Blog-Teleskop #77

Stolz präsentiere ich heute das Blog-Teleskop Nummer Siebenundsiebzig. Im Blogteleskop wechseln sich alle vierzehn Tage Bloggerinnen und Blogger ab, Neuigkeiten in deutschsprachigen Astronomieblogs zusammenfassen. Das letzte Blog-Teleskop gab es am Sonntag, dem 29. Mai bei Frank Specht und ich nehme das Staffelholz gerne an, um über meine Beobachtungen am Astronomieblog-Himmel zu berichten.

Blogteleskop #77

Für mich als irdischen Experimentalphysiker sind astronomische Objekte immer wahnsinnig weit weg und ich möchte mir und Ihnen den Schritt erleichtern, indem ich meine Übersicht bei irdischen Objekten beginne und nach und nach die Entfernungen zur Erde steigere. Beginnen wir also auf dem Boden der Experimentalphysik:

Irdisches

Die unmittelbarste Art, Astronomie zu betreiben, ist die direkte Himmelsbeobachtung mit bloßen Augen oder dem eigenen Teleskop. Astrofan80 hilft uns dabei mit einer Übersicht über den Sternhimmel im Juni und einem Artikel zur Mondfinsternis am 15. Juni. Möchten Sie einen Schritt weiter gehen und mit Himmelsfotografie beginnen, so hat Stefan Gotthold vom Clear Sky-Blog ein paar Tipps, wie man den Mond fotografiert.

Stefan Gotthold berichtet uns außerdem über seine Pläne zu einem Schulprojekt und stellt Software für den Einstieg in die Astronomie vor. Besonders interessant finde ich hier den Physik-Simulator Univers Sandbox, zu dem er einen eigenen Blogbeitrag verspricht. Das ist sicher auch etwas Fortgeschrittene und (Noch-)nicht-Astronomen.

Professionelle Astronomen haben es mit größerem Equipment an oft unzugänglichen Orten zu tun. Wie man ein Telekop am Südpol repariert, verrät uns Florian Freistetter. Dabei erklärt er auch, warum man den Südhimmel von dort besonders gut beobachten kann. (Es ist dort dunkel und trocken.)

Bei Astronews lernen wir, dass es für den Empfang von Gravitationswellen nicht nur auf die einzelnen Detektoren, sondern auch auf deren Verteilung ankommt. Man könnte die Detektionswahrscheinlichkeit mit einer günstigen Verteilung der Detektoren verdoppeln.

Auch aus der Teilchenwelt gibt es Neuigkeiten: Relativ-Kritisch berichtet, dass das Tevatron die Neue Physik ad acta legen musste. Nicht ganz unerwartet, wie ich finde. Ich denke aber, dass uns bewusst bleiben sollte, dass auch die Tatsache, dass es in einem bestimmten Energiebereich keine weiteren Teilchen gibt, ein berichtenswertes Ergebnis ist.

Über den Wolken

Weltraumforschung muss nicht im Weltraum stattfinden. In einer neuen Kampagne von Parabelflügen soll reduzierte Gravitation, wie man sie auf Mond und Mars vorfindet simuliert werden. Eine Vorbereitung auf zukünftige Mond- und Marsmissionen.

Im Blog des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gibt es gleich zwei Einträge zur fliegenden Sternwarte SOFIA und demauf diesem Flugzegteleskop montierten Terrahertz-Empfänger (GREAT).

Orbitales

Im letzten Blogteleskop war der letzte Start des vorletzten aktiven Spaceshuttles Endeavour eine der größten Meldungen. Am 29. Mai verlies die Raumfähre endgültig  die ISS. Eindrucksvolle Bilder der ISS ohne und mit angedockter Endeavour gibt es bei Skyweek. Dort sieht man auch Bilder von Endeavours Landung und der Vorbereitung der Atlantis, dem letzten aktiven Spaceshuttle. Auf Lichtecho berichtet Stefan Taube vom Start des Sojus-Raumschiffs zur ISS. Die Atlantis wird Voraussichtlich am 8. Juli zu ihrem letzten Flug aufbrechen.

Die NASA fliegt nach Atantis zunächst nur noch unbemannt die ISS an. Dem Automated Transfer Vehicle (ATV) widmet Relativ-Krisch einen Blogeintrag: Albert Einstein.

Solares

Verlassen wir nun den Erdorbit und begeben uns auf die Reise in das Sonnensystem. Dort begegnet uns die Kometen-Sonde Rosetta. Astronews berichtet vom Beginn ihres Winterschlafs und gibt einen Ausblick auf das Missionsziel.

Wenn Sie Sternschnuppen sehen möchten, verrät Clear Sky-Blog, von wo aus und wann uns Meteore erreichen werden. Und wo wir gerade über Objekte des Sonnensystems reden: Ist Mars eigentlich ein ausgewachsener Planet? Über einen Artikel, der das in Frage stellt, berichtet Astronews: Mars der Planeten-Embryo.

Die Sonne selbst wird wieder aktiver und man konnte diesen Monat spektakuläre Eruptionen beobachten. Florian Freistetter zeigt ein paar eindrucksvolle Videos und kommentriert die Auswirkungen. Jan Hattenbach kommentiert unter dem Titel Sonnensturm im Wasserglas die unsachliche Panikmache in den großen Medien und Astroholl sieht in der deutschen Sonnenhysterie parallelen zu Atomausstieg und EHEC.

Ach ja… und Elenin ist ungefährlich.

Galaktisches

In unserer Galaxie, der Milchstraße, gibt es sicher noch vieles zu entdecken. Hubble hat jetzt blaue Nachzügler aufgespürt. Davon berichten Astrodictum Simplex und Astronews. Junge blaue Sterne hat Hubble auch in alten elliptischen Galaxien gefunden.

Die Suche nach extrasolaren Planeten geht mit großen Schritten voran, scheint aber nicht mehr so viel bloggenswertes zu ergeben. In den letzten vierzehn Tagen erschien hierzu ein einziger Beitrag. Auf dem Forschungsblog im Dual-Blogging. Hier wurde ein extrasolarer Planet mit fortschrittlichen Auswertungsmethoden direkt abgebildet.

Unsere Galaxie hat übrigens eine große Schwester: NGC 6744 ist ihr Name und sie ist etwa doppelt so groß.

Kosmisches

Zu guter letzt noch ein paar Meldungen von außerhalb der Milchstraße. In der Whirlpoolgalaxie hat es eine Supernova gegeben. Kevin Gräff hat sie fotografiert und zeigt uns in Pictures of the Sky eindrucksvolle eigene Aufnahmen. Carolin Liefke erklärt uns eingehender die Besonderheiten der Whirlpoolgalaxie und ihrer Begleitgalaxie. Es handelt sich um einen Zusammenstoß zweier Galaxien. Über einen anderen Fall berichtet Stefan Taube auf Lichtecho: In der Smiley-Galaxie gibt es vermutlich zwei gigantische Schwarze Löcher. Zusammenstöße von Galaxien sind nicht nur wissenschaftlich faszinierend, sie sind auch wunderschön. Der Schönheit wegen weist auch Asterythms auf die Galaxie NGC 2903 hin.

Es ist wissenschaftlich immer besonders spannend, wenn man neue Phänomene entdeckt. Gerade in der Erforschung von Sternen sind Kombinationen aller drei Säulen der Physik, also von Beobachtung, heimischem Experiment und Theorie notwendig, um Details wirklich zu verstehen.  Astronews berichtet von einer neuen, besonders hellen Klasse von Supernovae, das wird Theoretiker beflügeln, neue Modelle zu den Prozessen in fernen Sternen zu entwickeln.

..und zurück auf die Erde

Hiermit schließe ich meinen Ausflug in die Astronomie. Nicht aber, ohne mich für die Ehre zu bedanken, als Nicht-Astronom das Blogteleskop hierher holen zu dürfen, und darauf hinzuweisen, dass das Blogteleskop von der Relativ-Kritisch-Redaktion organisiert wird. Auch wenn ich meine aktive Teilnahme am Forum von Relativ-Kritisch aufgegeben habe, schaue ich dort gerne noch von Zeit zu Zeit vorbei und lese das Blog regelmäßig.

Das nächste Blogteleskop wird am 26. Juni auf dem Clear Sky-Blog erscheinen. Ich freu mich drauf.

Veröffentlicht von

www.quantenwelt.de/

Joachim Schulz ist Gruppenleiter für Probenumgebung an der European XFEL GmbH in Schenefeld bei Hamburg. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in der Quantenoptik, in der er die Wechselwirkung einzelner Atome mit Laserfeldern untersucht hat. Sie führte ihn unter anderem zur Atomphysik mit Synchrotronstrahlung und Clusterphysik mit Freie-Elektronen Lasern. Vier Jahre hat er am Centre for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg Experimente zur kohärenten Röntgenbeugung an Biomolekülen geplant, aufgebaut und durchgeführt. In seiner Freizeit schreibt er zum Beispiel hier im Blog oder an seiner Homepage "Joachims Quantenwelt".

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben