Spurensuche zum Glück

Spitzenverdiener führen die Liste der Depressiven an, und ab 30 000 Euro steigt das Glücksgefühl nicht mehr. Wer sich aber für andere engagiert, lebt zufriedener, gesünder und länger. (1)

Der Einfluss unserer materiellen Lebenssituation auf das Wohlbefinden ist sehr viel geringer als gemeinhin angenommen (Diener & Diener, 1996). Dass für unser persönliches Wohlbefinden vor allen Dingen ein stabiles Umfeld wichtig ist, hat die Glücksforschung schon herausgefunden.  

Geben ist seliger denn nehmen

Ehrenamt und freiwillige Hilfsdienste gehen einher mit positiven sozialen Kontakten, dem Gefühl etwas Sinnvolles zu tun und steigern zusätzlich Selbstachtung und Selbstwertgefühl.

Das scheint eine Untersuchung von Lyubomirsky von der University of California zu bestätigen. Die Ausführung von „freundlichen Handlungen“ über einen Zeitraum von sechs Wochen ließ die Lebenszufriedenheit der entsprechenden Probandengruppe sehr deutlich ansteigen. Lyubomirsky veröffentlichte bereits im Jahr 2005 eine Studie zum Zusammenhang von Erfolg und Glück, wobei hier unter Erfolg auch immaterielle Werte wie bspw. Freunde und Familie gefasst wurden. Während allgemein hin vermutet wird, dass Erfolg glücklich macht, kommt diese Untersuchung zum umgekehrten Ergebnis:

Es gab deutliche Beweise, dass Glück Menschen dazu bringt, sozialer, großzügiger und produktiver zu sein, mehr Geld zu verdienen und ein stärkeres Immunsystem zu haben.“ (2)

Hedonistische Sysyphusarbeit

Ein alter Hut wird jetzt der ein oder andere Leser denken. Trotzdem glauben 53 Prozent der Deutschen immer noch hartnäckig daran, dass Geld der Schüssel zum Glück sei (Studie vom GfM-Getas-Institut). Dabei trägt Geld – gesetzt dem Fall die Grundbedürfnisse des Menschen sind gesichert – wenig zum Wohlbefinden bei.

Stark beeinflusst ist unsere Zufriedenheit durch den sozialen Vergleich. Studenten wurden im Rahmen eines Experiments gefragt, ob sie lieber 50 000 Dollar verdienen möchten, wenn das durchschnittliche Gehalt aller anderen 25 000 Dollar beträgt oder ob sie 100 000 Dollar Verdienst präferieren in einer Gesellschaft, in welcher der Durchschnitt 250 000 Dollar nach Hause trägt. Der Großteil der Probanden wählte die Verteilung des ersten Szenarios und verzichtete auf das Absolute zugunsten des Relativen. Der Mensch scheint mitnichten das rational abwägende Wesen, welches die klassische Wirtschaftstheorie mit dem Homo oeconomicus ausrief.

Der Nachbar hat immer die schönere Frau, das größere Haus, das schnellere Boot, den älteren Weinkeller?

Die Kombination von Neid und dem psychologischen Effekt der Gewöhnung hat eine fatale Wirkung: Mehr Geld bringt uns nicht mehr Glück, sondern lockt uns in ein materialistisches Hamsterrad. Das Risiko in diesem Hamsterrad unglücklich zu werden, ist relativ hoch.(1)

Der so genannte Kontrasteffekt zeigt sich im Experiment eines amerikanischen Forscherteams um Medvec von der Cornell University. Gewinner der Bronzemedaille sind glücklicher als die stolzen Gewinner der Silbermedaille. Die Zweiten konzentrieren sich eher auf den Spitzenplatz ("Beinahe hätte ich Gold gewonnen."), während sich die Drittplatzierten zufrieden auf die Schulter hauen, dass sie überhaupt das Siegertreppchen erklommen haben ("Beinahe wäre ich nur Vierter geworden.").

Was wäre, wenn …

Gedanken dieser Art werden als kontrafaktisches Denken bezeichnet und sind ein Versuch, einen Aspekt der Vergangenheit mental umzuändern durch die Vorstellung dessen, wie es hätte sein können. Vor allem wenn dieses Gedankenspiel dazu führt, dass man im nach hinein erkennt z.B. eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, wird man zukünftig dahin tendieren sich alle Optionen offen zu halten. Doch Untersuchungen weisen darauf hin, dass man mit Entscheidungen, die noch zu ändern sind, unglücklicher ist, als mit einem unveränderlichen Beschluss.

Kontrafaktisches Denken ist eine Schlüsselkomponente des stillen und effektiven Gehirnsystems, das es uns ermöglicht, die Realität zu begreifen, aus Fehlern zu lernen, voranzukommen und unsere Lebensumstände zu verbessern. (3)

Quelle:

Zitate aus: 1 „Geben macht glücklich“, Dummy: Ich, Ausgabe 16, Herbst 2007
2 Psychological Bulletin, (2005), The Benefits of Frequent Positive Affect: Does Happiness Lead to Success? Vol. 131, No. 6, 803 – 855
3 Psychologie Heute, "Ach, hätte ich doch …", Märzausgabe 2007
Die glückliche Gesellschaft“ Richard Loyard

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Glückstheorie

    Von wann ist denn die Studie mit den 30 000 EUR? Von 1950? 😀 😉

    Mal Spaß beiseite, bei dem Betrag muß es sich wohl um netto und nicht um brutto handeln. 30 000 EUR brutto für eine Familie bei den Preisen, da kann das schon zu einem Problem werden. Damit wird man sicher nicht glücklich.

    Als ich mir den Text so durchlas kam die Frage auf, ob man sich das Glück „bauen“ kann. Nicht zuviel Geld verdienen, etwas Spenden, ein bißchen einen auf Mutter Theresia machen, in Gemeinschaft leben, nach „dem Gefühl etwas Sinnvolles zu tun“ streben. Ich denke, das wird nicht ausreichen. Das scheint mir nicht der Kern des Ganzen. Ich habe da eine andere Vermutung.

    Bei Gehirn & Geist habe ich einen interssanten Artikel gefunden. „Auf der Jagd nach dem Glück“ -> http://www.gehirnundgeist.de/artikel/839345

    Zwei Passagen finde ich bemerkenswert.

    „Die sonst undurchdringlich erscheinende Grenze zwischen dem eigenen Selbst und der Außenwelt wird durchlässig. Empfindungen der Nähe oder gar Einheit mit der Umwelt treten auf.“ (S. 12)

    „Dabei sind wir so sehr in eine Tätigkeit vertieft, dass sie uns völlig absorbiert und wir uns selbst und die Welt um uns herum vergessen.“ (S. 14)

    Die Sätze sind jetzt mal aus dem Zusammenhang gerissen, aber sagen im Prinzip das Gleiche aus. Glücklich ist, wer sich selbst vergißt oder auch, je weniger egoistisch, desto glücklicher. Und deshalb ist das Ganze wohl auch so schwierig, denn wie kann man seinem Egoismus entfliehen? Woran klammern, wenn man sich selbst loslassen will? In dem Artikel wurde auch die Religiösität erwähnt, die zur Steigerung des Glückempfinden beitragen kann. Paßt genau. Gerade das Christentum wendet sich gegen den Egoismus und bietet einen Gott an, der das Vakuum fühlt, wenn man sich selbst loslassen möchte.

    Auf der anderen Seite, wenn man nur egoistische Ziele verfolgt (mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Ekstase, mehr, mehr, mehr … für mich), dann wird man nicht glücklich. Das scheinen die ganzen Studien zu bestätigen.

    Bisher sprichts nichts gegen meine kleine (Glücks)Theorie.

  2. Ich denke noch, daß sich aus dem Vergleichen einiges erschließt. Jemanden zu sagen, der nur 30000 verdient, je mehr Geld man hat heißt nicht glücklicher zu sein, wird sich doch leichter sagen können, nun gut, ich hab zwar nicht so viel Geld, aber dafür fühle ich mich glücklich. Es ist nur eine neue Gedankenkonstruktion.
    Da ich selber gerne in derartigen Vergleichen mein Selbstwert höher einschätze, war ich über eine Aussage von Hannah Arendt sinngemäss erschrocken. Fakt ist nun einmal, daß der eine nur 30000 und der andere deutlich mehr verdient, was ja auch eine klare Leistungsaussage ost, der man sich nicht verschließen kann.
    Beim wem fängt man nun an? Glücklich zu sein mit viel oder glücklich sein mit wenig?

  3. Mangelnde Glückskompetenz

    Was das Glück angeht, sind die meisten von uns Stümper und blutige Anfänger. Deshalb sind wir auch so anfällig für die Versuchungen der Werbung. Ständig wird uns einsuggeriert, wir bräuchten nur dies oder das zu kaufen und schon seien wir glücklich.

    Dabei geht Glück ganz anderes. Man kann es nicht kaufen, aber lernen!

  4. Wo wohnt das Glück?

    Ein altes Sprichwort sagt: „Das Glück wohnt im Schwanz der Katze“ Läuft die Katze ihrem Schwanz nach, versucht ihn zu fangen erwischt sie ihn nie. Geht sie aber friedlich von dannen folgt der Katze ihr Schwanz, also ihr Glück, unentwegt.
    Glück lässt sich nicht erzwingen, aber man kann Verhältnisse schaffen, die Glück wahrscheinlich werden lassen. Das Gefühl des Glücks selbst entsteht in unserm Gehirn, hier speziell im Belohnungssystem der Area A 10 dem Dopaminergen System, dem Serotonin-System und den Systemen der endogenen Morphine. Durch geeignete Denk- und Handlungsweisen kann man erreichen dass diese Systeme anspringen – und man ist glücklich. Wenn man weiss wie es geht funktioniert es genau so wie einem das Wasser im Munde zusammenläuft so man an etwas Leckeres denkt oder dieses vor sich sieht, riecht und schmeckt.
    Zum Beispiel das Grundprinzip: „besser als erwartet“ ist eines dieser Glückserzeuger. Sie wollten ein Kleid für dreihundert Euro kaufen und es war überraschend auf zweihundert reduziert, sie mühten sich mit dem Kochen eines Gerichtes ab und es schmeckte besser als gedacht vorzüglich. Oder auch Sie haben das Allerschlimmste befürchtet und es kam nur ein wenig schlimm.
    Ein anderes Prinzip ist der Lebenssinn. Wenn Sie Ihrem Leben einen Sinn geben können, sei es durch das großziehen von fünf Kindern, ein Ehrenamt das der Gemeinschaft dient, oder Sie hingebungsvoll der Natur als Forscher ein Geheimnis entlockten werden sie Glück empfinden. Wer mit dem Sinn übertreibt wird wahnsinnig. Sinn ist Verwand mit Sinnlichkeit, wo wir bei einem weiteren Glücksprinzip angelangt sind dem Hedonismus. Lebensgenuss funktioniert wir in den Artikeln oben erwähnt aber nur bedingt. Man gerät in eine hedonistische Tretmühle und braucht immer mehr, immer neuere Kikks.
    Es gibt noch eine Reihe weiterer Prinzipien, aber das wesentlichste ist es dabei die Balance nicht zu verlieren. Balanceverluste sind der Beginn jeden Übels und Enden bei Übersteigerung stets in der Katastrophe. Versucht man egal auch was es ist, das aus der Balance gakommen ist auszugleichen schlägt das Pendel meist kräftig auf die Gegenseite über das Ziel hinaus.
    Man kann nicht ständig glücklich sein, obwohl manche Maniker, zu denen ich mich vielleicht auch zählen sollte, dem schon sehr nahe kommen.
    Ein ganz wesentlicher Faktor bei der Glückssuche ist das Bewusstsein der eigenen Person. Wer die Frage: „Wer bin ich?“ nicht beantworten kann wird schwer glücklich.
    Bevor ich hier ein ganzes Buch verfasse lade ich Sie auf meine Homepage ein. Hier sollten Sie die Arbeitsblätter lesen: http://www.dpast.de/arbeitsblaetter.htm
    Vergessen Sie nicht, ein gesunder Geist lebt nur in einem gesunden Körper: http://www.dpast.de/koerper.htm
    Viel Spass beim Schmöckern und werden Sie fündig auf der Suche nach dem Glück.
    Man darf mir auch eine Mail schicken, ich antworte, versprochen.
    Dieter Past

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