprodukte selbst mit Gewalt auseinanderstreben. Bei einer Wasserstoffexplosion von außen, gelangt deutlich weniger Material in die Umwelt. Leider werden außerhalb von Fukushima I schon leicht flüchtige Radionuklide gemessen. Es ist aber zu hoffen, dass nur ein geringer Teil der Spaltprodukte freigesetzt wurde.

Die andere Gefahr, die in den Medien sehr präsent ist, ist die Kernschmelze. Auch das ist nicht, wie der Name vielleicht nahelegt, ein Effekt der starken Kernkraft. Die Kernschmelze tritt ein, wenn die Schmelztemperatur der Metalle im Brennstab erreicht ist und dieser flüssig wird und heruntertropft. Auch die Kernschmelze hat nicht unausweichlich zur Folge, dass Radioaktivität in die Umwelt gelangt. Wenn es gelingt, die Schmelze im Betonboden des Reaktorgebäudes aufzuhalten, kann das schlimmste vermieden werden. Auch metallische Schmelzen sind im Prinzip kontrollierbar.

Ist die Natur also kontrollierbar?

Die Natur ist sicher nicht in dem Sinne kontrollierbar, dass man einfach mit ihr umgehen kann, wie man will. Kernspaltung ist machbar und kontrollierbar, aber dass dabei radioaktive Spaltprodukte in großen Mengen entstehen, ist unvermeidbar. Und damit kann man auch das Problem der Restwärme nicht vermeiden. Die Natur ist aber in dem Sinne kontrollierbar, dass die verlässlich ist. In den Jahrhunderten der Naturwissenschaft und in den geologisch und astronomisch beobachtbaren langen Zeitskalen ist es nie vorgekommen, dass sich wesentliche Naturvorgänge plötzlich radikal geändert haben. Die Naturgesetze sind stabil. Auch so scheinbar spukhafte Prozesse wie Radioaktivität und Kernspaltung sind im Prinzip vorhersagbar und folgen nachvollziehbaren, mathematisch vorhersagbaren Regeln. Eine Risikoabschätzung ist deshalb auch für kerntechnische Anlagen machbar und notwendig.

Zu Recht hat Holger Wormer von Medien-Doktor.de darauf hingewiesen, dass man Wahrscheindlichkeit und Risiko nicht verwechseln sollte. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit klein ist, die Kontrolle über ein Kernkraftwerk völlig zu verlieren, ist das Risiko dann groß, wenn die Schäden entsprechend fatal ausfallen. Mir scheint aber, dass die Folgen einer Kernschmelze oder einer Freisetzung von Radionukliden in der Presse und in der öffentlichen Meinung systematisch überschätzt werden. Ein Störfall wie in Fukushima I, der technisch nicht mehr völlig beherrschbar ist, hat nicht zwangsläufig zur Folge, dass ausgedehnte Gebiete unbewohnbar werden. Die Rechnung, die in einigen Kommentaren lautete, eine geringe Wahrscheinlichkeit bei unendlichem Schadenspotential gebe unendliches Risiko, ist so nicht haltbar.

Im Blog Astrogeo hat Laura Hennemann das Schweigen der Physiker angeklagt. Warum nehmen wir Physiker nicht jetzt geschlossen gegen die Kernkraft Stellung? Ich denke, für Folgerungen aus Fukushima I ist es noch viel zu früh. Eine abschließende Bewertung der Folgen dieser Reaktorkatastrophe für die japanische Bevölkerung und für die Sicherheit anderer Kraftwerke ist schlicht noch nicht möglich. Sie wird aber erfolgen müssen. Doch auch wenn dabei herauskommen sollte, dass eine weitere Nutzung der Kernenergie nicht verantwortbar ist. Wenn das Risiko (Wahrscheindlicheit mal Schaden) oder auch nur der mögliche Schaden so groß erscheinen, dass Kernkraft nicht mehr in Frage kommt, wird man nicht darum herum kommen, mit hoch radioaktiven Stoffen umzugehen und diese beherrschbar zu machen. Wir können Atomkraftwerke vom Netz nehmen, aber wir können auf eine funktionierende, gut kontrollierte Atomindustrie nicht verzichten. Mindestens die bisher angefallene Menge an radiaktivem Abfall werden wir sinnvoll entsorgen oder weiterverarbeiten müssen.

Joachim Schulz

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Und nun?

