Spiritualität im Blick der Wissenschaften

Zuerst wenige, dann immer mehr Menschen erhoben sich. Machten die befreiende Erfahrung, dass sie gemeinsam mehr erfahren und bewirken als alleine. Demonstrierten und beteten gemeinsam, hielten den Angriffen gewalttätiger Schergen stand – und stürzten schließlich diktatorische Regime, zunächst in Tunesien, gestern in Ägypten. Der Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei fasste das Ergebnis dieser Tage zusammen: "Das ist der schönste Tag meines Lebens." Und wir ahnen – oder erfahren selbst – dass Menschen die Fähigkeiten zu Gefühlen haben, die sie miteinander und mit höheren Zielen verbinden. Eine wichtige dieser Veranlagungen erkunden wir in den Wissenschaften inzwischen unter dem Stichwort der Spiritualität.

Vor zwei Jahren hatte ich für Gehirn & Geist die Titelgeschichte "Homo religiosus" zur Evolution der Religiosität (kostenloser Download hier) verfasst. Und genau vor einem Jahr, am 11.02.2011, auf die zunehmenden Forschungen auch zur Spiritualität verwiesen. In der aktuellen Ausgabe von Gehirn & Geist berichtet nun Anton A. Bucher (Universität Salzburg) aus dem wachsenden Feld der Spiritualität-Forschung und die Redaktion hat den hervorragenden Artikel zu Recht zum Titelthema erhoben.

Spiritualität und Religiosität

Der Autor beginnt mit dem Bericht eines US-amerikanischen Pastors, der an der Dogmatik seiner religiösen Tradition (ver-)zweifelt und schließlich als Psychologe und Therapeut ein stärker spirituell bestimmtes Leben anstrebt. Und er scheint damit im Trend zu liegen: Als Bucher 2004 an der Universität ein Seminar zum Thema "Psychologie der Religiosität" anbietet, ist das Interesse verhalten. Als er den Titel jedoch in "Psychologie der Spiritualität" verändert, platzt der Hörsaal aus allen Nähten.

Spiritualität werde etymologisch (Eytmologie ist die Erforschung der Wortwurzeln) vom lateinischen spiritus für Atem, Geist und Begeisterung abgeleitet. Nach einer Umfrage unter 200 Studierenden der Universitäten Fribourg und Salzburg im Jahre 2006 wird der Begriff am häufigsten mit Übernatürlichem und Transzendenz verbunden (44%), gefolgt von Assoziationen zu Esoterik und Okultismus (29%), spirituellen Praktiken (25%), Gefühlen und Harmonie (21%) und Glaube, unabhängig von Religion (19%).

36% bezeichneten sich als spirituell, 16% als religiös, 26% als spirituell und religiös und 22% als weder religiös noch spirituell. Religiosität war dabei deutlich stärker als Spiritualität mit der Verbundenheit zu Kirche(n) und dem Glauben an Gott verbunden. Die empirischen Befunde Buchers passen damit wunderbar zu den gängigen Arbeitsdefinitionen, wonach Religiosität als Bezugnahme zu überempirischen Akteuren, Spiritualität aber als Fähigkeit zu Transzendenzerfahrungen verstanden wird. In der historischen, neuronalen und alltäglichen Realität verschränken sich diese Merkmale selbstverständlich immer wieder, sind aber dennoch nicht einfach gleich zu setzen.

Bucher versteht es, diese historischen und empirischen Beobachtungen mit Befunden aus der Hirnforschung und auch Genetik (Zwillingsstudien) zu untermauern. Er diskutiert Studien, wonach höhere Spiritualität durchschnittlich (aber nicht in jedem Einzelfall!) mit höherem körperlichen und v.a. psychischen Wohlbefinden einher geht. Sie trage zu religiöser und sonstiger sozialer Vergemeinschaftung bei, stifte Lebenssinn und schütze vor Streß und Depressionen.

Zum Glauben geboren?

…lautete die Titelgeschichte des G&G-Heftes über Religiosität in 2009. Bucher entfernt nun (ebenfalls) das Fragezeichen und resümiert: "Die bisherigen neuropsychologischen Erkenntnisse sprechen dafür, dass Spiritualität und Religiosität dem Menschen angeboren sind." Sie würden nicht verschwinden.

