Wird „liberal“ das neue Rechts? Wie braune und rote Kollektivisten die Traditionen der Freiheit kapern (wollen)

„An den Liberalismus glaube ich wie eh und je, fester sogar.

Aber einst, in den Tagen süßer Unschuld, glaubte ich auch an die Liberalen.“

– G.K. Chesterton, „Orthodoxie“, 4.02

 

Zu den grundlegenden Erkenntnissen (nicht nur) der Religionswissenschaft gehört: Deutungsmacht über Begriffe ist reale Macht. Denn über die Definition von Begriffen wie zum Beispiel „gut“, „Sünde“ oder „Gott“, aber auch „Freiheit“, „Erfolg“ und „Glück“ lassen sich menschliches Denken, Fühlen und Handeln vorprägen und steuern.

VerlockungenzurUnfreiheitKarenHorn

Im neu erschienenen „Verlockungen der Unfreiheit“ beschreibe ich die Entstehung und bis heute verheerende Wirkung der „Protokolle der Weisen von Zion“.

Es ist also kein Wunder, dass auch die bedeutende Weltanschauung des Liberalismus immer wieder das Ziel von Umdeutungsversuchen war und ist. Denn der liberale Kerngedanke ist ja ebenso einfach wie revolutionär: Jeder Mensch sei gleichwertig und mit unaufgebbaren (politischen, wirtschaftlichen, sexuellen etc.) Freiheitsrechten geboren.

Rote Kollektivisten neiden den Freiheitsbewegungen vor allem den Erfolg: Entgegen ihren Voraussagen sind ausgerechnet die sozialistischen Planwirtschaften elendig – und nicht nur wirtschaftlich – gescheitert. Dagegen haben freiheitliche Marktwirtschaften Unzähligen Wohlstand und existentielle Sicherheit beschert. Das ist für manche Sozialisten schwer erträglich, hatten sie doch auch die Ideen der Menschenrechte und zivilgesellschaftlichen Engagements häufig als „bürgerliche Täuschungen“ verworfen.

Braune Kollektivisten sehen es nicht anders: Für sie bedeutet Freiheit vor allem das „wutbürgerliche“ Bestehen auf eigenen Privilegien und das Recht, andere unterdrücken zu können. Oft fordern sie für sich selbst durchaus auch individualisierte Freiheitsrechte, sprechen sie aber anderen im Kollektiv ab: Etwa Muslimen oder Homosexuellen, Juden oder Frauen, Armen oder Flüchtlingen sowie generell Andersdenkenden, die dazu gerne als „Gutmenschen“ verspottet werden. (Klassische Liberale hatten dagegen stets betont, dass es gerade ein Sinn von Freiheit war, dass sich nur freie Menschen wirklich selbst für Gutes entscheiden konnten. Erzwungenes Handeln könne nicht wirklich moralisch „gut“ sein.)

Auf meinen mit Drohungen gespickten Steckbrief auf der braunen Prangerseite „Nürnberg 2.0“ bin ich bis heute stolz! 😉

In den USA hat sich der Begriff „liberal“ nach links verschoben – ein US-„liberal“ entspricht einem Mitte-Links Demokraten, der auch den Sozialstaat ausbauen und Diskriminierungen überwinden möchte. Ein „bloody Liberal“ entspricht etwa unserem „Gutmenschen“ und ein „radical Liberal“ einem Anhänger der Grünen oder der staatsfixierten Linkspartei. Von der ursprünglichen Bedeutung ist der Begriff weit abgekommen, was zur Schwäche des bürgerlichen Liberalismus in den Staaten beiträgt. Stattdessen haben sich mit der „Tea-Party-Bewegung“ und den „radical Libertarians“ tiefrechte und staatsfeindliche Strömungen verbunden, die vieles sind – aber nicht mehr „liberal“.

In Deutschland wurde ebenso bereits der Begriff „neoliberal“ mißbraucht und verschoben. Ursprünglich meinte er gerade jene – eben neue – Richtung des Liberalismus, die aus verheerenden Fehlern eines reinen Marktfundamentalismus auch die Bedeutung von nichtwirtschaftlichen Lebensbereichen wie Familie, Vereine („Zivilgesellschaft“) und Staat anerkannte. So weiß auch noch der „Duden Wirtschaft“:

Die Ideen des Neoliberalismus, dessen führender Vertreter in Deutschland Walter Eucken (*1891, †1950) war, basieren zum großen Teil auf den negativen Erfahrungen mit dem ungezügelten Liberalismus des Laissez-faire im 19.Jahrhundert, als der Staat die Wirtschaft komplett dem freien Spiel der Marktkräfte überließ. Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft sind deshalb aus Sicht des Neoliberalismus dann gerechtfertigt und notwendig, wenn sie z.B. das Marktgeschehen fördern und die Bildung von Monopolen oder Kartellen verhindern, Konjunkturschwankungen ausgleichen oder dem sozialen Ausgleich dienen. Die deutsche Variante des Neoliberalismus wird auch als Ordoliberalismus bezeichnet. Die angelsächsische Variante mit ihrem Hauptvertreter Friedrich August von Hayek (*1899, †1992) setzt mehr auf die Selbststeuerung der Marktwirtschaft.

Die meisten Wirtschaftsordnungen der westlichen Industrienationen, so auch die soziale Marktwirtschaft in Deutschland, basieren heute auf den Prinzipien des Neoliberalismus.

Knapper formuliert: Eine Neoliberale weiß, dass Mensch nicht nur fürs Geld lebt, sondern sich auch in sozialen Gemeinschaften wie Familien, Vereinen, Parteien und Religionsgemeinschaften verwirklicht. In Abgrenzung von Kollektivisten (auch konservativer Art) wird sie jedoch daran festhalten, dass diese Gemeinschaften auf Freiwilligkeit zu gründen sind, also z.B. niemand zu Ehe und Kinderkriegen, zu Glauben und dem Beitritt in die „richtige“ Partei gezwungen werden darf!

Leider ist es linken Kritikern des Liberalismus jedoch gelungen, den „Neoliberalismus“ zum Synonym von Kälte und Unmenschlichkeit zu machen – also genau mit jenem Marktradikalismus zu identifizieren, gegen den er sich einst absetzte! Der Schaden für die ohnehin bedrängten Ideen der Freiheit in Deutschland ist enorm.

Und als ob all dies noch nicht genug wäre, erleben wir in der letzten Zeit im deutschsprachigen Raum Übernahmeversuche des „Liberalismus“ von rechts. Parteien wie die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) gingen bereits früh in diese Richtung, in Deutschland nannte sich eine islamophobe Hetzpartei „Die Freiheit“ und der „wirtschaftsliberale Flügel“ der AfD wurde von jenen aus der Partei gedrängt, die der frühere Bundesvize Hans-Olaf Henkel heute als „NPD im Schafspelz“ bezeichnet. Längst gibt es kaum noch liberale Foren, in denen nicht Islam- und Frauenhasser, Demokratieverächter und andere „angry white men“ den (meist gar nicht mehr bürgerlich-gesitteten) Ton angeben. Und Liberalismus-Kritiker von Links greifen deren Entgleisungen nur zu gerne auf, beschimpfen Liberale zunehmend pauschal als „Sozialdarwinisten“ und Libertäre (besonders staatskritische Liberale) als „LibertArier“. Liberale und freiheitliche Gedanken werden so unter den Generalverdacht gestellt, „neurechts“ zu sein – und bürgerlich-demokratische Autoren wie ich werden mit mehr oder weniger Druck aufgefordert, uns zu „distanzieren“.

Was aber würde passieren, wenn weitere bürgerliche und christliche Liberale z.B. die Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft verließen oder ihre Autorenschaft beim libertären eigentümlich frei einstellten? Wenn herausragende Artikel wie jener von Felix Honekamp zum Thema Flüchtlinge nicht mehr dort erschienen?

Genau – die Begriffe „Liberalismus“ und „liberal“ würden endgültig „nach rechts“ aufgegeben, die ohnehin bedrängten Traditionen der Freiheit würden von braunen Sozialisten vereinnahmt und von roten Sozialisten nachträglich vorgeführt. Es wäre ein Verlust, vielleicht gar ein Schaden für unsere (noch) freiheitlich-demokratische Gesellschaft.

Also schreibe und streite ich im Dialog auch mit Andersdenkenden weiter: Für die Ideen des Liberalismus und gegen die illiberalen Kollektivisten von rechts und von links, die die Ideen der Freiheit nicht übertreffen konnten – und sie daher rückwirkend umdeuten wollen…

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

55 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mit Verlaub, aber es geht m.E. doch etwas zu weit, grundsätzlich alle, die nicht die eigene Linie teilen, entweder als „rote“ oder als „braune Kollektivisten“ abzuqualifizieren oder solche Begriffe gerade vor dem Hintergrund der inhaltlichen Differenzen bei der Hayek-Gesellschaft zu verwenden. Die implizite Annahme, dass es nur eine wahre und gute Linie gebe, zu der relativ betrachtet jede andere Position nicht nur sachlich sondern vor allem moralisch falsch sei, entspricht ja auch nicht gerade den bewährten Grundannahmen des klassischen Liberalismus. Es würde die Diskussion m.E. deutlich verbessern, auf Unterstellungen wie die „braunen“ Gedankenguts zu verzichten, denn auf diese Grundlage ist gewiss keine sachliche Diskussion möglich.

    • @Tom Schmidt

      Hmmm, wo würde ich denn behaupten, dass es nur „eine wahre und gute Linie“ gebe? Ich stelle doch lediglich fest, dass „echter“ Liberalismus die individuellen Freiheitsrechte sieht und also weder mit roten Kollektivismen wie Planwirtschaft noch mit braunen Kollektivismen wie Rassismus oder Frauenfeindlichkeit zu vereinbaren ist. Namentlich habe ich gar niemanden angegangen. Normalerweise wird Liberalen doch gerne vorgeworfen, zu beliebig zu sein – nun ist es auch wieder nicht Recht! 😉

  2. @Michael Blume
    Sie implizieren im Text doch eindeutig, dass etwa bei liberalen Organisationen (Sie nannten etwa eigentümlich frei oder den Hayeks) eine „braune“ (den Begriff verwendeten Sie) Übernahne drohe, was nun einmal bedeutet, dass man beiden Institutionen sehr konkrete Vorhaltungen macht. Nun gibt es dort sicherlich Spielraum nach links oder rechts, aber „braun“ bedeutet eben „Nazi“, und wer hier solches unterstellt, trägt gewiss nicht zu einer sachlicheren Diskussion bei, denn reale Nazi-Bestrebungen wie etwa antisemitische Verschwörungstheorien und Vernichtungsforderungen können sie bei den derart Denunzierten wohl nicht belegen.
    Nun gibt es in unserer Zeit leider gerade bei jenen, die sich beruflich als heikel geltenden Themen auseinandersetzen, nachvollziehbare, in möglichst dröhnendem Ton vorgebrachte öffentliche Bekenntnisse „gegen Rechts“ vorzutragen, aber muss sich so etwas denn unbedingt gegen andere Liberale richten? Ein pflichtschuldiges Austeilen in Richtung realer Nazis hätte es doch auch getan, bevor Sie wieder zu den sachlichen, interessanten und intellektuell anregenden Beiträgen zurückkehren, die man sonst von Ihnen kennt.

    • Lieber @Tom Schmidt,

      es könnte ein Generationenproblem sein – aber ich finde in obigem Blogpost nicht einmal den Begriff „Nazi“, den Sie hier lesen (wollen?). Ebenso scheint es Sie nicht zu stören, dass ich ebenso wie von „braunen“ auch von „roten“ Sozialisten schrieb – dabei ist „rot“ doch auch die Farbe nicht-extremer, linker Parteien, z.B. der SPD. Hinzu kommt noch Ihre Unterstellung, es ginge hier nur um „in möglichst dröhnendem Ton vorgebrachte öffentliche Bekenntnisse „gegen Rechts““ – als hätte ich nicht ebenso klar (und sogar zu Beginn) die gleiche Abgrenzung auch nach Links vorgenommen. Kurz: Mir scheint, dass Ihnen die klare Abgrenzung des Liberalismus nach links gefühlt einsichtig, aber nach rechts gefühlt unangenehm sei – und dass dies wiederum Ihre Wahrnehmung des Textes beeinflusst.

      In der – auch von mir – unterzeichneten Erklärung von Mitgliedern der Hayek-Gesellschaft vom 24.7.2015 heißt es dagegen sehr klar:

      „Von Beginn an handelte es sich um einen ideellen, nie aber um einen nur politischen (oder gar parteipolitischen) Zusammenschluss. Gesellschaft und Stiftung verorteten sich stets fern von jedem plumpen Rechts-Links-Schema. Die Frage lautete vielmehr immer: Individualismus oder Kollektivismus? Und die liberale Antwort distanzierte sich von jedweden Kollektivismen, gleich ob „sozialer“ oder „nationaler“ Prägung. Die meisten unserer Mitglieder sind parteilos, wiewohl etliche auch im bürgerlichen Parteienspektrum engagiert sind. Aber weder hat die Gesellschaft eine einheitliche politische Meinung, noch betreibt sie politische Presse- oder gar Lobbyarbeit.
      (…)
      Wir alle wissen: In der politischen Auseinandersetzung sind gerade wir Liberalen immer wieder gewissen Übernahmeversuchen ausgesetzt, weil die rechts wie links gepflegten Weltbilder in ihrer Abgeschlossenheit unserer eigenen offenen Grundüberzeugung prinzipiell widersprechen. Mit diesen Angriffen müssen wir notgedrungen leben. Denn wir würden uns selbst verraten, wenn wir uns zur Abwehr derartiger Übernahmeversuche ein eigenes geschlossenes, integristisches Weltbild zulegen wollten. Im Gegenteil: Wir Liberale sind gerade dazu aufgerufen, jedem aus geschlossenen Weltbildern abgeleiteten politischen Konstruktivismus auf allen Gebieten deutlich entgegenzutreten.
      Es gibt aktuell politische Themen zuhauf, bei denen wir mit unseren starken Argumenten für Freiheit und Verantwortung werben müssen.
      Wer die Idee der Freiheit wirklich ernst nimmt, der läßt sich naturgemäß weder vom linken Mainstream noch von einer rechten Ecke vereinnahmen. Liberale brauchen gelassenes Selbstbewusstsein, Klarheit über liberale Prinzipien, Grundsatztreue bei gleichzeitiger Offenheit und Lernfähigkeit, Bodenhaftung und Realismus.“

      http://www.hayek.de/

      Es tut mir also wirklich Leid: Man kann zwischen Liberalismus und Konservatismus Schnittmengen ausmachen (weil echte Liberale „bewährte“ Strukturen achten und nicht durch Zwang ersetzen wollen) – aber völkische („braune“) Kollektivisten können ebensowenig „echte Liberale“ sein wie sozialistische („rote“). Und wenn es notwendig ist, werde ich das auch gerne wieder und wieder betonen – selbst auf die Gefahr hin, dass sich das für Sie unangenehm anfühlt bzw. bei Ihnen nicht vorhandene Assoziationen freisetzen sollte. Mir scheint, Liberale hätten hier schon viel früher klarer sein sollen – wie es ja auch die oben zitierte Erklärung endlich leistet…

  3. Leider ist es linken Kritikern des Liberalismus jedoch gelungen, den „Neoliberalismus“ zum Synonym von Kälte und Unmenschlichkeit zu machen – also genau mit jenem Marktradikalismus zu identifizieren, gegen den er sich einst absetzte!

    „Ein erster Bedeutungswechsel setzte ein, als Kritiker der Reformen unter Pinochet 1973 begannen, den Begriff sporadisch – ohne direkten Bezug zur Freiburger Schule oder einem sonstigen Theoriegebäude – zu gebrauchen. Als zentraler Zeitpunkt für diese Verschiebung wird der Staatsstreich Augusto Pinochets in Chile vom 11. September 1973 angesehen: Pinochet besetzte die zentralen Stellen der Wirtschaftspolitik mit Chilenen, die seit 1955 in Chicago bei Friedman studiert hatten, sie wurden als Chicago Boys bekannt.“
    Wikipedia

    „Neoliberal“ bezieht sich in seiner derzeitigen Verwendung definitiv nicht auf den ursprünglichen deutschen Gebrauch des Wortes.

    • Ja, @Gerald Fix – und das ist das Problem! Selbstverständlich haben auch Liberale – gerade auch in der Angst vor dem Millionen Menschenleben verschlingenden Sozialismus – immer wieder Fehler gemacht und falsche Allianzen gesucht (vgl. Zitat am Anfang des Blogposts). Nur: Dies alles kann nicht rechtfertigen, noch Jahrzehnte später Wortkreationen mit „-liberalismus“ für ausdrücklich illiberale Weltanschauungen zu verwenden. Wer den Liberalismus von der Anerkennung individueller Freiheitsrechte „wegdefinieren“ will, ist bestenfalls ahnungslos und schlimstenfalls bösartig, aber auf jeden Fall verwirrend unterwegs.

  4. Vielleicht waren es zuerst Linke , die den Begriff „neoliberal“ anderweitig nutzten , aber selbst wenn? Irgendeiner fängt immer damit an , Begriffe ändern manchmal ihre Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch , das gehört zu einer lebendigen Sprache dazu.

