„Erst stirbt der Wald, dann Du!“ Die Dissertation von Birgit Metzger zum Waldsterben(-mythos)

Vor fast sechs Jahren bloggte ich – über den damaligen Forschungsstand ungehalten – die Frage, was eigentlich aus dem Waldsterben geworden sei? Die kulturwissenschaftliche Dissertation von Birgit Metzger im Rahmen des Freiburger DFG-Projektes „Waldsterben. Und ewig sterben die Wälder“ hat diese Frage für mich nun nicht nur beantwortet, sondern darüber hinaus gezeigt, wie spannend und erkenntnisreich historische und zugleich interdisziplinäre Forschung sein kann. Auf 665 vollgepackten Seiten – inklusive einiger Schwarz-Weiß-Grafiken – präsentiert Metzger Entdeckungen, die teilweise vorherrschenden Vorstellungen direkt widersprechen und die Türe zu weiteren Studien und Überlegungen aufstoßen.

„Erst stirbt der Wald, dann Du!“ Das Waldsterben als westdeutsches Politikum (1978 – 1986). Kulturwissenschaftliche Dissertation von Dr. Birgit Metzer, erschienen 2015 bei Campus

Wer hat’s erfunden? Die FDP, die NATO und die KSZE…

So dürfen sich gleich einmal alle auf Überraschungen gefasst machen, die davon ausgehen, dass irgendwelche linken Superverschwörer die Thesen vom „sauren Regen“ und dem bedrohten Wald in die Welt gesetzt hätten. Stattdessen kann Metzger aufzeigen, dass wir bis ins 19. Jahrhundert Vorläufer in den Forschungen zu Rauchgasschäden antreffen; also Schäden durch die Abgase von Fabrikschloten, über die Grund- und Waldbesitzer klagten. Und als Sprecherin dieser Eigentümer, die in Schadensersatzprozessen Entschädigungszahlungen einforderten, fungierte zunächst vor allem die FDP. Die frühere „Lösung“ der Industriebetriebe (deren Arbeiter häufig der SPD verbunden waren) bestand in der Strategie der „hohen Schlote“ – die Abgase also so hoch in den Himmel zu pusten, dass direkte Anrainer weniger betroffen waren.

Ein zweiter, zunächst unerwarteter Zugang zum späteren „Waldsterben“ kam gerade auch dagegen von den internationalen Organisationen vor allem der NATO und KSZE (aus der 1995 die OSZE wurde). Denn von Wäldern und auch Fischfang stark geprägte Staaten wie Schweden, Norwegen und Kanada nahmen Schädigungen ihrer Umwelt- und eben auch Wirtschaftsräume durch sog. „sauren Regen“ mit sinkenden PH-Werten wahr. Da sie selber eher schwach industrialisiert waren, lag es auf der Hand, dass die Abgase der großen Industrienationen und „hohen Schlote“ Europas wie auch die USA und die Sowjetunion diese Schäden verursachten – die entsprechend von den betroffenen Nationen als Themen für Wirtschaft und Sicherheit aufgerufen und debattiert wurden.

Entsprechend entwickelten sich bereits bis in die 1970er Jahre hinein auch in der Bundesrepublik erste Erkenntnisse, wurden erste, spezialisierte Bürokratien (zunächst in Innen- und Landwirtschaftsministerien) entwickelt und Verordnungen gegen Schadstoffausstöße erlassen. Hinzu kamen auch die ersten wissenschaftlichen Ansätze zu integrierten Systemtheorien (später auch Kybernetik u.a.), die versuchten, das Leben in „Systemen“ aus ständigen Wechselbeziehungen zu verstehen und zu beschreiben. Im heute völlig gängigen Begriff des „Ökosystems“ wurde zugleich deutlich, dass auch der Mensch „nur“ Teil solcher Zusammenhänge sei – und sterben würde, wenn das Umweltsystem zusammenbräche. Beispielhaft für dieses aufkommende Denken in bedrohten Systemen stand der (von der Volkswagenstiftung finanzierte) Symposiumsbericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome von 1972.

Wie die „Ölschocks“ die etablierten Parteien und die entstehende Umweltbewegung auseinandertrieben

Zunächst entwickelte sich das heute so genannte „Umweltbewusstsein“ in Teilen von Parteien und Staat sowie der (ebenfalls heute so genannten) Zivilgesellschaft dabei durchaus noch weitgehend parallel. Doch die beiden durch Kartelle der Ölproduzenten ausgelösten Ölschocks von 1973 und 1978/79 erschütterten eben nicht nur das Wirtschaftswachstum der Industriegesellschaften, sondern rissen auch den entstehenden Konsens auseinander. Als Reaktion auf hohe Energiekosten und steigende Arbeitslosigkeit wandte sich die SPD vor allem der Kohle und CDU/CSU vor allem dem Atomstrom zu, auch in der FDP erlahmte das Engagement für Umweltthemen auf Jahre hinaus: Wirtschaftswachstum musste (wieder) her! Umweltengagement wurde nun zu einem Bestandteil von „Systemkritik“, in der sich sowohl linke („Nieder mit dem Kapitalismus!“) wie auch konservative („Erhalt der Schöpfung und Kulturlandschaften!“) Bewegungen trafen und gemeinsam sowohl abgasspuckende Schlote wie auch Atomkraftwerke und eben „das gierige System“ bekämpften. Da die teilweise apokalyptischen Ängste dieser Menschen in den bestehenden Parteien nicht glaubwürdig aufgenommen wurde, bildete sich eine neue, diesen Protest aufnehmende Alternative: Die Partei der Grünen.

