Han Solo und Franziskus, Chewbacca und Christus – Eine gemeinsame Heldenreise, ein Monomythos?

Natürlich: Weihnachten ist das Fest des weltweit mächtigste Mythos – mit historischem Kern – von der Geburt des Einen Gottes vor über 2.000 Jahren in eine Familie von Flüchtlingen unter ärmlichen Verhältnissen in Bethlehem. Insofern war ich schon nach dem Gottesdienst gut auf das Thema „Mythen“ eingestellt, zumal sich mit einer eingeladenen, syrisch-irakischen Familie gute Gespräche über die biblische und die koranische Weihnachtsgeschichte ergaben.

Doch es waren dann zwei Geschenke meiner Ehefrau, die mich spontan an eine Theorie des Literaturwissenschaftlers und Mythenforschers Joseph Campbell (1904 – 1987) erinnerte: In „Der Heros in tausend Gestalten“ (1949) hatte Campbell behauptet, dass alle erfolgreichen Mythen (auch vor und neben dem Christentum) eine bestimmbare „Heldenreise“ beschrieben. Sogar noch zehn Jahre vor ihm hatte J.R.R. Tolkien (1892 – 1973) in „On Fairy Stories“ bereits die Auffassung vertreten, dass jede gute, fantastische Geschichte mit dem Evangelium verwandt sei und vor allem eine „Eukatastrophe“ – einen Sieg des bedrängten Guten über ein vermeintlich überragendes Böse – enthalte.

Über die Haltbarkeit dieser bald so genannten „Monomythos-Theorie(n)“ wurde ebenso intensiv diskutiert wie über die genaue Zahl und Form der Stationen. Konnte es wirklich sein, dass hinter den Mythen von Chewbacca und Han Solo die gleiche Struktur verborgen war wie hinter der Geschichte Jesu, die Papst Franziskus in seinem Buch über Gottes Barmherzigkeit auslegte? War dies der Grund, warum so völlig unterschiedliche Erzählungen die gleichen Menschen anzusprechen vermochten?

chewbaccahansolofranziskusweihnachten1216Bescherung zum Nachdenken. Foto: Michael Blume

Eine moderne und sehr kompakte Form des Monomythos stammt von dem Drehbuchautor Dan Harmon, der einen nur noch 8-teiligen Storykreis als Grundlage jeden erfolgreichen Mythos lehrt.

Nach Harmon entfalte sich die Struktur nach folgenden acht Etappen:

  1. You: Ein Charakter (geeignet zur Identifikation) befindet sich in Sicherheit.
  2. Need: Doch etwas wird benötigt.
  3. Go: Deswegen erfolgt der Aufbruch in eine nichtalltägliche Welt.
  4. Search: An diese Welt wird die Anpassung gesucht.
  5. Find: Diese gelingt, das Gesuchte wird gefunden.
  6. Take: Doch dafür ist ein hoher Preis zu zahlen.
  7. Return: Nun erfolgt die Heimkehr.
  8. Change: Doch der Charakter und die Welt haben sich für immer verändert.

Ob Jesus (Evangelium), Rotkäppchen (Brüder Grimm), Frodo (Herr der Ringe), Luke (Star Wars) oder Neo (Matrix) – aus der Perspektive des jeweiligen Helden bzw. der Heldin scheint mir Harmons Storykreis zuzutreffen.

danharmonstorykreisStorykreis nach Dan Harmon

Tatsächlich hatte ich ja über den „You“-Start des Storykreises, das Angebot an identifkationsfähigen Helden in Star Wars, gerade einen ganzen Artikel veröffentlicht.

starwarsmythenblumebaugeruest1116

Und sinnigerweise entfaltete sich eine dem harmonschen Storykreis entsprechende Geschichte sogar, als wir Blumes heute Mittag spontan anstelle eines Brettspiels ein Fantasy-Rollenspiel zusammen spielten. Das Abenteuer auf Basis von Dungeons & Dragons hatte ich in großer Eile entworfen und war im Nachhinein überrascht, dass die Gruppe nach dem schon klassischen Treffen in einer gemütlichen Herberge (1.), wo sie von einer edlen Dame ihren Auftrag erhielten (2.), daraufhin umgehend das Dorf verließen (3.) und einen nassen Steilweg sowie eine bewachte Brücke überwanden (4.), um schließlich das gesuchte Einhorn rechtzeitig zu finden (5.), um es vor Jägern und Orks zu schützen (6.) und dann – geheilt – aus dem Eisenwald heim zu kehren (7.), um Erfahrungspunkte und Fähigkeiten gereift und im Bewußtsein, Faerun ein edles Wesen gerettet zu haben (8.).

fantasyrollenspielblumes1216Führen auch gemeinschaftlich erzählte Fantasy-Geschichten in den harmonschen Storykreis? Ende einer Fantasy-Rollenspielsession. Foto: Michael Blume

Aus meiner Sicht ergeben sich zur Monomythos-Theorie nach Dan Harmon drei Möglichkeiten:

1. Der harmonsche Storykreis ist falsch oder zumindest schwach.

Dies wäre einfach nachzuweisen, indem mehrere erfolgreiche Erzählungen aufgezeigt würden, die der Struktur des Storykreises widersprächen.

