Religionsgemeinschaften und Familienbiografien in Deutschland – Eine neue GESIS-Studie

Immer mal wieder schaue ich glücklich auf die Abruf- und Verkaufszahlen rund um „Religion und Demografie“ – die Frucht jahrelanger Forschungen. Doch nicht zuletzt dank lieber Freundinnen und Freunde auf Facebook & Twitter (wie z.B. Dagmar Heinemann) bekomme ich auch immer wieder Meldungen über neue, empirische Studien zum Thema. So erhielt ich auch den Hinweis auf einen neuen Forschungsartikel von Stefan Weick von GESIS, dem Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. Weick erkundet, ob und wie sich Konfessionszugehörigkeit in Deutschland auf die Familienbiografien (Heirats- und Erstgeburtsalter, Verbleib im Haushalt der Eltern etc.) auswirkt. Die Ergebnisse bestätigen die hier bereits verschiedentlich vorgestellten Befunde, erweitern und vertiefen sie in vielerlei Hinsicht aber auch: Konfessionszugehörigkeiten haben einen messbaren Einfluss auf die Familienbiografien, religiös vergemeinschaftete Menschen auch in Deutschland im Mittel früher und mehr Kinder. Und das Beste: Die ganze Ausgabe des Informationsdienst soziale Indikatoren (ISI) steht kostenfrei online zur Verfügung und kann also eingesehen, diskutiert und wiederum zitiert werden!

GESISHeaderReligionDemografie2015

Mit einem Klick zum lesenswerten Forschungsartikel von Stefan Weick.

Wer zu dem Thema lieber einen Gesprächseinstieg hören möchte, gerne hier:

Und im weiteren Kontext der Evolutionsforschung findet sich das Thema auch hier:

Mir bleibt nur, Kollegen wie Stefan Weick von Herzen dafür zu danken, dass sie vorhandene Forschungen aufgreifen, zitieren – und weiterführen. Kleine Steinchen zu den Gebirgen der Erkenntnis beigetragen zu haben ist der eigentliche Lohn von Wissenschaft – und macht glücklich. Danke, lieber Herr Weick!

🙂

ReligionundDemografie2014

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. man kann doch keinen Andersgläubigen heiraten ohne der ewigen Verdammnis preisgegeben zu sein
    ich kenne die Verdammnis

    ein uralter Witz:

    Die evangelische und die katholische Bevölkerung Nordrhein-Westfalens haben getrennte Genpools, obwohl sie sich experimentell noch miteinander kreuzen lassen

  2. Freue mich ungemein, dass die Forschungen zu Religionen und Demografie weiter Fortschritte machen!!!

    Ich habe Ihr Buch dazu gelesen, Dr. Blume – sehr gut!!! Wollen Sie an dem Thema nicht doch vielleicht einmal weiterforschen???

  3. Vielen Dank, @Sybille. Tatsächlich kann ich mir derzeit weiterhin nicht vorstellen, alleine an dem Thema weiter zu arbeiten – es war schon sehr anstrengend, über Jahre hinweg diese Bretter zu bohren, zu publizieren und vorzutragen, die immergleichen Einwände durchzustehen…

    Klar bliebe noch unendlich viel zu erforschen und ich könnte mir sehr gut vorstellen, im Team mit anderen dazu auch weiteres zu tun.

    Aber halt nicht mehr alleine – da freue ich mich, dass die Saat langsam aufgeht und widme mich anderen Themen & Projekten, die Freude machen. In diesen Tagen ist z.B. ein neues, stärker politikwissenschaftliches sciebook von mir erschienen, zu dem in den nächsten Tagen auch das Taschenbuch erscheinen sollte! 🙂
    http://www.sciebooks.de/cms/books/oel-und-glaubenskriege

    Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Ermutigung!

  4. Hierzu:
    -> https://www.youtube.com/watch?v=dSJcCdH-VlI (‚Mein ursprünglicher Ansatz war gewesen rein statistisch zu arbeiten, aber da ist zum Beispiel die Frage mit der Korrelation, äh, hmm, also mit der, äh, äh, Kausalität, was verursacht was, kaum zu lösen, und ich kam dann richtig weiter als ich begonnen habe, äh, einerseits äh, äh die quantitativen, die statistischen Auswertungen und Fallstudien, äh, zu vergleichen, also in die USA zu fahren, die Amish anzugucken, nach Israel zu fahren, sich die ultraorthodoxen Gemeinschaften anzuschauen, hier natürlich auch in Deutschland mit den verschiedenen Gruppen, ähm, zu arbeiten, d.h. das Statistische und die Fallstudien miteinander zu kombinieren (…) Heiratsvermittlung (…)‘)

    Ohne Idee geht es halt nicht, die statistische Analyse ist daten- und ideengebunden. [1]
    Ansonsten, nö, bestimmte Zusammenhänge liegen auf der Hand und können wie gehabt wissenschaftlich bearbeitet werden…

    MFG + weiterhin viel Erfolg,
    Dr. W (dem noch auffiel, dass im webverwiesenen Vid nicht zurückgeduzt worden ist, zumindest nicht bis zu den hier betrachteten 15:00)

    [1]
    Die Feststellung von Kausalität erfolgt zudem immer wahlfrei, an erkennende Subjekte gebunden, an deren Möglichkeit zur immer ausschnittsartigen, näherungsweisen und an Interessen gebundenen Erfassung von Daten.

    • Ja, @Webbaer – und auch dies spricht m.E. klar für Forschungen durch mehrere voneinander unabhängige Personen, idealerweise auch aus verschiedenen Disziplinen: So können empirische Theorien überprüft und ggf. blinde Flecken ausgeglichen werden. Deswegen freue ich mich einerseits über unabhängige Bestätigungen – wie hier verlinkt – und wünsche mir andererseits, das zukünftige Forschungen zum Thema eher in Teams stattfinden. Man sollte sich da als „Einzelforscher“ auch einfach nicht überschätzen…

      • Weitermachen!

        MFG
        Dr. W (der, wie bereits angemerkt, die Ursachenforschung bei sich anbahnender Ausdünnung sittlich-kognitv-fitter Völker oder Bevölkerungen schon sehr angebracht findet, gerne auch, wenn die nachlassende Religiösität nicht als zentral behandelt wird, womit abär aber nichts Negatives beschieden werden soll)

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