Göttliche Geistesblitze – Ein grandioses Buch zur Wissenschaftsgeschichte von Eckart Roloff

Das Miteinander von Religion(en) und Wissenschaft können sich viele Menschen noch immer nur als Gegensatz vorstellen: Das Eine werde durch das Andere verdrängt. Die Geschichte zeichnet dagegen ein anderes Bild: In und um religiöse Traditionen wurden die Grundlagen von Schrift, Musik, Wissenschaft, Kunst und Staatlichkeit entwickelt, bevor sich diese über Jahrhunderte hinweg – zu Recht! – aus der "elterlichen" Klammer lösten und zunehmend Selbständigkeit und Freiheit erwarben. Dank dieser Entwicklung können wir heute an all diesen und vielen weiteren Lebens- und Erkenntnisbereichen teilhaben und einseitige Engführungen vermeiden. In seinem neuen, wunderbaren Buch "Göttliche Geistesblitze. Pfarrer und Priester als Erfinder und Entdecker" ist es Eckart Roloff gelungen, dies auf ebenso informative wie unterhaltsame Weise darzustellen: Indem er Menschen vorstellt, die zugleich Geistliche (Priester, Pfarrer, Mönche) und Erfinder bzw. Entdecker waren.

Roloff identifiziert jene lange fast ausschließlich religiösen Institutionen, die Schrift, Bildung und die entstehenden Wissenschaften aus der römisch-griechischen Antike retteten und in Europa ausprägten: Klöster und Klosterschulen, Universitäten und später evangelische Stifte und kinderreich-bildungsorientierte Pfarrhäuser. Wegen der Überfülle des Materials kann der Autor die Namen prominenter Theologen (wie z.B. Charles Darwin), die nach dem Studium nicht als Pfarrer wirkten, nur streifen – würden diese und die Pfarrerskinder noch hinzu genommen, wäre ein Großteil der frühen Wissenschaftsgeschichte erfasst! 

Roloff schildert die lange anonymen Weiterentwicklungen von Technik, Baukunst, Bierbrauen, Glockengießen und Heilkunde. Dann eröffnet er mit dem halb-legendären Erfinder des Schwarzpulvers, dem (Freiburger?) Franziskaner Berthold Schwarz eine reichhaltige Sammlung spannender Kurzbiografien und auch kritischer Diskussionen. Lassen Sie mich nur einige Beispiele nennen, die mich besonders berührt haben: Der Missionar und Astronom Johann Adam Schall von Bell, der den chinesischen Kalender zu reformieren half, mehrere Intrigen, Haft und Todesurteile am Kaiserhof überlebte und auch heute noch in einem chinesischen Denkmal geehrt wird. Der evangelische Pfarrer Jacob Christian Schäffer, der die erste Waschmaschine zur "Serienreife" brachte. Oder Hermann Bräß, der als Landpfarrer eine (bis heute bestehende) Zeitung für die weniger lesekundige Landbevölkerung heraus brachte – und darin den Leserbrief erfand! Liebe Blogger-Kommentatoren, lasset uns des Herrn Bräß gedenken! 🙂

Ebenfalls faszinierend sind eine ganze Reihe "elektrischer Theologen" sowohl evangelischer wie katholischer Konfession, die über Magnetismus, Prä-Elektrik und Blitzableiter forschten und dabei auch untereinander korrespondierten. Überhaupt ist es interessant zu sehen, dass wissenschaftliche Neugier immer wieder dazu führte, dass katholische und evangelische Geistliche in den Dialog traten. Ein weiteres Kapitel stellt Pfarrer Sebastian Kneipp vor, der einen ganzen Gesundheits- und Kurbereich begründete und sich zugleich gegen Aber- und Wunderglauben engagierte. Zu Recht vorgestellt wird auch der Augustinermönch Gregor Mendel, der die Grundlagen der Genetik schuf. Der katholische Priester Roberto Landell de Moura wird dagegen fast nur noch in Brasilien als Funk-Pionier erinnert. Und wer weiß schon von Kaplan August Musger, der vom frühen Kino begeistert war, auch aufgrund der häufigen Filmriße mit Verbesserungen an Vorführgeräten experimentierte – und unter anderem die Zeitlupe erfand!? Geniale, bewegende Köpfe und Schicksale. 