Wie Wissenschaft und Medien das Waldsterben auch mythisch aufladen…

Mit einer Publikation von 1979 zur „Deposition von Luftverunreinigungen und ihre Auswirkungen in Waldökosystemen im Solling“ etablierte der Forstwissenschaftler Bernhard Ulrich (1926 – 2015) schließlich die Annahme eines Zusammenhangs zwischen Abgasen – vor allem Schwefel – und einem vermeintlich drohenden Zusammenbruch des gesamten „Waldökosystems“. Obwohl es sich dabei zunächst nur um eine Hypothese auf noch dünner, empirischer Grundlage handelte, schlossen sich ihm Förster und andere Wissenschaftler, Studierende, aber vor allem eben auch große Teile der Umweltbewegung an. Dass „noch nicht alle wissenschaftlichen Fragen beantwortet“ seien, wurde dabei durchaus anerkannt, doch im Sinne eines „Vorsorgeprinzips“ erschien jedes Abwarten als letztlich geldgieriges Taktieren. Das Narrativ vom „Sterben“ des Waldes und – dann notwendig – Menschen wurde so zur Zuspitzung des Zusammenpralls aus neuen Umweltprotesten und etablierter Energie- und Wirtschaftspolitik. Teile der Industrie versuchten noch – erfolglos – mit einem Gegengutachten eines Physikers und eines Juristen die Erzählung anzufechten, doch mehr und mehr Medien griffen sie auf. Metzger gelingt dabei der Nachweis, dass es eben nicht nur der (inzwischen dazu gemäßigt selbstkritische) SPIEGEL von 1981 war, sondern dass es schon davor eine Vielzahl von Berichten in lokalen wie auch überregionalen Berichten (wie der Süddeutschen Zeitung) gegeben hatte. Der SPIEGEL griff sozusagen erfolgreich auf, was bereits in der Luft lag…

Dank digitalem Archiv anschau- und nachlesbar: Mit der SPIEGEL-Ausgabe 47/1981 „Der Wald stirbt“ startete eine dreiteilige Serie, die das „Waldsterben“ endgültig im deutschsprachigen Sprachraum etablierte. Screenshot: Michael Blume

Aus religionswissenschaftlicher Sicht ist dabei interessant, dass sich zwei Merkmale von Mythen (gegenüber Theorien) auch hier durchsetzten: So wurde 1. die Überprüfbarkeit des Waldsterbens (als These) faktisch ausgehebelt. Journalisten, Politiker, aber auch Abertausende Bürgerinnen und Bürger strömten in die Wälder, um sich unter der Anleitung von Forstfachleuten – nicht selten gar auf eigenen Waldsterben-Lehrpfaden – vom Waldsterben zu überzeugen. Schwache, kranke und sterbende Bäume wurden dabei als offensichtliche Hinweise auf das Waldsterben gedeutet. Aber auch „scheinbar“ gesunde Forste dienten als Demonstration dazu, wie „schleichend“ das Sterben voranging, oder dass die Pflanzen sich in verzweifelter „Notblüte“ übten! Wer immer noch Zweifel hatte, konnte zum eigenen Waldsterben-Tourismus in das tschechische Erzgebirge fahren, in dem klassische Rauchgasschäden tatsächlich verheerende Ausmaße angenommen und – medial gerne verwendete – tote Strecken hinterlassen hatten. (Dass also gerade auch sozialistische Wirtschaftssysteme ins sichtbare Waldsterben führten, scheint den linken Flügel der Umweltbewegung wenig irritiert zu haben; zumindest erwähnt Metzger keine entsprechenden Reflektionen.) Diese – in meinen jetzt religionswissenschaftlichen Begriffen – bildhaften Ikonen sterbender Wälder und Pilgerfahrten zu Orten des „Waldsterbens“ im Hinblick auf ein selbstverschuldetes, nahes Weltenende erfüllten damit auch die zweite Funktion von Mythen, die Stiftung von Sinn und Gemeinschaft. Im Erzählen und „Anblick“ des Schreckens, teilweise auch in drastischen Prozessionen und Ritualen vorgeführt, erlebten sich die Menschen als Glaubens- und Aktionsgemeinschaft, die zu Buße und Umkehr ruft.

Auch in Österreich entsprechend zelebriert – interessante Bilder und O-Töne eines ORF-Rückblicks von 2011.

