Die Anbetung der Sonne

Wie schon Charles Darwin richtig erkannte, bildete der Animismus – die Annahme von der Belebtheit der Dinge – ein gemeinsames Merkmal von sozialen Säugetieren (wie z.B. Hunden) und Menschen. Und indem letztere den als belebt geglaubten "Anderen" (wie Wolken, Bäumen, Bergen, Flüssen, toten Körpern etc.) Personalität zuerkannten, evolvierten sie schließlich die Grundlage von Religiosität. Inmitten einer Welt von bedrohlichen und freundlichen übernatürlichen Akteuren wurden bewegende Erzählungen und Rituale entfaltet und bewährte Tabus und Regeln tradiert. In den gewachsenen Mythologien der Natur- und auch vieler späterer Religionen ist die Sonne (oft auch: der Sonne) dabei immer wieder ein besonderer, übernatürlicher Akteur. Hier sehen Sie eine hinduistische Nepalesin beim Gebet zur Sonne, die symbolisch dargestellt und durch Opfergaben in der Schale versinnbildlicht wird.

Warum war und ist die Sonne in vielen Religionen ein so wichtiger, übernatürlicher Akteur? Nun, sie ist in den meisten Weltgegenden täglich zu sehen und bringt unverkennbar Wärme, Licht und Leben. Pflanzen richten sich "anbetend" nach ihr aus. Durch ihren Auf- und Abstieg verkörpert sie das Geheimnis von Leben, Tod und Wiedergeburt. Ihr "Zorn" kann aber auch alles Leben verdorren lassen. Und sie teilt die Zeit, interagiert mit Wolken, Mond, Sternbildern und kann in dramatischen Momenten der Sonnenfinsternis auch "verschlungen" werden. Entsprechend gibt es in animistischen und polytheistischen Religionen fast immer mythologische Erzählungen über die (oder der) Sonne.

Ägypten

Im ägyptischen Kult stieg eine Verschmelzung aus der Reichsgottheit Amun und dem Sonnengott Ra zum langjährigen Hauptgott auf, der Geburt, Tod und Wiedergeburt verkörperte. Bekannt ist aber auch die "religiöse Revolution von oben" des Pharaos Echnaton, der versuchte, den ägyptischen Polytheismus durch die alleinige Anbetung des Sonnengottes Aton in einer eigenen Stadt – Armana – zu ersetzen. Hier ein Relief des Pharaos mit seiner Frau Nofretete und Töchtern bei der Verehrung Atons, dessen Strahlen in gebende Hände münden.

Echnatons Ansatz scheiterte – nach seinem Tod übernahmen die Altglaubenden wieder die Macht und der Sohn des Pharaos, Tutenchaton (etwa "Lebendiges Bild des Aton") wurde umbenannt in Tutenchamun, wieder den vorherigen Sonnengott verkörpernd. Die Forschung streitet, ob Traditionen der Aton-Verehrung völlig erloschen oder "im Untergrund" bedrängter Menschen und Völker den Aufstieg des jüdischen Monotheismus aus Ägypten vorbereiteten.  

Inkas

Inka steht eigentlich für "Sohn der Sonne" und damit für den Herrscher selbst, der als Kind des Sonnengottes Inti verstanden wurde. Seine Hauptfrau (und meist Schwester) wurde als Tochter des Mondes verehrt. Zudem wurde Inti durch die Sonnenblume symbolisiert. Pazifismus darf man sich darüber aber nicht vorstellen: Um Erntewetter zu erflehen und die Herrschaft zu festigen, gehörten zum Sonnenkult der Inka auch Tier- und Menschenopfer. Dennoch werden vorchristliche Sonnenfeste – in natürlich veränderter Form – auch im heutigen Peru wieder an einigen Orten begangen.

 

Japan

Im japanischen Shintoismus ist die Sonnengöttin Amaterasu (wörtlich Am Himmel erscheinende, große Göttin) nicht nur ein Kami (etwa "beseelender Geist"), sondern eine machtvolle Gottheit und bis heute von zentraler Bedeutung. So gelten die japanischen Kaiser (Tenno) als Nachfahren der Amaterasu. Bis heute ist die Sonnenscheibe das Symbol der japanischen Nationalflagge, die 16-strahlige "Aufgehende Sonne" wird von der Marine verwendet, gilt aber bei Nachbarvölkern als sehr nationalistisch. Die Nationalhymne "Kimi ga yo" besingt die Herrschaft des Tenno als Nachfahre der Sonnengöttin.

Monotheismus

Der biblische Monotheismus wandte sich ausdrücklich gegen den Sonnenkult. So steht "Es werde Licht!" (Gen 1.3) ausdrücklich vor der Erschaffung der Sonne, die keine eigenständige Person mehr, sondern ein lichtspendendes Gestirn neben anderen ist. Auch im Koran wird festgestellt, dass Abraham die Anbetung der Sonne gerade deswegen zurück gewiesen habe, weil die Sonne eben nicht ewig, sondern auf- und niedergehend, mithin sterblich, sei. Ob die jüdisch-christlich-islamische Gebetsendformel "Amen!" durch den ägyptischen Ruf zum Sonnen- und Reichsgott "Amun!" geprägt oder beeinflußt worden ist, ist umstritten.

Unbestritten ist aber, dass das spätrömische Christentum noch einmal viele Elemente aus Sonnenkulten aufnahm. So verknüpfte z.B. Kaiser Konstantin in der Verehrung des Sol invictus ("Unbesiegte Sonne") geschickt Traditionen des griechischen Apoll, persischen Mithras und (zunehmend) christlichen Gottesbildes und bereitete so einen neuen, römischen Staatskult vor. Nicht zufällig wurde die Geburt Christi am Sonnenwendfest des Sol invictus am 25. Dezember begangen, statt des Schabbat am Samstag rückte der Sonntag – Tag der Sonne – zum christlichen Hochtag.  

Säkulare "Sonnenanbeter"

Wenn wir heute von "Sonnenanbetern" sprechen, so meinen wir meist leicht ironisch jene Menschen, die sich möglichst kleidungsfrei den Sonnenstrahlen aussetzen. Aber auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag: Religiöse Inbrunst ist dabei natürlich selten vorhanden.

 

Vielmehr litten unsere Vorfahren nach der Auswanderung aus Afrika häufig unter Vitamin D-Mangel und evolvierten entsprechend in einigen Regionen helle Haut und die wohltuende Lust am Sonnenbad. Hinzu kommt ein kulturelles Motiv: Während früher "vornehme Blässe" anzeigte, dass man es sich leisten konnte, "nicht" im Freien zu arbeiten, gilt heute das Gegenteil: Sonnengebräunte Haut gilt heute als Signal, dass man sich Freizeit oder gar Urlaub unter der Sonne leisten kann. Entsprechend wird die Haut gerne der Sonne ausgesetzt. Doch damals wie heute gilt: Neben ihrer lebensspendenden Funktion steht auch der Zorn – und Sonnenbrände können nicht nur schmerzen, sondern auch gefährliche Hauterkrankungen vorbereiten. Respekt vor der Sonne und Kenntnisse zum "Umgang" mit ihr seien also auch heutigen Menschen ans Herz gelegt.

Und wer jetzt immer noch über die Macht der Sonne(n) schmunzelt: Eine zweite (z.B. durchwandernde) Sonne würde das Leben auf der Erde – wenn nicht gar diese selbst – auslöschen, wie Kosmologs-Kollege Michael Khan neulich ausgerechnet hat.

Radiointerview zum Thema vom Sonntag 02. Mai 2010 auf RBBeins bei "Zwei auf eins"

RBBeins_Sonnenkulte.MP3

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

29 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für die schöne Übersicht und die Videos. Die religiöse Verehrung der Sonne ist im Grunde sehr naheliegend, wir sind ja nicht nur abstrakt von ihr abhängig, sondern reagieren physiologisch und psychologisch sehr stark auf Licht und Wärme.

    Ich bin auch nicht sicher, ob ich den „säkulären“ Sonnenanbetern pauschal die religiöse Inbrunst absprechen würde. Was dort natürlich fehlt, ist die klassische mythische Unterfütterung, aber kultische Züge sind schon vorhanden…

  2. @ Lars Fischer: Religiöse Inbrunst

    Danke für die nette Rückmeldung, Lars! Ja, auch moderne „Sonnenanbeter“ haben natürlich ihre Rituale (man denke an das gegenseitige Eincremen, wäre sicher eine spannende Sache für außerirdische Anthropologen 😉 ). Und wenn „Sünden gebeichtet“ werden, geht es vor allem um Fett und Speiseeis… Aber ein religiöser Bezug im engeren Sinn läge dann vor, wenn die Sonne als lebendige Personalität (übernatürlicher Akteur) wahrgenommen, mit ihr kommuniziert etc. würde. Und das sehe ich bei den heutigen „Sonnenanbetern“ nicht. Wie Du ja auch sprachlich gelungen feststellst: Es fehlt die „mythologische Unterfütterung“…

    Schön wäre es natürlich, wenn mehr Menschen mehr über die Sonne und auch mehr über die Bedeutung von Vitamin D wüßten, vgl. in spektrum.de:
    http://www.spektrum.de/…kel/957493&_z=798888

  3. Ost-Ausrichtung

    Die Verehrung der Sonne erkennt man bei vielen katholischen Kirchen auch noch in der West>Ost-Ausrichtung. Der Hauptaltar ist bei älteren Kirchen in der Regel nach Osten ausgerichtet. Hin zum ´Licht´.
    Licht ist hier durchaus doppeldeutig zu verstehen als Sonne bzw. Gott.

    Und dann gibt es auch noch den tönernen Hahn, als Dachreiter auf dem Dach. Auch er ist traditionell nach Osten ausgerichtet – als Begrüßer des Lichts.
    Auch hier ist Doppeldeutigkeit erkennbar, wenn man die Bibel liest: Nachdem Petrus den Jesus verleugnet hatte, krähte kurz darauf der Hahn. Diese Stelle ist symbolisch zu sehen: der Hahn erkannte das ´Licht´.

  4. Symbolik

    Ach ja, die astrologische/religiöse Tiersymbolik in der Bibel wäre doch auch ein Thema für einen Religionswissenschaftler – wenn irgendwann einmal die kalten Wintertage wieder kommen. 🙂

    Es ist ja kein Zufall, dass Ochs und Esel an der Krippe stehen: Sie (= Tiergottheiten) stehen für alte Kulte; die Anbetung des Jesuskindes ist daher symbolisch zu sehen als Ablösung des Alten durch das Neue.

  5. Ergänzend

    Sehr spannend, Herr Blume. Und da Sie das Wichtigste in Ihrem Artikel schon zusammenfaßten, hier noch Ergänzungen:

    -Unter „Sol“, dem antiken römischen Sonnengott, findet man bei Wikipedia noch eine Reihe von interessanten Zusatzinformationen.

    -Mircea Eliade sah eine Entwicklung von den Himmelsgöttern zu Sonnengöttern (s.o., Blumes Artikel: in Ägypten, den hellenistischen Kulturen, Mexiko) und erwähnt Heroen als deren „Abkömmlinge“ (die oftmals wie die Sonne mit der Finsternis kämpfen, ins Reich des Todes hinabsteigen und als Sieger wieder empor). Interessant ist seine Feststellung, daß Sonnengötter in bestimmten Kulturen zum Sinnbild der Erkenntnis wurden und aus den synkretistischen Sonnentheologien der ausgehenden Antike eine rationalistische Philosophie hervorging. So beschwört der Neuplatoniker Proklos (412-485)in seinem Sonnenhymnus an der Stelle der Sonnenhierophanien Ideen.

