Neurosexismus und Verantwortung der Wissenschaft

Den meisten von uns dürfte es nicht schwer fallen zwischen Männern und Frauen, Mädchen und Jungs zu unterscheiden. Es gibt offenbar Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Da sind zum einen die körperlichen Unterschiede, die man bei bekleideten Kindern in der Regel gar nicht sieht. Und dann gibt es eher kulturelle Unterschiede in Kleidung und Verhalten. Ob es auch Unterschiede in den Fähigkeiten zwischen Männern und Frauen gibt, ob Männer tatsächlich besser einparken können und Frauen einen besseren Geschmack in Schuhmode haben, ist bei weitem nicht so klar.

Weil Zeitschriften, Bücher und persönliche Gespräche heute mit der Diskussion gefüllt sind, ob Genderunterschiede eher anerzogen oder angeboren sind, ist es spannend, sich mit den wissenschaftlichen Fakten auseinanderzusetzen. Die Frage sollte also nicht sein, was wir glauben, sondern was wir aus wissenschaftlichen Studien lernen können und – noch viel wichtiger – was wir nicht aus ihnen lernen können.

Dabei interessiere ich mich eigentlich gar nicht für die Extremstandpunkte. Dass Menschen als Neutra auf die Welt kommen und ihnen willkürlich irgendein Geschlecht anerzogen wird, ist ebenso offensichtlich falsch wie, dass alle kulturellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern, von der Farbe des ersten Stramplers bis zu den Hobbys im Ruhestand, direkt angeboren und genetisch determiniert sind.

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Cordelia Fine hat sich über Bücher und Artikel geärgert, deren Ansicht eher auf der Seite des zweiten Extrems liegen, und sich entschlossen, ein wissenschaftlich anspruchsvolleres Buch über Gender zu schreiben. „Delusions of Gender“ ist der Titel dieses Werks, das ich auf dem Kindle im Original gelesen und genossen habe. Die deutsche Übersetzung „Die Geschlechterlüge“ passt eigentlich nicht so recht, da hier die böse Absicht zu lügen unterstellt wird. Die Anschuldigung der Lüge macht Fine in dem Buch nicht, sie thematisiert unter anderem den Größenwahn einiger pseudowissenschaftlicher Buchautor/innen, die einfach mehr behaupten, als sie nachweisen können. (Dierk Haasis von nebenan machte mich auf die Anspielung im Titel auf den stehenden Begriff „Delusion of grandeur“ aufmerksam, der Größenwahn bedeutet.)

Tatsächlich ist es Fine gelungen, ein populärwissenschaftliches Buch im besten Sinne zu schreiben. Also eines, dass es Fachfremden wie mir ermöglicht, nicht nur den Stand des Forschung, sondern auch die offenen Fragen nachzuvollziehen. Es ist ein Buch über Wissenschaft. Eines über Fragen, die ergebnisoffen diskutiert werden, nicht über Antworten, die am Anfang gegeben werden und mit wissenschaftlich anmutenden Studien auf Gedeih und Verderb belegt werden sollen. Aber kommen wir zur Sache:

Half-changed

Cordelia Fine hat ihr Buch in drei Teile eingeteilt. Der erste Teil „Half-changed world, half-changed minds“ beschäftigt sich vor allem mit Genderunterschieden, wie sie heute in der experimentellen Psychologie ermittelt werden und wie sie im täglichen Leben vorkommen. Fine macht an vielen Details deutlich, dass wir – trotz der Fortschritte auf Gleichberechtigung der Geschlechter hin – weit von echter Chancengleichheit entfernt sind. Die Welt hat sich seit der Zeit, als Frauenwahlrecht noch umstritten war und Frauen von Universitärer Bildung ausgeschlossen waren, nur halb verändert. Sexismus ist noch immer an vielen Punkten nachweisbar.

