Neurotheologie – Hirnforscher erkunden den Glauben

Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts begannen Hirnforscher das Phänomen menschlicher Religiosität in den Blick zu nehmen. Es erschienen immer mehr Hypothesen und Studien, die Gott auf neurologischer Grundlage widerlegen oder beweisen wollten. 1984 wurde zum ersten Mal der Begriff "Neurotheologie" für diese Debatten verwendet.

Aus erkenntnistheoretischer Sicht handelte es sich dabei natürlich erkennbar um oft krasse Kategorienfehler (die bis heute vor allem unter reduktionistisch argumentierenden Naturwissenschaftlern bzw. auf schnelle Schlagzeilen schielenden Publizisten populär sind) und so ging ich denn auch recht kritisch im Rahmen meiner Promotion an die Auswertung "neurotheologischer" Arbeiten. Aber zu meiner Überraschung erwies sich die Arbeit daran nicht nur als hervorragende, erkenntnistheoretische Übungschance zur Unterscheidung von Schlacke und Gold – die kuturelle Verarbeitung der Hirnforschung im Bezug "auf Gott und die Welt" in der Cyberpunk- und später Cyberspace-Literatur, Filmen, Spielen erwies sich als wenig erforschtes, aber unglaublich faszinierendes Phänomen. M.E. wachsen heutige junge Generationen mit einem anderen Verständnis von Realität(en) auf als noch ihre Eltern und Großeltern.

Und schließlich: Wenn auch Hirnforscher alleine wenig zur Existenzfrage Gottes sagen können, so eröffneten die vielfachen und sehr unterschiedlichen Studien doch die evolutionsbiologischen Diskussionen. Warum haben wir Homo sapiens Gehirne, die zu Religiosität veranlagt bzw. befähigt sind? Woraus haben sich die entsprechenden Strukturen entwickelt – und wie haben sie sich durchgesetzt? Offen gesagt: Ich hatte das Thema gefunden, in dem ich fortan forschen wollte…

Neurotheologie – Erweiterte Neuerscheinung

Auch nach dem erfreulichen Erfolg von "Gott, Gene und Gehirn" war (und bin) ich sehr überrascht, dass sich doch immer wieder auch Leser und schließlich zwei Verlage für eine erweiterte Neuauflage von "Neurotheologie" interessierten. Schließlich willigte ich ein, lieferte und freue mich, dass Tectum die Neuauflage in auch optisch hoher Qualität umsetzte und "Neurotheologie" jetzt in den Handel brachte.

Neurotheologie - Hirnforscher erkunden den Glauben. Dr. Michael Blume, tectum 2009 (erweiterte Neuauflage)

ISBN 978-3-8288-9933-9
210 Seiten, Hardcover
Tectum Verlag 2009
Preis: 29,90 €

Inhaltsverzeichnis (Kapitel)

1. Erkenntnistheorie: Hirnforschung und ewige Wahrheiten

2. Andrew Newberg. Ein neurotheologischer Entwurf

3. Eine Diskussion von Newbergs Neurotheologie

4. Neurotheologen zwischen Religionskritik und -affirmation

Mit Vorstellung und Diskussion der Hirn-Religion-Thesen von Michael Persinger, Richard Dawkins, Susan Blackmore, Pascal Boyer, Humberto Maturana & Francisco Varela, Laurence McKinney, Matt Ridley und Loyal Rue.

5. Von der "Neurotheologie" zur neurologischen Erweiterung der Religionswissenschaft?

– Neue Kapitel –

6. Neuland: Gott zwischen den Gehirnen

7. Entdecken wir Gott? "Neurotheologie" und Erkenntnistheorie

Mit Vorstellung & Diskussion: Evolutionärer Atheismus, Evolutionärer Agnostizismus und Evolutionärer Theismus.

Schluss: Auf dem Weg zur Religionsbiologie

Über Ihr Interesse würde ich mich natürlich sehr freuen.