In diesen und zahlreichen weiteren Fällen schildert Roloff Lebenslauf, Hintergründe, Unterstützer und auch Widerstände. So stellt sich ein Bischof gegen Mendels Forschungen an Tieren, da diese im Kloster Sexualität und Fortpflanzung ausübten. Mendels wissenschaftsfreundlicher Abt umgeht jedoch dieses Verbot, indem er ihm Forschungen an Pflanzen ermöglicht – denn der Bischof merkt nicht, dass auch diese ein "Geschlechtsleben" haben. Und von seinen Klosterbrüdern wird Mendel später zum Nachfolger des Abtes gewählt. Andere Erfinder bekommen Probleme mit einfachen Leuten, die befürchten, ihr Pfarrer stehe mit dem Teufel im Bunde – oder mit etablierten Berufständen, die durch die Aktivitäten der Geistlichen ihre Einkommensquellen bedroht sehen. Wer sich da Wissenschaftsgeschichte nur als Gegensatz von "der Wissenschaft" zu "der Kirche" vorstellen kann, beweist einen Mangel an Bildung. Es war – und ist! – viel komplexer und interessanter. Daneben lässt uns Roloff an seiner detektivischen Spurensuche nach diesen Lebensgeschichten teilhaben – denn viele der Genannten wurden (und werden) wissenschafts- und lokalgeschichtlich fast völlig übersehen, zumal sie "zwischen den Stühlen" der letzten Jahrhunderte wirkten. Welche heimat- und wissenschaftsgeschichtlichen Schätze wären noch zu bergen!

Roloffs Buch ist spannend, informativ, teilweise heiter, oft aber auch bedrückend. Denn das Vergessen zahlreicher dieser von ihm wiederentdeckten, interessanten Vorbilder ist nicht nur ein Stück historisches Unrecht. Es trug und trägt darüber hinaus zu weiterwirkenden Vorurteilen und Halbwissen zwischen religiös und wissenschaftlich Engagierten bei. Und es verbaut Chancen zur Neugier, zur Lust am Lernen.

Das lässt sich deswegen beurteilen, weil es bei uns in der Region Stuttgart eines der wenigen Positivbeispiele gibt: Den von Roloff ebenfalls gelungen vorgestellten schwäbischen Erfinder Philipp Matthäus Hahn, der und dessen Tüftlerwerkstatt in Kornwestheim auch von Johann Wolfgang von Goethe und "dessen" Herzog Carl August von Weimar besucht wurde. In der regionalen Erinnerung der Region ist Hahn noch immer sehr präsent – was einer der Gründe dafür sein könnte, dass sowohl religions- wie wissenschaftsfeindliche Dünnbrettbohrer hier keinen rechten Anhang finden können sondern evangelischer Pietismus und wissenschaftlich-technische Neugier bis heute zusammen wirken. Just gestern war ich zu einem Konfirmationsgottesdienst in der Stephanuskirche in Echterdingen eingeladen, in der Hahn wirkte und neben der er bestattet wurde. Dank Roloffs Buch habe ich diesmal die Gelegenheit zu einem Foto der Grabstätte genutzt, die über Jahrhunderte hinweg zeigt, wie Glauben und Wissenschaft einander bestärken können.

Fazit 

Was die Potentiale von Wissenschafts-, Religions- und Heimatgeschichte angeht, hat Eckart Roloff mit "Göttliche Geistesblitze" Maßstäbe gesetzt. Das Buch informiert, macht aber auch Lust auf eigene Entdeckungen – wie den von Blognachbar Hermann Aichele beschriebenen Pfarrer und Früh-Psychologen Immanuel David Mauchart. Oder denken wir an den Reutlinger Pfarrer August Johann Friedrich Weinland, der mit dem Vorzeitroman Rulaman Generationen von Schwaben für die Ur- und Evolutionsgeschichte begeisterte. Und Roloff macht deutlich: Noch Unzählige andere harren der Wiederentdeckung! Wer am Thema Wissenschaft & Religion Interesse oder auch einfach ein Herz für faszinierende Lebensläufe und die Vielfalt des Menschen hat, sollte sich dieses Kleinod nicht entgehen lassen. Viel Spaß beim Schmökern, Schmunzeln, Staunen – und Entdecken!