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Aus wissenschaftlichem Standpunkt spannend sind die Studien, in denen nachweisbar ist, wie sehr der soziale Kontext unsere Selbsteinschätzung verändert. So schätzen Männer ihre Mathematikfähigkeiten und Frauen ihre Sprachfähigkeiten besser ein, wenn sie am Anfang eines Fragebogens ihr Geschlecht angeben mussten, als wenn das nicht gefragt war. Das einfache Ankreuzen eines Kästchens reicht offenbar, um Genderunterschiede hervorzurufen, die unter genderneutralen Testbedingungen nicht so ausgeprägt sind. Das zeigt, mit wie viel Vorsicht man Studien untersuchen muss, die Genderunterschiede zu messen versuchen. Eventuell misst man eher, wie gut die Menschen ihre Rollenbilder vergegenwärtigt haben, als wie ausgeprägt Unterschiede in ihren tatsächlichen Fähigkeiten sind.

Cordelia Fine spielt die gemessenen Unterschiede nicht herunter. Natürlich gibt es statistische signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern in zahlreichen Tests. Sie zeigt aber, wie genau man hinsehen muss, um zu unterscheiden, was eigentlich tatsächlich getestet wurde. Eine Menge Skepsis ist angebracht. Zumal die Unterschiede meist recht klein sind. Viel zu klein, um zu erklären, warum in unserer Gesellschaft die Einteilung in zwei Geschlechter durchgehend so wichtig zu sein scheint.

Recycling Gender

Der dritte Teil von Fines Buch ist überschrieben mit „Recycling Gender“ und beantwortet die Frage, warum Kinder, auch wenn die Eltern tatsächlich den Versuch einer geschlechterneutralen Erziehung unternehmen, sehr schnell Genderstereotype aufgreifen und erlernen. Das wird oft sehr schnell als Hinweis auf biologische Determiniertheit genommen: „Ich habe versucht, sie von rosa Prinzessinnen fernzuhalten, aber sie liebt dieses Spielzeug. Das muss angeboren sein.“ Nein, muss es natürlich nicht.

Kinder lernen schnell und nehmen auch die Facetten des täglichen Lebens wahr, die wir ihnen nicht bewusst präsentieren. Die Welt ist voll von Situationen, in denen Menschen schnell ein Geschlecht zugeordnet werden muss. Schon in der Anrede müssen wir uns entscheiden, ob wir Herr oder Frau sagen. Und auch welches Spielzeug „für Mädchen“ und welches „für Jungs“ ist, lernen Kinder – auch kleine Kinder – schnell in der Gleichaltrigengruppe.

Neurosexismus

Die Überschrift „Neurosexism“ des mittleren Teils des Buchs ist schnell übersetzt. Einfach ein „us“ angehängt. Hier geht es um die Frage, ob Sexismus –  also die Voreingenommenheit gegen Menschen aufgrund ihres sozialen oder biologischen Geschlechts – neurologisch, anhand von Unterschieden im Gehirn begründet werden kann.

Hier gibt es im Wesentlichen drei Ansätze: Man kann Menschen so früh wie möglich, also schon im Mutterleib untersuchen und sehen, ob zum Beispiel besonders hohe Dosen an Testosteron eindeutig zu Unterschieden im späteren Verhalten führen. Man kann Tiere untersuchen und argumentieren, dass Unterschiede, die andere Säugetiere auch zeigen, nicht auf menschliche Sozialisation beruhe können. Zu guter Letzt kann man mit abbildenden Verfahren Geschlechtsunterschiede in der Funktionsweise des Gehirns deutlich zu machen versuchen.

Alle diese Ansätze haben ihre Schwächen. Cordelia Fine nimmt hier eindeutig Stellung gegen die Bücher, die aufgrund scheinbar biologischer Fakten argumentieren, dass Frauen vom Saturn und Männer vom Merkur sind (oder so ähnlich). In einem Kapitel zeigt sie sehr schön auf, wie in pseudowissenschaftlicher Literatur Studien zitiert werden, um Behauptungen zu stützen, die nicht einmal mit gutem Willen aus diesen Studien abgeleitet werden können. Man mag ihr eine gewisse Arroganz vorwerfen, wenn sie sich über einige der Argumente lustig macht, aber Fine musste diese Bücher tatsächlich lesen und all die referenzierte Fachliteratur nachschlagen. Dass das oft nur mit einer gehörigen Portion Humor ertragbar ist, kann ich gut nachvollziehen.