2. Der Storykreis ist Ergebnis einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung (kulturelle Prägung).

Dass Jahrtausende kultureller Prägung durch die jüdisch-christliche Mythenwelt und eben besonders die Evangelien sich tief in Erzählerwartungen einprägen, scheint keine gewagte These zu sein. Und gerade auch Campbells „Heros“ wie auch zahlreiche Nachfolgewerke könnten dann wiederum Buch- und Drehbuchautoren beeinflusst haben – auf Campbell berief sich beispielsweise ausdrücklich der Erfinder von Star Wars, George Lucas. Der Drehbuchator und Mythentheoretiker Dan Harmon hätte dann eben auch „nur“ die kulturelle Prägung ausgedrückt, die ihm selbst überliefert worden ist.

Für diese Variante spräche es, wenn wir außerhalb und neben dem Christentum Erzählungen fänden, die nicht dem harmonschen Storykreis entsprächen.

3. Der harmonsche Storykreis ist ein Ergebnis unserer evolutionär veranlagten Psyche.

Denkbar ist schließlich natürlich auch, dass Tolkien, Campbell und heute Dan Harmon Recht haben und eine bestimmte Struktur des Monomythos tief in unserer angeborenen Psyche verankert ist. Dies würde bedeuten, dass ich an das vor vielen Jahren für ein Uniseminar bearbeitete Thema der evolutionären Psychologie von Mythen und Fantasy noch einmal herangehen könnte, um zu schauen, ob sich neue Erkenntnisse ergeben.

PsycheFantasiedesMenschenBlumesciebook.

Nun bin ich aber einfach gespannt auf Ihre Einschätzung. Was meinen Sie zu Dan Harmons Monomythos-Storykreis? 1, 2 oder 3 – oder nochmal ganz anders?

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

37 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eine „Eukatastrophe“, ein Sieg des bedrängten Guten über ein vermeintlich überragendes Böses, trifft natürlich auch auf die Filme „Independence Day“ und „Independence Day: Wiederkehr“ zu, und auch auf alle anderen erfolgreichen Verteidigungskriege.
    Bei erfolglosen Verteidigungskriegen gibt es viel weniger überlebende Erzähler, und diese Erzählungen eignen sich auch viel weniger als Gutenachtgeschichten.

    • Es ist ein evolutionäres Verhaltensmuster für Überlebende und Überlebenswillige, und die kulturellen Verhaltensempfehlungen unterliegen ebenfalls dieser Evolution.
      Der harmonsche Storykreis ist genau so gut auf die Schwammerl-Suche anwendbar, wie auf Independence Day: Wiederkehr.
      1.) You: Wir befinden uns vorerst in Sicherheit.
      2.) Need: Bessere Waffen gegen die Alien-Invasion werden benötigt.
      Das überragende böse Riesen-Alien-Raumschiff (bester Dialog):
      „Es landet auf dem Atlantik.“ „Auf welchem Teil?“ „Auf dem ganzen!“
      3.) Go: Wir holen uns tapfer und listig ein Beute-Objekt vom Mond.
      4.) Search: Wir fliegen in das riesige Alien-Raumschiff hinein.
      5.) Find: Das Beute-Objekt vom Mond erweist sich als hilfreich.
      6.) Take: Der Ex-Präsident opfert sich in einer Kamikaze-Aktion.
      7.) Return: Die Notlandung mit dem brennenden Raumschiff ist ein Standard-Rückkehr-Verfahren in der Science-Fiction, weil man dann sieht, wie tapfer die Helden sind.
      8.) Change: Jetzt haben wir bessere Anti-Alien-Waffen und einen verbündeten Alien.

      • Vielen Dank, @Karl Bednarik! Gerne würde ich ergänzen, dass man den Storykreis und das Motiv der Eukatastrophe nicht nur auf Action-, sondern auch auf Liebesfilme anwenden kann – denken wir beispielsweise an „Tatsächlich Liebe“, in dem gleich mehrere, miteinander vernetzte You-Charaktere durch den Storykreis gehen. Wohl nicht ganz zufällig wird dieser Film zunehmend zu einer Weihnachtstradition von immer mehr Paaren und Familien.

        • Hallo Michael Blume, der Unterschied zwischen den Liebesgeschichten und den Raumschiffen mit Nuklearwaffen ist, dass nur die ersteren dem Durchschnittsmenschen leicht zugänglich sind.
          Deshalb existiert ein unterhaltungsmäßiges Kompensationsbedürfnis nach den Raumschiffen mit Nuklearwaffen.

          Nachtrag zur Schwammerl-Suche nach Harmon (Schwammerln sind Speisepilze, Anmerkung des Übersetzers):
          1.) You: Ich bin satt.
          2.) Need: Ich habe Humger.
          3.) Go: Ich gehe in den Wald.
          4.) Search: Ich suche Schwammerln.
          5.) Find: Ich finde Schwammerln.
          6.) Take: Ich versäume zwei Folgen von Stargate Atlantis.
          7.) Return: Ich schleppe mich und die Schwammerln nach Hause.
          8.) Change: Ich bin satt, und bestelle mir Stargate Atlantis auf DVD.

