Evolution gehört in die Grundschule! Plädoyer für EvoKids und Big Family by Michael Schmidt-Salomon und Kolleginnen

Ende letzten Jahres traf ich Michael Schmidt-Salomon am Rande einer Tagung von Religionspädagoginnen und -pädagogen am PTZ Birkach – und binnen kürzester Zeit erinnerten wir uns an „gute, alte Zeiten“, in denen wir zum Beispiel in einer Talkshow diskutiert hatten. (Dem Vorsitzenden der Giordano-Bruno-Stiftung (GBS) auch widersprochen zu haben trug mir dabei eine ganze Reihe antitheistische Trolle ein – wofür MSS selbst aber nichts konnte.) Auch an den Solidaritäts-Post, als er und die GBS zeitweise scharf angegriffen wurden, erinnerte er sich gerne. Aber vor allem sprachen wir über laufende Projekte – über das Anliegen von EvoKids, die Evolutionslehre endlich auch an den Grundschulen zu vermitteln und über das Buch „Big Family“, das er gemeinsam mit Anne-Barbara Kindler dazu gestaltet hatte. Sofort fand es auch das Interesse anwesender Lehrerinnen – und das zu Recht!

SchmidtSalomonBigFamily

Das Anliegen von „EvoKids“ ist es, die Evolutionslehre auf einem reflektierten (und zum Beispiel also: nicht-sozialdarwinistischen) Niveau an die Grundschulen zu bringen. Denn bisher wird diese wichtigste, wissenschaftliche Theorie zum Verständnis allen Lebens erst in den Mittel- oder Oberstufen vermittelt – jahrelang, nachdem die Kinder etwa in der Familie und im Religionsunterricht von den Schöpfungsmythen der Heiligen Schriften erfahren haben. Das Ergebnis ist für alle Seiten unbefriedigend: Die jungen Leute können in den Zwiespalt geraten, entweder ihr bisheriges, religiöses Wissen rückblickend als „Lügen“ zu verwerfen (ohne den Unterschied zwischen Theorien und Mythen überhaupt zu verstehen), oder umgekehrt Aversionen gegen die Erkenntnisse der empirischen Wissenschaften entwickeln (was sich religiöse Fundamentalisten aller Art dann zunutze machen).

Entsprechend plädieren zunehmend auch kundige Vertreterinnen und Vertreter der Religionen dafür, die Erkenntnisse der Wissenschaften schon in der Grundschule zugänglich zu machen – und damit von Anfang an deutlich zu machen, dass es verschiedene Arten des Wissens gibt, die jeweils zu entdecken und zu verinnerlichen sich lohnt.

Auch den „Test“ mit meinen beiden älteren Kindern (1 x Grundschule, 1 x Beginn Gymnasium) bestand „Big Family“ mit Bravour: Der Aufbau des Buches über die fantastisch illustrierte „Mütterreihe“ sprach sie an und wir hatten einen starken Nachmittag des Lesens, Schauens und Diskutierens. Top!

BigFamilyFrauenreihe

Inzwischen gibt es zum Buch auch ein YouTube-Video, hervorragend „regiert“ von Ricarda Hinz, gesprochen von Nicole Engeln und mit dem jungen „Zeitreisenden“ Simon Schmidt. Hier ist es:

Aber führt die Evolutionslehre denn nicht notwendig zum Atheismus, Relativismus oder Sozialdarwinismus?

Die klare Antwort darauf ist: Nein! – und auch reflektierte „Evolutionäre“ wie Michael Schmidt-Salomon wissen das selbstverständlich längst. Denn erst langsam realisieren sowohl Religiöse wie auch Religionskritiker: Auch die Religion selbst ist ein (erfolgreiches!) Merkmal der Evolution! Und die verschiedenen Lager haben schon viel zuviel Zeit und Energie dafür vergeudet, sich gegenseitig anzublaffen, statt endlich gemeinsam im ernsthaften und niveauvollen Dialog weiterzuforschen.

Hierzu darf ich ein aktuelles Interview zwischen Heinz-Hermann Peitz und Michael einstellen, das geeignet sein sollte, manche übertriebene Angst (oder auch aggressive Hoffnung) aufzulösen:

Wahrscheinlich wird es also wenige überraschen: Ich unterstütze das Anliegen und das vorliegende Material der EvoKids, um die Evolutionslehre endlich in die Grundschule zu bringen. Es wäre dies meines Erachtens ein wichtiger Beitrag zur Hebung der wissenschaftlichen Bildung in unserer Gesellschaft, zum besserem Schutz Heranwachsender vor religiöser oder antireligiöser Radikalisierung und also letztlich ein wertvoller Beitrag für eine bessere Zukunft unserer Gesellschaft.

Und das schreibe ich als Wissenschaftler wie auch als praktizierender Christ und Vater schulpflichtiger Kinder.

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

51 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auch die Religion selbst ist ein (erfolgreiches!) Merkmal der Evolution!

    Was genau ist eine Merkmal der Evolution denn erfolgreich oder erfolglos? 🙂

    • @Tim

      Evolutionär erfolgreich ist ein (biologisches oder auch biokulturelles) Merkmal so lange, wie es überlebt und sich überdurchschnittlich erfolgreich reproduziert. Das ist die Definition von evolutionärem Erfolg (= „Fitness“). Wenn es verebbt und schließlich ohne Nachkommen und Varianten ausstirbt – dann war es erfolglos.

      Bitte beachten Sie jedoch auch, dass evolutionärer Erfolg als deskriptive (beschreibende) Kategorie zwar auch erkenntnistheoretisch relevant, aber nicht einfach mit „gut“ oder „wahr“ gleichzusetzen ist.

      Hier eine verständliche Einführung zum Anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=Iy9J9ddelVw

      • Zweierlei Wissen der Evolution ? Was ist an der Genesis Wissen ? Schon das die Erde da war und dann das Licht stimmt daran nicht. Die Sonne war weit vor der Erde da. Jahrmillionen Jahre sogar also ist die Genesis eine Lüge oder Unwissenheit, oder Beides. An der Schule kann doch nicht Unwissenheit oder Lüge gelehrt werden. Also kann es doch nur ein Wissen geben, eines das Naturwissenschaftlich erwiesen ist. Die Genesis ist das nicht, sie ist Grundfalsch.

        • @Hardy Richard

          Sie vertreten – wie religiöse Fundamentalisten meist übrigens auch – die Position des erkenntnistheoretischen Monismus: Demnach gäbe es nur eine Form von Wissen und Religion – Wissenschaft stünden in einem Nullsummenspiel zueinander.