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke

    Danke – für meine (früheren) Berufskollegen… Und natürlich für Erwähnung meiens Posts und Trackback.
    Für mich wäre es auch spannend, welche Forschungen inhaltlich mit der Theologie zusammenliefen (siehe eben bei Mauchart), welche mit Gemeindefürsorge verknüpft waren (wirtschaftlich relevante Themen) und welche ein (verdecktes) Parallelprogramm waren (wie etwa Versteinerungen sammeln).
    Ganz auseineinder halten wird man es nicht können. Aber die Fragestellungen unterscheiden.
    Auf das hin wollte ich das Buch schon lääääängst gelesen haben.

  2. Newton, Kepler, Kopernikus

    Danke Michael, für den interessanten Buchtip. Ein noch radikaleres Buch, das den Titel „Göttliche Geistesblitze“ verdiente, wäre eines über das Zusammenwirken von spirituellen und wissenschaftlichen Impulsen bei grossen Wissenschaftlern wie Kopernikus, Kepler und Newton. Dort müsste einmal im Detail untersucht werden, ob hier der Glaube nur reine „Privatsache“ war oder ein Stimulus bzw. Inspirationsgeber für bahnbrechende astronomische oder physikalische Erkenntnise. Was wahrscheinlich kein Physikstudent mehr weiss: Newton bekam die Ermutigung, gegen seine Zeitgenossen Gravitation als immaterielle, unsichtbare Kraft zu denken, durch alchemistische und esoterische Lektüre, weil darin ganz selbstverständlich von unsichtbaren „Kräften“ gesprochen wurde. Newton verbrachte viel mehr Zeit im alchemistischen Labor als in der Uni und erachtete VIELE WEGE zur Wahrheit für sinnvoller als nur EINEN. Kurz vor seinem Tode schrieb er: „Ich weiss nicht, wie ich der Welt erscheine, aber mir selbst komme ich nur wie ein Knabe vor, der am Meeresstrand spielte und sich damit vergnügte, hin und wieder einen glatteren Kiesel oder eine hübschere Muschel als gewöhnlich zu finden, während der ganze grosse Ozean der Wahrheit unentdeckt vor mir lag.“

  3. @Rüdiger

    Ja, mir scheint auch, dass sich die Debatten immer stärker auf Fragen der Erkenntnistheorie(n) zuspitzen – und dort in den kommenden Jahren viel passieren wird.

    Allerdings besteht bei allen großen Forschern auch immer ein enormer Interpretationsspielraum, zumal oft wenige schriftliche Quellen mit viel Legendärem, Ungesicherten etc. verbunden werden. Über die Religiosität von Darwin, Einstein u.v.m. sind zahlreiche Arbeiten erschienen, aus denen sich dann jeder die zu seiner Weltanschauung passende Interpretation herauspicken kann.

    Am Buch von Roloff hat mir deswegen gerade gefallen, dass er nicht nur auf einen oder wenige Personen rekurriert, sondern aufzeigt: Da steckt mehr dahinter, sehr viel mehr – und viel wäre noch zu entdecken. Wenn Städte, Gemeinden und (Hoch-)Schulen je ihre religiös-wissenschaftlichen Akteure „vor Ort“ in den Blick nehmen und in der überregionalen Sicht Hunderte von Fällen zugänglich werden sind m.E. tatsächlich neue Erkenntnisse möglich, die nicht einfach durch noch eine Interpretation weggewischt werden können. Ich bin mir deswegen auch ziemlich sicher, dass Dich die „Göttlichen Geistesblitze“ sehr faszinieren werden bzw. würden!

