Yes, we believe! – Religiöse und zivilreligiöse Strömungen in den USA

Vielleicht erinnern sich einige Leserinnen und Leser noch an den Gehirn & Geist 04/2009-Artikel "Yes, we believe! Vier Gründe, warum Amerikaner anders glauben" von Anja-Maria Bassimir und mir (hier kostenloser Download, S. 38/39). Nun bat die Uni Jena darum, ob ich daraus ein Hauptseminar im Wintersemester machen könne – und weil es eine wirklich besondere Universität mit engagierteren Theologen und Religionswissenschaftlern in einer spannenden Umgebung ist, sagte ich schließlich zu. Natürlich soll es auch auf "Natur des Glaubens" wieder Berichte dazu geben, vielleicht auch Gastbeiträge von Studierenden. Denn die Friedrich-Schiller-Universität Jena wirbt längst mit Kreativität und auch Humor um die Talente der kommenden Generation.

Warum sind die USA religionswissenschaftlich – und insbesondere auch evolutionär – so interessant?

Warum ein Seminar zu den USA? In Deutschland gibt es sowohl Traditionen eines verklärten Amerikabildes wie auch umgekehrt Antiamerikanismus voller Ressentiments und Verschwörungstheorien. Ganz egal aber, wie man zu den USA oder Religionen steht: Aus (religions-)wissenschaftlicher Sicht ist das Land hoch interessant. Denn hier setzten sich bereits vor Jahrhunderten Religionsfreiheit und eine strenge Trennung von Kirche(n) und Staat durch, ergab sich zudem durch Zuwanderung, Neugründungen und Konversionen eine einzigartige Vielfalt (und Dynamik) an religiösen und weltanschaulichen Strömungen und Gemeinschaften. In wissenschaftlicher Perspektive sind die USA damit eben gerade kein "Sonderfall", sondern ein großes Freilichtexperiment, in dem wir die Entstehung, den Wettbewerb, den Erfolg und die Schattenseiten von Religionen unter den Bedingungen weitgehender Freiheit und (im Vergleich zu anderen Weltgegenden) rechtlicher Gleichbehandlung erforschen können. Für die Evolutionsforschung ist das mehr als interessant – wo sonst konnten sich z.B. im freien Wettbewerb so unterschiedliche Gruppen wie die kinderreichen Old Order Amish oder die kinderarmen Shaker über Jahrhunderte gewaltlos entfalten?

Warum sind US-Amerikaner im Durchschnitt so religiös?

Über lange Zeit galt es unter europäischen Intellektuellen als ausgemacht, dass die seltsame Religiosität der US-Amerikaner ein Ausrutscher der Geschichte sei – die religiösen Traditionen würden, wie in Europa zu beobachten sei, doch nach und nach absterben. Diese Säkularisierungserzählung gilt inzwischen nicht nur als erschüttert, sondern auch als weitgehend widerlegt: Überall auf der Welt werden neben Säkularisierungs-, auch religiöse Pluralisierungs- und Dynamisierungsprozesse beobachtet. Und dort, wo die gewachsenen Traditionen tatsächlich zerbröseln (wie etwa in Teilen Europas), schrumpfen die säkularen Populationen hinterher und treten neue, religiöse Minderheiten (wie etwa der Islam oder Buddhismus) hervor.

Anja-Maria Bassimir und ich hatten seinerzeit vier Faktoren für die unterschiedliche Entwicklung benannt, die ich auch heute noch als gültigen Ausgangspunkt für spannende Fallstudien betrachte.

1. Geschichte

Während sich in Europa oft religiöse Monopole (z.B. Staatskirchen) mit den staatlichen Obrigkeiten verbündeten, wurden die USA zu einem Zufluchtsort (auch) für religiöse Minderheiten. Schon Alexis de Tocqueville registrierte daher, dass Intellektuelle in Europa Freiheit öfter als Freiheit "von" Religion erzählten, wogegen Amerikaner die Freiheit "zur" (selbstgewählten) Religion betonten. Man denke beispielsweise an William Penn (1644 – 1718), der durch Europa tourte und für seinen neu zu schaffenden Staat Pennsylvania warb, indem er religiösen Minderheiten (wie den Quäkern, Mennoniten u.v.m.) Religionsfreiheit zusagte. Damit gewann er nicht nur engagierte und gemeinschaftsfähige Siedler, sondern schuf das bleibende Narrativ der freiheitlichen USA in Abgrenzung zum intoleranteren Europa. Das Gemälde zeigt, wie der englische König Charles II. im Jahre 1680 als Ausgleich für einige tausend Pfund Schulden bei Admiral Penn senior dessen Sohn William Penn die Gründungsurkunde für den späteren Staat Pennsylvania überreicht – im Frühstückssaal und nicht ahnend, welche Kräfte Menschenrechte und Freiheiten in den "Kolonien" noch entfalten werden…

2. Wettbewerb

Weil Religionsfreiheit sehr viel früher gewährt wurde und sich eine strikte Trennung von Kirche(n) und Staat durchsetzten, konnten sich auch große Kirchen und Religionen in den USA nicht ausruhen – sie wurden und werden ständig von aktiven Wettbewerbern herausgefordert. Gemeinschaften, deren Lehren, Verhalten und Strukturen nicht überzeugten, gingen wieder unter, erfolgreiche Traditionen breiteten sich aus. So konnten Richard Sosis und Eric Bressler das Schicksal von 83 säkularen und religiösen Gemeinschaftsgründungen in den USA des 19. Jahrhunderts auswerten – und dabei entdecken, dass anspruchsvolle Religionsgemeinschaften öfter erfolgreich waren, säkulare Gründungen aber meist schnell wieder zerfielen.

Der religiöse Wettbewerb sorgt jedoch nicht nur – wie übrigens von Adam Smith in seiner Wealth of Nations erwartet – für kulturelle und demografische Dynamik, sondern auch für besonders ausgeprägte Formen der Zivilreligion: Also für politisch-gesellschaftliche Mythologien, Symbole, Rituale (z.B. Staatsbegräbnisse), Feiertage, Heldenrollen etc., über die sich die vielfältige Gesellschaft immer wieder zu integrieren versucht – die aber auch ständig umkämpft, entwickelt und uminterpretiert werden. Auch hier sind die USA ein ergiebiges Forschungsfeld, denn in Gesellschaften mit religiösen Monopolen oder Kartellen wird auch dies sehr viel stärker von den Amts- bzw. Staatskirchen bestimmt.

3. Sozialstaat

Wohl nie werde ich das Aha-Erlebnis vergessen, als ich endlich verstanden hatte, warum die Old Order Amish zwar rechtstreu Steuern und Abgaben bezahlen, aber Bezugsrechte auf staatliche Sozialleistungen entschieden ablehnen. Dies widersprach allem menschlichen Verhalten, wie ich es noch in der Bankausbildung und der Politikwissenschaft gelernt hatte. Doch die Amish hatten schlicht verstanden: Die Akzeptanz der staatlichen "Handouts" würde ihre gemeinschaftlichen Strukturen gegenseitiger Hilfe aushöhlen und anstelle des Gemeindenachbarn einen anonymen Apparat stellen. 

Wer also den konservativen – für europäische Verständnisse bisweilen hysterisch wirkenden – Widerstand gegen die Ausweitung staatlicher Gesundheits-, Sozial- und Rentenprogramme in den USA verstehen möchte, der muss die langen Traditionen gemeinschaftlicher (und eben häufig religiöser) Selbstorganisation verstehen. Am Beispiel der USA lässt sich m.E. studieren, warum ein Sozialstaat notwendig und wertvoll sein kann – aber eben auch, welche gemeinschaftsauflösenden Wirkungen er mit sich bringt.