Literatur:
Bucher, A. 2011: "Spiritualität – Moderne Sinnsuche", Gehirn & Geist 03/2011, S. 14 – 19
 

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. @ Blume

    „Eine wichtige dieser Veranlagungen erkunden wir in den Wissenschaften inzwischen unter dem Stichwort der Spiritualität.“

    Eigentlich, strenggenommen ein Unding. Ich liebe es ja, den alten Mephisto zu spielen. Er ist mir zu einer treuen Seele geworden. Ich mag ihn -diesen großen Zweifler! Obschon er Teil einer einzigen Kraft ist. Ein Bild! Spirit -ein Gespenst? Ein Geist? Ich kenne nur die Inspiration… Nur diese läßt sich erforschen…Mit den Augen Gottes können wir nicht sehen…Wir können nur unter den Augen Gottes stehen…

  2. Nachtrag

    Den Kopf nicht in den Sand himmlischer Dinge zu stecken, sondern den Erden-kopf frei zu tragen -das scheint mir eher das Gebot der Stunde zu sein.

  3. @Dietmar Hilsebein

    Was wir durch Wissenschaft entdecken können mag nicht alles und vielleicht nicht einmal viel sein. Doch werden wir unsere Grenzen nur finden, wenn wir Wagen, bis zu ihnen zu gehen. Und sollte Gott auch der Schöpfer unseres Verstandes und unserer Neugier sein, so wollte Er wohl, dass wir diese auch mit Leidenschaft gebrauchen.

  4. Anti-institutionelle Religiosität

    Spannend. Ich möchte trotzdem einen Gesichtspunkt reinbringen, der die Unterscheidungslinien zwischen Religiosität und Spiritualität noch einmal anders zieht, auch ein bisschen verwischt.
    Im Aufstand in der DDR, der ja auch gewisse Parallelen hatte, strömten Leute bereitwillig in die Kirchen. Hier hatten sie die Möglichkeit sich zu artikulieren; und das war teilweise auch, aber eben nicht nur kühle Berechnung. Nicht nur Kalkül, jetzt benützen wir den Freiraum der Kirchen mal für uns. Sondern da fanden sie auch zu eigenen und durchaus religiös geformten Worten, konnten auch mitsingen auf eine Melodie, die über ideologische Grenzen hinaus Menschen verbündete. Die gemeinsamen Lieder und auch Gebete (Psalm 126: „Wenn Zwänge und Terror zerbrechen, werden wir sein wie die Träumenden…“) konnte man sich aneignen – ohne sich einer Institution verschreiben zu müssen. Das trug einen und man konnte es auch auf die Straße tragen. Ich war mal im Oktober ’89 mit in der Gethsemanekirche.
    Als viele dann hinterher weg blieben, wunderten sich Kirchenvertreter, empfanden es teilweise als undankbar ff; oder empfanden sich als ausgenützt. Mich wunderte es nicht; da hatte man falsche Erwartungen gehegt:
    Dass die Leute hinterher in festgefügter Liturgie Kyrie rufen und sonstige lateinisch/ griechischen Brocken, das Glaubensbekenntnis in jedem Gottesdienst mittragen und für das ganze Denksystem stillschweigend mit vertreten – das konnte nicht klappen. Von anderen Denkvorgaben hatten sie sich doch soeben befreit; na, und jetzt ging’s ums Konsumieren (man könnte an einen Satz von Brecht erinnern).
    Aber ich schweife ab. Zurück zur Sache: Religiosität oder Spiritualität – das wäre für viele schon möglich (ist immer wieder auch mal kirchlich, z.B. bei den von Dir gern als Beleg herangezogenen Gottesdiensten bei öffentlichen Katastrophen). ABER: dabei sich keinesfalls einer Institution ausliefern, sich nicht (wieder) vereinnahmen lassen. Also anti-institutionelle – wenn man so will auch: selbst bestimmbare – Religiosität. Und das wird eben durch das Wort „Spiritualität“ deutlicher markiert, ist aber wohl sonst nicht so scharf zu trennen.

  5. @ Blume

    „so wollte Er wohl“

    Diese Wendung ist ein Sprung über den Graben. Denn was er will oder nicht will -darüber können wir nichts wissen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Der Glaube, der besser das Vertrauen heißt, ist damit nicht berührt. Nur Wissenschaft muß ja, das betonen Sie ja selbst, stets auch empirisch sein. Der Alte aus Königsberg: Sie werden nicht um ihn herumkommen…;-)

  6. @H.Aichele

    Ja, den Beobachtungen stimme ich zu. Spiritualität scheint die Ich-Erzählungen eher zu stärken, wogegen Religiosität auch ein Einfügen in gemeinschaftliche Zusammenhänge und Traditionen impliziert. Gut finde ich, wenn Kirchen und Klöster Nischen für Menschen schaffen, die auf der religiösen oder spirituellen Suche sind.