          Regelungstechnik nach Harmon:
          1.) You: Istwert ist gleich Sollwert.
          2.) Need: Istwert ist nicht gleich Sollwert.
          3.) Go: Regelsystem aktivieren.
          4.) Search: Abweichung ermitteln.
          5.) Find: Stellwert berechnen.
          6.) Take: Energie für die Stellmotoren abgeben.
          7.) Return: Regelsystem deaktivieren.
          8.) Change: Istwert ist gleich Sollwert, Energie wurde verbraucht.

          • Wow, @Karl Bednarik – der kreative Verweis auf die „Regelungstechnik“ gefällt mir sehr und könnte tatsächlich eine Brücke zu system- und informationstechnischen Forschungsthesen schlagen. Danke, sehr gut! 🙂

          • Hallo Michael Blume, mit der Regelungstechnik, mit Istwert, Sollwert und Stellwert kann man praktisch alle Vorgänge beschreiben, ob Mensch, Tier, Roboter, genetische Evolution, Thermostaten und auch den Wasserstand in der Toilettenspülung.
            Das mathematische Vorgehen der iterativen Approximation, also das muntere Zahlenraten, beruht ebenfalls auf der Regelungstechnik (zu hoch? zu tief? nochmal versuchen, aber diesmal näher dran).
            Christliches Paradies: optimaler Istwert, buddhistisches Nirwana: minimaler Sollwert, gemeinsam ist die Minimierung der Differenz zwischen Sollwert und Istwert, damit das Regelungssystem endlich Ruhe hat.

  2. Lieber Herr Blume,
    zu evtl. Verankerungen in der Psyche etc. kann ich nichts sagen. M.E. wäre aber einmal zu prüfen, wie es denn in vorchristlichen Kulturen aussieht. Auf einen ersten Blick käme man doch durch, wenn man die Monomythos-Theorie z.B. auf die Ilias (Cliffhänger mit Achilles Tod, dann aber Ergänzung durch die Odyssee bzw. die Tragödien des Euripides) und das Gilgamesch-Epos (in der Zwölftafelfassung) anwendet. Der gnostische Erlösermythos weist in dieselbe Richtung … Also rein forschungstechnisch noch genug zu tun.

    • Da stimme ich Ihnen völlig zu, @Frank Zeeb! Gerade auch Joseph Campbell sah die „Heldenreise“ in den genannten, vorchristlichen Mythen und Tolkien entwickelte sein Konzept der „Eukatastrophe“ auch an seinen Forschungen zum „Beowulf“ sowie zu vorchristlichen, finnischen Sagen wie dem Kalevala:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Kalevala

      Weitere Forschungsarbeiten zum Thema – beispielsweise auch unter Einbeziehung vorchristlicher, afrikanischer Mythen – wären tatsächlich sehr zu begrüßen!

      • Ich kenne mich zwar nicht mit afrikanischen Mythen aus, aber der malische Fantasyfilm „Yeelen“ von Souleymane Cissé (auf einer Schweizer DVD erhältlich) ist ein schönes Beispiel für eine kombinierte Helden- und Initiationsreise. In Harmons Schema passt die Handlung aber nur teilweise. Da muss vor allem ein übermächtiger und tyrannischer Vater überwunden werden, um das eigene Überleben zu sichern.

  3. Der Storykreis,
    was sonst? welche Möglickeiten hat ein Mensch? (außer er scheitert)
    Er verlässt den Familienkreis, er muss sich in der Fremde bewähren, besiegt dabei das Böse (auch in sich selbst) und kehrt geläutert zu seinen Wurzeln zurück.
    Das Märchen von Hans im Glück beschreibt das sehr treffend.
    Jesus passt da nicht so ganz in das Schema. Er war sich seines Auftrages bewusst und kannte auch den Ausgang.
    Was soll in diesem Vergleich zu Heldenmythen ausgesagt werden?

    • @Laie16

      Nun, gerade auch die Jesus-Überlieferung entspricht der „Heldenreise“ und dem Storykreis. Von einer Geburt als „Gottes Sohn“ und doch Kind unter Armen über verschiedene Verfolgungen (angefangen beim herodianischen „Kindermord von Bethlehem“) bis zur Bereitschaft (gegen alle Angst und Zweifel) am Ende, sein Leben herzugeben und „heim zum Vater“ zu kehren und dadurch die Welt zum Besseren zu verändern, finden wir alles darin.

      Nicht zufällig reüssierte eine Verfilmung von 1965 unter dem Titel „The Greatest Story Ever Told“, deutsch: „Die größte Geschichte aller Zeiten“.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Die_gr%C3%B6%C3%9Fte_Geschichte_aller_Zeiten

      Nach Auffassung von Tolkien, Campbell et al. wären weder die Gestalt noch der Erfolg dieser Geschichte als Zufall zu verstehen.

      • Daß der Jesus-Mythos von diversen griechischen und mesopothamischen Göttersagen abgeschrieben ist, ist doch hinreichend bekannt. Oder irre ich mich da ?