4. (Religions-)Demografie

Noch immer fast alle populären Ausarbeitungen des "religiösen Marktes" ignorieren die gewaltige Macht der Demografie: Wir kennen gerade in den USA zahlreiche religiöse Traditionen, die über Generationen und teilweise Jahrhunderte hinweg (auch) durch Kinderreichtum gewachsen sind. Dagegen kennen wir nach wie vor keine – ich wiederhole: keine – nichtreligiöse Population, Bewegung oder Gemeinschaft, die es geschafft hätte, auch nur ein Jahrhundert wenigstens die Bestandserhaltungsgrenze von zwei Kindern pro Frau zu halten. Gerade auch in den USA lässt sich studieren: Religiöse Vielfalt wächst auch demografisch immer wieder nach. Säkulare Bewegungen wie auch unterjüngende Religionsgemeinschaften – wie das Extrembeispiel der Shaker – verlieren dagegen bald auch jede Attraktivität für neue Konvertiten und erlöschen schließlich. 

Der komplexe Zusammenhang von Familien und Religionen – wie auch die von der bisherigen Forschung massiv unterschätzte Rolle der Frauen – gehört daher zu den Schlüsseln der Religions- und Evolutionsgeschichte. In den USA ist das Auf und Ab aus Säkularisierungs- und religiösen Revitalisierungsprozessen wunderbar beobachtbar, das die Menschheit seit langem prägte und prägt.

Die biokulturelle Evolution der Religiosität in Wellen.

Die USA sind damit ein faszinierendes Forschungsfeld, in dem Europäer auch die eigene Geschichte mit den eigenen Stärken und Schwächen reflektieren kann. Ich freue mich auf das Seminar – vielleicht sehen wir uns ja.

Seminar-Vorlage 

Als Vorlage für Ausarbeitungen zu Einzelthemen hatte ich ein Paper "Die Religiosität der USA – Glaubensdynamik aus vier Faktoren" vorgelegt, das hier eingesehen werden kann:

ReligiositaetUSABlume1110.pdf

 

  • Veröffentlicht in: USA

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Absolutheitsansprüche auf dem religiösen Markt

    Ich studiere leider nicht in Jena, allerdings kann ich durch mein Lehramtsstudium trotz meiner eigentlichen Fächer Mathe und Physik das Modul „Christentum im Kontext der Weltreligionen“ (vielleicht kennen Sie den Dozenten: apl. Prof. Dr. Gebhard Löhr). Darin beschäftigen wir uns damit, was mit dem christlichen Absolutheitsanspruch (und auch dem der anderen Religionen) angesichts der Pluralität der Religionen geschieht. Mir kam jetzt gerade die Frage auf, was mit dem Absolutheitsanspruch der Religionen auf dem religiösen Markt in den USA passiert. Gehört ein solcher Absolutheitsanspruch zur Logik eines religiösen Systems, damit dieses gesellschaftlich erfolgreich sein kann oder sind die Religionen bzw. ihre theologischen Vertreter aufgrund der Vielfalt der Religionen dort besonders tolerant? Eine andere Frage ist, wie das dann zur Bevölkerung durchdringt, denn es gibt ja eine relativ hohe Wechselquote…

  2. @Sebastian: Gute Frage!

    Danke für die gute Frage!

    Gerade am Beispiel der USA lässt sich wunderbar beobachten, dass auch der sog. Heilsexklusivismus (die Überzeugung, dass nur der eigene Glaube zum religiösen Heil führt) sowohl Vor- wie Nachteile hat.

    So vermag er neue Gründungen abzugrenzen und die Mitglieder zu Missionsanstrengungen zu motivieren (um möglichst viele „zu retten“). Andererseits aber erschwert er den Umgang mit und die Akzeptanz durch die Umgebung, erscheint bei wachsender Vielfalt im Alltag immer unplausibler und setzt die Gemeinde auch unter Streß, neue Mitglieder zu gewinnen und zu akzeptieren. Und so sind neben exklusiv-fundamentalistischen Gruppen viele der in den USA wachsenden Religionen (vom katholischen Christentum über breite Strömungen des Islam und Judentums bis hin z.B. zu den Old Order Amisch) nicht heilsexklusiv, sondern erkennen auch Heilsmöglichkeiten für Andersglaubende an.

  3. Abschottung

    Ich denke gerade die aus der Kolonialzeit resultierende Vielfalt der religiösen Strömungen in den USA ist es, die dafür sorgte, daß die Religiösität in vielen dieser Gruppierungen bis heute immer weiter zugenommen hat. Der Grund ist derselbe wie der, der heute zu brennenden Problemen führt – mangelnde Integration oder damals eher eine Vermischung der vielen Gruppierungen. Stattdessen suchte man „zur Stärkung der Gemeinschaft“ nach Wegen sich von anderen Strömungen abzugrenzen – und fand sie in der Religion. Das beste Beispiel dafür sind türkische Gastarbeiter in Deutschland, die sich derart in (teils nur scheinbar) religiöse Bräuche flüchteten, daß sie heute in ihrer ehemaligen Heimat als hoffnungslos rückständig gelten würden.

  4. Steuervorteile

    In Amerika gibt es für religiöse Gruppen gute Steuervorteile – dies dürfte auch ein Grund für die Vielfalt unterschiedlicher Glaubensrichtungen sein.

  5. @Carolin Liefke

    Ja, ich würde zustimmen: Religionsgemeinschaften stiften oft einen intensiven Zusammenhalt (inklusiver durchschnittlich größerer Familien) nach innen, grenzen sich jedoch gegen ihre soziale Umwelt durchaus ab. (Verstärkung der In-Group-Kooperation)

    Säkulare und sozialstaatliche (nicht-extremistische) Traditionen lösen Individuen dagegen stärker aus solchen gemeinschaftlichen Kontexten, was einerseits zu mehr Freiheitsräumen, aber eben auch zu mehr Vereinsamung und dem demografischen Zerfall beiträgt.

    Ob es gelingen kann, die Vorteile beider Ansätze besser zu verbinden? Davon könnte m.E. für die Zukunft (gerade auch Europas!) sehr viel abhängen.

  6. @KRichard

    Eine gewagte Hypothese. Denn z.B. in Deutschland genießen einige Kirchen und Religionsgemeinschaften nicht nur Steuervorteile, sondern erhalten darüber hinaus staatliche Privilegien und Zuwendungen. Könnten Sie entlang Ihrer Hypothese erklären, warum demnach nicht europäische Gesellschaften sehr viel religiöser seien als jene der USA?

  7. Wettbewerb

    Lieber Michael Blume,
    ich kann leider Ihren Punkt „2. Wettbewerb“ nicht nachvollziehen. Sie lassen religiöse Angebote auf einem freien Glaubensmarkt konkurrieren, werfen dann aber die Atheisten als weiteres religiöses (!) Angebot mit in den Topf, um sie dann schlecht aussehen zu lassen. Das erscheint mir nicht logisch argumentiert.
    Außerdem habe ich den Eindruck, dass Sie diesen Markt dann als „biokulturelle Evolution“ verkaufen wollen. Ist der Supermarkt nun das anschaulichste Beispiel für die Evolution? Ist die freie Marktwirtschaft der wahre evolutionäre Schauplatz?

  8. Steuervorteile

    Mein Wissensstand ist der, dass man in den USA auch problemlos als Kleingruppe eine religiöse Gemeinschaft gründen kann – um dann Steuervorteile zu erhalten. (Eventuell kann Ihnen die US-Botschaft genaueres dazu sagen) Daher gibt es viele verschiedene Gruppierungen.

    Bei uns in Deutschland ist es sehr schwer, als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt zu werden.

    Wer jetzt religiöser ist, darüber kann ich nicht urteilen, da dies eine individuelle Einstellung ist.

  9. Zivilreligion

    Lieber Michael Blume,
    gleich noch eine Frage – welche Belege gibt es für Ihre Annahme, dass das Phänomen „Zivilreligion“ (also die Übertragung religiöser Ansichten und Verhaltensweisen in einen nicht-religiösen Kontext) besonders durch den religiösen Wettbewerb geprägt ist?

  10. @Ralph Würfel

    Danke für Ihre Fragen, auf die ich gerne eingehe.