    Sie nehmen zu Beginn Gefühle und Einschätzungen aus der Bevölkerung auf und erklären dann die Rationalität natürlicher Prozesse und ihre Verlässlichkeit. Warum nur kann mich das in keiner Weise beruhigen?

    Vielleicht, weil deutlich will, dass wir hier wie andernorts natürliche Prozesse nutzen, sie aber im Grunde nur zum Teil wollen, und weil wir über Schäden diskutieren, die bewerten sollten, ohne dass – bis heute – wirklich autorisierte gültige Ergebnisse aus Tschernobyl vorlägen.

    Und ihr so rationaler Artikel enthält innerhalb der naturwissenschaftlichen Erklärungen Begriffe wie „ganz gut ausloten“, „nicht unausweichlich“, „das schlimmste vermieden“, „im Prinzip“.

    Wir Menschen eiern rum. Einiges davon mag sich gut berechnen lassen. Wenn Wissenschaft aber immer das Lernen aus Fehlern ist und unser Wissen immer den Stand unseres Unwissens dokumentiert, dann sage ich, gerade auch nach diesem Artikel: Das Experimentierfeld ist eindeutig zu gross geworden.

  2. Entlagerung

    Hallo Joachim,
    erstmal ein weiteres Dankeschön für den gut geschriebenen Artikel.
    Du schreibst im letzten Satz:

    „Mindestens die bisher angefallene Menge an radiaktivem Abfall werden wir sinnvoll entsorgen oder weiterverarbeiten müssen. „

    Die Frage ist doch aber: Wie machen wir das? Soviel ich weiß haben wir kein Endlager – man hat ja gesehen, was in der Asse passiert ist. Bereiten wir denn wirklich den „radioaktiven Abfall“ auf und wenn, können wir ihn weiter verwenden?

    Ich denke, dass das größte Problem eben die Endlagerung ist. Wir können den Abfall nicht vernünftig und ohne Risiken entsorgen. (Korrigiere mich, wenn ich falsch liege.) Deshalb finde ich, dass man bevor man entscheidet, ob man weiter auf Kernkraft setzt, erstmal wissen sollte, ob es eine vernünftige Lösung für die Endprodukte gibt.

  3. @Thinkabout

    Vielen Dank für die Rückmeldung. Es scheint, dass mein Artikel das erreicht, was er soll. Denn es ist jetzt nicht die Zeit zu beruhigen.

    Weder beruhigen noch Panik machen ist mein Ziel, sondern informieren und zum Nachdenken anregen. Wie soll es mit der Kerntechnik weitergehen?

    Wenn ich die Antwort hätte, würde ich sie geben. Dann würde ich wahrscheinlich in der Kerntechnik arbeiten und Sie würden mir erst recht kein Wort glauben.

  4. Kernenergie

    Jede Kommune die ein Baugebiet ausweisen möchte, muß, ehe sie eine Genhmigung hierzu erhält, einen akzeptablen Entsorgungsplan für Schutzwasser (Fäkalien)vorweisen. Ohne eine gerechte Entsorgung gibt es keine Genehmigung.
    DAS IST GUT SO!
    Es hat noch niemand weltweit einen annehmbaren Entsorgungsvorschlag für nuklearen Abfall machen können.
    Um wieviel wichtiger wäre dies gegenüber einer probaten Entsorgung von Fäkalien?

    Solange es keine sichere Möglichkeit für eine Endlagerung gibt, sollten so schnell wie nur möglich alle AKWs außer Betrieb gesetzt werden.

  5. @Dominik B., yoatmon:
    Was ich an dem Argument „Es gibt bisher keine zufriedenstellende Lösung der Endlager/Entsorgungsproblematik, also sollten sofort alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden.“ nicht verstehe: In den letzten gut 50 Jahren in denen Kernenergie zivil genutzt wurde, wurde schon eine gewisse Menge Atommüll „produziert“. Für diesen wird man auf jeden Fall eine Lösung finden müssen.
    Hat man eine Lösung für diesen Müll gefunden (sei es Endlagerung, Transmutation oder was ganz anderes), so wird deren Kapazität mit Sicherheit auch für ein paar weitere Jahre bis Jahrzehnte Laufzeit ausreichen. Ein Faktor 2 in der Menge des Mülls sollte kein grundsätzliches Hindernis sein; rein von der Menge (Volumen oder Masse) her ist es nicht so viel.

    Von daher finde ich dieses Argument höchstens unter Annahme der fatalistischen Prämisse „es gibt keine akzeptable Lösung der Atommüllproblematik (bzw. in absehbarer Zukunft wird keine gefunden werden)“ verständlich.

  6. Ist eher eine Frage von Aufwand/Nutzen. Die Kernenergie ist im Vergleich zu moderner Kohle/Gas-Technik wegen der Kosten von immer höheren Sicherheitsstandarts und der Entsorgung wohl nicht wirtschaftlich.

  7. @Adenosine: Kosten und Nutzen

    Es sei denn, man kalkuliert die Kosten des Klimawandels mit ein. Ich denke im Vergleich zur Kohle schneidet Atom gar nicht schlecht ab. Das eine produziert mit 100% Wahrscheinlichkeit eine globale Katastrophe. Das andere produziert mit geringerer Wahrscheinlichkeit räumlich begrenzte Katastrophen, die aber erschreckendere direkte Folgen haben.

  8. Katastrophen @Joachim

    Interessante Anschauung! Woher wissen Sie denn um die 100% Wahrscheinlichkeit für eine globale Katastrophe? Und können nicht auch viele räumlich begrenzte Katastrophen im Laufe der Zeit ein großes Problem werden?

  9. @Mona

    Nun, der Klimawandel ist deutlich nachweisbar und er wird sehr teuer. Ob man ihn als Katastrophe sieht, ist vielleicht Interpretationssache. Aber er ist eingetreten und damit ist seine Wahrscheinlichkeit 100%.

    Ja, viele lokale Katastrophen können sich global auswirken. Ich dachte bisher auch, dass weitgehend Einigkeit besteht, dass Kohle- und Gaskraftwerk keine guten Alternativen zur Kernkraft sind.

    Waren nicht eher erneuerbare Energien das Mittel der Wahl?

  10. Beherrschbarkeit

    Sicherlich ist die Atomtechnologie mittlerweile soweit fortgeschritten, dass alle möglichen Unfallszenarien prinzipiell beherrschbar sind. Das Problem was ich dabei sehe ist – wer hätte das gadacht – wieder mal der Mensch. Der Mensch neigt dazu mit der Zeit schlampig zu werden. Eine Gefahr wird, wenn sie permanent vorhanden ist, zur Routine. Zumal wenn die Folgen nicht unmittelbar zu spüren sind, sondern mitunter erst nach Jahren oder Jahrzehnten.

    Aber selbst das ist meines Erachtens noch nicht die größte Gefahr. Die liegt in einer noch viel verheerenderen menschlichen Schwäche: der Gier. Die Gier derjenigen, die mit Atomenergie Geld verdienen und in einer Position sind, an der sie mit „cost-reduction“ in der Reaktorsicherheit ihren Profit steigern können. Längst greift auch in dieser Branche das Outsourcing um sich, was zu einem Wettbewerb zwischen Sicherheitsfirmen führt bei dem diejenige Firma gewinnt, die erstens am billigsten ist und zweitens am wenigsten zu bemängeln hat. Dazu gibt es hier: http://videos.arte.tv/…es_im_griff_-3783544.html eine sehr aufschlussreiche Doku.

    Letztendlich ist die Frage also nicht die, ob der Mensch die Natur beherrschen kann, die Frage ist: Kann der Mensch sich selbst beherrschen?

  11. Ersatz

    Der Anteil der Kernenergie am weltweiten Strom ist ca. 13% der Anteil der Kohle ca. 40%, wenn man bei 1/3 der Kohlekraftwerke alte Schleudern durch moderne Technik ersetzt, kann man mit gleichem C die Kernenergie ersetzen. Die Sache mit dem CO2 ist eh gelaufen, wer glaubt denn ernsthaft, dass in 20 Jahren weniger verblasen wird als heute?

  12. @adenosine : CO2-Ersatz heute und morgen

    Sie schreiben

    wenn man bei 1/3 der Kohlekraftwerke alte Schleudern durch moderne Technik ersetzt, kann man mit gleichem C die Kernenergie ersetzen. Die Sache mit dem CO2 ist eh gelaufen, wer glaubt denn ernsthaft, dass in 20 Jahren weniger verblasen wird als heute?

    und haben wahrscheinlich recht damit. Aber nur deshalb, weil es noch keinen überzeugenden Ersatz für fossile Rohstoffe gibt – auch wenn die Erneuerbaren-Gemeinde das anders sieht. Genau deshalb können sie durch Effizienverbesserugen bei Kohlekraftwerken auf die Schnelle das Gleiche erreichen wie durch viel teurere Investitionen in Erneuerbare und in Kernkraft.