  4. Göttliche Geistesblitze

    Das glaubte – oder so wird es über ihn gesagt – so mancher Wissenschaftler, wenn er denn einen Einfall hatte, an dem er schon längere Zeit gearbeitet hatte. Andere sagten dann, ist ja kein Wunder, dass er es herausgefunden hat – er hat sich ja lange genug damit befasst. Niels Bohr ist so ein Fall – und er erhielt den Nobelpreis für Physik im Jahr 1922 für sein Atommodell.
    Göttliche Aktivitäten sind auch bekannt bei manchen Schlachten, ob durch Blendung des Gegners durch die Sonne, oder wie in der Bibel in Jericho…

    „Das Miteinander von Religion(en) und Wissenschaft können sich viele Menschen noch immer nur als Gegensatz vorstellen“ – Mir wurde mehrmals vom Verlag klargemacht, dass es Spektrum der Wissenschaft und nicht „der Religion“ heißt, selbst beim Enuma Elisch. Für mich stammen Religion und Wissenschaft aus einer Quelle!

    Der Universalgelehrte G. Bruno lehrte schon 1584 [1]: „Die unzähligen Welten im Universum sind nicht schlechter und nicht weniger bewohnt als unsere Erde.“ Er ließ sich für seine Überzeugung verbrennen – wo hatte er sie her? Warum haben wir heute noch damit Probleme?

    „Ebenfalls faszinierend sind eine ganze Reihe „elektrischer Theologen“…“ Hier möchte ich das Flugwesen einbringen: Ein Ingenieur und Referent B. Cannon hatte vor über 110 Jahren die Idee, ein Fluggerät nach der Bibel zu bauen und setzte den Plan um [2] – wie kam er darauf, wer gab ihm die Kraft?
    Ein NASA-Wissenschaftler, Konstrukteur in Sachen Flug- und Weltraumtechnik, wusste nichts von B. Cannon – rekonstruierte aber ein Fluggerät nach der biblischen Beschreibung [3]. Auf das Rad im Rad wurde ein Patent eingereicht [4]. Wieso waren die alten Beschreibungen (um 2500 Jahre) so exakt zu verwerten? Sie hätten bei den Reformen ja auch in den Apokryphen verschwinden können!
    Es ist ein guter Hinweis: „Noch Unzählige andere harren der Wiederentdeckung!“

    [1] Schilling, G.: Planetenjagt bei Epsilon Eridani. Astronomie heute, 07/08 2003, S. 28 – 34
    [2] -: Burrell Cannon – Introduction – eine Zusammenfassung
    http://www.hiddenmysteries.org/…/vol4/ezek.shtml
    [3] Blumrich, J. F.: Da tat sich der Himmel auf. 2. Auflage, Ullstein Berlin 1995
    [4] Blumrich, J. F.: „OMNIDIRECTIONAL WHEEL“ Nr.: US 3,789,947 vom 17. April 1972, Internationale Patent-Klassifikation: B62d 5/02.

  5. Geistesblitze

    Ich würde vorschlagen, den Begriff „Göttliche Geistesblitze“ sehr allgemein zu nehmen, mit mehr Akzent auf „Geistesblitz“ als auf „göttlich“. Kein Neurologe weiss bisher, was das ist, das die Alltagssprache mit Geistesblitz, Inspiration, Eingebung, Einfall oder Intuition umschreibt. Am Beginn vieler Erfindungen und Entdeckungen standen solche Momente, wo etwas aus einem – sagen wir transrationalen Raum – in das Denken des Forschers hineinragt. Sogar Karl Popper lässt dies für den „Entdeckungszusammenhang“ wissenschaftlicher Theorien gelten. Ob man diesen transrationalen Raum als „Unbewusstes“, „Göttliches“ oder „Übersinnliches“ definiert, ist eine ganz andere Sache. Fakt ist, dass Träume, Visionen, Symbole, Bildphantasien oft am Beginn wissenschaftlicher Entdeckungen standen und stehen. Das heisst nicht, dass ein allwissender Schöpfergott den Forschern etwas eingeflüstert hat, aber dass sie möglicherweise in diesen Momenten an überindividuelle und transrationale Räume „angeschlossen“ waren. Grosse Komponisten berichten Ähnliches. Dies ist natürlich kein Gottesbeweis, aber eine offene Frage, zu der noch zu wenig geforscht wurde.

