Die Haredim. Geschichte und Erfolg des ultraorthodoxen Judentums (sciebook)

Was macht ein Vater, wenn ihn die unbarmherzigen Kleinen am ersten Weihnachtstag um kurz vor sieben aus dem Bett holen, um mit ihren Geschenken spielen zu k√∂nnen? Er schreibt einen Gute-Morgen-Blogpost! ūüôā

Wobei das Thema durchaus ernst ist – auch gestern, am christlichen Weihnachtsfest, demonstrierten wieder Haredim (v.a. der Satmar-Tradition) in Manhattan, New York, gegen den Staat Israel:

http://www.youtube.com/watch?v=EtWS5zkjq28

Wer sind diese j√ľdischen Leute? Woher stammt ihre wachsende Zahl, ihre massive Kritik an Israel und ihre Kleidung? Nach den sciebooks √ľber die kinderreichen Old Order Amish und die Mormonen sowie √ľber die kinder√§rmeren Qu√§ker und Unitarier wagte ich mich zum Jahresende an die √§lteste, kinderreiche Tradition der Menschheit: Das „gottesf√ľrchtige“ (hebr. Charada) Judentum, die Haredim.

Die Wurzeln dieser Glaubensbewegung reichen bis ins erste Jahrtausend vor Christus zur√ľck, als Pharis√§er (hebr. Peruschim, die Abgesonderten) treten sie auch im Umfeld Jesu auf, der ihnen in vielem nahesteht, sie aber in manchem auch scharf kritisiert.

Nach der Zerst√∂rung des zweiten Tempels in Jerusalem um 70 n. Christus setzte sich das schriftzentrierte, „rabbinische“ Judentum endg√ľltig als „die“ Form jener bedeutenden Weltreligion durch. Durch seine biblische Gelehrsamkeit und seinen Kinderreichtum konnte es als oft bedr√§ngte und manchmal verfolgte Minderheit sowohl in der christlichen wie islamischen Welt und bis nach Indien und China hinein √ľberleben, ja wachsen.

Und als die j√ľdische Version der Aufkl√§rung (die Haskalah) sowie verst√§rkte Assimilationsbestrebungen durch die europ√§ischen Staaten auftraten, spaltete sich vor allem das aschkenasische (hebr. „deutschl√§ndische“) Judentum in liberale, konservative und orthodoxe Str√∂mungen. In Osteuropa verfestigten sich dann einige orthodoxe zu haredischen Str√∂mungen des mystisch orientierten Chassidismus und der in der √Ėffentlichkeit weniger bekannten Mitnagdim.

Nach den verheerenden Verfolgungen der Kommunisten bis Stalin sowie den Massenmorden der Nationalsozialisten hatten nur wenige tausend Haredim im Gebiet des heutigen Israel sowie in kleineren Gemeinden der USA, der Schweiz und Gro√übritanniens √ľberlebt. Gemeinhin ging man vom Untergang dieser alten Tradition aus; nicht zuletzt aus Mitleid stellte Ben Gurion „bis zu 400“ haredische Studierende vom Wehrdienst frei.

Doch aus einem Prozent der israelischen Staatsbev√∂lkerung wurden inzwischen knapp 14 Prozent – und wenn die Entwicklung so weiter geht, werden sie zur Mitte dieses Jahrhunderts die Mehrheit der israelischen Bev√∂lkerung stellen. Denn die Haredim konnten ihre Geburtenraten zuletzt auf bis zu acht Kindern pro Frau steigern und verdoppeln ihre Anzahl alle zehn bis f√ľnfzehn Jahre! Alleine im Gro√üraum Jerusalem leben mit inzwischen √ľber 250.000 etwa so viele haredische J√ľdinnen und Juden wie es Old Order Amish in den USA und Kanada gibt!

Wie erreichen die Haredim dieses enorme Wachstum? Was bedeutet es f√ľr das Judentum, f√ľr Israel und die Welt? Warum lehnen viele von ihnen den Staat Israel und z.B. auch den Wehrdienst ab? Stimmt es, dass sie „nur von Sozialhilfe“ leben?