    Es ist Unfug , den Linken daraus einen Vorwurf zu machen , denn sie meinen damit ja ausdrücklich diese bestimmte , mit Liberalismus unvereinbare Form des „neuen Liberalismus“ .
    Nicht gemeint ist damit der heute so bezeichnete Ordoliberalismus , vielmehr gibt es mit diesem nicht geringe Überschneidungen nach links hin, mit Ausnahme allerdings eines antiliberalen Anteils , den es auch auf der linken Seite schon immer gab , das stimmt.

    Sonst guter Artikel.

    • @DH

      Wie geschrieben: Über Nominationen kann man sich im Detail immer streiten – solange man nicht Begriffe bewusst falsch verwendet. Und wer „Neoliberalismus“ sagt, aber letztlich illiberale Ideen damit verbinden will, handelt m.E. böswillig. Sie haben das, soweit ich mich erinnern kann, hier aber nie gemacht. 🙂

  5. 1. Es waren nciht Linke die den Begriff „Neoliberalismus“ umgedeutet haben. Das ist blanker Unsinn.

    2. Das Gequatsche von „rote und braune Kollektivisten“ kommt aus der Totalitarismus-Theorie. Wer waren und sind deren Befürworter? Zum Beispiel Milton Frieddman, Hayek, beides Personen die die mörderische Diktatur Pinochet gelobt haben. Hayek meinte sogar, dass ihm eine Diktatur, die liberale (hier gemeint wirtschaftsliberale) Ideen umsetzt lieber ist, als eine Demokratie, die versucht den freien Markt einzuschränken – deswegen auch seine strikte Ablehnung des Sozialstaates, worauf sich ja Deutschland beruft. Und wer hat Franco in späteren Jahren beraten? Richtig, wiederum Hayek und Friedman. Tolle Liberale. Es waren also greade die „Ober-Liberalen“ und es sind die Marktradikalen, die die Demokratie beschränken wollten.

    3. Spanische Revolution (aber zuvor schon die Jahrzehnte zuvor in Spanien) – hier die Empfehlung für George Orwells „Mein Katalonien“, Macho-Bewegung in der Ukraine, Kommune von Shanghai, Kommunen in Südafrika und in Südamerika, Chiapas, usw. zeigten, dass „rote Kollektivisten“, nämlich kommunistische AnarchistInnen eine Freiheit versuchten umzusetzen, die weit über den hinausgeht. Demokratie auf unterste Ebene, keine Stellvertreterpolitik, imperatives Mandat. Da wo Bauern sich nach getanener Feldarbeit in Plenas setzten und Politik machten – und es funktionierte! Die Freiheiten die damals eingeführt wurden, waren nicht nur damals Beispielgebend, sondern teils auch heute noch. Die Produktivität ist angestiegen, Sozialleistungen sind gestiegen, Armut wurde zum größten Teil abgeschafft. Und das waren rote Kollektivisten. Und entweder wurden sie von Faschisten oder von den autoritären Kommunisten ermordet.

    • @Stefan

      Tut mir Leid, wenn ich Sie erzürnt habe. Aber gegen die Realität lässt sich halt schlecht anschimpfen…

      1. Wollen Sie ernsthaft bestreiten, dass der „Vorwurf“ des „Neoliberalismus“ nach wie vor von Links erhoben wird (z.B. von der Linken)? 🙂

      2. Ja, in der Abwehr des (millionenfach mörderischen) Kommunismus haben sich auch liberale Denker bisweilen auf zweifelhafte & falsche Allianzen eingelassen. Gerade auch deshalb warne ich davor, liberale Prinzipien nach links oder rechts aufzuweichen.

      Zur Demokratie steht der Liberalismus nicht zufällig einschränkend – m.E. zu Recht entzieht auch unser Grundgesetz die Grund- und Menschenrechte dem Mehrheitsprinzip! Die Schweizer Volksabstimmung zum Minarettverbot ist ein trauriges Beispiel einer demokratischen, aber illiberalen Aktion! 99 Abstimmende dürfen m.E. nicht das Leben des Hundertsten auslöschen – auch nicht per Mehrheitsbeschluss!

      Und das Scheitern sozialistischer und kommmunistischer Experimente geht eben nicht nur auf die Überlegenheit externer Gegner zurück, sondern auf ein grundlegend falsches Menschenbild. So ist z.B. auch die sozialistische Kibbutz-Bewegung in Israel ganz von selbst zerfallen – die kläglichen Reste lassen sich besichtigen!

      Von den Hekatomben von Toten „großer“ sozialistischer Experimente müssen wir hoffentlich nicht nochmal anfangen – wer das immer noch leugnet…

      Relevant finde ich jedoch die „Abstimmung mit den Füßen“: Weiterhin fliehen Millionen Menschen aus sozialistischen Systemen in jene Länder, die mehr oder weniger liberal verfasst sind.

      Stellt Euch in Wahlen, lebt sozialistische Experimente vor! Aber erwartet bitte nicht mehr die Aufgabe liberaler Freiheitsrechte. Nur über meine Leiche… 😉

      • Natürlich wird der Vorwurf von Links erhoben. Aber es waren nicht die Linken die diesen Begriff umgedeutet haben.

        Finde ich die Unterstützung von Massenmördern wie Franco und Pinochet mit der Ausrede „Abwehr des Kommunismus“ schäbig. Wenn sie sich wirklich Liberaler nennen und so denken, steht ihnen noch reichlich Reflektionsarbeit bevor.

        Und der Liberalismus in der Schule Hayek und Friedman will die Demokratie aber nicht wegen die Menschenrechte einschränken, sondern wegen der Freiheit des Marktes.
        Demokratie ist eben mehr als nur Abstimmen alle paar Jahre, zur Demokratie gehört auch das Minderheitenprinzip, die Gewaltenteilung, Demonstrationen, zivilier Ungehorsam, Streiks, etc.. Der Liberalismus will aber aus anderen Gründen die Demokratie einschränken, siehe Hayek und Friedman.

        Und lernen sie bitte Geschichte, ich empfehle hier das Standardwerk „Anarchismus und Bürgerkrieg“, ein in der Geschichtsforschung unbestrittenes Standardwerk, das zeigt, dass die Spanische Revolution funktionierte. Es waren Stalin-Anhänger und Franco, die mit überlegenen Waffen (Panzer gegen Gewehre aus den 1890ern) diesen Versuch ein Ende setrzte. Ähnlich in der Ukraine. Es ist schlicht falsch, dass das naus internen Gründne nciht funktioniert hätte. Fragen sie mal in Israel, ob das Kibbutz-System ein Misserfolg war. Ich empfehle da Gespräche in der Technologie-Branche und bei Militärs. 😉

        Ich empfehle ihnen Lektüre zum Spanischen Bürgerkrieg „Anarchismus und Revolution“, ebenso wie Standardwerke von Hayek und Friedman – lesen sie diese aufmerksam, reflektiert und sie werden draufkommen, dass waren keine Demokraten, das waren Feinde der Demokratie und Befürworter eines autoritären Kapitalismus. Nicht ohne Grund agieren deren Jünger, wie Schäuble, so wie sie in Griechenland agieren und setzen Demokratieentscheide außer Kraft.

        Viel Hoffnung auf reflektiertes Verhalten ihrerseits habe ich nicht, zu sehr dürfte die Indoktrinierung durch die Bank-Finanziers wirken (ich empfehle ihnen echte Öknomie sich anzuschauen, nicht Bank- und Betriebswirtschaftslehre).Aber mit den protestantischen Arbeits- und Leistungsethos dürfte es ja kein Problem sein, sich dieses Wissen aufrichtig und nachträglich anzueignen.

        • Bei allem Respekt, @Stefan – mit ständigen Verhöhnungen (“Lernen Sie erst mal Geschichte!“ usw.), können Sie hier nicht landen. Arroganz ist kein Argument. Und über die Entwicklung der Kibbutzim weiß ich aus eigener Anschauung Bescheid.

          Nochmal: Sozialistische und anarchistische Experimente sind bislang ausnahmslos gescheitert – und niemand hindert Ihresgleichen, auf freiwilliger Basis z.B. in Europa oder den USA den Gegenbeweis anzutreten. Nur zu!

          Mit Umdeutungen der Geschichte und Beschimpfungen des Liberalismus (dem Sie u.a. die hier ausgeübte Meinungsfreiheit verdanken) wird dies aber nichts. Insofern haben Sie den obigen Blogpost stark bestätigt, danke! 😉

  6. >>Relevant finde ich jedoch die „Abstimmung mit den Füßen“: Weiterhin fliehen Millionen Menschen aus sozialistischen Systemen in jene Länder, die mehr oder weniger liberal verfasst sind.<<

    Dann nehmen sie doch bitte zur Kenntnis, dass die grosse Mehrheit der Flüchtlinge in Europa nicht aus sozialistischen Staaten stammt, was auch nicht überrascht, denn es gibt fast keine mehr.
    Syrien, Kosovo, Albanien, Serbien, Irak, Afghanistan, Mazedonien, Eritrea … also die Sozialistische Internationale sehe ich hier nicht versammelt. Alle diese Länder haben mit sehr spezifischen Problemen zu kämpfen. Lediglich Krieg (teilweise zumindest oder Kriegsfolgen) und Armut sind für alle genannten Länder gemeinsame Charakteristiken, ansonsten unterscheiden sie sich erheblich. Das Problem der Massenflucht sollte nicht missbraucht werden, um sein ideologisches Süppchen darauf zu kochen.

