Das Omega-Faultier

A, B, C-Typen, apha-, beta-, gamma-Trinker, E, G, H, M, R, O, S und T-Stress. Heute befassen wir uns mit Typologien, die immer unsympathisch daherkommen. Das Für und Wider von ihnen wird tagein, tagaus überall diskutiert. Deshalb überspringen wir diesen Punkt und wenden uns gleich einer Kategorie zu aus der Reihe „Persönlichkeitstypen in Sachen Arbeit“.

Da werden unter Aspekten der Autorität, Verantwortung und Durchsetzungsstärke der Alpha-Typus eines klassischen Arbeitstieres in höherer Position, der Beta-Typ als Dienender mit hohem Verantwortungsgefühl und der Delta-Typ als destruktiver Zerstörer ohne Autorität und Verantwortlichkeitsgefühl aufgeführt. Soweit so einleuchtend, wie Typologien es so an sich haben. Als vierte Kategorie hat der Autor die Figur des schimmernden Omega-Faulpelzes erdacht. Dieser „eigenverantwortliche Lebenskünstler repräsentiert die integrierte Form des anstrengungslosen Erfolges“ und wird als Ideal funktionalisiert. Wollen wir doch mal schauen, ob Sie in diese neuartige Kategorie gehören: „Der Omega-Faulpelz-Check zur Selbsteinschätzung“:

* Übung *

Wie steht es mit Ihnen? Gehören auch Sie zur Spezies der Omega-Faulpelze? Der nachfolgende KIOFI-Test (kreativ-intuitive Omega-Faulpelz-Index) gibt hierzu Hinweise. (…)

Die Vergabe der Punktwerte zum Omega-Faulpelz-Check erfolgt nach folgender Skalierung:

Stimmt immer: 6 Punkte
Stimmt häufig: 4 Punkte
Stimmt ab und zu: 2 Punkte
Stimmt gar nicht: 0 Punkte

1. Mein Schreibtisch ist eher chaotisch – ich kann viele Dinge gleichzeitig liegen lassen und kümmere mich lieber um die wesentlichen Aufgaben im Leben.
2. Bei der Arbeit strenge ich mich nicht an – im Gegenteil, ich vermeide stupides Rödeln und mache lieber das Richtige.
3. Wenn etwas heute noch erledigt werden muss, suche ich nach einer kreativen Lösung, wer diese Aufgabe am besten und mit Spaß übernehmen kann.
4. Ich habe gerne meine Ruhe – ob im Beruf oder der Freizeit.
5. Ich schaue anderen gerne bei der Arbeit zu – meinem Chef und dem gesamten Team.
6. Ein Nickerchen in meinem Liegestuhl ist für mich strategische Ressource.
7. Ich empfinde es als schrecklich auch nur in die Nähe von harter Arbeit zu kommen.
8. Ich bin stets gelassen und liebe es, den ganzen Tag auf dem Sofa zu sitzen.
9. Wenn mal etwas nicht klappt, warte ich den richtigen Moment ab, bis sich eine kreative Lösung findet, dann mache ich das Richtige.
10. Ich höre anderen geduldig zu, lasse sie immer ausreden und überlege mir dann eine Antwort, denn die kollektive Intelligenz im Team ist größer als die jeden Einzelnen.
11. Mein Dasein ist im Flow – ich genieße den Tag, während andere auf ihrem Bürostuhl hocken und malochen.
12. Meine Muskeln sind entspannt, das Leben ist ein Honigschlecken.
13. Ich fühle mich verantwortlich für meinen Körper und achte in jedem Moment darauf, dass er sich nicht übernimmt.
14. Ich lebe heute und verbringe nicht meine Lebenszeit damit, Erwartungen aus der Vergangenheit in der Zukunft zu erledigen.
15. Meine Mitarbeiter motiviere ich, damit sie sich ihren Talenten entsprechend so entwickeln können, dass die Arbeit leicht geht und Spaß macht.
16. Ich halte an nichts fest, spiele gern mit den Möglichkeiten und bin stets offen für neue und bessere Lösungen.
17. Ich bin ganz ruhig, wenn andere hektisch werden.
18. Schneller ist kein Vorteil. Auf der Autobahn wie überall fahre ich ganz gemütlich auf der rechten Seite, anstatt angestrengt auf der linken durchs Leben zu hetzen.
19. Ich habe eine Abneigung gegen Handbücher und lineare Arbeitsprozesse – stattdessen kommuniziere ich lieber mit Gleichgesinnten.
20. Nichts ist wirklich ernst.
21. Ich kann gut über mich selbst lachen.
22. Das Zusammensein mit anderen und das Gestalten von Ergebnissen in Netzwerken ist mir wichtig.
23. Scheitern ist für mich ein Erfolgselixier.

Auswertung: Je höher Ihre Punktzahl, desto höher Ihr kreativ-intuitiver Omega-Faulpelz-Index. Sollte dieser gering sein, so befinden Sie sich noch auf der Ebene der Alpha- oder Beta-Tiere. Lassen Sie los und nehmen Sie sich und die Dinge gelassener.

Obwohl ich den Grundgedanken vom Weniger-ist-mehr-Prinzip sehr mag und durchaus gewillt bin hier und da zustimmend zu nicken, schießt der Autor spätestens mit diesem „Test“ weit über das Ziel hinaus. Wer hier volle Punktzahl erreicht, ist nicht der König der Omega-Faultiere, sondern hat ein bedrohlich verzerrtes Selbstbild. Aber das muss sich ja nicht gegenseitig ausschließen. Der Autor scheint in manischen Schüben von einem besseren menschlichen Omega-Typus zu träumen: „Kreativ-intuitive Omega-Faulpelze sind immer über alles informiert und mit der Welt und dem Kosmos verbunden. Sie ignorieren keine E-Mails, sondern surfen auf den Informationsfluten“ und „leben die Fülle, nicht nur die Länge des Lebens“.

Lassen Sie uns die heutige Lektion mit diesem weisen Rat des Omega-Faultieres beschließen:

Der Weniger-ist-mehr-Erfolgs-Tipp vom Omega-Faulpelz: Gießen Sie Ihre Rosen (Talente) statt Unkraut (Schwächen) mit Ihrer „Energießkanne“

Mit den Worten eines Kommentators: "Würde man aus den Buchhandlung diesen Schrott herausholen, wären sie fast leer."

Quelle: Schröder, J.-P. (2006). „Der Omega-Faulpelz. Die Weniger-ist-mehr-Erfolgsstrategie“. Offenbach: GABAL-Verlag GmbH.

Veröffentlicht von

Katja Schwab ist Diplom-Psychologin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin, systemische Körperpsychotherapeutin und zur Zeit in Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin.

20 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Und ich dachte anfangs, das sei ein Scherz! Lustig sind ja auch Items wie die Nr. 15:

    „Meine Mitarbeiter motiviere ich, damit sie sich ihren Talenten entsprechend so entwickeln können, dass die Arbeit leicht geht und Spaß macht.“

    Da stecken ja 5 verschiedene Aussagen drin.

    Die Faktorstruktur des Tests ist nicht publiziert, oder? 😉

  2. @Mathias:

    Das ist ein Test: Du kannst allein für die Frage schon mal bis zu dreißig Punkte bekommen. Erfahrene Faultiere merken sowas natürlich sofort und reißen so ihren Omega-Score leicht auf 250 hoch.

  3. @ Mathias

    Natürlich gibt es hier keine weiterführenden Erklärungen. Der Autor nennt es „Skalierung“ und damit ist der Wissenschaft genüge getan. Da ich gerade nach verwertbaren Tests suche, läuft mir andauernd diese Ratgeber-Literatur über den Weg. Ich überlege eine neue Kategorie in meinem Blog aufzumachen, die Kritik an angeblich psychologisch fundierten Tests, Erfolgsbüchern etc. pp. Mir fehlt nur noch ein ähnlich eingängiger Name wie z.B. Omega-Faultier …

  4. @ Katja

    „Ich überlege eine neue Kategorie in meinem Blog aufzumachen, die Kritik an angeblich psychologisch fundierten Tests, Erfolgsbüchern etc. pp. Mir fehlt nur noch ein ähnlich eingängiger Name wie z.B. Omega-Faultier …“

    Wie wär’s mit:
    „agnothi seauton!“
    („Verkenne dich selbst!“)
    Da hätte sogar die Pythia in Delphi was zum Lachen…

  5. @ Katja – Federn

    Pennae latinae sind lateinische Federn. „(a)gnothi seauton“ is‘ aber griechisch.
    Grüße vom Orakel.
    Lucidanimus Nanus.

  6. @ Katja

    Philipp Melanchthon hiess ursprünglich: „Schwarzerd“. Der Konstrukteur des Audi hiess „Horch“.

    Lucidus: hell
    animus: Gemüt, Mut
    Nanus: Zwerg, Wicht

  7. Eine rare Spezies!

    Hallo,
    das Omega-Faultier, ich finde das durchaus pasent und lustig, Aber jemand der mit Neveau faullenzt hat eben auch Niveau.

    Wir haben aber meiner Meinung nach nur einen Mitarbeiter, der mit Genuss faulenzt. Andere betreiben eher das System des negativen Akords, heißt je weniger Arbeitseinheiten pro Stunde, je höher der virtuelle Akordlohn.
    Leider wird mit dem Globalisierungsdruck
    (Globalisierungslüge), die Anzahl der Wellness-Arbeitsplätze immer geringer.

    Auf dauer werden sich wohl nur die intelegentesten Omega-Faulpelze durchsetzen. Der Autor sollte vielleicht
    ein Weiterbildungmaßnahmen (Bildungsurlaub) entwickeln und vermarkten.
    Für mich persöhnlich ist Fleißigkeit, gegenüber dem befließen wirken, einfach der leichtere Weg.

    Gruß Uwe Kauffmann

  8. Bei mir heißen solche Fragwürdigen „Instrumente“ gerne „Brigitte-Test“.

    Die Idee einer eigenen Kategorie finde ich klasse, Katja. Nimmst Du dann auch Leserwünsche und -einsendungen an („Schau mal was ich gefunden habe…“)

  9. @ Wicht

    „Lucidus: hell
    animus: Gemüt, Mut“

    Ganz grob könnte man Deinen Vornamen auch Satanskühnheit übersetzten, gell. 😉

  10. @ Huhn

    Luzifer..

    Wenn mir einer mal erklären könnte (bitte kein Eso-Kram, sondern handfeste Geisteswissenchaft/Linguistik), wie der Satan ausgerechnet zu DIESEM Namen kam, der ja immerhin sein (späteres) Wesen als Herr der Dunkelheit negiert.

    Und ja, ich weiss schon, dass er der Lieblingsengel des HERRN war. Aber trug er das Licht? Wer gab ihm diesen Namen?

  11. @ Wicht

    Ein Theologe bin ich nicht und Linguist auch nicht, aber vielleicht gibt Du Dich auch mit einer stümperhaften Antwort von mir zufrieden. In der Bibel wird überwiegend das Wort Satan (diabolos – διαβολος) verwendet. Wahrscheinlich ist Luzifer traditionell begründet. In 2. Korinther 11,14 steht: „Kein Wunder, denn auch der Satan tarnt sich als Engel des Lichts.“. Vielleicht kommt ja daher der Begriff Lichtträger. Auch in der Offenbarung, wo es um die apokalyptischen Reiter geht gibt es eine interssante Stelle. „Da sah ich ein weißes Pferd; und der, der auf ihm saß, hatte einen Bogen. Ein Kranz wurde ihm gegeben und als Sieger zog er aus, um zu siegen.“ (Offenbarung 6,2). Damit ist wohl der Antichrist gemeint. Der ist zwar nicht der Teufel, aber ohne satanische Macht wäre er nicht so erfolgreich und der kommt auch wie eine Lichtgestallt daher.

  12. @ Wicht

    Ich weiß jetzt nicht, ob es Dir zu esoterisch wird:

    Der Legende nach verlor Luzifer beim Absturz einen Stein aus der Krone, aus dem der Gral gegossen wurde. Mit dem nahm Josef von Arimathäa das Blut Christi am Kreuz auf. Dieser Stein ist nichts weiter als ein Bild für die Vernunft, die Luzifer verlor. Goethe:
    „…ein wenig besser würd’ er leben,
    hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
    er nennt’s Vernunft und braucht’s allein,
    nur tierischer als jedes Tier zu sein…“
    Luzifer will zurück und kann es nicht, weil in seinen Augen der Mensch genauso blöd ist, wie er! Es ist alles natürlich nur ein Bild für den Widerspruch zwischen Vernunft und Wille, ein Wille, der auch Triebnatur heißt.
    Ich habe Dein Gedicht nicht vergessen -besser kann man, so meine ich, Schopenhauer nicht auf den Punkt bringen.

  13. @ Hilsebein @ Huhn

    Schöne Geschichte, das mit dem Gral!

    Bei Wiki, unter „Lucifer“, hab ich eine Erklärung gefunden, die mir plausibel erscheint. Der hl. Hieronymus hat in der Vulgata den „gefallenen Morgenstern“, der im Original als Metapher für „gefallener Engel/gefallene Person“ steht, mit „Lucifer“ übersetzt. Und da hat er recht getan, denn „Lucifer“ ist im lateinischen schlicht der „Morgenstern/Venus“, der/die das Tageslicht ankündigt/heranträgt.

  14. Omega-Faulpelz

    Ich schaffe es ja nicht einmal, den Test bis zum Ende zu lesen, da wird mir schon bei Punkt 12 übel. Die Ernsthaftigkeit des zititerten Autors halte ich ab da für fragwürdig. Dennoch sind wohl einige vernünftige Punkte dabei wie 13: „Ich fühle mich verantwortlich für meinen Körper und achte in jedem Moment darauf, dass er sich nicht übernimmt“ oder 21: „Ich kann gut über mich selbst lachen“, was ja meines Erachtens lebensnotwendig ist. Also bleibt mir halt mal wieder nur eklektizistisches Lernen von Herrn Schröder.

    Herzliche Grüße

    Peter Pfingstl

  15. Lucifer @ Wicht

    So weit ich weiß, war Lucifer einer der Erzengel und sogar einer der beflissensten. Irdenwann wurd’s dem Herrgott zu bunt und er hat ihn verstoßen. Da war’s vorbei mit dem Himmel.

    Ist das schon zu esoterisch?

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