  7. @Dietmar Hilsebein

    Ja, deshalb habe ich den augenzwinkernden Konjunktiv verwendet. 🙂 Denn seitdem es Wissenschaft gibt, gab es immer auch die Versuche, Forschungen zu untersagen. Aber es gab und gibt halt auch immer jene, die davon ausgingen, dass neugieriges Forschen dem Gebet am nächsten kommt. Und auch der Alte von Königsberg hat sich das Denken ja nie verbieten lassen… 🙂

  8. Kritik der Wahrnehmung…

    …oder wie werde ich Romantiker.
    Sehe ich die Vase, die auf dem Tische steht oder werde ich gewahr des Lichtes, welches auf jene fällt?

  9. NTE´s

    Spirituelle Erlebnisse sind Erfahrungen, welche einen Menschen dazu bewegen können, an Übernatürliches (Gott) zu glauben. Damit verbunden sind auch Gefühle des Einsseins, der Geborgenheit, der Bejahung und der Angenommenheit.

    Bei den sogenannten ´Nahtod-Erfahrungen´ NTEs) treten spirituelle Erlebnisse auf; insbesondere wenn man dabei das sprechende, liebevolle Lichtwesen erlebt – bei dem man sich grenzenlos geborgen fühlt und mit dem man auch Eindrücke des allumfassenden Verstehens erlebt.
    Ich habe ja schon mehrmals darauf hingewiesen, dass es sich dabei z.B. um Erlebnisse aus der frühen Babyzeit handelt (www.spektrumverlag.de/artikel/1058259).
    D.h. wir besitzen in uns eine Quelle des Urvertrauens welche nicht angeboren sondern durch liebevolle Erfahrungen angelernt wurde.
    Dies ist auch ein Grund, warum wir uns mit anderen Menschen, in sozialen Gemeinschaften so wohl fühlen.

    Bei speziellen Meditationstechniken kann man ebenfalls ein mit Lichtwahrnehmung verbundenes Glücksgefühl in einem Zustand allumfassenden Verstehens (Einheit) erleben. Dabei dürfte es sich auch um das Erleben des oben beschriebenen Urvertrauens handeln. Denn wenn man alle gedanklich beschreibbaren Eindrücke verdrängt – dann bleiben die unbeschreibbaren, emotionalen Sinneserfahrungen übrig um Bewusst zu werden.

    Auch das Studium der Heiligen Schriften und die Betrachtung von Schönheiten der Natur kann spiritell wirksam sein – wenn man sich über einen dahinter verborgenen Sinn Gedanken macht.

  10. @KRichard

    Dem Gerede von NTEs begegne ich mit wachsender Ungeduld. Denn es ist eine Assoziation, aber keine wissenschaftliche Hypothese. Als solche müsste es möglich sein, sie zu überprüfen. Auch erklärt sie nicht, warum Millionen Menschen ganz ohne NTEs spirituelle und religiöse Erfahrungen machen. Ich bin nahe dran, das NTE-Gerede als Spam einzustufen.

  11. @Blume

    Und warum prüfen Sie dann nicht? Sie sind doch Wissenschaftler – oder etwa nicht?
    Nehmen Sie sich einen Kinderarzt oder eine Hebamme und fragen Sie nach, welche Sinne ab dem 5. Schwangerschaftsmonat arbeiten. Überlegen Sie gemeinsam, was ein Fetus, Baby, Kleinkind in welchem Alter erleben kann (und was nicht). Danach überlegen Sie, wie derartige Erlebnisse empfunden werden würden – wenn man sie als Erwachsener neu bewertet => und schon haben Sie genau das, was bei NTEs berichtet wird.
    Sprechen Sie auch mit Gedächtnisforschern über ´zustandsabhängiges Erinnern´- das Phänomen ist dort bestens bekannt.

    Sie schreiben Bücher über neurologische Grundlagen von Spiritualität und Religiosität, aber wenn man Ihnen einen neuen nachprüfbaren Denk-Ansatz bringt, dann prüfen Sie ihn nicht einmal nach – sondern sind nur genervt. Und Sie wollen ein Religions-Wissenschaftler sein?

    Außerdem: Sie kennen mein Buch ´Lebende Tote? – ein Wissenschafts-Skandal´ seit einem 3/4 Jahr; Lesen sie mal in der aktuellen ZEIT WISSEN Nr. 2 (Februar/März 2011) den hervorragenden Artikel ´Im Bann der Erinnerungen´. Mit dem aktuellen Stand der Gedächtnisforschung über das Erinnern – Sie werden dann feststellen, dass dieser Beitrag vom Inhalt her gleichartig ist mit dem, was ich vor fast einem Jahr veröffentlichte. D.h. ich bin auf dem aktuellen Stand der Gedächtnisforschung.