  6. Schrift?

    Leider kann man niergends mal so in das Buch reinschauen .. was steht da zur Schrift?

    Die ältesten bisher übersetzbaren Schriften stammen aus einer Kultur, wo die Schrift explizit von den Menschen kam und nicht von den Göttern!

    Oder soll jede Idee durch Intuition als „göttlicher Geistesblitz“ gesehen werden? Das riecht sehr stark nach religiöser Propaganda – oh es gibt da noch ein paar wissenschaftliche Lücken, die wir instrumentalisieren können.

    Nunja was steht zur Schrift in dem Buch?

  7. @ Rüdiger Sünner – Gottesbeweis…

    Das ist Glaubenssache – oder gibt es da „Noch Unzählige andere harren der Wiederentdeckung!“? Wenn einer seinem Gott sein Herz ausschüttet im Gebet und um Hilfe bittet – er fühlt sich erleichtert, kann neu nachdenken – für ihn: Gott hat ihm geholfen!
    Als es mal in der Presse hieß, dass um 50% Amerikaner zum Psychologen gehen, habe ich dazu geschrieben, wenn die Leute beten würden, wäre einem großen Teil auch schon geholfen, s. o.
    Im Endergebnis muss das jeder mit sich selbst ausmachen.
    Götter wurden in der Geschichte in vielen Ländern überliefert. Unser türkischer Reiseführer erzählte uns im Bus sehr viele Geschichten von Zeus und seinen Mannen. Da fragte ich ihn: „Wo kommen diese Aussagen her?“ – „Das hat sich so überliefert.“
    Wenn wir mal nachdenken wieviel Wissen, das wir nicht erklären können, konnten dahintersteckt – Sara und Elisabet jenseits des Klimakteriums, Maria als Jungfrau schwanger – dann ergibt sich schon die Frage: Wo haben die Aufschreiber vor knapp 2000 Jahren und früher das alles her?

  8. @ Sascha Bohnenkamp – Schrift

    Wissenschaftlich gesichert ist, dass man im mesopotamischen Raum eine Menge Schriften fand – aber erst nach weiterem Suchen auf die sumerischen Keilschriften traf und sie als die Urschriften in diesem Raum erkannte. Davon leiteten sich dann die zuerst gefundenen Schriften ab. Damit stieß man auf das Volk der Sumerer, biblisch Shumer.
    Die Existenz Sumers wird ab um 3.800 v. Chr. bis um 2024 v. Chr. angegeben.
    [1] „Ausgerechnet der Autodidakt George Smith entziffert das Dokument aus Ton. Der einstige Banknotenstempelschneider beherrscht die Keilschrift wie kaum ein anderer. Das erste, was der junge Mann im Herbst 1872 herausfindet, ist der klangvolle Name eines Königs: er lautet Gilgamesch.“ Wenig später übersetzt G. Smith auch die zugehörige Sintflutgeschichte. Diese Keilschriften stammten aus der Bibliothek des Königs Assurbanipal in Ninive.
    Erste Hieroglyphen sollen allerdings noch bis um 2000 Jahren älter sein.
    Ihre abschließende Frage ist schon gut.

    [1] Terra X: Fahndung nach König Gilgamesch. Sendung vom 06.01.2008
    http://www.zdf.de/…alt/28/0,1872,7127612,00.html

  9. @Sascha

    Selbstverständlich behauptet Roloff nicht, dass irgendwelche Götter die Schrift erfunden hätten. Wie kommst Du darauf – oder auf die Annahme, ich würde so etwas durchgehen lassen? Roloff arbeitet wissenschaftlich solide und erkundet v.a. die Rolle der Klöster in der Tradierung und Entwicklung von Handschriften und Bildung bis zu Gutenberg. Sehr lesenswert!

  10. Anmerkung zu Klaus Deistung

    Herzlichen Dank für Klaus Deistungs Hinweis auf den Flugpionier und Reverend Burrell Cannon; ich war bisher noch nicht auf dessen Namen und Taten gestoßen. Im Buch „Göttliche Geistesblitze“ (bei Wiley erschienen) erwähne ich aber auf Seite 6 bis 8 einige Vordenker mit theologischem Hintergrund, die Visionen zum Fliegen und zu Luftschiffen hatten, so den Franziskanermönch Roger Bacon, den Bischof John Wilkens sowie die Jesuiten de Lana-Terzi und Lourenco de Gusmao; übrigens hat sich auch Pfarrer Friedrich von Bodelschwingh d. Ä., der „Vater von Bethel“, mit Luftschiffen befasst, 15 Jahre vor Zeppelin!

  11. @Michael Blume

    Wird bestellt! Beim Herrn Blume kann man sicher sein, dass die Büchertipps auch es wert sind, sie zu lesen. 🙂

    (Wenn man nicht zufällig auf den Akrobaten stösst, siehe über den Autor in diesem Link:) http://www.amazon.de/…;qid=1305707781&sr=8-1

    Teilweise kommen Geistesblitze erst Monate später, nach dem ich Ihre Arbeiten gelesen oder gehört habe!
    (Jetzt mal kurz in Klammern: konvergente Enstehung der Religiösität beim Neandertaler, zu Beginn dachte ich: O.K. hat der Neandertaler halt abgeschaut, doch ohne biologischen Hintergrund kann dieser doch nichts damit anfangen?!)

    Als kleine kleine Gegenleistung meine persönliche Empfehlung: Der dritte Schimpanse von Jared Diamond. Liebe Grüße!

  12. Klöster etc.

    Das die Klöster auch einen Beitrag zur „Bildung“ hatten, will ich nicht bestreiten.

    Aber ist nicht eher mehr Ungewolltes vernichtet worden?
    War die primäre Aufgabe der Kloster nicht die Verbreitung und Festigung des „richtigen“ Glaubens?

    Vielleicht kann ich das Buch ja mal in einer Buchhandlung einsehen 😉

  13. Gedankenfetzen

    Ein kleiner Gedankenfetzen dazu: Religion verhält sich zur Wissenschaft, wie die Kreativität zur Neugier.

  14. Geistesblitze – Probekapitel

    Dieser Link

    http://www.wiley-vch.de/…mple/3527325786_c01.pdf

    führt zum ersten Kapitel der „Göttlichen Geistesblitze“; auf Seite 6 ff. geht es auch um die in früheren Blogs erwähnten Flugpioniere mit religiöser Orientierung.

  15. erfinderische Theologen

    Danke für den Link!

    Was mir u.a. auffiehl, dass in dem Textauszug so getan wird als wenn „Theologen“/Mönche das Bier, Wein, Karten oder Glocken „erfunden“ hätten.

    Tut mir leid aber das ist historisch nicht richtig. Das ist alles _viel_ älter – oder welchen Sinn hat die Nennung dieser Mönche?

    Ob die wahren „Erfinder“ dieser Dinge Priester waren ?
    Vielleicht .. vielleicht auch nur weil eine sehr lange Zeit die Bildung ein Monopol der Kirchen bzw. theokratischen Strukturen war.