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Befähigung zur Religiosität

    Die Befähigung zur Religiosität ergibt sich daraus, dass wir Menschen in der Lage sind selbstbeobachtbar zu denken (erinnerbare Träume, Nahtod-Erlebnisse).
    Wenn man sich dabei an bereits verstorbene Menschen/Tiere erinnert, – so eine mögliche Überlegung – dann müssen diese wohl in einer Jenseitswelt weiter existieren -> und schon haben wir eine Grundlage für Religiosität.

  2. Nachtrag: Literaturverweis

    Auf der Internetseite von Dr.phil. Stephan Högl www. nahtod.de findet man Literatur, bei der Nahtod-Erlebnisse religions-/kultur-übergreifend als Grundlage von religiösen Transzendenzerfahrungen untersucht werden. Auch seine Magisterarbeit wurde über dieses Thema geschrieben. => empfehlenswert für vergleichende Forschung.

  3. Hallo Michael,

    ich würde gerne einmal mit dem sogenannten Gotteshut experimentieren.

    http://www.mind-shop.de/…kti-8-coil-set-139.html

    Zitat: „Das Shakti-Set wurde übrigens auch von „Galileo Mystery“ in der Episode „Wie sieht das Jenseits aus?“ vorgestellt, die am 21.09.2007 auf Pro7 ausgestrahlt wurde. Bei dem entsprechenden Experiment ging es darum, mit dem – von Galileo Mystery als „Gotteshut“ bezeichneten – Shakti-Set eine Jenseits-Erfahrung künstlich hervorzurufen. Die Probandin hatte dabei eine spirituelle Erfahrung, die von visuellen Eindrücken und intensiven Gefühlen begleitet wurde. Nähere Informationen zu dieser Sendung finden Sie unter diesem Link.“

    Hast Du über den Gotteshut weitergehende Information?

    Ich bin religiös erzogen worden, war früher überzeugter Christ und sympathisiere noch heute mit dem Christentum (wenn man das auch nicht immer so merkt ;-). Aber bei mir wollte sich partout keine Gotteserfahrung einstellen – auch nicht nach stundenlanger Meditation. Deshalb
    habe ich einmal zum Zweck einer Gotteserfahrung, unter dem Einfluss einer Rauschdroge meditiert. Da habe ich vor meinem inneren Auge so etwas wie ein gewaltiges, höchst kompliziertes Uhrwerk oder eine „Gut-mach-Maschine“ gesehen, von der zu jedem Elementarteil des Universums ZAHLREICHE (ca. 11?) Fäden ausgingen, wobei die Gut-mach-Maschine das Universum Schritt für Schritt verbesserte. Ja, das war nun meine Gotteserfahrung. In späterer Zeit habe ich aber verstanden, dass das einfach nur die Wirkung der Rauschdroge war, die das Gehirn vorübergehend geschädigt hatte.

    mfg
    Luchs

  4. Glauben

    Wer sich soviele Fragen stellt sollte eines der heiligen Bücher mal lesen. Da findet man zu jeder Frage einen Antwort.
    Es ist aber auch ganz wichtig dass man dies im Gewissen tut damit meine ich die Bücher und das Inhalt sollte man ernst nehmen.
    Zum zwecke der Gotteserfahrung eine Rauschdroge zu rauchen war ja auch nicht das brilliante idee.

  5. @Luchs

    Der ´Gotteshut´ ist ein helmartiges Gerät mit Magnetspulen, mit dem der kanadische Neurologe Persinger angeblich Gotteserfahrungen erzeugen konnte. Seine ´Forschungsergebnisse´ konnten von anderen Forschergruppen nicht reproduziert werden – daher scheint das ganze fragwürdig zu sein – aber für Esoterikersendungen im TV reicht das.