Überhaupt ist der leichte, humorvolle Schreibstil von Fine einer der großen Pluspunkte ihres Buchs. Die Thematik ist trocken genug und das ständige Abwägen der Argumente für und wider biologischer Geschlechtsunterschiede könnte leicht ermüden, wenn Fine es nicht ab und zu mit weniger ernsthaften Kommentaren auflockern würde. (Die unsachlicheren Seitenhiebe setzt sie dabei konsequent in Klammern, so dass weniger humorvolle Leserinnen und Leser sie übergehen können.)

Ein wichtiger Punkt, den Cordelia Fine anspricht, ist die Verantwortung der Wissenschaftler_innen, wenn es um gesellschaftlich relevante Schlussfolgerungen geht. Es geht nicht um Zensur nicht politisch korrekter Forschungsergebnisse. Wenn bei einer Studie mit Primaten herauskommt, dass ein weiblicher junger Affe sich signifikant länger mit Spielzeugbratpfannen beschäftigt als seine männlichen Artgenossen, dann darf das veröffentlich werden. Daraus zu schließen, bei allen Primaten (also auch Menschen) sei die Neigung zu geschlechtsspezifischen Spielzeugen angeboren, ist unseriös. Zumal die Bedeutung der Bratpfanne in Affengesellschaften nicht zweifelsfrei geklärt ist.

Aufpassen müssen wir also nicht bei der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Ergebnisse selbst. Wir müssen bei ihrer Interpretation vorsichtig und ehrlich sein. Es gibt heute ein paar leichte Hinweise auf biologische Gründe für Geschlechtsunterschiede im Verhalten. Es gibt starke Hinweise auf kulturelle Gründe für Genderunterschiede. Aufgrund der geringeren Evidenz für biologische Unterschiede ist es vermessen und unwissenschaftlich, aus ihnen Erziehungsratschläge abzuleiten oder zu behaupten, vollständige Gleichberechtigung sei nicht erreichbar.

Cordelia Fines Buch „Delusion of Gender“ ist ein gut recherchiertes populärwissenschaftlichen Buch, das ich nur weiterempfehlen kann. Ihre Mahnung zur Vorsicht, sollte man nicht nur in Bezug auf Gender ernst nehmen. Sie markiert ganz allgemein die Grenze zwischen Populärwissenschaft und Pseudowissenschaft.

Anmerkung:

Ursprünglich trug dieser Artikel den Titel „Gender-Wahnsinn und Verantwortung der Wissenschaft“. Nachdem ich über Twitter darauf aufmerksam gemacht wurde, dass dieser Titel irreführend ist, habe ich ihn geändert.

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

26 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. An Pfingsten gehts am ringsten

    Das ist nun schon die zweite Buchvorstellung in kurzer Zeit. Beide um Pfingsten herum. Sie müssen ja ein unheimlich produktiver Leser sein, wenn Pfingsten schon genügt um 2 Bücher zu lesen und zu rezensieren.

  2. Ich arbeite ja auch gerade an einer Besprechung. Wird aber wohl noch etwas dauern.

    Vorweg gesagt: Sie geht auf recht wenig der eigentlichen Argumente für Geschlechterunterschiede ein, so erwähnt sie beispielsweise nur CAH, aber keine der diversen anderen Sonderfälle, die Ausschluss über biologische Unterschiede geben.
    Ich fand ihr Buch an einigen Stellen sehr gut, sie zitiert einige sehr interessante Studien, aber im ganzen ist ihre Abhandlung recht oberflächlich.
    Sie überdeckt da auch so einiges mit ihrem lockeren Schreibstil.
    Zudem sagt sie auch mehrmals, dass Unterschiede bestehen können, ihr genügen die Nachweise nur noch nicht.