…und Helmut Kohl (CDU) die Gunst der Stunde nutzte

Während die SPD/FDP-Koalition unter Helmut Schmitt 1982 zerbrach, ergriff der junge Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Dr. Helmut Kohl, seine Chance. Von der neuen CDU/CSU-FDP-Regierungsmehrheit im Bundestag gewählt, griff er zum – damals umstrittenen – Mittel eines „konstruktiven Misstrauensvotums“, um Neuwahlen zum Bundestag in 1983 anzusetzen. Dabei setzte Kohl nicht nur auf Themen wie die verbreitete Angst vor Arbeitslosigkeit und dem Kalten Krieg, sondern auch – auf den Umweltschutz. Auch führende CDU-Politiker beschrieben das „Waldsterben“ als „Schicksalsfrage“ und setzten – auch gegen Proteste der Industrie – eine neue Schadstoffverordnung in Kraft, plädierten zudem für die „saubere“ Atomkraft. Auch europapolitisch stellte sie sich an die Seite der vom „sauren Regen“ betroffenen Nordländer und veränderte damit die internationale Umweltpolitik. Die schwächelnde FDP stimmte all dem nicht zuletzt zu, weil in den ersten Landtagswahlen die Grünen an ihr vorbeigezogen waren – da lag es nahe, sich auf die früheren, liberalen Umweltansätze zu berufen. Die SPD geriet damit auch umweltpolitisch in eine ungute Lage: Sie stützte sich ja weiterhin stark auf die Kohleproduzenten und konnte zudem schlecht erklären, warum sie in den Jahren der SPD-geführten Regierung nicht selbst eine entsprechende Verordnung in Kraft gesetzt hatte.

Bei einer Rekord-Wahlbeteiligung von 89,1% (!) gewann die CDU/CSU am 6.3.1983 unter Helmut Kohl mit der Kombination konservativer und progressiver Ansätze 48,8% der Stimmen und schrammte nur knapp an der absoluten Mehrheit der Sitze vorbei. Dies auch deshalb, weil die Grünen mit 5,6% erstmals in den Bundestag einzogen. Metzger zitiert eine Allensbach-Studie aus dem Sommer 1983, nach der 99% der Deutschen vom „Waldsterben“ gehört hatten und volle 53% annahmen, dass bis zum Jahre 2000 auch der deutsche Wald stürbe.

Abebben der Umweltangst durch aktive Umweltpolitik

Während die neue Opposition aus SPD und Grünen fortan die christlich-liberale Bundesregierung kritisierte, stets „zu wenig“ für den Umweltschutz zu tun, achtete die Regierung Kohl darauf, aktiv zu bleiben. Unter anderem verkündete sie einen Aktionsplan „Rettet den Wald“, der unter anderem eine massive Forschungsförderung vorsah, gründete nach der Tschernobyl-Atomkatastrophe das erste Bundes-Umweltministerium (1986) und führte Autokatalysatoren ein.

Und hier fällt auch das Argument der „Panikmache“ auf die jeweiligen Industrievertreter zurück: Weder die strengen Verordnungen zur Schadstoffvermeidung und Rauchentschwefelung noch die späteren Maßnahmen führten zu astronomischen Kosten und Preisen, zum massenhaften Betriebesterben und zu Massenarbeitslosigkeit. Eher im Gegenteil: Die auch umwelttechnologische Spitzenstellung bundesdeutscher Produkte stärkte den Standort (und das Image). Die bis heute währende, unglückliche Verzögerungsstrategie deutscher Autobauer samt Diesel-Motorenmanipulationen gegenüber der Elektromobilität deutet darauf hin, dass wohl auch Wirtschaftslobbyisten weiterhin auf Konzepte setzen, die schon in der Vergangenheit immer wieder gescheitert sind. Umweltschutz hat die Wirtschaft nicht dauerhaft geschwächt – und ob umgekehrt die Herabsetzung des Umweltschutzes die Wirtschaft wirklich dauerhaft beflügeln wird, versucht gerade US-Präsident Donald Trump jr. (Rep) zu beweisen…

In meinem Blogpost von 2011 hatte ich auch gefragt…

Wurden in der Kanzlerschaft Kohl (1982 – 1998) auch der deutsche Wald – und die Menschheit – gerettet?

Die klare Antwort darauf ist: Jein – und eigentlich ist das schon für sich ein Aha! Denn eine erkenntnistheoretisch und wissenssoziologisch interessante Folge der neuen Forschungsförderung war, dass der lange „Konsens“ aufgebrochen wurde, immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer mehr Thesen zum „Waldsterben“ hervorbrachten – Metzger schätzt ihre Zahl auf heute bis zu 200 (!). War „es“ das Schwefeldioxid, das Ozon, die radioaktive Strahlung, ein anderes X oder eine Kombination verschiedener Faktoren? Oder gab es „es“ gar nicht, hatten die Waldschadensberichte – ab 1989 verschämt in Waldzustandsberichte umbenannt – nur in einem Klima politischer Hysterie natürliche Schwankungen „gemessen“ und ein „Sterben“ hineinkonstruiert und -gedeutet? Wurde das Waldsterben durch die umweltpolitischen Maßnahmen gerade noch abgewendet, oder war das alles unnütz? Zwischen diesen Extrempositionen und unzähligen Abstufungen kann heute jede(r) wählen. „Mehr (empirische) Wissenschaft“ führt eben nicht automatisch zu klareren Befunden, sondern oft auch zu einem Wettstreit von Hypothesen und der Erkenntnis, wie wenig wir eigentlich (auch weiterhin) gerade auch von komplexen Systemen wissen!

Fazit

Die Dissertation von Birgit Metzger ist mehr als nur ein Stück Kultur- und Umweltpolitikgeschichte. Hier finden wir bemerkenswerte Entdeckungen zu vielen Themen, die auch heute noch diskutiert werden – beispielsweise zu der Rolle von Medien, Wissenschaftlern (samt „Skeptikern“ und „Leugnern“) und diverser Lobbygruppen, zum Mit- und Gegeneinander von „Staatseliten“ und „Zivilgesellschaft“ und zum Aufkommen populistischer Bewegungen, die mit Warnungen vor vermeintlich drohenden Katastrophen und dem Anspruch absoluter Wahrheiten die „Systemparteien“ herausfordern. Auch am Beginn des 21. Jahrhunderts haben sich ja kleine und große, alte und neue Medien mächtig an der Angstmache um eine vermeintliche „Islamisierung“ beteiligt (man denke auch an die Ankündigungen und Vorababdrucke des pseudo-wissenschaftlichen „Deutschland schafft sich ab“ (2010) von Thilo Sarrazin (SPD) in BILD und SPIEGEL) – die uns wahrscheinlich 2040 mindestens ebenso absurd erscheinen wird wie Heutigen die damaligen Titel zum „Waldsterben“.

Zugleich zeigt Metzger jedoch überzeugend auf, dass keine finsteren Superverschwörer diese Erregungswellen kontrollieren, sondern dass sie in einem komplexen Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Politik und Medien entstehen und letztlich von der Nachfrage der Bürgerinnen und Bürger selbst getrieben werden. Wie schon im Karlsruher Medienethik-Seminar selbst wage ich die These zu verstärken, dass Menschen als evolvierte „Homo religiosus“ eben auch nach Mythen, Sinn und Gemeinschaft hungern und dabei auch dazu neigen, sich die Welt durch apokalyptische Katastrophenszenarien, Verschwörungserzählungen und Feindbilder „bedeutungsvoller“ zu gestalten. Auch vermeintlich säkulare und wohlhabende Menschen leben häufig lieber in einer Welt vermeintlich kosmischer Konflikte, gefühlter Angstlust und heldenhafter Rettungsaktionen als in ihrem eigentlichen, häufig leider langweiligen Alltag. Entsprechend möchte ich Metzgers Arbeit „Erst stirbt der Wald, dann Du“ ausdrücklich auch Kolleginnen und Kollegen aus der Religions- und Geschichtswissenschaft, den Theologien, Philosophien und der Politikwissenschaft empfehlen. Denn in diesem wunderbar interdisziplinären Werk finden Sie viele verblüffende Entdeckungen – und nicht weniger Möglichkeiten zu neuen, faszinierenden Fragen!

Abschließend noch in eigener Sache ein kleiner Teminhinweis für Hamburg:

Auf Einladung des Akademikerbundes Hamburg e.V. lese ich am Vormittag des 25.03.2017 aus meinem sciebook „Öl- und Glaubenskriege“. Da ich im Norddeutschen seltener mit öffentlichen Veranstaltungen unterwegs bin, dachte ich, ich kündige das auch hier auf dem Blog mal an, vielleicht sieht man sich ja. 🙂

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Waldsterbensdebatte kann auch als Vorläufer der Anthropozändebatte gesehen werden, also der Auffassung, dass der Mensch und seine Industrie jetzt der dominierende Faktor ist, der auch das Schicksal der Umwelt und Natur (mit)bestimmt. Es ist also ein Bewusstwerdungsprozess, zumal in dicht bewohnten Gebieten wie Westeuropa der Mensch schon länger der (fast) dominierende Faktor ist: Schon die Wälder der 1970er und 80er Jahre haben nur noch wenig mit den Urwäldern Europas zu tun, sondern sind zum grossen Teil zu Holzanbaugebieten geworden, deren Baumbestand durch den Menschen (Förster etc) bestimmt wird und wo die grossen Tiere wie Bär, Wolf, Luchs und Biber durch den Menschen eliminiert wurden, worauf man auch noch stolz war. Mit der Waldsterbensdebatte wurde das Einwirken des Menschen auf seine Umwelt nun sogar in einen apokalyptischen Zusammenhang gestellt womit man die zu Zeiten Dürers und Luthers weitverbreitete apokalytische Lebenseinstellung nun auf ganz neuer und anderer Ebene wiederbelebte. Das neue daran war, dass die 4 apokalyptischen Reiter nun nicht mehr Jenseitsgestalten oder Seuchen und Krieg waren, sondern dass diese Reiter nun Menschen der Moderne mit ihrer umweltzerstörerischen Industrie waren. Die Waldsterbensdebatte steht auch am Anfang einer völligen Umorientierung der Linken, deren Akteure nun nicht mehr aus der Arbeiterschaft und Gewerkschaft kommen, sondern aus umweltkritischen Aktivistengruppen. In der Waldsterbensdebatte kündigte sich also bereits an, dass der Industriearbeiter zum Auslaufmodell wird, was besonders verwundert, wenn man berücksichtigt, dass ganze Ideologiengebäude und Imperien auf dem Modell des in seiner Arbeit ausgenützten Proletariats basierten.

  2. All die schönen deutschen Subventionsforschungen zum schröcklichen Waldsterben haben an einer Tatsache nie etwas geänder: Das „Waldsterben“ beschränkte sich auf das Staatsgebiet Deutschlands. Es erhielt einfach keine Einreisegenehmigung nach Frankreich, England, Polen, ja nicht einmal im nahen Holland durfte es sich niederlassen. Ich vermute, weil die dortigen Wissenschaftler einfach nicht begriffen, wieviel Geld im Waldsterben steckte. Übrigens entwickelte sich auch in diesen Ländern der Umweltschutz weiter, ganz ohne Waldsterben – erstaunlich, nicht wahr? Aber das Ausland hat dann doch irgendwann das lukrative Wesen des Waldsterbens begriffen, da war das Waldsterben zwar schon selber lange verstorben, aber mittlerweile etwas viel besseres aus der Taufe gehoben worden, tausendmal lukrativer als das Ende des Walds, nämlich das Ende der Welt, dies bekanntlich in Form der „menschengemachten Klimaerwärmung“ und deren Stopp, so als wenn man einen Herd reguliert. Großartig, was der Mensch alles so kann. Das Waldsterben war dagegen wirklich nur Kleinkram, in jeder Hinsicht.

    • @Emil Hüsterloh
      Das ist nicht ganz richtig, siehe Wikipedia: „In Frankreich traten zum Teil ebenfalls Schäden auf, auch wenn sie wegen der in den meisten Teilen des Landes weitaus geringeren Belastung durch Schwefeldioxid und andere Rauchgase schwächer ausgeprägt waren als in den deutschen Mittelgebirgen. Dennoch wurde unter den Schlagwörtern „dépérissement des forêts““ (wörtlich etwa: „Waldverkümmerung“) und „le mal des forêts“ („Krankheit der Wälder“) eine in vieler Hinsicht vergleichbare Debatte geführt. […] Dabei wurde deutlich mehr auf die Eigentümerstruktur und die Nutzungsform abgehoben, als auf eine Mythologisierung des Waldes an sich.“
      Heißt ihr Beitrag, Sie würden die Rauchgasentschwefelung jetzt international wieder abschaffen wollen, die das troposphärische Schwefeldioxid auf 10% des vorherigen Niveaus reduziert hat? Immerhin kostet Sie etwas. Ich bitte um Antwort auf genau diese Frage. Die Chinesen rüsten ebenfalls auf Entschwefelung und geringere CO2-Erzeugung um, ist das irrational?

      • Wizzy:
        „Das ist nicht ganz richtig, siehe Wikipedia: (…)“
        Werter Wizzy, wenn man wissenschaftlich argumentiert, darf man nicht die Wikipedia zitieren.

        Wizzy:
        „Heißt ihr Beitrag, Sie würden die Rauchgasentschwefelung jetzt international wieder abschaffen wollen, die das troposphärische Schwefeldioxid auf 10% des vorherigen Niveaus reduziert hat? Immerhin kostet Sie etwas. Ich bitte um Antwort auf genau diese Frage.“
        Ich hatte doch geschrieben, das sich auch in Ländern ohne „Waldsterben“ der Umweltschutz weiterentwickelt hat. Egal ob in Europa oder sonstwo. Es gibt dort also keinen Zusammenhang zwischen der Reaktion auf das „Waldsterben“ und der Weiterentwicklung des Umweltschutzes. Und das wiederum bedeutet, dass das „Waldsterben“ für die Weiterentwicklung des Umweltschutzes überflüssig war. Ihre Frage, ob man diese Weiterentwicklung des Umweltschutzes rückgängig machen soll, ist seltsam. Ich weiß keine Antwort auf seltsame Fragen.

        • @Emil Hüsterloh In Wikipedia sind mehrere Primärquellen angegeben. Wikipedia zu zitieren ist immer besser, als gar nichts zu zitieren und nur eigene Meinung wiederzugeben. Ihre Ansicht, dass das Waldsterben nur in Deutschland Thema gewesen wäre („Das „Waldsterben“ beschränkte sich auf das Staatsgebiet Deutschlands.“), ist falsch.
          Zu meiner „seltsamen“ Frage: Es gibt genug Menschen, die die Existenz des Sauren Regens oder jede Schadwirkung durch diesen rundweg verneinen. Darauf zielte meine Frage, da derartigen Meinungsvertretern unsere Schwefelemissionen schlicht völlig egal sind. Zu meiner Erleichterung scheinen Sie eine solch radikale Meinung aber nicht zu vertreten. Danke für Ihren Antwortbeitrag.

    • Ich bin Niederländer und in den achtzigern aufgewachsen. Ich kann Ihnen versichern, dass auch da viel (sehr viel) über Waldsterben diskutiert wurde. Vor allem der „Saure Regen“ war ein Begriff. Katalysatoren wurden auch bei uns eingeführt!

      In meiner Schule gab es im Geografiezimmer einen Riesenposter mit drei Bildern: Wald vor 20 Jahren, Wald jetzt, Wald im Jahr 2000. Man kann sich vorstellen, wie die Bilder ausgesehen haben…

      • Rob van Stee:
        „Ich bin Niederländer und in den achtzigern aufgewachsen. Ich kann Ihnen versichern, dass auch da viel (sehr viel) über Waldsterben diskutiert wurde. Vor allem der „Saure Regen“ war ein Begriff.“
        Ja, aber es hatte sich keine nennenswerte Waldsterben-Industrie in den Niederlanden gebildet, ebensowenig wie in Frankreich usw. Und von der Verbreitung von Begriffen wie „Saurer Regen“ auf die Legitimation dieser Begriffe abzuleiten, ist abwegig. Der Begriff „Waldsterben“ war auch in England und Frankreich wohlbekannt, als deutsches Wort, und erregte dort immer wieder Heiterkeit. Diese Länder, alle Länder, brauchten kein Waldsterben, um ihren Umweltschutz voranzubringen.

        Rob van Stee:
        „Katalysatoren wurden auch bei uns eingeführt!“
        Aha. Und warum soll das jetzt etwas beweisen? Es gab und gibt ja eine Menge gute Gründe für die Einführung von Katalysatoren außer dem „Waldsterben“; die Reinhaltung der Luft war und ist keine exklusive Anforderung für den Wald. Sobald man sich außerhalb Deutschlands begibt, spielte daher das „Waldsterben“ für die weltweite Einführung von Katalysatoren keine Rolle.

        Rob van Stee:
        „In meiner Schule gab es im Geografiezimmer einen Riesenposter mit drei Bildern: Wald vor 20 Jahren, Wald jetzt, Wald im Jahr 2000. Man kann sich vorstellen, wie die Bilder ausgesehen haben…“
        Was soll man darauf antworten? Und darauf soll irgendetwas basieren? Auf inszenierten Wahrsagerbildern aus einem Klassenzimmer? Das ist Religionsersatz. Aber das „Waldsterben“ war ja sowieso nie etwas anderes. Man glaubt eben dran oder nicht.

        • „Und von der Verbreitung von Begriffen wie „Saurer Regen“ auf die Legitimation dieser Begriffe abzuleiten, ist abwegig.“

          Warum soll „Saurer Regen“ kein legitimer Begriff sein? Dieses Phänomen ist deutlich leichter zu definieren und identifizieren als „Waldsterben“. Er greift ja auch den Stein historischer Bauten an und zerstört die Skulpturen. Ob es immer „saurer Regen“ ist, der Denkmäler angreift, kann ich nicht sagen, aber Fotos und Abgüsse vor ca. 1900 zeigen, dass Jahrhunderte alten Skulpturen zu dieser Zeit in der Regel noch nicht so angegriffen waren.

    • Oh ja, @Emil Hüsterloh, so ähnliche Vermutungen hatte ich vor der Lektüre der Dissertation auch. Doch interessanterweise war ja das Gegenteil der Fall: Anfangs konnte sich die Waldsterben-Schwefeldioxid-These fast als „Konsens“ durchsetzen, weil wenige Wissenschaftler zum Thema empirisch geforscht hatten und sich entsprechend eine eher dünne Datenlage durchsetzen konnte. Als dann im Rahmen des Aktionsprogramms Forschungsgelder flossen und eine größere Zahl von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beteiligt wurde, fiel dieser Konsens auseinander und besteht bis heute nicht mehr. Eine verschwörerische Absprache von Forschenden kann ich da einfach nicht erkennen.

      Beim Thema „Islamisierung“ nehme ich eine ähnliche Dynamik wahr. Am Anfang stehen die wissenschaftlich kaum haltbaren, aber publizistisch sehr weit gestreuten Aussagen eines Einzelnen, Thilo Sarrazin (SPD), der mit „Deutschland schafft sich ab“ auch Millionen verdiente. Umso mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber seine Thesen etwa zur Genetik von Intelligenz und zu einer vermeintlich eigenständigen Demografie des Islam untersuchen, um so klarer wird, dass nahezu nichts an den „Islamisierungs“-Thesen zutrifft.

      Ich würde aber weder Herrn Ulrich noch Herrn Sarrazin unterstellen, dass sie ihre Hypothesen vor allem aus finanziellen Erwägungen vortrugen. Ich denke schon, dass sie selbst auch daran geglaubt haben bzw. glauben.

  3. Das mit dem Waldsterben sollte man nicht wörtlich nehmen. Was sagen denn die Bewohner von Abu Dhabi oder Saudi Arabien dazu. Die kennen nur die Wüste.
    Ich finde, man sollte diese Aussage metaphorisch sehen. Wie schon gesagt, ist ein intaktes Ökosystem die Grundlage für ein Leben auf unserer Erde. Man hat berechnet, dass wenn alle Sauerstofflieferanten ausfallen, nach 400 Jahren aller Sauerstoff verbraucht ist.

  4. „Auf 665 vollgepackten Seiten … und die Türe zu weiteren Studien und Überlegungen aufstoßen.“

    Das heißt schlechtem Geld gutes hinterher werfen. Ergo: aufhören mit dem Unsinn. Das macht die Welt weder besser, noch bringt es sie weiter.

    • Den Gedanken verstehe ich, @Michael (Namensvetter) – doch im Bereich der empirischen Wissenschaften trifft er so nicht zu. Denn hier ist klar, dass wir niemals alles wissen werden, sondern dass die besten Antworten immer auch zu neuen Fragen führen werden. Gute Wissenschaft ist nicht nur nützlich, sondern auch ein Prozess, der niemals enden wird, solange es noch Menschen gibt, die mehr wissen wollen.

      Ein Großteil schlechter Forschung wird einfach vergessen. Auf empirisch haltbaren Forschungen – wie der Dissertation von Birgit Metzger – werden dagegen andere häufiger aufbauen.

      Ihnen herzlichen Dank für Ihr Interesse an Wissen und Wissenschaft! 🙂

  5. Die Waldsterben-Hysterie war der erste große Sündenfall der Umweltbewegung und die erste große wissenschaftsaverse Massenbewegung. Seitdem liegt man eigentlich immer ganz gut, wenn man erst mal das Gegenteil dessen annimmt, was die organisierten Umweltbewegten gerade umtreibt.

    Der Waldzustand ist heute sehr viel schlechter als vor 30 Jahren. Juckt aber niemanden.

    • @Tim

      Lieben Dank. Diese Aussage Ihrerseits finde ich schon spannend, da sie dem derzeit „herrschenden Konsens“ ziemlich klar widerspricht:
      Der Waldzustand ist heute sehr viel schlechter als vor 30 Jahren. Juckt aber niemanden.

      Dürfte ich – ehrlich interessiert – nachfragen, auf welcher Quellenbasis Sie diese Aussage treffen? Und woran die Ihrerseits angenommene, jahrzehntelange Verschlechterung des Waldzustandes Ihres Erachtens läge?

  6. Ich beziehe mich auf den Waldzustandsbericht (früher: Waldschadensbericht). Du hattest es oben ja schon angedeutet: Die Berichte waren methodisch nie unumstritten (vor allem hinsichtlich der Ursachenbewertung), aber sie zeigen nun mal eine deutliche Verschlechterung, bei einigen Baumarten sogar eine katastrophale Entwicklung. Ich kann mir kaum vorstellen, daß diesem Befund heute irgendwer widerspricht.

    • Vielen Dank, @Tim! Die Schwierigkeiten im Langzeitvergleich haben Sie ja angesprochen und weder im Text der Waldzustandsberichte noch in der (m.E. sehr kundigen) Übersicht von Kerstin Viering konnte ich Hinweise auf eine lineare Verschlechterung bei allen Baumarten finden:
      http://www.spektrum.de/news/was-wurde-aus-dem-waldsterben/1402487

      Allerdings stimme ich Ihnen zu, dass durchaus weiterhin Grund zur Sorge besteht und beispielsweise die Ersetzung von Diesel- und generell Verbrennungsmotoren dem Waldzustand mittelfristig nützen dürfte. Und vielleicht ist es ja auch der richtige Weg, statt auf kurze, panikartige Aufwallungen auf Mittel- und Langstreckenläufe technologischer Entwicklungen und politischer Maßnahmen zu setzen.

      • Es gibt natürlich keine lineare Verschlechterung, wir können ja regelmäßige Schwankungen beobachten. Der Waldzustand ist heute aber wesentlich schlechter als 1984.

        Ob die Ersetzung von fossilen Energien dem Wald helfen wird, ist fraglich. Mit Photovoltaik bräuchten wir für unsere Energieversorgung grob geschätzt 10-20.000 qkm Fläche, die müssen ja irgendwo herkommen. Der Bedarf entspricht ungefähr der zwei- bis dreifachen Fläche des Schwarzwaldes …

        Ggf. könnte auch mehr Bejagung helfen.

        • Ja, dem Wald geht es heute schlechter als vor dreißig Jahren. Nach Erkenntnissen der Waldforschung verstärken sich die Nachwirkungen des sauren Regens mit dem neuartigen Klimastress, den uns der Klimawandel beschert. Zitat: „Die Nachwirkungen der im Boden akkumulierten Wirkungen früherer Säureeinträge führen auch heute noch zu direkten und indirekten Belastungen der Wälder, obwohl die aktuellen Säureeinträge für sich genommen tolerabel wären. Das durch Bodenversauerung unnatürlich flachgründige Wurzelwerk der Bäume erfasst nur die oberen Bodenschichten, die verstärkt von durch Klimawandel bedingten Extremwetterlagen, wie zum Beispiel sommerliche Trockenphasen betroffen sind. Die Wirkungen der Bodenversauerung und die neu hinzugekommenen klimatischen Belastungen verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung auf die Waldgesundheit.“
          http://www.waldwissen.net/technik/inventur/fva_waldschadensforschung/index_DE

          Seit etlichen Jahren versucht man die fortschreitende Bodenversauerung durch Kalkung zu verringern. Bei Ackerböden und Oberflächengewässern erzielt man damit gute Erfolge, allerdings nicht beim Wald. Im Umwelt-Lexikon heißt es dazu: „Während die Veränderungen in den Oberflächengewässern überwiegend reversibel sind, lassen die Befunde insbesondere von Waldböden erkennen, dass die meisten Böden ein schadloses Auffangen der zugeführten und zusätzlich entstehenden Säurebelastung bei weitem nicht leisten können und diese Entwicklung praktisch irreversibel ist.“
          https://www.umweltdatenbank.de/cms/lexikon/49-lexikon-w/1257-waldschaeden.html

      • Benzin und Diesel sind schon um die Motoren zu schonen schwefelfrei. Sauren Regen können die garnicht verursachen – aber den Wald mit CO2 und NO2 düngen, dafür sind Verbrennungsmotoren durchaus gut!

        Wie gesund der Wald ist, hängt immer davon ab, wer die Gesundheit nach welchen Kriterien mißt. Kein Greenpeace-Experte würde je öffentlich sagen, daß die (Um-)Welt heute insgesamt in einem besseren Zusand ist als noch vor 20-30 Jahren, aber wenn ein nachhaltig wirtschaftender Förster heute fast doppelt so viel Holz pro Jahr und Hektar erntet als in den 80ern, dann können die Bäume so sterbenskrank nicht sein.

        • „…aber wenn ein nachhaltig wirtschaftender Förster heute fast doppelt so viel Holz pro Jahr und Hektar erntet als in den 80ern, dann können die Bäume so sterbenskrank nicht sein.“

          Das ist so nicht richtig, denn die hohe „Holzernte“ kommt weitgehend durch die ungeplante Nutzung von Wurf-, Bruch- und Befallsholz zustande. So haben die orkanartigen Winterstürme in den Jahren 1990, 1999, 2007 und 2010 zu erheblichen Mengen von Schadholz geführt, das dem Wald entnommen werden musste.

  7. Mona:
    „So haben die orkanartigen Winterstürme in den Jahren 1990, 1999, 2007 und 2010 zu erheblichen Mengen von Schadholz geführt, das dem Wald entnommen werden musste.“
    Hier wird wieder mal die Realität an das allzu deutsche Untergangs-Wunschdenken angepasst. Denn Stürme, die großen Waldschaden anrichten, gibt es bekanntlich, seit es Wald gibt. Überhaupt ist es eine typisch städtische Idee, das der Normalzustand des Walds kerngesund ist; aber diese Idee ist Unfug. Wie alle hochkomplexen Ökosysteme ist auch der Wald natürlichen Wachstums- und Bestandsschwankungen unterworfen. Das war immer so, das wird immer so sein und das ist ganz normal. Aber heutzutage wird ja jeder gesichtete Borkenkäfer als Beweis gewertet, das der Wald am Sterben ist. Das ist lachhaft.

  8. Fakt ist das die Präzision der Erdachse den Monsungürtel wandern läßt und wir mit mehr Dürren in den nächsten tausenden Jahren rechnen müssen. Archäologischer Fakt ist das mit einhergehender Industriealisierung (Kupferzeit) unsere Vorfahren, derart Raubbau betrieben haben das sie weite Landstriche, welche wir als Wiegen unserer Zivilisation ansehen, durch unsere Vorfahren derart zerstört wurden das diese Landstriche seit mehreren Tausend Jahren in unfruchtbare Öden verwandelt wurden. Fakt ist auch das Waldgebiete ihr eigenes Mikroklima erschaffen. Hätten die Venezianer anders gebaut so hätten die Slowenen und Kroaten heute kein Karstgebirge auch die Chinesen müßten nicht Millionen in die Aufforstung stecken, wären sie respektvoller mit ihren natürlichen Resourcen umgegangen. Die Indios entwickelten nicht umsonst die Terra Preta und lebten Jahrhunderte am selben Fleck ohne ihre eigene Umwelt zu zerstören. Es gibt genug archäologische Erkenntnisse wie seit Urzeiten Kulturen durch dumpen Raubbau und Gier mit Volldampf in Ihre Vernichtung rasten. Wir können uns heute, dank Pollenbestimmungen in Bohrkernen, ein sehr genaues Bild vergangener Vegitationen machen. Diesbezüglich gibt es genug wissenschaftliche Fakten und Erkenntnisse. Mir wurde in den Verkaufsseminaren eingetrichtert, das der Mensch nur aus zwei Gründen handelt: Um Verlust zu vermeiden und um einen Gewinn zu erzielen. Aus selbigen Gründen handelten auch unsere Vorfahren. Uns die Auswirkungen vor Augen zu führen war ein Schritt in die richtige Richtung auch wenn manche meinen dies sei übertrieben, ignorieren sie die archäologischen Fakten und die hieraus gewonnen Erkenntnisse über unsere Vorfahren.
    MFG Kunzer Christian

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