          Empirisch gesehen (!) haut dies aber nicht hin: Religiöse Mythen erfüllen beobachtbar andere Funktionen als wissenschaftliche Theorien. Demnach sollte man auch beides besser nicht verwechseln.

          Hier ein streitbarer Blogpost zum Thema, falls ehrliches Interesse besteht: http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/die-empirische-beweislast-der-antitheisten/

        • Wissenschaft ist Wissen,- Mythen sind Mythen.
          Und beide haben ihre Berechtigung.
          Es ist kein Wiederspruch, wenn ein Priester in der Predigt sagt „Gott erschuf die Welt in 6 Tagen“, aber nach der Predigt mit seinem Hobby-Teleskop die Sterne beobachtet und Wikipediaartikel ueber den Urknall liesst.

          In der Regel wissen das auch die Gottesdienstbesucher, und in der Regel wissen das auch die Wissenschaftler.

          Man muss sich nicht fragen „Waren es nun 6 Tage, oder waren es 7 Tage“,- sondern man muss sich fragen was diese Geschichte sagen will. In diesem Fall sagt sie einfach „jemand hat sich darum gekuemmert dass das Universum existiert“. (Ob Du das nun glaubst oder nicht ist wiederum eine andere Frage)

          Mythen koennen Dinge erfahrbar machen, die ansonsten nicht erfahrbar sind. Das Wort „Erfahrbar“ bedeutet in diesem Zusammenhang aber nicht eine Faktenaufstellung komplett zu verstehen.

          Ein anderes Trivialbeispiel: Jemand auf der Strasse fasst die Griechenlandkriese wie folgt zusammen:
          „Der Grieche hat kein Geld mehr und fragt den Deutschen nach neuen Krediten. Der Deutsche stellt dafuer aber harte Bedingungen“
          Der Satz selber liesst sich so als ob ‚der Grieche‘ und ‚der Deutsche‘ zwei Personen sind. Fakt ist aber, dass es sich hierbei um komplexe und Monate lange Verhandlungen zwischen zwei Regierungen handelt, die ihrerseits Interessen haben und auf den Rueckhalt in ihrer jeweiligen Bevoelkerung achten muessen. Eine sehr komplexer Willensbildung mit tausenden Aktoeren.
          In der einfachen Sprache wurde dies aber alles ausgeblendet, und der Kern-Sachverhalt trotzdem erfahrbar gemacht.
          So entsteht ein Mythos, und so hat er durchaus seine Berechtigung.

  2. Sehr schönes Projekt, das unbedingt unterstützenswert ist!

    Danke vor allem für das verlinkte Interview mit MSS. Er war mir bisher vor allem aus einigen seiner Publikationen bekannt, die m.E. doch teilweise sehr pauschalisierend und undifferenziert sind. Das Video hat mir verdeutlicht, welche (berechtigte) Intention dahintersteckt; er ist mir um einiges sympathischer geworden 😉

    • Das freut mich sehr, @Fabian! Natürlich gibt es auch unter Nichtreligiösen Leute, die ihre Identität negativ definieren (als Anti-, nicht nur Atheisten). Und natürlich beherrscht MSS das mediale Spiel – doch hört und schaut man näher hin, sind die Positionen sehr viel interessanter und differenzierter als es die meisten nachvollziehen können. Und im persönlichen Umgang habe ich ihn als intellektuell scharf, aber als menschlich freundlich und fair erlebt. (Er hatte gar kein Problem mit Widerspruch – nur einige seiner Anhängerinnen & Anhänger, die ihm manchmal auch peinlich sind…).

      Aber warum sollte es MSS auch besser gehen als damals auch Charles Darwin vs. „Darwinisten“..? 😉
      http://www.blume-religionswissenschaft.de/pdf/HK_DarwinIsmusBlume0113.pdf

  3. Schade, dass es das Buch wohl nicht im allgemeinen Buchhandel zu bestellen gibt, sondern nur im Pack (ab 10 Stk.) auf der offiziellen Seite. Wie könnte man an ein Einzelexemplar herankommen? Ich würde es gerne für meine Tochter bestellen…

    • Lieben Dank für die Anfrage, @Stefan B. Ich frage mal bei #EvoKids nach und bitte sie, uns hier eine Antwort und ggf. einen Link zur Verfügung zu stellen. An sich kann man sich solche Nachfragen doch nur wünschen!

    • Das großformatige, aufwändig illustrierte Buch ist bei guten Buchhändlern und Buchversandhandlungen wie denkladen.de zum Preis von 16,90 € erhältlich.

      Engagierte Buchhandlungen und Museumsshops, aber auch gemeinnützige Initiativen, Schulen oder Einzelpersonen, die das Buch (etwa im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen) zum festgelegten Ladenpreis weiterverkaufen, können „Big Family“ ab einer Mindestbestellzahl von 10 Exemplaren zum Buchhandelsrabatt von 40 Prozent […] direkt beim Verlag des Autoren bestellen

      http://evokids.de/content/big-family-buch

  4. Hallo,

    Einzelexemplare des Buchs „Big Family“ kann man u.a. hier bestellen:
    http://www.denkladen.de/Natur-Forschung/Wissen-fuer-Kids/Schmidt-Salomon-Kindler-Big-Family::2318.html
    Dieser Link ist auch auf der Evokids-Seite zum Buch zu finden:
    http://evokids.de/content/big-family-buch

    Alle anderen Materialien des Evokids-Projekts stehen zum kostenfreien Download bereit unter: http://evokids.de/content/evokids-unterrichtsmaterialien

    Vielen Dank für die Nachfrage und natürlich auch für den schönen Blogbeitrag!

    Herzliche Grüße
    vvom Evokids-Team
    http://www.evokids.de

  5. Neben den Mythen aus dem Religionsunterricht und den Faktenwissen aus Naturwissenschaftlichen Faechern fehlt vielen Schuelern glaube ich die Faehigkeit beides uebereinander in Einklag zu bringen.
    (Aehnliche Kommentarpostings finden sich auch in anderen Kommentaren).

    Ich moechte daher die Frage aufbringen: Wie kann man dies besser Vermitteln ?

    Viele Menschen sehnen sich nach „Der Wahrheit“ und suchen diese
    – in der komplexen Wissenschaft, die aber auch nur bis zur aktuellen Grenze des Wissens Antworten geben kann,- und schongarnicht das „Warum“ beantworten kann
    – Schlimmer: viele Menschen suchen Wahrheit in Mythen, und laufen dann zum Beispiel als Creationisten durch die Gegend und nerven damit ganz gehoerig.

    Wie kann ein Unterrichtsinhalt aussehen der Menschen (Kinder) bei solchen Konflikten unterstuetzt ?

  6. Ich persönlich bezweifle den Nutzen, Kindern in dem Alter etwas wissenschaftliches oder unwissenschaftliches über die Entstehung der Welt beizubringen. Das ist zu abstrakt und für die kleinen nicht verwertbar. Genauso wie Religionsunterricht in dem Alter überhaupt keinen Sinn macht.

    • @Jade:
      > Das ist zu abstrakt und für die kleinen nicht verwertbar.

      Na doch,- grade bei den Kleinen.
      Wie viele Grundschulkinder rennen herum und wollen alles ueber Dinosaurier wissen,- viele auch alles ueber die Planeten. Viele fragen sich wo das Wasser aus der Leitung herkommt und so weiter und so weiter.
      Alles Naturwissenschaftliche Themen.
      Begeisterungsfaehigkeit muss in Lernziele uebertragen werden

      • Die Gehirne sind in dem Alter, denke ich, noch nicht fähig sich vorzustellen was Gott ist. Vielleicht mit der Folge, dass die Thematik für den Rest des Lebens brach liegt. Das die Kinder begreifen was die Evolution beschreibt, bezweifle ich. Dann vielleicht noch eher die Relativitätstheorie lehren, die ist wenigstens jederzeit durch die erdanziehungskraft erfahrbar… 😉

        • @Jade

          Also, meine Kinder sind auf Wissenschaften und gerade auch Evolution ziemlich „abgefahren“. Klar noch nicht in einem abstrakten Sinne, aber doch in der Ahnung einer großen Geschichte – z.B. mit Dinosauriern – sowie z.B. der Erklärung, warum Menschen heute zuviel Zucker wollen. Und sie verstehen, dass Adam & Eva etc. eine andere Art Erzählungen sind, die z.B. den Bauern das Recht gaben, gegen Privilegien des Adels aufzubegehren.

          Vor allem aber werden sie später nicht verwirrt sein und sich nicht betrogen vorkommen, wenn sie Evolution umfassender kennenlernen. 🙂

  7. Charles Darwin, die Zoologie oder „Die Wissenschaft“ ist nicht Urheber der Vorstellung von einer Schöpfung durch „natürliche Auslese“, denn dieselbe Vorstellung oder ERKENNTNIS (!) ist schnon mit dem alten Testament und dem Ausdruck „Auserwähltes Volk“ überliefert – ein Volk, also, das selektiert wird. Und „nein“: Volk heißt nicht „ein Haufen Affen“, sondern „Folgende“ / Gefolge.

    Um die Zoologie (samt aller Wissenschaft) noch etwas besser dastehen zu lassen, wird allerdings behauptet, dass alttestamentarischem Text die Vorstellung (fiction!) von einer „Ad-hoc-schöpfung“ zu entnehmen sei, was eben keineswegs stimmt. Wie lang oder kurz sechs Tage sind, entspringt naturwissenschaftlicher (astologischr / astronomischer) Nominaldefinition – nicht biblischer. Etymologisch betrachtet, bezeichnet TAG nicht auch nur irgendein Zeitintervall – sie die Ausdrücke TAGUNG und Bundestag – sondern den Ahnlaut SAGE / SACHE – abgeleitet von (agr.: thein), beziehungsweise von ZEIHEN / ZEIGEN / SEIN und SIGN.

      • Hallo Michael Blume – Danke für den „Verweis“ auf die Bejahung des jüdischen Gelehrten.

        Demgegenüber müßten Sie sich jetzt nur noch revangieren. Sagen Sie „JA“ zum Schöpfungsbericht, und „Nein“ zur un-logischen (idiomatischen) Auslegung der Worte „Tag“ „Abend“ und „Morgen“ oder der Phrase: „Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag“, denn das heißt noch immer nicht „24 Stunden“.

        Die verbal überlieferte Schöpfungsdauer ist keineswegs „zu kurz“, und der „Aberglaube“ liegt eben nicht auf Seiten der Gläubigen. Ein Aberglaube findet sich vielmehr dort, wo gegelaubt wird, dass den Worten die Bedeutung erst von Seiten einer Sprachgenossenschaft veliehen wird. Was der Redner meint (meaning!) ist nicht dasselbe, wie das, was das Wort meint. Das heißt, dass die Bedeutung oder „Meaning“ eines Nomens eben NICHT die Bedeutung (Deutung) einer Sprachgenossenschaft oder der „Enzyklopädisten“ ist, sondern allein vom Wort (LOGOS) geleistet wird. Es ist der DEUT (deus) welcher DEUTET, und eben der akzeptiert weder eine un-logische, noch eine idiomatische Deutung. „Gott“ ist also nicht das, was Sie sich darunter vorstellen, sondern das, was das Nomen vorstellt.

        Das Nomen an sich (eigentlich! – „eigentliche Bedeutung“) stellt seine Ahnlaute „Gut“, „Guss“ und „Gosche“ vor – auch das sind Synonyme der REDE, des RATES und des LOGOS, also reden wir immer dort von SPRACHE, wo wir von GOTT reden. Das war sogar bei den alten Ägyptern schon so: Verschiedene Sprachen – die IDIOME und „Dialekte“, nämlich – hatten verschiedene Namen. Einer der Nomen, welcher bis einschließlich heute überlebt hat, ist der SLANG. Dessen Lautwurzel ist gut fünfmal so alt, wie das „britisch empire“ oder etwa „English“.

          • @Michael Blume,

            holla – philosphiegeschichtlich bin ich nicht so gut bewandert, um auf Anhieb ihre Reflektierung auf „Die Ontologie“ als „Der philosophische Diskurs“ zu verstehen. Letzterer ist mir eben nicht vertraut.

            Ich möchte aber mal insoweit antworten: Ich halte das SEIN für dasselbe wie das SAGEN oder SEHEN. Ein Leben oder Überleben hängt vor Allem von einem EINSICHTS-, also von einem SEH- und SAGE- (Rede-) VERMÖGEN ab. Wo es erlischt, erlischt auch ein Leben oder Loben (Geloben / G’lauben).

            Das Mensch-sein basiert auf eine Überlieferung von Erfahrung (= Sprache) und eben die funktioniert nur unter WAHRUNG einer gewissen (logischen) Übersetzung / Wortauslegung. Falsche Wortauslegung oder dementsprechend falscher Wortgebrauch wirkt sich ganz unmittelbar auf die Überlebenschancen der Redner aus. Die Redner sind die Gläubigen denn die GE-LOBENDEN, also schlichtweg nur diejenigen, die loben / labern / reden / raten.

            Darum heißt es auch, dass das „Evangelium“ über das Wasser wandeln kann, während alles andere „untergeht“ / ersäuft. Das soll heißen, dass widersprüchliche Aussagen („Legenden“) nicht weit überliefert werden, weil widersprüchliche Aussagen auch nicht verstanden werden können. Die „Atomspaltung“ als „Spaltung des Unspaltbaren“ ist zum Beispiel so ein Widerspruch in sich. In 500 Jahren wird das kein Mensch mehr sagen, verstehen oder „überliefern“. Denn siehe: Was soll denn „Jain“ heißen?

            Nur fehler~ oder widerspruchsfreie (= frohe) Botschaft wird auf Dauer überliefert, und alle Rede WIDER den Logos wird untergehen. Das ist nichts sonst wie nur eine logische Konsequenz.

            Bezüglich Ihrer Frage ist wohl eines noch ganz besonders wichtig: Nomen sind völlig außerstande, auf Gegenstände des Gesichts~ oder Tastsinnes zu deuten (sie haben nämlich keine Zeigefinger). Letzteres kann daher auch nicht deren „Bedeutung“ sein. Ein Nomen deutet immer nur auf seine Ahnen / Ähnliche und kann auch nur von diesen BEDEUTET (be-zeigt / be-zeugt / an-gezeigt) sein. Zwischen Rede und (non-verbalem) Sachverhalt kann lediglich eine ANALOGIE hergestellt werden. Wenn das geschehen ist, ist die Rede WAHR, denn WAREN-ARTIG. Waren und Sachen verhalten sich zueinander nur abslout logisch / kausal. Eben so muß also auch die Rede und die „adamische Namensvergabe“ / Formulierung sein.

            In dieser Beziehung ist Adam gefallen (der Sündenfall), aber er würde ja nicht Adam (der Unbezwingbare) heißen, wenn er nicht auch wieder aufstehen könnte. Der Slang ist lediglich Adams, bzw. Gottes Prüfstein – auch der (also der Fall / Sturz) mußte Adam vor Augen geführt werden, damit auch dieser ERKANNT und BENANNT werde. Er ist gerettet, sobald er weiß, wie die Falle funktioniert – und solange er das NICHT weiß, kann er nicht seines Vaters Erbe antreten.

          • @Alexander Leibiz

            Dann ist es ja für Sie eine gute Neuigkeit, dass Ihre sprachphilosophischen Überlegungen durchaus in großen Traditionen stehen! 🙂 Wenn Sie wollen, können Sie diese anhand der Fachbegriffe „Etymologie“ und „Ontologie“ durchaus auch bei anderen Denkerinnen und Denkern nachvollziehen, das ist ein reiches Feld!

            Persönlich habe ich eine große Sympathie für dieses Feld, jedoch auch noch einige Bauschmerzen. So habe ich beispielsweise über den Einhornglauben geforscht – und dieses entstand als Symbol- und Sprachartefakt aus hebräischen, griechischen und lateinischen Wurzeln, schließlich u.a. von Martin Luther ins Deutsche übersetzt. Es ist auch populärkulturell weiterhin sehr erfolgreich und es gibt – wie geschrieben – auch weiterhin Einhornglaubende, vgl.: http://www.blume-religionswissenschaft.de/pdf/MichaelBlume_DieWiederkehrderEinhoerner.pdf

            Meine Frage an Sie wäre, ob sich nun aus den langen Sprachtraditionen und -wurzeln des Einhorns sichere Aussagen zu dessen „Existenz“ ableiten lassen? Wie würde Ihre Sprachphilosophie sich an diesem Begriff bewähren?

          • Ja – geradezu zwangsläufig: Die Lehre vom Sein oder Sign ist etymologisch betrachtet die Lehre vom SAGEN und ZEIHEN / ZEICHEN. Und da eine Logia ohne Worte keine Lehre sein könnte, fallen die EIGENTLICHE LEHRE – das Lehren an sich – und die Lehre vom SEIN in eins.

            Beide sind sich synonym. Natürlich immer vorausgesetzt, dass das Nomen „Etymologie“ keiner (ebenso linguistischen wie un-logischen) Nominaldefinition / Wortauslegung unterworfen ist, denn nach linguistischer Definition ist das ja die „Lehre von der Herkunft der Worte“. Die Urheber dieser Lehre (die Stoiker) haben sich aber nicht mit der Frage beschäftigt, woher die Namen kommen, sondern mit der Frage, wie sich ein empirischer Eindruck in einen verbalen Ausdruck übersetzt, also mit der Analogie zwischen beobachteten Sachverhalten und deren Bezeichnungen / Formulierungen. Das spricht eine Beziehung an, die nicht nur von Ferdinand de Saussure geleugnet, bzw. als „nicht-logisch“ (= nicht verbindlich) bezeichnet worden ist.

            Im Umkehrschluß heißt das aber nur, dass sich die Linguistik nicht mit dem Wort, der Rede oder der Sprache befaßt, sondern mit dem IDIOM und dem SLANG. Das ist nicht dasselbe, wie der Ausdruck WORT oder WAHRE AUSSAGE. In der Idiomatik ist es tatsächlich so, dass die Zeichen und Zeichenfolgen wie Variablen aufgefaßt werden, denen jede x-beliebige Bedeutung unterstellt werden kann, da sie „an sich“ überhaupt nichts bedeuten. Mittels Idiomen kann aber auch keine Erfahrung überliefern, da sich ja dann immer nur die Unerfahrenen darauf einigen, was die Worte des Vorfahren bedeuten SOLLEN.

            Wenn die Auslegung der Worte den Nachfahren, also jeweils amtierender Sprachgenossenschaft überlassen ist, überliefert sich nicht die Vorstellung von Erfahrenen oder Vorfahren, sondern von Unerfahrenen. Aus überliefertem Text ließt der Nachfahre genau nur das heraus, was er selbst „per definitionem“ selbst „hinein-gelesen“ hat. Eine derart wortbrüchige Gesellschaft ist freilich dem Untergang geweiht, denn die fehlerfreie (logische / wörtliche) Überlieferung von Erfahrung ist des Menschen allererste Voraussetzung.

  8. Nachtrag (unter Anderem zur Korrektur eines Schreibfehlers):

    „sie TAGUNG …“ sollte natürlich „siehe TAGUNG und / oder Bundestag“ heißen.

    Für den TAG ergibt sich daraus auch eine Synonymität zu SIEG – dem liegt nämlich nur ein und dieselbe Lautwurzel zugrunde. Außerdem lautet griechisch substantiviertes >theinSeinthein< entsprechendes Substantiv, also als eine Wortneuschöpfung. Ordentlich substantiviert heißt das nämlich nicht SEIN oder etwa SINEN / SEINEN sondern SINN.

    Wer aber noch Zweifel bezüglich meiner Anmerkungen zum VOLKE hat, kontempliere auch mal zu immer noch gebräuchlichem FOLK und FOLKS. Das sind so oder so formuliert Ahnlaute der WOLKE(N) – Haufen, welchen wandern, beziehungsweise "walken" !!!

  9. Hoppla – spitze Klammern sollte ich in der Formatierung wohl vermeiden: Die bewirken nur unvorhersehbare Text-verschmelzungen. Also nochmal:

    Griechisch substantiviertes „thein“ (daneben auch die Form „thyein“ für „offerieren“ / „opfern“) lautet THEOS. Wenn der nicht existieren würde, hätte auch schon hiesige Debatte keinen SINN, denn ordentlich substantiviertes SEIN heißt nicht SEIN sondern SINN.

    Die neuhochdeutsche Lautvariante SEIN entspringt der Hochphase einer Scholastik lediglich in philosophischer / theologischer Verlegenheit um ein dem griechischen „thein“ (sein / zeihen) entsprechedes Nomen, obwohl es das in Gestalt des SINNES durchaus schon gab. Es heißt ja auch nicht DAS HABEN / HEBEN oder DAS SEHEN, sondern HUB / HUF / HOF oder SICHT.

    Ursache solcher religiös-wissenschaftlicher Mißverständnisse und Debatten ist allein die naturwissenschaftlich motivierte Praxis der Nominaldefinition, denn erst dadurch werden den Worten überlieferten Erbwortschatzes ganz neue (falsche) Inhalt unterstellt – Inhalte, die den Wortlaut und dessen Bezüge zu Ähnlichen (Ahnen / Ahnlaute) nicht mehr berücksichtigen. Genau diese fehlende RÜCKSICHT ist die fehlende Religiösistät, denn RE-LIGIO meint genau diesen RÜCK-SCHLUSS (theolog.: „Rück-bindung“ an das schon zuvor Gesagte – an die ältere Rede, also an die „Ahnen“ aller Rede. Letzteres ist exakt das, was schon der Evangelist Johannes mit dem LOGOS und Gott identifiziert hatte).

  10. „Die Gehirne sind in dem Alter, denke ich, noch nicht fähig sich vorzustellen was Gott ist.“

    Es gibt keinen Gott – nur Kirchensteuer.

    • @Plaudius

      Also gibt es „mindestens“ für viele Menschen Motive, auch religiös begründete Beiträge, Steuern u.ä. zu bezahlen. 😉

      Aber gerne eine Nachfrage: Inwiefern „gibt“ es denn in Ihrer Weltsicht überhaupt „Rechte“ und „Pflichten“ (Schulpflicht, Steuerpflicht etc.)?

      Meines Wissens wurde ihre materielle Existenz nie nachgewiesen, dennoch regeln sie das gesamte internationale, staatliche und auch zivile Leben!

      „Gibt“ es Rechte – und wenn ja, auf welcher materiellen Grundlage, @Plaudius?

      • Rechte und Pflichten sind materiell genauso nachgewiesen wie Bäume oder Menschen. Es sind Begriffe, die etwas „Materielles“ repräsentieren oder symbolisieren. Begriffe selber haben keine materielle Existenz, außer als neurobiologische Zustände im Gehirn. Rechte und Pflichten können physische Handlungen motivieren oder rechtfertigen. Insofern können sie in materielle Existenzen transformiert werden. Letztlich müsste man erst definieren, was als „materielle Existenz“ gelten soll. Auch das ist nicht so klar und wieder nur durch andere immaterielle Begriffe möglich. Aus diesem Dilemma gibt es keinen Ausweg (Münchhausen-Trilemma), außer der Erklärung durch den Spracherwerb, z.B. anhand der Bilderbücher in der Kindheit, in denen eine Assoziation oder mentale Relation zwischen bildlichen und sprachlichen Symbolen hergestellt wird. Manche Symbole korrelieren mit sinnlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen (z.B. Schmerzen, Gefühle, Strafen), andere nicht.

        Der Begriff der „Strafe“ ist selber immateriell, bezeichnet jedoch Handlungen anderer Personen, die nachfolgend subjektiv zu Schmerzen oder unangenehmen physischen Empfindungen führen, insofern also materielle Zustände oder Existenzen bezeichnen.

        • Holla, @Anton Reutlinger, vielen Dank! Nun haben wir die ggf. ungewöhnliche Situation, dass ich – bei sonst großer Übereinstimmung – etwas skeptischer bin als Sie.

          So schreiben Sie: Rechte und Pflichten sind materiell genauso nachgewiesen wie Bäume oder Menschen. Es sind Begriffe, die etwas „Materielles“ repräsentieren oder symbolisieren.

          Ein Pantheist bzw. eine Panentheistin würde Ihren Ausführungen wohl sofort zustimmen und „Gott“ als begriffliche Repräsentation bzw. Symbolisierung alles „Materiellen“ definieren! Ich würde freilich dennoch bezweifeln, ob wir dies als einen „Nachweis“ analog zu Bäumen oder Menschen annehmen dürften.

          Denn Rechte und Pflichten können – wie Gottheiten eben auch – ja als nichtexistent abgelehnt werden. Eine Anhängerin einer religiösen Rechtsordnung oder ein atheistisch-sozialistischer Diskutant könnten unsere Konzepte von „Menschenrechten“ bestreiten. Ebenso bezeichnen ja z.B. „Reichsbürger“ die gesamte Rechtsordnung „der BRD“ als „Fiktion“.

          Bisher tendiere ich daher klar zur Unterscheidung a la Popper, Harari & Co. zwischen der intersubjektiv überprüfbaren Welt der materiellen Objekte (wie „Bäume oder Menschen“) einerseits und der Welt der auf Glauben angewiesenen Welt der Ideen und Überzeugungen (wie Rechte, Pflichten, Gottheiten usw.). Mir ist zumindest keine relevante Idee bekannt, deren Gültigkeit nicht von irgendjemandem bestritten würde.

          Oder bin ich da Ihres Erachtens zu skeptisch?

          • Entschuldigen Sie, wenn ich mich schon wieder einmische, aber Sie sind da nicht zu skeptisch, sondern nur noch nicht skeptisch genug:

            Der angesprochene Nachweis mißlingt Ihnen nicht nur bezüglich „Recht & Pflicht“, sondern auch bezüglich „Messer, Schere, Feuer & Licht“.

            Versuchen Sie nur mal eine der vier Nominaldefinitionen zu VERIFIZIEREN.

            Erst wenn Ihnen das gelungen ist, haben Sie BEWIESEN, dass die Dinger nicht „Gott“, Engel oder Gespenster, sondern Messer, Schere, Feuer & Licht heißen.

            Die Existenz von Steinen ist also noch lange nicht bewiesen oder etwa beobachtet worden – auch von naturwissenschaftlicher Seite ist diesselbe lediglich BEHAUPTET, und zwar einfach per definitionem, also per Nominaldefinition.

            Wie etwas heißt, hat ein Wissenschaftler noch nie gesehen, sondern immer nur behauptet.

          • Darüber lässt sich konträr diskutieren. Ob Pantheisten Gott als Welt oder die Welt als Gott definieren, sei dahingestellt. Jedenfalls war die Welt dem Menschen eher zugänglich als Gott. Der Animismus sieht in vielen materiellen Dingen der Welt immaterielle Geistwesen oder Gottheiten.

            Generell darf man alltagssprachliche Ausdrücke nicht als Maßstab nehmen. Pflichten oder Rechte als nichtexistent abzulehnen, kann unterschiedlich interpretiert werden. Man kann generell nur etwas ablehnen, was jedenfalls als Idee und als Begriff oder Proposition existiert (evtl. in Form eines Dokuments). Die Ablehnung selber ist wiederum ein Gedanke oder eine Idee, die zumindest neurobiologisch existiert. Die Ablehnung im Einzelfall kann bedeuten, auf eine Handlung zu verzichten, weil man keine Motivation oder Rechtfertigung dafür findet, oder weil man konkurrierende Ideen hat. Ob eine Nichthandlung als „materiell existent“ bezeichnet werden könnte, ist wiederum eine Frage. Bestimmt aber kann die Nichthandlung ebenso materielle Folgen nach sich ziehen wie eine Handlung aus Pflichtgefühl oder Rechtsempfinden. Schon diese Ausdrücke deuten auf eine materielle, (neuro)physiologische Existenz hin.

            Die (Alltags)Sprache unterscheidet nicht eindeutig zwischen materieller und nichtmaterieller Existenz bzw. Nichtexistenz von Dingen, auf die sich die Begriffe und Ausdrücke beziehen. Es gibt keinen direkten oder natürlichen Bezug zwischen Begriffen und der „materiellen“ oder sinnlich wahrnehmbaren und erfahrbaren Wirklichkeit. Daher sehe ich keinen metasprachlichen Unterschied zwischen „Bäumen“ und „Geistern“. Meine Ausführungen stellen selbstverständlich nur Skizzen dar.

  11. Zum Einhorn-glauben:

    Das Einhorn existiert in Gestalt des einhörnigen Nashorns oder Schwertwales mindests so gewiss, wie das Wienerle, der Hamburger, Cheesburger oder der Typ aus Wolpertingen.

    Das muß man nicht „glauben“ (im Sinne von „vermuten“), sondern lediglich VERSTEHEN. Banale Deutschkenntnisse reichen dazu schon vollauf.

    Übrigens ist GLAUBEN alias GELOBEN nur ein Synonym des WISSENS alias WETTENS. Wissen kommt von WEIS-SAGEN od. WEISE-SEIN.

    • Nun ja, @Alexander Leibitz – je unter dem Begriff „Einhorn“, „Nashorn“ und „Schwertwal“ verstehen Menschen nun aber doch ganz verschiedene Dinge. Und in Ihrem letzten Kommentar hatten Sie ja sogar die Begrifflichkeit von „Messer, Schere, Feuer & Licht“ angezweifelt, nur um jetzt völlig verschiedene „Tiere“ in einen Begriffstopf zu werfen.

      Alleine mit GROSSBUCHSTABEN lassen sich diese Unterschiede m.E. nicht wegplanieren…

      • Das stimmt – aber auch nur deshalb, weil Kain die Rauchsäule über seinem Opferaltar nicht logisch (schlüssig / wortlich) sondern wie Sie hier andeuten „verschieden“ davon interpretiert hat, erschlug er Abel.

        Abel hatte sozusagen „ein Rad ab“, denn wie der Herr (Adam) so auch das „Gscherr“

        Sicherlich können Menschen das Nomen >Einhorn< anders verstehen, als WÖRTLICH, aber dann müssen Sie bei der Feldarbeit halt auch Blut und Wasser (Schweiß und Harn) lassen, also im Krieg mit ihren eigenen Brüdern leben.

        Weiter oben habe ich ja schon angedeutet, dass der Logos keine un-logische Wortauslegung gestattet. Wer lügt ist raus (!) – mindestens jedoch in Streit und "schmerzhaften Geburtswehen", wie schon der Eva vorausgesagt.

        Was ein Horn hat ist logischerweise ein Einhorn – siehe ganz analog dazu auch das "Zweirad" oder den "Drei-zack" Selbstverständlich hat das zwei Räder, beziehungsweise drei Zacken.

        Wenn Sie aber beahupten "Mensch = Nachfahre des Affen", dann reden Sie gegen den HErrn / wider alle Logik.

        Vergleichen Sie damit nur die Falschaussage "A = B" (Aristoteles / formal: "A = Nicht-A) oder "Fünf = Zwölf" – das sehen Sie dann schon, ob zu Gunsten eines richtigen Urteils erst lange "geforscht" werden muß.

  12. Verzeihug – nicht Abel hatte ein Rad ab, sondern Kain. Kain hat die Zeichen falsch (unlogisch) interpretiert. Mit der Fehlinterpretation kam die Angst vor dem Tod in die Welt, und eben die ist ganz aktueller Bestandteil unserer Welt.

  13. Nach Piaget sind Kleinkinder geborene Kreationisten. Für sie ist wirklich alles von einem Menschen gemacht und deswegen ist der Gottesgedanke auch für Kinder so schlüssig.

    Ob die Evolution nicht ein bisschen zu schwer ist für das kindliche Gehirn muss sich zeigen. Nachdem was ich von Piaget gelesen habe (zu dem ich eine Semesterarbeit geschrieben habe) wohl eher nicht.

    • @Zoran

      Gerade dann wäre es m.E. sehr schlecht, den jungen Menschen später zuzumuten, einen Bruch mit ihren kindlichen Vorstellungen zu vollziehen. Pädagogisch sinnvoller wäre es doch, sie schon frühzeitig und spielerisch in die verschiedenen Wissenswelten einzuführen.

  14. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Es ist ein Fehlschluss, aus der evolutionären Genese einer Überzeugung auf die inhaltliche Richtigkeit dieser Überzeugung zu schließen. Auch Rassismus hat evolutionäre Wurzeln und wird heute trotzdem als irrational verworfen. Das gleiche gilt für den Glauben an Astrologie, Zauberei, Homöopathie und andere irrationale, zum Teil sogar empirisch widerlegte Überzeugungssysteme.

