h und χ Persei

Nach etwas Unistress in den letzten Monaten melde ich mich nun endlich wieder zurück und arbeite mal eine Beobachtung vom November letzten Jahres auf.

Es handelt sich dabei um eines meiner liebsten Beobachtungsobjekte, welches man zudem wunderbar mit dem freien Auge beobachten kann: h und χ Persei.

Es handelt sich dabei um gleich zwei Sternhaufen im lockeren Verbund – also zwei offene Sternhaufen.  Offene Sternhaufen sind nicht nur Ansammlungen von Sternen, die von der Erde aus betrachtet zufällig nahe beieinander erscheinen, sondern sie stehen wirklich nah beisammen. Aus diesem Grund wechselwirken sie auch gravitativ. Nicht nur das, man kann sogar nachweisen, dass die Sterne die zum Verband gehören ähnlich zusammengesetzt sind, was auf einen gemeinsamen Ursprung zurückzuführen ist. Die Sterne im Verband stammen also alle von ein und derselben Riesenmolekülwolke.

Im Gegensatz zu Kugelsternhaufen, die sich hauptsätzlich im Halo von Galaxien, unserer eingeschlossen,  befinden, befinden sich offene Sternhaufen eher im Inneren der Galaxien. In elliptischen Galaxien, die besonders alt sind und in denen die Sternenverteilung mittlerweile recht homogen verteilt ist, findet man in der Regel keine Sternhaufen mehr.  Ein weiterer Gegensatz zu Kugelsternhaufen findet sich in der Langzeitstabilität: Kugelsternhaufen kann man quasi als geschlossene Systeme betrachten, die durchaus sehr alt werden können, während offene Sternhaufen nach deren Entstehung relativ schnell auseinanderdriften.  Als gutes Beispiel für dieses auseinanderdriften seien die Hyaden zu nennen, deren einzelne Sterne mittlerweile so weit auseinander stehen, dass sie fast das ganze Sternbild Stier bilden.

Doch zurück zu h und χ Persei. Dieser Doppelsternhaufen lässt sich eigentlich das ganze Jahr über beobachten, da er niemals unter dem Horizont verschwindet. Im Winter jedoch steht der Doppelsternhaufen besonders hoch und somit beobachtungsgünstig.

Mit dem bloßen Auge ist er als nebliges Fleckchen mittig zwischen den Sternbildern Perseus (dem er auch zugeordnet ist) und Kassiopeia.  Mit einem einfachen Fernglas ist die Beschaffenheit schon deutlich zu erkennen – man kann durchaus einzelne Sterne identifizieren. Mit einem Übersichtsokkular, also kleinstmöglicher Vergrößerung, erscheint der Doppelsternhaufen am eindrucksvollsten. Höhere Vergrößerungen führen dazu, dass man nicht mehr beide Sternhaufen im Gesichtsfeld hat und auch die Sternendichte scheinbar abnimmt (natürlich nur eine Art optischer Täuschung).

Mit der Canon Eos 350d direkt im Strahlengang eines 200/1000 mm Newtonteleskops  ist es gerade so möglich, beide Sternhaufen abzubilden. Dies geschah im Folgenden mit 20 Bildern, die jeweils ca. 25 Sekunden lang bei Iso 800 belichtet wurden. Addiert wurden die Bilder mittels Deep Sky Stacker. Die Nachbearbeitung, sprich das Histogramm Stretching geschah mit Fitswork.

Credit: Kevin Gräff h und Chi Persei vom 21.11.2016

 

Man bemerkt einige Sterne, die eine rötliche Farbe aufweisen. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich hierbei um Vordergrundsterne handeln könnte. Dies ist aber bis heute noch nicht ganz geklärt. Diese rötlichen Sterne scheinen allerdings älter zu sein, als die weißlich-blauen Sterne des Doppelsternhaufens.

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Ich bin 1992 geboren und besuchte bis zum Abitur das "Gymnasium Gernsheim". Dort war ich in den Leistungskursen Mathe und Physik. Zur Zeit studiere ich Physik an der Technischen Universität in Darmstadt. Ich interessiere mich schon sehr lange für allerlei Wissenschaften, was wohl auch die Studienfachwahl begründen dürfte. Seit Ende 2006 beschäftige ich mich aktiv mit der Astronomie, worauf bald die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt folgte. Kevin Gräff

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Den Doppelhaufen hast du gut getroffen, aber ein Komakorrektor wäre angebracht.
    Außerdem ist sind die Sterne am Rand ungleichmäßig verzogen, was auf eine mangelhafte Justage (wahrscheinlich Verkippung am Fangspiegel) hindeutet.

    Schönes Wochenende und CS.

    =)

    • Hallo, danke für die konstruktive Kritik! Das mit der Justage kann wirklich sein! Da muss ich mal wieder ran.

      An einen Komakotrektor habe ich auch schon gedacht. Das steht schon auf der Liste.

      Grüße
      Kevin Gräff

  2. Die Aufnahme finde ich nicht schlecht und das von @Schmidt erwähnte Koma stört nicht. Deshalb wird sich die Anschaffung eines Koma-Korrektors kaum lohnen, zumal preiswerte Bildkorrektoren selbst oft Abbildungsfehler erzeugen.

    Allerdings musste ich erst mal googeln, ob es sich bei „h und χ Persei“ um die Sternhaufen NGC 869 und NGC 884 handelt, die ich mal auf meiner Heimatsternwarte beobachten konnte. Leider ist diese wegen Bauarbeiten seit längerem geschlossen und so habe ich keine Gelegenheit mehr durch ein gutes Teleskop zu schauen. Mit bloßem Auge kann ich die beiden Sternhaufen nicht sehen. Schuld ist die Luftverschmutzung, die immer größere Ausmaße annimmt. In der „Zeit“ fand sich kürzlich eine Deutschlandkarte, die flächendeckend Abweichungen von der natürlichen Himmelshelligkeit zeigt. Einen komplett dunklen Himmel gibt es leider nirgendwo mehr in Deutschland.

    http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/52/sternenhimmel-dunkelheit-sicht-deutschlandkarte

  3. Korrigierst du eigentlich auch die Lichtverschmutzung irgendwie raus, oder ist die bei dir gar kein Thema? Das Bild ist so schön dunkel, was ich bei der Gesamtbelichtungszeit doch erstaunlich finde.

  4. Hallo Kevin,

    ein schöner Bericht über den schönen Doppelhaufen. Danke für´s vorstellen.

    Ich muss leider Mona widersprechen – klar macht der Komakorrektor bei Deinem f/5-Newton Sinn! Ich nutze selbst seit ein paar Jahren einen günstigen (ca. 100€) Korrektor von TS, habe nur seit dem ich das Teil habe nicht mehr soviel mit dem Newton fotografiert. Daher ist auf den meisten der Aufnahmen auf meiner Webseite das Koma auch noch deutlich zu sehen.

    Der Korrektor wird die Sternabbildung deutlich verbessern. In Deiner Aufnahme ist aber der Justagefehler auffälliger und wenn Du schreibst, dass Du da „mal wieder ran musst“, dann kann ich Dir nur raten, die Justage vor jeder Beobachtung zu prüfen und durchzuführen.

    Gruß und klaren Himmel
    Heiko

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