Warum es falsch ist, Jesiden als Teufelsanbeter zu beschuldigen

„Warum werden Jesiden von manchen beschuldigt, den Teufel anzubeten?“ Diese Frage ist mir angesichts der aktuellen, brutalen Verfolgung der Jesiden im Nordirak in den letzten Tagen häufiger gestellt worden. Und da ich schon im Rahmen meines sciebooks „Engelkunde“ zu dem Thema gearbeitet und mit Jesiden den Dialog gesucht hatte, will ich versuchen, das Thema hier kurz und doch religionswissenschaftlich zu erklären.

Grundfrage: Woher kommen „Gut“ und „Böse“?

Schon während der Bronzezeit, in der sich überregionale Handelsnetze entwickelten, begannen sich erste Religionen und Weltanschauungen zu entwickeln, die nicht mehr nur das eigene Lebensumfeld, sondern „die Welt“ zu ordnen versuchten. Eine der größten Fragen war – und ist! – dabei, wie und woher je „Gut“ und „Böse“ ins weltweite Sein kommen. Der altiranische (und in überlebenden Gemeinden bis heute bestehende!) Zoroastrismus beantwortete dies mit einem Dualismus: Der guten Gottheit Ahura Mazda steht die böse Gottheit Ahriman gegenüber und sie kämpfen um die Schöpfung, je unterstützt durch zugeordnete Diener (die späteren „Engel“).

Das streng monotheistische (Eingott-glaubende) Judentum griff auch diesen Aspekt der älteren Religionstradition auf, wandelte ihn jedoch zur Ehre (des guten) Gottes um: Der Böse wurde nun zu einem Engel „im Hofstaat Gottes“, sozusagen zum obersten Ankläger & Staatsanwalt Gottes, der die Menschen – als einzige Wesen mit freiem Willen – prüfte (vgl. Buch Hiob). Im Christentum setzte sich wieder stärker der Dualismus durch: Der Teufel und sein Gefolge blieben „nur“ Engel, doch hatten sie sich – mit freiem Willen – gegen Gottes Vorherrschaft aufgelehnt, waren „gefallen“ und versuchten, bis zum Jüngsten Tag den Sieg des Guten aufzuhalten. Nicht nur aufgrund des starken Wachstums des Christentums, sondern auch aufgrund des „engelbezogenen“ Bilderreichtums wurde diese Vorstellung weltweit dominant und ist es bis heute geblieben.

Im Islam wurde diese Spannung weiter ausgearbeitet – und berichtet, woran genau der Schaytan (auch Iblis genannt) „gefallen“ war – er hatte sich geweigert, auf Geheiß Gottes den Menschen zu verehren! So heißt es im Koran:

„Und als wir zu den Engeln sprachen: „Werft euch vor Adam nieder“, da warfen sie sich nieder bis auf Iblis; er weigerte sich und war hochmütig. Und damit wurde er einer der Ungläubigen.“ (Sure 2:34)

Dass sich Iblis damit jedoch einem Befehl Gottes widersetzt und damit „freien Willen“ gezeigt hatte, konnte jedoch auch so interpretiert werden, dass er in Wahrheit nicht als Engel, sondern als ein – wie die Menschen über freien Willen verfügenden – Dschinn gehandelt habe:

Und da sprachen wir zu den Engeln: „Werft euch vor Adam nieder“ und sie warfen sich nieder, außer Iblis. Er war einer der Dschinn, so war er ungehorsam gegen den Befehl seines Herrn. Wollt ihr nun ihn und seine Nachkommenschaft statt Meiner zu Beschützern nehmen, wo sie doch eure Feinde sind? Schlimm ist dieser Tausch für die Frevler.“ (Sure 18:50)

Und der Auflehnende führte – wie übrigens auch schon der teuflische Ankläger im Babylonischen Talmud – einen Grund für seinen Groll gegen die Menschen an: Er hielt sich für ein besseres Geschöpf. So fragt Gott laut Koran:

Iblis, was hat dich gehindert, dass du dich niederwirfst vor dem, was Ich mit meinen Händen geschaffen habe? Wähnst du dich groß, oder bist du einer von den Überheblichen?“ Iblis erwiderte: „Ich bin besser als er. Du erschufst mich aus Feuer, und ihn (den Menschen) hast Du aus Ton erschaffen.“ (Sure 38:73).

Und so sieht auch der Islam den Konflikt bis zum Ende der von Gott gesetzten Zeit, bis zu der Iblis/Schaytan versuchen will, möglichst viele der verhassten Menschen zum Bösen zu verführen: „Bei Deiner Erhabenheit, ich will sie sicher alle in die Irre führen. Ausgenommen davon sind Deine erwählten Diener unter ihnen.“ (Sure 38: 82)

Gut und Böse versöhnen sich wieder: Der oberste Engel bei den Jesiden

Auch die koranische Geschichte birgt ihre Geheimnisse – schließlich soll nach monotheistischer und gerade auch islamischer Lehre niemand anderes als Gott selbst angebetet werden. Auch einige islamische Gelehrte und Sufis erwogen daher die Lesart, wonach Iblis mit der Weigerung, sich vor Adam „niederzuwerfen“, eigentlich gemäß Gottes Gebot gehandelt und die tiefste Wahrheit erfasst habe.

Aus der Verbindung altiranisch-zoroastrischer und solcher islamisch-sufischer Überlieferungen entstand so seit etwa einem Jahrtausend unter vorwiegend kurdischsprachigen Stämmen in den Gebieten des heutigen Nordirak, des Nordiran und der Südtürkei eine eigene Religion: Der Jesidismus, in noch unterschiedlichen Schreibweisen auch: Yezidismus, Ezidismus und wohl bald analog zu Juden- und Christentum „Jesidentum“.

Nach jesidischer Auffassung hatte Gottes oberster Engel – Melek Taus, meist als farbenprächtiger Pfau dargestellt – die eigentliche Prüfung bestanden, als er sich nicht vor Adam niederwarf. Zwar hatte er sich wegen Hochmuts zeitweise gegen Gott aufgelehnt und war dafür mit einer mehrtausendjährigen Höllenstrafe versehen worden – doch schließlich hatten sich Gott und sein höchster Diener ausgesöhnt und Melek Taus war in seine bedeutende, zwischen Menschen und Gott vermittelnde Rolle zurückgekehrt.

 MelekTausJezidismus

Jesidische Darstellung des obersten Engels Melek Taus. Quelle: Engelkunde

Unter den orthodoxeren Muslimen der Region löste die Entstehung und Verfestigung des Jesidismus Entsetzen aus: Ihnen schien es, als würde diese Gemeinschaft den gefallenen Iblis selbst anbeten! Dieser Vorwurf der „Teufelsanbetung“ (der über Karl May auch in Deutschland bekannt wurde) führte wiederum zu blutigen Verfolgungen, vor denen sich die Jesiden in eigene Dörfer und Siedlungsgebiete zurückzogen und in denen sie zur Sicherung der vor allem mündlichen Überlieferungen drei Kasten (Scheichs, Pirs und Muriden) ausbildeten. Dazu gehörte auch die strikte Ablehnung jeder Konversion von außen und eine strenge Beschränkung von Ehen auf die eigene Kaste. Eine gewisse vermittelnde Rolle zu den islamischen Herrschenden konnten dabei immer wieder christliche Kirchenvertreter spielen, zumal deren Lehren der unbedingten Versöhnungsbereitschaft Gottes einen regionalen, christlich-jesidischen Dialog ermöglichten.

Neue Verfolgungen ab dem 20. Jahrhundert

Doch mit der Bevölkerungsexplosion und gleichzeitigen Auflösung der Dorfgrenzen im 20. Jahrhundert endete auch die Abgeschiedenheit der Jesiden: Aus ihren Regionen zogen viele, oft ihren verfemten Glauben verheimlichend, in türkische, irakische und iranische Städte. Diskriminierungen und Verfolgungen, die mit der iranischen Revolution, dem Türkei-Kurden-Konflikt und der Instabilität des Irak auch die jesidischen Dörfer erreichten, führten schließlich zu massenhafter Flucht in die USA und nach Europa. Alleine in Deutschland leben heute über 50.000 Jesiden mit Schwerpunkten in Celle und Pforzheim. Ihre Zahl wächst auch aufgrund ihres traditionellen Kinderreichtums – eine frühe Ehe und große Familie gehört zu den religiösen Pflichten – weiter. Auch das Jesidentum gehört inzwischen zu Deutschland.

Fazit

Der Vorwurf, Jesiden seien „Teufelsanbeter“, ist sowohl religionsgeschichtlich wie nach ihrem eigenen Verständnis unbegründet. Jesiden beten zum „gleichen“ Ein- und Schöpfergott wie Juden, Christen und Muslime. In gewisser Hinsicht sind sie – wie das Judentum – sogar besonders streng monotheistisch, da sie die dualistische Spannung zwischen Gut und Böse zu Gott hin auflösen: Der „gefallene“ Engel erkennt nach einer Zeit der Trennung die Höhe und Weisheit Gottes wieder an, seine Reue wird angenommen und er wird – in der schönen Gestalt eines Pfaus – wieder an die Spitze des göttlichen Hofstaates eingesetzt.

Aber wie so oft werden religiöse Unterschiede nicht als Chance zu Dialog und Erkenntnis verstanden, sondern als Mittel der Abgrenzung und sogar Gewalt bis in deutsche Städte hinein. Auch wenn ich wenig Hoffnung habe, dass Religionswissenschaft in der derzeit polarisierten Stimmung gehört wird, will ich es auch hier betonen: Die Bezeichnung des Jesidismus als „Anbetung des Teufels“ ist religionsgeschichtlich falsch und schürt nur ihrerseits Hass und Menschenverachtung.

Dieser Blogpost enthält Auszüge des sciebooks „Engelkunde“ über die historische Entwicklung und Wirkung von Engelsvorstellungen in Weltreligionen und Populärkultur.

Engelkunde, sciebooks.de 2013

Credit: sciebooks.de Engelkunde, sciebooks.de 2013

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

75 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Vorwurf, Jesiden seien „Teufelsanbeter“, ist sowohl religionsgeschichtlich wie nach ihrem eigenen Verständnis unbegründet. Jesiden beten zum „gleichen“ Ein- und Schöpfergott wie Juden, Christen und Muslime.

