Grüner Wandel auf kommunaler Ebene – Beispiele aus Stockholm, München, Mexiko Stadt und den USA

Greening the Economy Logo (Foto: Böll-Stiftung)

Man muss nicht auch internationalen Konsens warten, um die große Transformation in Angriff zu nehmen. Es geht auch auf kommunaler Ebene, wie verschiedene Städte bewiesen haben – nur nicht ohne Geld. Ein paar Beispiele.

40 Prozent weniger Umweltbeeinträchtigungen in Stockholm-Hammarby

Malena Karlsson stellte einen der Vorzeigestadtteile der Welt vor, wenn es um Nachhaltigkeit geht: Hammarby in Stockholm. Gegenüber dem Stadtdurchschnitt sollte dieser vor 15 Jahren geplante Stadtteil 50 Prozent weniger Auswirkungen auf die Umwelt haben. 30 bis 40 Prozent wurden erreicht. Endgültig fertig soll der Stadtteil in acht Jahren sein. Was haben die Schweden gemacht?

Sie haben 4000 Wohnungen für 26000 Einwohner errichtet, von Anfang an ausgezeichnete ÖPNV-Verbindungen angeboten, damit Autos möglichst unnötig sind, und ein Fünftel des Stadtteils in Grünflächen verwandelt. Und jetzt wird es spannend: Jede Wohnung hat einen Recyclingraum, wo der sortierte Müll über unterirdische Röhrensysteme abtransportiert wird. Aus der sauberen Verbrennung des Restmülls entstehen Wärme und Strom. Ähnliches geschieht mit behandelten Abwässern: Ihnen wird Wärme entzogen, um damit Gebäude zu heizen, und das resultierende kühle Wasser wird an anderer Stelle noch einmal zum Kühlen verwendet. Aus dem Schlamm des Abwassers wird Biogas für die Stadtbusse erzeugt, und der Rest landet als Dünger auf den Feldern. Sonnenenergie heizt die Hälfte allen Warmwassers. Der Wasserverbrauch insgesamt ging um ein Viertel zurück, vor allem durch sparsame Wasserhähne und Toilettenspülungen.

Gemeinsames Handeln aller in München

Nicht ganz so konkrete Maßnahmen konnte Hep Monatzeder berichten, stellvertretender Bürgermeister von München. Ihm ging es um drei grundsätzliche Projekte der Stadt: Das Bündnis München für Klimaschutz versammelt mehr als 100 Firmen, Vereine, Medien und politische Organsiationen, um konkrete Klimaschutzprojekte zu entwickeln. Zum Teil durch Fördermaßnahmen unterstützt entstanden so bereits über 30 Maßnahmen, darunter ein Klimasparbuch für die Bürger. Darin finden sich Tipps und Gutscheine. Das zweite Projekt der Stadt ist das Integrierte Handlungsprogramm Klimaschutz. Unter Beteiligung aller Referate und Tochtergesellschaften der Stadt entstehen dort langfristige Maßnahmen zum Klimaschutz und werden Investitionen geplant, die sich rechnen sollen, indem sie den Energieverbrauch der Stadt senken. Als drittes Projekt gilt die Ausbauoffensive Erneuerbare Energien der Stadtwerke München (die die Stadt nicht verkauft hat). Bis 2015 sollen die Stadtwerke den Strombedarf der Bürger aus erneuerbaren Energien decken, 2025 soll der komplette Strombedarf der Stadt in Höhe von 7,5 Milliarden Kilowattstunden erneuerbar sein. 2030 will die Stadt gegenüber 1990 50 Prozent CO2 einsparen. Möglich machen sollen das Investitionen von neun Milliarden Euro in den nächsten Jahren. Ich schätze, Duisburg wird das Konzept nicht kopieren…

Mexiko Stadt halbierte Luftverschmutzung in 15 Jahren

Wichtig, aber wohl nicht so lehrreich für uns war noch der Beitrag von J. Victor Hugo Páramo Figueroa, der in Mexiko Stadt für die Luftqualität zuständig ist. Tatsächlich ist es der Stadt, die Anfang der 1990er Jahre Weltrekordhalter in dreckiger Luft war (neun von zehn Tagen waren gesundheitsschädlich), gelungen, die Verschmutzung zu halbieren. Uns überraschen die Maßnahmen wohl nicht so sehr: bleifreies Benzin und mehr Radwege sind darunter. Trotzdem ist es gut, zu sehen, dass etablierte Methode auch in Megastädten außerhalb der Industriestaaten greifen.

USA kann von Europa lernen und hat damit auch begonnen

Einen Einblick in die USA gab noch Dale Medearis, der aktuell an der FU Berlin lehrt. Dort sehe man internationale Zusammenarbeit immer noch oft als etwas unterhaltsames – wie einen Schüleraustausch –, aber als verschwendete Zeit. Trotzdem entstehen auch dort die ersten kommunalen Energiepläne, und man blickt interessiert auf Dinge wie den Energieausweis, das Passivhaus sowie öffentlichen Transportmittel und Fahrräder. Kopierer gibt Medearis drei Tipps an die Hand: Zuerst müsse man den Kontext von Maßnahmen verstehen, dann die quantitativen Ergebnisse messen, und zuletzt analysieren, wie sich das lokal übertragen lässt. Schönes Beispiel aus dem ÖPNV: In den USA gilt er in der in Deutschland üblichen Dichte und Qualität als unrentabel, wird er doch in Deutschland zu durchschnittlich 30 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert. Der wesentlich schlechtere ÖPNV der USA wird jedoch zu 60 Prozent öffentlich finanziert – was kaum jemand wahrnimmt.

Die Konferenz ist längst nicht vorbei, es gab schon einige interessante Impulse, über die ich noch nicht schreiben konnte (vier weitere Programmabschnitte werde ich in den nächsten Tagen hier verarbeiten), doch eines ist inzwischen deutlich: Die große Transformation ist weltweit längst im Gange, weil viele das Problem begriffen haben und nicht auf internationale Abkommen oder auch nur nationale Regierungen warten wollen.

Björn Lohmann

Veröffentlicht von

www.buero32.de

Björn Lohmann ist freier Wissenschaftsjournalist und Trainer für Onlineredakteure. Sein Anliegen ist es, die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zu hinterfragen, die unser aller Leben maßgeblich beeinflussen - denn nicht immer sind die Prioritäten von Forschern, Unternehmern und Politikern die besten im Interesse der Gesellschaft. In seiner Freizeit rettet Björn Lohmann die Welt, weil er findet, dass es sich mit ihr einfach netter lebt.

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