        • Nein, Sie irren sich da nicht, @Andreas Neuthe – Sie sind nur nicht mehr ganz Up-to-date. Nach einer Phase modischer Dekonstruktion (wie sie auch mit Bezug auf Moses, Mohammad etc. immer mal wieder versucht wird), hat die seriöse Forschung heute eigentlich keinen Zweifel mehr, dass Jesus auch real existierte. Und die stärksten, literarischen Einflüsse auf die Evangelien hatte die hebräische Bibel, die sich wiederum aus vielen Flüssen speiste.

    • Lieben Dank, @tobmat – Sie haben völlig Recht! Den SdW-Artikel von Julien d’Huy hatte ich mit großem Interesse und auch Genuss gelesen und hoffe, dass auch dieser m.E. sehr vielversprechende Forschungsweg die (bio-)kulturelle Evolution von Mythologien immer besser verstehbar machen wird. Wäre es nicht großatzog und für das Selbstverständnis und auch Zusammenleben der Menschen hilfreich, wenn wir mehr Ressourcen in interdisziplinäre Projekte zur Erforschung von Mythen und Geschichten investieren würden?

  4. Campbells Monomyth kam ja auch bei REMID schonmal zur Sprache, wen wundert’s – im Kontext digitaler Spiele und Religion: http://www.remid.de/blog/2014/03/deus-ex-machina-religionen-in-digitalen-spielen/

    Allerdings hatte er da auch die verführerische Kraft eines religionsphänomenologischen Zauberhuts, der überall passt (oder wie beim Heiligen Rudolf Ottos passend gemacht wird). Andererseits gilt für den Bereich digitaler Spiele, dass auch viele Spiele-Designer Campbells Monomyth rezipierten, die Spiele sich also tatsächlich daran orientieren. Und das wird vielleicht sogar für den einen oder anderen Regisseur eines Abenteuerfilms gelten.

    Ich finde die bunte comic-mäßige Darstellung der Heldenreise nach Campbell, wie wir sie rezitieren, auch zielführender, um über eine religionsbezogene Bedeutung nachzudenken. Passabler als die Variante nach Harmon.

    Insofern vermisse ich in diesem Artikel das Wort „Initiation“. Der Schlüssel wäre demnach die Transformation nach einem symbolischen Tod. Das steckt bei Harmon irgendwo zwischen „Find“ und „Take“. Initiationen verweisen zunächst auf die Mysterien der Antike. Der Eingeweihte weiß um das Geheimnis des Todes, deshalb werden Mysterien wie die von Mithras oder Isis-Osiris ja auch gerne als potenzielle Quelle von religiösen Ideen des dann entstehenden Christentums gesehen. Noch allgemeiner spielen Initiationen aber zudem eine Rolle in „Bruderschaften“, ich denke jetzt noch nicht an initiatorische Gesellschaften der Neuzeit, sondern eher an traditionelle Verbände in ethnischen Religionen, in denen die Männlichkeit mit einem Ritual erworben wird. Nur von diesem Aspekt her wäre zu fragen, inwiefern das ein patriarchaler Weg ist, den die Heldenreise beschreibt. Auch die seltsam aufscheinende scheinbare Verbindung von Männlichkeit und Jenseits ist vielleicht nicht zufällig.

    Andererseits ist die Vereinnahmung dieser vermeintlich als „natürlich“ angesehenen Initiationsriten, welche die Völkerkunde vereinzelt beschrieb (sie waren bzw. sind ja „geheim“), durch moderne Autoren (welche über Krisen der Männlichkeit sinnieren), auch skeptisch zu hinterfragen: Wie allgemein ist dieses Phänomen wirklich? Wikipedia (dt.) bringt nur ein Beispiel aus Papua-Neuguinea (neben den antiken Mysterien), ich kenne „Bruderschaften“ als besondere soziale Elitenformation in Afrika, bei amerikanischen Initiationsriten (z.B. die Story mit dem Ameisenhaufen) ist mir nicht mehr klar, welche aus fiktiver und welche aus ethnologischer Literatur zu mir kamen.

    Jedenfalls verschmelzen Mannwerdung und Gottwerdung in diesem Szenario. Der „Satanismus“ der okkulten Gesellschaften im 20. Jahrhundert, also die Selbstvergottung, ist im Grunde schon im indigenen Mannwerdungsritual angelegt. Und auch das Christentum wäre nur eine besondere Variante davon, insofern der Mensch (ein Mensch: Jesus) im Tod Gott wird, als Gottes Sohn den Tod überwindet und den Menschen das ewige Leben bringt.

    Aber was sind die Voraussetzungen für dieses Szenario?
    Gilt es auch im Hinduismus / Daoismus / Buddhismus? Ich kenne mich mit indischen oder chinesischen potenziellen Initiationsriten der Mann- oder Frauwerdung nicht aus. Der Einbau solcher Lehren in europäische „okkulte“ Initiationssysteme lässt jedenfalls darauf schließen, dass trotz der Differenz von Wiedergeburt / ewiges Leben versus Austritt aus dem Kreislauf der Wiedergeburten / Verlöschen eine grundsätzliche Kompatibilität zu bestehen scheint von Ideen der Erleuchtung und der Selbstvergottung, auch wenn etwa im Hinduismus da eigentlich eine Differenz gesehen wird, und es schlecht ist, zu gut zu sein, da man sonst als Gottheit wiedergeboren wird, was bedeutet, dass die nächste Chance auf Erleuchtung / Verlöschen in weite Ferne gerückt ist, da diese leidigen Götter unsterblich sind (vgl. https://books.google.de/books?id=4WZTj3M71y0C).

    Nun mag sogar die Mythe um das Ballspiel der Maya letztlich in diese Richtung deutbar sein: Der Populvuh „erzählt unter anderem die Geschichte der Zwillinge Hunapuh & Xabalanque, die die Götter der Unterwelt XIBALBA in einem trickreichen Ballspiel besiegten und die Menschen befreiten. Zuvor wurde ihr Vater der Maisgott in der Unterwelt getötet und schwängerte die Mondgöttin, die die Zwillinge gebar“ (http://www.gertomat.de/maya/mayamyt.html). Allerdings wäre das dann in der Umsetzung als Ritual (wenn man denjenigen folgt, die annehmen, es würden die Sieger geopfert, vgl. z.B. http://www.geo.de/geolino/wissen/9752-rtkl-geschichte-der-maya-ballspiele-bei-den-maya-kampf-um-leben-und-tod) eine ziemliche Klartext-Version unserer Story: Die Mannwerdung als Tötung.

    Jedenfalls eine Sache ist deutlich geworden: Es geht auch irgendwie um Gender bei der Fragestellung. Dabei wäre das Spannende (neben dem Eruieren einer weiblichen Frauwerdungsstory), ob es auch möglich wäre, eine allgemeinere Menschwerdungsstory zu erfinden…

    Einen guten Rutsch wünschend.

    • Lieben Dank, @Christoph!

      Tatsächlich habe ich bei Campbells „Heldenreise“ einen ähnlichen Bauchschmerz wie Du: Da er die Heldenreise selbst als ansprechend „farbige“ Story präsentiert, sehe ich die größere Gefahr, dass wir über unsere Faszination dafür andere Phänomene vorschnell dazu „passend machen“. Der distanziert-kühlere („säkularisierte“) Storykreis nach Dan Harmon erscheint mir daher für die auch distanzierte Analyse besser geeignet zu sein.

      Und, oh ja, Genderfragen lassen sich damit auch aufwerfen – bewusst hatte ich mit Rotkäppchen auch die Storykreis-Mythe um eine weibliche Heldin erwähnt. Und sowohl in Star Wars-Episode VII wie auch in „Rogue One“ wird die Heldenreise auf Heldinnen angewandt. Sinnigerweise diskutieren kluge Fans auch bereits den Umstand, dass das heroische Opfer von Jyn & ihren Gefährten dann in Episode IV „verschwiegen“ werde… 😉

      • Lieber Michael,
        wenn man die Sache mit Männerrolle und symbolischem Tod (oder einen „hohen Preis zahlen“ nach Harmon) ernst nehmen möchte, also da einen bestimmten Typus von Narrativ ausmacht, dann wäre ein typisches patriarchal-misogynes Beispiel für ein „weibliches Narrativ“ eher Effi Briest, diverse Legenden weiblicher Heiliger könnten hier ebenfalls eingeordnet werden. Im übrigen auch Rotkäppchen, das in den Standardversionen ja nicht selbstätig obsiegt, sondern durch einen Jäger aus dem Wolfsbauch geholt wird. Wobei Rotkäppchen zugegebenerweise etwas unentschieden ist: Normalerweise würde eine solche Story entweder das Ertragen aller Mühsal durch die tugendhafte Frau am Ende belohnen oder es ist eine Story, wo ein Fehltritt radikal bestraft wird. Der Mythenspekulant würde hier seine hohe Kunst anwenden und behaupten, dass vermutlich die ursprünglichere mündliche Fassung von Rotkäppchen (also vor Charles Perrault 1695, von dem die Grimms abschrieben) noch vor dem Auftauchen des Jägers endete. Die Kinder des Aufklärungszeitalters, Perrault und die Grimms, hätten also daraus wieder eine männliche Heldensaga gemacht, obwohl der eigentliche Protagonist der Story dann nur die letzten fünf Minuten hätte. „Rogue one“ wiederum habe ich mir noch nicht angesehen. Und jetzt habe ich mir einen Spoiler gegönnt. Jedenfalls wage ich vorauszugreifen, dass mir hier eher die männliche Heldensaga auf eine weibliche Protagonistin angewendet wird. Wie gesagt, dass alles unter der versuchten Modellierung unterschiedliche Typen von Narrativen auszumachen. Die Kunst wäre ja ein spannendes Weder-Noch oder Sowohl-Alsauch.

        • Lieber Christoph,

          ob die Heldenreise auch eine Heldinnenreise sein kann, oder ob es einen eigenen Typus der Heldinreise gebe, wird z.B. hier diskutiert:
          https://schreibkasten.wordpress.com/2016/12/26/die-heldinnenreise/

          Für mich bleibt dabei jedoch die Frage offen, ob wir da nicht kultur- und zeitgebundene Vorurteile über „Mann“ und „Frau“ vorschnell verallgemeinern. Ich kann z.B. (um mal von Star Wars auszugehen) zwischen Ahsoka, Jyn und Rey einerseits sowie zwischen Esra, Luke und Han andererseits bislang keine grundlegenden Unterschiede im Storykreis erkennen…

  5. Die Idee eines Monomythos oder Storykreis erweckt den Eindruck, ein Mythos hätte sich in tausend Varianten entfaltet. Sollte man nicht besser unterscheiden zwischen Story/Mythos und Erzählstruktur?
    Die Erzählstruktur ist wahrscheinlich sehr weit verbreitet und beinhaltet die Idee der Bewährung unter Gefahr. Die erfolgreiche Bestehung verändert die Akteure und damit ihre Welt. Das entspricht durchaus gewissen menschlichen Erfahrungen und ähnliches findet man wohl in zahlreiche erzählerischen Gattungen. Man kann durchaus sagen, der Mensch ist ein homo narrans.
    Eine Erzählstruktur ist aber keine Geschichte oder Mythos. Also: die behandelte Erzählstruktur ist wohl eine anthropologische Veranlagung, die mit unterschiedlichen Mythen/Geschichten gefüllt wird, ohne dass diese Geschichten untereinander genetisch zusammenhängen.
    Es gibt auch Geschichten, die kein Happy End haben, die griechische Mythologie ist voll davon, Theseus Fahrt nach Kreta (er lässt Ariadne sitzen und setzt kein weißes Segel, so dass sich sein Vater in den Tod stürzt), Jasons Argonautenfahrt (er versetzt Medea, dich sich grausam rächt). Es gibt also auch eine tragische Erzählstruktur in Mythen.

    • @Paul Stefan

      Zustimmung bzw. eine kleine Ergänzung dazu: Gerade Tolkien stieß sich daran, Drama und Tragödie in die gleiche Kategorie wie Fantasy einzuordnen – aus seiner Sicht gehörten Eukatastrophe und glückliches Ende notwendig zu Letzterem.

      Bewusst habe ich für Dan Harmons Storykreis nicht den Begriff „Mythos“ gebraucht, da sein Ansatz ja tatsächlich weiter greift und sowohl biografische Erzählungen wie Märchen, Legenden und Mythen zu umfassen beansprucht. Alle Mythen sind auch Erzählungen, aber nicht jede Erzählung wird zum Mythos.

  6. Paul Stefan,
    …….Erzählstruktur. Das ist der Schlüsselbegriff nach dem ich gesucht habe.
    Mythen und Religionen in einen Topf zu werfen ist nicht korrekt.

    • @Laie16

      Nun, Sie behaupteten: Mythen und Religionen in einen Topf zu werfen ist nicht korrekt.

      Abgesehen davon, dass nicht ganz klar wird, was Sie mit „in einen Topf werfen“ eigentlich meinen – wären Sie so freundlich, uns eine einzige Religion zu nennen, die ohne Mythen (=sinn- und gemeinschaftsstiftende Erzählungen) auskäme?

      Nein? Gibt es auch nicht.

      Nicht alle Mythen sind religiös, aber ohne Mythen gibt es keine Religion(en).

    • Vielen Dank, @Anderas – ein faszinierender Fund! Werde mir dafür gerne Zeit nehmen!

      Überhaupt bin ich sehr angetan, wie viele sehr verschiedene Menschen sich für dieses Forschungsthema und diesen Blogpost interessieren. Danke, das ist wirklich eine ermutigende Rückmeldung!

  7. Michael Blume,
    wenn man einen Mythos nur als gemeinschaftsstiftende Erzählung betrachtet. dann stimme ich Ihnen zu. Meine Vorstellung ging darüber hinaus in das märchenhaft Unwirkliche.
    Mit in einen Topf werfen, damit meine ich miteinander vergleichen.
    Jesus mit Phantasy Helden zu vergleichen, da sträubt sich mein Gefühl.

    • Lieber @Laie16,

      das „Gefühl“ verstehe ich, kann aber Entwarnung geben: Vergleichen heißt nicht Gleichsetzen und Analysieren nicht Reduzieren.

      Dass die Überlieferungen zu Jesus auch als Mythen funktionieren und vergleichend erforscht werden können, bedeutet nicht, dass sie nur Mythen sein müssten. Dass Jesus Mensch war bedeutet laut christlicher Theologie ja ebenfalls nicht, dass er nur ein weiser Mensch gewesen wäre. Religionswissenschaft nimmt stets das Erforschbare in den Blick, reduziert aber nicht.

  8. Michael Blume,
    ……dieser Jesus von Nazareth wird ja von den Juden nur als Prophet gesehen, für die Christen ist er Gott. Einschränkenderweise muss man sagen, dass dies auf einem Konzil so festgelegt wurde. Jesus selbst hat sich als „Menschensohn“ bezeichnet.
    Ich bin mir da noch nicht sicher, was ich denken soll.

    • Was den Menschensohn oder anders gesagt den Sohn des Menschen betrifft und mit dem Menschen ist niemand anders als Adam (hebr. Mann, Mensch) gemeint, dann liest man in der Bibel von ihm unter der Bezeichnung Barabbas (hebr. Sohn des HERRN). Dieser Barabbas, der gekreuzigt werden sollte und mit vollem Namen Iesous hò Barabbas hieß, dem wurde anstelle eines anderen, den wir unter dem Namen Jesus Christus kennen, das Leben geschenkt. War Jesus Christus Gott in Menschengestalt? Mitnichten, er war ein Niemand, ein armer Schlucker, ein Weinsäufer, der sich gerade mal so als Opfer geradezu anbot, als die Frau von Pontius Pilatus ihren Mann wie folgt darum bat, daß dem Gerechten, womit sie Jesus (Iesous hó Barabbas) meinte, nichts geschehen solle:

      Matthäus 27:19Während er auf der [Richter]bühne saß, schickte seine Frau zu ihm [und ließ ihm] sagen: „Nichts [sei zwischen] dir und jenem Gerechten; denn ich habe heute i[m] Traumgesicht viel um Seinetwillen gelitten.“ (Konkordantes NT, wortwörtliche Übersetzung des griechischen Urtextes, so weit noch vorhanden).

      Aus einem öffentlich nicht sehr bekannten Text geht hervor, daß der Mann, der unter dem Namen Jesus dann gekreuzigt wurde, namentlich wohl ein gewisser Karabbas gewesen sein soll. Der Name Karabbas und die hebr. Bezeichnung Barabbas scheinen zu Verwechslungen geführt zu haben. Interessant ist, daß heute immer noch vom Karfreitag die Rede ist.

      Klar, daß man sich kirchlicherseits scheute einen angeblichen Dieb bzw. Räuber, den Barabbas, zum Christus (Messias) zu erklären. So hielt und hält sich die Kirche lieber bis heute an dem Gekreuzigten fest, dem Karabbas, machte aus ihm schließlich sogar einen bzw. den Gott des Christentums. Man gab ihm die Bezeichnung: Jesus der gute Hirte. Über das Wort Hirte, was im Althochdeutschen ein Schöfer ist, dem absichtlich oder unabsichtlich kirchenlateinischerseits ein „P“ hinzugefügt wurde, kam es schließlich sogar zur Bezeichnung Schöpfer, was eine Bezeichnung für den Erschaffer der Welt geworden ist. Seltsam ist, daß dieselben Leute heute aber vom Urknall sprechen und im weiteren von Evolution und nicht von Kreation, wo es doch angeblich um Schöpfung geht in Bezug auf die Welt, inklusive allem anderen und einschließlich uns Menschen.

      Daß ein jüdischer Jesus existiert hat, der ein Handwerker war, sich dann aber entschloß lieber gegen die Römer zu kämpfen, wenn auch auf seine Art mit Worten anstelle von Waffen, da ist wohl mehr dran, als viele Menschen heute noch glauben möchten. Aber ein Blutopfer ist eher etwas, was zu den Hykussos (bed. Hirtenkönige) paßt, die sich unter anderem auch Israeliten nennen und es schließlich bis nach Rom geschafft haben, wo anstelle ihres früheren Oberhirten Mose, heute noch ein anderer Oberhirte residiert und sich selbst als heiligen Vater und Stellvertreter des Sohnes Gottes auf Erden bezeichnet. Eines Gottes, der womöglich, eher aber tatsächlich, nur imaginär existiert.

      Daß es hingegen wirklich einen ersten Menschen (Adam) gegeben haben muß, steht eigentlich außer Frage, denn von nichts kommt ja nichts. Und wenn das der Vater auch vom Barabbas, dem Menschensohn gewesen ist, was die Ahnenreihe betrifft und er der HERR ist, dann ist das nur eine andere Bezeichnung für Gott. Einen Gott aber, der vorstellbar ist und der Erde entsprungen ist, was auch die alten Germanen so sahen, bei denen er den Namen Tuisto hatte, und dessen Erstgeborener der Mannus war, was biblisch der Kain ist.

      Und was haben wir Deutsche eigentlich mit den Juden und Barabbas zu tun? Nun, die Niederländer nennen uns heute noch Duitsche oder Dutch, was deutsch bedeutet. Liest man das Wort dutch rückwärts, dann ergibt sich chtud, was gesprochen Jud, also Jude meint. Das Wort deutsch ebenso wie das Wort Juden bedeutet schlicht „Volk“. Und das es echte Juden (Kanaaniter) gibt und falsche (Kinder Israel, Hykussos, Israeliten), das geht aus den Versen Offenbarung 2:9 und 3:9 hervor, wovon aber leider nur die wenigsten Notiz nehmen.

  9. Hallo, in diesem vereinfachten Storystruktur fehlen jedoch wesentliche Begleitelemente. Als Beispiel mal von der „dunklen Seite der Macht gesehen“:

    1.You: Ein Charakter (geeignet zur Identifikation) befindet sich in Sicherheit.
    Ork ist langweilig, weil in Höhle sitzt.
    2.Need: Doch etwas wird benötigt.
    Ork gehen los, schlagen Mensch tot, fressen ihn. Braucht Ork nicht, aber Ork langweilig.
    3.Go: Deswegen erfolgt der Aufbruch in eine nichtalltägliche Welt.
    Ork gehen los.
    4.Search: An diese Welt wird die Anpassung gesucht.
    Ork sucht Fressen.
    5.Find: Diese gelingt, das Gesuchte wird gefunden.
    Ork findet Mensch.
    6.Take: Doch dafür ist ein hoher Preis zu zahlen.
    Ork verliert Schild.
    7.Return: Nun erfolgt die Heimkehr.
    Ork geht zurück.
    8.Change: Doch der Charakter und die Welt haben sich für immer verändert.
    Alle sagen, Ork doof, kommen Menschen, um zu rächen.

    Diese Story würde wahrscheinlich kein Bestseller werden. Auch andere Stories, die nur dieses System widerspiegeln, wären langweilig. Tatsächlich – das benennen Sie ja auch – fehlt zumindest eine Stufe, bei der mythologisch, göttlich oder sonst wie ein Auftrag erteilt wird. Und es fehlt die Stufe des Zweifels an der Mission und dem Auftrag bzw. die Versuchung durch das Böse. Zusätzlich kommen in fast jeder Geschichte ein oder mehrere Irrwege dazu. Möglicherweise noch die Stufe des Verrats.
    Grüße, Henrik Franz

    • Nun, tatsächlich gehörten Bücher mit orkischen (Anti-)Helfen zu den großen Erfolgen der letzten Jahre, @Henrik Franz…
      http://www.phantastik-couch.de/stan-nicholls-die-orks.html

      Dan Harmon würde Ihnen aber sicher zustimmen, dass der Storykreis nur die gemeinsame Grundstruktur erfolgreicher Erzählungen darstellt, keine erschöpfende Aufzählung. So gehören z.B. zu Bollywood-Filmen regelmäßig von der Handlung oft losgelöste Tanzszenen (im Regen, auf den Alpen, bei den Pyramiden etc.), die es so in anderen Filmkulturen nicht gibt. Dem Storykreis würden sie jedoch laut Harmon alle folgen…

  10. Möge die Macht mit euch allen sein und schönes neues Jahr.

    RIP Carrie Fisher hätte ihr einen Erfolg mit der neuen Trilogie gegönnt.

  11. Volver,
    ….Menschensohn
    Danke , dass Sie sich so viel Mühe gemacht haben, die Ereignisse über Jesus noch mal darzustellen. Anscheinend gibt es da auch andere Meinungen.
    Ob die Geschichte so, oder anders sich zugetragen hat, ist meiner Meinung nach zweitrangig. Entscheidend ist für mich die Vorbildfunktion des Jesus von Nazareth.
    Entscheidend ist seine segensreiche Wirkung auf jeden, der an Jesus glaubt.
    Wenn man Jesus als Gottes Sohn ansieht, macht man meiner Meinung nach nichts falsch.
    Ich wünsche Ihnen ein frohes Jahr 2017

  12. Pingback: Psiram » Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW51/52, 2016)

  13. Hallo Herr Blume,
    Ihre Überlegungen zur gemeinsamen Heldenreise zeigen einmal mehr, dass ich mit meiner Auswertung der historischen Kritik, wie des geschichtlichen oder theologischen Wissens, dass es sich beim historischen Jesus nicht um den heute in der Hochschullehre wie selbstverständlich vorausgesetzten jungen Mann handelte, sondern der antike Logos (aus Natur/Schöpfung abgeleitete Vernunftlehre, Sinn, heute reden wir von Evolution oder Ökologie), was kulturvernünftig ausgedrückt wurde, richtig liege.

    Während viele das von hellenistischen Reformjuden der antiken Bildungsmetropolen auf hochtheologische Weise verfasste und von Neuplatonikern, denen der Logos galt, herausgegebene Kultliteraturwerk noch wörtlich nehmen, scheint man sich hier einig, dass es sich nicht nur bei der Weihnachtsgeschichte um einen Monomythos handelt.

    Doch handeln die Heldensagen und Monomythen von jungen Männern, die so in den Himmel gehoben wurden? Oder geht es bei dem nach bestimmtem Schema beschriebenen Geschehen um die Hoffnung vom Sieg des Guten, Wahren… in einem evolutionären Prozess?

    Ja, die Geschichten brauchen Gesichter, menschliche Gestalten, die Menschen bewegen, nur so sind sie in Geschichte wirksam. Auch das lässt sich an den Monomythen beobachten. Doch wenn wir heute wissen, dass auch der in sog. Exilszeit entstandene bildlose prophetische Kult vom einen kreativen Ganzen bzw. was statt Göttergestalten unsagbar, aber schöpferisch wesentlich war und sein wird, sich alter Mythengestalten bediente. Wieso kommen wir auf die verrückte Idee, hellenistisch-jüdische Theologie-Literaten, die bekanntlich das prophetische-jüdische, wie das Erbe der griechischen (inzwischen in Vernunft erklärten) Göttermythen aufnahmen, hätten in einer Zeit, der nun die Vernunft heilig war, einen jungen Wanderkyniker zu Gott (was immer das dann auch ist) gemacht?

    Ihrem Rat bin ich übrigens inzwischen gefolgt und habe einen Blog begonnen. Hier wird beschrieben, wie Weihnachten der im kreativen Sinne kulturvernünftige Ausdruck von dem war, was damals Logos, heute Ökologie oder Weltvernunft heißt.

  14. Pingback: Die christliche Mythentheorie von J.R.R. Tolkien als Radiobeitrag - Evangelium & Fantasy » Natur des Glaubens » SciLogs - Wissenschaftsblogs

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