    – Nur nebenbei und aus aktuellem Anlaß: Herr Blume macht auf die Gesundheitsgefährdung durch eine zu hohe Sonnenexposition aufmerksam. Das Gegenteil, der Sonnenmangel, ist gerade bei der Ganzkörperverschleierung ein Thema. Die Folge sind frühe Osteoporose, Brüche des Beckenknochens beim Gebähren, bei den Babies: Krämpfe, Muskelschwäche, Wachstumsstörungen u. Unterentwicklung der Knochen nachweislich bis zum 10. Lebensjahr. (Wie gesagt „nebenbei“, Burka-Diskussionen findet man ja jetzt überall). Die von Ihnen erwähnte heutige „Sonnenanbetung“, Herr Blume, sollte also einer wohldosierten „Sonnenverehrung“ weichen 🙂 Interessant sind vielleicht abschließend noch neue Untersuchungen, die ergaben, daß die exzessiven Sonnenkonsumenten Kriterien des Suchtverhaltens erfüllen.

  6. Asien

    In asiatischen Kulturen hat man in der Mythologie ein entspanntes Verhältnis zur Sonne bzw. zu Himmelmächten:

    China: Die Sonnengöttin Xi-He hatte 10 Sonnen-Söhne, jeden Tag wurde ein anderer in eine Ecke des Himmels gestellt, um der Erde Licht und Wärme zu schenken. Als die Söhne dagegen rebellierten und gleichzeitig erschienen, führte dies zu einer Hitzekatastrophe. Der Himmelsgott rief darauf den göttlichen Bogenschützen Yi, damit er sie mit Pfeilen vertriebe. Er aber tötete 9 Sonnen mit seinen Pfeilen.
    Mongolei: nach Überlieferungen gab es ursprünglich 7 Sonnen, welche die Erde ausdörrten. Ein Bogenschütze schoss 6 davon ab und die verbliebene Sonne bewegt sich seitdem dauernd, um dem tödlichen Pfeil zu entkommen.

  7. Sonnenkult der Vorzeit

    Spannender Eintrag, zu dem auch ich gerne noch etwas ergänzen würde: Die magische Kraft der Sonne wurde bereits lange vor den alten Ägyptern angebetet und zwar durchaus auch in unseren Breitengraden. Stichworte: Himmelsscheibe von Nebra, Stonehenge, Goseck, Newgrange, Megalithikum, Bronzezeit. Es gibt sogar Vermutungen, dass die weit über 10.000 Jahre alten Höhlen von Lascaux nach den Sonnenwenden ausgerichtet sind und Sonnenmotive in ihren Felsbildern tragen. Die Sonne scheint das Ursymbol frühester Spiritualität überhaupt zu sein. Und ich denke, dass auch heutige Astrophysiker immer noch eine tiefe Ehrfurcht vor den gewaltigen Prozessen haben, die in der Urzeit des Alls z.B. in den Supernovae stattfanden, in deren Sternenstaub auch die Atome unseres Gehirnes entstanden, das heute über den Sonnenkult nachdenkt. Sonnenkult betreiben wir übrigens auch in unserer Sprache, wenn wir einem ein „sonniges Gemüt“ zuschreiben, letztlich auch in Begriffen wie „Erleuchtung“, „ein Licht geht einem auf“, sogar die französischen und englischen Begriffe für „Aufklärung“ huldigen der erhellenden Kraft dieses Gestirnes: „siècle des lumières“ und „age of enlightenment“. Sonnenkult ist Lichtkult – und das Wesen des Lichtes ist, auch naturwissenschaftlich, immer noch ein grosses Geheimnis.

  8. Zeitenwende

    Man geht allgemein davon aus, dass der Mondkult älter ist, als der Sonnenkult. Der Mond wird ja auch im Zusammenhang mit dem Weiblichen gesehen. Mit dem Aufkommen des Ackerbaus wurde der Mondkult durch den Sonnenkult ersetzt. Wahrscheinlich brauchte man dafür auch einen anderen Kalender um den Zeitpunkt für den Beginn der Aussaat usw. zu bestimmen. Weibliche Mondgöttinnen verloren ihre Macht und wurden durch männliche Götter ersetzt.

    Die Frauen wurden ins Haus und an den Herd verbannt. Während der Mann die Herrschaft über fast alle Lebensbereiche übernahm. Zu Beginn der Frauenemanzipation gab es deshalb auch den Spruch: „Gebt uns die Nacht zurück.“

  9. @ all: Symbolik

    Wow, vielen Dank für die vielen, konstruktiven Kommentare! Ich denke, es wird tatsächlich gerade auch an Beispielen wie den Sonnenkulten deutlich, dass sich uralte Symboltraditionen auch noch in den „alltäglichsten“ Redewendungen finden, ganz zu schweigen z.B. von religiösen Lehren und Gebäuden. Deswegen liebe ich die überraschenden Aufgabestellungen für das Radio auch immer wieder so – dadurch entdeckt man auch für sich wieder viel.

    Zum Sonnenkult möchte ich noch anmerken, dass er erst mit dem Aufkommen von Ackerbau zentral geworden zu sein scheint, was im Hinblick auf die Bedeutung des Wetters und der Jahreszeiten für agrarisches (Über-)Leben ja auch einleuchtet. Insofern ging er tatsächlich oft mit einem Statusverlust der Frauen einher. Viel deutet darauf hin, dass zuvor die Verehrung weiblicher Ahnen und ggf. einer Art Urmutter zentral gewesen war:
    http://www.chronologs.de/…eit-und-ihre-bedeutung

    Anfang Juni bin ich eingeladen, in Berlin zu dem Thema zu sprechen und möchte dann einige neuere Ansätze und Daten präsentieren. Ich gebe gerne vorher auf dem Blog Bescheid!

  10. Sonne – biblisch-christlich

    Ein paar Einwürfe dazu:
    1) Ich finde es in Gen 1, der jüngeren biblischen Schöpfungserzählung, auch spannend, dass zuerst das Licht geschaffen wird und dann lange danach die Sonne: Gen 1,17 u 18. Dabei zusätzlich in ihrer Bedeutung reduziert dadurch, dass sie eigentlich kein eigenes Licht spendet sondern nur anzeigen darf, wann es Tag ist. Und der absolute Clou: Sie wird nicht einmal mit Namen genannt – sondern nur als die größere von zwei Leuchten. Ist natürlich polemische Absicht der alten Erzähler.
    Ähnliche Zurückhaltung übrigens in der Parallele zu Gen 1, nämlich Psalm 104. Zuerst wird das Licht als Mantel Gottes genannt. Und bei Sonne und Mond – vornean der Mond als Maß der Zeiten – eigentlich eine sehr dienende Funktion.
    2) Das würde mich interessieren, wer das „Amen“ mit !Amun“ zusammen bringt. Nach meiner Erkenntnis hängt es mit hebräisch Ämät=Wahrheit/Treue zusammen.
    3) Schon klar: Christgeburt am 25. Dezember (Wintersonnwende nach dem damaligen Stand des julianischen Kalenders) wegen „sol invictus“ und wegen der Konkurrenz zum Mithras-Kult und zum Kaiserkrönungstag. Natürlich wurde dann Christus gefeiert als die Sonne, die auf- und niemals untergeht. Machte sich auch geschickt: 25. März, Frühlingsanfang, als Tag der Schöpfung und gleichzeitig – 9 Monate vor dem 25. Dezember – als Tag der Zeugung. Man fand wohl in der Kalendereinteilung immer wieder geschickte Zusammenhänge – Zusammenhänge, die man selber geschickt angelegt hatte: Ostereier, die man selber versteckt hatte.
    Aber auch Kaiserkrönungstag war bis zum Jahr 800 (Karl der Große) nicht vergessen.
    4) Dass der Sonnen-Tag in der christlichen Kirche anstatt des jüdischen Sabbath zum wöchentlichen Feiertag wurde, das dürfte weniger mit der Verehrung der Sonne zusammenhängen. In den Grabes-Erzählungen zur Auferstehung wird der Tag nur als „erster Tag der Woche“ bezeichnet. Dazu betont: Auferstanden muss er schon vor dem Sonnenaufgang sein, den überhaupt nur Markus als Zeitmarkierung nennt – sonst: als es noch dunkel war/bei Morgendämmerung…
    Dass es gerade diesen Tag trifft, hängt wohl ehr mit dem „3. Tag“ nach Karfreitag zusammen. Und die wöchentliche Zusammenkunft der Christen hängt hat wohl ehr mit dieser Auferstehungs-Tradition zu tun, weniger mit dem Namen des Sonntags oder gar der Verehrung der Sonne. Auch der bekannte Licht-Finsternis-Gegensatz (z.B. in Eph 5) wird übrigens nicht mit der Sonne verknüpft.
    Immer wieder eine zu Gen 1 ähnliche Zurückhaltung der Sonne gegenüber.

