Religion und Ritual – Das Jahrbuch für Interdisziplinäre Anthropologie 03-2015 von Gerald Hartung und Matthias Herrgen (Hrsg)

Mit den jährlich erscheindenen Bänden zur „Interdisziplinären Anthropologie“ haben Prof. Dr. Gerald Hartung und Matthias Herrgen inzwischen eine neue Forschungsmarke im deutschsprachigen Raum etabliert, die auch bereits ins Internationale auszustrahlen beginnt. So erinnere ich mich sehr gerne an die gelungene Tagung über die „Philosopical Anthropology of Religion“ in Wuppertal 2014, bei der u.a. Prof. Matt Rosano von der Southeastern Louisiana University zur interdisziplinären Evolutionsforschung sprach. Hartung und Herrgen entschieden dann, diesen englischsprachigen Vortrag zum „Target Article“ des Jahrbuches 03/2015 zu machen, auf den dann die Herausgeber ebenso wie Wolfgang Achtner, Christoph Antweiler, Ulrich Frey, Richard Sosis, ich und andere mehrseitig antworteten. Eine ausführliche „Reply“ von Matt schließt diesen „gedruckten Dialog“.

Weitere, durchweg lesenswerte Artikel thematisieren zum Beispiel den Rousseauismus (Christian Thies), die Ideengeschichte des „Homo creator“ (Ralf Becker) und die wissenschaftlich-gesellschaftlichen Debatten um den Begriff der „menschlichen Natur“ (Maria Kronfeldner). Forschungs- und AG-Berichte sowie Rezensionen teilweise mehrbändiger Werke runden das Jahrbuch ab.

Ist das eine „Menge Stoff“? Absolut – aber seriöses, wissenschaftliches und insbesondere interdisziplinäres Arbeiten bleibt eben nicht an der Oberfläche, sondern bohrt und forscht tiefer. Und vielleicht auch gerade aufgrund seines interdisziplinären Ansatzes sind die vorliegenden Jahrbücher dieser Reise nicht in unverständlichem Fachchinesisch gehalten, sondern zielen auf Verständlichkeit und empirische Überprüfbarkeit, aber eben auch kritische Reflexion. Es war mir eine Ehre, auch an diesem Jahrbuch mitgewirkt zu haben und ich hoffe sehr, dass es viele Leserinnen und Leser inner- und auch außerhalb des Wissenschaftsbetriebes finden wird!

InterdiplAnthropologieJahrbuchReligion2015

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben