Götter, Gene, Genesis – Die Biologie der Religionsentstehung (Rezension)

Vor einigen Jahren veröffentlichten der Biologe Rüdiger Vaas und ich das inzwischen in 3. Auflage bei Hirzel erschienene Buch „Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität“. Sie können sich also meine erste Verblüffung vorstellen, als die Religionswissenschaftlerin Ina Wunn gemeinsam mit dem Biologen Patrick Urban und dem Theologen Constantin Klein bei Springer „Götter – Gene – Genesis. Die Biologie der Religionsentstehung“ veröffentlichten. Und, ja, dieses Buch behandelt das gleiche (Groß-)Thema: Die Evolution von Religiosität und Religionen. Aber, nein, es ist weder ein Abklatsch noch ein Update, sondern eine für sich stehende, sehr wertvolle Ergänzung.

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Forschungsfrage: Wie und woher entstanden unsere „religiösen“ Kognitionen?

Wunn, Urban und Klein leugnen die an heutigen Homo sapiens religiosus gewonnen, empirischen Befunde gerade nicht, die beispielsweise auf die Bedeutung der sozialen Kognitionen HAD (Hyper-Agency Detection, Überwahrnehmung von Wesenhaftigkeit) und ToM (Theory of Mind) für den Glauben an höhere Wesen sowie der damit verbundenen, Glaubwürdigkeit steigernden Signale (Rituale, Opfer usw.) für den Zusammenhalt von religiös begründeten Vertrauensverhältnissen verweisen. Auch die empirisch belegten, kooperativen und reproduktiven „enormen Synergieeffekte“ aus der „biologischen und kulturellen Evolution“ (S. 89) erkennen sie an.

Allerdings warnen sie davor, die an heutigen Homo sapiens gewonnenen Resultate einfach in die Altsteinzeit zurückzuverlegen. Stattdessen setzen sie darauf, aus der (vergleichenden) Verhaltensbiologie vor allem von Primaten sowie der Ethnologie Hypothesen zur „Biologie der Religionsentstehung“ zu gewinnen, aus denen dann erst im Neolithikum ein „Weltbild, das wir heute als religiös bezeichnen würden“ mit dem Glauben an „übermächtige Wesen“ entstanden sei (S. 177). Im Kern greifen sie auf ein klassischen Topos der Religionswissenschaft zurück, nach dem es vor dem „religiös-mythischen Weltbild“ eine lange Phase des „magisch-symbolischen Weltbildes“ mit dem Glauben an die Wirkkraft von Symbolen, Leichenteilen etc. gegeben habe (das auch heute noch z.B. in Fahnen, Maskottchen, Ritualen, Reliquienverehrungen etc. fortlebt).

In dieser Sendung von Quarks & Co. wird von Minute 8:30 bis 19:50 die Evolutionsgeschichte von Religiosität & Religionen dargestellt und diskutiert

So sind die frühen, altsteinzeitlichen Bestattungen bei Neandertalern und Homo sapiens nach Wunn, Urban und Klein noch keine Hinweise auf Ahnenkulte und Jenseitsvorstellungen, sondern dienen der symbolischen Bearbeitung von Todesfurcht und der drohenden Markierung des jeweiligen Stammesterritoriums. Ebenso stellten die Höhlenmalereien noch keine Mythenwelt dar, sondern einen mehr oder weniger kunstvollen Ausdruck bloßer Emotionen, zudem würden insbesondere über die Handabdrücke wiederum Abwehr und Territorialansprüche ausgedrückt. Auch die zahlreichen Frauenfigurinen würden erst neolithisch zum Symbol von Fruchtbarkeit und (Ur-)Mutterschaft, bis dahin hätten sie vor allem drohende (schamweisende) Funktion. Und auch noch bei den epipaläolithischen Kreisanlagen von Göbekli Tepe lehnen sie die dominierende Deutung als Tempelanlage ab und deuten sie als Wohnbau („Schöner wohnen“, S. 122).

Erst neolithisch seien auf diesen symbolischen Grundlagen dann neolithische Ahnen-, Urmutter- und schließlich Götterkulte entstanden, bis hin zum abrahamitischen Monotheismus, mit dessen Herleitung das Werk schließt.

Kritik: Naheliegende Einwände übergangen

Beim Lesen des gut gegliederten, bebilderten und flüssig geschriebenen Buches fallen nur wenige Flüchtigkeitsfehler ins Auge: So benennt das Autorenteam die eigene „Sichtweise“ als evolutionistisch“, obwohl sie erfreulicherweise bereits reflektiert evolutionär ist (S. 16 f.). Ebenso wird behauptet, Charles Darwin habe sich „vom Theologen zum Atheisten gewandelt“ (S. 28) – was aber Darwin selbst bis zu seinem Tod immer wieder ausgeschlossen hatte.

Ernsthafter als diese Kleinigkeiten wiegt jedoch der Einwand, dass das Autorenteam die eigene These oft dadurch stark macht, dass es Einwände gar nicht behandelt bzw. übergeht.

So stellt sich bei der Deutung früher Bestattungen als symbolische Gefahrenabwehr und Territorialanspruch die Frage, warum dafür besonders oder gar (bei Sekundärbestattungen) nur die Schädel verwendet und zunehmend rituell bearbeitet wurden. Die implizite Annahme, das Totenschädel eben symbolisch besonders relevant und ansprechend seien, nimmt ja selbst wiederum Frühformen von HAD & ToM in Anspruch!

Abgesehen von der teilweise künstlerischen Hochwertigkeit vieler Höhlenmalereien – etwa in der Darstellung bewegter und in verschiedenen Lebensphasen präsenter Tiere – wird ebensowenig thematisiert, dass diese sich regelmäßig an „verborgenen“ Stellen tief in den Höhlen befinden und gerade nicht in den Wohn- und Außenbereichen, wie es bei einer nur emotional-künstlerischen oder gar auf Territorialansprüche verweisenden Gestaltung zu erwarten wäre.

Schon altsteinzeitliche Frauenfigurinen sind mit Darstellungen etwa von Schwangerschaften, Geburten und der Beigesellung anderer Symbole (wie Gestirne) schwer als nur schamabweisend und territorial zu deuten, zumal sie wie die sog. „Venus vom Hohle Fels“ (vor ca. 40.000 Jahren) auch an einem Band und wohl am Körper getragen wurden.

Ebenso deutet das Autorenteam die vergemeinschafteten Frauen-Felsmalerien am Lathmos sicher zu Recht als Ausdruck neolithisch-religiöser Rituale – „vergisst“ jedoch zu erwähnen, dass wir solche „rituell-vergemeinschafteten“ Frauendarstellungen und -statuetten auch bereits prä-neolithisch zum Beispiel in Gönnersdorf finden. Und gerade wenn wir auch mit Wunn, Urban und Klein empirisch beobachten, dass „Not beten lehrt, dann können auch die Schmerzen und (Todes!-)Gefahren bei Geburten sowie der für Homo sapiens konstitutive gemeinschaftliche Kinderaufzug (cooperative breeding) kaum symbolisch und später religiös ignoriert worden sein! Die Konzentration der evolutionsgeschichtlichen Diskussion auf „Territorialverhalten“ und Gruppenkonflikte droht hier erneut die sicher eigenständige Rolle von Frauen in der Evolution von Religiosität und Religionen und zum Beispiel die auch heute für Familien meßbar wertvollen Beiträge von Großmüttern aus dem Blick zu verlieren. Die menschliche Verhaltensbiologie war und ist nicht nur von kämpfenden Männern, sondern von einer komplexen Sozialstruktur der Geschlechter bestimmt.

Schließlich werden, ganz abgesehen von anderen Einwänden gegen die Behausungs-These zu Göbekli Tepe ausgerechnet jene Pfeiler nicht diskutiert, die mit Armen versehen oder gar als (rituell?) bekleidet dargestellt wurden – also gerade nicht ithyphallisch gestaltet sind. Und wenn sich auch die Darstellungen der historisch beobachtbaren Evolution von Religion(en) auf Mesopotamien, Israel und Europa beschränkt, so wäre doch wenigstens ein ausführlicher Seitenblick z.B. auf die hinduistische oder ägyptische Religionsgeschichte angezeigt gewesen, wo wir – beispielsweise unter Pharao Echnaton – bereits heno- oder gar monotheistisches Gedankengut antreffen.

Lob: Die Grundthesen sind und bleiben stark

Das aber Kritik und Überprüfung jeder Hypothese möglich sind, ist keine Schwäche empirischer Argumentation – es macht sie aus. Wunn, Urban und Klein laden dazu ein, vorschnelle Rückschlüsse, Urteile und Standpunkte verhaltensbiologisch und archäologisch zu hinterfragen und interdisziplinär zu überprüfen. Und für ihren dabei verfolgten Ansatz haben sie starke Argumente auf ihrer Seite, von denen ich die drei (meines Erachtens) Gewichtigsten hervorheben möchte:

1. Bis heute unterscheiden sich die auch genetisch veranlagten, psychologischen Dispositionen etwa zur „Mentalisierung“ (der Kombination aus HAD und ToM) individuell stark (ebenso wie im Mittel zwischen den Geschlechtern), so das tatsächlich kaum davon auszugehen ist, sie wären an irgendeinem, altsteinzeitlichen Punkt plötzlich bei allen Menschen „voll dagewesen“.

2. Die heute empirisch zu beobachtenden, kooperativen und – evolutionsbiologisch entscheidend – reproduktiven Vorteile von Religiosität sind viel zu stark, als dass ihre volle Entfaltung bereits in der Altsteinzeit zu erwarten wäre. Hier haben Wunn, Urban und Klein sicher Recht mit der Annahme von Vorläufern und einer erst beschleunigten, kulturellen Evolution auch von Religion(en) seit dem Neolithikum und bis in unsere Tage.

