Of Stars And (Green) Stripes (1)

Im Urlaub ist es manchmal gar nicht so einfach, Astronomie zu betreiben, denn meistens hat man kein Teleskop zur Verfügung. Wenn man dann noch in besonders dunklen Gegenden unterwegs ist, muss man irgendwie anders zum Beobachten kommen. Die optimale Kompaktlösung ist dann zwangsläufig das Fernglas.

 

Der Kompaktlösung Fernglas und der Kamera auf Stativ habe ich bei unserem letzten USA-Urlaub viel zu verdanken! Die erste für einen Flachlandeuropäer wie mich wirklich beeindruckende Beobachtung gelang mir im Yellowstone-Nationalpark. Durch die Abgeschiedenheit und Größe des Parks, der zum Großteil im fast menschenleeren Wyoming liegt, ist der Himmel besonders dunkel. Vor allem, wenn dann noch gutes Wetter und ein Mond mit sehr früher Mondphase herrscht, ist die Milchstraße in einer derartigen Helligkeit zu erkennen, dass es einem vorkommt, als würde sie Schatten werfen. Das was ich besonders interessant fand, war die Tatsache, dass die Milchstraße sogar unter einer der wenigen Straßenlaternen noch sehr hell und deutlich ersichtlich war. Daran merkt man einmal mehr, dass die Lichtverschmutzung in größeren Städten und deren Umgebung eine viel stärkere negative Wirkung auf die Himmelswahrnehmung hat, als die Pupillenverengung beim Blick in direktes, helles Licht. Die städtische Lichtverschmutzung zerstört die Informationen also insofern, als dass sie den gesamten Hintergrund extrem aufhellt und den Kontrast gegen Null gehen lässt. Da ist es dann manchmal auch nur noch egal, ob man mit empfindlicheren Instrumenten wie Teleskopen oder mit dem bloßen Auge in den Himmel schaut – es ist einfach immer rot oder hellgrau….

 

Der Mond über dem Yellowstone Lake

Der Mond über dem Yellowstone Lake

Aber im Yellowstone-Park mit nachweislich maximal geschlossener Pupille immer noch die Milchstraße sehen zu können, das beeindruckt!

Aus diesem Grund wusste ich, dass die Nacht etwas länger wird. Ich packte das Fernglas und die Spiegelreflexkamera mit Weitwinkelobjektiv ein und lief zum Lake Yellowstone, der von unserer Hütte keine 200m entfernt lag.

Nach der ersten Testaufnahme konnte ich dann meinen Augen nicht trauen, was da auf dem Kameradisplay zu sehen war! Eine unglaublich prägnante Milchstraße, fast so beeindruckend, wie die Aufnahmen von Jan Hattenbach aus der Atacama-Wüste. Und das Beste war, dass sie sich auch noch im Wasser des riesigen Sees spiegelte. Das konnte man mit bloßem Auge zwar auch sehen, aber diese Reflexe noch auf ein Bild zu packen stellte ich mir wesentlich schwieriger vor. Wahrscheinlich, weil ich die schlechteren Bedingungen in Deutschland gewohnt bin.

So entstanden also folgendes Bild:

Die Milchstraße über dem Yellowstone Lake

Die Milchstraße über dem Yellowstone Lake

Natürlich begutachtete ich mit dem Fernglas noch den ein oder anderen Kugelsternhaufen, die recht schwer zu identifizieren waren. Der Grund dafür war aber wenigstens ein erfreulicher: Es waren einfach zu viele Sterne im Gesichtsfeld. Ganz sicher war ich mir bei den prägnanteren Objekten wie dem Omeganebel.

Als es dann langsam anfing zu gefrieren und ich das Fernglas nicht mehr richtig still halten konnte (der Stativadapter lag zuhause in Deutschland) baute ich die Ausrüstung ab und ging schlafen. Am nächsten morgen war ich dann leicht erschrocken, weil ich realisierte, wie tief man denn wirklich in der Wildnis steckte:

 

Wapitihirsche - irgendwie immer überall!

Wapitihirsche – irgendwie immer überall!

 

Bisons trifft man auch oft!

Bisons trifft man auch oft!

 

Gut versteckte Wapitihirsche.

Gut versteckte Wapitihirsche.

Bisons in rauen Mengen und sehr viele Wapitis und das direkt hinter der kleinen Hütte. Zum Glück bleiben sie recht friedlich, wenn man sie nur in Ruhe lässt. Und dieses Kriterium habe ich (zum Glück) beim nächtlichen Beobachten zwangsläufig erfüllt. Immerhin schreit man bei der Astronomie selten in der Gegend herum oder versucht Bisons zu reiten…^^

In der nächsten Nacht entstand bei nicht annähernd so gutem Wetter wie zuvor folgendes Bild im Hayden Valley. Hier war es mir allerdings nicht mehr ganz so geheuer, weshalb ich das Bild nahe am Auto gemacht habe. Der Grund dafür waren die vielen Geräusche die definitiv aus der Nähe stammten und sich auch noch annäherten. Kurz zuvor hatten wir hier mit Rangern eine Grizzlybärin beobachtet und die können wirklich unangenehme Zeitgenossen sein.