    Zudem: Jesiden missionieren nicht und die Sache mit dem „gleichen“ Gott ist eine Frage der Einschätzung.
    Aus Sicht des Schreibers dieser Zeilen wird in unterschiedlichen Religionen nie zu den selben Göttern gebetet, insbesondere das Konzept der abrahamitischen Religionen, die einstmals drei an der Zahl waren, nun anscheinend vier sein sollen, muss nicht stimmig sein.

    MFG
    Dr. W

    • @Webbär

      Zu klären, ob und welche Götter es „gibt“, ist nicht Aufgabe der Religionswissenschaft – wohl aber kann und soll sie zeigen, aus welchen historischen Zusammenhängen die Gottesvorstellungen geschöpft werden und wie die Religionsgemeinschaften dies selbst verstehen. Und da ist eben klar, dass Jesiden nach ihrem eigenen Verständnis den „gleichen“ Gott verehren wie die abrahamitischen Religionen auch. Theologen mögen sich gerne darüber streiten – immerhin gab es ja auch z.B. Zeiten, in denen sich Protestanten und Katholiken gegenseitig den „wahren“ Gottesglauben abgesprochen haben.

      Noch ein Hinweis: Auch Juden „missionieren nicht“, ein freiwilliger Übertritt zum Judentum ist aber möglich. Im Jesidismus gilt dies – wie oben geschrieben – nicht: Bislang kann ein Nichtjeside, eine Nichtjesidin der Glaubensgemeinschaft nicht beitreten, auch Kinder aus „Mischehen“ gelten (bislang) nicht als Jesiden – was einer der Gründe für die strenge Endogamie (Vorschrift zur Ehe innerhalb der eigenen Gemeinschaft, teilweise sogar noch als Kastenendogamie) ist.

      • Und da ist eben klar, dass Jesiden nach ihrem eigenen Verständnis den „gleichen“ Gott verehren wie die abrahamitischen Religionen auch.

        Hier könnten Sie vielleicht noch ein wenig erklären; der Schreiber dieser Zeilen kannte mal einen Jesiden, der in alevitischen Kreisen beschäftigt worden ist, es gibt wohl nur 800.000 Jesiden, wenn den Angaben der bekannten Online-Enzyklopädie gefolgt werden darf, ein beträchtlicher Anteil sitzt mittlerweile in D.

        MFG
        Dr. W

        PS: Das mit dem grundsätzlichen Unterschied zwischen Geburts- und Bekenntnisreligion, gerade auch Kinder betreffend, ist mittlerweile angenommen worden?

        • @Webbär

          Zur Vertreibung der Jesiden steht doch schon sehr viel oben – bis hin zur Aussage „Auch der Jesidismus gehört inzwischen zu Deutschland.“ Ergänzen ließe sich noch der Hinweis, dass sich in Celle v.a. türkischstämmige Jesiden niedergelassen haben, in Pforzheim v.a. irakischstämmige.

          Gerade der Alevismus ist ein gutes Beispiel dafür, dass es mit dem grundsätzlichen Unterschied zwischen Geburts- und Bekenntnisreligion nicht so leicht ist: Ich kenne alevitische Geistliche, die ähnlich streng wie der derzeitige Jesidismus jede Konversion ablehnen und auch Kinder aus alevitisch-nichtalevitischen Ehen nicht als Aleviten anerkennen – und andere, die Konversionen anerkennen und vollziehen.

          Auch dem Judentum gehört man von Geburt durch eine jüdische Mutter an – unabhängig vom persönlichen Bekenntnis. Eine Konversion in das Judentum ist aber möglich. Und auch all dies hat sich geschichtlich entwickelt (im Talmud wird z.B. erbittert über Konversionen gestritten und die Abstammung über die Mutter setzte sich auch erst später durch) – und entwickelt sich weiter (einige liberale Gemeinden erkennen z.B. auch die Kinder jüdischer Väter und nichtjüdischer Mütter als Juden an oder ermöglichen deutlich erleichterte Konversionen).

          Ich möchte Sie also bitten, endlich zu verstehen: Alle Religionen sind in einem ständigen Wandel begriffen und es ist z.B. sehr gut möglich, dass Aleviten und Jesiden Fragen der Konversion und interreligiösen Ehen in hundert Jahren anders beantworten als heute. Ihre Versuche, scheinbar unveränderliche „Wesen“ der Religionen heraus zu arbeiten (man nennt dies „Essentialismus“), stoßen deshalb immer wieder an Grenzen – und kosten inzwischen doch etwas zuviel Zeit. Lassen Sie es mich daher abschließend mit einem Bild versuchen: Selbstverständlich besteht zwischen dem Baby, das Sie einmal waren, und Ihrer heutigen Persönlichkeit eine historische Kontinuität. Gleichzeitig hat sich Ihr „Wesen“ aber auch viele Male gewandelt, nicht zuletzt durch Umwelteinflüsse (Elternhaus, Schule, Freunde, Ausbildung, Beruf etc.) – und unter anderen Bedingungen wäre aus Ihnen womöglich kein Blog-Kommentator geworden. Zu keinem einzelnen Zeitpunkt war und ist Ihr „Wesen“ endgültig festgelegt.

  2. Letztens hatte mich ein Verwandter gebeten ihm etwas über Jesiden zu erklären , weil er selbst im Urlaub in der Türkei diesen Konflikt mitbekam.
    Ich völlig perplex ohne Ahnung von irgendwelchen Konflikten begab mich sofort (mit etwas Desinformation) an die Recherche. Nach wenigen Minuten war mir das im Artikel beschriebene klar geworden und ich übermittelte dies meinem Verwandten .
    Als dieser genug gehört hatte rief ich in Windeseile meinen Vater an(quasi ein Mann für alles wenn wir über Gesellschaftswissenschaften und Co. Reden).
    Nach einem 20 minütigen Telefongespräch
    reichte es diesem und ich merkte wie verkeilt diese Fronten sind .
    Er tröstete mich damit dass er später von Angesicht zu Angesicht mit mir reden wolle.

    Jedenfalls finde ich traurig dass ein 16-jähriger Schüler mit wenig Aufwand näher an die Wahrheit gekommen ist als die Parteien welche such streiten und eigentlich in der Pflicht stünden sowas zu tun.

    • @Oguzalp Baykal

      Das Problem besteht m.E. nur zu einem geringen Teil in der Verfügbarkeit von Informationen (sonst dürfte es z.B. keine Holocaust-Leugner mehr geben), sondern in der (bei den meisten Menschen eher mangelnden) Bereitschaft, tief verwurzelte Vorurteile zu überprüfen und zu verwerfen.

      Dass Sie das als junger Mensch von sich aus getan und sogar versucht haben, andere aufzuklären, finde ich sehr ermutigend – und danke Ihnen also sehr!

  3. „Warum werden Jesiden verfolgt?“ könnte man auch noch fragen. Doch diese Frage beantwortet sich wohl von selbst, denn fast jede Glaubensrichtung wurde irgendwo schon als falsch, gar häretisch dargestellt und von Andersgläubigen – Rechtgläubigen eben -, verfolgt.
    Die Menschenrechte zu denen auch die Religionsfreiheit gehört ächten jedenfalls die Verfolgung einer Relgion. Und damit sind wir bei einer wieder aktuellen Fragen: Gelten die Menschenrechte für alle Menschen unabhängig von ihrer Religion und Staatsangehörigkeit? Sagt man ja, dann, muss das auch bedeuten, dass man die Menschenrechte – mindestens die Grundrechte -, weltweit durchsetzt, dass Verstösse dagegen also weltweit justiziabel sind. Einen Weltstrafgerichtshof gibt es jedenfalls schon und der kennt auch den Begriff der internationalen Gemeinschaft, also einer Weltgemeinschaft. Nicht alle Staaten sind dem Weltstrafgericht bis jetzt jedoch beigetreten, wenn auch die meisten nichtasiatischen Staaten das Statut unterzeichnet haben.
    Die Frage ist heute wieder aktuell weil der Kulturrelativismus wieder Auftrieb erhalten hat. In der Wikipedia liest man unter dem Unterkapitel Kulturrelativistische Argumentation

    Die Existenz von Menschenrechten wird anerkannt, aber als Zeichen ist der Begriff „Menschenrechte“ auf unterschiedliche Designate gerichtet: Im „Westen“ beispielsweise auf das Recht eines Individuums, sein Recht einzuklagen, in China beispielsweise auf das Recht der Masse, nicht durch Rechtsbeanspruchung eines Individuums in ihrer Stabilität gefährdet zu werden.

    Obwohl das Beschriebene der Realität entspricht, ist es für mich nicht etwas was man bewahren sollte. Meiner Meinung nach sollte niemand mit dem Tode bedroht werden, weil er die falsche Religion hat, weder in Europa, noch in China noch irgendwo sonst auf der Welt. Wenn sich das nicht durchsetzen lässt, sollte man mindestens keine Toleranz gegenüber einer solchen Praxis zeigen. Das heisst, dass man auch in einer multikulturellen Gesellschaft wie es viele europäischen Länder inzwischen sind, Tötungen nicht toleriert, nur weil diese Tötungen in einer der hier domizilierenden Kutluren stattfinden. Bis jetzt scheint das auch so gehandhabt zu werden, mindestens wenn es um Tötungen geht, nicht jedoch wenn es um andere Praktiken geht, die wir hier als Verstoss gegen die Menschenrechte betrachten.

    • „Im „Westen“ beispielsweise auf das Recht eines Individuums, sein Recht einzuklagen, in China beispielsweise auf das Recht der Masse, nicht durch Rechtsbeanspruchung eines Individuums in ihrer Stabilität gefährdet zu werden.“

      Argumentativ ist das natürlich schwach und offensichtlich zweckdienlich zur Herrschaftsausübung durch eine Machtclique. Ein Einzelner kann durch „Rechtsbeanspruchung“ seiner Menschenrechte keine Gesellschaft/Masse destabilisieren. Und wer definiert, was für die Gesellschaft/Masse gut ist? Offenbar Personen, die gleicher sind als gleich.