  3. Anmerkung

    „Daraus zu schließen, bei allen Primaten (also auch Menschen) sei die Neigung zu geschlechtsspezifischen Spielzeugen angeboren, ist unseriös.“
    Das stimmt. Dieser Vorwurf trifft allerdings auch nicht konkret die angesprochenen Forscher, denn Hassett et al. kommen in ihrer Arbeit auch gar nicht zu dieser Schlussfolgerung:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/…rticles/PMC2583786/

    Übrigens: Nachdem die Gender-Debatte auch kürzlich bei den Scienceblogs („Jungs mögen Autos, Mädchen Puppen. Nicht ganz. Zwei Affenstudien“) durchgekaut wurde… warum wird denn zu diesem Thema Homosexualität kaum angesprochen? Gibt es da keine clever designten Studien, die irgendwelche interessanten/neuen Ergebnisse bringen könnten?
    Oder – um’s mal überspitzt zu formulieren – hat man da Angst, dass die Auffassung die momentan gerade politisch korrekt ist (sehr grosser Beitrag Sozialisation und wenn überhaupt nur ein kleiner angeborener Beitrag) in Konflikt mit der ebenfalls politisch korrekten Meinung gerät, dass Homosexualität eben doch nicht anerzogen ist?

  4. @Physiker

    Es geht bei dem Zitat nicht um die von Ihnen referenzierte Studie, sondern um diese hier von Alexander und Hines. Da frage ich mich schon, warum es Affenmädchen angeboren sein sollte, mit Kochgeschirr zu spielen.

    Was die zweite Frage betrifft, bin ich auf dem Gebiet kein Experte und es ist auch nicht Thema von Cordelia Fines Buch. Man sollte (vor allem als Wissenschaftler) schon aufpassen, dass man nicht alles durcheinander wirft. Sexuelle Orientierung ist ein anderes Phänomen als Gender-Rollen, um die es bei Fine geht.

  5. Irreführende „Dekonstruktionsversuche“

    Wenn die Autorin überall so unseriös vorgeht wie bei der Spielzeug-Studie, dann kann man dieses Buch getrost ignorieren.

    Im Spektrum Dossier 2/2007 kann man nachlesen, dass männliche Primaten mehr Zeit mit Spielzeugen verbringen, die sich durch den Raum treiben lassen (z.B. ein Polizeiauto).

    Mit dem Bratpfannenbeispiel wird allerdings erst eine Vermenschlichung unterstellt, die dann Ansatzpunkt der Dekonstruktionsversuche ist.

    Wer die Angeborenheit der Geschlechtsunterschiede bezweifelt, soll auf wissenschaftlichem Wege versuchen, alternative Hypothesen zu belegen. Krampfhafte „Dekonstruktion“ ist dagegen kein nennenswerter Beitrag.

  6. @Gernot

    Sie haben offenbar weder das entsprechende Kapitel in Fines Buch, noch meinen Artikel hier sorgfältig gelesen. Das macht nichts, aber auf dieser Grundlage ist es schwer, ein Urteil zu fällen.

  7. @Joachim

    Ich glaube nicht, dass man Gender-Rollen völlig losgelöst von der sexuellen Orientierung und vom Geschlecht studieren kann. Sonst sitzt man automatisch irgendeinem Bias auf bzw. geht genau von dem Zusammenhang aus, den man eigentlich testen will.

    „Da frage ich mich schon, warum es Affenmädchen angeboren sein sollte, mit Kochgeschirr zu spielen.“
    Egal wie die Erklärung dafür aussieht, mir ist immer noch nicht klar warum die Statements dieser Publikation „unseriös“ sein sollen. Die Aussagen, die ich in dem Paper lese, sind auch sehr viel schwächer.

  8. @Physiker

    Ja, ich glaube auch, das sowohl Gender als auch sexuelle Orientierung etwas mit Geschlecht zu tun haben. Deshalb muss man diese beiden Themen aber nicht über einen Kamm scheren. So kann man keinem gerecht werden. Eines ist schon kompliziert genug.

    Nun, vielleicht sind die Statements dieser Publikationen nicht unseriös, aber zum einen widersprechen sie einander zum Teil, zum anderen sagen sie herzlich wenig über vererbte Verhaltensweisen von Menschenkindern aus. Selbst für Affenkinder sind die tatsächlichen Erkenntnisse eher dürftig.

  9. Ergebnisoffen?

    Es gibt heute ein paar leichte Hinweise auf biologische Gründe für Geschlechtsunterschiede im Verhalten. Es gibt starke Hinweise auf kulturelle Gründe für Genderunterschiede. Aufgrund der geringeren Evidenz für biologische Unterschiede ist es vermessen und unwissenschaftlich, aus ihnen Erziehungsratschläge abzuleiten oder zu behaupten, vollständige Gleichberechtigung sei nicht erreichbar.

    Selbst wenn die Behauptung zur „geringeren Evidenz für biologische Unterschiede“ zuträfe, folgt daraus nicht, daß es nicht genauso vermessen und unwissenschaftlich wäre, aus den anderen Untersuchungen mit entgegengesetzten Ergebnissen „Erziehungsratschläge abzuleiten“ oder zu behaupten, vollständige „Gleichberechtigung“ sei erreichbar. Das Wort „Gleichberechtigung“ erscheint mir hier übrigens fehl am Platz. „Geichstellung“ wäre wohl etwas besser.

    Wenn die Rezension das Buch richtig beschreibt, so geht aus dem obigen Zitat klar hervor, daß das Buch eine bestimmte Tendenz vertritt. Da muß man sich fragen, ob wirklich beide Seiten der Debatte umfassend und fair dargestellt werden. Das ist für den Laien natürlich kaum zu beurteilen.

    Es ist fraglos löblich, vor vorschnellen Schlußfolgerungen aus einzelnen Untersuchungen zu warnen. Das gilt aber gleichfalls für psychologische und sonstige Tests.

  10. @Nörglerin

    Es ist fraglos löblich, vor vorschnellen Schlußfolgerungen aus einzelnen Untersuchungen zu warnen. Das gilt aber gleichfalls für psychologische und sonstige Tests.

    Das stimmt. Ich habe ja im Januar eine psychologische Untersuchung kritisch untersucht:
    Ein Schlag für die Genderwissenschaft? Naürlich muss man auch bei solchen Meldungen vorsichtig sein.

    Was das Beurteilen von Wissenschaftlichkeit betrifft, halte ich mich für einigermaßen qualifiziert. Das Buch von Fine ist recht ausgewogen und fair.

  11. Transgender

    Werden in dem Buch auch neue Ansätze vorgestellt wie man Menschen, die z.B. weiblichen Geschlechts sind, sich aber dem männlichen Gender zugehörig fühlen unterstützen kann?

  12. @Joe Dramiga

    Nein, Transgender kommt gar nicht vor. Fine beschränkt sich im Grunde darauf, die Argumente der Main-Stream-Genderbücher kritisch zu hinterfragen. Dabei leugnet sie keineswegs, dass es hier und da signifikante Genderunterschiede gibt. Sie zeigt nur, warum es zu kurz gegriffen ist, alle Unterschiede als genetisch determiniert anzusehen.

    Ihr Fazit ist allerdings, dass es wissenschaftlich nicht gerechtfertigt ist, Menschen nach ihrem körperlichen Geschlecht streng in Gender-Kategorien einzuteilen und unterschiedlich zu erziehen. Das ist meines Erachtens auch die richtige Strategie um eine Ausgrenzung von Transsexuellen zu vermeiden.

  13. Gender in der Kognitionsbiologie

    Vielen dank für diese schöne Rezension! Ich habe das Buch nicht gelesen aber in diesem Kontext finde ich die Diskussion um die Suche nach geschlechterspezifischen Unterschieden in der Raumwahrnehmung sehr interressant. Schreibt sie auch darüber?

  14. „Nein, Transgender kommt gar nicht vor.“

    und

    „Fine beschränkt sich im Grunde darauf, die Argumente der Main-Stream-Genderbücher kritisch zu hinterfragen.“

    sagt eigentlich schon recht viel über das Buch aus. Den Transgender und deren Grundlagen in der Forschung sind ja Teile der Argumente innerhalb der Mainstreamgenderbücher.

    Wäre schon interessant, wie sie das in ihre „Wer von der Gesellschaft als männlich angesehen wird, verhält sich auch so“ Theorie einzuordnen. Gerade Transsexuelle und Homosexuelle wiedersetzen sich dem ja durchaus häufig.
    Sie geht eigentlich ja nur auf CAH ein. Und auch da sind ihre Gegenargumente eher schwach ausgebaut aus meiner Sicht.

  15. @Joachim

    Ich bilde mir ein, ebenfalls „Wissenschaftlichkeit“ einigermaßen beurteilen zu können.

    Ich traue mir aber nicht zu, in einem völlig fremden Fachgebiet zu beurteilen, ob eine zusammenfassende Beurteilung der verschiedenen, widersprüchlichen Forschungsergebnisse wirklich unvoreingenommen ist.

    Mir scheint, daß wir von einer Antwort auf die uralte Frage „nurture or nature?“ so weit entfernt sind wie eh und je.

    Besser sollte man sich deshalb fragen, wie man sich in seinem täglichen Leben, etwa in der Erziehung seiner Kinder, auf diese Ungewißheit einstellen soll.

  16. @Nörglerin

    „Mir scheint, daß wir von einer Antwort auf die uralte Frage „nurture or nature?“ so weit entfernt sind wie eh und je.“

    Das liegt vermutlich vor allem daran, dass diese Frage falsch gestellt ist. Es ist doch keine Frage, dass die allermeisten Verhaltensweisen und Fähigkeiten von Menschen erlernt sind und damit von „nurture“ (also Umwelteinflüsse und Erziehung) beeinflusst werden. Die Frage ist also fast nie, ob Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Sie tun es immer.

    Die „große Ungewissheit“ besteht einfach nicht. Wo immer ich mir die Mühe gemacht habe, die Studien genau anzusehen, fällt auf, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gering sind und zumindest zum Teil auch durch „nurture“ erklärt werden können. Der „nature“-Teil fällt dann kaum noch ins Gewicht.

  17. @Joachim

    „Wo immer ich mir die Mühe gemacht habe, die Studien genau anzusehen, fällt auf, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gering sind und zumindest zum Teil auch durch „nurture“ erklärt werden können. Der „nature“-Teil fällt dann kaum noch ins Gewicht.“

    Da musst du aber dazufügen, dass du bisher kaum Literatur gelesen hast, die dieses Thema betrifft und wenn dann nur von Leuten, die die Nurture-Seite vertreten. Auch Fine ist ja erklärte Ideologin. Das du ihre Darstellung als ausgewogene Darstellung der Gegenargumente ansiehst spricht eher gegen dein Fachwissen in dem Bereich.

    Natürlich: Wenn man hauptsächlich einzelne Studien betrachtet, die Gegner einer Nature-Ansicht herausgesucht haben, dann mag deine Ansicht plausibel sein.

    Es wäre vielleicht an der Zeit, dass du dir mal ein Buch von der nature-Seite nimmst und es besprichst.

    Findest du Fines Meinung eigentlich überzeugend, dass männliches Aussehen bei Frauen aufgrund der Identifikation mit Männern männliches Verhalten bewirkt? Das ist meiner Meinung nach eine nicht belegte These, mit der sie aber CAH raushaut.

