Öl und Terror – Wie das „schwarze Gold“ repressive Regime und Gewalt fördert

Noch einen Tag vor den menschenverachtenden Anschlägen von Paris hatte US-Präsident Barack Obama verkündet, Daesh – der selbsternannte „Islamische Staat“ (IS) – sei „eingedämmt“. Tatsächlich bekümmerte der Tod von Hunderttausenden in den innerarabischen Bürgerkriegen viele andere Menschen nur insofern, als die dadurch ausgelösten Flüchtlingsströme lästig, ja beängstigend erschienen. Das Satire-Magazin Postillon kommentierte denn auch die ersten Reaktionen des Westens auf den Terror in Paris – verstärkte Bombardements in Syrien – mit der Schlagzeile, die „Gewalt“ werde nun „wieder dahin gebracht, wo sie hingehört“.

FrankreichSyrienPostillon112015

Quelle: Der Postillon vom 16.11.2015

Die USA richteten dabei ihre neuerlichen Angriffe nicht mehr nur gegen Ölförderstätten, sondern erstmals auch gegen Tanklaster, die das Öl mit Millionengewinnen in benachbarte Regionen (wie v.a. die Türkei) schmuggelten. Bemerkenswert war dabei auch die Namenswahl: „Operation Tidal Wave II“ (Flutwelle II) spielte sehr direkt auf die „Operation Tidal Wave“ an, die sich 1943 gegen (von der deutschen Wehrmacht kontrollierte) Ölförderstätten in Rumänien gerichtet hatte.

Erzeugen Öl und Gas Anreize für Gewalt?

In der Politik- und Wirtschaftswissenschaft wird bereits seit Jahrzehnten zum verheerenden Einfluss einiger Rohstoffe auf Politik, Wirtschaft und auch Religion(en) geforscht. Das Schlüsselwort dabei heißt Rente – womit nicht nur eine Form der Altersversorgung gemeint ist, sondern jedes Einkommen, das nicht (mehr) durch Arbeitseinsatz erwirtschaftet werden muss. Wenn Menschengruppen einmal erhebliche Rentenquellen kontrollieren, werden sie – logisch – sehr viel dafür tun, um diese Einkünfte behalten zu können.

Öl (und Gas) erzeugen nun aber jährlich Milliarden an „Renten“ – und zwar umso mehr, umso geringer die Förderkosten an der jeweiligen Ölförderstätte sind. So muss Saudi Aramco für einen Barrel Öl sehr viel weniger Geld aufbringen als zum Beispiel ein kanadisches Förderunternehmen, das (mit enormen Umweltschäden) Fracking betreibt.

OelFoerderkosten2015

Grafik aus: „Öl- und Glaubenskriege“, sciebook 2015

Wo also große Ölvorkommen und niedrige Förderkosten zusammen kommen, entstehen nicht nur Rentierseliten (wie die Öllobby in den USA, die z.B. ebenfalls „Klimaskeptiker“ und christliche Fundamentalisten sponsert), sondern ganze Rentierstaaten, in denen sich reiche Machteliten im Bündnis mit Militär und Geheimdiensten sowie religiösen Fundamentalisten verbünden. Klar, dass sie sich gemeinsam gegen jede Demokratisierung und Liberalisierung stellen – diese liefen ja auf eine Infragestellung ihrer Macht und Einnahmen heraus! Friedliche Opposition – wie sie lange in Syrien, Russland oder im Iran probiert wurden – wird daher in Rentierstaaten fast immer blutig niedergeschlagen und so entstehen Gewaltspiralen, Bürgerkriege und immer radikalere Terrorgruppen.

OelWeltkarteCIAFactbook2013

Bislang gefundene Ölreserven – vor allem dort, wo sie günstig zu fördern sind, werden sie zum „Fluch“…

Niedrige Ölpreise, wie sie sich nach der Finanzkrise – sowie aufgrund der massiven Förderung nordamerikanischer Ölproduktion – einstellten, bringen entsprechend Rentiersregime in Schwierigkeiten: Viele Öl- und Gasregime wanken, weil sie nicht mehr genügend Geld verteilen konnten, um die (religiös-fundamentalistisch dominierten und also häufig kinderreichen) Bevölkerungen ruhig zu halten. Auch Saudi-Arabien verzeichnet inzwischen Haushaltsdefizite und muss auf (allerdings noch üppige) Reserven zurückgreifen. Doch noch immer sind auch wir Europäer auf arabisches Öl angewiesen und fördern daher die wahhabitische Diktatur und weitere religiös-extremistische Regime in der Region (u.a. auch durch den direkten Verkauf von Waffen).

Oelpreis2015Heizoel24

Quelle: Heizoel24

Es braucht also keine Verschwörungstheorien, um die Zusammenhänge von Wohlstand einerseits und Gewalt, Terror und religiösem Fundamentalismus andererseits zu verstehen – sondern allenfalls Grundkenntnisse in Wirtschafts-, Politik- und Religionswissenschaft. Und es sollte ebenso deutlich werden, dass Bomben und Militär alleine nicht ausreichen werden, um autoritären Regimen, religiösem Extremismus und schließlich Terrorgruppen entgegen zu wirken: Solange Rentenquellen locken, werden sich immer neue Gewalttäter mit ideologischen Deckmänteln finden. Für Frieden, Menschenrechte und Demokratie viel erfolgversprechender und nachhaltiger wäre ein Ziel, zu dem wir alle etwas beitragen können: Die nicht nur aus Klimagründen erstrebenswerte Dekarbonisierung, bzw. konkreter: Der möglichst schnelle Ausstieg aus dem Verbrauch von Öl und Erdgas. Dies wäre das beste Mittel gegen Terror und Krieg, gegen Gewaltherrschaften, gegen religiöse Fundamentalismen und auch gegen die Entstehung weiterer Flüchtlingsströme.

Literaturhinweis:

Dieser Blogpost enthält Grafiken und Auszüge aus dem sciebook Öl- und Glaubenskriege. Wie das schwarze Gold Politik, Wirtschaft und Religionen vergiftet, sciebooks 2015

OelGlaubenskriegeTaschenbuch

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

33 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lob für diesen Artikel , bei all dem Gequake über die Härte , die jetzt angeblich gezeigt werden muß , wird viel zuwenig über die himmelschreiende Sauerei gesprochen , daß da mindestens ein ganzes Volk mal eben zum Schlachtfeld auserkoren wurde , um alle möglichen Sch… Interessen durchzusetzen , ein wesentliches davon wird oben beschrieben.
    Besonders interessant an der Theorie ist , daß die Auswirkungen von Steuern genau umgekehrt analysiert werden , als es die Rechtskonservativen gerne behaupten , nämlich daß durch Steuern die Macht des Bürgers eingeschränkt würde , offenbar ist wohl eher das Gegenteil der Fall.

  2. Ohne Öl und Erdgas wären nicht nur die Staaten des Nahen Ostens wie Saudi-Arabien, Katar, VAE, Irak, Iran ziemlich bedeutungslos. Auch Russland wäre ein ganz anderer Staat. Putin hätte weit mehr Mühe sich auf unabhsehbare Zeit an der Spitze zu halten, denn er hätte nichts mehr in der Hand um die russische Bevölkerung zufriedenzustellen und es würden ihm die Ressourcen fehlen um eine mehr als regionale Rolle in der Welt zu spielen.
    Wenn die Welt also schnell vom Öl abrücken würde gäbe es massive Verschiebungen im Weltgefüge. Doch heute sieht es gar nicht danach aus, dass Öl bald an Bedeutung verlieren würde. Selbst wenn die industrialisierten Staaten vermehrt auf Elektromobilität umstellen würden, blieben immer noch Schwellenländer wie China und Indien und später wohl auch viele Länder Afirkas, die einen enormen Nachholbedarf haben. Nur wenn Elektromobile deutlich kostengünstiger als Benzinkutschen, könnten sogar die Schwellenländer vom Öl abrücken. Heute sieht es gar nicht danach aus, dass das schon bald passieren könnte.

  3. In aktuellen Konflikten darf man auch die Rolle der NATO als Konflikttreiber nicht unterschätzen:

    Weil sie ihren Einflussbereich in die Ukraine ausweiten will, ´zwang´ sie damit Russland, die Krim zu besetzen – um den Zugriff auf die dortigen Militäranlagen sicherzustellen.
    In Syrien wird die aktuelle Regierung durch Russland vor allem deshalb unterstützt, weil diese garantiert dass Hafenenlagen von russischem Militär genutzt werden kann.
    Und jetzt wurde auch noch ein russisches Flugzeug abgeschossen

    Deutschland ist Mitglied der NATO und damit aktiv beteiligt

  4. @KRichard: Warum sollte Russland einen Einflussbereich in der Ukraine und in Syrien beanspruchen können? Ökonomisch ist es gleichauf mit Frankreich, eine Weltmacht ist Russland nicht. Weltmachtstreben bringt Russland und seiner Bevölkerung nichts.

    Putin hat aber das Kunststück fertiggebracht, sowohl der Liebling der Rechtsextremen als auch vieler Linker in Europa zu sein. Dabei hat er weder seinem Volk noch der Welt etwas zu bieten.

    • Stimme hier @Martin Holzherr zu. Das Argument, @KRichard, dass Putin die Krim erobern „musste“, klingt wie: „Sie hat ihn provoziert, er musste also einfach zuschlagen.“ :-/

      Die Ukraine ist ein souveräner Staat und Russland hatte ihr im Tausch gegen die Abgabe von Atomwaffen sogar ausdrücklich die territoriale Integrität zugesichert. Putin war hier also auch noch vertragsbrüchig.

      Der russische Präsident hat – im Bündnis mit Oligarchen, Militär und Geheimdiensten sowie nationalistischen und christlich-fundamentalistischen Kreisen – ein Rentiersregime errichtet. Auch angesichts der derzeit niedrigen Öl- und Gaspreise kann er sein Rest-Imperium aber immer schlechter finanzieren – Troubles ahead…

    • @ Herr Holzherr :

      Putin hat aber das Kunststück fertiggebracht, sowohl der Liebling der Rechtsextremen als auch vieler Linker in Europa zu sein. Dabei hat er weder seinem Volk noch der Welt etwas zu bieten.

      Putin ist ein „Demokrator“, einer der im demokratischen Sinne den Schein wahrt, und einen Vielvölkerstaat zusammenzuhalten hat, was ihm als „Alpha-Rüde“ (interne US-Einschätzung) auch ganz gut gelingt. Er leistet hier, er erbringt etwas, das ihm von einigen als Alleinstellungsmerkmal verstanden wird. – Was wäre wenn, wenn wieder ein schwacher russischer Präsident kommen würde? Einer, der den Laden nicht mehr zusammenzuhalten vermag, auch die militärischen Ressourcen betreffend nicht?

      Er wird insofern als „kleineres Übel“ von Realpolitikern (vs. ‚Rechtsextreme‘ und ‚Linke‘), die nicht Gerd Schröder heißen müssen, durchaus geschätzt.

      MFG
      Dr. W (der ansonsten noch zum von Russland so verstandenen natürlich Einflussbereich berichten könnte, die kleinen Russen und die weißen Russen betreffend, und dass der sich auflösenden SU zugesichert worden ist, seitens des „Westens“, dass hier nicht rangegangen wird)

      • Die Russen hatten zuerst die Zaren, dann Lenin und Stalin und jetzt haben sie Putin – einen neuen Zaren. Damit hat Russland den Feudalismus bis heute nicht völlig überwunden.
        Ein grosser Teil des russischen Volkes lebt zudem trotz Industrialisierung und fortgeschrittener Technologie in einigen Bereichen in Armut. Verheerend steht es um den Gesundheitszustand des russischen Volkes. Die Lebenswartung liegt in Russland auf der selben Stufe (122.Land von 194) wie in Indien und ist deutlich schlechter als in China.

        Russland zeigt allerdings eines: Selbst ein Land mit dem selben ökonomischen Status wie Frankreich kann in bestimmten Bereichen überdurchschnittliches leisten. Dazu gehört in Russland die Raumfahrt und die Kernreaktortechnologie. Für die Menschen in Russland wäre aber ein besseres Leben möglich, wenn es sich nicht mehr nach den Vorgaben eines Zaren zu richten hätte.

        • @ Herr Holzherr :

          Die Russen hatten zuerst die Zaren, dann Lenin und Stalin und jetzt haben sie Putin – einen neuen Zaren. Damit hat Russland den Feudalismus bis heute nicht völlig überwunden.

          Korrekt. Zu beachten bleibt die historische Kontinuität „Zar -> Kommunist -> Demokrator“, wobei der jetzige „Zar“ schon ein wenig besser politisch handhabt, als die echten Zaren und als die echten Kommunisten.
          Diese Kontinuität darf sich gerne in Richtung echte Demokratie weiterentwickeln.

          Für die Menschen in Russland wäre aber ein besseres Leben möglich, wenn es sich nicht mehr nach den Vorgaben eines Zaren zu richten hätte.

          Erst einmal würde der Vielvölkerstaat Russland als Ganzes wegplatzen.

          Nur ganz am Rande notiert: Russen sind ziemlich verständig, sie neigen wie die Deutschen zu besonderen Ingenieursleistungen, ihre Kultur wäre aus Sicht des Schreiber dieser Zeilen demokratiefähig im Sinne eines aufklärerischen Gesellschaftssystems, abär: bei momentaner Umsetzung desselben würde Russland mit unbekannten Folgen wegplatzen.

          MFG
          Dr. W (der hier dem vorgefundenen Niveau womöglich ein wenig stammtisch-artig vorgetragen hat, allerdings schon i.p. Russland ganz gut informiert ist, insofern der Letzte wäre, der erste Steine werfend kommentieren würde)

    • Die eisfreien(!) Militärhäfen auf der Krim und die Hafenanlagen in Syrien sind für Russland von enormer militärstrategischer Bedeutung.
      Die Gefahr, diese strategische Positionen zu verlieren – dürfte der Hauptgrund sein, wieso die Krim besetzt wurde und die syrische Regierung immer noch unterstützt wird.

      Solange dieses Problem nicht in einer Weise gelöst wird, die auch für Russland akzeptabel ist, können wir keine Fortschritte in Richtung Frieden erwarten.
      (@Blume: Nur weil ich ein Problem beschreibe, bedeutet dies nicht, dass ich mit Putins Handlungsweise einverstanden bin)

      • Nein, Putin hatte einen Pachtvertrag für die Krim bis 2042. Seine Krimannexion war der erste Schritt seines Versuchs grosse Teile der Ostukraine unter seine Kontrolle zu bringen. Er wurde durch das Ergebnis bestärkt, denn der Widerstand gegen diese mit getarnten Soldaten erreichte Annexion flaute schnell ab. Im weiteren Verlauf setzte er noch stärker als schon bei der Krimannexion auf „Scheinrebellen“, Ukrainer, die angeblich den Anschluss an Russland wünschten.

  5. Die Technologien zur Gewinnung und Speicherung von erneuerbaren Energien werden immer besser und billiger.
    Zum Beispiel baut Marokko unweit der Stadt Ouarzazate eines der größten Solarkraftwerke der Welt.
    Meine Fragen lauten:
    Wenn zum Beispiel die nordafrikanischen Staaten Solarstrom nach Europa verkaufen, entstehen dann nicht Solar-Rentier-Staaten?
    Ist dann nicht die Solarenergie, rein politisch gesehen, genau so schlimm wie Erdöl?

  6. Die Entwicklungen scheinen der Aussage, dass es auch um Ressourcen geht, zumindest nicht zu widersprechen, nett auch die Visualisierung des Ölpreises. Die Rolle der Türkei könnte vielleicht besser beleuchtet werden, womöglich haben die USA bisher vom Eingriff in den Ölexport „IS -> Türkei“ aus Gründen abgesehen, die von allgemeinem Interesse sind.
    BTW, wenn umfangreich „dekarbonisiert“ worden ist, kabbeln sich halt andere um die Ressourcen.

  7. Dem Modell des Rentierstaats wird von erstaunlich vielen Sympathie entgegengebracht. Dass der Staat seine Bürger mit Renten beglückt, seien es üppig gepolsterte Rentenguthaben in Norwegen gespeist vom dortigen Ölfond oder Gratisbenzin in Saudiarabien und anderen Ölstaaten, was kann daran schlecht sein? Schlecht daran ist die mit dem Geld und den Renten verbundene Macht. Der Spruch „Geld regiert die Welt“ stimmt und hat schon immer gestimmt. Wer entscheiden kann was mit dem Geld, seien es Steuereinnahmen oder Rohstofferlöse, passiert, der hat letztlich die Macht. Wenn das Geld von allen Bürgern durch ihren eigenen Verdienst hereinkommt, dann haben diese Bürger auch ein implizites Recht darüber zu entscheiden was mit dem Geld geschieht. In demokratischen Staaten ist das so und in Staaten wie dem vorrevolutionären Frankreich war es zwar nicht so – dort wurde das Geld der Bürger vom König verprasst – aber auch nur bis zur Revolution. Die moderne Demokratie, die sich zuerst in England ausbildete und sich dann über ganz Europa verbreitete, begann in England mit der Magna Charta. Diese Magna Charta legte fest, dass der König nur Krieg führen und das dazu nötige Geld eintreiben konnte, wenn ihm das von den Adligen erlaubt wurde, denn letztlich kam das Geld von den Adligen (die es wiederum von ihren Untertanen hatten). Wer also das Geld hat, hat auch die ntürliche Legitimation darüber zu verfügen. Mit dem Geld hat er die Macht.
    Bis heute erarbeiten in den meisten Staaten die Bürger des Staates das Vermögen des Staates. Doch es gibt eine Tendenz zur Verlagerung hin zum Staat, also mithin zu einer Form von Rentierstaat. Schon die Sozialdemokratie hatte zum Ziel Gelder von Wohlhabenden dem Staat zuzuführen, der das Geld dann unter die Bürger verteilt. In Zukunft wird der Staat als Quelle des Einkommens sogar an Bedeutung gewinnen. Die zunehmende Automatisierung und Roboterisierung wird vielen Menschen die Arbeit nehmen und der Staat wird dann wohl ein Grundeinkommen einrichten müssen. Das ist sicher gut und viel besser als wenn Automation zur Verarmung der nun Arbeitslosen führt. Doch ist auch die Gefahr damit verbunden, dass der Bürger machtlos wird, dass er zum reinen Empfänger von Transfervermögen wird und in der „Gnade“ des Staates steht. Für eine Demokratie sind das keine guten Voraussetzungen.

    • Der Staat ist doch die Gesamtheit aller seiner Bürger, und nicht etwas oder jemand anderes.
      Wenn die Gesamtheit aller Bürger die Gesamtheit aller Produktionsmittel besitzt, dann können deren Produkte gleichmäßig auf alle Bürger verteilt werden.
      Dass die Gesamtheit aller Bürger Macht über die Gesamtheit aller Bürger hat, kommt hauptsächlich bei der demokratischen Gesetzgebung vor.

      • „Der Staat“ ist die Gesamtheit all der jenigen Bürger, die ihr Einkommen aus Steuern generieren, die sie denjenigen Bürgern abpressen, die ihrerseits von zufriedenen Kunden bezahlt werden. Dieser andere Teil der Bürger ist „die Wirtschaft“. Oder um ein Augustinus-Zitat stärker zu verkürzen, als es Papst Benedikt recht gewesen wäre: was ist der Staat anderes als eine gigantische Räuberbande?

        (Im Original lautet es: „Wenn man das Recht wegnimmt, was ist der Staat dann noch anderes als eine gigantische Räuberbande?“ – Augustinus hatte sich aber noch keine Gedanken darüber gemacht, ob man das „Recht“ evtl. auch durch so etwas wie die „Scharia“ substituieren könnte, wie bei der Räuberbande IS…)

        Im übrigen verwehre ich mich dagegen, daß meine Produktionsmittel kollektiviert werden. Ich möchte allein darüber entscheiden können, wann ich welchen Schraubendreher benutze.

          • wie soll das praktisch funktionieren? wenn es von ein paar hundert demokratisch gewählten Abgeordneten so beschlossen wird, ist es nicht zwangsläufig der Wille aller Bürger. Und selbst wenn ein einziges mal alle Bürger zustimmen würden – was ist mit Menschen, die ohne Eigenkapital hierherkommen, sollen die automatisch „Anteilseigner“ an der „Deutschland AG“ werden, oder sind das dann Bürger 2. Klasse?

            Oder noch schlimmer: irgendjemand macht sich selbständig und gründet ein neues Unternehmen, das kein Staatsbetrieb ist – was dann?