      Menschenrechte sind nur Menschenrechte, wenn sie für alle Menschen gelten. Es sei denn, man lehnt ab, dass die Menschen alle gleich an Menschenwürde sind.

      • Das sehe ich auch so. Doch das ändert nichts daran, dass andere Staaten und Religionen die Menschenrechte in unserem Sinne nicht garantieren und dies auch in Zukunft nicht tun wollen.
        Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam definiert die Scharia als alleinige Grundlage der Menschenrechte. Sie wurde von den 57 Mitgliedern der Islamischen Koferenz angenommen, wobei die UNO-Version der Menschenrechte vom Vertreter Irans abgelehnt wurde, weil  sie  „eine säkulare Interpretation der judäo-christlichen Tradition [sei], die von Muslimen nicht ohne Bruch des islamischen Rechts befolgt werden könne“.
        Man findet dort Aussagen wie 

        a) Das Leben ist ein Geschenk Gottes, und das Recht auf Leben wird jedem Menschen garantiert. Es ist die Pflicht des einzelnen, der Gesellschaft und der Staaten, dieses Recht vor Verletzung zu schützen, und es ist verboten, einem anderen das Leben zu nehmen, außer wenn die Scharia es verlangt.

        b) Es ist verboten, Mittel einzusetzen, die zur Vernichtung der Menschheit führen.

        c) Solange Gott dem Menschen das Leben gewährt, muss es nach der Scharia geschützt werden.

        d) Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird garantiert. Jeder Staat ist verpflichtet, dieses Recht zu schützen, und es ist verboten, dieses Recht zu verletzen, außer wenn ein von der Scharia vorgeschriebener Grund vorliegt.

        Mit der Kairoer Erklärung der Menschenrechte ist also die Tötung eines vom Islam Abfallenden erlaubt und es gibt keine Religionsfreiheit – und das gilt für mehr als eine Milliarde Menschen

        Für mich kann das nur heissen, dass es eben nur sehr wenig Konsens gibt, welche Grundrechte Menschen haben sollten.  Die Kultur und Religion legt fest, was gilt. Doch das heisst nicht, dass wir das hier im Westen unsere Rechtsauffassung anpassen müssen. Wer in unserem Kulturkreis lebt für den ist hiesiges Recht bindend und er muss auch die Menschenrechte leben und zwar nicht die Kairoer Version sondern die hiesige Version.

        • @Martin Holzherr

          Es mag sein, dass „Kultur und Religion“ festlegen – allerdings sind sie ihrerseits nicht festgelegt, sondern entwickeln sich. Wussten Sie zum Beispiel, dass bei der Beschlussfassung der Erklärung der Menschenrechte die meisten Enthaltungen aus Europa kamen – aufgrund des vermeintlich „fortschrittlichen“ Sozialismus!? Hier ein lesenswerter Text von Eva Kalny: Der „Westen“ und die Menschenrechte.Abschied vom Ursprungsmythos einer Idee
          http://www.ish.uni-hannover.de/fileadmin/soziologie/pdf/Mitarbeiter/Kalny_2008_Der_Westen_und_die_Menschenrechte.pdf

          • Besten Dank für den Link zu Eva Kalnys  Arbeit Der „Westen“ und die Menschenrechte, In der sie vor allem über die Verhandlungen und Voten der verschiedenen UNO-Mitgliedsstaaten betreffend der zu verabschiedenden Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte berichtet. Damals war es noch möglich, dass ein pakistanischer Abgeordneter für die Rechte der Frau eintrat. Zugleich wird sichtbar, dass die politischen Implikationen  der Menschenrechte schon damals eine explosive Wirkung entfalten konnte, wurde doch die Souveränität von Staaten als „Menschenrecht“ von den damaligen Kolonialländern immer wieder aus Tapet gebracht.

            Was hat sich denn in der Zwischenzeit geändert. Warum könnte ein jetziger Abgeordneter Pakistans nicht mehr für die Rechte der Frau eintreten? Antwort: Was uns heute als Islam so wie er ist verkauft wird mit seinem Anspruch das gesellschaftliche und politische Leben zu bestimmen, das gab es bis in die 1980er, 1990er Jahre nicht. Bis dann liefen in Kairo viele Frauen in Miniröcken herum.  
            Eine Reminiszenz auf diese vergangene Welt findet sich hier

            Eine Frau postete bei Facebook ein Video von Präsident Nasser aus den 1960er Jahren, der sich darüber lustig machte, dass die Muslimbrüder eine Kopftuchpflicht für alle Frauen forderten. »Und dann sagt mir jemand von den Muslimbrüdern, ich solle dafür sorgen, dass alle Ägypterinnen Kopftuch tragen. Ja wo sind wir denn?«, ruft Nasser und der ganze Saal lacht über so eine absurde Forderung. Sie postet darunter: »Heute ist das kein Witz mehr. Heute werden christlichen Frauen in der Metro die Haare abgeschnitten

        • Dein letzter Absatz widerlegt die Redlichkeit deiner Gedanken zu der Handhabung von vom Glauben abgefallener in der „anderen“ Kulturgemeinschaft. Dazu muß man wissen, dass die UNO-Version der Menschenrechte auch nur einer bestimmten Grundlage unterliegt. Und die Herstellung oder/und Erhaltung dieser Grundlage würde wohl mit sicherheit jedem konkreten Menschenrecht widersprechen. Da wird klar, dass auch die sekulär westliche Hemisphäre mit Glaubenskonstrukten hantiert und ebensoviel dafür tut, dieses Spiel weiter zu spielen.
          Man könnte sagen, dass Martin Holzherr sich in seiner Hingabe als „Gotteskrieger“ der anderen Hemisphäre geoutet hat.

          • Genau, auch die „westliche“ Version der Menschenrechte basiert auf Glaubenskonstrukten. Und es lohnt sich dafür einzutreten, die Menschenrechte in ihrer ursprünglichen Form wie sie sich seit der französchischen Revolution entwickelt haben, zu verteidigen. Dazu muss man nicht zum Gotteskrieger werden, man darf nur keine falsche Toleranz gegenüber Unrecht aufkommen lassen. Wenn hier beispelsweise das Recht auf gleichbezahlte Arbeit für Frauen verteidigt wird können wir nicht gleichzeitig zulassen, dass muslimischen Frauen das Recht auf einen höheren Bildungsabschluss durch das Familienoberhaupt verwehrt wird und sie zwagsverheiratet wird.

          • @ chris
            „Dein letzter Absatz widerlegt die Redlichkeit deiner Gedanken zu der Handhabung von vom Glauben abgefallener in der „anderen“ Kulturgemeinschaft.“

            Inwiefern?

            Wenn ich die Kommentare richtig aneinander reihe, meinst du diesen Absatz:
            „Für mich kann das nur heissen, dass es eben nur sehr wenig Konsens gibt, welche Grundrechte Menschen haben sollten. Die Kultur und Religion legt fest, was gilt. Doch das heisst nicht, dass wir das hier im Westen unsere Rechtsauffassung anpassen müssen. Wer in unserem Kulturkreis lebt für den ist hiesiges Recht bindend und er muss auch die Menschenrechte leben und zwar nicht die Kairoer Version sondern die hiesige Version.“

            Was ist daran unredlich, festzustellen, dass „es eben nur sehr wenig Konsens gibt, welche Grundrechte Menschen haben sollten.“

            „Dazu muß man wissen, dass die UNO-Version der Menschenrechte auch nur einer bestimmten Grundlage unterliegt. Und die Herstellung oder/und Erhaltung dieser Grundlage würde wohl mit sicherheit jedem konkreten Menschenrecht widersprechen.“

            Und worauf soll sich das beziehen?

            „Da wird klar, dass auch die sekulär westliche Hemisphäre mit Glaubenskonstrukten hantiert und ebensoviel dafür tut, dieses Spiel weiter zu spielen.“

            Und was für ein Spiel meinst du damit?

      • Menschenrechte sind nur Menschenrechte, wenn sie für alle Menschen gelten. Es sei denn, man lehnt ab, dass die Menschen alle gleich an Menschenwürde sind.

        Der erste Satz des Zitierten ist korrekt, der zweite wird bereits nicht mehr in allen „westlichen“ Ländern, also in denjenigen Ländern, die den Ideen und Werten der Aufklärung folgend gesellschaftlich implementiert haben, verstanden.
        Flach formuliert ist die ‚Menschenwürde‘ ein Konzept, das in der BRD implementiert worden ist, um einen Bezugsrahmen zur Menschlichkeit gesetzlich eingegossen zu haben.
        Es gibt, wenn bspw. einmal in die bekannte Online-Enzyklopädie geschaut wird, dort wenig Text in anderen Sprachen als der deutschen.

        Menschenrechte sind am besten in entsprechenden Deklarationen nachzuvollziehen, sie sind gesetzt, sie haben einen kulturellen Kontext, der sich aber bereits zwischen „westlichen“ Ländern deutlich unterscheidet.

        Von einem Interventionismus, der Menschenrechte international durchsetzt, scheint deutlich abgeraten. – Ein weiteres Problem mit den Menschenrechten ist die Täterkultur, die sie aus Sicht einiger mit sich bringen können.
        Es spricht nichts dagegen Verfassungen („westliche“) und Rechtslagen zu bemühen und damit sittlich versuchen glücklich zu werden.

        • Ich bin kein Spezialist für die ethische oder philosophische Diskussion des Begriffes Menschenwürde. Warum sollen denn Menschenrechte für alle gelten? Da muss es einen Grund geben und der Grund kann nur sein, dass alle Menschen „gleich“ sind. Kein Mensch möchte, dass sich ein anderer über ihn grundsätzlich erhebt, das ist nur in bestimmten Kontexten möglich, Arbeit, Familie, politische Ordnung. Aber worin besteht die Gleichartigkeit? Doch wohl nur in der Würde, die man jedem Individuum zuschreibt, weil jeder Einzelne diese Würde auch für sich beansprucht.

          Es gibt Frauen, Männer, Kinder, Alte, diverse Rassen (oder „Ethnien“), diverse Glaubensrichtungen. Als die Menschen noch in relativ abgeschlossenen Gruppen lebten, hielten sich doch alle für den Nabel der Welt. Ein Nabel steht in Delphi, China hielt sich für das „Reich der Mitte“. Dieser Ethnozentrismus oder Gruppenzentrismus (es gibt bestimmt ein Fachwort dafür) ist in der globalisierten Welt theoretisch nicht mehr sinnvoll zu begründen.
          Als gemeinsame Eigenschaft, die allen Menschen a priori zusteht, ist die Würde des Menschen durchaus ein vernünftiges Konzept.
          Vielleicht bin ich hier Metaphysiker, aber ich denke, es handelt sich doch mehr um eine Erkenntnis, als um eine Setzung.

          • @ Paul Stefan :

            Als gemeinsame Eigenschaft, die allen Menschen a priori zusteht, ist die Würde des Menschen durchaus ein vernünftiges Konzept.

            Die Menschenwürde als Konzept, die es so zuvörderst in D gibt, verbleibt im Gegensatz zu den Menschenrechten undeklariert.
            Womit aus Sicht Ihres Kommenatorenfreundes das Entscheidende gesagt oder geschrieben ist.

            Es handelt sich beim Bemühen um die Sittlichkeit insofern um ‚Erkenntnis‘, dass sukzessive [1] das ausgeschlossen wird, was nicht geht oder nicht zu gehen scheint, einen Bezugsrahmen vorausgesetzt, wie typischerweise und womöglich nur dort durch die Ideen und Werte der Aufklärung gegeben.

            Es handelt sich hier um einen Ideen- oder Wertezentrismus, der nur dann als ‚Ethnozentrismus‘ in Frage gestellt werden kann, wenn anders gewollt wird.

            Praktisch stößt diese Infragestellung oder Ablehnung oder Relativierung aufklärerischer Ideenlehren dann an eine Grenze, wenn „geholzt“ [2] wird, wie jetzt klar erkennbar im Bereich des Islamischen Staates, denn dann wird es für Multikulturalisten [3] oder kulturelle Relativisten schwierig im medialen Verkauf.

            MFG
            Dr. W

            [1] vielleicht ist es möglich sich die Sittlichkeit als Prozess in diesem Sinne vorzustellen, wobei Rahmen benötigt und geprüft werden – was gar nicht so fern scheint vom naturwissenschaftlichen Bemühen um Erkenntnis
            [2] arme Verfolgte im Bereich des IS btw, der Schreiber dieser Zeilen bspw. entwickelt Mitgefühl
            [3] Multikulturalisten haben sich zwingend sittlich am niedrigsten zu orientieren, das kulturell vorkommt

        • Einen (Zitat) „Interventionismus, der Menschenrechte international durchsetzt“ gibt es bereits in Form des Weltgerichtshofes, wo bis jetzt vor allem Kriegsverbrecher abgeurteilt werden.
          Den obigen Satz „Ein weiteres Problem mit den Menschenrechten ist die Täterkultur, die sie aus Sicht einiger mit sich bringen können.“ muss man hinterfragen. Wer sind denn die Täter in Kriegsverbrecherprozessen? Die Kriegsverbrecher oder diejenigen die die Verletzung eines Menschenrechts anklagen und den Täter, den Kriegsverbrecher, verurteilen.

          Man kann sicher nicht alle Menschenrechte international durchsetzen zumal es in der Zahl und Detailliertheit der Menschenrechte inzwischen eine Inflation gegeben hat.

          • @ Herr Holzherr :

            Einen (Zitat) „Interventionismus, der Menschenrechte international durchsetzt [Dr. Webbaer]“ gibt es bereits in Form des Weltgerichtshofes, wo bis jetzt vor allem Kriegsverbrecher abgeurteilt werden.

            Aber nur nach Machtabgabe, als Verlierer. – Der sogenannte UN-Menschenrechtsrat bspw. ist einschlägig fast bestimmend [1] mit „Gewinnern“ besetzt.

            Peter Scholl-Latour könnte einmal etwas Weises gesagt haben, die sogenannte Realpolitik meinend: Es macht keinen Sinn diktatorische Verbrecher dadurch zu bedrohen, dass sie vor internationalen, zudem sittlich zweifelhaften (s.o.) Gerichten zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie „verlieren“. – BTW und zum Vergleich: Idi Amin wurde bspw. in Saudi-Arabien entsorgt.

            Also, wie bereits angedeutet, die Realpolitik ist wichtig, und es macht auch wenig Sinn in einschlägigen Regionen den jeweiligen Führer wegzubomben, wenn die Nachfolger parat stehen.

            MFG
            Dr. W (der hier nicht relativieren wollte, sondern nur darauf hinwies, dass die Welt allgemein zurzeit noch S [2] ist)

            [1] vgl. :
            -> http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex
            [2] suboptimal (politisch bestückt)

  4. @Michael Blume

    Danke für die aufschlussreichen Details, die ich so gar nicht kannte. Jesiden schon gar nicht….dabei gibt es sie hier ganz in der Nähe, wie jetzt der Tageszeitung ausführlich zu entnehmen war.

    Aber warum ich poste, vielleicht hast du mit deinen Medienkontakten Möglichkeit Einfluss zu nehmen, dergestalt, dass die Medien doch aufhören sollten von „Gotteskriegern“ zu sprechen.
    Sie sollten einen anderen Begriff dafür einführen! Das sind doch keine Gotteskrieger, diese Terroristen! Die werden doch von eigenen Blindheiten und/oder weltlichen Interessen angestachelt, gefördert und missbraucht.

    Es gibt keine Gotteskrieger. Kriege werden von Menschen geführt und nicht von Gott. Während die Menschen Krieg führen, geht ihnen Zeit verloren Frieden zu lernen.

    Solche Begriffe verdrehen die Realität, prägen falsche Bilder und verletzen damit die natürlichen guten Emotionen. Was wunder wenn die Atmosphäre aufgeheitzt wird.

    • Inzwischen verstehe ich den Begriff Gotteskrieger. Und er ist dabei passend, wenn nicht sinnvoll. Sie so zu nennen, ist dabei nur konsequent, eben so konsequent, wie man hier Irre einst diagnostizierte und es dabei bleibt – bis in alle Ewigkeit. Und sie so behandelt, als wären sie tatsächlich bis in alle Ewigkeit solche und sowieso unheilbar. Man findet seine Mitmenschen gerne in den jeweiligen Schubladen wieder – ist so einfach. Und weil es Bäcker, Tischler und Matrosen gibt, seit sie es geworden sind, muß es offenbar auch „Gotteskrieger“ geben. Allein der Leerstelle wegen – wenn der Begriff/Beruf erstmal in der Welt ist. Wohl auch wenig beachtet sei, dass man als „Krieger“ nicht automatisch handelsübliche Waffen benutzen muß. Und hier liegt das Problem der modernen Zivilisationsvisionen.

      Sich am Begriff zu stoßen, ist wie sich an Farbe zu stören und daher fast albern. Ohne weitere Argumente gegen diesen Begriff (etwa aus der Neurowissenschaft) klingt es leider nur wenig überzeugend.

      Möglicherweise käme bei gescheiter Suche seitens der Neurowissenschaften raus, dass „Gott“ tatsächlich im Hirn auszumachen ist? Möglicherweise gäbe es dann auch sofort ein neues Krankheitsbild – oder gibts schon.

      • @ chris
        Und was konkret meinst du hiermit:

        „……. eben so konsequent, wie man hier Irre einst diagnostizierte und es dabei bleibt – bis in alle Ewigkeit. Und sie so behandelt, als wären sie tatsächlich bis in alle Ewigkeit solche und sowieso unheilbar.“

        ….. was brütest du damit aus?

        „Wohl auch wenig beachtet sei, dass man als „Krieger“ nicht automatisch handelsübliche Waffen benutzen muß. Und hier liegt das Problem der modernen Zivilisationsvisionen.“

        Allerdings, aber das ist eine völlig andere ‚Baustelle‘. Dass ich hier ganz konkret Terroristen, wie die IS etc., meinte, konnte doch auch dir nicht entgangen sein, oder?

        Sicher, deren Hauptakteure sind möglicherweise von der anderen ‚Baustelle‘. Mir ging es aber um den Missbrauch der Religion. Wer dagegen gerüstet ist, wer darum weiß, dass Gott keine Terroristen züchtet, der wird sich so schnell auch nicht in diesem Sinne missbrauchen lassen. Das kann nicht laut und oft genug gesagt werden.

    • Richtig interessant wird es ja erst dann, wenn man sich fragt, wer denn dieser Gott ist, für den sie in ihren Krieg ziehen.
      Dazu gab es für mich in den letzten 3-5 Jahren ein globalpolitisches Lehrstück, dass alle anderen Ideologien in den Schatten stellt und zum Nonsens erklärt.
      Und das macht den „Westen“ gleich mit von denen verächteten Hemisphären. Und das hat mich wieder zum „ersten Menschen“ gemacht, der wir alle mal waren, als wir geboren wurden. Eben weil sich keine Seite auf dieser Welt besser herrausnimmt, als eine andere. Vor allem nicht an der großen Glaubensfront der dominierenden Weltreligionen – wie sie seit Jahren langsam wieder Fahrt aufnahm. Und dahinter aber steckt die Erkenntnis (wahrscheinlich), dass keiner der Beteiligten ohne die anderen existieren kann.
      Und wenn man die Weltreligionen mittels wissenschaftlich üblicher Reduzierung auf seine objektivsten Leitmotive eindampft, landet man beim kleinsten Nenner der Gesellschaft – der aus mindestens drei Zählern besteht: Mutter, Vater, Kind. Unklar ist wie immer, was zuerst gewesen war – die Familie oder religiöse/spirituelle/intuitive Leitmotive. Die Tendenz geht zum ontologisch intrinsischen Leitmotiv aus gewissen Bedingungen heraus.

      PS: die Rechenaufgaben werden immer „anspruchsvoller“. Welch Strategie steckt dahinter?

  5. Das ist interessant:
    Neulich beim Strandpartie feiern kam das Gespräch auf Adam (und Eva) – wie das so ist, Bierselig.
    Da kam aber eine andere Geschichte bei raus, als die hiesig übliche. Nämlich … Adam wurde von Eva verlassen (weil zu langweilig) und Adam sei somit gar nicht der Vater der ersten Nachkommen. Da kann man dann auch annähernd verstehen, wieso sich da einer nicht „verneigen“ will. Unklar blieb aber, wer denn dieser Vater gewesen, wenn jene beiden doch die ersten und einzigen Menschen gewesen.

