Teure Imagepflege: Wo sind die Grenzen des Wissenschaftsmarketings?

von Peter Zekert – Ende 2011 berichtete das Laborjournal über einen Fall kostspieliger Wissenschafts-PR, den Forscher als Warnung zur Kenntnis nehmen sollten. Der Artikel wurde nicht online gestellt, geht aber auf den Post „Nepper, Schlepper, Forscherfänger“ im Blog des Magazins zurück.

Ein unbekannter Anrufer fragt bei einem Institut nach der Leiterin.„Er arbeite für ein Publikationsorgan … des Public Service Review. Dieses würde daran mitwirken, Entscheidungsträger der EU darüber aufzuklären, in welche Forschungsgebiete diese zukünftig mehr Geld stecken müsse.“ Der Anrufer plane gerade die nächste Ausgabe und habe gehört, die Forscherin sei DIE Expertin auf ihrem Gebiet. Dann kommt das Angebot: „er würde gerne vorschlagen, dass ich darin auf zwei Seiten über meine Arbeit berichte. Das sei dann unglaublich prestigeträchtig, allerdings eben auch schrecklich dringend. Irgendwann erwähnt der Anrufer noch, dass jeder Autor Page Charges zahlen muss, damit der Artikel erscheint.“

9000 Euro hätte es die Forscherin und ihr Institut gekostet, wäre sie auf das Angebot eingegangen. Bekommen hätte sie dafür ein Advertorial – eine Anzeige, deren Layout dem eines redaktionellen Artikels ähnelt. Solche bezahlten Texte machten einen beträchtlichen Teil des Heftumfangs aus, wie die Laborjournal-Autorin herausfand, als es ihr nach einiger Mühe gelang, ein gedrucktes Exemplar der angeblich so prestigeträchtigen Publikation in die Hände zu bekommen.

Bei derartigen Angeboten fällt es nicht schwer, Nein zu sagen. Doch der geschilderte Fall ist nur ein extremes Beispiel für eine Entwicklung, bei der auch angesehene Verlage mitmischen: Die Art, wie Forschung an die Öffentlichkeit kommuniziert wird, verschiebt sich zunehmend in Richtung Marketing. Speziell auf die Wissenschaft zugeschnittene Advertorial-Formate bieten inzwischen viele Medienhäuser an. Auch die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (DIE ZEIT, Tagesspiegel, Handelsblatt), zu der auch Spektrum der Wissenschaft und Scilogs gehören, beteiligt sich daran.

Das ZEIT-Spezial „Wie wird geforscht in…“ ist aus meiner Sicht das problematischste unter diesen Angeboten. Alle zwei Monate stellt das Format eine deutsche Wissenschaftsregion vor, mit einer Beilage in der ZEIT und einem zehnseitigen „Serviceteil“ im Magazin ZEIT Wissen. Im August 2011 sollte Mitteldeutschland im Fokus stehen. 650 Euro sollte dabei allein die Nennung auf dem Titel kosten, der als eine Art Übersichtkarte gestaltet war; buchbar nur in Verbindung mit anderen, hochpreisigen Advertorials im Inneren der Beilage. Die Preisliste ist hier zu finden.

In kleineren Runden wurde das Angebot von vielen Leipziger Wissenschafts-Presseverantwortlichen kritisch diskutiert. Das Spezial „Wie wird geforscht in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt“ erschien dann schließlich in der ZEIT-Ausgabe vom 04. August, mit der Übersichtskarte der Forschungsregion auf der Titelseite. Leipzig fehlte dort, Halle ebenso. Wir hatten nicht gezahlt.

zeit karte

Mitteldeutsche Hotspots der Forschung. Nicht im Bild: Leipzig, Halle, Freiberg

zeit anzeige

Trotz redaktioneller Anmutung findet sich in der linken Ecke der Zusatz „Anzeige“. Bei einem Teil der Texte gibt es zusätzlich die Dachzeile, „Ein Beitrag von + Name der Institution“. Nicht ganz klar ist, welchen Status die Texte der Beilage haben, die diesen Zusatz nicht tragen.

Die Titelseite wirkt auf mich, als werde darauf spekuliert, dass ein möglichst großer Teil der Leser den Anzeigencharakter nicht erfasst und die Beilage im Sinne eines redaktionell ausgewählten „Who is Who“ der Forschungsregion missversteht. Ich denke, dass die Verwechslung hier einkalkuliert ist. Es scheint, als ob die Planer der Beilage darauf gesetzt haben, dass Pressebeauftragte sich sorgen, wie es nach außen und innen wirkt, wenn das Nachbarinstitut groß in der ZEIT steht, das eigene aber nicht. Indem man das Ganze als „Spezial“ über eine bestimmte Forschungslandschaft betitelt, wird Druck aufgebaut, dort als Institution oder Stadt vorkommen zu müssen. Wer nicht zahlt, ist nicht dabei. So lautet die unausgesprochene kleine Drohung bei diesem vermeintlichen Serviceprodukt.

Wie erklärt es sich eigentlich, dass Forscher auf einmal viele tausend Euro ausgeben, nur um sich ein Interview oder ein Kurzporträt zu kaufen? Wie passt das zum gängigen Bild des Wissenschaftlers, der eher widerwillig mit Journalisten arbeitet, Medien als lästige Ablenkungen sieht und fürchtet, von Fachkollegen als „Populärwissenschaftler“ tituliert zu werden? Forschungseinrichtungen schalteten bisher meist dann Anzeigen, wenn sie eine unmittelbar pragmatische Absicht verfolgten, etwa bei Stellenausschreibungen. Warum also betreibt man nun plötzlich teure Imagewerbung?

Ausgerechnet der ZEIT-Redakteur Jan Martin Wiarda hat darauf schon vor einem Jahr eine Antwort gefunden. In seinem Artikel „Wir sind die Tollsten!“ widmete er sich ausführlich der „Eskalationsspirale“ des Wissenschaftsmarketings. Unter anderem zitiert Wiarda den ehemaligen Berliner Wissenschaftssenator George Turner, der eine einleuchtende Erklärung liefert: »Die Exzellenzinitiative erzieht zur Aufschneiderei« … »Alle behaupten von sich, spitze zu sein, jeder will den anderen übertrumpfen.«

In den Verlagen weiß man, dass der Konkurrenzdruck in der Forschung wächst. Man weiß auch, dass die Wissenschaft aufgefordert wurde, sich der Öffentlichkeit stärker zu präsentieren. Forschungseinrichtungen investieren inzwischen Zeit und Geld in Kommunikation, schreiben fleißig Pressemitteilungen, veranstalten Wissenschaftsnächte und erkunden die Möglichkeiten der Neuen Medien. Aber an dieser Art Kommunikation lässt sich nicht viel verdienen. Deshalb feilen Anzeigenabteilungen an immer neuen Printprodukten, mit denen sich Forschung kostenintensiv vermarkten soll. Zum Public Service Review geht zwischen den MPIs seit einiger Zeit eine Email-Warnung um. DFG und Leibniz-Gemeinschaft warnten ebenfalls. Auch von einigen anderen Bezahl-Formaten in Printmedien (das Beispiel aus der ZEIT ist nur eins von vielen) hatte die zentrale Max-Planck-Pressestelle den Instituten bereits abgeraten.

Sicher, Wissenschaft muss informieren, um Akzeptanz werben, und sollte dabei auch ruhig Hilfe von Profis in Anspruch nehmen. Dass wir hier bloggen, war ja auch ein Angebot des Verlags. Auch unser Institut hat schon mal ein Advertorial geschaltet, in ZEIT Campus. Es sollte Absolventen aufrufen, sich für die hier ansässige Graduiertenschule zu bewerben. Das finde ich vertretbar, da, wie bei einer Stellenanzeige, eine unmittelbar pragmatische Absicht vorlag und sich das Layout klar vom redaktionellen Teil unterschied. (Ob dieses Format wieder gewählt werden würde ist allerdings fraglich.)

Die Medien stürzen sich auf die kleine Marktlücke Wissenschaftskommunikation in gewisser Weise notgedrungen. Da Leser und reguläre Anzeigen immer mehr ins Internet abwandern, wird es für sie zunehmend schwierig, anspruchvollen Journalismus noch zu finanzieren. Mit „Wie wird geforscht in …“ scheinen mir die Verlagsstrategen jedoch einen Schritt in Richtung Markenwerbung zu gehen, dem sich Forschungskommunikatoren besser verweigern sollten.

Am vergangenen Donnerstag ist das neueste Forschungs-Spezial aus dem ZEIT-Verlag erschienen. Diesmal wurde die Wissenschaft in Bayern zur Kasse gebeten.

(Info zum rechtlichen Rahmen: Wie eine Nachfrage in der Abteilung „Recht und Strukturentwicklung“ der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft ergab, gibt es für Öffentlichkeitsarbeit keine konkreten haushalts- oder zuwendungsrechtlichen Betragsgrenzen. Es gelten jedoch Grundregeln wie für alle Ausgaben aus institutionellen Mitteln der MPG.  Demnach müssen Ausgaben dem Satzungszweck dienen „die Wissenschaften zu fördern.“, notwendig sein sowie dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit genügen. Sind diese Grundvoraussetzungen nicht erfüllt, handelt es sich um eine zweckwidrige Mittelverwendung mit der Folge, dass die zu Unrecht in Anspruch genommenen Mittel an die Zuwendungsgeber zurückbezahlt werden müssen. Bewertet wird der Einzelfall.)

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mich würde auch die Meinung der Community hier interessieren. Viele von Ihnen sind Forschungsvermittler, einige sogar im Hauptberuf. Wie sehen Sie die Entwicklung des Hochschulmarketings, Advertorials und ähnliche Phänomene? Sollte es konkrete Grenzen geben? Oder muss man es den Forschungseinrichtungen überlassen, für das Image soviel auszugeben, wie sie es jeweils für nötig halten?

  2. Imagepflege durch Anzeigen

    Wenn man Imagepflege betreibt, sollte man sich zunächst einmal fragen, wen man mit Anzeigen erreichen will und welche Botschaft man vermitteln will. Werbung wirkt nur durch Wiederholung. wenn man sein Institut oder seine Universität als Marke etablieren will, nutzt eine einmalige Anzeige überhaupt nichts. Kaum eine Universität oder MPI hat aber das Geld für ganze Anzeigenkampagnen.
    Wissenschaftliche Einrichtungen haben mit bezahlter Werbung in Tageszeitungen oder Publikumszeitschriften also kaum etwas zu gewinnen. Ich halte solche „Advertorials“ wie die Zeit sie anbietet, deshalb für Geldverschwendung, besonders bei den geradezu grotesken Preisen. Die Anzeigenabteilungen setzen hier auf den Mitzieheffekt, so etwa nach der Devise: Wenn Einrichtung x mitmacht, können die anderen nicht zurückstehen.
    Solche Angebote, wie das Laborjournal sie beschreibt, sind etwas so unseriös wie der telefonische Verkauf von Pennystocks oder Aktienoptionen. Darüber braucht man nicht zu diskutieren.
    Es gibt genügend andere Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit. Wichtig ist dabei nur, dass sie professionell und überzeugend gemacht ist. Halbherzige Werbung bringt nichts.

  3. Wer nicht zahlt, der nicht existiert?

    Mit welchem journalistischen Berufsbild ist das bitteschön vereinbar, in einem informatorischen Medium nur diejenigen Quellen zu erwähnen, die dafür bezahlen?

    Wenn das wirklich ein Geschäftsmodell ist, das darauf ausgelegt ist, den Institutionen keine andere Wahl zu lassen als zu bezahlen, dann sollte man prüfen, ob hierbei vielleicht eine Nötigung (§ 240 StGB) vorliegt.

    Danke jedenfalls für den Hinweis auf dieses erschütternde Fallbeispiel.

  4. Alltbewährtes Modell

    Etliche andere Formate basieren schon lange auf diesem Konzept – in anderen Branchen. Jetzt ist es bei den Wissenschaftlern angekommen.

    Wie aber schon gesagt wurde, als Anzeige funktioniert das nicht. Vor allem KMUs können im regionalen Umfeld durchaus einen Nutzen aus solchen Eintagsfliegen ziehen, bundesweit und international tätige Forschungs-Institute verschwenden nur ihr Geld.

  5. Es geht auch anders

    Das ist ja wie im Musikbusiness: „Du kannst Deine Gruppe gerne bei unserem Konzert von [berühmte Gruppe] als Vorgruppe auftreten lassen, das kostet Dich aber [ein Betrag, bar auf die Hand].“
    Ich hab das einmal für eine meiner Neuentdeckungen gemacht und der Erfolg war riesig: ARD und ZDF berichteten in den 20:00 resp. 19:30 Uhr-Nachrichten mehr über „meine“ Gruppe und man sah und hörte sie auch in den TV-Beiträgen, …als über die eigentlichen „Headliner“, die für die TV-Teams viel zu spät auftraten.
    Hier hat sich der finanzielle Einsatz gelohnt. Aber mein Quartett war auch wirklich besser und frischer als die „Headliner“.

  6. Ich habe die Beilage damals auch gesehen. Ich dachte da schon, dass dieses Design, dass dem regulären redaktionellen Inhalt so ähnlich sieht pure Verarschung ist, denn natürlich zielt das auf eine Verwechslung ab.
    Eine Lösung für das Problem, „Werbung“ von „Werbung“ in der Wissenschaft zu unterscheiden, hab ich aber auch nicht.

  7. Es ist bei der ZEIT üblich, dass dort Anzeigen als redaktionell anmutende Inhalte verkauft werden – das gilt nicht nur bei der Berichterstattung über Wissenschaft, sondern auch etwa über Reisen oder Stiftungen. Die taz hat im vergangenen Jahr das Ergebnis einer verdeckten Recherche veröffentlicht, bei der sie sich als Mitarbeiter einer Werbeagentur ausgegeben und so auf die ZEIT und andere Verlage zugegangen waren. In den internen Verkaufsunterlagen wirbt die ZEIT geradezu damit, dass die Leser bei einem Advertorial den werbenden Charakter der bezahlten Werbung nicht erkennen können: „Als Stiftung können Sie ein Advertorial buchen, um Ihre Projekte und Ziele mit umfassendem Text vorzustellen. Sie unterstützen damit hervorragend Ihre Öffentlichkeitsarbeit und erreichen ein großes und interessiertes Leserpublikum, ohne dabei einen werbenden Charakter zu haben.“

    Die taz hat die internen Verkaufsunterlagen aus der ZEIT hier online gestellt:
    http://blogs.taz.de/rechercheblog/files/2011/03/stiftungen.pdf

    Die weiteren Rechercheergebnisse bei der ZEIT:
    http://blogs.taz.de/rechercheblog/2011/04/01/die_zeit/

    Hier die Gesamtübersicht der Rechercheergebnisse bei insgesamt zehn Verlagen:
    http://blogs.taz.de/rechercheblog/2011/04/01/die-schleichwerbe-recherche/

  8. Von Bildblog empfohlen

    Ihr gelungener Text über diese sehr fragwürdige Form des Wissenschaftsmarketings ist heute von http://www.bildblog.de in der Rubrik „6 vor 9“ als erster Lesetipp aufgenommen worden. Eine gute Sache, denn so gelangen diese sehr interessanten Informationen auch an Nicht-Wissenschaftler, u.a. an Journalisten. Trotz immer schwieriger werdender Zeiten sollten Medienvertreter dringend über ihr eigenes Tun nachdenken. Auch ihr Ruf ist schnell ruiniert.

  9. Selbstzerstörung von Zeitung und Wiss.

    Vielen Dank für Ihren kritischen Bericht! Ich habe mich am Donnerstag sehr über diese Zeitungsbeilage geärgert. Gefreut hat mich, dass es sogar im zu Aufschneiderei („wir sind die Exzellentesten“) neigenden Bayern Unis und Institute gibt, die nicht mitgemacht haben. (Wenn ich mich recht entsinne war die schwäbische Hausfrau unter den bayerischen Unis, Augsburg, nicht dabei; dennoch war die Stadt Augsburg auf der Übersichtskarte eingezeichnet, anders als oben bei Halle/Leipzig.) Noch mehr freue ich mich, dass PR-Leute von Instituten, die vermutlich das nötige Kleingeld übrig haben, solche Praktiken aus Prinzip ablehnen.

    Wissenschaft in die Öffentlichkeit zu vermitteln darf nicht als Ware gehandelt werden. Vielmehr müssen Medien Wissenschaft als für ihr Publikum wichtige Information begreifen, und die Wissenschaft muss sich selbst nach ihrer gesellschaftlichen Relevanz fragen und diese nach außen kommunizieren. Advertorials zerstören den Zusammenhang zwischen Medienpräsenz von Wissenschaft und ihrer gesellschaftlichen Relevanz.