    Die Erklärbarkeit religiöser Überzeugungen leistet also keinen Beitrag zur epistemischen Rechtfertigung des Glaubens. Ganz im Gegenteil: Eines der wichtigsten Argumente von religiösen Menschen („wenn so viele Menschen daran glauben, dann muss etwas dran sein“) bricht zusammen. Denn die evolutionäre Erklärung zeigt, warum es gut sein kann, dass Milliarden Menschen an ein Wesen glauben, das nicht existiert.

    Ich weiß, dass ich etwas ähnliches schon mal geschrieben habe, aber ich wollte es noch mal betonen, weil ich die Vermengung von Geltung und Genese in diesem Blog immer etwas ärgerlich finde.

    • Tja, @Thomas Friedrich, erkenntnistheoretisch schwache Positionen werden halt durch Wiederholungen nicht besser! 😉

      Woher wissen wir, dass wissenschaftliche Theorien haltbar sind? – Weil sie sich an der Realität bewähren!

      Macht sie das unbezweifelbar wahr? – Nein, aber doch epistemisch relevant.

      Woher wissen wir, dass mathematische Konstrukte haltbar sind? – Siehe oben.

      Woher wissen wir, dass juristische Konstrukte haltbar sind? – Siehe oben.

      Woher wissen wir, dass religiöse Konstrukte haltbar sind? – Siehe oben.

      Sie, lieber Herr Friedrich, haben sich bislang dogmatisch auf einen erkenntnistheoretischen Monismus festgelegt, der schon bei Mathematik und Recht strauchelt und bei Religion fällt. Dabei verletzt Ihre Festlegung schon die Grundbedingung wissenschaftlicher Erkenntnissuche: Sie ist selbst nicht mehr empirisch überprüfbar.

      Und auch wenn Ihre szientistische Weltsicht wieder und wieder an der beobachtbaren Realität und empirischen Befunden scheitert – bis hin zu Fragen der Anthropodizee und des demografischen Verebbens -, dann stampfen Sie mit dem Fuß auf und rufen: „Aber TROTZDEM!“. Darin sind Sie religiösen Fundamentalisten – z.B. Kreationisten – sehr nah. Solange Sie sich da selbst eingesperrt haben, können Befunde und Argumente nicht helfen. 🙂

      Nein, ich verwechsele keineswegs naiv „Genese und Geltung“, sondern mache darauf aufmerksam, dass Menschen empirisch beobachtbar und evolutionär bis heute relevant verschiedene Wissensformen erschließen und anwenden. So sind Gesetzestexte und religiöse Mythen nicht deshalb „falsch“, weil sie keine wissenschaftlichen Theorien wären – sondern sie repräsentieren je eigenständiges juristisches und religiöses Wissen und sind also auch an ihr je eigenen, beobachtbaren Auswirkungen zu messen. (Erkenntnistheoretischer Pluralismus)

      Auch, wenn dies sowohl religiösen wie antireligiösen Monisten nicht passt, sie gerne einfach ihre jeweilige Lesart absolut setzen und alle anderen Wissensformen verwerfen würden – es gibt noch viel zu entdecken! Und es kann daher m.E. nur gut sein, wenn schon Kinder die Vielfalt des Wissens schmecken lernen können. 🙂

      • Michael Blume (3. März 2016 6:47):
        > Woher wissen wir, dass wissenschaftliche Theorien haltbar sind? – Weil sie sich an der Realität bewähren!

        Dabei lässt sich aber unterscheiden:

        – Theorien (also Systeme aus Begriffen, Definitionen und deren logische Folgerungen/Theoreme) können sich dahingehend bewähren, dass ihre Begriffe selbstverständlich und ihre Definitionen konsistent sind;

        – Modelle (also Auswahlen bestimmter Werte von im Rahmen haltbarer Theorien definierter Messgrößen) können sich dahingehend bewähren, dass sie tatsächliche, aus Beobachtungsdaten gewonnene Messwerte darstellen.

        > Macht sie das unbezweifelbar wahr? – Nein, aber doch epistemisch relevant.

        Und dabei insbesondere zu unterscheiden:
        haltbare Theorien epistemisch relevant hinsichtlich ihrer Nachvollziehbarkeit, aber
        haltbare Modelle epistemisch relevant hinsichtlich ihrer Nachvollziehbarkeit und Korroboration.

    • … und außerdem wird „Rassismus“ heute eben nicht verworfen. Er wird von einigen Menschen verworfen / verurteilt, aber die Natur, Sache oder Evolution benutzt ihn zur Isolation und Schaffung eigenständiger (nicht mehr kreuzbarer) Spezies.

      Will sagen: Gott sei dank, ist nicht relevant, was der Mensch / Naturwissenschaftler verwirft oder wünscht. Dazu ist er auch noch gar nicht „sachlich“ genug.

      Das sieht man schon an der Geschichte der Wissenschaft, denn was ist in deren Verlauf nicht schon alles „geglaubt“ oder geleugnet (verworfen) worden. Das heliozentrische Weltbild erklärt Helios (Sonne) zum Mittelpunkt der Welt – das gelobten sowohl Bruno, als auch Kopernikus, aber falsch war es trotzdem.

      Da wäre es also doch reichlich naiv, zu glauben, dass der derzeitige Wissenstand nur deshalb Relevanz haben sollte, weil er aktuell ist. Aktuell war auch mal die Alchemie, und weiter oben hatte ich es schon erwähnt:

      Wissen meint nicht mehr noch weniger als wetten. Das steht dem Glauben / Geloben oder Schwören nicht auch nur irgendwie nach. Vergleiche hierzu nur Messe und Mette oder Water und Wasser. Die Lautung mit T oder S schied sich dies~ und jenseits der benrather Linie (verlief dereinst quer durch Norddeutschland – der Norden bevorzugte die Lautung mit T, meinte deshalb aber noch lange nicht anderes).

      Und das schöne daran: Solche Worte wie „Wissen“ beugen sich auch nicht menschlicher Willkür oder einer Nominaldefinition durch Gettier. Die sechs Buchstaben deuten trotzdem nur auf das, worauf die Buchstaben deuten – von den Wünschen oder Vorstellungen einiger Wissenschaftler ganz und gar unbeeindruckt, und selbst dann, falls Sie auch noch das Verb „deuten“ neu zu definieren versuchten.

      Was das Wort meint (od. definiert), ist nicht das, was der Mensch meint (oder definiert).

      In den Wissenschaften verhält es sich auch ein bisschen wie mit dem Stundenten, der nach Abgabe seines Frage~ oder Prüfungsbogens noch zu ergänzen suchte, dass darin nur die richtig beantworteten Fragen von Ihm selbst beantwortet wurden – die falschen Antworten entstammen einem „anderen Autoren“. Das kauft ihm natürlich kein Mensch ab, und außerdem ist selbst die „Spaltbarkeit des Atoms“ eine Falschaussage, während die der Formulierung zugedachter Sachverhalte NOCH NIE verifiziert werden mußten. Die Sachen verhielten sich (zueinander) schon immer „richtig“, also können die auch nicht falsifiziert werden.