  16. Ergänzung für Eckart Roloff

    Danke Herr Roloff, diese Namen kannte ich noch nicht.
    Reverend B. Cannon war nun der Erste mit wenigen praktischen Flugversuchen, der erste noch vor den Gebr. Wright, der ein flugfähiges motorgetriebenes Fluggerät baute. Dazu gibt es mittlerweile viele Seiten bei Google unter „Revered Burrell Cannon“ (1848-1922).
    Hier eine weitere Ergänzung: „Melchior Bauer“ (1733 – ?) fühlte sich durch die Bibel angesprochen, sich mit dem Fliegen auseinanderzusetzen, um 1763: http://de.wikipedia.org/wiki/Melchior_Bauer und viele weitere Seiten unter Google. Seiner Königlichen Majestät schreibt er u. a.: „Diesen Wagen kann ich mit meinen Händen machen… wie ihn der Heilige Prophet Hesekiel in seinem göttlichen Gesichte gesehen und im ersten und zehnten Kapitel davon schreibt…“
    Das Grundproblem bleibt: Wenn auch der NASA-Konstrukteur Blumrich die Beschreibungen Ez 1,4-28… technisch modern nachvollziehen kann, dann müsste der Prophet etwas Konkretes gesehen haben, was wissenschaftlich abgelehnt wird – ohne sein Buch gelesen zu haben.
    Der Tempel dazu (meine Bibel hat eine Zeichnung davon) wurde vom deutschen Ing. H. H. Beier unabhängig rekonstruiert – sein Buch: „Kronzeuge Ezechiel, Ronacher, München 1985“ – und Blumrichs Raumschiff (Größenangaben) passte in den Tempel.
    Ein weiterer religiöser Mann – Dr. Solomon Andrews (1806-1872) von Perth Amboy, New-Jersey – erfand das erste lenkbare Luftschiff http://www.worldlingo.com/…ndrews_%28inventor%29 …
    Der Franziskanermönch Roger Bacon (1214 – ~1293) – Sie nannten ihn – war sehr vielseitig und wollte durch mehr Wissen auch die Bildung der geistigen Führung verbessern, die Bibel besser übersetzen http://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Bacon .

  17. @Sascha

    Ich finde es interessant, dass Du Andersdenkenden gerne (unbewusst?) Aussagen unterschiebst, die sie nicht gemacht haben. Und umgekehrt negative Klischees z.B. über Klöster wiederholst, auch wenn z.B. Mendel doch oben beschrieben war. Dies nur als Beobachtung.

    Hinweisen wollte ich Dich jedoch v.a., dass eine @Miss-Understood Dich in zwei älteren Posts angesprochen hat.

  18. @ Sascha Bohnenkamp erfinderische Theologen

    Für eine gewisse Zeit hatte die Kirche die Nase vorn. Viele Leute waren religiös, das Personal in den Kirchen und Klöstern war zahlreicher als heute. Mit dem Aufkommen des Handwerks änderte sich die Situation deutlich. Die Wanderschaft der Gesellen verbreite schnell viel Wissen.
    Gehen wir in die Geschichte, so überschrieb Prof. S. N. Kramer jedes der 25 Kapitel seines Buches „Die Geschichte beginnt mit Sumer“: „Der… Die… Das erste…“ – diese Zeit war vor gut 4000 Jahren vorbei. Wenn wir heute aus der Vergangenheit eine Erfindung… benannt bekommen, dann waren es die Ägypter (gut 1000 Jahre Parallelkultur) oder die Babylonier (Folgekultur Sumers) – die Sumerer nie. Es liegt aber auch mit daran, dass die über 70.000 sumerischen Keilschrifttafeln vorsätzlich medienoffiziell nicht aufbereitet werden, man findet eher eine Gegenarbeit.
    In meinem Buch „Himmelsschlacht“ habe ich aus verschiedenen Quellen zusammengefasst: „Was die Sumerer kannten“.

  19. Prähistorische Wissenschaft

    Apropos „Was sie Sumerer wussten“ …
    In prähistorische Kulturen wird natürlich viel hineingeheimnisst (Däniken etc.)
    Was aber zum Thema passt: ein spirituelles Weltbild und rationales Denken vertrugen sich auch schon bei den Erbauern der Pyramiden, von Stonehenge und der Tempel der Mayas und Azteken. Berechungen zum Sonnen-, Mondstand waren nötig, genaues Beobachten, technologische Kenntnisse, die uns noch heute erstaunen. Also keine primitive, abergläubische, vorwissenschaftliche Kulturen. Interessant ist, dass sich hier wohl eine mystische Sicht auf Zahl und Zahlenproportionen bestens vertrug mit präzisem Rechnen, Zählen, Planen, Organisieren. Oder vielleicht gab gerade die mystische Sicht auf die Welt die Kraft und Konzentration, um dann in der konkreten Bauausführung genau und sorgfältig zu sein.
    Heute kann das auch noch so sein: Flugzeug- und Raumfahrtingenieure „erträumen“ erstmal den Flug durch den Kosmos, grosse Wissenschaftler beginnen mit Staunen und Bewunderung angesichts der Komplexität und Schönheit der Natur.