    Solche Werbeblättchen können nicht als Versuch gelten, „anspruchvollen Journalismus noch zu finanzieren“. Durch solche täuschenden Beilagen wird jeder anspruchsvolle Journalismus zunichte gemacht, der in ihrem Umfeld erscheint. Der Leser kann einem Medium doch nichts mehr glauben, wenn es regelmäßig versucht, ihm Werbung als redaktionellen Inhalt unterzuschieben – vgl. den Kommentar von Peter Schaller. (Mal davon abgesehen, dass Die Zeit qualitativ auch nicht mehr ist, was sie mal war, sondern – nur verstärkt durch solche Werbeaktionen – vor allem eines: ärgerlich.)

  10. bschämend

    Hallo,
    ich lese die ZEIT sehr gerne, größtenteils jedenfalls. Aber diese Praktiken sind doch nur beschämend. Die ZEIT hatte für mich immer etwas mit Anspruch zu tun, aber wie lässt sich das hiermit noch vereinbaren? Aber solange das Konzept aufgeht und die Kohle unterm Strich stimmt, machen die wohl so weiter. Danke an Sie für diesen Einblick und an Bildblog für den Hinweis dazu.
    Viele Grüße
    Tobias

  11. Klardeutsch

    Einige Max-Planck-Institute tun sich allerdings schwer, sogar unbezahlt für journalistische Anfragen zur Verfügung zu stehen. Ich bin in den letzten Wochen zweimal von führenden MPI-Wissenschaftlern abgewimmelt worden. Angeblich hatte kein einziger Wissenschaftler Zeit für ein Interview. Kein Wunder, dass dem einen oder anderne MPI am Ende nur noch bezahlte Advertorials zur Imagepflege übrig bleiben.

  12. Glücklicherweise können wir bei den Preisen gar nicht erst in Versuchung kommen…

    Aber es ist schade, daß die Zeit, die ich sonst sehr schätze, sich auf solches Niveau begibt.

  13. Das wird bei der ZEIT ja auch in anderen Bereichen praktiziert: Bei den Kinderbüchern gibt es Buchvorstellungen von Büchern, die praktischerweise gleich in einer Anzeige auf derselben Seite beworben werden und anscheinend auch vom ZEIT-Verlag stammen, im Magazin werden seitenweise teure Uhren oder Kleider abfotografiert und anscheinend werden potentielle Anzeigenkunden über diese Sonderthemen rechtzeitig informiert, denn die betreffenden hefte sind voll von passenden Anzeigen. Die ZEIT entwickelt sich langsam von einer Zeitung zu einer Marke – da ist der entsprechende Schritt im Wissenschaftsbereich nur konsequent.

  14. Freue mich wirklich sehr über Ihre Kommentare, Hinweise und Meinungen.

    Ich finde imageorientiertes Wissenschaftsmarketing übrigens gar nicht in jedem Fall verkehrt. Wenn man zum Beispiel an die Aktivitäten der MINT-Initiative denkt oder an die Kampagnen, um Studierwillige in die Neuen Bundesländer zu holen. Allein mit Pressearbeit könnte man das vermutlich nicht intensiv und lange genug in den Medien halten, damit es wirkt. Aber wie Herr Grüter richtig sagt, als Einrichtung einzeln Zeitungsanzeigen zu schalten, ist wirklich Geldverschwendung. Vermutlich funktionieren die erwähnten Formate derzeit, weil es zwar ein erhöhtes Bedürfnis nach Medienaufmerksamkeit, aber noch nicht allzu viel Erfahrung mit Wissenschaftsmarketing gibt. Mit zunehmender Professionalisierung könnten solche Auswüchse weniger werden, weil alle lernen, nein dazu zu sagen.

  15. Warum zahlen?

    Ist es für profilierte Insitituttionen und Projekte eigentlich so schwer, über konventionelle Pressearbeit in die Medien zu kommen?
    Abgesehen von den moralisch bedenklichen Aspekten würde ich auch bezweifeln, dass die bezahlten Auftritte wirklich zielführend sind und z.B. Entscheidungsträger in Politik und Forschungsförderung beeindrucken.

  16. Es ist nicht schwer – theoretisch

    @Michael Müller

    Es ist mE in keiner Weise schwer, ganz im Gegenteil, Journalisten sind froh, wenn sie denn endlich mal ein Interview-Partner finden. Leider wird den wenigsten Forschern die Zeit dafür gegeben, es gibt eben keinen Impact-Factor für Tageszeitungen.
    Das ist sicherlich nicht überall der Fall, aber leider immer noch viel zu oft.