Damit aber greift ihr 3. Hauptpunkt: Alle heutigen Menschen sind – auch in ihrer Religiosität – das Produkt von abertausenden Generationen biologischer und kultureller Evolution, die zuletzt durch steigende Bevölkerungsdichte, Seßhaftigkeit, Schriftlichkeit usw. massiv verändert und wohl auch im Sinne des sog. „Wagenheber-Effekts“ verstärkt wurde. Ergebnisse heutiger kognitions- und sozialpsychologischer Experimente lassen sich damit ganz sicher nicht 1 zu 1 in die Menschheit der Altsteinzeit rückverlegen. Und das Autorenteam belässt es nicht beim Aufzeigen dieses Mangels, sondern bietet verhaltensbiologisch, ethnologisch und archäologisch hergeleitete Alternativen zur vorschriftlichen Religionsentwicklung an.

Fazit: Ein unverzichtbares Buch zur interdisziplinären Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen

In der Summe will ich „Götter – Gene – Genesis“ also als wichtigen, ja unverzichtbaren Beitrag zur modernen, interdisziplinären Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen würdigen und empfehlen. Dieses Buch legt einige Schwächen bisheriger, meist impliziter Ansätze bloß und schlägt begründete Verbesserungen vor. Im Kern widerlegt es die Annahme, wonach es irgendwann in der Altsteinzeit einen „Sprung“ von den sozialen Kognitionen zur voll entwickelten Religiosität gegeben habe. Dagegen stellt es pointiert die These, nach einer langen symbolisch-magischen Zwischenphase habe es diesen „Sprung“ erst im Neolithikum gegeben.

Persönlich neige ich – gerade auch in der Auseinandersetzung mit dem rezensierten Werk – der Aussage zu, dass die empirische Wirklichkeit irgendwo in der Mitte liegen dürfte: Wie meistens in der Evolution sind wohl für die verschiedenen Dispositionen, die wir heute als „Religiosität“ zusammen fassen, weniger „Sprünge“ als graduelle, schrittweise Entwicklungen anzunehmen. So konnten beispielsweise Bestattungen und Höhlenkunst für verschiedene Menschen schon bereits Verschiedenes bedeutet haben – was ja auch weiterhin der Fall und ironischerweise auch Teil der wissenschaftlichen Debatten ist. Wunn, Urban und Klein gelingt es, hinter den vermeintlichen Gewissheiten weiteren Diskussions- und Forschungsbedarf offen zu legen. Künftige Forschungen können nicht nur afrikanische, nahöstliche und europäische Fundlagen, sondern zum Beispiel auch Befunde der indischen, chinesischen und nord-, meso- sowie südamerikanischen Archäologie hinzuziehen, um somit widerstreitende Hypothesen, Begriffe und Argumente zu überprüfen und die Evolutionsforschung weiter voran zu bringen. „Götter – Gene – Genesis“ ist auch interdisziplinär und international breiteste Aufmerksamkeit zu wünschen. Ein wissenschaftlich wegweisendes Buch!

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

34 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Prähistorisch betrachtet, dies war eine lange Zeit der Primaten, die Prähistorie ergibt sich allein durch den Mangel an Überlieferung, in schriftlich-bildlicher Form, der Primat war anzunehmenderweise seit ca. 100.000 Jahren zerebral, kognitiv & intellektuell zumindest halbwegs fit, dürften „magisch-symbolischen Weltbilder“ wie religiöse oder präreligiöse Weltbilder, gerne auch mit dem jeweiligen Machthaber als Gott oder Pseudo-Gottheit, lange, se-ehr lange Zeit ausschlaggebend gewesen sein.

    Äh, also diesbezüglich betrachtet, Stanley Kubrick hat sich hier ein wenig cineastisch-philosophisch-anthropologisch bemüht, zumindest in den Anfangssequenzen jenen Werkes, könnte es eher ein Glücksfall sein, dass sich der Primat vor ca. sechstausend ein wenig erhoben hat – und nicht etwa Hunderttausende Jahre später.

    Hat auch was mit der Religion zu tun, womöglich mit bestimmter Religion zu tun, sehr gut erkannt.


    Die Religion als Vorstufe sinnhafter Gesellschaftskritik und diesbezüglichem Aufbau oder als Maßgabe von Gesellschaft, korrekt.

    MFG
    Dr. W

    • Nachtragend gefragt:
      Warum steht in der Überschrift ‚Die Biologie der Religionsentstehung‘ und nicht ‚Die Anthropologie der Religionsentstehung‘?

      MFG
      Dr. W (der sich natürlich, wenn auch fachfremd, der biologischen Anthropologie bzw. deren Existenz bewusst ist, aber was genau wurde als biologisch bearbeitet?)