    • @Peter

      Ja, Zustimmung: Die meisten sozialistischen Systeme sind bereits zusammengebrochen – und haben regelmäßig auch Armut und Not hinterlassen. Und wo es Sozialismen noch gibt, ist der Trend ebenso klar…

      Mit der „Abstimmung mit den Füßen“ meine ich jedoch keineswegs nur das Tagesgeschehen, sondern die Beobachtung quer durch das 20. Jahrhundert, auch z.B. innerdeutsch. Die Menschen haben sich millionenfach klar entschieden und ließen Sozialismen auch unter Lebensgefahr hinter sich… #GeschichteundGegenwart

  7. Es ist interessant, wie Sie sich hier für einen Liberalismus einsetzen, von dem ich in dieser Form noch nicht viel gehört oder gelesen habe. Wenn ich bisher die Leute von der FDP etwa von Freiheit reden gehört habe, dann war bis auf wenige Ausnahmen meisst „Freiheit der Märkte“ gemeint, also ein Art Rückkehr zu jenem „ungezügelten Liberalismus des Laissez-faire“ des 19. Jahrhunderts. Und wenn ich heute aus den grossen Parteien Leute über „Bürger“ reden höre, dann hab ich auch meisst den Eindruck, dass damit nur jene Mitglieder unserer Gesellschaft gemeint sind, deren monatliches Einkommen bei mindestens 4000€ liegt. So ähnlich hat sich jedenfalls mal ein SPD-Mensch in einer Talkshow ausgedrückt, als er vom sogenannten „Bürgerlichen Lager“ sprach. – Approps „Bürgerliches Lager„: Da gibt es ja auch eine nicht zu unterschätzende Gruppe, die sich selbst so nennt, und sich auch bewusst über ein höheres Einkommen definiert um sich von der übrigen Gesellschaft abzusetzen. Das wären nach dem hier vertretenen Verständnis des Libralismus also auch Feinde des Selben. Oder sehe ich das falsch?

    Was mich in diesem Zusammenhang auch noch interessieren würde ist, wie man eigentlich genau „Linksextremismus“ definieren soll? – Und gibt es heutzutage eigentlich noch nennenswerte Linksextremisten?

    • Linksextremisten stellen sich NICHT wie Gysi hin und SPIELEN mit Hinterlist auf die „demokratischen“ Wahlen den Experten der herrschenden Wirtschaft.

      Diese liberalistisch-spalterische Welt- und „Werteordnung“ wird nicht mit den Institutionen und Gewohnheiten des Kreislaufes des geistigen Stillstandes beendet – Zusammenleben OHNE Wettbewerb, OHNE Steuern zahlen, OHNE manipulativ-schwankende „Werte“, usw., ist absolut machbar!

    • @Hans

      Ja, aus den auch von Ihnen genannten Gründen kam für mich eine Mitgliedschaft in der FDP nicht in Betracht. Ein bloßer „Wirtschaftsliberalismus“ ist eine Karikatur jedes echten Liberalismus, der doch auch Themen wie Bürgerrechte, Bildungspolitik & Chancengleichheit, Religionsfreiheit und Datenschutz umfassen müsste. Immerhin gibt es in allen Parteien der Mitte doch auch liberale Strömungen.

      Generell ist aber der deutsche Liberalismus aus historischen Gründen schwach – die Nationbildung erfolgte „von oben“, in Weimar wurden Liberale hasserfüllt von rechts und links attackiert und die Einführung der Demokratie erfolgte durch militärisch überlegene Besatzer. Umso wichtiger finde ich es, zur Herausbildung liberaler Ideen ein wenig beizutragen.

      Zu Ihrer Frage nach der Fortexistenz von Linksextremismus, z.B. hier: http://www.l-iz.de/leben/faelle-unfaelle/2015/08/autonome-greifen-fahrkartenautomaten-polizeiauto-und-buero-von-frauke-petry-101463

      • Der real existierende bundesdeutsche Parteienliberalismus hatte seit je her zu nagen, Friedrich Naumann, der Namensgeber bekannter Stiftung, bspw. war alles andere als liberal, die FDP war nach dem Krieg mit alten Nationalsozialisten durchsetzt und auch zwischen 1969 und 1982 sah es mau aus, die Jugendorganisation, sogenannte JuDos, entfleuchten ins Linksradikale (!) und sind vom Verfassungsschutz beobachtet worden.
        Die JuLis (Westerwelle hier wohl mit gründend gewesen) gaben wieder ein wenig Hoffnung bis dann die Legislaturperiode 2009 – 2013 wiederum das Hässliche im bundesdeutschen Parteiliberalismus betonen konnte.

        Beim „Dicken“ und so waren die Liberalen auch schlecht, aber es ging noch knapp.

        Ansonsten gilt der Doitsche schon als Kollektivist, als einer, von dessen Land ausgehend nicht nur die beiden großen Kollektivismen des letzten Jahrhunderts erfunden, sondern auch implementiert werden konnten, ein „Der I gehört zu D!“, also den alten theozentrischen Kollektivismus meinend, geht ihm, das Normative meinend, schnell über die Lippen.

        Unter Liberalen wird angenommen, dass „echte Liberale“ in der BRD in Promille, nicht in Prozent zu bemessen sind.
        Die Geschichte des unrühmlichen bundesdeutschen Parteiberalismus wird von Christian Lindner, wie viele meinen, konsequent fortgesetzt.

        MFG
        Dr. W

        PS:
        Korrekt, es waren die Alliierten, die die BRD hervorbrachten, von unseren russischen Freunden einmal abgesehen.

      • Hallo Herr Blume,

        von allen „Liberalen“, die zwischen 2009 mund 2013 mitregieren durften, hat mich Frau Leutheusser-Schnarrenberger noch am wenigsten enttäuscht. Bürgerrechte und Datenschutz waren bei ihr in guten Händen – es ist die GroKo, die jetzt wieder das unselige Thema Vorratsdatenspeicherung hervorkramt.

        Mit dem Programm der FDP bin ich nach wie vor völlig d’accord, es gibt nur niemanden, der sich traut, es umzusetzen. Ich gebe hiermit offen zu, daß ich 2009 FDP gewählt habe. Folgende Ziele habe ich damit nicht verbunden:
        – ich habe die FDP nicht gewählt, damit Dirk Niebel Entwicklungshilfeminister wird
        – ich habe die FDP nicht gewählt, damit Deutschlands Kernkraftwerke voreilig abgeschaltet werden
        – auch nicht, damit Schäuble Finanzminister wird
        – auch nicht, damit die „no-bail-out-Regel“ endgültig begraben wird
        – und schon garnicht, damit ich heute den gleichen Aufwand wie vor 6 Jahren habe, um dem Finanzamt mal wieder klarzumachen, daß bei mir immer noch nichts zu holen ist.

        Ja, Wirtschafts- und Steuerpolitik sind für Liberale heutzutage sehr wichtige Themen. Vor allem, weil die Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Straffreiheit von „einvernehmlich abnormalem“ Sexualverhalten und die Freiheit, Genußmittel in dem Maße zu konsumieren, wie man damit niemandem schadet, inzwischen gesellschaftlicher Konsens sind – die einzigen, die damit Probleme haben, sind Islamisten und Gesundheitsfanatiker. Liberale müssen zur Zeit nicht gegen die Prohibition oder gegen die Kriminalisierung von Homosexuellen kämpfen, weil beides keine akuten Probleme sind. Die Planwirtschaft im Energiesektor unter dem Deckmantel der Klimareligion ist dagegen eines. Und schon sind wir wieder bei „Wirtschaftsfreiheit, Markt, Wettbewerb“…

        Übrigens toll, daß Sie jetzt auch bei eigentümlich frei schreiben – war mir garnicht aufgefallen, das ef-magazin hatte es länger nicht mehr in meine „Filterbubble“ geschafft.

        • Danke für das Plädoyer, @Störk! Und ja, wann immer die FDP Anstalten machte, eine wirklich liberale Partei zu sein – also eine, die nicht nur Pöstchen jagt und als Lobbyistin bestimmter Zünfte fungiert -, war sie auch mir sympathisch. Und manchmal hoffe ich sogar, dass Wählende und Mitgliedschaft ihr eine zweite Chance geben würden… 😉

          Mit Dank und freiheitlichen Grüßen! 🙂

  8. Diskussionen über Liberalismus werden schnell von utopischen Ideologien überlagert und in Sackgassen geführt. Man streitet dann nur noch über diffuse Begriffsdeutungen und Nebensächlichkeiten wie „Neoliberalismus“. Die Freiheit ist dem Menschen angeboren, jeder Mensch hat Anspruch auf Freiheit, denn alle Menschen sind gleichwertig, darüber kann es keine Zweifel geben. Die Freiheit in einer Gemeinschaft oder Gesellschaft ist aber ebenso begrenzt, durch die Freiheiten und Rechte des Mitmenschen, auch darüber kann es keine Zweifel geben.