    Wenn man Drogen nimmt, dann können diese ein biochemisches Feuerwerk mit unterschiedlichen Effekten im Gehirn erzeugen. Man kann sich dadurch Teile des Gehirns zerstören.

    das einzige Gerät, welches bedenkenlos zur Gehirnstimulation verwendet werden kann, wäre der ´Nürnberger Trichter´. Aber leider hat den irgend jemand verlegt.

  6. @ KRichard

    Ja, die Entwicklung eines sich selbst reflektierenden Ich-Bewusstseins, mit dem Bewusstsein von der eigenen Sterblichkeit war sicher ein wesentlicher Baustein aufkommender Religiosität – dazu hat sich ausführlich z.B. Newberg geäußert (Kapitel 2,3).

    Hinzu kommen natürlich aber auch noch weitere Aspekte: Theory of Mind, HADD, rituelles Verhalten usw. Über monokausale Erklärungen bzw. „dem Gott-Modul“ ist die Forschung inzwischen hinweg gegangen.

    Danke für die Anregungen!

  7. @ Luchs: Gotteshelm!

    Na klar wird der Gotteshelm diskutiert! Der ist schon etwas ganz Besonderes und im Buch wird z.B. berichtet, was passierte, als sich die Dawkins-Schülerin Susan Blackmore unter den Helm setzte…

    Wissenschaftlich ist der Gotteshelm freilich Episode. Das wissenschaftliche Design war nicht nur fragwürdig – er hat auch eine Doppelblindstudie unabhängiger Wissenschaftler nicht bestanden. Will sagen: Auch Probanden, die unter einem analogen Helm saßen, der „nicht eingeschaltet“ war, berichteten hernach von spirituellen Erfahrungen!

    Klar: Setze Menschen in einen Raum, schränke ihre optischen Reize ein und sage ihnen, dass gleich etwas „Spirituelles“ passieren könne – wer entsprechend veranlagt/begabt ist, wird prompt entsprechende Erfahrungen machen! Dafür braucht man keine Magnetspulen auf das Gehirn loslassen…

    So bleibt mir nur, an dieser Stelle vor dem Gebrauch von Religionshelmen und Rauschdrogen zu warnen. Zwar deutet alles darauf hin, dass Menschen in unterschiedlichem Ausmaß religiös und spirituell veranlagt sind, aber wer sich wirklich bemüht, sollte entsprechende Erfahrungen auch ohne gefährliche Hilfsmittel erreichen können…

  8. @ Martin: Lesen

    Lieber Martin,

    ja, Lesen kann durchaus zu religiösen und spirituellen Erfahrungen führen! Heilige Schriften spielen dabei natürlich eine große Rolle – im Buch wird z.B. Nina Azaris Studie vorgestellt, die vergleichend erforscht hat, was bei glaubenden und nichtglaubenden Probanden beim Lesen von Psalm 23 im Gehirn geschieht! Sehr interessant!

    Sowohl in „Neurotheologie“ wie in „Gott, Gene und Gehirne“ werden außerdem Beobachtungen von Detlef Linke zur Schriftverarbeitung vokalarmer Alphabete (wie Hebräisch, Arabisch) bzw. vokalisierter Alphabete (wie Griechisch, Latein, Englisch, Deutsch etc.) vorgestellt. Nur soviel sei verraten: Die Bildlosigkeit Gottes in Judentum und Islam bzw. der christliche Bilderreichtum sowie auch die unterschiedlichen Rezitationstechniken müssen aus neurologischer Sicht keinen kulturellen Zufall darstellen!

    Also: Das wissenschaftliche Bücher religiöse oder spirituelle Erfahrungen herbeiführen, lässt sich natürlich nicht versprechen. 🙂 Aber es mag ja auch interessant sein, über die Phänomene an sich nachzusinnen.

    Danke & herzliche Grüße!

  9. kleine Anmerkung

    Ich wollte nur erwähnen, daß ich nicht mit dem Kommentator „Martin“ identisch bin.

    Ein wenig aussagekräftiger könnte der Name schon sein, den man bei Kommentaren verwendet.