  2. „Ebenso stellten die Höhlenmalereien noch keine Mythenwelt dar, sondern einen mehr oder weniger kunstvollen Ausdruck bloßer Emotionen, zudem würden insbesondere über die Handabdrücke wiederum Abwehr und Territorialansprüche ausgedrückt.“

    Die hier genannten Gegenüberstellungen von Deutungen sind keine zwingenden Alternativen. Ein „kunstvoller Ausdruck von Emotionen“ ist jedenfalls eine wenig überzeugende Deutung und auch eine Unterschätzung der Höhlenkunst. Es gibt ja klare Hinweise darauf, dass diese Ensembles darauf angelegt sind, auf Betrachter starke Wirkungen zu erzielen. Die einzelnen Maltechniken, der Untergrund, die Form der Felsen und der Raum wurden in die Gestaltung mit einbezogen, um effektvolle Darstellungen zu erzielen. Wenn wir den symbolischen (religiösen?) Sinn nicht mehr verstehen, heißt das noch lange nicht, dass es keinen gegeben hat. „Ausdruck von Emotionen“, das klingt nach einem schlechten Volkshochschulkurs über künstlerisches Gestalten. Ich denke mal, Tanz und Gesang wären die vorrangigen Formen gewesen, um Emotionen auszudrücken, nicht Höhlenmalerei.
    Territorialansprüche hätte man eher sichtbar im Freien markiert, nicht tief in Höhlen. Felsmalereien im Freien sind natürlich schneller verwittert.

    „Und auch noch bei den epipaläolithischen Kreisanlagen von Göbekli Tepe lehnen sie die dominierende Deutung als Tempelanlage ab und deuten sie als Wohnbau („Schöner wohnen“, S. 122).“

    Der Göbekli Tepe wird ins 10. und 9. Jh. v. Chr. datiert. Was versteht man unter einem Tempel? Wie auch immer, ein Wohnbau ist das nun sicherlich nicht, jedenfalls kein reiner Wohnbau. Die T-Pfeiler, offenbar anthropomorphe Figuren, sind mehrere Meter hoher Pfeiler, die keiner nur aus Spaß oder Wohnverschönerung einfach so aus dem Stein haut. Schließlich müssen die Handwerker von den anderen miternährt werden. Die Abstraktion der Darstellungen ist gewollt. Interessanterweise steht die Abstraktion oft am Beginn von künstlerischen Traditionen, z.B. auch ein paar Tausend Jahre später bei der altägyptischen Kunst und bei den Kykladenidolen. Das spricht durchaus für eine symbolische Bedeutung.
    Das Autorenteam hätte vielleicht noch einen Spezialisten für paläolithische Kunst mit ins Boot holen sollen.

    • Michael Blume

      @Paul Stefan

      Inhaltlich bin ich da dicht bei Ihnen, erkenne jedoch das Argument an, dass auch eine symbolische Darstellung von Emotionen sehr kunstvoll sein kann.

      Denken wir z.B. an Munchs Gemälde „Der Schrei“, so haben wir eine überaus effektvolle Verknüpfung von Symbolen und Emotionen, ohne dass wir dafür eine bestimmte Mythologie bemühen müssten.
      http://m.db.no/2012/04/30/kultur/kunst/auksjon/edvard_munch/sothebys/21375239/?www=1

      Zwar sehe ich andere Hinweise auf frühe Religiosität in der Höhlenmalerei (v.a. die verborgene Lage, passend auch zu heutigen Initiationsplätzen), aber eine symbolisch-magisch-künstlerische Phase hat es in der Evolution des Menschen m.E. sicher (auch) gegeben.

      • Ich kenne natürlich nur das Zitat von Ihnen aus dem Buch, insofern stehen meine Bemerkungen unter dem Vorbehalt, dass ich da etwas falsch verstehe.
        Selbstverständlich können in der Steinzeitkunst auch Emotionen dargestellt sein, die gehörten auch damals zur Kunst, die Frage bleibt, warum?
        Munchs Bild der Schrei, ein Hauptwerk des Symbolismus, basiert auf einer völlig persönlichen Erfahrung des Künstlers. So etwas ist aber erst seit gut 200 Jahren möglich, einer der ersten Künstler dieser Art war Goya.
        Soweit wir die Kunst historisch kennen, also bis zu den alten Ägyptern zurück, waren persönliche Emotionen der Künstler ansonsten nur ein Randthema, z.B. bei Grafitti auf Tonscherben. Es haben sich ägyptische und griechische ostraka erhalten, auf denen die Künstler der satirisch aber auch realistisch Zeichnungen hinterlassen haben, die sich völlig von der Hochkunst der Eliten unterscheidet, die von denselben Künstler angefertigt wurde.
        In der gesellschaftlich akzeptierten Kunst war für den persönlichen Ausdruck des Künstlers nämlich kein Platz. Wenn dort Emotionen dargestellt wurden, dann im Rahmen einer Geschichte oder Sage, eines religiösen Mythos oder einer religiös-symbolischen Aussage, die in der Gesellschaft oder Elite eine Bedeutung hatte, z.B. der Zorn des Achills in der Adelsgesellschaft.
        So war es höchstwahrscheinlich auch in der Steinzeitkunst, auch wenn wir es wohl nie genau wissen können. Wie aber sahen die Gesellschaften dieser Menschen aus? Sie waren vermutlich sehr viel egalitärer strukturiert, aber irgendeine Führungspersönlichkeit oder ein -gremium hatte wohl die Idee, diese anthropomorphen T-Stelen in Göbekli Tepe aufzustellen und musste dazu die Gemeinschaft von dieser Idee überzeugen. Da scheint mir die Symbolik im Vordergrund zu stehen, und nicht „Schöner wohnen“. Steinzeitkunst ist vielleicht weniger ein Ausdruck von Emotionen, sondern eine Bändigung von Emotionen, indem man sie in symbolisch-magische Kunst fasst.
        Mythen gibt es wohl, seit die Menschen Geschichten erzählen können. Mythen in der Steinzeitkunst zu entdecken ist aber schwierig, man müsste in den Darstellungen zumindest rudimentäre Erzählstrukturen finden. Trotzdem könnten sich manche Szenen oder Gestalten auf Mythen beziehen.
        Interessant ist, dass viele der Reliefs von Göbekli Tepe recht grobe Formen haben. Den Handwerkern fehlte es an Formempfinden. Die ägyptische Kunst zeichnet sich aber schon sehr schnell durch ein außergewöhnliches Formempfinden aus, wie man u.a. an den Schminkpaletten sehen kann und auch viele ältere Höhlenmalereien zeigen eine sehr hohe künstlerische Qualität, die Maler konnten die Form von Tieren sehr gut treffen.
        Es ist deswegen schwer, die zufällig erhaltenen oder gefundenen Werke auf eine Perlenkette der kognitiven Entwicklung symbolischen-magischen zum religiösen Denkens aufzureihen. Es gibt zu viele Lücken in der Überlieferung.

    • Michael Blume

      @Stefan S

      Ja, Cargo Kulte sind religionswissenschaftlich interessant – und wurden daher ja auch entsprechend erforscht und beschrieben.

      Sie setzen freilich entwickelte Dispositionen zur Religiosität bereits “voraus“, bieten also keine Alternativen zur Evolutionsforschung.

  3. Ich schätze mal über die Glaubenswelt der Steinzeitmenschen können wir nur fantasieren. Das Problem halt bei Dingen aus der Steinzeit ist, dass alles was wir nicht kennen als Kultgegenstände durchgehen. Dies ist bekannt aber mir scheint es so als würden das andere Extrem ausschlagen und behaupten es hätte keine Religionen im Sinne vor dem Neolitikum gegeben.

    Ich meine über das ob es bei unseren Vorfahren ohne Schrift religiöse Vorstellungen gab müssen wir spekulieren (und dies bitte als solches Kennzeichnen) oder uns bedeckt halten. Die Malereien kann man als mystisch deuten muss es nicht, die Frauenfiguren können Fruchtbarkeitsmodels oder Pin up Bildchen der Steinzeit sein.

  4. Das Buch über Götter, Gene, Genesis las ich noch nicht. Aber ein paar Anfragen zum Videopodcast:
    1) Wenn das Phänomen „Religion“ natürlich selbst zu einem evolutionären Ereignis mit gewissen positiven wie negativen Effekten erklärt wird, so frage ich mich immer, aus welcher Perspektive spricht ein solche Theorie. Diese Theorie als „Religionswissenschaft“ beobachtet gewisse Phänomene in der menschlichen Natur und deutet sie als „religiös“, ohne aber explizit Rechenschaft über die gnoseologischen Grundlagen dieser „religiösen“ Beurteilung abzulegen.
    Einen evolutiven Vorteil als spezifische Eigenschaft des Religiösen zu bezeichnen, d. h. in koncreto die höhere Geburtenrate oder die angebliche therapeutische Wirkung als evolutiver Fortschritt der Religion anzusehen, das führt bestenfalls zu einem Missbrauch der Religion oder überhaupt zu keinem Begriff der Religion. (Ich könnte dann auch die Mäuse als religiös bezeichnen, weil sie sich bei guten Bedingungen schnell vermehren).

    2) Es werden gewisse Phänomene im Videopostcast ausgewählt, die „Religion“ beschreiben, ob positiv oder negativ. In dem Interview (oder Diskussionsbeitrag) von Michael Blume wird der evolutionäre Vorteil der Religiosität herauszuarbeiten versucht. Trotz erhebliche Aufwendungen bis zur Selbstaufopferung hat die Religion einen evolutiven Mehrwert – und allein das könnte auch eine befriedigende Antwort sein auf die Skepsis des nach dem Sinn und Ganzen von Religion fragenden Moderators Ranga Yogeshwar („Religion trotz Aufklärung und Technik, wir leben im 21. Jhd….“)
    Zeigt sich in der evolutiven Stärke und Fortpflanzung der Sinn von Religion? Liegt im Trost auf ein ewiges Leben der Sinn? Welches Religions-System bietet mehr? Empirische Parameter führen an keinen Anfang und kein Ende dieses Systems. Die gnoseologischen Erkenntnisbedingungen der Religion müssen jenseits dieser empirischen, evolutiven Erklärungsbedingungen liegen, denn sonst unterliegen sie selbst einem evolutionären Prozess und sind morgen schon evolutiv überholt.

    3) Wenn ich aber von einer überzeitlichen, aus sich selbst begründenden Einsichten in die Religion ausgehe, soll das nicht heißen, dass ich die evolutive Entwicklung in den religiösen Vorstellungen leugnen möchte. Ganz im Gegenteil, von dunkeln Auffassungen des Göttlichen, von extremsten Verirrungen bis zu höchsten Liebesauffassungen, war es ein langer Weg der Erkenntnisgewinnung und Rationalisierung, bis ein Platon einen rationalen Ein-Gott-Glauben behauptet hat. (Von der Bibel einmal ganz abgesehen). Hinter dieser Rationalisierung der Erkenntnis kann nicht zurückgegangen werden, doch darf sie den alten Steinzeitkulturen im Kern nicht abgesprochen werden, denn auch sie hatten qua Menschen Anteil am apriorischen Vorwissen des Wahren und Guten, wenn auch vielfach gebrochen und dunkel. Wie möchte ich Felsenbilder plötzlich als nicht religiös abstempeln? Was gibt mir den Interpretationsschlüssel, wenn ich qua „Religionswissenschaft“ keine anderen als empirischen Befunde gelten lassen will? Ist die Fortschrittsgläubigkeit eines Ranga Yogeshwar nicht selber numinos und religionshaft leichtgläubig, denn mit welchem Rückbezug (re-ligio) vertraut er auf die heilbringende Technik? Was gibt ihm den Optimismus der Toleranz?

    4) Die beiden Physiker zum Schluss fand ich gut! Beide haben recht, sofern der Ungläubige unter einem Gottesbegriff einen Lückerbüßer versteht, der für unerklärliche Ursachen grade stehen soll und damit doch nichts erklärt, und der gläubige Physiker, der berechtigt fragt, warum kann überhaupt gefragt und gezweifelt werden.

    • Michael Blume

      @Franz Strasser

      Herzlich willkommen auf dem Blog und vielen Dank für Ihr Interesse!

      Die Religionswissenschaft ist keine Theologie und erhebt auch keinen Anspruch auf letzte Wahrheiten, sondern sie erforscht das Phänomen Religion ebenso wie Musikwissenschaftlerinnen die Musik, Linguisten die Sprache usw.

      Klar lässt sich in kurzen Filmen nie die Fülle der Befunde und Argumente darstellen, wie sie z.B. in „Gott, Gene & Gehirn“ vorgestellt werden. Aber auf meiner Homepage und diesem Blog finden Sie auch viele kostenfreie Texte und ggf. Frage- und Diskussionsmöglichkeiten. Hier geht es z.B. um die Frage der Definition von „Religion“ (wie sie sich ebenso für „Sprache“, „Musik“, „Kunst“, „Philosophie“ etc. aufwerfen lässt).
      http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-definition-von-religion/

      Viel Freude beim Stöbern! 🙂

  5. @Franz Strasser:

    zu 1)
    Religion scheint meines Erachtens nach vor allem ein rein subjektives Phänomen zu sein. Genau wie beispielsweise das Thema Lebenssinn, Rationalismus oder Liebe. Selbstverständlich kann man allgemein geltende Definitionen bzw. vorerst beobachtete Grundlagen zu den jeweiligen vorhin genannten Themen durch wissenschaftliche Forschung festlegen. Ob diese allgemein wissenschaftlich festgelegten Definitionen tatsächlich für jedes Individuum bis ins Detail sprechen, wage ich zu bezweifeln. Es scheint darüber hinaus ohnehin eine Herausforderung zu sein, bestimmten Erscheinungen in der menschlichen Natur eine gnoseologische Grundlage zuzuschreiben, da so eine Festlegung von einem rein menschlichen Standpunkt erfolgt und keinesfalls die absolute Wahrheit repräsentieren muss.

    Zu Ihrem Mäusebeispiel: Mäuse sind keine Menschen. Menschen haben schon eine spürbare Ausnahmestellung im Gegensatz zu den über zwei Millionen anderen Lebewesen auf diesem Planeten und sind daher theoretisch nicht dazu verdammt, unbedingt Nachwuchs zeugen zu müssen. Darüber hinaus geht es meiner Meinung nach viel eher darum aufzuzeigen, was eine entsprechend ausgeprägte Religiosität beim Menschen für einen Effekt haben kann (in dem Fall Tendenz zur erhöhten Geburtenrate). Mäuse und andere Lebewesen reagieren, was Fortpflanzung anbelangt, nach unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen instinktiv. Beim Menschen scheint dies schon (möglicherweise entscheidend) differenzierter zu sein.

    Bei den restlichen Bemerkungen steige ich gerne mit ins Boot ein.

  6. @ Dr. Webbaer:

    Ihrer alternativen Sicht stimme ich zu. Das Erleben oder Verarbeiten vorgegebener religiöser Konstrukte kann meiner Meinung jedoch individuell und eben auch subjektiv von einem jeden Menschen gelebt werden.

    Zitat Dr. Webbaer:
    „Diese Konzepte stehen auch nicht für sich alleine…“

    Bitte erläutern Sie diese Aussage konkreter.

    Zitat Dr. Webbaer:
    „Wie gelingt es Ihnen nach dem ersten Satz jener Nachricht zu ’schmunzeln‘, ‚zustimmend‘, hmm, Ihrem Kommentatorenfreund gelang dies gar nicht.“

    Auch hier können wir meiner Meinung nach von Subjektivität sprechen.

    • Wichtich ist den genannten Konzepten oder Ideen Veranstaltungscharakter zuzuweisen, vom ‚Subjektiven‘ weggehend, kA, wie es der hiesige werte Inhaltegeber in seiner kommentarischen Replik genau meinte, aber er scheint schon ordentlich vorgegangen zu sein, wenn er die Religion als Veranstaltung und biologisch oder böse formuliert: als biologistisch, verstehbar betrachtet.

      Selbstverständlich bleibt einzelne, ggf. auch niederrangige oder fachfremde Nachricht/Feedback zu dieser Themenlage subjektiv, kollekt, äh, korrekt.

      MFG
      Dr. W (der weiterhin anrät die Ohren steif zu halten)

    • Michael Blume

      @M.J. Johnson & @Webbaer

      Und warum sollte Subjektivität ein Problem sein?

      Die Liebe, die Wissenschaft, die Musik, das Sprechen, sogar das Atmen – all dies und vieles mehr, was Menschen ausmacht, sind „subjektive Phänomene“, da sie eben nur im Bewußtsein von Subjekten erlebt werden. Wer daraus aber umgekehrt schließen möchte, die biologischen, psychologischen, soziokulturellen (usw.) Grundlagen von Liebe, Wissenschaft, Musik, Sprache oder Atmung ließen sich nicht empirisch erforschen, hat sich in seinen Solipsismus verrannt.

      Mein „Schmunzeln“ hat nicht zuletzt damit zu tun, dass Phänomene wie (Willens-)Freiheit sogar wesentlich darauf beruhen, dass es unreduzierbare Subjektivität gibt. Aber dazu mehr am kommenden Sonntag, dem 25. Jahrestag des Mauerfalls. 🙂

      Subjektiv-herzliche Grüße!

      • Die Liebe, die Wissenschaft, die Musik, das Sprechen, sogar das Atmen – all dies und vieles mehr, was Menschen ausmacht, sind „subjektive Phänomene“, da sie eben nur im Bewußtsein von Subjekten erlebt werden.

        Sind Sie sicher, Herr Dr. Blume?

        MFG
        Dr. W (den die Begründung stört, weil womöglich nicht hinreichend)

        • Michael Blume

          @M.J.J. & @Webbaer

          Ich fand Ihre Ausführungen recht klar, @M.J.J. – und ich bin mir da ziemlich sicher, @Webbaer.

          Stellen Sie sich einfach einen Moment vor, ich würde z.B. zur Evolution von Musik oder Liebe forschen. Selbst wenn ich alles verfügbare, empirische Wissen zusammentragen und um eigene Beiträge erweitern würde – so könnte ich doch nicht genau wissen, was Sie bei diesem oder jenem Musikstück empfinden oder wen Sie wie lieben sollten. Idealerweise hilft Ihnen die Wissenschaft, auch Ihr eigenes Erleben etwas besser zu verstehen – aber es bleibt Ihr subjektives und unwiederholbares Erleben!

          (Empirische) Wissenschaft beschreibt das Allgemeine, das intersubjektiv (!) Überprüfbare. Das bedeutet m.E. auch, dass sie Subjekte informieren, aber gerade nicht ersetzen kann.

          Gute Wissenschaft zeichnet sich nach meiner Meinung durch Neugier und Demut aus – nicht durch Allmachtsphantasien.

          • @ Herr Dr. Blume :
            Entscheidend aushelfen könnte an diesem Punkt vielleicht Ihre Meinung und beispielhaft, was I.E. nicht ’subjektiv‘ wäre.

            Ihr Kommentatorenfreund betrachtet bekanntlich Vieles, das Atmen vielleicht ausgenommen (aber „nicht wirklich“), als Veranstaltung oder als vom Subjekt [1] als objektiv [2] beobachtbar.

            MFG
            Dr. W

            [1] das Subjekt hier als bestimmter Entwicklung Unterworfene
            [2] das Objekt als in diesem Zusammenhang Entgegengeworfenes

          • Michael Blume

            @Webbaer

            Das eben ist m.E. ein Kategorienfehler: Wenn ein Subjekt etwas beobachtet (und sei es das eigene Atmen, Lieben o.ä.) – dann ist diese Beobachtung ausdrücklich „subjektiv“!

            Sie können sich selbst beobachten, „zum Objekt machen“ (eine beliebte Meditationsübung, übrigens gerne mit Bezug auf das eigene Atmen) – aber es bleiben „Sie“, der subjektiv beobachtet!

            Und ob sich subjektive Beobachtungen als ausreichend „objektiv“ erweisen, wird ja nicht zufällig dadurch überprüft, dass wir andere (Ärzte, Partner, Texte usw.) dazu befragen.

          • Ab einem gewissen Alter werden keine Kategorienfehler gemacht.
            >:->
            Wie dem auch sei, es liegt hier erkennbar ein Nebenaufenthalt vor.

            MFG
            Dr. W (der eigentlich dachte, Sie zu unterstützen, wenn Sie mal biologisch oder biologistisch unterwegs scheinen – wobei ‚politisch‘ vielleicht manchmal das Fachwort wäre)

  7. @Herr Blume:

    Mein Standpunkt mag vielleicht nicht sonderlich klar gewesen sein. Aber genau das, was Sie im ersten Absatz Ihres vorigen Kommentars erwähnten, deckt sich mit meiner Meinung oder besser gesagt: Ahnung. Auch die von Ihnen angesprochene Möglichkeit, Grundlagen zu den genannten Themen herausforschen zu können, befürworte ich ebenfalls. Nur besteht meines Erachtens nach ein Problem darin, benannte Phänomene wie eben die Religion, in seiner Vollständigkeit zweifelsfrei und vollkommen gültig zu definieren. Dafür ist ein jedes einzelne Subjekt (der Mensch) in meinen Augen zu komplex gestrickt. Folglich bestehen hinsichtlich religiösen Inhalten unterschiedliche Empfindungen oder auch Denkweisen.

    Und ich dachte schon, Ihr Schmunzeln zeugt von meinem Kommentarstil :).

    Herzliche Grüße,
    M.J.J.

  8. Es ist eigentlich ganz normal, dass Wissenschaften ihren Forschungsgegenstand nicht völlig präzise oder eindeutig definieren können, was ist „Kunst“, was ist „Recht“, was ist „Leben“, was ist „Masse“? Sokrates war der Erste, der seine Disputanten damit verunsichert hat, indem er sie nach Definitionen dessen fragte, was sie für selbstverständlich hielten, woran sie denn auch scheiterten.
    Auch Subjektivität ist kein grundlegendes Hindernis für die Erforschnug von Religion, denn obwohl jeder Mensch ein einzigartiges Individuum ist, zeigt jedes Individuum doch zahlreiche übereinstimmende Eigenschaften mit anderen Menschen. Deswegen kann man ja auch Soziologie betreiben, also auch Religionssoziologie.
    Das Spannungsverhältnis zwischen Subjektivität und sozial-kulturellenm Verhalten kann man z.B. am Phänomen von mittelalterlichen Visionsberichten oder moderen Berichten von UFO-Sichtungen erkennen. Diese Berichte sind eindeutig kulturell geprägt und zugleich auch individuelle, subjektive Äußerungen.

    • Michael Blume

      Vielen Dank für den Hinweis, Herr Wagner. Diese Ausstrahlung kannte ich noch gar nicht! 🙂
      http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=47303

      Zu Ihrem Blogtext: An persönliche Angriffe von rechtsextremer, kampfatheistischer usw… Seite habe ich mich inzwischen ja gewöhnt. Aber dass Sie mich ernsthaft als Theologen bezeichnen, lässt mich doch an der Ernsthaftigkeit Ihrer “Arbeit“ zweifeln… Ich war nie Theologe und wollte auch nie einer werden…

      Falls Ihnen der Unterschied gar nicht bekannt sein sollte: Theologien und Religionswissenschaft unterscheiden sich sowohl in ihrer Methodik wie im Forschungsgegenstand grundlegend!

      Naja, da Ihnen das irgendwie etwas zu geben scheint – weiterhin viel “Spaß“ beim oberflächlich recherchierten Ranten… 😉

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