Durch die Nähe zum Auto mit leuchtenden Bremslichtern erscheint die Landschaft im Hintergrund rötlich beleuchtet.

Sterne über dem Hayden Valley

Sterne über dem Hayden Valley

 

Die nächste „Möglichkeit“ für etwas Astronomie ergab sich in dem kleinen, sehr touristisch angehauchten Städtchen Jackson. Zugegeben, die vier Tore aus abgeworfenen Wapitigeweihen, die die Eingänge des zentralen Parks säumen, geben dem Westernstädtchen einen Hauch von Wildnis und Rauheit, doch von der Beleuchtung der anreihenden Restaurants gleicht es eher Las Vegas. Aber wenigstens sind die starken Lichtquellen stark konzentriert und stören von etwas weiter weg betrachtet eher wenig. Nichtsdestotrotz stand ich genau im Zentrum und fotografierte einfach mal drauf los. Natürlich entstanden folgende Bilder wieder mit einem Stativ. Belichtet wurde mehrere Sekunden, in Etwa so lange, dass die vom Streulicht der Restaurants beleuchteten Bögen nicht überbelichtet wurden.

Das Geweihtor zum Stadtpark

Das Geweihtor zum Stadtpark

 

Im Hintergrund erscheint der Mond.

Im Hintergrund erscheint der Mond.

 

Eine Cowboyskulptur im Stadtpark.

Eine Cowboyskulptur im Stadtpark.

Wieder Abseits von größeren Städten fanden wir uns in der atemberaubenden Natur des Bryce Canyon Nationalparks. Nach langer Wanderung durch den Abbruchkantenbereich, in dem viele beeindruckende Felssäulen, sogenannte Hoodoos stehen, ging der Mond auf. Die Hoodoos und der Mond ergänzen sich gegenseitig zu einer ansehnlichen Bildkomposition, die mit eigenen Augen natürlich noch sehr viel präsenter ist, als man es mit Fotos darstellen kann. Ich habe es aber dennoch mal ausprobiert und das kam dabei heraus:

Der Mond über einem Hoodoo.

Der Mond über einem Hoodoo.

 

Der Mond über "unfertigen" Hoodoos

Der Mond über „unfertigen“ Hoodoos

 

Und noch einmal der Mond über einem Hoodoo.

Und noch einmal der Mond über einem Hoodoo.

Eine besondere Schwierigkeit ist hier die Wahl des Fokuspunktes. Mit dem Zoomobjektiv, welches den Mond recht groß darstellt, habe ich natürlich den Mond fokussiert, da er mehr als nur wenige Pixel ausfüllt und Details erkennbar sind. Bei den weitwinkligen Bildern wird man nahezu gezwungen, auf die umgebende Landschaft scharf zu stellen, da sonst das ganze Bild unscharf aussieht, obwohl man den Mond vielleicht absolut scharf abgebildet hat.

 

Gegen Abend wurden wir dann noch von Parkrangern zum Beobachten mit Teleskopen eingeladen. Das lag eventuell an dem offensichtlich großen Interesse am Mond 😉

Interessant finde ich das mittlerweile recht große astronomische Angebot in nahezu sämtlichen Nationalparks der USA. Der Bryce Canyon Nationalpark bezeichnet sich als Night Sky Sanctuary, andere Parks sind sogar zertifizierte International Dark Sky Parks (IDSP). Überall ist das eine oder andere größere Dobsonteleskop zu erspähen, dass bei gutem Wetter sicherlich auch eingesetzt wird (keines der Teleskope war verstaubt).

Dieser Trend scheint mittlerweile auch in Deuschland anzukommen, man betrachte nur einmal diverse Projekte wie in der Rhön. Eine sehr gute Entwicklung!

Leider hatten wir im Bryce Canyon keine guten Voraussetzungen, denn nach dem wolkenlosen Himmel den ganzen Tag über zog gegen Nacht von Westen her eine Gewitterzelle auf. Daher fiel auch der Beobachtungsabend aus. Dagegen konnte man halt leider nichts machen.

 

Fortsetzung folgt!

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Ich bin 1992 geboren und besuchte bis zum Abitur das "Gymnasium Gernsheim". Dort war ich in den Leistungskursen Mathe und Physik. Zur Zeit studiere ich Physik an der Technischen Universität in Darmstadt. Ich interessiere mich schon sehr lange für allerlei Wissenschaften, was wohl auch die Studienfachwahl begründen dürfte. Seit Ende 2006 beschäftige ich mich aktiv mit der Astronomie, worauf bald die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt folgte. Kevin Gräff

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Eine schöne Reise und die Astro-Aufnahmen sind wirklich beeindruckend. Als ich ein Kind war, konnte man die Michstraße auch bei uns mit bloßem Auge sehen, das ist inzwischen jedoch schwierig geworden. Aus diesem Grund freue ich mich schon auf die Fortsetzung der Reisebeschreibung und neue interessante Bilder.

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