  10. @Luchs

    Der Gotteshelm bringt es sicher nicht. Allerdings kann man sich mit Meditation durchaus in eine andere Bewusstseinsebene versetzen. Dazu braucht es aber einige Erfahrung und vor allem die richtige Atmung. Ein ähnliches Phänomen kann man übrigens auch mit Musik(besonders mit Barockmusik) erreichen. Als langjährig Meditierende muss ich allerdings warnen, ein spiritueller Supergau wie eine Begegnung mit Gott, allumfassende Erleuchtung oder ähnliches tritt nicht ein, wenn jemand etwas anderes erzählt ist er in meinen Augen ein Scharlatan.

  11. Das Label „Neurotheologie“

    ist doch schon irreführend und inkorrekt.
    Es müßte doch, wenn überhaupt, Theoneurologie o.ä. heißen. Es ist doch (hoffentlich) immer noch ein Unterbereich der Neurologie (oder zumindest von nichttheologischen Geisteswissenschaften) und nicht der Theologie…
    Wenn nicht, setzt man sich doch dem Eindruck aus, man betreibe nicht viel mehr als pseudowissenschaftliche Apologetik.

  12. @ JMX: Ja! 🙂

    Lieber JMX,

    ja, da stimme ich 100% zu. Der Begriff „Neurotheologie“ wird seit 1984 in einem sehr breiten Sinn für unterschiedlichste Aussagen zu Religion auf Basis von Hirnforschung verwendet. Ich habe mich schon x-mal dagegen wehren müssen, als „Neurotheologe“ bezeichnet zu werden, da ich diese Bezeichnung für Quatsch halte. Denn das Ganze ist kein geschlossenes Forschungsvorhaben und schon gar keine eigene Wissenschaftsdisziplin.

    Wir sprechen hier über einen Sammelbegriff, aus dem sich inzwischen einige philosophisch-theologische, vor allem aber empirische Befunde heraus schälen. Persönlich würde ich z.B. lieber von der „Evolutions- und Neurobiologie der Religiosität“ sprechen, aber andere diskutieren ja gleich wieder Gottes Existenz – also theologisches bzw. philosophisches Terrain. Und in der kulturellen Verarbeitung (beispielsweise in der Cyberspace-Literatur oder im Film) sind die Grenzen noch fließender.

    Der Titel meiner Dissertation lautete denn auch „Neurotheologie – Chancen und Grenzen aus religionswissenschaftlicher Perspektive“, also eine Sichtung und auch Einzäunung des Gemeinten. Das vorliegende Buch erweitert diesen Ansatz um einige neue Befunde und Kapitel.

    Danke & herzliche Grüße!

  13. @ Serdar: Vielen Dank!

    Lieber Serdar,

    vielen Dank für den Hinweis auf Lüke, von dem ich recht viel halte. Denn es ist einfach gut, dass es Theologen gibt, die sich wirklich mit Naturwissenschaft befassen und also auch keine Angst vor deren Befunden haben.

    Denn inhaltlich sehe ich es letztlich auch so: Die evolutions- und neurobiologische Erforschung von Religiosität und Religionen kann spannend und anregend sein, taugt aber weder als Gottesbeweis noch -widerlegung. Warum wollen manche Menschen eigentlich schon immer über Phänomene urteilen, die wir doch wissenschaftlich erst in Anfängen zu verstehen begonnen haben? Wenn einen ein Thema schon bewegt – warum dann nicht erst einmal Verstehen üben?

    Also, danke für den Hinweis, Serdar! 🙂

  14. @ all: Zeit

    Liebe Blogfreunde,

    auch auf diesem Wege noch einmal einen Dank für die vielen, guten (gerne auch kritisch-konstruktiven) Kommentare, gerade auch in diesem Diskussionsfaden!