    Die Theorie des „religiösen Marktes“ geht davon aus, dass freier Wettbewerb und eine Vielzahl von Anbietern auch auf dem Feld der Religion(en) die Nachfrage besser ausschöpfen kann. Allerdings ist die These, wie sich in internationalen Studien gezeigt hat (z.B. Inglehart & Norris „Sacred and Secular“, 2004) alleine nicht aussagekräftig, da diese religiöse Nachfrage nicht einfach bei allen Menschen konstant ist, sondern maßgeblich durch die jeweilige Geschichte, die sozialstaatlichen Rahmenbedingungen und die Sozialisation in den Familien (Demografie) mitbestimmt wird.

    Religionsfreiheit meint immer positive und negative Religionsfreiheit und so war und ist es in den USA auch erlaubt, nichtreligiöse Bewegungen, Gemeinschaften etc. (z.B. kommunistische, humanistische, anarchistische etc.) zu gründen. Der Performance-Vergleich z.B. im Hinblick auf Langlebigkeit und Demografie ist natürlich für die Religionswissenschaft sehr interessant, weil er aufzeigt, ob und ggf. wie religiöse Funktionen ersetzt werden können. Das regelmäßige (auch: demografische) Scheitern nichtreligiöser Gründungen habe ich weder verschuldet, noch hätte ich mir persönlich den Befund in dieser Deutlichkeit gewünscht. Aber es hilft ja nichts, das zu verschweigen.

    Zivilreligionen werden in Fallstudien verglichen – die USA gelten hier geradezu als Paradebeispiel. Denken Sie nur an Staatsbegräbnisse, die in vielen europäischen Ländern (einschließlich Deutschland) einen amtskirchlichen Charakter haben, in den USA aber eigenständige Formen und Rituale. Die religiöse Vielfalt einerseits und die starke Trennung von Kirchen und Staat haben sich hier ausgewirkt. In Deutschland entwickeln sich zivilreligiöse Elemente ebenfalls, beispielsweise gab es Kritik daran, dass selbst für einen erklärten Kirchenkritiker wie Rudolf Augstein kein nicht-kirchliches Staatsbegräbnisritual zur Verfügung stand, vgl.
    http://www.humanist.de/news-34.html

  11. @Blume: Anregung

    Um die starke Religiosität in den USA zu verstehen, dürfte es auh von Interesse sein, das Zusatzangebot (den Mehrwert) zu betrachten. Gerade größere Kirchengemeinden bieten neben religiösen Angeboten auch Kurse und Freizeitaktivitäten an. Auf diese Weise werden die Mitglieder der Gemeine in einem Sozialsystem mit positiven Erfahrungen eingebunden.

  12. Begrenzte Möglichkeiten

    Wie schade – ich meinte bisher, Sie führten diesen Blog, um genau diese Diskussionen über weite Entfernungen hinweg vertiefen zu können. Schade, dass dies nicht möglich zu sein scheint. Dann macht meine Anwesenheit hier allerdings auch keinen Sinn.

    Ich verabschide mich damit und wünsche Ihnen Erfolg für Ihre weitere Arbeit in der virtuellen und in der realen Welt.

  13. @Ralph Würfel

    Hmm, ja, aber eine Blogdiskussion kann wissenschaftliche Seminare sicher nicht ersetzen. Und allein das Thema „Markt der Religionen“ umfasst ganze Fachbände! Realistisch kann ich ja auch keinen Online-Einzelunterricht anbieten, sondern bestenfalls Anregungen, Lesetips und Links. Auf konkrete Einzelfragen kann ich eingehen, nicht aber auf Kaskaden. Zumal Fragen viel schneller formuliert sind als Antworten und das dann irgendwann zeitlich nicht mehr schaffbar wird.

    Wie so viele Online-Aktivitäten befinden sich Wissenschaftsblogs noch im Entwicklungs- und Suchmodus. Was sie wie erreichen können, wird sich wohl erst in Zukunft erweisen. Bis dahin gilt es, Erfahrungen zu sammeln und immer mal wieder drüber zu reflektieren. Ihre Beiträge finde ich eigentlich sehr hochwertig und hoffe, Sie bleiben an Ihren Themen dran!

