Gottes Spuren im Gehirn? Aufzeichnung einer Online-Lehrveranstaltung der KPH Wien #OpenReli

Ob Blog(s), Publikationen-Homepage, Audioblog, Radio, Wissenschafts-TV, Facebook, Twitter oder sciebooks – mir macht es weiterhin die größte Freude, (evolutionäre) Religionswissenschaft auf den verschiedensten Kanälen zu präsentieren und zum konstruktiven Gespräch einzuladen. Sollte Wissenschaft denn nicht „öffentlicher Dienst“ sein und wird sie nicht vorwiegend aus Steuer- und Stiftungsmitteln finanziert?
Entsprechend hatte ich mich auch sehr über eine Einladung der Katholisch-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems zu einem Online-Seminarabend im Rahmen von #OpenReli gefreut – einem neuartigen Lehrangebot. Dabei treffen sich Dozent(in), Moderator(in) und Studierende in einem Online-Seminarraum, wobei der Vortrag durch die Teilnehmenden per Chat-Funktion kommentiert und vor allem befragt werden kann. Ebenso konnte ich als Dozent auch mal Fragen – etwa zu Michelangelos „Gott erschafft Adam“ oder zur evolutionären Funktion des Sterbens – in den Raum stellen.

Die Vorbereitung und Zusammenarbeit mit Mag. Reinhard Weber machte große Freude – und am betreffenden Abend konnte ich mit meiner Familie noch gemütlich zu Abend essen und unseren Jüngsten mit Vorlesen ins Bett bringen, bevor ich entspannt „zum Seminar“ aufbrach; großartig! Das I-Tüpelchen für mich war schließlich auch die Zusage der KPH Wien, dass eine Aufzeichung des Seminarvortrages auf YouTube und damit auch für „Natur des Glaubens“ bereitgestellt werden könnte. SO stelle ich mir Zukunftsangebote in Lehre und Forschung vor!

Natürlich ist das Ganze noch ein Sammeln von Erfahrungen, auch mit der Software – so war das Zeitfenster wegen anstehender Wartungsarbeiten auf eine knappe Stunde beschränkt, es gab Probleme mit der Aufnahme und wir verloren die ganze Aufzeichnung der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde. Doch dank Reinhards großem Engagement übers Wochenende konnten Grafik- und Tondateien wieder zusammengeführt werden – und ich mag hoffen, dass es nicht das letzte Mal war.

Hier also die Aufzeichnung des Online-Seminarabends zum Thema „Spuren im Gehirn? Chancen und Grenzen der so genannten „Neurotheologie“„. Als vorbereitende Literatur hatte ich den Studierenden den Link zu „Wohnt Gott im Gehirn? – Zur Evolution der Religiosität“ übersandt.

NeurotheologieGehirnBlumeKPHWien2016

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke, das war erhellend!

    Eine Anregung um bei Prof. Linkes Ergebnissen weiterzumachen: Forschen Sie (oder regen Sie jemanden an es zu tun 🙂 ) an der neurophysiologischen und subjektiven Reaktion auf hebräische und arabische Comics im Vergleich zu Comics mit vokalisierender Schrift. Am besten gleich mit bilingualen Probanden, die jeweils etwa zur Hälfte in der einen bzw. der anderen Schrift primär sozialisiert wurden.

    Der Grad der Bildhaftigkeit der Comics (die man natürlich extra herstellen lassen müsste) wäre die zweite unabhängige Variable, um die Konkurrenz von Bilderkennung und Vokalergänzung weiter aufzuklären.

    Was ich mit ‚Bildhaftigkeit‘ meine ist am besten am Beispiel erklärt. Sie finden die gemeinte Variation der Bilder auf den Druck- (nicht PDF-) Seiten 52/3 von Scott McCloud, Understanding Comics, HarperPerennial (Jahr?).* Als PDF gibt es das hier:
    http://www.jessethompsonart.com/artpage/Pre_C_drawing_Video_files/Understanding%20Comics%20%28The%20Invisible%20Art%29%20By%20Scott%20McCloud.pdf

    *[[ Beim ggf. Kauf einer deutschen Ausgabe drauf achten dass es nicht eine durch zuviel Tinte ästhetisch versaute Ausgabe ist! Der Verlag hat da Mist gebaut und das Lesevergnügen schwer eingetrübt. Amazon.de hat ein Review mit Bildvergleich. ]]

    Man könnte die Bildhaftigkeit nicht nur in Abstufungen auf der dortigen Achse „Realität“—“Bedeutung“ untersuchen, sondern auch senkrecht dazu, ich nenne es mal vorläufig „Weltgehalt“—“rein grafischer Gehalt“.

    Das reicht locker für eine Dissertation, und parallel macht jemand seinen Master in grafischem Design. 🙂

    Darauf aufbauend käme der eigentlich religionswissenschaftliche Teil der Fragestellung: Variieren die Ergebnisse mit dem religiösen Gehalt des Inhaltes? Mit der Religiosität der Probanden? Das erfordert dann jeweils eigene Comics: ganz ohne religiösen Inhalt; Inhalt aus probandenfremden Religionen; aus Religion des Probanden-Umfeldes während des Heranwachsens aber nicht aktiven Glaubens; Inhalt aus Religion des eigenen aktiven Glaubens.

    Horizonte reißen auf…. Aber man wird ja noch träumen dürfen.

    Schönen Sonntag!

    P.S.: Läßt sich die psychedelische Tonqualtiät verbessern? Soooo dünne Leitungen hat doch heute kaum jemand mehr…

    • Michael Blume

      Vielen Dank für die Anregungen, @Comicfreund! Ich werde gerne mal über einiges nachdenken. 🙂

      Sorry für die Tonqualität, da muss einiges noch ausreifen – das Datenvolumen im virtuellen Seminarraum mit mehreren Teilnehmenden, Präsentation, Moderation und Chatfunktion muss je erstmal gebändigt werden. Bin froh, dass Reinhard Weber die zerstückelten Aufnahmedaten zusammenfügen konnte. Falls wir sowas nochmal machen, kriegen wir auch das sicher in höherer Auflösung hin. 🙂

  2. Ja, es ist traurig und erbärmlich.

    Da ist man in der Neurowissenschaft zu allerhand fähig, tut sich aber auf diesem Gebiet seit 100 Jahren schwer (man tat offenbar schlicht gar nichts).

    Das ganze ist noch nicht mal in den Kinderschuhen, wie es scheint. Dabei kann selbst ich, der nicht einmal annähernd eine vermeindlich nötige (Aus)Bildung (Schulabschluß) vorzeigen kann, bestätigen, dass „Gott im Hirn“ enthalten ist – und noch mehr recht konkrete Auswirkungen erzeugt. Das erbärmliche daran ist, dass wir meinen, hochtechnisiert und fortgeschritten in der Kultur seien, aber noch nicht mal die „Gottesfrage“ geklärt haben. Ich zweifle angesichts am Revolutionärem der Aufklärung (scheinbar ging es damals ganz grob nur um Geld / den Ablass. Eine wirkliche Aufklärung fand nicht statt).

    Und weil diese ach so moderne und aufgeklärte Welt sich zu erhaben erkennt, hab ich seit Jahren Probleme mit meiner Gesundheit (weil falsche/unzureichende Diagnosen über mich ergehen und wesendliche Symptome unbeachtet bleiben). Und aufgrund meiner Kritik und kritischen Haltung zum im Gesundheitssystem vorgesehenen Handhabung verlor ich nicht nur meine Fahrerlaubnis, sondern den Glauben an die Menschheit selbst – an Gemeinschaft und guten Willen. Ich glaube nicht mehr an euch. Ihr seit Idioten (eine andere Beschreibung fällt mir auch nicht mehr ein).

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