    Da es jedoch in letzter Zeit auch vorgekommen ist, dass ich einige wenige Kommentare löschen musste (was mir nie leicht fällt), wollte ich einfach noch einmal klarstellen: Dieser Blog dient nicht der Medikamentenwerbung (ja, da machen sich einige Spammer richtig Mühe), er dient nicht der Verkündigung des Weltuntergangs (auch nicht, wenn der Absender „heiland“ im Mailnamen trägt, kein Witz…) und er dient nicht endlosen, persönlichen Diskussionen über Glaubensfragen!

    Religionswissenschaft ist weder Theologie noch Philosophie und auch nicht Psychotherapie, sondern eine empirische Wissenschaft, die dann wunderbar & spannend ist, wenn man sich auf Beobachtungen und (empirische, also immer vorläufige, überbietbare) Erkenntnisse auch wirklich interessiert einlässt und nicht nur seine je ganz persönliche „Wahrheit“, Gottesbeweise oder -widerlegungen etc. über Seiten und Diskussionen hinweg verkündet, gerne garniert mit der Verhöhnung Andersdenkender oder -glaubender. Das, finde ich, bringt keinem was, das kostet nur wertvolle Zeit.

    Ich achte, wo gewünscht, gerne die Anonymität von Diskutanten, wünsche mir aber auch umgekehrt einen Stil des Respekts.

    Mir macht das Bloggen sehr viel Freude und ich verdanke Fachleuten und Laien hier gleichermaßen viele gute Anregungen, Entdeckungen, auch kritisch-konstruktive Nachfragen. Gleichzeitig aber fällt mir das Aufbringen von genug Blogzeit nicht immer leicht – und deswegen möchte ich mich auch weiterhin auf die Mehrheit konstruktiver, sachbezogener und damit auch wirklich spannender Kommentare beschränken, wie sie hier von Serdar, JMX, Mona und vielen anderen zu lesen sind.

    Das nur als Hinweis auf jene wenigen, die sich wieder und wieder an Provokation, Verkündigung, Spam o.ä. versuchen – und damit auch in Zukunft nicht durchdringen werden.

    Herzlichen Dank & viele Grüße!

  15. @Serdar

    Danke für den interessanten Link. Einen Satz in dem Artikel, über Meditation, kann ich ganz besonders unterstreichen: „Gefühle des Einsseins mit der Welt und der Auflösung des Selbst sowie intensive emotionale Reaktionen, wie sie normalerweise mit absolut tiefer Ruhe einhergehen.“Bloß handelt es sich hier um „religiös-mystische Erfahrungen“? Man kann sich mit Meditation sicherlich in eine andere Bewusstseinsebene versetzen, kann auch Einssein mit der Welt, aber ist das eine religiöse Erfahrung?
    Gut finde ich, was Vilayanur Ramachandran von der University of California (Dissertation Dr. Blume) formulierte, indem er sowohl Gott als auch die Ich-Individualität als reines Gehirnkonstrukt „entlarvte“. Diese Annahme deckt sich vollständig mit der Lehre des Zen-Buddhismus, einer Religion ohne Gott, welche davon ausgeht das der Mensch sein Heil nur in sich selber finden könne.

    Hier die Dissertation von Michael Blume:
    http://deposit.d-nb.de/…p;filename=978348850.pdf

  16. @Martin: „Zum zwecke der Gotteserfahrung eine Rauschdroge zu rauchen war ja auch nicht das brilliante idee.“

    Ich habe zum Zweck der Gotteserfahrung meditiert und dabei versucht, die Rauschdroge als Meditationsverstärker zu benutzen. Das Meditieren und der Wunsch nach einer Gotteserfahrung waren hierbei das wesentliche Mittel. So wie ich meinen Geist erlebt habe, bin ich mir sicher, dass auch der Gotteshelm ohne den inneren Willen, oder zumindest die Bereitschaft, spirituelle Erfahrungen zu machen, keine Wirkung hat. Deshalb auch die scheinbar widersprüchlichen Versuchsergebnisse mit dem Gotteshelm. Nebenbei; natürlich hatte ich vor diesen Eigenversuchen die Bibel vollständig gelesen und auch einige Auszüge aus dem Koran und einige buddhistische Texte gelesen.

    @Michael: „Wissenschaftlich ist der Gotteshelm freilich Episode. Das wissenschaftliche Design war nicht nur fragwürdig – er hat auch eine Doppelblindstudie unabhängiger Wissenschaftler nicht bestanden. Will sagen: Auch Probanden, die unter einem analogen Helm saßen, der „nicht eingeschaltet“ war, berichteten hernach von spirituellen Erfahrungen!“

    Für mich stellt sich folgende Frage: „Kann der Gotteshelm statistisch signifikant spirituelle Erfahrungen induzieren? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen (s.o.).“

    @Michael: „So bleibt mir nur, an dieser Stelle vor dem Gebrauch von Religionshelmen und Rauschdrogen zu warnen. Zwar deutet alles darauf hin, dass Menschen in unterschiedlichem Ausmaß religiös und spirituell veranlagt sind, aber wer sich wirklich bemüht, sollte entsprechende Erfahrungen auch ohne gefährliche Hilfsmittel erreichen können…“

    Der Gotteshelm ist vermutlich harmlos. Zu Rauchdrogen möchte ich nichts sagen, weil das von jungen unerfahrenen Menschen eventuell missverstanden werden könnte, was dann wirklich eine Gefahr wäre. Intensive Meditation ist meines Wissens auch nicht völlig harmlos. Ich habe mich intensiv bemüht „entsprechende Erfahrungen“ zu machen, Gottesdienste, Gebete (teilweise stundenlang), Meditationskurse an der Volkshochschule, aber bei mir war da absolut NICHTS, bis auf das geschilderte Erlebnis dank Hilfsmittel.

    @Mona: „Der Gotteshelm bringt es sicher nicht. Allerdings kann man sich mit Meditation durchaus in eine andere Bewusstseinsebene versetzen. Dazu braucht es aber einige Erfahrung und vor allem die richtige Atmung. Ein ähnliches Phänomen kann man übrigens auch mit Musik(besonders mit Barockmusik) erreichen. Als langjährig Meditierende muss ich allerdings warnen, ein spiritueller Supergau wie eine Begegnung mit Gott, allumfassende Erleuchtung oder ähnliches tritt nicht ein, wenn jemand etwas anderes erzählt ist er in meinen Augen ein Scharlatan.“

    Ich habe, wie oben geschrieben, unter Anleitung an der Volkshochschule Meditation erlernt und ausgeübt. Nach einiger Zeit hatte ich mir als Ziel nicht nur die Gotteserfahrung, sondern auch eine OBE gesetzt, was mir aber nie gelungen ist. Ich hätte diese Erfahrung vermutlich mit entsprechenden Drogen machen können (Ketamin), aber ich wollte meinem Körper und Gehirn nicht zu viel zumuten. So habe ich ein relativ harmloses Halluzinogen (will keine Reklame dafür machen) relativ hoch dosiert, um meine Meditation zu verstärken. Ich wollte zunächst meinen Astralleib lösen, eine OBE machen und dann mit meinem Astralleib Gott besuchen. Eine OBE habe ich nicht gemacht, mein Gotteserlebnis ist oben geschildert. In diesem Zusammenhang ist vielleicht von Interesse, dass ich später einen Menschen kennengelernt habe, der mit derselben Zielsetzung meditiert hat, ebenso wie ich mit „Verstärker“. Und auch dieser Mensch hatte keine OBE gemacht und so wie ich, dasselbe „Gottesbild“ gemacht. Da wir beide offensichtlich dasselbe gesehen hatten, war ihm dies ein Beweis für die Echtheit des gesehenen Bildes. Ich glaube nach wie vor, dass das Bild aus meinem Inneren gekommen ist und keine reale Entsprechung hat.

    mfg
    Luchs

    P.S. @Michael: ich könnte auch anders, aber mir gefällt die Idee von Jesus gut, Vergeben und Vergessen

  17. @ Luchs: Gotteshelm & Co.

    Lieber Luchs,

    wow, das sind ja eine ganze Menge spannender Fragen! Wegen Deiner Versuche, religiöse Erfahrungen zu erzeugen, eine Interessensfrage vorab: Hast Du den Spiritualitätstest aus Gott, Gene und Gehirn mal gemacht? Der Wert würde mich interessieren.

    Zum Gotteshelm. Okay, das wird zuviel für die Kommentarspalten. Eigentlich dachte ich ja, der Sommer wird ruhig, aber jetzt ordne ich das mal. Als nächste Themenbeiträge sind geplant:

    1. Religion & Magie

    2. Religiöses Monopol / Religiöse Vielfalt (Anregung Mona)

    3. Antisemitismus & Islamophobie (Anregung Martin Huhn)

    4. Gotteshelm (Anregung Luchs)

    Da hinein dürfte nur noch eine englische Buchneuerscheinung rutschen. Und dann mache ich auch gerne mal etwas zu Religiosität & Sprititualität, im Herbst auch einen neuen Beitrag zur Evolution des Atheismus, auch nach einer Anfrage von Theo (die Veröffentlichung ist schon unterwegs! 😉

    Ich versuche, alle ein bis zwei Wochen ein Thema abzuarbeiten, okay?!

    ich könnte auch anders, aber mir gefällt die Idee von Jesus gut, Vergeben und Vergessen

    Finde ich sehr gut! Weißt Du, ich habe die Erfahrung in den letzten Jahren immer wieder gemacht: Wir Menschen sind nun einmal nicht auf E-Mail und Blogging evolviert. Gerade auch bei emotionalen Themen (wenn z.B. Leute ihre Glaubenshaltungen diskutieren wollen) fehlen uns komplett all die freundlichen Signale, die Stimme, das Augenzwinkern etc. um eine ordentliche Atmosphäre für so etwas zu schaffen. Stattdessen finden Diskussionen dann in so einer Art Halb-Öffentlichkeit statt, was gerade uns Männer schnell Richtung Ich-muss-jetzt-Recht-haben-denn-wer-weiß-wer-das-liest treibt.

    Deswegen möchte ich solche Diskussionen eigentlich nur noch Face to Face diskutieren und mich im Netz vor allem auf nüchterne Wissenschaft beschränken. Und finde Deine Haltung gut und gesund, da sie Online-Eskalationen auffängt. Danke! 🙂

  18. @Luchs: OBE

    OBE und Nahtod-Erlebnisse sind keine religiösen Erfahrungen, sondern gehen auf selbst beobachtbare Gehirnfunktionen zurück. Deswegen macht es keinen Sinn, hier ein Gotteserlebnis zu suchen.
    Der Nahtod-Forscher Dr. Moody hat vor Jahren einen ´Psychomanteum´ genannten Meditationsraum entwickelt. Dabei kann man, wenn man müde ist, in dieser reizarmen Umgebung angeblich Kontakt mit dem Jenseits aufnehmen. Das ist kompletter Unsinn (höflich ausgedrückt): Heute weiß man durch die Gehirnforschung, dass das Gehirn sich in reizarmer Umwelt mit seinen eigenen Inhalten beschäftigt.

    Am besten kommst Du bei Deiner Gottessuche noch dadurch zu einem Ergebnis, wenn Du Dich sozial/emotional in Deiner Umwelt engagierst. Schließlich sind wir nicht dazu auf der Welt um allein – sondern in Gemeinschaft mit anderen Menschen zu leben.

    Ein Egoist, der nur sein selbstsüchtiges Seelenheil/Gotteserlebnis im Auge hat – und darüber die Menschen seiner Umwelt vergisst – wird von Gott direkt in die Hölle geworfen. (So predigten islamische Prediger in den 1940/50er Jahren auf Sumatra. Aus: Arm durch Reichtum – Sumatra, Museum für Völkerkunde FFM 179)

  19. Gotteserfahrung, sozial

    Dass die Gotteserfahrung stets auch eine soziale bzw. sozial vermittelte Komponente hat, ist m.E. sehr wichtig.

    Im o.g. Buch habe ich den Forschungsstand so zusammen gefasst, dass die neueren Befunde von der Betrachtung einzelner Gehirne zur sozial-biografischen Aktion übergehen – also (bildlich gesprochen) die Quelle(n) religiöser Erfahrungen nicht mehr nur „in“, sondern „zwischen“ Gehirnen erkunden.

  20. Wissenschaftlich gesehen, ist es nicht möglich, die Existenz Gottes durch die Nichterfahrung zu widerlegen. Eine restriktive Haltung gegen die Existenz Gottes kann also nur emotionale Ursachen beinhalten. Hingegen überzeugen mich persönlich beweisbare Inhalte, die Medien mir von mir bekannten Verstorbenen vermitteln, Inhalte, die nur ich und der Verstorbene kannte. Dieses Phänomen ist bereits mit dem Freudschüler C.G. Jung wissenschaftlich erforscht in die Öffentlichkeit gedrungen und von Jungs Schülern und deren gegründeten Akademien weiter erforscht worden. Prototypisch am Beispiel der politischen Verfolgung von Wilhelm Reich lässt sich ablesen, wie gefährlich solches Gedankengut der Gesellschaft erscheint. Ich selbst konnte als Referendarin an höheren Schulen erleben, dass gerade natürliche innerwesentliche Eigenschaften der Menschen inkompatibel sind mit unterschwelliger Todesangst, die sich selbst bemüht ist zu überwinden durch Unterdrückung von Individualität, freiem Denken, Demokratie und Angstfreiheit.

    Im Falle der Gotteserfahrung (insbesondere ein Weiterleben nach dem Tod) und somit dem Ausbleiben von Todesangst würde man sich jeglichem Druck und Machtausübung durch die Gesellschaft entziehen können.
    Also ist die eigentliche Ursache einer Nichtannahme vom erfehbaren Jenseits im Diesseits das Festhalten an bestehenden Strukturen, die einen vermeintlich vor einem (verfrühten) Tod schützen.
    Da aber unsere Annahmen unsere Erfahrungen steuern, nehmen wir kein Jenseits wahr. Aus diesen Verstrickungen helfen uns 2 koinzidente Dinge. Die Verzweiflung und Vertrauen in einen „Befreier“. (So entstand das Jesus-Phänomen). Ich finde, dass Platon die Bewusstwerdung eines höheren Seins sehr hübsch in seinem Höhlengleichnis beschrieben hat.

    Ich danke allen Kommentatoren ganz herzlich für die mich bewegenden und bereichernden Gedanken!

  21. Zur Erlösung bzw. Bewusstwerdung durch Meditation: Ja. Aber es mal versuchen, weil man es irgendwo gelesen hat, reicht nicht. Es gibt immer irgendeine Initiation, eine Person oder ein Traum usw, Eine von außen kommende Bewegung, die in einem das Vertrauen geweckt hat. Jeder, der schon jahrelang meditiert und glaubt, dass er alles aus sich selbst heraus geschafft hat, möge an den Anfang zurückschauen, wer oder was ihn darauf gebracht hat, und welch positive Emotion damit verbunden war. Und so liegt schon greifbar nah, dass es eine parallele Welt in unserem Jetzt gibt, die mit uns verzahnt ist und uns Unterstützung gibt, weil wir uns immer wieder neu selbst verstricken. Und wieviel einfacher ist es doch als Wesen zu helfen, dass nicht mehr durch die Begrenzung der Materie beeindruckt werden kann. Stellen Sie sich vor, Sie würden selbst eine Welt erschaffen, wie sollte sie am besten aussehen…?
    Viel Spaß beim Weiterspinnen

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