    Kleiner Hinweis:
    Die Strandgesellschaft war eher jüngerer Generation. Eine überwiegende Nationalität oder Glaubensrichtung ist dort nicht auszumachen gewesen. In dem Alter glaubt man noch an sich selbst und seine Freunde – und nur Idioten würden sagen, dies sei völlig unbedgründet und naiv.

  6. Na ja, nehmen wir eimal probeweise an, dass es überhaupt übergeordnete Existenzformen gibt.
    (Na,ja, dunkle Materie, dunkle Energi, und die Physik ist ja sowieso nahe an ihrem Ende.)

    Und, nehmen wir eimal probeweise an, dass diese übergeordneten Existenzformen eine kleine Streitigkeit unter einander austragen.

    Ich weiss natürlich nicht, was Sie machen würden, aber ich würde mich ducken und ganz allgemein ein gründlches Abtauchen vorschlagen.

    • Warum sind eigentlich diese evenuell existierenden übergeordneten Existenzformen so sehr daran interessiert, dass irgend jemand an ihre Existenz glaubt?

      Ich sehe im Wald ab und zu Ameisen, und ich finde sie irgendwie putzig, aber ich habe kein Interesse daran, dass die Ameisen mich anbeten und verherrlichen.

      Ausserdem genügt es mir völlig, dass ich weiss, dass ich existiere, dazu sind nun wirklich keine Ameisen notwendig. .

      Was ist mit den evenuell existierenden übergeordneten Existenzformen bloss falsch gelaufen, dass sie ausgerechnet von uns verehrt werden wollen?

      Also mir ist es gleichgültig, wer mich verehrrt, abgesehen vielleicht davon,wenn es sich um Pamela Anderson handelt.

      • @Karl Bednarik

        Entlang Ihrer Gedanken meine ich, dass Ihnen der griechische Philosoph Epikur gefallen dürfte – auch bezüglich seiner Haltung zu den Göttern. 😉 #Schmökertip

  7. Irgendwo oben las ich, dass Jesiden genauso wie Juden nicht missionieren. Dies macht mir beide wesentlich sympathischer als Muslime und Christen. Dieser Missionierungszwang nervt mich ungemein. Es hat so etwas Marktschreierisches, was den Glaubensinhalt auch nicht glaubwürdiger macht, nur weil es irgendwo geschrieben steht. Ich habe als Atheist zwar auch keine Antwort, weshalb dieses Universum besteht und ob unsere Erkenntnisse über Ebendieses überhaupt richtig sind. – Ich wage aber zu behaupten, dass wenn es eine solch großartige Schöpfung je gegeben hat, sich der Schöpfer über seine Geschöpfe nur wundern kann, dass sie aus Machtgier sogar gewillt sind ihre eigene Existenz aufs Spiel zu setzen – Kalkül wage ich nicht zu unterstellen.

    • @Fritz Hebb

      Ja, sowohl das Judentum wie das Jesidentum erhalten sich aus ihren durchschnittlich hohen Kinderzahlen und verzichten auf aktive Mission. Zum Judentum kann man aber auf eigenen Wunsch konvertieren, das ist bei Jesiden (bislang) nicht möglich.

      Übrigens: Einige sehr kinderreiche, christliche Gemeinschaften wie die Old Order Amish und die Hutterer verzichten längst auch auf aktive Mission – und wachsen dennoch, sogar sehr schnell! 😉 http://www.blume-religionswissenschaft.de/pdf/BlumeHayekAmishFertility.pdf

      Auf jeden Fall lieben Dank für Ihr Interesse & herzlich willkommen!

  8. Ein sehr schöner Aritkel. Ich kenne einige Jesiden und kann das was du geschrieben hast mit dem was mir vorgetragen wurden teilen.

    Ich möchte allerdings noch ein paar Dinge hinzufügen während ich mir die Kommentare hier duchgelesen habe.

    Das gute und böse: Ja es ist wahr, dass es bei den Jesiden nich das böse gibt wie wir es in Form von Höllen und Teufel existiert. Es gibt aber dennoch nach dem Tod ein Gericht, wo sich jeder für seine taten rechtfertigen muss. Nach dem Gericht wird entschieden ob er wiedergeboren wird (in einem neuen Zustand) oder aber ins Paradies gelangt.

    Warum es kein Teufel bei den Yeziden geben kann und warum sie niemals Teufelsanbeter sein können hast du zwar schon richtig beschrieben aber ein wichtigen Punkt vergessen.
    Die Jesiden sagen, Gott wäre schwach wenn er nebensich eine zweite böse Kraft herschen lassen würde. Nur der Mensch alleine ist im stande etwas böse zu tun.

    Das Missionieren: Absolut korrekt man kann nur als Jeside geboren werden. Oft heisst das, dass sie anderen gegenüber nicht tollerant wären. Kann ich so nicht bestätigen. Ich bin Christ und ich wurde von den Jesiden nur noch nie veurteilt. Im gegenteil die Jesiden die ich kenne sagten mir, dass den Anfang ihres wichtigsten Gebet folgendes aussagt: Schütze erst die 72 anderen Völker (wobei Volk für Glauben steht) und erst dann uns Jesiden.

    Auch Jesus selbst spielt bei den Jesiden eine bedeutende Rolle. So beschreibe die Jesiden, dass Jesus zwar nicht Gottes Sohn ist aber Jesus selbst von Gottes Licht bei der Geburt berührt worden ist. Nach seinem tot hat er quasi gleich den Zustand erhalten um den Zugang ins Paradies zu bekommen.

    Und zum Schluß:

    Was mich sehr fasziniert hat ist die Entstehungsgeschichte des Universums nach Auffassung der Jesiden. Aber ich will jetzt nicht zu weit ausholen 😉

        • Naschön 😉

          Dieser Text stammt aus der MyEzdi App.
          https://play.google.com/store/apps/details?id=com.lingding.myezdi

          Passt aber zudem was mir immer erzählt wurde. Ich kopiere ihn mal weil ich zu faul bin 😉

          Die Entstehung

          Die Urperle spielt besonders beim Schöpfungsmythos aber auch darüber hinaus eine maßgebliche Rolle. Zu Beginn des êzîdîschen Schöpfungsmythos herrschte das sog. „Enzel“-Stadium. Das Enzel-Stadium ist ein raum- und zeitloser Zustand, der als Sphäre hinter der profanen bzw. materiellen Welt gesehen werden kann. In diesem Enzel-Stadium existierte zunächst nur Gott, der sich selbst erschaffen hat.

          Aus sich selbst bzw. aus seinem Licht heraus, erschuf Gott eine weiße Perle, in welcher sich Sein leuchtender Thron befand. Mit der Perle war Gott eins, sodass Er von ihr nicht zu unterscheiden war. Als er in der Perle weilte, gab er sich 1001 ehrenvolle Namen. Weiterhin erschuff er den Glauben und gab ihnen 90 verschiedene Farben (90 verschiedene Glaubensrichtungen).

          Aus dieser Vorstellung heraus leitet sich der êzîdîsche Leitspruch „Jede Religion ist ein Teil der Wahrheit“ ab. Bereits hier zeigt sich, dass das Êzîdentum keinen universellen Anspruch erhebt und keine Alleingültigkeit für sich beansprucht.

          Gott, der bisher in der Perle verborgen war und mit Ihr eine Einheit bildete, löste sich vom Inneren der Perle und bewegte sich in ihr umher.
          Da füllte Wasser das Innere der Perle und ein sanfter, ruhiger Ozean entstand.
          Danach erschuf Gott die Liebe aus sich selbst. Die Perle, die Er bereits zuvor von sich loslöste, begann an Stabilität zu verlieren.

          Erst als Gott die Perle von sich trennte, weil er den Beginn der materiellen Welt in Gang setzen wollte, wurde die Perle schwach. Die gebrechlich gewordene Perle färbte sich mit den Farben Weiß, Rot und Gelb als Zeichen des Lebens. Sie begann zu glänzen (strahlen), zerberstete in Abermillionen Teile und wurde endgültig von Gott getrennt.

          Aus dem Staub der Perle entstanden die Planeten und Galaxien.

          Und das faszinierende daran finde ich, dass die Jesiden an den Urknall glauben denn nichts anderes steht doch da oder? Da ich eher Wissenschaftlich geprägt bin fande ich das schon immer cool bei den 😉

  9. Pingback: Markierungen 08/11/2014 | Snippets

  10. Gut und Böse

    Das kann man wohl sagen: „…. Eine der größten Fragen war – und ist! – dabei, wie und woher je „Gut“ und „Böse“ ins weltweite Sein kommen. „

    Die Lösungen der einzelnen Religionen, die im Artikel aufgelistet sind, sind nur insofern tatsächliche göttliche Offenbarung, als die jeweiligen Boten /Propheten Gottes Perspektive uneingeschränkt wahrzunehmen vermochten. Und das war evolutionsbedingt lange weitestgehend nicht der Fall. Vorrangig zeigen sie denn auch, wie die Religionen das menschliche Mühen – und nicht Gottes Perspektive – mit dem Problem des Bösen fertig zu werden, in ihre jeweiligen Gottesbilder projiziert haben, um mit dieser ausgelagerten Hilfe seiner Herr zu werden.

    Über die islamische Sicht, wie der Blogautor sie schildert, bin ich dennoch echt verwundert. So war sie mir nicht bekannt. Ich meine, dass Gott dem obersten Engel (Iblis) befohlen haben soll, den Menschen (Adam)zu verehren und dass der sich geweigert haben soll. Mal abgesehen davon, dass diese Personalisierungen alles Metaphern für die Projektionen sind, in dem Fall sind es wohl (männlich-)menschliche Konkurrenzkämpfe, die ins Jenseits projiziert wurden. Davon sollten wir uns doch allmählich verabschieden können.