      Beweisführung oder Verifikation kann sich also immer nur auf die Formulierung / Bezeichnung beziehen – allein die kann wahr oder falsch sein – doch genau da sieht es in den Naturwissenschaften sehr schlecht aus: Dieselbe wird gar nicht geführt, weils eben auch da nur um’s Geloben geht.

      Und wenn Sie ihren Beobachterstandpunkt verlassen – etwa zugunsten eines anderen Weltbildes – dann haben Sie eben nicht nur den absoluten Bezugspunkt verloren, sondern schon das ganze Bild. Ohne den Brennpunkt in allein Ihrem Auge haben Sie überhaupt kein kein Bild, also hätte der Astronom schon gar nichts mehr zu erforschen oder zu beobachten, wenn dem Bild tatsächlich der „absolute“ Bezugspunkt fehlte. Ergo:

      Das ehemalige geo~ oder egozentrische Weltbild ist richtig, denn das einzig mögliche. Sebst die Lorentztransformation ist auf „Gaia“ entwickelt worden, denn die Einnahme eines absoluten Bezugspunktes (Beobachterwarte) ist der Wahrnehmung / Erkenntnis vorausgesetzt. Verlegt in die Sonne wäre dieselbe Theorie eher NICHT entstanden (sondern verbrannt / erstickt / verdurstet). Diese Überlegung zeigt zumindest, dass noch nicht mal nur das Ego, Ich, Echo oder die Ehe ganz verstanden worden ist. Über das naturwissenschaftliche Weltbild lachen, wird man aber wohl erst in 500 Jahren.

      Ich, allerdings, kugel mich jetzt schon.

      Bedenken Sie nur, wie jung die naturwissenschaftl. Theorien noch sind. Im Vergleich zu den Religionen geradezu noch immer ein „Greenhorn“.

      Entscheidend ist ob Sie „bei Gott“ geloben, denn nur dann ist der Wetteinsatz der größtmögliche. Auf die Richtigkeit ihrer Theoerie oder Aussage haben Sie dann Ihr Leben verwettet. Eben das wagen Naturwissenschaftler nicht, und wo doch, da begegnet auch diesen der Thot (Thut, Theos, Zeus, Deus …).

      Jeder kennt IHN, doch kaum einer will ihn wahr haben. Theos ist ein Ahnlaut des TAUSCHES – verwandt mit dem TISCH. Der anders genannte Pharao oder Fährmann bringt Sie auf die andere Seite – vom Diesseit ins Jenseits des Jordan. Er existiert so nachweislich wie offenkundig, und allenfalls ihre Vorstellung von Gott existiert nicht. Letzteres ist natürlich sehr wohl möglich.

      Dass jedoch nicht ist, was heißt … das ist ausgeschlossen, denn entweder tut es und existiert, oder es tut nichts. Was nichts tut kann aber auch nichts heißen, also existiert, was heißt. Dasselbe gilt dann freilich auch für das HABEN eines Namens – dass etwas einen Namen hat, was nicht existiert ist logisch sehr leicht auszuschließen.

      Insgesamt brächte man mit der Evolutionstheorie nur noch eine weitere ebenso verwirrende wie unlogische Nomenklatur in die Grundschule, denn dass „Mensch“ ein Ab~ oder Ebenbild Gottes bezeichnet ist schon richtig. „Nachfahre des Affen“ ist hingegen falsch, bzw. sehr mutwillig (im Sinne von Vermutung) definiert. Einem fossilen Nachfahren des Affen nur das Schild mit der Aufschrift „Mensch“ um den großen Zeh zu hängen, ist kein Beweis für die Validität zugehöriger Abstammungslehre, sondern nur ein fauler Trick.

      Wie leicht hätte man demselben Skelett auch das Schild mit der Aufschrift „Jeti“ oder „Gießkanne“ um den großen Zeh hängen können? Befinden wir uns in den Naturwissenschsften etwa auf so einer Art „Wunschkonzert“?

  15. Evolutive Erkllärungen könnten das vorkausale Denken von Kindern ablösen und das Kind für kausale Welterklärungen öffnen. Das ist erstrebenswert, denn es gibt Erwachsene, die mindestens in Glaubensfragen (aber oft darüber hinaus) auf einer kindlichen Stufe stehen geblieben sind.
    Dieses vorkausale Denken von Kindern (und einigen Erwachsenen) sieht in allem was passiert etwas Gewolltes, Beabsichtigtes. Erzählt man Kindern über Tiere und fragt sie dann, warum es Flüsse und Bäche gibt, sagen sie nicht selten: „Damit die Tiere zu trinken haben“. Die evolutive/adaptive Erklärung wäre dagegen umgekehrt: „Die Tiere leben hier und nicht etwa in der Wüste, weil es hier Flüsse, Seen und andere Wasserquellen gibt.“ Eine Verallgemeinerung des evolutiven Denken schliesst auch das Denken in Adpationen ein. Angepasstes Verhalten (z.B.Sonnencreme einstreichen, wenn man in der Sonne liegt, nicht aber wenn man durch den Regen läuft) ist insoweit verwandt mit evolutivem Verhalten als dass beide Formen eine Reaktion auf Umweltbedingungen sind – das eine ist eine bewusste Rekation, das andere eine erzwungene Reaktion, das eine passiert schnell, das andere braucht sehr lange.
    Mit Heranführungen an evolutive Erklärungsmodelle baut man letztlich eine Brücke zu einem kausaleren Denken.

    • „Evolutive Erkllärungen könnten das vorkausale Denken von Kindern ablösen und das Kind für kausale Welterklärungen öffnen. Das ist erstrebenswert“

      Das FINDEN sie erstrebenswert.
      Ist aber allerpure Ideologie. Schließlich ist die kausale Welterklärung nur eine mögliche Welterklärung und keinesfalls wahr.

      “ Erzählt man Kindern über Tiere und fragt sie dann, warum es Flüsse und Bäche gibt, sagen sie nicht selten: „Damit die Tiere zu trinken haben“

      Und ist das falsch? Gläubige Menschen würden das genauso sehen.

      Ich finde MSS nachgradezu gruselig und finde nicht das Ideologie an die Grundschule gehört. Insofern kann ich die überwiegende Begeisterung der Postings hier wirklich nicht teilen.
      Evolution gehört meiner Meinung nach wirklich nicht an die Grundschule.

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