Maximale Verfinsterung von ca. 74%

Sofi 2015

Der gestrige Blick auf die Wetter-App sagte für heute bereits schönes Wetter voraus, sodass die Grungstimmung zur heutigen Sonnenfinsternis, die im hohen Norden sogar total war, sehr gut war. Als dann heute morgen noch das warme, rötliche Sonnenlicht durch die Rolladenschlitze schien, war mir klar: Das wird heute eine fantastische Beobachtung! Lediglich etwas Frühnebel lag in der Luft – die Sonnenscheibe konnte man aber bereits trotz dem noch tiefen Stand der Sonne deutlich sehen.

 

Also ging’s dann los nach Darmstadt-Eberstadt, wo sich die Arbeitsgemeinschaft für Astronomie und Weltraumtechnik (AAW-Darmstadt) zum öffentlichen Beobachten versammelte.

 

Das Wetter wurde immer besser und nachdem ich das Teleskop aufgebaut, mit Sonnenschutzfolie versehen und ausgenordet hatte, konnte ich bereits erste Testaufnahmen machen.

 

Um kurz nach 9:30 Uhr ging es dann los. Vom rechten oberen Rand der Sonne schob sich der Mond langsam vor die Sonnenscheibe. Zunächst war nur eine sehr leichte „Delle“ in der sonst so gleichmäßigen, runden Sonnenscheibe. Doch man konnte die Bewegung des Mondes relativ zur Sonne direkt nachverfolgen. Zügig wurde die Verdunklung größer.

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015 Der Mond schiebt sich langsam vor die Sonne

Sonnenfinsternis vom 20.3.2015
Der Mond schiebt sich langsam vor die Sonne

Man beachte den kleinen Sonnenfleck auf der Linken Seite des Bildes. Dieser wurde später dann auch vom Mond verdeckt.

 

Zu diesem Zeitpunkt bemerkte man, wenn man nicht gerade mit Sonnenschutzfolie auf die Sonne schaute, noch nichts von der Finsternis. Dies änderte sich allerdings, als das Maximum der Bedeckung immer näher kam.

Maximale Verfinsterung von ca. 74%

Maximale Verfinsterung von ca. 74%

 

Man bemerkte nun, dass das Umgebungslicht sehr fahl erschien. Es war wie eine Mischung aus Morgendämmerung und einem bewölkten Tag, nur dass der Himmel noch blau erschien. Allerdings war dieses blau nicht so strahlend, wie man es gewohnt ist, sondern noch von einem kühlen grau überlagert. Im Unterschied zu einer Morgendämmerung war das Gesamtbild der Landschaft nicht mit dem gewohnten rötlichen Ton versehen, sondern eher in ein unheimliches blau getaucht. Dies liegt daran, dass die Sonne für diese Lichtintensität schon viel zu hoch am Himmel stand. Dadurch wird der blaue Anteil des Sonnenlichtes nicht so stark von der Atmosphäre absorbiert, wie es geschehen würde, wenn die Sonne tief am Himmel steht. Somit erscheint die Sonne für den heutigen Spezialfall nicht rötlich, sondern eben im gewohnten Mittagsfarbton. Genau diese Diskrepanz zwischen Intensität des Sonnenlichts, welches eher dem frühen Morgen oder dem Abend entspricht, und der Farbgebung des Mittags sorgen beim Menschen und auch bei Tieren für ein ungewohntes, ja sogar mulmiges Gefühl. Uns fiel auf, dass die Eichelhäher, die kurz zuvor noch mit starkem krächzen umherflogen, plötzlich ganz ruhig waren.

 

Ein Panoramabild zum Einfangen der Stimmung

Ein Panoramabild zum Einfangen der Stimmung

 

Zudem wurde es um einige Grad kühler. Auch dies verstärkte die Wirkung des Geschehens. Man konnte wirklich gut nachvollziehen, dass die früheren Völker den Sonnenfinsternissen solch starke Bedeutungen zuschrieben.

 

Doch trotz der maximalen Verfinsterung erschien die Sonne immer noch so strahlend, dass man immer noch nicht bemerkt hätte (von den oben beschriebenen Veränderungen mal abgesehen) dass die Sonne nicht mehr in vollem Glanz dasteht.

Die maximale Verdunklung wurde bereits überwunden

Die maximale Verdunklung wurde bereits überwunden

 

Nun wurde der prozentuale Verdunklungsanteil der Sonne stetig immer geringer und das fahle Licht erschien Stück für Stück immer normaler.

Nach einigen Minuten war der Mond dann so weit weitergewandert, dass er den bereits erwähnten Sonnenfleck nicht mehr bedeckte. Besonders in der Nähe des Sonnenflecks konnte man bei einer 40-fachen Vergrößerung die hohe projizierte Relativgeschwindigkeit zwischen Mond und Sonne erahnen, denn der Sonnenfleck stellte einen ruhenden Referenzpunkt auf der Sonnenoberfläche dar.

Der letzte "Kontakt" zwischen der Mondscheibe und der Sonnenscheibe

Der letzte „Kontakt“ zwischen der Mondscheibe und der Sonnenscheibe

Auf der linken Seite des Bildes oben sieht man den letzten Teil des Mondes, der die Sonnenscheibe noch gerade so bedeckt. Wenige Sekunden später hatte die Sonne wieder ihren gewohnten Anblick.

 

Zur besseren Darstellung habe ich nun einmal einige Bilder in einer Kollage zusammengefasst. Die Orientierung der Sonne ist dabei einigermaßen gleich geblieben. Links ist der Beginn und rechts das Ende der Finsternis.

Sonnenfinsternis Kollage

Sonnenfinsternis Kollage

 

Zudem erstellte ich mit der Videokamera eine kurze Zeitraffersequenz. Die Position der Kamera blieb dabei unverändert, sodass man den tatsächlichen Verlauf von Sonne und Mond nachvollziehen kann.

 

 

 

 

Kevin Gräff

Veröffentlicht von

Ich bin 1992 geboren und besuchte bis zum Abitur das "Gymnasium Gernsheim". Dort war ich in den Leistungskursen Mathe und Physik. Zur Zeit studiere ich Physik an der Technischen Universität in Darmstadt. Ich interessiere mich schon sehr lange für allerlei Wissenschaften, was wohl auch die Studienfachwahl begründen dürfte. Seit Ende 2006 beschäftige ich mich aktiv mit der Astronomie, worauf bald die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt folgte. Kevin Gräff

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