  17. @ Chris: Hier hat die Wissenschaftskommunikation in der Tat ein Phänomen (das nicht zwangsläufig ein „Problem“ sein muss, solange Transparenz herrscht und es Alternativen gibt) erreicht, das in der Wirtschaftskommunikation seit Jahren gang un gäbe ist, ja inzwischen sogar die Geschäftsmodelle der meisten Fachzeitschriften prägt.

    Ein Hinweis noch zum internationalen Vergleich: In Österreich erscheint fast gar keine umfangreiche Wissenschaftsberichterstattung mehr ohne dass die jeweilige Institution vorher dafür gezahlt hätte.

  18. überfällige Diskussion

    Vielen Dank für den Beitrag. Exakt die ZEIT-Beilage war bei uns im Haus unlängst ein Thema. Wissenschaftskommunikatoren werden immer mehr und immer professioneller und sie sollten sich über solche (und viele andere) Entwicklungen viel häufiger austauschen.
    @Alexander Gerber: Das klingt ja wie eine Bankrotterklärung der PR, was Sie über Österreich schreiben. Das kann dann ja die Marketingabteilung übernehmen…

  19. Kommunikation wird zum Selbstzweck. Das trifft nicht nur den Wissenschaftsbereich, sondern auch Unternehmen. Sie werden bombardiert mit undurchschaubaren Kommunikationsangeboten einer unüberschaubaren Zahl von Dienstleistern: webinars, mobile Marketing, advertorials, social media release, product placement, reputation management, … . Im schlimmsten Fall werden Projekte vorgeschlagen, die der Agentur einen begehrten Marketingpreis einbringen, aber beim Kunden bleibt das erhoffte Resultat aus. Dabei soll Kommunikation vor allem eins: relevante, verständliche Botschaften auf transparenten Wegen an die Zielgruppe bringen. Der beste Schutz gegen eine Angebotsüberflutung ist eine gut durchdachte Strategie und eine Kommunikationstaktik, an die man sich dann auch hält.

  20. Mitarbeiter eines solchen Verlages

    Guten Tag,

    ich selber bin Mitarbeiter eines solchen Verlages in Deutschland. Wir produzieren 80-100 solcher „Sonderpublikationen“ im Jahr und publizieren diese in großen deutschen Tageszeitungen wie DIE WELT und der FTD. Ich kann solche Methoden nicht ganz bestätigen, jedoch werden durch gezielte Anrufe die „Kunden“ zur Schaltung einer Anzeige oder eines Advertorials bewogen. Dafür wird gerne redaktionell neutraler Inhalt an zahlende Werbekunden mitverkauft. Dies verstößt meiner Meinung nach gegen das Presserecht. Die zahlenden Firmen, Institute, Behörden und Wissenschaftler sind aber leider sehr bereit für die Platzierung von PR im redakionellen Teil die Schaltung einer Anzeige zu buchen.

    Hinzu kommen fast Drückerkollonen-artige Methoden seitens der Verkäufer, um die Kunden zum Kauf zu bewegen.

  21. ZEITlos

    Die Zeit zeichnet sich noch durch eine andere Besonderheit aus: Man muss als freier Journalist erst einmal drei (oder waren es 5?) dort erschienene Beiträge haben, bevor man ein mageres Honorar bekommt. Naheliegend, wieviele Exposés man einreichen dafür muss….

    Ich habe mein ungefähr 20jähriges Zeit-Abo daraufhin gekündigt.

  22. @Besser anonym

    Ehrlich gesagt kommt mir die Behauptung in dem obigen Kommentar nicht so richtig glaubwürdig vor. Eine Praxis wie die, die Sie beschreiben, müsste doch schon mal vom DJV, den Freischreibern oder anderen Journalistenverbänden angeprangert worden sein. Ich kann dazu absolut nichts finden.

    Über eine Ecke kenne ich jemanden, der mal frei einen Text für die „ZEIT Sachsen“-Seite geschrieben hat. Bin ziemlich sicher, dass der bezahlt wurde.

  23. Ich habe jetzt mehrmals Kommentare gehabt, bei denen der jeweilige Autor kurz darauf per Email um Entfernung seines Namens oder des ganzen Kommentars bat. Dem komme ich gern nach, aber über Ostern bin ich einige Zeit nicht da. Solange sind die Kommentare vorübergehend geschlossen.

    Edit (10. April): Sie sind wieder offen.

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