    Die Freiheit ist eines von mehreren Kriterien in einer Gesellschaft. Andere Kriterien sind die soziale und die ökologische Nachhaltigkeit, sowie der Wohlstand. Menschen wollen im Wohlstand leben, also sind sie auch bereit, auf manche Freiheiten zu verzichten, zugunsten von Ausbildung, Karriere und Einkommen. Ebenso erfordert die soziale und die ökologische Nachhaltigkeit den Verzicht auf manche Freiheiten oder deren Einschränkung, z.B. die freie Entsorgung von Müll, die freie Ausbeutung von Humankapital und Naturressourcen. Aus diesen Gründen muss die Demokratie zunehmend durch Technokratie ergänzt und beschränkt werden. Eine reine Demokratie ist so utopisch wie der reine Sozialismus, oder endet in Armut, Gewalt, Korruption und Müll, nicht anders als die kollektivistisch-sozialistischen Gesellschaften.

    Zu den roten und braunen Kollektivisten sollte man auch die schwarzen Kollektivisten zählen, den illiberalen Klerus. Dass ein gläubiger Religionsapologetiker dies verschweigt, ist zwar verständlich, aber unehrlich.

  9. Ich denke ein wesentliches Problem des Liberalismus ist, dass er mit Wirtschaftsliberalismus gleichgesetzt wird. Das gilt insbesondere für die vermeintlichen Verfechter (Politik, Wirtschaft aber auch Wissenschaft) in den Massenmedien. Der Freiheitsbegriff wird zusätzlich sehr oft missbraucht, um die eigene Agenda zu transportieren, bspw. zur Legitimierung von Krieg oder Drohneneinsätzen (Verteidigung der Freiheit).

    Bismark meinte mal

    Es gibt kaum ein Wort heutzutage, mit dem mehr Missbrauch getrieben wird als mit dem Worte ‚frei‘. Ich traue dem Wort nicht, aus dem Grunde, weil keiner die Freiheit für alle will: Jeder will sie für sich. (15.02.1884)

  10. „Dagegen haben freiheitliche Marktwirtschaften Unzähligen Wohlstand und existentielle Sicherheit beschert.“

    Man kann diese Minderheit sehr wohl zählen – Der Effekt der Globalisierung der „Dienstleistungsgesellschaft“: Ein Fünftel in Arbeit und Wohlstand, der „Rest“ im Tititainment, mit all den negativen Auswirkungen wie Armut und Krankheit, denn mehr gibt das System nicht her!

    Mit dem wirklich-wahrhaftigen Verstand von Vernunftbegabung, bin ich Sozialist und Christ, für Möglichkeiten in geistig-heilendem Selbst- und Massenbewußtsein – Liberalismus ist der ignorant-arrogante Zynismus des teils (LOGISCH) brutal-egoisierenden „Individualbewußtseins“ für den „freiheitlichen“ Wettbewerb um die Illusionen der Hierarchie in materialistischer „Absicherung“.

    Da du in der DDR für den Kreislauf des geistigen Stillstandes sozialisiert wurdest, kann man dich nur im Besonderen bedauern.

    • @Horst

      Danke, dass Sie uns die Gefahren kollektivistischen Denkens mit Ihren Kommentaren so plastisch vor Augen führen!

      Der Effekt der Globalisierung der „Dienstleistungsgesellschaft“: Ein Fünftel in Arbeit und Wohlstand, der „Rest“ im Tititainment, mit all den negativen Auswirkungen wie Armut und Krankheit, denn mehr gibt das System nicht her!

      Fakt ist: Noch nie waren Wohlstand und Lebenserwartung der Menschen so hoch, wie sie es heute in den Gesellschaften mit sozialer Marktwirtschaft sind. Es mag Ihnen nicht passen, aber es ist so. Und wo die Menschen die Wahl haben, entscheiden sie sich regelmäßig auch genau dafür!

      Mit dem wirklich-wahrhaftigen Verstand von Vernunftbegabung, bin ich Sozialist und Christ, für Möglichkeiten in geistig-heilendem Selbst- und Massenbewußtsein – Liberalismus ist der ignorant-arrogante Zynismus des teils (LOGISCH) brutal-egoisierenden „Individualbewußtseins“ für den „freiheitlichen“ Wettbewerb um die Illusionen der Hierarchie in materialistischer „Absicherung“.

      Fakt ist: Wenn Sie im Namen einer auch noch exklusiven „Vernunftbegabung“ ein „Massenbewußtsein“ an die Stelle eines „Individualbewußtseins“ stellen wollen, ist das schlicht und einfach unmenschlich und totalitär. Menschen sind Individuen, die sich – idealerweise freiwillig – vergemeinschaften. Jede Staatsgewalt, die ihnen (durch Manipulation, durch Gewalt?) das „Individualbewußtsein“ austreiben wollte – vielleicht auch samt des Namens, Nummern tun es ja auch… -, greift direkt die auch in unserem Grundgesetz verankerten Freiheitsrechte an, für die der Liberalismus steht. Sie können sich auf freiwilliger Basis mit Gleichgesinnten gerne „vermassen“, so viel Sie wollen – aber Sie können uns andere nicht dazu zwingen, Ihren kollektivistischen Ideen zu folgen. (Die Star Trek-Borgs nennen Ihren Traum übrigens „Assimilieren“. 😉 )

      Da du in der DDR für den Kreislauf des geistigen Stillstandes sozialisiert wurdest, kann man dich nur im Besonderen bedauern.

      Abgesehen davon, dass ich Ihnen nie das „Du“ angeboten habe, bin ich auch nicht in der DDR sozialisiert worden und brauche Ihr Bedauern nicht. Freilich ist die DDR ein abschreckendes Beispiel dafür, wohin sozialistische Systeme in der Realität geworden sind…

      • „Menschen sind Individuen, die sich – idealerweise freiwillig – vergemeinschaften.“

        Menschen sind Individuen, aber MENSCH ist im Sinne der christlichen Lehre die zu fusionierende Aufgabe – Ursprung & Ziel, Ursache & Wirkung!? 😉

        „- idealerweise freiwillig -“

        Das Ideal ist, IMMERNOCH, die blöd-, stumpf- und wahnsinnige Eskalation im „Tanz um das goldene Kalb“, trotz aller „Fingerzeige / Kopfnüsse“ von menschenwürdiger Philosophie wider dem Kreislauf des geistigen Stillstandes, weshalb MENSCH nur wirklich-wahrhaftig GEMEINSAM das Schicksal / die Vorsehung der „göttlichen Sicherung“ zum FREIEN WILLEN überwinden kann / wird, um die Vernunftbegabung in Gänze mit eindeutig-zweifelsfreiem Bewußtsein zu erfüllen!? 🙂

        Wenn ich von Möglichkeiten in geistig-heilendem Selbst- und Massenbewußtsein referiere, dann hat das ganz sicher nichts mit Assimilieren im Stile der Borg zu tun, was allerdings die Gen-Technik und neuerdings auch die Nano-Technik mit bionischer Robotik versucht umzusetzen, für die Optimierung des Systems des „freiheitlichen“ Wettbewerbs um … – „denn sie wissen NICHT was sie tun“ 😉

        • @Horst

          Sie schrieben: Menschen sind Individuen, aber MENSCH ist im Sinne der christlichen Lehre die zu fusionierende Aufgabe – Ursprung & Ziel, Ursache & Wirkung!? 😉

          Das eben bestreite ich: Gott wendet sich nach christlicher Lehre nicht einem abstrakten (Über-)“MENSCH“ zu, sondern konkreten Menschen in all ihrer Individualität und auch Schwäche. Dass Menschen ihr „Individualbewußtsein“ aufgeben müssten, um an der Wahrheit teilzuhaben, halte ich für gefährlich & totalitär. (Und viele Anhänger scheinen Sie damit ja auch bislang nicht gefunden zu haben – soviel Zeit, wie Sie hier mit Schimpfen verbringen… 😉 )

          Das Ideal ist, IMMERNOCH, die blöd-, stumpf- und wahnsinnige Eskalation im „Tanz um das goldene Kalb“, trotz aller „Fingerzeige / Kopfnüsse“ von menschenwürdiger Philosophie wider dem Kreislauf des geistigen Stillstandes, weshalb MENSCH nur wirklich-wahrhaftig GEMEINSAM das Schicksal / die Vorsehung der „göttlichen Sicherung“ zum FREIEN WILLEN überwinden kann / wird, um die Vernunftbegabung in Gänze mit eindeutig-zweifelsfreiem Bewußtsein zu erfüllen!?

          Soweit ich Ihren (meines Erachtens etwas wirren) Satz entziffern kann, läuft er darauf hinaus, dass die Menschen (bzw. MENSCH) seinen „freien Willen“ überwinden solle, um Anteil an Ihrem „christlich-sozialistischen“ und natürlich „eindeutig-zweifelsfreien“ Bewußtsein zu haben.

          Nein, danke. Ich werfe nichts weg, was uns der Schöpfer mitgegeben hat – auch nicht den „freien Willen“! 🙂

          • Ist es nicht die Selbstlosigkeit, die Christus vor allem gebietet, um an Erkenntnis, Erlösung und den Verstand / die Erleuchtung des Freien Willens zu gelangen – die Mär er wäre dafür als Opfer unserer Sünden gestorben, ist doch wie fast alles an der „christlichen Lehre“ (das Drehbuch für Ausbeutung und Unterdrückung von kreislaufend-gepflegter Bewußtseinsschwäche) eine ziemliche …?! 😉

  11. @Michael Blume
    „Weiterhin fliehen Millionen Menschen aus sozialistischen Systemen in jene Länder, die mehr oder weniger liberal verfasst sind.“

    Die gegenwärtigen Fluchtwellen kommen eher aus Ländern, die im Sinne liberaler Ideologie „befreit“ wurden, etwa aus dem Irak, Libyen, dem Kosovo und Syrien (wo die liberale Befreiung noch läuft). Aus tatsächlich sozialistischen Staaten wie China oder Vietnam fliehen deutlich weniger Menschen. Das soll nicht den Sozialismus idealisieren, aber ganz so einfach wie Sie sagen sind die Dinge dann doch wieder nicht.
    Und wie schon angemerkt wurde, passen die Bezüge „rot“ ode „braun“ in keinem Fall zur Beschreibung des liberalkonservativen Spektrums, und derart grobschlächtige Polemik bringt die Diskussion in der Tat nicht weiter. Und ist jetzt auch schon ein stalinesker Kollektivist oder brauner Volksgemeinschaftler, wer auf durchaus liberaler Grundlage überindividuelle Bindungen wie die an eine Familie als notwendige Gegenkraft zum bevormundenden Staat betrachtet und Gender Mainstreaming als etatistisches Programm zur Auflösung solcher Bindungen ablehnt?

    • @Finanzler

      Ein wenig muss ich mich schon wundern: Allein zweimal ist in o.g. Blogpost ausdrücklich von Familie und deren Bedeutung die Rede, der Konnex von Religion und Demografie ist ein Schwerpunkt auch dieses Blogs – und da fragen Sie ernsthaft, ob ich (übrigens selbst dreifacher Familienvater) Familienorientierung als „braunen Kollektivismus“ einordnen würde?

      Selbstverständlich sind Familien- wie auch Religionsorientierungen ABSOLUT LIBERAL, solange sie auf FREIWILLIGKEIT beruhen. Wenn Sie aber z.B. Menschen zu Eheschließungen und Geburten zwingen wollten, (wie z.B. im sozialistischen Rumänien geschehen) oder z.B. gemischte Ehen als „Rassenschande“ verbieten wollten, dann wären Sie tatsächlich kein Liberaler, sondern ein Kollektivist! Wenn Sie dagegen Familien & Gemeinschaftlichkeit auf Basis von Freiwilligkeit als unverzichtbar erkennen und wertschätzen, liegen wir sehr dicht beieinander!

      Und die „Abstimmung mit den Füßen“ bezog sich – wie ebenfalls bereits erklärt – nicht nur auf die Tagespolitik, sondern auf das letzte Jahrhundert insgesamt. Heute gibt es ja kaum noch sozialistische Systeme, der Wettstreit der Weltanschauungen ist in der Realität weitgehend entschieden (wenn sich auch noch manche gegen die Folgerungen daraus wehren)…

      PS: Vor dem Studium der Religions- und Politikwissenschaften hatte ich übrigens auch eine Finanzausbildung gemacht. Ein kollegiales „Willkommen“ auf dem Blog! 🙂

  12. In den Staaten meint die Adjektivierung ‚liberal‘ amüsanterweise Linke, also Kräfte mit internationalistisch kollektivistischem Anspruch, die nicht ‚progressiv‘ sind, nicht in Revolution machen, in etwa so wie es sich bundesdeutsch mit der SPD verhält, bei der spätestens seit Tucholsky gewusst wird, dass mit ihr die sozialistische Revolution nicht kommt.
    Seit einiger Zeit wird bundesdeutsch die Adjektivierung ‚linksliberal‘ für den selben Zweck genutzt, der gemeine bundesdeutsche Soz wäre demzufolge typischerweise ‚linksliberal‘.
    Weil aber der Liberalismus dem Kollektivismus direkt entgegensteht, durchaus gegnerisch bis feindlich, macht es semantisch oder politologisch natürlich keinen Sinn ‚Linksliberale‘ zu kreieren.

    Viele Linke wollen halt gerne liberal sein, zumindest den Begriff besetzen.
    Um Begriffsbesetzung und negative Konnotation geht es natürlich auch beim Ordo- oder Neoliberalismus [1], beide Varianten sind gut und stellen aus Sicht vieler modernen Liberalismus dar, nicht etwa das, was Linke (aber auch kollektivistische Rechte) zu streuen suchen…

    Der Liberalismus ist übrigens nicht ganzheitlich oder totalitär, d.h. zu vielen (gerne auch: sittlichen) Fragen rät er nichts (direkt) an.
    Typische Beispiele sind die sogenannte Homoehe oder die Ehe für alle, Fragen der Immigration und der Emigration und natürlich auch (natur-)wissenschaftliche Fragen mit politischem Impact meinend, also bspw. den Klimawandel betreffend, wie der nun einzuschätzen, zu bearbeiten sei.
    Also da sagt der Liberalismus nicht: So oder so muss es sein!

    Insofern kann es natürlich sittlich eher konservative („wertkonservative“ und sittlich eher progressive Liberale geben, wobei die einen als eher rechts und die anderen als eher links bezeichnet werden könnten.
    Wenn gewollt, der Schreiber dieser Zeilen will dbzgl. eigentlich nicht.

    Der WebLog-Eintrag spielt möglicherweise auch auf diese Dame und ihren (mittlerweile: gescheiterten) Angriff an:
    -> https://de-de.facebook.com/permalink.php?story_fbid=801347736628959&id=227145967382475 (die einzige dem Schreiber dieser Zeilen bekannte Quelle des „Horn-Angriffs“)

    Also diese Dame hat es eben nicht verstanden, also dass der Liberalismus wertkonservative oder wertprogressive Einstellungen eben NICHT vorgibt.
    Die Dame wollte die Wertkonservativen rauskicken aus der Hayek-Gesellschaft, lustig.

    MFG
    Dr. W

    [1]
    Es müsste zumindest marketing-technisch falsch gewesen sein einen erneuerten oder an die Zeit angepassten Liberalismus mit der Präfix ‚Neo‘ zu versehen, lol.

  13. Was soll denn dieses „links“ und „rechts“?

    Mal angenommen ich vertrete eine Meinung, die teilweise auf die „linke“ Seite als auch auf die „rechte“ Seite zutreffen möge.

    Was zum Henker sagt mir das dann??

    • ‚Links‘ und ‚rechts‘ meinen Sitzordnungen in Parlamenten, die Richtungsangabe beinhaltet eine gewisse Metaphorik, leistet aber nicht entscheidend im Politischen und ist sogar kontraproduktiv bei der individuellen politischen Entscheidungsfindung.

      Besser als die Unterscheidung zwischen „Rinks und Lechts“ ist die Unterscheidung zwischen liberalistisch und kollektivistisch.
      Unsere National Sozialistischen Freunde, unsere internationalistisch Sozialistischen Freunde und unsere theozentrisch kollektivistischen und oft bärtigen Freunde könnten insofern von unseren wirklichen Freunden, sogenannten Liberalen, unterschieden werden.

      HTH
      Dr. W (der natürlich anzugeben hat, dass die bundesdeutsche Medienlage betreffend so ziemlich alles getan wird, Medien wie EiFrei und andere einmal ausgenommen, um allgemein, also Bürger betreffend, dbzgl. zu irritieren)

  14. Sehr geehrter Herr Blume,

    vielen Dank für diesen guten und wichtigen Artikel. Ich persönlich bin der Meinung das liberal und konservativ niemals in Einklang geraten können. Sie erwähnen, dass Sie Christ sind! Was meinen Sie damit bitte genau? Ich vertrete die Meinung, dass Menschen oft in ihrem christlichen Dasein eine Konstante finden, die ihnen Sicherheit gibt. So soll es sein, aber eben auch nicht mehr! Vielen Dank für eine Antwort.

    • Vielen Dank für die Rückmeldung, @Der einfache Mann.

      Was das Christ-Sein – oder überhaupt jede religiöse Überzeugung – angeht, so meine ich, dass nur frei gewähltes Verhalten ethischen und religiösen Wert hat. Insofern stimme ich Ihnen zu, dass Religiosität eine zutiefst private Angelegenheit ist. Zugleich drängen religiöse Überzeugungen aber auch (meist) zur Vergemeinschaftung, Christen sind z.B. häufiger ehrenamtlich aktiv und bilden stabilere sowie kinderreichere Familien (immer im Durchschnitt betrachtet). Gelebter Glauben hat immer auch soziale und damit öffentliche Dimensionen.

      Der Liberalismus bejaht die Religionsfreiheit – was auch die Freiheit einschließt, religiös bestimmt zu leben oder umgekehrt nichtreligiös zu sein. Sowohl religiöse Fundamentalisten wie auch extreme Antitheisten können daher kaum liberal sein.

      • Wenn ich nicht wüßte wieso, weshalb, warum …, bzw. um welche „Traditionen der Freiheit“ es hier geht, dann müßte ich mich wundern wie sich jemand als Liberaler darstellen kann, der dermaßen oft Beiträge der „Meinungsfreiheit“ löscht – die Idee des freiheitlichen Internet wird zunehmend von … GEKAPERT 😉

        • Das ist ganz einfach, @Horst: Dieser Blog gehört mir und ich muss hier genausowenig jede Beschimpfung & Trollerei stehenlassen, wie ich jedermann in mein Wohnzimmer lassen müsste. „Meinungsfreiheit“ bedeutet, dass Sie Ihre Meinung sagen dürfen – aber nicht, dass Sie jedes Medium anderer Leute dafür missbrauchen dürfen. Wenn Sie sich unbedingt austoben wollen, eröffnen Sie doch einfach z.B. über WordPress einen eigenen Blog – dort sind Sie dann Hausherr (bzw. Haushorst 😉 ).

          Vor allem in den Anfangsjahren dieses Blogs habe ich den Fehler gemacht, viel zu viel zuzulassen. Das Ergebnis waren üble und peinliche Kommentare, der Rückzug vieler ernsthaft Interessierter und endlose Diskussionen mit Leuten, die nur selbst „reden“, aber nicht zuhören wollten. Nicht wenige Kolleginnen und Kollegen haben aufgrund solch schlechter Erfahrungen mit „Kommunikationsmüll“ sogar das Bloggen insgesamt aufgegeben.

          Mir – und vielen Leserinnen und Lesern – geht es deutlich besser, seitdem ich strenger geworden bin. Sie werden bei mir immer wieder eine Chance bekommen, wenn Sie es schaffen, verständlich zu schreiben und auf Beschimpfungen anderer Menschen zu verzichten. Ansonsten werde ich halt zukünftig irgendwann auf „Moderation“ umstellen und jeden Kommentar vor Veröffentlichung erst freischalten. Das wäre schade, bleibt aber bei fortgesetzter Trollerei eine Option.

  15. Lieber Michael, Blogbeitrag und Diskussion finde ich fast schon ein bisschen lustig. „Eigentümlich frei“ steht für mich für einen Blog, in dem rechtschristliche Kreise sich mit den Begrifflichkeiten von „liberal“ und „libertär“ tarnen. Das kann an vielen Hinweisen aufgezeigt werden. Seit wann auch könnte man Vatikantreue „freiheitlich“ nennen, liberal, libertär? (???)

    Der Vatikan und die katholische Kirche haben zahllose Diktaturen in der Welt gefördert und unterstützt bis in die Gegenwart, sie haben Austrofaschismus unterstützt. All das kommt in Deinem Blogbeitrag nicht vor.

    Aber auch angesichts dessen, dass gegenwärtig die christliche „liberale“ Mitte in Großbritannien rund im Margaret Thatcher im pädokriminellen Sumpf zusammenbricht, halte ich den ganzen Blogbeitrag und die ganze Diskussion hier für völlig überholt und obsolet. Herrschaftsverhältnisse, die auf der Mitwisserschaft und Vertuschung von Pädokriminalität beruhen, sind per se nicht mehr liberal! Und da sich das – wie gesagt – bis in die mittigste Mitte unserer christlichen Regierungskriminellen hineinzieht, sollte man eine Diskussion darüber, wer wo und wann tatsächlich und wirklich „liberal“ und freiheitlich gesinnt ist, wer sich tatsächlich eine Offene Gesellschaft mit echter Gewaltenteilung, mit nicht manipulierter Presse usw. wünscht (und nicht nur so tut), auf die Zeit vertragen, in der wir VERSTANDEN haben, was all das bedeutet, was gegenwärtig vor allem in Großbritannien vor unserer aller Augen geschieht – aber natürlich nicht auf Großbritannien beschränkt ist.

    Um mal darauf hinzuweisen, wie DICHT uns das hier in Deutschland und sogar auf Wissenschaftsblogs auf die Pelle rückt, mal nur der Hinweis, dass der 2009 verstorbene „Doyen“ des österreichischen Wissenschaftsjournalismus, der Freimaurer und SPÖ-Mann Manfred Jochum im öffentlich rechtlichen Fernsehen Österreichs der Pädokriminalität beschuldigt wurde:

    http://studgenpol.blogspot.de/2015/08/ein-padokrimineller-doyen-des.html

    Ich weiß, angesichts der lächerlich spärlichen Berichterstattung in deutschsprachigen Medien über diese Dinge, vor allem über den gegenwärtigen Zusammenbruch der ältesten Demokratie der Neuzeit, der dann auch noch krass verharmlosend und abwiegelnd ausfallen kann:

    http://www.welt.de/politik/ausland/article144978682/Die-britische-Oberschicht-steht-unter-Paedophilie-Verdacht.html

    – was alles weitere Hinweise sind – wird es noch eine Weile dauern, bis die Politikwissenschaft verstanden hat, was das alles bedeutet. Aber ich denke, hier werden doch wenigstens EINIGE englischsprachige Hauptstrom-Medien lesen und verstehen können.

    Ansonsten bitte gerne auch hier:
    http://studgenpol.blogspot.de/2015/07/die-stolze-ekelhafte-versumpfte.html
    oder hier:
    http://studgenpol.blogspot.de/2015/07/herrschaftsverhaltnisse-die.html

    • Lieber Ingo,

      es kann schon sein, dass Du im Netz aus lauter Verschwörungstheorien überall „Zusammenhänge“ siehst – bitte akzeptiere aber, dass dies anderen so nicht gehen muss.

      So ist mir 1. unklar, wie Du einerseits z.B. Thilo Sarrazin seitenweise loben kannst, andererseits aber anderen vorwirfst, sich als „liberal“ und „libertär“ zu „tarnen“.

      2. Mir ist nicht klar, warum ich mich als Religionswissenschaftler und evangelischer Christ zu Liberalismus & Vatikan erklären soll. Schon John F. Kennedy musste sich in den USA mit dem „Vorwurf“ plagen, ein „Papist“ könne kein wirklicher Demokrat sein. Ich halte solche antikatholischen Vorurteile für ebenso daneben wie entsprechende antijüdische oder antimuslimische Pauschalisierungen.

      3. Ich kann beim besten Willen nicht sehen, was großbritannische Ermittlungen (übrigens unter einer amtierenden, konservativen Regierung) und österreichische SPÖ-Politiker (und „Freimaurer“, was soll das denn?) mit diesem Blogpost zusammenhängen. Dein Wortgebrauch von „christlichen Regierungskriminellen“ kann ich nur so verstehen, dass Du unserer gewählten Regierung entsprechende Verbrechen vorwirfst und sie gerne umstürzen würdest. Tatsächlich gibt es kriminelles Verhalten in allen Menschen- und Berufsgruppen und auch unabhängig von der Parteifarbe – ich erinnere an entsprechende Ermittlungen gegen Politiker der SPD, wie auch an enstprechende Enthüllungen rund um den NPD-Funktionär Patrick Wieschke in Thüringen.

      In der Summe will ich Dich also bitten, meinen Blog nicht für die Verbreitung von antikatholischen, antidemokratischen und anderen Verschwörungstheorien zu missbrauchen. Ich hoffe, Du findest irgendwann einmal aus dem Netz, in das Du Dich selbst eingesponnen hast…

      Alles Beste, liebe Grüße!

  16. „Der Liberalismus bejaht die Religionsfreiheit – was auch die Freiheit einschließt, religiös bestimmt zu leben oder umgekehrt nichtreligiös zu sein.“

    Mein Verständnis von BESTIMMTER Religions- und / oder Parteizugehörigkeit: Man folgt der GRUNDLEGENDEN Ideologie, oder man ist auch nur ein Heuchler / Lügner dieser zynisch-multischizophrenen Welt- und „Werteordnung“ im „Recht des Stärkeren“ – die Freiheit und der Liberalismus kann nur ausserhalb in „individualbewußter“ Illusion sein, oder im Freien Willen einer wirklich-wahrhaftigen Gemeinschaft zweifelsfrei-eindeutig wirken!?

  17. Pingback: Interessante Links und Nachrichten 10.08.2015ff - Aleks Weltweit

    • Vielen Dank, @Arnold Voss! Normalerweise lasse ich kommentarlose Links nicht stehen, aber dieser Blogpost passt genau zum Thema und ist m.E. hochkarätig. 🙂

      Mit blognachbarlichen Grüßen!

  18. Liberalismus setze ich mit Wirtschaftsliberalismus gleich, weil mir die anderen Strömungen da noch gar nicht so bewusst waren. Als Mensch hat man ja immer nur beschränkte Kenntnis.

    Naja, ich hatte auch schon mal irgendwo gelesen, dass die jetztigen Neoliberalen eigentlich als Neoneoliberale bezeichnet werden müssten. Weil die eigentlichen Neoliberalen sind die Ordoliberalen. Das war ja im Text schon angesprochen.

    Der Wirtschaftsliberalismus hat zumindest meines Erachtens mit Freiheit nicht viel zu tun. Das grosse laissez-faire liberale 19. Jahrhundert ist nicht zufällig das grosse Kolonialismusjahrhundert. An der Stelle finde ich das Buch von Losurdo: „Freiheit als Privileg: Eine Gegengeschichte des Liberalismus“ illustrativ.
    Es ist vielleicht ein bisschen gemein die Kolonialideologie rauszukramen „Der weisse Mann muss erstmal Kultur und Fortschritt in die rückständigen Gebiete der Erde bringen.“ und „Die Wilden müssen sich erstmal durch harte Arbeit ihren Platz in der Gemeinschaft der Freien verdienen.“ und das dem Liberalismus des 19. Jahrhunderts überzuhelfen. Aber nach Losurdo ist das soweit hergeholt nicht.
    Locke ist ja der letzte grosse Philosoph der versucht die die Sklaverei zu rechtfertigen. In dem Buch versucht er auch in einem Kapitel die Sozialdarwinisten und die Liberalen auseinanderzudividieren. Was natürlich nicht geht, weil es ein und dieselbe Sosse ist.

    Der obige Abschnitt geht vielleicht ein bisschen am Thema vorbei. Aber ich finde den liberalen Freiheitsbegriff an der Stelle schon immer komisch.
    Z.B. finde ich ja dass der Sozialstaat die individuelle Freiheit steigert. Wenn man viel und lange Arbeitslosengeld bekommt, ist das eine freiheitsteigernde Massnahme. Wobei die heutigen Neoliberalen und die FDP, glaub ich, auch die angesagten Feinde des Sozialstaats sind.
    Bei mir schwingt da immer „Freiheit als Privileg“ mit, wenn ich über den liberalen Freiheitsbegriff irgendwo stolpere.
    (Es wäre mal interessant, ob man da eine Linie ziehen kann ausgehend von der Protestantischen Ethik bis heute. Also wenn einer ein gottgefälliges Leben führt bekommt er im diesseits viel Segen in Form von Geld ab. Die Reichen sind die Heiligen. Das sind die besten der Gesellschaft und darum muss man sie in Ruhe lassen: Freiheit als Privileg. Aber wehe dem arme Schlucker am besten noch mit Schulden (Sünde), der hat keinen Platz in der Gemeinschaft der Freien und muss sich er wieder durch harte Arbeit (Busse) in Wert setzen.)

    Ich finde ja die einzigen die sich „Freiheit“ auf die Fahnen schreiben dürfen sind die Anarchisten (aka Libertäre).
    Das ist auch eine schöne Begriffsverwirrung, dass die Libertarians in den USA eigentlich Wirtschaftsliberale sind, wobei Libertäre im Rest der Welt schon immer synonym waren zu Anarchisten. So ähnlich schreibt das zumindest Chomsky in „On Anarchism“. Dazu habe ich auch dieses Interview gefunden.

  19. Ich frage mich wovor man beim Kollektivismus eigentlich praktisch Angst hat? Ich bin Nachwende-Generation ich habe keinen Plan von der DDR. Manchmal hört man, dass die DDR so nach dem Motto das Reich des Bösen war, aber meist von „Wessis“. Da höre ich eher die Stasistaat-Propaganda der letzten 20 Jahre vom Westen raus als alles andere. Weil wenn man „Ossis“ erzählen hört, schien das jetzt nicht so schlimm gewesen zu sein. Da hört man manchmal, dass sie Sicherheit gegen materiellen Wohlstand getauscht haben und später erst gemerkt haben was sie da eigentlich aus der Hand geben. Wenn Sicherheit da ist, schätz man sie gar nicht so viel wert.

    Der Staatsterror des Nazistaats gerade gegen Minderheit ist da nochmal eine andere Geschichte. Aber ist das dem Kollektivismus inhärent? Vor allem wenn man DDR und 3. Reich in einen Topf wirft, finde ich das meist eher ideologisch als intellektuell? Dafür steht Kollektivismus für mich ein bisschen. Das wäre interessant zu wissen, wie Kollektivismus so definiert ist, was das so praktisch heisst. Was muss gelten damit was kollektivistisch ist?

    Neben so einem irrational-emotionalem Moment, den ich mir ein einbilde da manchmal raushören zu können von den roten Verbrechern usw., habe ich manchmal den Eindruck, dass man froh ist, dass so ein liberaler gesellschaftlicher Diskurs vorherrscht. Aber selbst wenn der gesellschaftliche Diskurs eher kollektivistisch wäre, in Zeiten des Internets könnte man seine eigene individuelle Ecke im Netz aufmachen wie das viele Subkulturen, die im Mainstream nicht vertreten sind, vormachen und gut ist.

    Ich denke eigentlich, dass man in unseren Zeiten nur Legitimation hat, wenn man eine abgeleitete Variable von irgendeiner Institution ist, also wenn man ein Rädchen im Getriebe einer Institution ist. Das heisst es ja Arbeit zu haben, hat man keine Arbeit hat man keine Legitimation gesellschaftlich und bisweilen schlägt einem auch offener Hass entgegen. Von daher denke ich, diese Welt individualistisch zu nennen, ist eher ein Euphemismus als alles andere. Wenn die Masse der Bevölkerung gezwungen ist 40 Stunden die Woche die Strukturen von Institutionen zu befeuern (oder wie es so schön heisst, wenn sie dürfen), dann ist das schlicht ein Witz von Individualismus zu reden.
    Und wie gross gewachsen die Institutionen bzw. Bürokratien mittlerweile sind, die Armee der USA bekommt soviel Arbeitskraft auf ihre Mühlen gelenkt, dass es für sie eine realistische Option ist weltweit Kriege zu führen. (Ein bisschen wird da zwar durch Technik mitigiert aber trotzdem.)
    Wenn man dagegen mal vergleicht wieviel Mann im Mittelalter des Kaisers General himself Wallenstein in seine Armee konzentriert bekommen hat und das war einer der Innovatoren damals, ist das schlicht ein Witz im Vergleich zu heute. Ich denke, ja das Mittelalter war viel individualistischer als heute, alleine weil die Bürokratien noch nicht so ausgebaut waren wie heute und die Bevölkerung deswegen nicht gezwungen war soviel Zeit denen zu opfern.

    Von daher sehe ich auch keinen allzu grossen Unterschied zwischen Bundesrepublik und DDR. Also der Diskurs bzw. die Ideologie war leicht anders, der materielle Wohlstand und die Sicherheit auch, aber das sind quantitative Unterschiede nix qualitatives, ansonsten halt ein und die selbe Suppe.
    Man ist hier wie dort gezwungen 40 Stunden die Woche Institutionen zu opfern und drumherum baut sich das Leben auf.

    • @int

      Oh, Kollektive können eine tolle Sache sein – solange wir die Freiheit behalten, sie auch wieder verlassen zu können. Und genau (auch) diese Freiheit versagte die DDR ihren Bürgerinnen und Bürgern.

      Auch meine Familie stammt aus der ehemaligen DDR. Und litt u.a. unter Stasi-Haft (für meinen Vater) wie auch unter Berufsverboten (wegen „Westverwandtschaft“, also Fluchtgefahr).

      Wenn das DDR-Regime so dufte gewesen wäre, hätten doch kaum Millionen Menschen ausreisen wollen – und einige Haft und Tod für „versuchte Republikflucht“ erlitten!
      http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/meinem-vater-falko-blume-1950-2012/

      Die Versuche, Diktaturen nachträglich schön zu reden, gab es auch im Westen… :-/

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