    Doch die globale Erwärmung wird auch in 20 Jahren nicht zum Stillstand gekommen sein, wenn die Emissionen weitergehen. Dann kann es passieren, dass man in ganz Europa und China, vielleicht sogar in den USA, umschwenken will – und es nicht kann, weil immer noch keine überzeugenden Ersatzenergien zur Verfügung stehen.

    Meiner Ansicht nach sollte man deshalb jetzt massiv in Energieforschung investieren, wobei auch neue Formen der Kernenergienutztung erkundet werden sollten. Denn: Eine kostengünstige und grundlastfähige nichtfossile Energiequelle ohne Sicherheitsprobleme könnte allein über die vorhandenen Marktkräfte Kohle, Öl und Gas verdrängen.

  13. zur Endlagerung

    Ein sehr guter Artikel, wie auch schon der letzte zum Thema „die Angst vor dam Atom“.

    Ich arbeite schon seit längerem als Physiker in der Endlagerforschung und kann immer wieder nur sagen, dass diese machbar ist. Zumindest von der technischen Seite. Und nein: die Asse ist kein Endlager, sie erfüllt die Bedingungen für ein Endlager nicht.

    Da ich es irgendwann leid war, in solchen Diskussionen wieder und wieder die selben Argumente zu tippen, habe ich vor einiger Zeit einen Blog gestartet. Nicht ganz regelmässig (und aufgrund meiner knappen Zeit auch nicht ganz so oft wie ich gerne würde) erscheinen dort Artikel zu diesen Aspekten. Und so möchte ich, so es gestattet ist, den interessierten Leser auf drei meiner Artikel aufmerksam machen:

    1. zur Endlagerung an sich, wie sie funktioniert und realisiert werden kann: http://www.kerngedanken.de/?p=18

    2. zur Asse: http://www.kerngedanken.de/?p=225

    3. zu vier bereits in Betrieb befindlichen Endlagern an denen bisher schon mehr als 3 Mio Kubikmeter Abfall endgelagert wird (Kapazität: noch weitere mind. 5 Mio Kubikmeter): http://www.kerngedanken.de/?p=169

    Des Weiteren einen Ausblick: aktuell schreibe ich grad an dem Artikel ‚Wirtsgesteine im Vergleich‘, hier beschreibe ich verschiedene Aspekte der Lagerung in den einzelnen Wirtsgesteinen Salz, Ton und Granit. Sollte hoffentlich bis Ende der Woche fertig werden.

    Ach so, noch was zum Thema Mengen: wie in einem vorherigen Kommentar vermerkt, ist der Abfall nun mal da. Pro Jahr kommen rund 500 Kubikmeter hinzu. Bedenkt man, dass die unter Punkt drei genannten Endlager im Bereich Mio Kubikmeter rechnen, sollte klar werden, dass wenn wir denn eines Tages ein Endlager für radioaktiven Abfall gefunden haben (und das müssen wir), dann sollten die paar tausend Kubikmeter durchaus ebenfalls in so einem Endlager entsorgbar sein.

  14. Kettenreakion

    Hallo Joachim,

    Danke für die guten Artikel, die endlich eine differenzierteren Einblick ermöglichten.

    Mich beschäftigt nur noch hauptsächlich eine Frage: Wie kommt es, dass in Live-Tickern und Medienberichten immer wieder von der Gefahr einer Kettenreaktion, wie z.B. hier:
    http://www.ftd.de/…hima%20Daiichi%20(Reaktor%201)

    geredet wird?

    So wie ich das verstehe, werden durch die Steuerelemente Neutronen abgefangen und ohne Moderator bricht die Reaktion ab.

    Sind die Medienberichte nicht richtig oder was reagiert da?

    Quadrat

  15. Kettenreakion

    Hallo Joachim,

    Danke für die guten Artikel, die endlich einen differenzierteren Einblick ermöglichten.

    Mich beschäftigt nur noch hauptsächlich eine Frage: Wie kommt es, dass in Live-Tickern und Medienberichten immer wieder von der Gefahr einer Kettenreaktion, wie z.B. hier:
    http://www.ftd.de/…hima%20Daiichi%20(Reaktor%201)

    geredet wird?

    So wie ich das verstehe, werden durch die Steuerelemente Neutronen abgefangen und ohne Moderator bricht die Reaktion ab.

    Sind die Medienberichte nicht richtig oder was reagiert da?

    Quadrat

  16. Geschlossen Stellung nehmen?

    Zitat: „Warum nehmen wir Physiker nicht jetzt geschlossen gegen die Kernkraft Stellung?“

    Man wird bei den Physikern zu diesem Thema kaum eine einhellige Meinung finden, dafür sind dort die Menschen zu gut informiert.

    So manch einen Physiker interessiert nicht so, was der „Zeitgeist“ aus den Medien rausposaunt, sondern die Faktenlage, so geht es zumindest mir.

    Im Gegenteil, eine geschlossene Stellungnahmen würde auf Unterdrückung hinweisen, auf ein Meinungsmonopol.

  17. Verführerische Frage …

    … enlarvende Antwort.

    Ist die Natur beherrschbar ? Nee, natürlich nicht !

    Man sagt’s und steigt auf sein Fahrrad, oder steigt in sein Auto, oder schaltet das Laptop ein, oder bastelt Bose-Kondensate, oder …

    Ist die Gier von Menschen beherrschbar oder wenigstens abschätzbar ? Das wäre vermutlich die ehrlichere Frage gewesen. Oder hat irgendjemand sich einmal Gedanken darüber gemacht, welche Kosten durch blinden Konformismus entstehen ? Wir haben ja nicht nur eine Nuklearkrise sondern z.B. auch eine Finanzkrise obwohl unsere Hochschulen proppenvoll mit Wirtschaftswissenschaftlern stecken. Haben aber alle nix gesehen, nix gerochen, nix gehört … sind alle wie vom Blitz getroffen.

    Sagen die Probleme, mit denen wir heute und in Zukunft zu kämpfen haben wirklich etwas darüber aus, wieviel wir von der Natur verstehen und wie gut wir sie beherrschen ? Oder liegt der Hase nicht wo ganz anderes im Pfeffer … (wo die allermeisten überhaupt nicht gerne nachsehen wollen)

    Meiner Meinung nach hat vor allem die Kernenergiewirtschaft selbst diese Technologie abgeschossen – und zwar so gründlich, wie man das von scheinheiligen Krämerseelen eben erwarten kann.

  18. Quarkschleuder

    “ Im Gegenteil die Anordnung und Konzentration von spaltbaren Stoffen ist in einem Kernkraftwerk der Bauart von Fukushima I so gewählt, dass von selbst keine Kettenreaktion aufrechterhalten werden kann und erst recht nicht selbsttätig startet.“

    Wie startet es dann ? Ich dachte, der Unterschied läge in der Anreicherung, weil das eine Ding leicht transportierbar sein und seine Energie explosiv freisetzen soll, während die Konzentration im friedlicheren Apparat kontrollierbar Energie abgeben soll – selbstständige Kettenreaktionen sind’s aber in beiden Fällen. Die Menge spaltbaren Materials ist aber vermutlich in einem einzelnen Kernreaktor größer als in einem nuklearen Sprengkopf. Nur weil Strahlung und schädliche Substanzen gemütlicher freigesetzt werden, sind’s doch nicht harmloser, oder ? Das Schadensbild sieht ein bisschen anders aus, na und … (ehrlich gesagt, wenn ich die Wahl hätte, wäre ich lieber gleich futsch)

  19. AKWs

    „Die starke Kernkraft, die man sich in den Atomkraftwerken zu nutze macht, ist keine Ausnahme. Uran 235, der Brennstoff in den gängigen Atomkraftwerken, zerfällt fast immer relativ unspektakulär über Alpha-Zerfall und wandelt sich dann in einer Zerfallsreihe in ein stabiles Bleiatom um.“
    Jetzt bin ich verwirrt: in AKWs nutzen wir die starke Kernkraft? Nicht die schwache?? Alpha-Zerfall ist doch schwache Kraft, oder? Bitte um Erklärung.

    Gruß T.A.

  20. Starke und schwache Kernkraft

    Die bindende Kraft im Atomkern ist die starke Wechselwirkung. Deshalb würde ich als Herkunft der Energie die starkte Kernkraft definieren. Beim Alpha-Zerfall und bei der Kernspaltung, findet erstmal keine Teilchenumwandlung statt, wie sie für die schwache Kernkraft typisch ist.

    Der Beta-Zerfall wird durch die schwache Kernkraft verursacht und trägt natürlich auch zur Energiegewinnung bei.

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