Wie Sie sich sicher vorstellen k√∂nnen, war das sciebook √ľber die Haredim das bislang zeitlich umfassendste und thematisch anspruchsvollste Buchprojekt meiner religionswissenschaftlichen sciebooks-Sachbuchreihe. Ich bin froh, dass es noch gelungen ist, es vor dem Jahresende 2013 fertig zu stellen und hoffe, dass es Ihr Interesse findet.

„Die Haredim“ sind erh√§ltlich als eBook (‚ā¨ 2,99) und Taschenbuch (‚ā¨ 10,99).

HaredimsciebookBlume

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in T√ľbingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-W√ľrttemberg lehrte er an verschiedenen Universit√§ten, derzeit in K√∂ln. Blume promovierte √ľber die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht √ľber die Evolution von Religiosit√§t und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit M√§rz 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. F√ľr diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst f√ľr Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung f√ľr den Einsatz f√ľr schutzbed√ľrftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gr√ľndete auch den sciebooks-Verlag, in dem einf√ľhrende eBooks und Taschenb√ľcher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

31 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. „viele Haredims lehnen den Staat Israel ab“ lese ich und denke, dass die politischen Ideen dieser Religi√∂sen nicht ernst genommen werden k√∂nnen, denn wie f√ľr gewisse Leute jeder Lebensaspekt politische Bedeutung hat, hat f√ľr diese Ultrareligi√∂sen jeder Lebensaspekt und damit auch alles Politische seine Antwort im Glauben und der Religion. Wenn solcherart religi√∂s determinierte und motivierte Menschen unsere Zukunft sind – zuerst in Israel und dann in der ganzen Welt – dann gehen wir einer Zombiezukunft entgegen.
    Tats√§chlich darf man die Macht der Masse, der Vermehrung und Fortpflanzung nicht untersch√§tzen. Letzlich wird die Mehrheit √ľber kurz oder lang auch die bestimmende politische Kraft sein. Damit wird Religion zu Politik. Das ist schon viel h√§ufiger passiert als vielen bewusst ist. Die Aufspaltung von Indien in Pakistan, Bangladesh und das heutige (Rest-)indien hat ala Grund allein die konfessionelle Auseinandersetzung zwischen Hindus und Moslems. Und jetzt gewinnt in Indien die BJP (die Hindupartei) an Macht und mit ifr ein antimoslemischer F√ľhrer. Weil die Hindus wiederum Angst vor dem Anwachsen des moslemischen Bev√∂lkerungsanteils haben.

    • Wenn solcherart religi√∂s determinierte und motivierte Menschen unsere Zukunft sind – zuerst in Israel und dann in der ganzen Welt – dann gehen wir einer Zombiezukunft entgegen.

      Das Judentum war orthodox, wobei lange Zeit nur einige weltlicher geworden sind.
      Keine Angst, ‚unsere‘ Zukunft oder die Ihrige bleibt untangiert, die b√§rtigen Kollegen missionieren im Gegensatz zu anderen nicht, haben auch kein Gesellschafts- und Rechtssystem f√ľr alle in petto, wie andere B√§rtige.
      Die Religion als Privatsache ge√ľbt ist OK, so k√∂nnte auch der Sozialismus funktionieren, wenn die Teilnahme freiwillig bliebe.
      Diversit√§t oder Parallelgesellschaften gehen, die Pr√§fix ‚gegen-‚ macht hier den Unwert aus.
      Das mit dem ‚Wir‘ und der ‚Zombiezukunft‘ war deplatziert.

      MFG
      Dr. W (der von einem wohl geschriebenen E-Book ausgehen darf)

  2. Israel wird davor schon ein Problem bekommen zwar lehnen viele Haredim den Staat ab aber leben von Kindergeld und Sozialhilfe (was in Israel nicht so wenig ist). Viele Haredim Männer lernen nur die Thora und gehen keiner bezahlten Tätigkeit nach.

    Das wird man nicht auf dauer finanzieren können.

    • Hallo Zoran Jovic

      Nur zur Ihrer Information, ich hatte hier

      http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/formuliert-wissenschaft-dogmen-rupert-sheldrakes/#comment-30890

      auf Ihren Kommentar geantwortet, aber Herr Blume wollte nicht, dass Sie ihn lesen und hat ihn ‚Äězensiert‚Äú, weil ich den vom ihm eigef√ľhrten Begriff ‚ÄěMemetiker‚Äú nicht ganz in seinem Sinne verwendet habe. Solche L√∂schungen kommen schon mal vor, wenn die Emotionen hochkochen, das muss man nicht √ľberbewerten.

      Ich hoffe, dass Sie wenigsten diese Nachricht zu Gesicht kriegen.

      • Michael Blume

        @Balanus, einfach der Hinweis, dass ich es mir schon aus Zeitgr√ľnden nicht mehr leisten kann und will, mich auf der pers√∂nlichen Ebene anmachen zu lassen. Kein Mensch ist unfehlbar – auch ich ganz sicher nicht – aber zumal ich meinen Kommentatoren auch gerne Zeit und Anonymit√§t zugestehe, erwarte ich auch umgekehrt einen fairen, wertsch√§tzenden Umgang. Bitte beachten Sie, dass ich all das hier ehrenamtlich, in meiner knappen, freien Zeit und unter echtem Namen zur Verf√ľgung stelle. Sie sind hier gerne kostenfrei und anonym zu Gast, aber bitte benehmen Sie sich dann auch so.

        • @Michael Blume
          === schnipp ===
          einfach der Hinweis, dass ich es mir schon aus Zeitgr√ľnden nicht mehr leisten kann und will, mich auf der pers√∂nlichen Ebene anmachen zu lassen.
          === schnapp ===
          du musst schon wissen, warum du ausgerechnet den Thread, in dem du auf Zensur hinweist, zensierst, indem du löschst und den Thread schließt (ich habe jetzt keine Lust, eine Statistik zu erstellen, auf die Schnelle fand ich aber keinen weiteren Beitrag, in dem du die Kommentare deaktiviert hast).

          Ich habe inzwischen den Film mit Sheldrake und den mit Dawkins angeschaut und dir eine Diskussion √ľber den Inhalt angeboten, genauso wie auf Facebook √ľber den dort von dir verlinkten Biologos Artikel. Ich kann nat√ľrlich nachvollziehen, dass deine Zeit knapp ist, aber ich kann darin keine Anmache auf der pers√∂nlichen Ebene erkennen. Wie soll man von einem promovierten Religionswissenschaftler etwas lernen, wenn der nicht √ľber Inhalte diskutiert?

          • Michael Blume

            Lieber Thomas,

            1. wie fast alle Wissenschaftsblogger lösche ich Blogkommentare, die auf die persönliche Ebene gehen. Die Erfahrung zeigt: Bloggende, die diese Grenze zum eigenen Schutz nicht ziehen, machen sich zum Obst. Und weder Wissenschafts- noch Religionsfreiheit bedeuten einen Verzicht auf die Persönlichkeitsrechte. Mir geht es deutlich besser, seitdem ich wenige Trolle blocke und bei eigentlich seriösen, aber anonymen Diskutanten Рwie bei @Balanus Рauch mal meist ungewollten Entgleisungen Einhalt gebiete. Empathie-Tip: Einfach mal selbst ein paar Monate unter Klarnamen bloggen und dann schauen, was man so alles erlebt.

            2. Dank WordPress gibt es nun endlich die M√∂glichkeit, Kommentardiskussionen auch zu beenden, wenn sie sich nur noch wiederholen. Bei LifeType wurde dadurch alles unsichtbar; was f√ľr die bisherigen Diskutanten nat√ľrlich unfair war – deshalb habe ich das nur sehr selten genutzt (z.B. bei einer Eskalation zwischen Kommentatoren in einer Debatte √ľber Anthroposophie). Die neue Kommentare-Beenden-Funktion werde ich auch in Zukunft bisweilen nutzen, da ich einen Hauptberuf, eine Familie und auch wissenschaftlich ausreichend zu tun habe. Sich ehrenamtlich zu engagieren bedeutet nicht, sich unter Druck setzen oder gar zur Belustigung ausnutzen zu lassen.

            3. Es ist sch√∂n, dass Du mir eine Diskussion „anbietest“, sicher haben wir hin und wieder mal die Gelegenheit dazu. Aber wie schon an anderer Stelle geschrieben solltest Du nach stundenlangem Austausch auch mal ein freundliches „Nein, danke.“ akzeptieren k√∂nnen. Ich sch√§tze Dich und lese auch gerne von Dir, nehme aber wahr, dass sich unsere Diskussionsstile und Erkenntnisinteressen teilweise erheblich unterscheiden. Also: Bitte alles in Ma√üen und mit R√ľcksicht auf verschiedene Stile und Lebenssituationen.

            Dir von Herzen eine sch√∂ne und erf√ľllte Woche!

          • Dr. W an Dr. B:

            wie fast alle Wissenschaftsblogger lösche ich Blogkommentare, die auf die persönliche Ebene gehen

            Es sei denn, sie sind von Ihnen.

            Haha. РNein, nicht ganz ernst gemeint, Sie halten ja schon einiges aus. Wie es sich auch gehört, wenn selbst ausgeteilt wird.

            Zum leider geschlossenen Artikel, also f√ľr Feedback geschlossenen Artikel, h√§tte Ihr Kommentatorenfreund aber noch etwas (Unkonfrontatives) nachzutragen.

            MFG
            Dr. W

          • Hi Michael,

            === schnipp ===
            wie fast alle Wissenschaftsblogger lösche ich Blogkommentare, die auf die persönliche Ebene gehen.
            === schnapp ===
            kann man machen. Nur, und das ist mein Punkt, ich konnte nicht nachvollziehen, wo im konkreten Fall die ‚pers√∂nliche Ebene‘ lag.

            === schnipp ===
            Empathie-Tip: Einfach mal selbst ein paar Monate unter Klarnamen bloggen und dann schauen, was man so alles erlebt.
            === schnapp ===
            Ich habe das viele Jahre im UseNet (okay, das ist kein Blog, aber was ist ein Blog mit Kommentaren anderes als ein Thread, den man mit einem Posting begonnen hat?) und auf meiner HomePage als Forum gemacht. In den meisten F√§llen (bis auf die, in denen es juristische Probleme h√§tte geben k√∂nnen) habe ich mich auf die ‚Schere im Kopf‘ beschr√§nkt.

            === schnipp ===
            2. Dank WordPress gibt es nun endlich die Möglichkeit,
            === schnapp ===
            Hmmmm, ich kenne das schon seit vielen Jahren. Ein Musterbeispiel ist Michael Behe. Der hat anl√§sslich seiner beiden B√ľcher versucht, Blogs zu betreiben. Der wurde aber nach k√ľrzester Zeit so zugeballert, dass er die Kommentare blockierte und schlie√ülich zum DI umzog. Bradley Monton hielt es auch schon immer so.

            === schnipp ===
            Die neue Kommentare-Beenden-Funktion werde ich auch in Zukunft bisweilen nutzen, da ich einen Hauptberuf, eine Familie und auch wissenschaftlich ausreichend zu tun habe. Sich ehrenamtlich zu engagieren bedeutet nicht, sich unter Druck setzen oder gar zur Belustigung ausnutzen zu lassen.
            === schnapp ===
            Das macht Sinn und das war weniger mein Problem. Ich habe den einen oder anderen Thread gelesen, in dem du durchaus auch sehr heftig persönlich angegangen wurdest. Dort hätte ich Löschen verstanden.

            Aus an die 20 Jahren Erfahrung in diversen Foren kann ich dir nur sagen, dass das absolut zuverl√§ssigste Mittel darin besteht, einfach nicht zu antworten. √Ąhnlich wirksam sind Antworten im Stil von ‚gelesen, gelacht‘ oder auch ’nicht satisfaktionsf√§hig‘.

            === schnipp ===
            3. Es ist sch√∂n, dass Du mir eine Diskussion „anbietest“, sicher haben wir hin und wieder mal die Gelegenheit dazu. Aber wie schon an anderer Stelle geschrieben solltest Du nach stundenlangem Austausch auch mal ein freundliches „Nein, danke.“ akzeptieren k√∂nnen.
            === schnapp ===
            Selbstverst√§ndlich akzeptiere ich das. Aber, ganz ehrlich, ’stundenlang‘ haben wir uns noch nie ausgetauscht.

            === schnipp ===
            Also: Bitte alles in Ma√üen und mit R√ľcksicht auf verschiedene Stile und Lebenssituationen.
            === schnapp ===
            ACK

            === schnipp ===
            Dir von Herzen eine sch√∂ne und erf√ľllte Woche!
            === schnapp ===
            Danke, das w√ľnsche ich dir auch.

          • @ Waschke

            Aus an die 20 Jahren Erfahrung in diversen Foren kann ich dir nur sagen, dass das absolut zuverl√§ssigste Mittel darin besteht, einfach nicht zu antworten. √Ąhnlich wirksam sind Antworten im Stil von ‚gelesen, gelacht‘ oder auch ’nicht satisfaktionsf√§hig‘.

            Nicht antworten ist gut, wesentlich besser als zu zensurieren, denn andere wollen’s ja vielleicht lesen.
            Aus bald 35j√§hriger Erfahrung im Bereich der netzwerkbasierten Kommunikation heraus erlaubt es sich der Schreiber dieser Zeilen aber noch zu erg√§nzen, dass „Antworten im Stil von ‚gelesen, gelacht‘ oder auch ’nicht satisfaktionsf√§hig'“ mies bleiben.

            MFG
            Dr. W

          • @Dr. Webbaer
            === schnipp ===
            Aus bald 35j√§hriger Erfahrung im Bereich der netzwerkbasierten Kommunikation heraus erlaubt es sich der Schreiber dieser Zeilen aber noch zu erg√§nzen, dass „Antworten im Stil von ‚gelesen, gelacht‘ oder auch ’nicht satisfaktionsf√§hig'“ mies bleiben.
            === schnapp ===
            ich w√ľrde ‚fies‘ bevorzugen und r√§ume ein, dass diese beiden Alternativen noch im unteren Level meiner eristischen Kompetenz anzusiedeln sind.

            Wir sind uns aber vermutlich einig, dass wir anbetrachts des Thread-Titels weeeeeeit OffTopic sind und ich m√∂chte noch sagen, dass ich volles Verst√§ndnis daf√ľr h√§tte, falls Michael hier einfach aufr√§umen w√ľrde.

          • @ Waschke:

            Wir sind uns aber vermutlich einig, dass wir anbetrachts des Thread-Titels weeeeeeit OffTopic sind und ich m√∂chte noch sagen, dass ich volles Verst√§ndnis daf√ľr h√§tte, falls Michael hier einfach aufr√§umen w√ľrde.

            Begriffe wie ‚Aufr√§umen‘ f√ľr die Zensurierung kennt das Web eigentlich nicht, das m√ľssten Sie doch in den letzten 20 Jahren gelernt haben.

            Der Web-Nutzer konsumiert selektiv und auch bspw. per Feedreader, d.h. auch eine Zensurierung erreicht ihn nicht, wenn sie nicht vorab und umfänglich erfolgt (auf Grund bestimmter Maßgaben, die die Konnektivität, oder andere Spezifika der Nachricht betreffen).

            MFG
            Dr. W (der sich nun ausklinkt)

      • ‚ÄěPers√∂nliche Ebene‚Äú

        Nur eine kurze Anmerkung dazu: F√ľr mich ist ‚ÄěMemetiker‚Äú nicht per se ein abwertender Begriff, auch wenn er von Herrn Blume in Bezug auf Dawkins so gebraucht wurde. Ein ‚ÄěMemetiker‚Äú ist, wer Dawkins Mem-Theorie zur Erkl√§rung einer kulturellen Evolution‚ÄĒin Anlehnung an die biologische Evolution‚ÄĒvertritt.

        Ich verstehe nicht, wie man einerseits sagen kann, dass ‚ÄěDawkins Memetik empirisch krachend gescheitert ist‚Äú (MB), andererseits aber selbst der Idee einer kulturellen Evolution anh√§ngt. Vielleicht ist es ja nur ein scheinbarer Widerspruch, aber das kriegt man nicht raus, wenn man die Diskussion dar√ľber verweigert.

        • @Balanus, es ist okay, etwas nicht zu verstehen. Aber es ist nicht okay, die Kl√§rung auf der pers√∂nlichen Ebene zu suchen. Dass z.B. viele Leute den Unterschied zwischen empirischer Evolutionsforschung und Sozialdarwinismus nicht verstehen (oder nicht verstehen wollen) berechtigt sie noch lange nicht, jeden Evolutionsforschenden als Sozialdarwinisten zu bezeichnen. Klar ist das ein rhetorischer Trick, um den Diskutanten in eine Verteidigungsstellung zu zwingen. Es verzerrt und emotionalisiert aber jede sachliche Diskussion, deswegen lasse ich es nicht mehr stehen. So etwas haben Sie doch eigentlich nicht n√∂tig – zumal ich ja auch Ihre Anonymit√§t respektiere.

          Sie h√§tten das Thema ja auch ganz ohne pers√∂nliches Anrempeln als Frage formulieren k√∂nnen: „Wo sehen Sie, Herr Blume, denn den Unterschied zwischen Memetik und kultureller Evolution?“

          Und dann h√§tte ich zum Beispiel antworten k√∂nnen: Weil die „Memetik“ insinuiert, 1. dass sich verschiedenste Formen der Kultur in diskrete Entit√§ten („Meme“) aufteilen lie√üe, 2. dass sich diese Entit√§ten analog zu Viren „verhalten“ w√ľrden und 3. beispielsweise religi√∂se „Memplexe“ grunds√§tzlich als sch√§dlich („Wahn“) vorzuwerten seien. Keine dieser 3 Hypothesen hat sich als empirisch haltbar erwiesen und keine entspricht dem Wissensstand, deswegen gelten „Meme“ in der interdisziplin√§ren Evolutionsforschung als ebenso gescheitert wie morphogenetische Felder in der Biologie. Kann man diskutieren, kann man als Metapher verwenden, kann man √ľberpr√ľfen – aber als anerkannte Wissenschaft sollte man es nicht verkaufen.

          Dabei w√ľrde ich es aus Zeitgr√ľnden jetzt wirklich gerne belassen – zumal dieser Thread nicht der richtige Ort daf√ľr ist und ich Spamming nicht ermutigen m√∂chte. Bei anderer Gelegenheit ergibt sich bestimmt einmal wieder die Gelegenheit zur Wiederaufnahme der Sachdiskussion.

      • 9 Millionen Amische g√§be es in 100 Jahren, wenn sich die heute 282000 Amischen weiterhin alle 20 Jahre verdoppeln w√ľrden.
        In der Wikipedia liest man:

        Zwischen 1992 und 2013 hat die Amische Gemeinschaft sich von 128.000 Angeh√∂rigen auf 282.000 mehr als verdoppelt. …¬†Bei der gegenw√§rtigen Wachtumsrate w√ľrde sich die Amische Gemeinschaft alle 18‚Äď20 Jahre verdoppeln.

        28Milliarden Muslime g√§be es in 100 Jahren, wenn sich die jetzt 1.5 Milliarden wie gerade jetzt um 3% pro Jahr vermehren w√ľrden.

        Doch die Fruchtbarkeit in den islamischen L√§ndern ist in den letzten Jahren deutlich zur√ľckgegangen, nicht ge√§ndert hat sie sich aber bei den Amischen und den Haredim. Bei diesen ultrareligi√∂sen Gruppen geh√∂rt die grosse Kinderzahl quasi zur Religion. Deshalb k√∂nnte es gut sein, dass es in 200 Jahren mehr als 90% Ultrareligi√∂se gibt.

        • Herr Holzherr, negativ interpretiert sind Ihre aktuellen Nachrichten aggressive Spekulation mit antisemitischem Einschlag, positiv formuliert: Wir brauchen einen Weltraumlift.

  3. Bei den Amish kann ich mir ja noch vorstellen wie die √ľberleben, da die ja doch noch etwas bildungsbeflissener und ziemlich arbeitssam sind und auch normale T√§tigkeiten aus√ľben.

    Aber bei den Haredim frage ich mich wie das gehen soll. Eric Kaufmann hat zwar gemeint, dass die in den USA auch ohne staatliche Unterst√ľtzung auskommen, aber welche Jobs bekommt man mit dem Bildungsniveau eines F√ľnftkl√§sslers? Wie kann man von dem Gehalt eines Hilfsarbeiters eine sechs- bis zehn-k√∂pfige Familie ern√§hren?

    Mich w√ľrde interessieren, ob das Buch versucht darauf eine Antwort zu geben. Wird etwa √∂konomisch untersucht, in wie weit diese Gruppe ihre geringe Produktivit√§t durch das hohe Bev√∂lkerungswachstum ausgleicht?

    Ich h√§tte jetzt naiverweise gedacht, man m√ľsste den Haredim nur die staatliche Unterst√ľtzung streichen, dann verhungern die zu gr√∂√üeren Teilen, und das Problem h√§tte sich erledigt.

  4. Wie Sie sich sicher vorstellen k√∂nnen, war das sciebook √ľber die Haredim das bislang zeitlich umfassendste und thematisch anspruchsvollste Buchprojekt meiner religionswissenschaftlichen sciebooks-Sachbuchreihe.

    Das kann sich Ihr Frenemy mittlerweile, nach einer vglw. langen Recherche zu diesem Thema, vorstellen.
    Zweifellos ein sehr interessanter Topic, historisch und auch die Ideen betreffend, so scheint es nicht typisch zu sein, dass fortlaufend die Thora studiert wird vom männlichen Personal, interessant deshalb u.a. auch die Versorgungslage Рund die Thora.

    MFG
    Dr. W

    • Theologisch stellen sich bspw. Fragen nach dem Arbeiten an sich, denn die Zehn Gebote (die im Judentum nicht zentral sind) regen an an nur einem Tag nicht zu arbeiten, oder nach dem Urbach-Machen der Erde, die per Arbeit erfolgt oder die Versorgungsfrage, die nicht dadurch erledigt werden kann, dass andere (Glaubensbr√ľder) zahlen, denn wie sollen die sich finanzieren?

  5. @Anonymer Atheist

    Bei den Haredim gibt es kein Verbot wirtschaftlicher Arbeit – das Thorastudium gilt nur als segensreicher. Frauen arbeiten sogar sehr h√§ufig. Zusch√ľsse wie Spenden und Sozialleistungen k√∂nnen also in zus√§tzliche Lehrjahre und (noch) gr√∂√üere Familien umgesetzt werden, sind aber f√ľr den Bestand der haredischen Gemeinschaften nicht zwingend notwendig. Man beachte auch ihre Entstehung in Osteuropa, wo ihnen die Staaten vor allem Feindschaft entgegen brachten.

    @Webbär

    Ja, fast dreitausend Jahre Religionsgeschichte waren schon ein anderes Kaliber als die j√ľngeren Traditionen. Wobei auch auff√§llig war, dass die Regelungsdichte viel h√∂her und entwickelter war, so dass zu √ľberlegen w√§re, ob Religionen evolution√§r „reifen“…

    • Wie hoch ist den das Durchschnittseinkommen der Haredim ohne Sozialleistungen und welchen Anteil machen Sozialleistungen am Einkommen aus?

    • Sie sagen es.
      Der Schreiber dieser Zeilen hat hier aber keine besonderen Kenntnis, auch deshalb nicht, weil sie bisher nicht notwendig schien. [1] Das Thema an sich ist aber hochinteressant, danke f√ľr Ihre Arbeit.