    Und wenn oben die christliche Sicht so beschrieben wird:

    „Im Christentum setzte sich wieder stärker der Dualismus durch: Der Teufel und sein Gefolge blieben „nur“ Engel, doch hatten sie sich – mit freiem Willen – gegen Gottes Vorherrschaft aufgelehnt, waren „gefallen“ und versuchten, bis zum Jüngsten Tag den Sieg des Guten aufzuhalten. „

    …dann seh ich darin doch gerade nicht mehr einen Dualismus von Gut und Böse im absoluten Sinn. Und wenn es weiter heißt:

    „Nicht nur aufgrund des starken Wachstums des Christentums, sondern auch aufgrund des „engelbezogenen“ Bilderreichtums wurde diese Vorstellung weltweit dominant und ist es bis heute geblieben.“

    kann ich dem: „und ist es bis heute geblieben“ als offizielle Lehre nicht so recht zustimmen, es sei denn, die personalisierte metaphorische Bedeutung wird dabei betont. Die ist sicher noch weit verbreitet. Meine Metaphern sind das aber z.B. nicht mehr.

    So sehr die Menschen in der Bewältigung des Bösen zunehmend bemüht waren, aus einer übergeordneten göttlichen Perspektive heraus die Dinge wahrzunehmen und zu bewältigen, so ist der Anteil der menschlichen Projektionen doch bislang überall noch übergroß. Ich würde sagen: überwiegend sind es noch nicht wirklich Lösungen aus Gottes Perspektive.

    Die tut sich in unserer Welt noch sehr schwer. Sie macht sich nur erst ganz vorsichtig schon bemerkbar etwa in der Tendenz des menschheitlichen Ringens, von dem ursprünglichen Dualismus (Zoroastrismus) loszukommen. Denn der – also das gleichwertige Nebeneinander von Gut und Böse, sozusagen auf göttlicher Ebene – kann es tatsächlich nicht sein. Eine Vorstellung, die sich aber eben auch noch bis heute hält.

    Für mich lassen sich die sehr verschiedenen Tendenzen zur Überwindung des Dualismus inzwischen ganz einfach aus bestimmten charakterlichen Veranlagungen heraus erklären, die eben auch den Charakter der Projektionen ausmachen, die wir Gott überstülpen. Die einen wollen nur das Gute gelten lassen und das Böse ausmerzen, die anderen wollen nicht auf das Böse verzichten und geben ihm deshalb eine Aufgabe, eben die Guten zu prüfen, wieder andere sehen es als ein heiliges Werkzeug göttlicher Strafe. Ja in der Bibel findet man sogar die Worte: „Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel, ich bewirke das Heil und erschaffe das Unheil.“ Jes 45,7

    So sehr nun z.B. auch dieses biblische „Wort Gottes“ eingehüllt ist in menschliche Projektion, so zeigt sich an ihm doch schon ansatzweise die ganz andere Perspektive Gottes. Indem gesagt wird: „Ich erschaffe …“ wird deutlich, dass es sich bei Gut und Böse nicht um einen absoluten, gleichberechtigten Dualismus auf göttlicher Ebene handelt. Gott steht vielmehr über Gut und Böse, er entscheidet, wann, was geschieht. Doch auch das ist m.E. noch nicht das ganz Andere der Perspektive Gottes.

    Wieso sollte Gott, die Liebe, Heil und Unheil schaffen? Solche Sicht ist m.E. auch eher typisch für eine evolutionsblinde, menschliche Sicht, nämlich dem Bedürfnis nach Strafe für das Böse, also wieder eine Projektion. Wir Menschen wollen, – gefangen in unserer evolutionsblinden Vereinzelung – das Böse des Anderen bestraft sehen. Und da muss dann natürlich höchste Autorität, eben Gott, herhalten.

    Bemerkenswert ist nun, dass, obwohl die Genesis an diesem Punkt tatsächlich schon das ganze Andere der Perspektive Gottes aufzeigt, dies lange nicht erkannt wird und Gottes Perspektive auch noch im Christentum bislang beharrlich verdreht wird. Selbst hier wird noch viel menschlich projiziert.

    Denn was berichtet die Genesis:

    (dazu ein paar Gedanken vorab aus meiner „Genesis 2.0“)

    Sie würden so wie Gott sein und Gut und Böse erkennen, suggeriert die Schlange laut Bibel Adam und Eva im Paradies, wenn sie von dieser verbotenen Frucht essen. Gottes Warnung/Information an die beiden stand der Äußerung der Schlange genau entgegen: vom Baum der Erkenntis von Gut und Böse sollten sie nicht essen.

    Aber warum, fragt man sich. Es ist doch verständlich, dass die beiden das wissen wollten. Ja, müssen sie es nicht sogar unbedingt wissen, um das Böse vermeiden zu können? Wieso sollte Gott gerade dies verbieten?

    Doch was, wenn Gott selber genau das nicht tut?

    Erkennen im absoluten Sinn bedeutet nicht nur, etwas theoretisch zu erfassen. Wenn Gott etwas erkennt, dann macht er das Erkannte im Erkennen auch möglich. Er erschafft es. Was Gott erkennt, wird ins Leben gesetzt. Deshalb ist es in der Tat so:

    Gott tut genau das NICHT: das Böse ER-kennen.

    Gut und Böse zu erkennen, heißt folglich, dem Bösen als Widerpart des Guten zur Existenz zu verhelfen. In dem Sinne, dass Erkennen gleich Erschaffen ist, erkennt Gott das Böse gerade nicht.

    Wir wissen heute, dass die Aufmerksamkeit für eine Sache, diese leben lässst. Um wieviel mehr wird es in Gott so sein. Gut und Böse erkennen, wäre also ein, die Grundlagen des Lebens zerstörendes Tun des Menschen mit nachhaltig negativen Konsequenzen. War es das, weshalb die Bibelautoren Gott das Verbot der Erkenntnis von Gut und Böse in den Mund legten? Oder umgekehrt Gott es ihnen eingab?

    Gott erkennt das Böse nicht, aber er kennt es. Erkennen kann man auch als ein ins Leben setzen von vorhandenen Möglichkeiten beschreiben. Und klar, das Böse ins Leben setzen, ist dann das denkbar Schlechteste, was uns einfallen kann. Insbesondere dann, wenn wir als Geschöpf nur kraft einer Beziehung zu Gott selber auch in der Lage sind, das Böse zwar zu kennen, nicht aber zu erkennen. Denn diese Kraft dürfte Gottes Leben schaffendes Geheimnis sein. Im Grunde die Antwort auf die berühmte Frage: „Warum gibt es etwas und nicht Nichts.“ ( …das weiter auszuführen, ist hier jetzt zu viel.)

    Mithin wird den beiden, Adam und Eva, das ganze Gegenteil von der Verheißung der Schlange widerfahren, wenn sie Gut und Böse ER – kennen. Sie werden nicht nur NICHT sein wie Gott. Ihr Erkennen des Bösen wird zwingend eine dramatische Wende in ihrem geschöpflich, paradiesischen Dasein, samt ihrer geschöpflichen Lebenswelt/Universum verursachen, da es das Böse im Paradies und in Gott nicht gibt. Und sie werden einen mühsam langen, evolutionären Rückweg antreten müssen, um in den ursprünglichen paradiesischen Zustand zurück zu gelangen.

  11. Die Verfolgung der Jesiden scheint mir durch nichts zu rechtfertigen. Wer den Islam in Anspruch nimmt, der ist trotzdem im Irrtum, denn es gibt moralische und ethische Grundsätze, die durch keine Relgion oder Weltanschauung umgestossen werden können, die also in einer menschlichen Gemeinschaft quasi a priori gelten. Wenn man mir hier zustimmt heisst das auch dass es so etwas wie universelle Rechte gibt. Einige grundsätzliche Menschenrechte gehören zu diesen universellen Rechten und in einer globalisierten Welt muss diesen früher oder später weltweit Nachachtung verschafft werden.

    Mindestens das ist ein Vorteil der Globalisierung. Dass man nämlich im hinterletzten Loch noch einen Appell an die Menschheit und die Menschlichkeit stellen kann und dass dieser Appell je länger je weniger ungehört bleibt.

    • „denn es gibt moralische und ethische Grundsätze, die durch keine Relgion oder Weltanschauung umgestossen werden können, die also in einer menschlichen Gemeinschaft quasi a priori gelten.“
      Auf welcher Grundlage behauptest du eine solche objektive Moral, Ethik?

      • Die Grundlage für ein paar wenige allgemeingültige moralische Grundsätze kann heute der Konsens in der internationalen Gemeinschaft sein. Früher hat Kant ja die Allgemeingültikeit postuliert ohne aber eine Autorität zu nennen, die sie durchsetzen könnte. Die Rolle der Autorität könnte heute die UNO übernehmen. Dazu müssten ihr mehr Interventionsmöglichkeiten zugestanden werden.

  12. Kurt
    „Auf welcher Grundlage behauptest du eine solche objektive Moral, Ethik?“

    Ludwig Trepl hat das Problem hier meiner Ansicht nach ganz gut behandelt, wenn auch in einem anderen Kontext:

    http://scilogs.spektrum.de/landschaft-oekologie/sind-tiere-auch-menschen/

    „Er (der Mensch) hat diese (d.h., die Menschenwürde) insofern, als er ein moralisches Wesen ist. Jeder Mensch, auch der schlimmste, hat die Möglichkeit und die Aufgabe, ein solches Wesen zu werden. Das macht die „Menschenwürde“ aus, die allen gleichermaßen zukommt.“

    Man kann aber auch davon ausgehen, dass alle Menschen in einem wesentlichen Punkt gleich sind und kann zum selben Ergebnis kommen. Wir sind fähig zu erkennen, dass wir anderen Menschen durch unser Handeln oder Unterlassen Leid zufügen. Ein Mensch möchte aber auch kein ungerechtes Leid durch andere Menschen erfahren. Daher müssen wir und vor uns selbst für unsere Taten verantworten.

    Den Terroristen von IS ist damit natürlich nicht beizukommen. Wichtiger als Philosophie wäre es, mehr Empathie zu fördern, aber das ist kaum möglich, wenn ein Großteil der Bevölkerung durch jahrzehntelange Gewalt- und Unrechtserfahrung traumatisiert ist, ich denke dabei auch an die Willkürherrschaft von Saddam Hussein und nicht erst an die Irakinvasion durch die USA.