    Sie wissen daher auch, dass mein Erklärungsansatz nichts mit der bisherigen Nahtod-´Forschung´ zu tun hat. Bisher geht man davon aus, dass es sich bei NTEs um eine subjektive bzw. objektive Sterbeerfahrung bzw. um Drogenwirkung handelt.
    Mein Ansatz geht ausschließlich davon aus, dass NTEs das Ergebnis von Erinnerungsvorgängen sind.

    Außerdem habe ich in meinem obigen Artikel noch ein paar andere Gründe für Spiritualität genannt.

  12. KRichard

    „Und warum prüfen Sie dann nicht? Sie sind doch Wissenschaftler – oder etwa nicht?“

    Weil es hier nicht um NTEs geht?

    „…was ich vor fast einem Jahr veröffentlichte. D.h. ich bin auf dem aktuellen Stand der Gedächtnisforschung.“

    Herzlichen Glückwunsch. Bei solchen Sätzen muß ich an Helmut Wicht denken:

    „Wo das enden soll? Im Tode, am Ende all unserer Eitelkeiten und in der Einsicht in sie, wenn wir Glück haben.“

  13. Bescheidne Wahrheit sprech’ ich dir.

    Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt,

    Gewöhnlich für ein Ganzes hält –

    Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war,

    Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar,

    Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht

    Den alten Rang, den Raum ihr streitig macht,

    Und doch gelingt’s ihm nicht, da es, soviel es strebt,

    Verhaftet an den Körpern klebt.

    Von Körpern strömt’s, die Körper macht es schön,

    Ein Körper hemmt’s auf seinem Gange;

    So, hoff’ ich, dauert es nicht lange,

    Und mit den Körpern wird’s zugrunde gehn.

  14. Zusammenrottung

    „Zuerst wenige, dann immer mehr Menschen erhoben sich. Machten die befreiende Erfahrung, dass sie gemeinsam mehr erfahren und bewirken als alleine.“

    Eine Zusammenrottung von Demonstranten muss nicht zwangsläufig auf eine Spiritualität hindeuten.

  15. @Hilsebein

    Danke für die anregenden Texte. Ich möchte mich revanchieren indem ich Ihnen den Text von Herrn Dr. Blume ´Wohnt Gott im Gehirn?´ als Lektüre empfehle (per Google zu finden).
    Darin betont er u.a. die besondere Rolle des präfontalen Cortex für Religiosität.
    Ein Teil davon, der orbitfrontale Cortex, spielt eine wichtige Rolle für die soziale und emotionale Erlebnisfähigkeit. So ist dieser Bereich z.B. bei Menschen welche in den ersten Lebensjahren keine liebevolle Zuwendung erfahren haben (z.B. Waisenkinder) – sehr schwach entwickelt.
    Und damit sind wir wieder beim Thema NTEs, wo die ersten Erinnerungen an liebevolle Zuwendung von der Mutter (und anderen Personen) als liebevolles Geist-/Lichtwesen erinnert wird (= meine Behauptung).

    Und damit kann man über die Frage nachdenken ob Bindungsfähigkeit und Religiosität in einem Zusammenhang stehen. Ich denke, mein NTE-Erklärungsmodell gibt dazu eine Antwort: Liebevolle Zuwendung bleibt uns das ganze Leben lang im Gedächtnis und bildet so eine stabile Grundlage (Grundvertrauen) für unser ganzes Leben – und für Religiosität/Spiritualität.
    Und damit sind wir aber bei einem zentralen Thema von Dr. Blume´s Blogs: Religiosität fördert Reproduktionserfolg.

  16. @KRichard

    So geht es aber leider nicht. Wissenschaft kommt nie an ein Ende, es sind immer unendlich viele Möglichkeiten da. Man kann sie selbst tun oder andere Leute dafür begeistern bzw. bezahlen. Aber mit Assoziationen zu kommen und dann zu „verlangen“, dass sie überprüft werden – das geht nicht.

    Mein Forschungsschwerpunkt ist ja die Evolution von Religiosität und Religionen und dort besonders die Zusammenhänge von Religion(en) & Demographie. Glauben Sie, es hätte ausgereicht, wenn ich dazu Vermutungen angestellt und dann von anderen verlangt hätte, diese als wissenschaftliche Hypothese(n) zu überprüfen? Und denken Sie, es hätte geholfen, wenn ich Kolleginnen und Kollegen beschimpft hätte, die nicht gleich „Hurra“ schrien?