  14. @Ralph Würfel

    Ich stimme Ihnen zu, dass Herr Blume etwas an Ihren Fragen vorbeigeschrieben hat oder vielleicht in einem Zusammenhang, den wir gerade nicht verstehen (spätere Anmerkung: oder ein Zusammenhang, der erst später ersichtlich wird 😉 ). Ein kompletter Rückzug scheint mir allerdings vorschnell 🙂
    Ich bin zwar kein Religionswissenschaftler, aber ich versuche mal auf ein, zwei Fragen von Ihnen einzugehen, in der Hoffnung, dass sie dies trotzdem noch lesen.

    Der (z.B. demografische) Vergleich von religiösen und atheistischen Gruppen im Zusammenhang eines religiösen Marktes scheint mir durchaus gerechtfertigt, denn beide beziehen sich zu ihrer Identifikation auf eine philosophische Weltanschauung, nämlich die Glaubensfrage (auch Atheismus ist letztendlich Glaube, da Gott sich ja nicht widerlegen -und auch nicht beweisen- lässt): Glaube ich an Gott/Götter/höhere Wesen oder nicht?
    Für Atheisten erübrigt sich die Frage mit einem „Nein“, für Gläubige beginnt damit die nächste Frage, wie sie sich diesen Gott/diese Götter usw. vorstellen, an welche Gebote und Rituale sie deshalb glauben und eben der ganze Bereich, der von Religionen ausgefüllt wird.
    Nun ist die Frage, welche ganz realen und irdischen (wiederum z.B. demografische) Folgen diese unterschiedlichen Antworten auf die Glaubensfrage haben. Der Glaube an Gott beinhaltet in Verbindung mit der Religion viele Gebote, die scheinbar zu einer familienfreundlichen Einstellung führen. Die Frage ist nun, wie gut die Atheisten im Vergleich dazu abschneiden, wenn eben solche Gebote fehlen. Werden sie durch andere Gebote (vielleicht passt hier besser: persönliche Richtlinien) ersetzt, die zum gleichen Ziel führen? Scheinbar nicht.
    Aber auf jeden Fall sind wir damit jetzt auch mitten im Beitrag von Herrn Blume gelandet 😉
    Noch mal zusammengefasst: Religion und Atheismus beantworten die gleiche Frage, gehen aber mit unterschiedlichen irdischen Folgen einher, die sich durchaus vergleichen lassen.

    Und ja, das ist eine biokulturelle Evolution. Die genetische Veranlagung zur Religiosität wird durch unterschiedliche kulturelle Angebote ausgeprägt und damit stehen kulturelle wie genetische Ausprägung (da sie mit unterschiedlicher Geburtenrate einhergehen) im reproduktiven, also evolutionären, Wettbewerb.

    Zu Ihren anderen Fragen kann ich leider auch nichts sagen, aber vielleicht hat Ihnen das ja schon geholfen 🙂

  15. @Ralph Würfel, @Sebastian

    Um diesen Vergleich der weltlichen und religiösen Siedlergemeinschaften in den USA etwas besser zu verstehen, lohnt vielleicht ein kurzer Blick in dieses Buch von Bierl und Braungart:

    http://books.google.de/…um=1&ved=0CCoQ6AEwAA

    Es geht da weniger um die Religiosität als solche, sondern vielmehr um die Kosten, die die Mitglieder einer Gemeinschaft aufbringen müssen, damit sie auch als Teil der Gemeinschaft akzeptiert werden. So etwas schafft Bindung… Ist traurig, aber wohl wahr 😉

  16. @all: Seminar & Kommentarfunktion

    Ich freue mich, mitteilen zu können, dass das Seminar inzwischen ausgebucht ist. Auf die sicherlich wieder lebendigen Offline-Diskussionen freue ich mich!

    Und während ich mich darauf vorbereite, ist mir auch bewusst geworden, dass mir beim besten Willen nicht genug (Frei-)Zeit bleibt, ausführliche Kommentar-Diskussionen zu führen – die dann doch nicht alle zufrieden stellen. Daher werde ich den Kommentarbereich bis auf weiteres einschränken.

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