    • Ich möchte noch hinzufügen: Die Terroristen der IS können morgen die Regierung eines Kalifats sein und mit der Zeit Legitität erreichen.
      Das wäre übrigens auch für das Dritte (das Tausendjährige) Reich nicht ausgeschlossen gewesen.

      Wir haben also auch heute noch das Problem, dass irgendwo auf der Welt fast alles möglich ist und es sich ein gegen Menschenrechte verstossendes Gebilde in die Staatengemeinschaft einfügen kann.

      • Die IS-Terroristen können vielleicht für einen gewisse Zeit einen Staat aufbauen, ein Kalifat ist aber wesentlich mehr, das ist die religiöse Autorität und Juridiktion über alle Moslems. Da werden schon die Schiiten im Iran nicht mitmachen, die Saudis werden sich auch nicht dem Kalifat unterstellen und solange die Terroristen nicht in Kairo einmarschieren, werden die sich auch nicht unterordnen, ganz abgesehen von den vielen anderen muslimischen Völkern und Staaten. Das Kalifat wird wohl kein anderer moslemischer Staat anerkennen, jedenfalls nicht als Kalifat.

        Auf der Welt ist irgendwo fast immer fast alles möglich, siehe Nordkorea.

      • @ Herr Holzherr :
        ‚Legitiät‘ gibt es zumindest seit Johann Christoph Vollbeding.
        Es gibt kontrafaktorische Überlegung wie, wäre Adolf Hitler 1939 bspw. bei einem Attentat umgekommen, und wie er dann womöglich in die Geschichte, nicht nur in die doitsche, eingegangen wäre.
        Insofern gilt es die Geschehnisse womöglich generell mit einer „grimmigen Heiterkeit“ (Peter Scholl-Latour, begrifflich mehrfach von PSL bemüht), auch die UN und deren Zusammensetzung betreffend, zu betrachten.

        MFG
        Dr. W (der generell kein PSL-Adept ist)

  13. Die Menschenrechte sind eine direkte logische Folge der Goldenen Regel.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Regel

    Wenn sich einzeln lebende Lebensformen zu gemeinschaftlich lebenden Lebensformen entwickeln, dann entstehen Konflikte zwischen den älteren, egoistischen Instinkten (das Böse) und den neueren, sozialen Instinkten (das Gute).

    Die eventuell existierenden übergeordneten Existenzformen interagieren vorzugsweise untereinander, und die Menschen interagieren ebenfalls vorzugsweise untereinander.
    Die Menschen wären keine große Hilfe für die übergeordneten Existenzformen, aber solch eine Interaktion könnte für die Menschen sehr schnell gefährlich werden.

    Ich frage mich, ob ich einer Ameise ein Stückchen Zucker geben soll, und welche Langzeitfolgen das für die Gesellschaft der Ameisen hat.

    • Die Menschenrechte sind eine direkte logische Folge der Goldenen Regel.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Regel

      Die „Goldene Regel“ leidet an der Prämisse, dass das eigene Behandelt-Werden-Wollen den sittlichen Maßstab bildet.
      Sie gilt, wie auch der Kategorische Imperativ Kants, als sittlich zweifelhaft.

      Wenn sich einzeln lebende Lebensformen zu gemeinschaftlich lebenden Lebensformen entwickeln, dann entstehen Konflikte zwischen den älteren, egoistischen Instinkten (das Böse) und den neueren, sozialen Instinkten (das Gute).

      Die Sittlichkeit, zumindest die zurzeit in „westlichen“ [1] Systemen umgesetzte, setzt den Individualismus nicht dem Kollektivismus entgegen, sie betont die Freiheitlichkeit und das Sapere Aude, setzt aber nicht den Individualismus, gar den Hedonismus voraus und auf der anderen Seite nicht das Erreichen kollektiver Ziele. [2]

      HTH
      Dr. W

      [1] gemeint sind immer diejenigen politischen Systeme, die den Ideen und Werten der Aufklärung folgend gesellschaftlich implementiert haben; die Richtungsangabe ist irreleitend
      [2] „angeblich kollektiver Ziele“, die Aufklärung setzt nach genannter Implementierung zwar die Schwarmintelligenz frei und soz. besondere Generierung von (Mehr-)Wert, aber lässt die Frage nach dem Wieviel i.p. Kollektivem und Individuellem bewusst offen – die bekannten Menschenrechte sind vor diesem Hintergrund als gesetzt, aber nicht als absolut und endgültig, zu betrachten

      • Hallo Dr. Webbaer, wenn die Goldene Regel sittlich zweifelhaft ist, welche Alternative schlagen Sie vor?

        Völlig unabhängig von Steinzeit, Neuzeit, und politischen Systemen ist die Tatsache, dass im Menschen egoistische und soziale Instinkte mit einander konkurrieren.

        Mit freundlichen Grüssen, Karl Bednarik.

        • @ „Karl Bednarik“ :
          Es gibt grundsätzlich die drei Kooperationsprinzipien der Eskalation, der Deeskalation und der angemessenen Bearbeitung. – Wie in diesem Zusammenhang der Kategorische Imperativ, die „Goldene“ Regel und die „Platinum Rule“ genau einzuschätzen sind, weiß Ihr Kommentatorenfreund nicht genau, will die Einordnung jedenfalls an dieser Stelle nicht versuchen.

          Wenn Sie Zeit und Interesse haben, könnten Sie selbst versuchen die Menschheitsgeschichte vor dem Hintergrund der o.g. drei Kooperationsprinzipien zu beschreiben, soz. als Hausaufgabe und für sich allein.

          MFG
          Dr. W

    • Leider muss ich dir sagen, dass diese Darstellung sehr sehr viele Fehler enthält. Zumal er auch über 10 Jahre alt ist und die Yeziden in den letzten zehn Jahren so einiges an Forschungen ihres Glauben nachholen konnten. Leider fehlt mir im moment die Zeit näher darauf einzugehen.

      Es steht das Seich Adi zwar um die Zeit gelebt hat aber er nur ein Reofrmer dieser Religion war. Die Wurzeln liegen mehr als 4000 Jahren zurück.

      • @Yezide

        Danke für Ihren Hinweis! Ich habe den von @C.Hoppe verlinkten Artikel damals auch verschlungen – aber seit 1997 hat sich auch in der Forschung doch einiges getan…

        Wenn Sie einmal einen eigenen Gastbeitrag auf „Natur des Glaubens“ veröffentlichen wollen, melden Sie sich bitte einfach über meine Homepage. Denn auch Religionswissenschaft redet idealerweise nicht nur „über“, sondern „mit“ den Gläubigen der verschiedenen Religionen.

        Beste Grüße!

  14. es wäre interessant, wenn der Autor über die „türme des teufels“ berichten würde, und was die jeziden dort genau machen (feuerritual)

  15. Pingback: Vom Kampf um das heilige Land — sich Überblick verschaffen | Philipp Greifenstein

  16. Woher kommt Gut und Böse, oder wie kommt das Böse in die Welt, wenn Gott gut ist? Einige gnostische Systeme haben dies damit erklärt, das die materielle Welt von einem bösen Demiurgen geschaffen wurde, nicht vom obersten, „guten“ Gott.
    Eine interessante literarische Verarbeitung dieser Problematik in theologischen Systemen und der Frage nach den „wahren“ Glaubensaussagen im Umfeld des Christentums findet sich in Gustave Flauberts „Die Versuchung des hl. Antonius“ (sehr lesenswert).
    Der hl. Antonius wird in einer Vision in eine riesige Basilika geführt, wo die verschiedensten christlichen und häretischen Theologen heftig miteinander streiten. Antonius hört ihnen zu und ist entsetzt, sein Schüler Hilarion sagt zu ihm:

    „Du verzweifelst zu schnell! Du verstehst ihre Lehre falsch. Hier ist einer, der hat sein Wissen von Theodas erhalten, dem Freunde des heiligen Paulus. Höre ihn an!

    Und auf ein Zeichen von Hilarion beginnt Valentinus in einer Tunika aus Silbertuch, mit pfeifender Stimme und spitzem Schädel:

    Die Welt ist das Werk eines Gottes im Wahnsinn.“

    • @ Herr Stefan :

      Woher kommt Gut und Böse, oder wie kommt das Böse in die Welt, wenn Gott gut ist?

      Hier ist womöglich anzunehmen, dass es bei vielen Religionen [1] nicht um das Gute oder Böse ging, sondern um die Kohärenz zum Glaubenssystem, wobei das Herrschaftssystem, gelinde gesagt, mitgespielt haben dürfte.

      Die Idee, das etwas richtig oder falsch, im übertragenden Sinne und für die Erkenntnissubjekte bewusst gut oder böse sein muss, hängt wohl von dem Anthropozentrischen ab, das einigen Religionen vor einigen, vielleicht vor zwei bis drei Tausend Jahren, beigemischt worden ist, viele Religionen zuvor könnten oder müssten rein theozentrisch gewesen sein.

      Der Kick sozusagen war hier anzunehmenderweise das Anthropozentrische.

      MFG
      Dr. W (der nichts gegen Religionen hat, auch wenn die Fußnote 1 hier vielleicht ein „wenig trocken“ rüberkommt)

      [1] wie stellen uns hier den Primaten als vielleicht 100.000 Jahre als kognitiv halbwegs fit vor, wobei seit eh und je Narrative gebildet worden sind, die zumindest religionsähnlich waren, wobei es hier immer der Sprachlichkeit bedurft hat, Anthropologen (vs. ‚Hobby-Anthropologen‘) sind hier womöglich besser informiert – es muss da lange Zeit anzunehmenderweise unglaubliches Leiden gegeben haben, gell?, wobei die Religion an sich schon zivilisationsbildend gewesen sein sollte

  17. Pingback: Lesenswert #14 – Gazakrieg und Islamischer Staat | theologiestudierende.de

  18. Pingback: Wie ein Jeside bzw. Ezidi seinen Glauben versteht – Ein Gastbeitrag mit Fragemöglichkeit › Natur des Glaubens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  19. Ich frag mich auch was das für ein Quatsch ist: Teufelsanbetung. Ich meine objektiv betrachtet: Was soll Teufelsanbetung denn sein? Nehmen wir an es gibt also eine gruppierte Menge von Menschen, die nicht die „göttliche“ / gute Kraft im Leben gut findet (aus der sie selber entstanden sind), sondern den Gegenpol, die destruktive Kraft, also im Prinzip die Entropie. Was könnten diese Leute also gut finden? Sie machen womöglich gerne Sachen kaputt, vornehmlich Sachen anderer Leute, vielleicht überfahren sie gerne Igel und Katzen mit dem Auto oder freuen sich wenn es anderen schlecht geht. Oder sie sind Nihilisten oder mögen das Leben im Allgemeinen nicht. Oder wie soll man Teufelsanbetung verstehen? Wen soll so etwas überhaupt erschrecken, wenn das im Spiegel / in der Bild steht? Und warum? Bevor man mir etwas nicht so erklärt, dass es für mich nachvollziehbar und schlüssig ist, glaube ich niemandem und schon gar nicht das, was in der Presse steht. Drecks Politik (sorry).