  20. @blume

    Mmmh

    „Vieles oder gar alles wird richtig sein, was dort zu lesen ist. Aber
    ließe sich so das Rad ernden? Und wie haben es Adam Riese, Leo-
    nardo da Vinci, Gregor Mendel und Konrad Zuse nur geschafft, ohne
    derlei Begriffe zu Architekten zu werden, wörtlich zu ersten Hand-
    werkern, Künstlern, Schöpfern? Und davor die Mönche des Mittelal-
    ters, die uns Handschriften, Karten und Glocken überließen, die
    Wein kelterten und Bier brauten? „

    Welche Rolle spielen die Mönche in diesem Absatz? Für mich werden die wie Erfindern genannt – ich kann keinen inhaltlichen Bruch zwischen „Da Vinci“ und „Monchen des Mittelalters“ erkennen.

    Kannst du mir das erklären, wo ich da etwas überlesen habe?

    Bei den andern beiden(?) Vorfällen .. meinst du z.B. „Sturm auf Jerusalem“? Das ging nich ganz so aus wie hier darstellst.

  21. @ Rüdiger Sünner – viel hineingeheimnisst

    „In prähistorische Kulturen wird natürlich viel hineingeheimnisst (Däniken etc.)“
    Da stelle ich mir schon die Frage: Was meinen Sie eigentlich?
    Aus dem Blog „Die Dummheit auf der sicheren Seite“ möchte ich zu Ägypten ein Zitat bringen:
    „…alle kennen den Tierkreis (das Zodiakat). Alle gut 2000 Jahre geht die Sonne in einem anderen Tierkreiszeichen auf. Als vor 4000 Jahren der Widder dran war, wurde für Gott Amum in Karnak ein Tempel gebaut – der Eingangsweg wurde mit Widdersphingen geschmückt.
    Vor um 12.500 Jahren war Löwen-Zeit. Vor kurzem wurde erst in einer der vielen Sendungen über die Pyramiden erklärt, dass die Luftschächte (durch Roboter erforscht) in der großen Pyramide himmlisch ausgerichtet sind: Wenn der eine zum Nordpol zeigt, zeigt der andere zum Orion.
    Jetzt gab es den Forscher R. Bauval, der im Rechner die Sterne zeitlich über den Pyramiden kreisen ließ. Sein Ergebnis: die genannte Orientierung stimmte vor um 12.500 Jahren!
    Pro7: Welt der Wunder. Sendung am 27.07.2003, Forscher Joe Kirshving:
    „Stimmt die Theorie nicht mit den Daten überein, dann ändere die Theorie!“…“

    Im Blog „Materie – Das Geheimnis des Urstoffes“ wird mir vorgeworfen: „…Veröffentlichungen anderer Autoren wie z.B. Kramer einfach gemäss ihrem Weltbild zurechtzubiegen.“ Was ich zitiere, kann jeder nachlesen, notfalls kann ich die Buchseiten angeben, eine Kopie schicken.

  22. Zu Sascha Bohnenkamp

    Diese Passage aus Seite 9 meines Buches „Göttliche Geistesblitze“ soll nicht sagen – sie ist auch nicht so zu verstehen -, dass ich Mönche als Erfinder der Glocken, der Karten, des Bierbrauens usw. ansehe, sondern dass Mönche zahlreiche Techniken pflegten, weiterentwickelten und uns z. T. verändert und verbessert „überließen“, wie ich schrieb. Mehr dazu ist dann in den darauf folgenden Kapiteln zu lesen. Jedenfalls waren diese Mönche sehr einfallsreich und kreativ ( = schöpferisch, ganz wörtlich) und damit erfinderisch. Ein Erfinder ist ja nicht nur der, der etwas völlig Neues und Großes auf die Welt bringt, sondern auch der, der Techniken, Materialien u. ä. weiterentwickelt und im Detail etwas noch nicht Bekanntes schafft.

  23. Hinweis

    Auch wenn´s nicht direkt zum Thema gehört: Bei STERN.de / digital ist aktuell ein Beitrag: Hirnforschung Apple ruft religiöse Gefühle hervor

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