    Auch das Thema Spiritualität fand und finde ich interessant, hatte aber selbst kaum Zeit & Möglichkeiten, es zu vertiefen. Prof. Bucher hat es in, wie ich finde, vortrefflicher Weise getan. Und zwar in einer Arbeit über Jahre hinweg.

    Nun habe ich schon auf unzähliger Ihrer Kommentare geantwortet, Ihr Buch gelesen und Ihren Thesen auch einen eigenen Blogbeitrag gewidmet:
    http://www.chronologs.de/…iosit-t-und-religionen

    Aber jetzt ist es langsam auch mal gut. Sie sind hier auf „Natur des Glaubens“ als konstruktiver Diskussionspartner immer willkommen. Und wenn es neue Forschungsergebnisse rund um Ihre Assoziationen gibt, können Sie diese gerne in o.g. Blogbeitrag einstellen. Gerne kann man das Thema auch z.B. nächstes Jahr nochmal aufgreifen. Aber ich möchte Sie dringend bitten, auch im Hinblick auf andere Leserinnen und Leser nicht andere Diskussionen auf NdG zuzuspammen. So spannend das Thema NTE auch sein mag – es ist eines von sehr vielen Forschungsthemen und nicht mein Schwerpunkt.

  17. @Blume

    Meine Beiträge waren sachbezogen gemeint.
    Ich bedauere, wenn ich Sie verärgert haben sollte, das war nicht meine Absicht.

  18. Untersuchungen von Bruce Hood

    Interessant in diesem Zusammenhang sind die Untersuchungen des britischen Psychologen Bruce M. Hood (http://www.bris.ac.uk/…esearch/supernatural.html), der dem Ursprung übernatürlichen / magischen Denkens bei Kindern nachgeht und auch der Auffassung ist, dass wir quasi festverdrahtet sind für Religion, Aberglauben oder andere Formen übernatürlichen Denkens. Sein Buch „Supersense“ liegt inzwischen auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel „übernatürlich? natürlich! Warum wir an das Unglaubliche glauben“ (Spektrum Akademischer Verlag 2010): http://www.springer.com/…274-2543-0?changeHeader

  19. @Frank Wigger

    Ja, das ist ein guter Hinweis! Bruce war ja auch Teilnehmer der Bristol-Konferenz und stellte dort eine Reihe neuer, experimenteller Studien vor.

    http://www.chronologs.de/…bristol-september-2010

    Faktisch ergeben sich auf evolvierte Merkmale immer wieder zwei (allerdings verbundene) Perspektiven: 1. Jene nach der evolutionären Geschichte und 2. jene nach der (historischen & heutigen) Funktion. Schon daran lässt sich erkennen, dass es immer auf den Dialog verschiedener Spezialisten und Disziplinen ankommen wird. Und dass es wichtig ist, zwischen verschiedenen Aspekten (wie Spiritualität, religiosität, Theory of Mind etc.) zu differenzieren. Danke also für den guten Hinweis und die Links!

  20. @ Michael Blume

    Dem Link zu der „Explaining Religion“-Konferenz bin ich gleich gefolgt – und fand den Bericht sehr interessant, ebenso wie die Information zu Susan Blackmore. Mit ihr hatte ich einen netten Kontakt als Lektor ihres Buches „Die Macht der Meme“, das, wie ich nun wiederum erfahre, Thema Ihrer Doktorarbeit war. Dafür dass ich vorhin nur zufällig in Ihren Blog gestolpert bin, ist das schon einmal eine ganze Menge … fast schon übernatürlich 🙂

  21. @Frank Wigger

    In der Tat, was für „Zufälle“! Und, ja, Susan beeindruckte mich menschlich wie auch wissenschaftlich – so etwas wie ihren Guardian-Beitrag hatte ich noch nie erlebt!

    http://www.guardian.co.uk/…e-religion-virus-mind

    Wenn alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler so neugierig und erkenntnisoffen wären, wären wir wohl schon um Längen weiter. Ich gebe es gerne zu: Gerade auch im Austragen unterschiedlicher Meinungen bleibt Susan für mich ein echtes Vorbild!

  22. @Karl Bednarik…

    …schrieb: Eine Zusammenrottung von Demonstranten muss nicht zwangsläufig auf eine Spiritualität hindeuten.

    Dieser Aussage wollte ich – gerade aus Stuttgarter Erfahrungen 😉 – völlig zustimmen. Allerdings wird in Demonstrationen und Gemeinschaftsdynamiken generell schon deutlich, dass wir Menschen nie nur rationale Wesen sind. Und auch spirituelle Emotionen treten sowohl in individuellen wie gemeinschaftlichen Kontexten auf und sind die (Er-)Forschung wert.

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