      MFG
      Dr. W

      [1] ganz anders bspw. als bei der zurzeit hochaktuellen Religion; dort wäre Ihr Kommentatorenfreund fast schon Mullah, zumindest verglichen mit dem allgemein vorliegen zu scheinenden Kenntnisstand

  6. Sehr geehrter Herr Blume,
    ich m√∂chte mich der Frage von „anonymer Atheist“ vom 27.12., 11.51 Uhr anschlie√üen. Ich habe nat√ľrlich Verst√§ndnis daf√ľr, dass Sie Ihr Buch verkaufen und nicht im Blog dazu Stellung nehmen wollen. Deshalb w√§re ich Ihnen dankbar, wenn Sie zumindest sagen k√∂nnten ob entsprechende Daten in Ihrem Buch nachzulesen sind.
    W√ľnsche einen guten Beschlu√ü
    Dagmar

    • Sehr geehrte Frau Dagmar P…,

      vielen Dank f√ľr Ihre Nachfrage. An sich habe ich selbstverst√§ndlich nichts gegen wiederholte Anfragen von Kommentatoren – allerdings sollten dann Ton und Inhalt schon angemessen sein, schlie√ülich blogge ich rein ehrenamtlich und lasse mich entsprechend ungerne herum kommandieren. Und die o.g. Nachfrage l√§sst mich auch inhaltlich ratlos zur√ľck – denn selbstverst√§ndlich ist es v√∂llig unm√∂glich, pauschale Aussagen √ľber Einkommensverh√§ltnisse „der Haredim“ von Jerusalem bis New York und von Kapstadt bis Berlin zu machen. So lehnen beispielsweise die Satmar-Haredim den Staat Israel einschlie√ülich dessen Sozialleistungen ab, wogegen viele Chabad-Rabbinerfamilien weltweit als Gemeinderabbiner in nicht-haredischen Gemeinden arbeiten. Die Einstellungen zur Arbeit und der Anteil an Werkt√§tigen unterscheiden sich sogar innerhalb der einzelnen Str√∂mungen oft von Gemeinde zu Gemeinde (z.B. je nach den wirtschaftlichen Gegebenheiten und lokalen Rabbinern vor Ort)!

      Meine Aufgabe als Blogger und Buchautor sehe ich darin, diese reale und sich dynamisch entwickelnde Vielfalt f√ľr wirklich Interessierte sichtbar zu machen – gerade auch, damit ein besseres Verst√§ndnis jenseits von Klischees m√∂glich wird. Dann k√∂nnen auch vertiefende Nachfragen hilfreich sein. Aber mit pauschalen Aussagen √ľber „das Durchschnittseinkommen der Haredim“ kann und will ich nicht dienen (und glaube, dass das auch kein seri√∂ser Forscher k√∂nnte).

  7. Sehr geehrter Herr Blume,
    es tut mir leid, wenn Sie sich durch die Nachfrage bel√§stigt gef√ľhlt haben.
    Ich hatte √ľberlegt ob ich Ihr Buch kaufen soll, da ich vor vielen Jahren einmal eine ausgezeichnete Vorlesung zum Thema J√ľdische Volkskunde geh√∂rt hatte. Mich hatte eigentlich interessiert, ob Sie nur √ľber Kultur und Religion berichten oder auch √∂konomische und politische Aspekte untersuchen.
    Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben f√ľr eine Antwort, auch wenn Sie meine Frage anscheinend als Provokation aufgefasst haben.
    Ich werde k√ľnftig von Kommentaren hier Abstand nehmen, da ich wohl nicht in der Lage bin mich unmi√üverst√§ndlich auszudr√ľcken.

    • Sehr geehrte Frau P…,

      danke f√ľr Ihre R√ľckmeldung. Der Kommunikationsfehler lag aber eindeutig bei mir; denn ich meinte selbstverst√§ndlich nicht Ihre Nachfrage, sondern die vom „anonymen Atheisten“. Auf Ihre hatte ich ja prompt geantwortet, weil ganz und gar nichts daran auszusetzen war und ist. ūüôā

      Die T√ľcken der Online-Kommunikation…

      Ihnen auf jeden Fall alles Gute, einen guden Rosch und ein erfreuliches 2014!

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