  18. Ausnahmen?

    „Es ist doch keine Frage, dass die allermeisten Verhaltensweisen und Fähigkeiten von Menschen erlernt sind und damit von „nurture“ (also Umwelteinflüsse und Erziehung) beeinflusst werden.“
    Homosexuelles Verhalten ist auch eine Verhaltensweise. Warum soll ausgerechnet dafür eine Ausnahme gelten und nicht für das Spielverhalten von Primaten?
    Ich denke, diese verallgemeinerten Statements (x% nurture und 1-x% nature) sind keinen Pfifferling wert und noch dazu diskriminierend: entweder man diskrimiert ein Geschlecht oder eine sexuelle Orientierung.

    Übrigens ist das genau die Voreingenommenheit, den ich oben kritisierte: Wenn man annimmt, dass sowieso so gut wie alles durch Umwelteinflüsse und Erziehung bestimmt ist, dann fragt man sich „schon, warum es Affenmädchen angeboren sein sollte, mit Kochgeschirr zu spielen.“
    Das ist meiner Meinung nach einfach nur ein Zirkelschluss par excellence, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

  19. @Physiker

    Drück ich mich so unklar aus?
    Ich bin der Ansicht, dass man immer beide Einflussfaktoren, „nurture“ und „nature“ in Betracht ziehen muss. Wer die Behauptung aufstellt, die Präferenz für bestimmtes Spielzeug oder Sexunterschiede in bestimmten Verhaltensweisen seien ausschließlich auf genetische Disposition zurückzuführen, muss dafür überzeugende Beweise liefern.

    Die Beweislastumkehr, bei der jemand was behauptet und die Zweifler dann auffordert, das zu widerlegen, ist ein typisches Zeichen für Pseudowissenschaft.

  20. @ Joachim

    Drück ich mich so unklar aus?

    Anscheinend ja.

    Ich bin der Ansicht, dass man immer beide Einflussfaktoren, „nurture“ und „nature“ in Betracht ziehen muss.

    Da bin ich vollkommen einverstanden. Ich kenne aber niemanden, der anderer Meinung wäre.

    Wer die Behauptung aufstellt, die Präferenz für bestimmtes Spielzeug oder Sexunterschiede in bestimmten Verhaltensweisen seien ausschließlich auf genetische Disposition zurückzuführen, muss dafür überzeugende Beweise liefern.

    Ebenfalls vollkommen einverstanden. Ich kenne aber niemanden, der derartiges behaupten würde.

    Die Beweislastumkehr, bei der jemand was behauptet und die Zweifler dann auffordert, das zu widerlegen, ist ein typisches Zeichen für Pseudowissenschaft.

    Gibt es irgendeinen Beleg dafür, daß diese Einstellung bei den Vertretern von „nature“ stärker ausgeprägt wäre als bei den Vertretern von „nurture“?

    Diese „Beweislastumkehr“ ist übrigens häufig Ergebnis eines Vulgärpopperismus. Mindestens ein Beispiel dafür gibt es in diesen WissensLogs.

    Mir kommen zunehmend Zweifel an dem Buch von Fine. Befaßt sie sich überhaupt ernsthaft mit seriösen wissenschaftlichen Studien oder nur mit deren vulgärwissenschaftlichen Vergröberungen?

    In welcher wissenschaftlichen Studie ist überhaupt von „Spielzeugbratpfannen“ die Rede? Die von Physiker genannte Studie behandelt ja nur Plüschtiere und Räderfahrzeuge.

  21. OK

    Na, ich denke, wir brechen hier ab. Ich habe im dritten Absatz des Beitrags klargestellt, dass ich keine Extremposition vertrete. Fine tut das auch nicht. Ich habe in Antwort auf den Physiker die Studie mit der Pfanne verlinkt.

    Fines Buch greift die Argumente der Populärliteratur auf und erklärt die Wissenschaft dahinter. Das ist ihr gut gelungen.

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