            Ich finde ja, die Trennung zwischen Wirtschaft und Staat ist genauso wichtig wie die zwischen Kirche und Staat. Oder die zwischen Fußball und Staat. Oder zwischen Klimaforschung und Staat. Kein Teilbereich des gesellschaftlichen Lebens kann sich frei entfalten, wenn er vom Staat kontrolliert wird – oder wenn er den Staat kontrolliert, was genauso schlimm wäre.

          • Wenn es das erklärte Programm einer oder mehreren Parteien ist, dass die Gesamtheit aller Bürger eine dafür ausreichende Menge der Produktionsmittel kauft, und deren Produkte gleichmäßig als bedingungsloses Grundeinkommen auf ausnahmslos alle Bürger verteilt, dann genügt eine einfache demokratische Mehrheit für die Umsetzung.
            Eine Zustimmung von absolut allen Bürgern ist dafür in einer Demokratie nicht erforderlich.
            Eine Benachteiligung einzelner Bürger bei der Verteilung der Produkte als bedingungsloses Grundeinkommen wäre unethisch und ungerecht.
            Natürlich hat jeder Bürger noch immer das Recht ein eigenes Unternehmen zu gründen.
            Alle wirtschaftlichen Vorgänge oberhalb des bedingungslosen Grundeinkommens und jene im Luxusbereich würden ja auch weiterhin unverändert ablaufen.

  8. Weis nicht würde eine Verarmung der Araber nicht noch mehr den Fanatismus fördern. Wenigstens würden die Saudis aufhören Terror auf der ganzen Welt zu finanzieren.

    • Eine Verarmung der Araber durch die Abkehr vom Öl ist keine reale Gefahr – mindestens nicht in den nächsten 20 Jahren. Der Umstieg auf andere Energiequellen braucht nämlich Jahrzehnte und geschieht nicht von heute auf morgen. Selbst wenn Westeuropa und die USA heute beschliessen würden, eine hohe Ölsteuer einzuführen um so den Umstieg auf andere Energieträger zu beschleunigen würden mehrere Jahre vergehen bis der Ölverbrauch im Westen deutlich abnähme (er nimmt heute schon ab, allerdings nimmt er weltweit insgesamt zu).

      Zudem versiegen die Ölquellen im Nahen Osten auch von selbst, in Saudi-Arabien wird der Förderungspeak wohl schon in den frühen 2030er Jahren erreicht, im Irak und Iran nicht viel später. Irgendwann müsse diese Länder ohne Öl auskommen. Es ist besser für sie sich jetzt schon für die Post-Oil-Phase zu rüsten.

    • Übrigens:Laut IEA kommt bis 2040 die Hälfte des Ölverbrauchswachstums aus China und später wohl aus Indien (das bald schon mehr Bewohner als China haben wird und welches jetzt schneller wächst als China): Im Westen nimmt der Ölverbrauch ab, sogar in den USA. Unter anderem wegen den immer ambitiöseren Verbrauchsstandards für Automobile ( Obama’s Corporate Average Fuel Economy fordert ab 2016 6.63 L/100 km für Personenwagen).

      Heute haben wir eine Ölschwemme. Diese wird nach neueren Analysen noch einige Jahre anhalten. Auch weil der Verbrauch von Öl im Westen sinkt und die Schwellenländer sich nur langsam an den hohen Ölverbrauch des Westens herantasten.

  9. Hallo Herr Blume,

    der Film „Gasland“ ist keine Dokumentation, sondern pure Propaganda. man kann „Hydraulic Fracturing“ auch als „minimalinvasiven Bergbau“ bezeichnen. Es sind mal wieder ziemlich viele Weltuntergangspropheten unterwegs, aber da die letzten paar Dutzend Weltuntergänge auch ausgefallen sind (der Wald ist immer noch nicht tot), bin ich recht zuversichtlich, daß es auch dieses Mal falscher Alarm ist.

  10. Pingback: Der Kommentar des Jahres 2015 – Martin Holzherr zu Öl, Terror und Rentierstaatstheorie › Natur des Glaubens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  11. Pingback: Dekarbonisierungskugel für den Weltfrieden - Meine erste Erfahrungen mit dem (Elektro-)Renault Zoe » Natur des Glaubens » SciLogs - Wissenschaftsblogs

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben