Netzkultur – Kritiker vs. Basher

Die große Chance des Netzes ist, dass sehr viel mehr Menschen mitreden können. Ein Problem dabei ist jedoch, dass einige zur Einschüchtung Anderer Kompetenzen beanspruchen, die sie offensichtlich nicht haben. Der vielleicht beliebteste Trick besteht darin, sich mit der Würde eines „Kritikers“ zu schmücken – beispielsweise als Evolutions- oder Islam-, Israel- oder Demokratie-, Religions- oder Medizin“kritiker“. Damit schließen sie an die prägende Kultur der Literatur-, Musik-, Theater-, Kunst- und schließlich Gesellschaftskritik an, über die sich das Bürgertum in der Aufklärung emanzipierte. Signalisiert werden sollen mit der Selbstbezeichnung als „Kritiker“ Kenntnisse und ein höherer, reflektierter Standpunkt.

Leider wird dieser Anspruch jedoch inzwischen so oft unterlaufen, dass er der entstehenden Netzkultur zu schaden begonnen hat. Wo „Kritiker“ drauf steht, verbergen sich bei viel zu vielen Themen zu oft nur „Basher“ (wörtlich: Draufhauer). Es ist also höchste Zeit, einmal im Sinne der Netzkultur die Begriffe zu (er-)klären.

Eine ernstzunehmende Kritikerin sind Sie, wenn…

…Sie die Gabe der Beurteilung und Unterscheidung im Bezug auf das Thema beherrschen – denn auf diese griechische Wortwurzel geht der deutsche Begriff „Kritik“ zurück.

– Sie negative und positive Aspekte einer Thematik benennen können.

Literatur-, Musik- oder auch Theaterkritiker wurde und wird man nicht zwingend durch ein Fachstudium. Aber wer nicht in der Lage ist, auch Positivbeispiele zu nennen, sondern nur „die Literatur“, „die Musik“ (oder auch: „die Wissenschaft“, „die Religion“, „die Demokratie“ etc.) schlecht findet, kommt über ein binäres Schwarz-Weiß offensichtlich nicht hinaus und kann offensichtlich nicht unterscheiden und beurteilen. Dagegen erweist sich z.B. Alain de Botton als ein echter und damit für alle Seiten anregender Religionskritiker, der seinen nichtreligiösen Mitstreitern augenzwinkernd empfiehlt, doch einfach Erfolgsrezepte der Religionen zu übernehmen.

– Sie an wissenschaftlichen Argumenten ernsthaft interessiert sind.

Noch einmal: Niemand verlangt ein Spezialstudium. Aber wer z.B. als „Evolutionskritiker“ reüssieren will, sollte mehr als Klischees über die Evolutionstheorie und -forschung parat und auch ein paar ernstzunehmende Werke zum Thema verarbeitet haben. Selbstverständlich kann jede(r) über alles „eine Meinung haben“ – aber Darwin, Elvis oder Einstein irgendwie super oder doof zu finden ist eben noch kein „kritisch“-fundiertes Urteil je über die Evolutionstheorie, die Musik des 20. Jahrhunderts oder die moderne Physik.

– Sie auf zukünftige Verbesserungen zielen.

Kritiker investieren Zeit und Energie in ihr jeweiliges Fachgebiet, damit ihr Urteil einen Unterschied macht. Ein aktuelles Positivbeispiel sind in dieser Frage für mich die Piraten, die einerseits „Parteienkritik“ üben – und sich andererseits auch an echten Alternativen versuchen. Das ist oft sehr viel zeitaufwändiger, mühsamer und im Ergebnis ungewisser als dumpfe Pauschalurteile – aber eben auch um Dimensionen spannender. Klar: Literaturkritiker müssen (oder können) nicht immer die besseren Bücher schreiben. Aber gute und schlechte Literatur zu unterscheiden, Diskussions- und Denkanstösse zu geben und mittelbar zu einer Verbesserung beizutragen – diesen Anspruch sollten sie nicht aufgeben.

Ein Basher sind Sie, wenn…

– Sie positive Aspekte einer Thematik vor lauter Emotion gar nicht mehr benennen können oder wollen.

Was würden Sie von einem Musik- oder Literaturkritiker halten, der nicht ein einziges aus seiner Sicht gelungenes Werk benennen kann? Der nur Negativbeispiele über „die Musik“ oder „die Literatur“ hervorkramen kann? Gibt es gar nicht? Oh doch, gab es in unserer Geschichte (z.B. Warnungen, was das Romanlesen mit jungen Leuten und besonders Frauen anstelle) und Gegenwart (z.B. unter Taliban). Im heutigen Mitteleuropa gelten Musik und Literatur eben als „unkritisch“, wir geben dafür „die Religion“ oder „die Politiker“ umso lieber der Kritik frei. Wer aber nur die einen Pauschalurteile gegen andere eintauschen möchte, ist kein kundiger Kritiker, sondern ein Basher.

– Sie sich durch wissenschaftliche Argumente nur noch gestört fühlen.

Wenn Sie z.B. ein Medizin-, Religions- oder Evolutions“kritiker“ sein wollen, aber Hinweise auf wissenschaftliche Befunde nur als störend empfinden, sind Sie ziemlich sicher ein Basher. Kann ja sein, dass Sie die „Schulmedizin“ als kalt und der Pharmaindustrie unterworfen empfinden. Kann sein, dass Sie alle Leute für zurückgeblieben halten, die an überempirische Entitäten wie Gottheiten oder Menschenrechte glauben. Kann auch sein, dass Sie der Auffassung sind, die Evolutionstheorie bedrohe Ihre Lesart des Universums. Nur: Das sind dann jeweils emotionale Vor-Urteile, keine wissenschaftlich begründeten Urteile.

Fehlerhafte Strukturen in der Schulmedizin, haltbare Erklärungen für menschliches Verhalten und die Zurückweisung überzogener (z.B. biologistischer) Weltdeutungen finden sich nicht dann, wenn die wissenschaftliche Erkenntnis dazu abgeblockt wird. Meist geschieht dieses Abblocken durch Verhöhnung und Verschwörungsvorwurf (a la „Sind doch alle gekauft!“), wiederum ohne ernsthafte Differenzierung. Das ist nicht informiert und kritisch, das ist bequem und bashig.

– Sie nur noch die Verstärkung von gruppendynamischen Ressentiments anstreben.

Israelkritik ist quicklebendig. Auch in Israel selbst leben jede Menge scharfer Israelkritiker – und nicht wenige demonstrieren auch z.B. gegen die Politik der jeweiligen Regierung. Israelbasher aber wollen gerade nicht, dass sich etwas in Israel zum Besseren verändert oder das ein Friedensschluss mit den Nachbarn gelänge – sie hoffen, dass der Staat aufhört zu existieren. Ebenso ist zum Beispiel an den islamophoben Kommentaren im Nachbarblog „Der Islam“ zu erkennen, wie sehr es gerade Islambasher ärgert, wenn sich Muslime für Dialog und Demokratie engagieren. Echte Islam- oder Demokratiekritiker zielen zu Recht auf Verbesserungen, Islam- oder Demokratiebasher aber träumen von der Auslöschung der Weltreligion bzw. der demokratischen Staatsform.

Online-Bashing ist ein gefährlicher „Spaß“, konstruktive Kritik schafft Kultur

Ganz klar: Wenn der VfB Stuttgart gegen Bayern spielt möchte ich im Stadium auch keine sportwissenschaftliche Analyse, sondern erfahrbaren Spaß mit Gesängen, Farben und allem, was sonst noch zu unserer Steinzeit-Stammes-Vergangenheit gehört. Gruppendynamiken auf Basis von Abgrenzungen sind Teil unserer Natur. Aber diese Erfahrungen gehören mit Humor reflektiert und der Sportspass hört auf, wenn Leute tatsächlich anfangen, einander als Menschen zu verachten oder gar anzugreifen. Viele Fussballhooligans scheinen gar nicht wirklich am Fussball interessiert zu sein, sondern nur nach Vorwänden zu suchen, zu einer Gruppe zu gehören und Rudelgewalt gegen andere ausüben zu können. Dann geht verbales auch in tätliches „Bashing“ über.

Und sehr gerne hätte ich in dieser Frage Unrecht behalten, als ich schon letztes Jahr in „Wir Wildbeuter im Web 2.0“ vor der Gefahr von „Ressentiments, Verschwörungstheorien und Radikalisierungsprozessen bis hin zu Aufrufen zu Gewalt“ durch eine „uniforme Dynamik und gegenseitige Bestärkung der Ablehnung“ im Internet warnte (S. 12). Individuell mag manche(r) Bashing lustig finden oder sich gar über steigende Emotionalisierungen und kletternde Zugriffszahlen etwa auf bashenden Blogs oder in einschlägigen Foren freuen. Aber bei labilen Menschen können wir durch solche Gruppendynamiken auch zunehmend abgeschottete Weltsichten, Radikalisierungen und schließlich gar Gewaltbereitschaft fördern. Islamisten wie Arik Uka oder Islamophobe wie Anders Breivik holten sich ihren Hass- und Radikalisierungsschub wesentlich aus dem Netz. Also: Wenn wir Internetaktiven schon kritisch sein wollen, dann doch auch zu uns selbst. Nicht anonyme Konzerne, sondern wir stellen die Weichen für die Netzkulturen, die längst ins echte Leben hinausgreifen. Lasst uns echte Kritiker und Fans sein – und Bashern und Hooligans weder den Sport noch das Web überlassen.

Artikel zum kostenlosen Download:

* „Wir Wildbeuter im Web 2.0 – Die soziale Macht des Internet(t)„, Heimat & Identität 03/2011, S. 6 – 13

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

37 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wer zieht die Grenzen?

    Ganz glücklich bin ich mit dem Text naturgemäß nicht, zwei Gründe: 1. Kriterien werden zwar genannt, aber wer zieht die Grenze beispielsweise bei so Punkten wie “ wenn…

    …Sie die Gabe der Beurteilung und Unterscheidung im Bezug auf das Thema beherrschen“. Kannst du das? Ohne je daneben zu liegen?

    2. Kritik kann unterschiedliche Formen annehmen, es gibt einfach mehr als nur ein Genre. Es gibt nicht nur die sachliche dialektische Auseinandersetzung, sondern auch Satire und Polemik. Und nicht jeder der gelegentlich zur Polemik greift ist unfähig zur „Beurteilung und Unterscheidung“. Und noch etwas gibt es: Dinge, die einfach nicht dialektisch sind, sondern gelegentlich ist Schwarz/weiß die richtige Darstellungsform. Manchmal hat eine Seite einfach Recht und die andere einfach nicht. Das ist dann kein Grund sich die Köpfe einzuschlagen, aber es gibt auch keinen Grund dann zum Weichzeichner zu greifen.
    Ja, es gibt witzloses Bashing, frei von Reflexion und guten Gedanken, aber es gibt meines Erachtens keine allgemein gültige Trennung zwischen Bashing und Kritik. Daher: Schauen wo Argumente drin stecken, nicht wehleidig sein und sich nicht in Schubladisierungen verlieren. So als persönliche kleine To Do Liste, eh auch für mich.

  2. Ein Abstand ist notwendig

    „Literaturkritiker müssen (oder können) nicht immer die besseren Bücher schreiben.“

    Ich würde sogar sagen, dass gute Kritiker gar nicht Teil dessen sein sollten, was sie kritisieren. Nur so können sie Stellvertreter für das Publikum sein. Man muss sich entscheiden, ob man produziert oder kritisiert.

  3. Schulmedizin?

    Die Wahl des Begriffs war wohl ein Ausreißer, hm?
    Soweit ich informiert bin, verwenden ihn überwiegend Esos …
    Ist vielleicht nur eine Kleinigkeit, vielleicht aber auch nicht.

  4. OT: Problem mit dem Feed

    Das gehört jetzt nicht direkt zu diesem Blogeintrag, aber:
    Ich lese diesen Blog mit einem RSS-Reader und seit einiger Zeit bekomme ich statt Umlauten nur noch „ä“ und ähnliches angezeigt (hier z.B. „Die große Chance des Netzes ist, dass sehr viel mehr Menschen mitreden können…“). Das macht es schwer zu lesen. Gab es eine Umstellung im Feed?

  5. Dummerweise wird es im Browser richtig angezeigt, obwohl ich es falsch eingegeben hatte. Neuer Versuch: Ich sehe so etwas wie „&-a-u-m-l-;“ (ohne Bindestriche) anstelle der Umlaute.

  6. @Jörg W.: Grenzen

    In der Tat: Ich denke schon, dass zu jeder Kultur auch Grenzziehungen gehören zwischen dem, was „in Ordnung ist“ (z.B. Satire) und dem Überschreiten solcher Grenzen (z.B. Mobbing). Diese Grenzen werden m.E. kaum je fest und unveränderlich sein – und gerade im Netz hoffe ich, dass sie sich möglichst oft auch von selbst herausbilden und durchsetzen. Dieser Blogpost entstand daher auch auf Anregung eines anderen Bloggers, der mich bat, doch einmal darzulegen, was ich je unter Kritik bzw. Bashing verstünde.

  7. @Lichtecho, Tupper & Alexander

    Tupper, der Begriff „Schulmedizin“ war bewusst und in Klammern gesetzt, weil er diese Vorwertung enthält. Ebendies erlebe ich z.B. auch, wenn Leute Evolutionsforschung mit „Darwinismus“ gleichsetzen und damit wissenschaftliche und weltanschauliche Gleichförmigkeiten unterstellen, die so in beiden Fällen nicht bestehen. Da wird aus Kritik schnell (Eso-, ID- etc.)Bashing.

    @Alexander Danke für den Hinweis, ich gebe das weiter.

    @Lichtecho Historisch stimme ich zu. Aber löst sich nicht gerade im Netz die strikte Unterscheidung zwischen Konsument und Produzent zunehmend auf?

  8. Kriterien

    Es gibt ziemlich sichere Kriterium für Bashing: Wenn Leute sich bestimmte Fächer raussuchen, zu denen sie gleichgesinnte Kritiker erwarten. Mit Wölfen heulen ist schon attraktiv. Manche vagabundieren auch zwischen verschiedenen Fächern und probieren es da und dort aus, wo sie sich am besten profilieren können.
    Mit am allersichersten erkennt man Bashing, wenn offensichtliche Nicht-Fachleute den Fachmann über Grundbegriffe seines Faches aufklären wollen und ihm zeigen wollen, dass er diese Grundbegriffe natürlich völlig falsch verwendet oder die nötigsten Grundeinsichten des Faches wohl noch nicht kenne… – als ob sie einen Studienanfänger runterputzen würden. Das ist natürlich bei „weichen“ Themen leichter. Aber ich habe dies Verhalten auch schon einem Naturwissenschaftler gegenüber beobachtet. Junge, Junge, da gibt’s Leute…

  9. Eine sehr schöne Analyse…

    …der ich in großen Teilen nur voll und ganz zustimmen kann. Argumentieren würde ich allenfalls gegen den im letzten Absatz vorgebrachten Einwurf, dass man auch beachten müsse, was Bashing (oder auch andere Verhaltensweisen) möglicherweise bei geistig labilen Menschen auslösen könnten. Dieses Argument halte ich insofern für hinterfragenswert, als dass man sich mit dem Verweis „wozu XYZ geistig labile Menschen motivieren könnte“ ja auch für entsprechende Selbstzensuren in Kunst, Literatur oder Politik aussprechen könnte (man denke nur an Mark David Chapman und J.D. Salinger).

    Wie die vorangegangenen Absätze gut illustrieren, bedarf es einer solchen „extern motivierten“ Begründung ja aber auch gar nicht, um einseitiges Bashing abzulehnen…

  10. @Christian

    Vielen Dank für die Rückmeldung! Ich würde aber tatsächlich auch eine Verantwortung von Politikern, Medien, Kulturschaffenden etc. etwa für den Umgang der Menschen sehen. Wer z.B. gegen Frauen oder Minderheiten Stimmungen schürt, müsste sich m.E. durchaus fragen, was sie damit anrichten. Oder denken wir z.B. an jene südafrikanischen Politiker, die die Gefahren von AIDS leugneten. Kommunikation ist m.E. Tun und für unser Tun sind wir als Erwachsene verantwortlich. In den USA ist ja jetzt auch erstmals ein Online-Mobber verurteilt worden, dessen Opfer sich umgebracht hatte.

  11. Basher vs. Kritiker

    Der Schreiber dieser Zeilen hätte nicht den Mut so ordentlich zu unterscheiden, wie es im Artikel geschehen ist.

    Kritiker haben zudem auch, wenn sie gesellschaftliche Probleme adressieren, das Problem, dass der Gegenstand der Betrachtung weich ist. – Man ist hier schnell bei einem „Alles kann behauptet werden, alles wurde gesagt, aber noch nicht von allen“.

    Die Offene Gesellschaft ist dafür gedacht offene Diskurse zu führen und die oben angestrebte Unterscheidung nicht durchzuführen. Das Web stellt neue Herausforderungen, loge!, aber die Anonymität gab es schon zuvor und ist unproblematisch. Die webtypische Härte ist auch eine Chance, und zwar kann oft auf dem Sozialverhalten geschuldeten Überbau verzichtet und die Sache effizienter bearbeitet werden.

    Zur Polemik noch: Diese ist bei weichen Themen völlig in Ordnung, denn Theorien oder Meinungen zu gesellschaftlichen Fragen sind personen(mengen)gebunden (‚Eine Aussage zu einer Sache oder diesbezüglichem Verhalt ist für den Systematiker immer zuerst eine Aussage einer Person(enmenge) zu einer Sache oder diesbezüglichem Verhalt.‘).

    Polemik gehört also dazu, weil der Meinungsträger immer mitspielt bei den hier gemeinten Themen. – Es gibt übrigens einen Mentalitätsunterschied zwischen der Vortragsweise in D und bspw. in England; während man in D tatsächlich zu Pro- und Contralisten neigt, bringt man sich in England bei der Sacharbeit (aus oben erklärtem Grund) persönlich ein.

    Fangen Sie bitte nicht an, lieber Herr Blume, Kritiker in Anführungszeichen zu schreiben, das wäre für den Webbaeren ein Alarmsignal. – Der Islam ist mehrfach beispielhaft genannt worden. Da ist in der tat nicht jeder so optimistisch. Viel wird von der Entwicklung des Terrors abhängen und den eingesetzten Mitteln. Das kann man ja abwarten und dann beurteilen, dann darf gerne auch gerichtet werden.

    MFG
    Dr. Webbaer

  12. @Webbaer: Kritik der Kritiker erlaubt?

    Mir scheint es geradezu ironisch zu sein, wie viele von uns Netizens „Freiheit zur Kritik an allem“ fordern – aber selbst keineswegs kritisiert werden wollen. Warum ist es denn so schlimm, festzustellen, dass sehr viele selbsternannte und oft anonyme Evolutions-, Islam-, Medizin-(etc.)Kritiker weder sachlich noch stilistisch klassisches Kritiker-Niveau erreichen? Ist diese Wahrheit etwa zu hart für jene, die andere so gerne hart rannehmen wollen? Wenn, wie Sie schreiben, „soziale Umgangsformen“ stören – warum darf ich dann nicht einmal Basher als Basher nennen? Verdient derjenige besonderen Respekt, der selbst keinen haben will?

  13. Basher

    Lieber Herr Blume, Sie können sich frei äußern, auch Kriterienkataloge entwerfen, um so dem Wesen des Bashers nachzuspüren und Unterschiede zum „normalen“ Kritiker herausarbeiten.

    Nur sind das eben subjektive Einordnungen – womit hier nicht behauptet werden soll, dass andere objektiv einordnen -, was dem einen als ein persönlicher zensurierungswerter Angriff erscheint, kann bei anderen als gelungene Polemik gelten.

    Nun ist es hier natürlich recht gut verstanden, dass Sie unfroh werden, wenn bestimmte Kritik aus einem bestimmten Lager (z.B. von Rechts) kommt und unfreundlich, vielleicht sogar bedrohlich wirkend, ist.

    Es ist ein wenig schade, dass es hier zwischen uns einen Dissenz gibt, was den Islam betrifft, ansonsten ist der Webbaer ganz bei Ihnen. Dass Sie nicht in medias res gehen wollen, ist hier auch verstanden worden.

    MFG
    Dr. Webbaer (der aber ansonsten nicht wüsste wie man noch annähern könnte ohne relig. Konzepte zu bearbeiten – und der (sogar 🙂 in einigen Ihrer Arbeiten war)

  14. @ Michael Blume

    „sehr viele selbsternannte und oft anonyme Evolutions-, Islam-, Medizin-(etc.)Kritiker“

    Die Anonymität nervt mich auch. Aber was haben Sie denn dagegen, daß sich die Evolutions-, Islam-, Medizin-(etc.)Kritiker selbst ernennen? Wer soll es denn sonst tun? Brauchen wir ein Amt für die Ernennung von Kritikern? Oder soll das der Bundespräsident machen? Ich bitte Sie!

    Näheres von mir dazu siehe http://deutsche-sprak.blogspot.de/…unden_31.html

  15. Bayern soll leiden

    „Wenn der VfB Stuttgart gegen Bayern spielt möchte ich im Stadium auch keine sportwissenschaftliche Analyse, sondern erfahrbaren Spaß mit Gesängen, Farben und allem, was sonst noch zu unserer Steinzeit-Stammes-Vergangenheit gehört.“

    Daß dieser „Spaß“ ein, wie Sie sicher meinen, Produkt der biologischen Evolution sein soll, wäre erst einmal zu beweisen. Aber ich möchte überhaupt keinen Spaß und keine Farben, sondern ein gutes Spiel und Spannung und vor allem anderen, daß Bayern verliert. Das impliziert, daß die Fans dieses Vereins leiden, dagegen ist nichts zu machen, sonst kann ich nicht wollen, daß Bayern verliert, und das wünsche ich dieser Ausgeburt der Hölle inbrünstig.

    Nun könnte man natürlich sagen, daß die Wissenschaft kein Spiel (dieser Art) ist, eher vergleichbar mit dem gemeinsamen Bauen eines Hauses. Wer andere kritisiert, trägt dazu bei, daß das Haus besser wird, und daran hat er ja auch ein Interesse und darum muß er sich nicht ärgern, sondern kann sich freuen. Aber er hat nicht recht gehabt, darüber wird er sich ärgern. Um sich freuen zu können, muß er sich ein dickes Fell zulegen.

    Aber ist das nicht ohnehin ein allzu idyllisches Bild vom Fortgang der Wissenschaft? Wenn Kuhn auch nur halbwegs recht hat, und das hat er wohl, gehören die Vernichtungsschlachten zum Wesen des wissenschaftlichen Fortschritts. Wer den will, muß beim Schlachten mitmachen. Jedenfalls wenn er zu einer normal science gehört.

  16. @Webbär

    Ja, da sind wir beieinander: Ich nehme auch gar nicht mehr in Anspruch, als eine eigene Position zu vertreten und für diese einzutreten. Allerdings sei die Bemerkung gestattet, dass der Begriff des „Kritikers“ eben auch historisch gewachsen ist und heute von vielen Menschen leichtfertig ge- und meines Erachtens eben auch mißbraucht wird. Zu einer lebendigen Kultur gehört aber m.E. nun einmal, dass man Begriffe nicht der Beliebigkeit preisgibt. Und dieser Post hier entstand ja auch gar nicht speziell im Hinblick auf Islamkritik, sondern auf die Frage eines anderen Bloggers nach der Unterscheidung von Kritik und Bashing.

  17. @Ludwig Trepl

    Sie müssen mich gar nicht „bitten“ – es würde schon reichen, wenn Sie mich und andere Blogger einfach konstruktiv lesen würden.

    Oder wie kommen Sie darauf, dass ich ein Amt oder eine Institution fordern würde? Wo schrieb ich denn das? Und wie kommen Sie darauf, dass eine empirische Wissenschaft überhaupt etwas abschließend beweisen könnte? Ich muss Ihnen doch nicht wirklich darlegen, dass gerade die Evolutionsforschung immer nur über falsifizierbare Hypothesen und Begriffe funktioniert? Wenn Sie die Evolutionsforschung ggf. auch nicht besonders mögen, so sollten Sie doch nur realistisches von ihr erwarten.

    Kann ja sein, dass Sie das „Schlachten“ für wissenschaftlich normal halten. Ich habe es gerne konstruktiver und finde Imponiergehabe nicht wirklich hilfreich. Die wirklich großen Wissenschaftler wie Darwin, Einstein, Durkheim etc., die auch Paradigmenwechsel im Kuhnschen Sinne einleiteten, hatten es doch gerade nicht nötig, Kolleginnen und Kollegen „zu schlachten“. In meinen Augen ist mangelnder Stil doch eher ein Hinweis auf (auch wissenschaftliche) Zweitklassigkeit – in der wilden Jugend noch verzeihlich, für Senioren (die es längst besser wissen sollten) aber nur noch peinlich. Gerne habe ich daher Ihren letzten Blogpost oben verlinkt und wünsche ihm viele Leserinnen und Leser – auch wenn mich doch einiges an ihm verwundert (das aber andere Kommentatoren bereits thematisieren). Mir reicht es, wenn Stuttgart gegen Bayern gewinnt, Wissenschaftler und Blogger konstruktiv miteinander debattieren. Anderen zu wünschen, dass sie „leiden“, liegt mir persönlich – zugegeben – fern.

  18. Muss es immer …

    hoch wissenschaftlich sein?
    Viele wollen einfach nur sagen was sie nicht wollen. Anscheinend darf man das in diesem Land nicht mehr, ohne eine ausführliche und allumfassende Erklärung mit zuliefern.
    (Im Gegensatz zu anderen Gruppen die immer fordern und das immer unverschämter.)
    Wir wollen eine Gesellschaft ohne Allah, ohne Mohammed, ohne Islam, ohne Koran, ohne Islamisten, ohne Salafisten, ohne Jihadisten, ohne Selbstmordattentäter, ohne Autobomber, ohne Moscheen, ohne Minarette, ohne Muezzine, ohne Wallfahrten, ohne Mekka, ohne Koranschulen, ohne Imame, ohne Gebetsteppiche, ohne rituelle Waschungen, ohne Hassprediger, ohne Freitagsgebete, ohne Niederwerfungen, ohne Islamunterricht, ohne Terror, ohne Hass und Gewalt, ohne Enthauptungen, ohne Heilige Kriege, ohne Christenverfolgung, ohne Judenhass, ohne Sklaverei, ohne Migrantenkriminalität, ohne Sozialschmarotzer, ohne Integrationsverweigerer, ohne beleidigte oder fordernde Muslime, ohne Burkas, ohne Kopftücher, ohne Frauenunterdrückung, ohne Zwangsheiraten, ohne Ehrenmorde, ohne religiöse Intoleranz, ohne kulturelle „Bereicherung“, ohne Zwangsbeschneidung, ohne Scharia, ohne Fastenbrechen, ohne Zuckerfest, ohne Ramadan, ohne Kinderheiraten, ohne Auspeitschungen, ohne Steinigungen, ohne Zwangsamputationen [Handabhacken, Fußabhacken], ohne Strafen für Blasphemie [Gotteslästerung], ohne Strafen für Apostasie [Austritt aus dem Islam], ohne Todesstrafen und ohne solche unterwürfigen Politiker.

  19. @Max

    Danke. Wir sind jetzt alle sehr beeindruckt von Ihrem konstruktiven Beitrag, der in der Tat nicht wissenschaftlich, aber ehrlich-bashig war. Auch Kinder ringen ja oft mit dem Problem, dass sie noch so laut aufstampfen – und sich doch nicht alle Wünsche erfüllen. Wobei wir einige davon sogar teilen. 🙂

  20. Konzepte

    Ist es vielleicht so, dass man sich quasi automatisch die Hände schmutzig macht, wenn man jene Konzepte ernst nimmt? Dass man mitschuldig wird, weil man mitgedacht hat und die Sache ernst nimmt, und dass es stattdessen einfacher ist die Sache durch die rosarote Brille zu sehen, sich dabei gerne auch ethisch gehoben fühlend?

    Dass Sie keine Lust haben jene Konzepte, die beispielsweise recht weitgehend in der nicht „islamophoben“ Wikipedia beschrieben sind, zu erörtern, OK!, aber warum sind Sie dann gegen diejenigen, die die Schmutzarbeit machen?

    Das würde Dr. Webbaer noch interessieren, das ist ihm nicht klar. Dann wären wir auch sozusagen durch…

    MFG
    Wb

  21. @Webbär: Schmutzarbeit

    Wenn wir einen Blick auf die Menscheitsgeschichte werfen, so können wir m.E. doch erkennen, dass gruppendynamische Ressentiments gegen Menschengruppen eigentlich nie „Probleme gelöst“, aber oft Völker in Schmach und Verderben gestürzt haben. Denken Sie nur an die „Schmutzarbeit“ der Antisemiten, Rassisten, Frauenfeinde, nationalen und internationalen Sozialisten etc.

    Wenn wir – was ich will – z.B. die Menschenrechte auch in islamischen Gesellschaften stärken wollen, müssen wir neben aller Kritik eben auch konstruktiv Dialog, Demokraten und Entwicklung unterstützen. Die „Schmutzarbeit“ in Abu Ghreib hat z.B. erkennbar die falschen Kräfte gestärkt, nicht wahr?

    Zuletzt noch eine Klarstellung: Ich gehe ausdrücklich nicht davon aus, dass es sich bei Bashern ausnahmslos um dumme oder ungebildete Leute handelt – im Gegenteil. Ich bin der festen Überzeugung, dass in sehr vielen von ihnen deutlich mehr Grips, Potential und Kompetenz zu entdecken wäre, sobald es ihnen gelänge, sich aus dem Bashermodus zu lösen. MIKe, Max, Geoman und viele andere hätten m.E. der Welt noch viel zu geben, wenn es ihnen gelänge, Frust und Ängste im Bezug auf andere Menschen und Menschengruppen hinter sich zu lassen.

  22. Grenzen

    @Michael
    ja, mir ist auch schon aufgefallen, dass die Kritiker nicht sehr kritikfähig sind. Habe schon mehrfach erlebt, dass kritische Journalisten explodiert sind, wenn man ihnen einen kritische Frage stellt. ich versuche da anders zu sein, Garantie, dass das immer gelingt, gibt es nicht.
    Womit ich ein Problem habe, ist das Schubladisieren: Du kannst gern zu einem Einzelartikel sagen, dass war sinnloses Bashing, meines Erachtens kannst du jeden einzelnen Bericht zerpflücken, beleidigen und ruhig auch mal klar machen, wenn etwas richtig Scheixxe war. Da habe ich weder mit Grenzziehungen noch mit Kritik ein Problem. Problematisch sehe ich es, wenn man das einerseits auf die Person ausdehnt und andererseits erwartet, dass die eigenen Grenzen jene sind, die auch alle anderen anerkennen sollten. Es ist sonst eine Immunisierungsstrategie, so quasi „den muss ich eh nicht ernst nehmen, dass ist nur ein Basher“.

  23. @Jörg W.: In der Tat!

    Lieber Jörg,

    da kann ich Dir nur zustimmen! Selbstverständlich ist ein Mensch nie „nur“ Basher (wie ja auch ein Fussballhooligan z.B. trotzdem ein engagierter Kollege, liebevoller Vater o.ä. sein kann) – und es gibt auch stets fließende Grenzen zwischen Kritik und Bashing.

    Wir beide hatten ja zum Beispiel Kontakt, als Du einen m.E. hervorragenden kritischen (!) Videobeitrag über Religion(en) gedreht hattest. Aus Deiner a- bzw. antitheistischen Haltung hast Du dabei gar keinen Hehl gemacht, aber zugleich sowohl Religiösen wie Religionskritikern so richtig Denkstoff gegeben. Dieses m.E. gelungene Video hatte ich daher nicht nur auf den Blog gestellt, sondern auch Deinen verlinkt und ausdrücklich empfohlen!
    http://scilogs.spektrum.de/…heit-ber-ehrliche-signale

    Und dass nicht jeder Beitrag qualitativ so hochwertig sein kann – geschenkt. Das trifft m.E. auf jede(n) von uns zu, die Qualität eines Blogs ergibt sich doch eher über einen Durchschnittswert oder gar die verdiente Konzentration auf Highlights.

    Auch die Diskussion mit Florian Freistetter ergab sich ja, weil ich sein Buch nicht nur gelesen, sondern ausdrücklich hier und auf amazon lobend rezensiert und empfohlen hatte:
    http://scilogs.spektrum.de/…k-von-florian-freistetter

    Auch wenn er (aus welchen Gründen auch immer) zum gelegentlichen Religionsbashing neigt – am Positivurteil würde ich dennoch festhalten: Er ist m.E. ein sehr guter Astronom und Astronomieblogger und sein Buch dazu ist sehr lesenswert. Ich muss ihm doch gar nicht in allen Aspekten zustimmen, um ihm Erfolg zu wünschen. Und das tue ich weiterhin.

    In gewisser Hinsicht würde ich sogar meinen, dass die Kritik-Bashing-Unterscheidung auch auf den Umgang zwischen Menschen (inkl. Bloggern) zutrifft: Ein Basher will andere „schlachten“ (wie es @Trepl ausdrückte), ein Kritiker aber durchaus zwischen verschiedenen Lebensbereichen und auch Beiträgen unterscheiden. Religions-, Evolutions- oder Demokratiebasher sind nie nur das.

    >Und Du hast m.E. ja auch bereits gezeigt, dass Du sowohl kluge Religionskritik wie dumpferes Religionsbashing drauf hast – und ich kann nur hoffen und dazu ermutigen, dass Du Deine bessere Seite im Sinne einer sich entwickelnden Netzkultur ausbaust! 🙂

  24. @Michael Blume (zu meinem Komentar)

    Sie sind mir aber ein Mimöschen! Wenn Sie schon die Journalistenphrase „selbsternannt“ verwenden, dann dürfen Sie sich über ein bißchen Spott nicht wundern.
    Aber zum Inhalt. Sie sind mir zu sehr aufs Konstruktive bedacht:
    „Es gibt eine Redensart, daß man nicht nur niederreißen, sondern auch wissen müsse aufzubauen, welche Phrase von gemütlichen und oberflächlichen Leuten allerwegs angebracht wird, wo ihnen eine sichtende Tätigkeit unbequem entgegentritt. Diese Redensart ist da am Platze, wo obenhin abgesprochen oder aus törichter Neigung verneint wird; sonst aber ist sie ohne Verstand. Denn man reißt nicht stets nieder, um wieder aufzubauen; im Gegenteil, man reißt recht mit Fleiß nieder, um freien Raum für Licht und Luft zu gewinnen, welche überall sich von selbst einfinden, wo ein sperrender Gegenstand weggenommen ist.“ (aus dem „Grünen Heinrich“)

    So sieht es in der Lebenswelt aus. Was das „Schlachten“ in der Wissenschaft angeht, so ist das eine etwas andere Sache als Sie vermuten. Kuhn hat dem Vernichten des anderes Paradigmas durch „Überredung“, also nicht durch „Überzeugung“ die entscheidende Rolle zugeschrieben; Angehörige verschiedener Paradigmen können einander nicht überzeugen, rationale Argumentation ist zwischen Paradigmen nicht möglich. Ob das „Überreden“ höflich geschieht oder satirisch oder bissig oder hinterhältig, steht auf einem ganz anderen Blatt. Unter den bedeutenden Wissenschaftlern gab es so’ne und solche. – Mir scheint, daß an der Kuhn’schen Theorie viel dran ist, aber er redet halt über Normalwissenschaften, nicht über die Wissenschaft insgesamt. Da gibt es immer eine Metaebene, auf der rationale Auseinandersetzung weiterhin möglich ist.

    Von „endgültigen“ Beweisen habe ich nicht geschrieben, das weiß ich schon, daß die in der empirischen Wissenschaft nicht möglich sind. Wenn man von „Beweisen“ in der empirischen Wissenschaft redet, meint man nicht endgültige, sondern „überzeugende“ – ähnlich wie vor Gericht.

    Gegen die Evolutionsforschung habe ich nichts. Ich bin Biologe und gehöre in dieser wie in den meisten anderen Hinsichten dem Mainstream an. Ich habe nur etwa gegen den Biologismus. „Religion“ ist kein Merkmal wie Körpergröße oder Haarfarbe.

    Und was die Bayern angeht: Ich möchte nicht, daß ihre Fans leiden. Sie sollen sich am schönen Wetter freuen oder am guten Bier. Aber ich will, daß die Bayern verlieren und das impliziert nun mal, daß die Fans leiden.

  25. @Ludwig Trepl

    Ja, auch die Mimose ist eine Blume. Und Sie haben schon Recht: Ich bin stark im Fremdschämen, z.B. wenn sich Senioren in pseudo-jungem Machogehabe und Streetslang versuchen. Haben Sie doch gar nicht nötig, lieber Herr Trepl! 😉

    Zu Ihren Ausführungen: Von „endgültigen“ Beweisen habe ich nicht geschrieben, das weiß ich schon, daß die in der empirischen Wissenschaft nicht möglich sind. Wenn man von „Beweisen“ in der empirischen Wissenschaft redet, meint man nicht endgültige, sondern „überzeugende“ – ähnlich wie vor Gericht.

    Sehr einverstanden! Deswegen gibt es vor Gericht die gute Praxis, dass sowohl Ankläger wie Verteidiger zu Wort kommen und die Richtenden genau zuhören. Richter, die vor ihrem Urteil nicht einmal die Akten lesen, führen „bestenfalls“ Schauprozesse, lieber Herr Trepl…

    „Religion“ ist kein Merkmal wie Körpergröße oder Haarfarbe.

    Und das hat seit Darwin auch niemand behauptet. „Religion“ wird analog zu „Sprache“ oder „Musik“ erforscht – je also als Wechselwirkung biologischer Anlagen und kultureller Ausprägungen. Die Unterscheidung nahm schon Darwin selbst vor – und der war immerhin Theologe… Bei der Jahrestagung der Europäischen Evolutionsbiologen hatte ich dazu gesprochen:
    http://www.scilogs.eu/…gion-at-eseb-2011-lecture

    Wenn Sie das Thema also wirklich interessiert, sind Sie herzlich eingeladen – hier auf dem Blog und meiner Page ist es kostenfrei und einfach zugänglich und für kritisch-konstruktive Diskussionen stehe ich gerne zur Verfügung. Wenn Sie aber nur Aufmerksamkeit erheischen und mit Schlagwörtern um sich werfen wollen, finden Sie dafür andernorts sicher ausreichend Gelegenheit.

  26. @Michael Blume @Ludwig Trepl: Liberalism

    Zu den „überzeugenden“ Beweisen: Ich hab halt Argumente hin und her gehört und diejenigen von Ihrer Seite haben mich nicht überzeugt. Sie selbst argumentieren übrigens in Ihrem Blog kaum. Sie verweisen immer nur auf Literatur, in der alles steht. Man kann mit Ihnen nicht streiten, man erwischt Sie nicht. Immer kommt der Hinweis: das ist alles komplizierter, und da und da steht es.

    – Das bestreite ich eben: daß Religion etwas ist, das auf einer Ebene liegt wie Sprache und Musik. Es ist ein vollkommen anderes Phänomen. Das habe ich Ihnen schon mehrmals geschrieben, aber keine Antwort darauf bekommen.

    Haben Sie bei mir „Streetslang“ entdeckt? Das würde mich interessieren. Ich dachte, den hätte ich allenfalls mal zitatweise verwendet, und auch daran kann ich mich nicht erinnern.

  27. Konflikt

    @Michael
    hm, ich bin mir oft selbst nicht sicher, welches Mittel das richtige ist. Ja, oft wäre ein konstruktiver diplomatischer Ton, verbindend und Gemeinsamkeiten auslotend sicher gut. Aber 1. nicht immer und 2. ist es nicht immer das, was ich tun will. Ad 1. du hast nicht auf die Anspielung reagiert, dass manchmal einfach eine Seite recht hat. Musst du ja auch nicht, aber ich halte es in dieser Diskussion für einen wesentlichen Punkt. Und: Die Diplomatie hat Grenzen. Mit manchen Extremisten hat es keinen Sinn, vor allem nicht, wenn sie gewaltbereit sind. So wie Anstacheln negative Effekte haben kann – wie du völlig richtig bemerkst, kann der konstruktive Kuschelkurs negative Effekte haben (Kulturrelativismus, Aufgabe von Freiheiten, herunterspielen von Bedrohungen). Daher ist mir die Vielfalt der Kritiker enorm wichtig.

  28. @Ludwig Trepl

    Nun, das lässt sich einfach aufklären. Diesen Blog hier gibt es bereits seit einigen Jahren und die einzelnen Aspekte sind in Beiträgen mit teilweise hunderten (!) Kommentaren intensivst durchdiskutiert worden. Ich sage auch ganz klar, dass ich dabei auch selbst viel gelernt und gewonnen habe.

    Nur schaffe ich es zeitlich wirklich nicht, für Neueinsteiger die ganzen Fragen jeweils wieder aufzurollen und sozusagen Privat-Einführungsseminare zu geben. Beim Thema „Religion“ meinen halt viele allzuschnell Experten zu sein, aber die Religionswissenschaft ist nun mal eine ernsthafte, empirische Disziplin und nicht nur ein Stuhlkreis, in dem jede(r) mal so sagt, was er oder sie denkt und fühlt. Daher habe ich es mir in der Tat angewöhnt, bei bereits behandelten Fragen erst einmal auf die bereits bestehenden Texte zu verweisen – und mir dann aber auch Zeit für jene Interessierten zu nehmen, die sich damit befasst haben und nun ernsthaft „tiefer bohren“. Aber jedesmal die Grundbegriffe neu zu erklären ist einfach zeitlich für mich als berufstätigen Familienvater (etc.) nicht schaffbar. Da kann ich nur um Verständnis bitten.

    Mit Streetslang meinte ich Wendungen wie „schlachten“, „leiden“, „deutsche Sprak“ etc. Auch andere Bloggerinnen und Blogger haben Sie ja bereits in diesem Tonfall angemacht, den ich einem Jungspund auf Testosteron durchgehen lassen würde, unter ernsthaften Kollegen aber einfach unangemessen finde. Josef Honerkamp und „Natur der Naturwissenschaft“ halte ich für beispielhaft und stilbildend und habe sein Buch daher auch bereits mit Gewinn gelesen und empfehlend rezensiert.

  29. @Jörg W.: Hilft Bashen?

    Ich verstehe Deinen Gedankengang, er deckt sich aber einfach nicht mit den Erfahrungen, die ich im täglichen Dialog zwischen Religion(en) und Wissenschaft(en) mache. Durch Bashen beeindruckt oder überzeugt man nach meiner doch reichlichen Erfahrung in diesem Bereich Fundamentalisten gerade nicht, sondern stärkt sie. Umso lauter und undifferenzierter die Debatten sind, umso schwerer haben es die Fairen und Vernünftigen aller Seiten, überhaupt noch Gehör zu finden. Stattdessen gelten dann zum Beispiel „die Atheisten“ als Vertreter „des Darwinismus“ und „die Evangelikalen“ als Vertreter „der Religion“ – jene vielen, die sich z.B. als evolutionäre Theisten verstehen oder wie z.B. Jesse Bering atheistische Religionskritik mit erntshaftfter, empirischer Forschung verbinden, werden dann gar nicht mehr gehört. Hier ein Video auf Scientific American dazu, dass die Basher-Gespräche parodiert:
    http://blogs.scientificamerican.com/…-afternoon/

    Sowohl Islamisten wie Rechtsextreme fürchten nichts mehr als den Dialog der Religionen, als Begegnung, Respekt, Vertrauen, Humor, auch Selbstkritik – weswegen wir bei Anschlägen ja inzwischen auch schon immer wieder rätseln, wer von ihnen da tätig war. Denn die Ziele – Angst zu schüren, Gesellschaften zu zerreißen, Annäherungen zu unterbinden, „Verräter“ der je eigenen Seite zu töten oder einzuschüchtern – sind nahezu identisch. Extremisten schaukeln einander hoch und geben einander Stichworte, weil ihr gemeinsamer Feind die Verständigung ist.

    Auch in den USA können wir ja sehen, dass die ewigen Eskalationen der Culture Wars das Land nur beschädigen und gerade nicht voranbringen. Kannst Du mir Beispiele benennen, in denen Polemik die Situation verbesserte?

    Mit Bashing findet man leichter Aufmerksamkeit, klar. Aber im Zweifelsfall werden die Gräben nur vertieft. Mit ernsthafter, auch konstruktiver Kritik – wie in Deinem erwähnten Video – bringt man dagegen auch Andersdenkende zum Nachdenken. Hier z.B. ein früher TED-Vortrag von J. Haidt zu liberalen vs. konservativen Moralvorstellungen:
    http://www.youtube.com/watch?v=vs41JrnGaxc

  30. @ Michael Blume

    Lieber Herr Blume,
    Sie schreiben: „ie einzelnen Aspekte sind in Beiträgen mit teilweise hunderten (!) Kommentaren intensivst durchdiskutiert worden… Nur schaffe ich es zeitlich wirklich nicht, für Neueinsteiger die ganzen Fragen jeweils wieder aufzurollen“. Das lasse ich nicht gelten. Ich habe, einfach lebensalterbedingt, vermutlich schon viel mehr Aspekte diskutiert und das Ergebnis publiziert als Sie, und trotzdem versuche ich, auf Argumente mit Argumenten zu antworten, statt zu schreiben: lesen Sie nach. Natürlich, manchmal geht es nicht anders, meist aber schon. Im Übrigen müssen Sie mir keine „Grundbegriffe erklären“, so sehr Laie bin ich nicht, sondern einfach auf Fragen oder Kritik antworten. Schreiben Sie mal einen Kommentar bei mir, dann können Sie sehen, wie ich das meine.

    „Mit Streetslang meinte ich Wendungen wie ’schlachten‘, ‚leiden‘, ‚deutsche Sprak‘ etc.“ Wieso „leiden“ „Streetslang“ sein soll, müßten Sie mir erklären. Das kommt doch eher in Bibelarbeitskreisen vor, und damit werden Sie doch wohl meine Art zu schreiben nicht in Verbindung bringen wollen. „Deutsche Sprak“ ist der Titel eines satirischen Blogs; ich hoffe, Sie versuchen jetzt nicht auch noch, dafür Regeln aufzustellen. „Schlachten“ steht da, weil vorher „Vernichtungsschlachten“ stand, und das ist an dieser Stelle kein Slang, sondern eine wohlüberlegte Bezeichnung dessen, was ich über den Kampf zwischen Paradigmen sagen wollte.

  31. „Basher“ und die Feststellenden

    Lieber Herr Blume, wenn Sie nicht die bekanntermaßen schwierigen Konzepte des Islam öffentlich analysieren wollen, ist das, wie geschrieben, völlig OK, nur nehmen Sie sich so nicht die Grundlage über die Islamkritiker zu urteilen?

    Nur mal so zum Vergleich: Sie kennen ja die völlig unangemessene Kritik am Christentum, die oft aus humanistischen Kreisen stammt und die von Ihnen ja auch mehrfach zurückgewiesen worden ist. Dem Schreiber dieser Zeilen missfiel an der Christentumskritik zudem auch das Ausbleiben oder die Seltenheit der Kritik an anderen Religionen. Hier war dann unübersehbar, dass nicht mit ein und demselben Maßstab gemessen worden ist. Das bedarfsweise Anlegen unterschiedlicher Maßstäbe gilt aber als unethisch.

    Verstehen Sie was gemeint ist?

    Zu Ihren sozialpolitischen Ausführungen noch: Dr. W muss gestehen als Antikommunist vor 1989 regelmäßig gegen den Ostblock oder den real existierenden Sozialismus (so nannte man das damals) argumentiert und diesen als verbrecherisch eingeordnet zu haben. Auch damals gab es, wie der Schreiber dieser Zeilen findet, plumpe Versuche Ausländerhass oder zumindest Probleme mit bestimmten Gruppen zu unterstellen. – Ganz am Rande: Churchill galt vor 1939 (!, 1939, nicht 1933) als Hetzer für einige und Chamberlain, der immerhin die demokratische Tschechoslowakei aufgab, als Kandidat für den Friedensnobelpreis (während Oswald Mosley bemerkenswerterweise politisch lange Zeit gut ankam und erst Mitte 1940 interniert worden ist).

    MFG
    Dr. Webbaer

  32. Herr Webbar

    Ich kann Sie nicht verstehen. Dr.Blume hat doch vielfach geschrieben, dass er kein Problem mit Kritikern hat, nur mit Bashern. Sie haben vielleicht ein Problem mit dem Islam, jemand anderes mit der Kirche oder der Evolution. Ihr seid ja voll fixiert! Könnt Ihr auch mal aufhören? Geht’s noch?

  33. @Tessa

    Das hat eine History oder Vorgeschichte. Islamkritik wird hier regelmäßig sozialpolitisch eingeordnet, manche meinen: pathologisiert und auf Bashertum oder Ähnliches zurückgeführt und zwar ohne jemals auf die Argumente (die Konzepte des Islam) einzugehen.

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich natürlich gerne ausklinkt, falls eine grundsätzliche Behebung der Probleme bzw. der gegenseitigen und teilweise falschen Einordnungen an dieser Stelle nicht erwünscht ist)

  34. Echt?

    Evolutionsbasher könnten doch dies auch beklagen, schliesslich geht es bei diesem Blog um Evolutionsforschung. Warum manche immer nur vom Islam schreiben wollen, verstehe ich nicht. Einstmals gegen Juden, jetzt gegen Moslems, ist doch öde. Ich will lieber wieder was zum Blogtopic Evolutionsforschung lesen, 21.Jahrhundert. Um Islam geht’s doch bei Herrn Hamdan im Blog nebenan.

  35. @Webbär & Tessa

    Also, den Islam möchte ich auf dem Blog so oft behandeln wie andere Weltreligionen auch. Schwerpunktmäßig geht es aber weiterhin um die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religion(en). Verbindend biete ich gerne an, bald ein Buch vorzustellen, das Hintergründe des Sarrazin-Bandes erkundet.

  36. Evolutionsforschung Religionen

    Schwerpunktmäßig geht es aber weiterhin um die Evolutionsforschung zu Religiosität und Religion(en).

    Das wäre Dr. W sehr recht, die Religionen sind die Grundlagen der Kulturen und haben zivilisatorisch einen hohen Wert. Kapseln Sie bspw. die Interaktionsgrundlagen wie bspw. das Kooperationsverhalten mit den möglichen Strategien Eskalation, Deeskalation und angemessene Reaktion/Vergeltung – jeweils bezogen auf Kooperationsbrüche und alles auch bezogen auf den gesellschaftlichen Makro-Bereich.

    Zudem muss der Mensch (oder Bär) ja auch an etwas glauben, es ist ja nicht so, dass die Religiösität verschwindet, wenn (bekannte) Religionen verschwinden.

    Gerne aber dann auch sachnah, also die Konzepte beachtend und ohne Einordnungen a la „Basher“ oder „Nicht-Basher“ bezogen auf (_andere_) Einordnende.

    MFG
    Dr. Webbaer

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