    Im Übrigen: danke Herr Blume für diesen tollen Artikel.

    • @ jade :

      Ich frag mich auch was das für ein Quatsch ist: Teufelsanbetung. Ich meine objektiv betrachtet: Was soll Teufelsanbetung denn sein?

      Ohne diese Inhaltseinheit belasten zu wollen, Jesiden sind keine Teufelsanbeter, insofern nur ergänzend und eher spaßeshalber (>:->) angemerkt, der werte hiesige Inhaltegeber mag hier gerne widersprechen:

      Satan ist genau dann unter uns, wenn das Gute hinreichend definiert ist; der Schreiber dieser Zeilen verweist an dieser Stelle auf diese Veranstaltung:
      -> http://de.wikipedia.org/wiki/Church_of_Satan

      Soweit der Schreiber dieser Zeilen verstanden zu glauben hat, handelt es sich hier um bestimmtes Sozialverhalten, das an dieser Stelle nicht näher beschrieben werden muss; der Satanismus in der hier beschriebenen Form bleibt aber womöglich interessant, religionswissenschaftlich, weil womöglich auch: agnostisch.

      MFG
      Dr. W (der sich an „düstere“ und geschminkte Gestalten erinnert, die in der BRD in den 80ern herumliefen (und oft auch The Smiths hörten, manchmal auch The Cure) hörten)

      • Ich kenne die düsteren Gestalten auch, allerdings die aus den 90ern: das waren dann die Blackmetal-Typen. Ich hab mich sogar ein paar Jahre selbst für die Musikrichtung interessiert. Da gabs sogar ein Buch zu der Musikgeschichte, „Lords Of Chaos“. Ich bin dann zu dem Schluss gekommen, dass diese „Satanisten“ in der Hauptsache aus gesellschaftlichen Gründen gegen die Kirche sind, was ja auch nicht verkehrt ist. Aber einen wirklich überzeugenden „philosophischen“ Background gibt es da, soviel ich weiß, nicht. Die wirklich interessante Frage bleibt eben „Warum gibt es Leben?“ und nicht „Warum könnte es auch Nichts geben“. Die Church Of Satan…naja, dazu kann ich auf Anhieb nicht so viel sagen. Nach dem Wikipedia Artikel scheinen die harmlos zu sein? Jedenfalls harmloser als die Jesiden (kleiner Scherz).

  20. Ich sehe keinen Unterschied zwischen Gottesanbetung und Teufelsanbetung.

    Beides sind übermenschliche Geister die nicht empirisch messbar sind. Man muss an sie glauben. Gott ist nach den Religionen mit den meisten Gläubigen mit mensschlichen Mitteln nicht zu verstehen; mit anderen Worten könnte er genausogut der Teufel sein – wenn Du es nicht verstehst, so ist dies eher ein Beleg dafür, dass es gut möglich ist, als dagegen.

    Ironischerweise warnen die hl. Bücher gerne davor, dass sich der Teufel als Gott ausgeben wird.

    Ebenfalls unklar ist, wieso der abrahamitische Gott der gleiche sein soll. Man kann ihn ja nicht sehen und auf ihn deuten und sich so einigen, dass es der gleiche ist. Also muss man ihn beschreiben. Der jüdische Jahwe will an Sabbat verehrt werden, Allah, der schon anders heißt, am Freitag, und Gott am Sonntag. Der christliche findet Schweinefleischverzehr in Ordnung – das kann ja nicht der gleiche sein, geschweige der selbe.

    Die Juden glauben nicht, dass er auf die Welt gekommen sei und gekreuzigt wurde aber die Chriten glauben er sei genau das, und die Juden nicht schuldlos, obwohl in deren Schriften gerade stehen soll, dass es genau so kommen wird und kommen muss. Die Juden seien aber kein auserwähltes Volk mehr und so weiter. Auch der katholische Gott kann nicht der protestantische sein, denn der eine hat in Rom einen Vertreter, der andere lehnt das strikt ab.

    Und ist in christlicher Phantasie nicht Luzifer ein gefallener Engel? Auch da ist Engel und Teufel offenbar synonym.

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  24. yeziden sind keine teufelsanbeter. die yeziden gehören zu den guten. falls ihr es noch nicht wisst die yeziden werden von den islamisten umgebracht nur weil sie einen anderen glauben haben also gehören islamzu den bösen.die yeziden sind die besten sie haben so eine schöne kultur yeziden forever

  25. Hallo, das ist ja an den Haaren herbeigezogen, abstrus und total verquast. Hier wird ja der Teufel
    als dummer, böser Junge, der sich, ach wie selig, zum Guten wandelt. Das kann wohl so nicht stimmen. Ist es nicht so, dass man jetzt eine Sekte als wunderbaren, tollen Bestandteil der monotheistischen Welt darstellen will, nur weil sie nun so gnadenlos verfolgt wird. Letzteres heiße ich natürlich überhaupt nicht gut. Aber es geht nicht, den Teufel zu verharmlosen. Der Teufel lacht sich in sein Fäustchen bei diesen Gedanken des Herrn Blume. Das ist ganz nach seinem Geschmack. Übrigens tritt er ja auch sehr oft im schönen Gewand auf, vermeintlich das Gute und Vorteilhafte präsentierend. Anscheinend denkt man nicht mehr richtig nach. Aha! Sie beten den Engel des Lichts ( Satan ) an, aber nicht Satan? Was soll das? Dann gehören aber sämtliche satanischen Sekten, mit all ihren blutigen und schaurigen Ritualen auch rehabilitiert und als Religion anerkannt. Solch Unfug hat überhaupt nichts, absolut gar nichts mit Toleranz, Willkommenskultur und Nächstenliebe zu tun. Man beachte, daß man hier den Teufel willkommen heißen würde, daß man Toleranz zum größten Widersacher übt. Wo bleibt die Logik. Sie ging im philosophischen, religionsgeschichtlichem und kulturhistorischem Kuddel-Muddel total unter.

    • Lieber @MAthias Kolbe,

      „Natur des Glaubens“ ist ein religionswissenschaftlicher Blog, auf dem man sich (auch) über die Glaubensvorstellungen verschiedener Religionen informieren kann. Die Auffassung, die Sie vertreten – ein Dualismus mit einem „guten“ Gott und „bösen“ Teufel – ist christlich und islamisch weit verbreitet, aber eben nicht allgemein. Nicht nur das Yezidentum sieht das anders, auch das Judentum (zu dem u.a. Jesus gehörte). Als einen Start für Ihre eigenen Recherchen hier ein kleiner Text: http://www.religionen-entdecken.de/lexikon/t/teufel-im-judentum

    • @Mathias Kolbe,

      wenn man sich im Internet informiert und nachliest, wie z.B. IS-Krieger zu ihrem „Gott“ beten, bevor und nachdem sie eine jesidische Kriegsgefangene vergewaltigen, was denken sie, wer wirklich dem Bösen dient?

  26. Pingback: Der Baba Sheikh – Religiöses Oberhaupt der Yeziden und Reformer › Natur des Glaubens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  27. Läßt sich das genau nachvollziehen, was zuerst da war, die Yezidische Legende, daß Melek Taus nur den Schöpfer (Gott) verehren wollte, aber nicht das Geschöpf (Adam), oder eben Mohameds Erzählung, daß Iblis Shaitan (kann man auch IS abkürzen) bei Allah (dem Geist des Großen Steines in der Kaaba) in Ungnade gefallen war, weil er sich einem direkten Befehl widersetzt hatte? Es wäre schon interessant zu wissen, ob das Jesidentum jünger oder älter ist als der Islam. Kurdistan ist schließlich ein Teil des früheren Assyrerreiches, das in alttestamentarischen Zeiten Nord-Israel eroberte und noch vor den Babyloniern anfing, Israeliten in die entlegendsten Gegenden zu deportieren – aus Samaria deportierte Priester und Leviten könnten ja auch einen Einfluß auf das spätere Jesidentum gehabt haben…?

    • @Störk

      Ja, zu dieser Frage habe ich in „Engelkunde“ schon mal ausführlicher geschrieben:
      http://www.sciebooks.de/cms/books/engelkunde

      Kurz gesagt gibt es zur Erklärung des Bösen im Heno- und Monotheismus zwei gegensätzliche Erklärungsvarianten: Der Dualismus beschreibt – schon seit dem Zoroastrismus – den Streit gegensätzlicher Mächte, beschränkt dadurch aber die Allmacht (des guten) Gottes. Im strengen Monotheismus – schon seit dem Judentum, vgl. Buch Hiob – wird dagegen der Mensch geprüft und wirkt der Widersacher als von Gott eingesetzter oder geduldeter „Ankläger“.

      Christentum und Islam stehen zwischen diesen Ansätzen, mit Tendenzen zu einem volkspopulären Dualismus und einem Gelehrten Monotheismus.

      Islamische Sufis – wie auch der yezidische Reformer Sheikh Adi einer war – hatten sehr bald die koranische Überlieferung in geheimen Lehrtraditionen so aufgelöst, dass der Böse eigentlich so böse nicht war, sondern ein treuer Monotheist. Insofern fügt sich die yezidische Versöhnungslehre durchaus in islamische Diskurse der damaligen Blütezeiten, von denen heute freilich oft kaum noch etwas zu erkennen ist…

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