    Na ja, sollten ein paar kurze Einwürfe sein. Die Kürze ist wieder mal in bekannter Weise ausgewachsen 😉
    Macht’s trotzdem gut…
    Hermann A.

  11. Religiöse Symbolik – bitte nicht über-drehen

    @KRichard: Ach ja, Kirchturmhahn – viel banaler: zuerst mal praktisch als metallene (!) Wetterfahne; eben gerade nicht nur nach Osten ausgerichtet, sondern nach dem Wind. Ganz praktisch mit dem großen Schwanz.
    Dann mit dem symbolischen Bezug zur Geschichte von der Verleugnung Jesu durch Petrus (z.B. Matth. 26). Der Hahn ist zunächst nur Zeit-Messer: Ehe der Hahn dreimal kräht = Ehe es richtig Morgen wird.
    Die Ost-Richtung der Kirchen bzw. auch oft der Gräber: natürlich Sonnenaufgang, aber auch in (West-)Europa — Richtung Jerusalem.
    Ochs und Esel: die kommen aus Jesaja 1,3 in die (nach-biblischen ! Fassungen der) Krippenerzählungen bzw. zu den Krippefiguren. Und Ochsen dürften wohl selten vergöttlicht sein, im Unterschied zu Stieren.
    Also bitte nicht das Symbolische überdrehen.
    Trotzdem immer wieder spannend solche Gedankenspiele.
    Hermann

  12. @Mona

    „Der Mond wird ja auch im Zusammenhang mit dem Weiblichen gesehen. Mit dem Aufkommen des Ackerbaus wurde der Mondkult durch den Sonnenkult ersetzt.“

    Aber es hat doch auch weibliche Sonnengottheiten in antiken Hochkulturen gegeben, die sesshaft waren und damit auf Gedeih und Verderb vom Ackerbau und damit von der Sonne abhängig waren.

    Die japanische amaterasu omikami ist da nur ein Beispiel.

    http://en.wikipedia.org/…ategory:Solar_goddesses

  13. Keine Regel ohne Ausnahme @Michael Kahn

    „Aber es hat doch auch weibliche Sonnengottheiten in antiken Hochkulturen gegeben, die sesshaft waren und damit auf Gedeih und Verderb vom Ackerbau und damit von der Sonne abhängig waren.
    Die japanische amaterasu omikami ist da nur ein Beispiel.“

    „Die Tatsache, dass die Sonnengottheit in Japan als weibliche Gottheit gilt, ist ein Ausnahmefall in der vergleichenden Mythenforschung. Verschiedene Ursachen werden dafür geltend gemacht. Unter anderem wird spekuliert, dass Amaterasu ursprünglich männlich gedacht wurde. Als die japanischen Götter- und Ursprungsmythen in den Büchern Kojiki (712) und Nihonshoki (720) gesammelt wurden, war Kaiserin JitM an der Macht. Einige Forscher vermuten, dass Amaterasu deswegen als weibliche Gottheit dargestellt wurde, um den Herrschaftsanspruch der Kaiserin zu unterstreichen. Andere Forscher verweisen auf andere weibliche Sonnengottheiten, u.a. Sunna in der germanischen Mythologie.“

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Amaterasu

  14. @Mona

    Schon klar, aber es handelt sich ja um eine ganze Anzahl Ausnahmen, wie dem Link in meinem letzten Kommentar zu entnehmen ist. Amaterasu omikami ist da nur *ein* Beispiel.

    Auch der von Ihnen verlinkte Artikel verweist ausdrücklich auf weibliche Sonnengottheiten in anderen Kulturen.

  15. Japanische Kriegsflagge

    „die 16-strahlige „Aufgehende Sonne“ wird von der Marine verwendet, gilt aber bei Nachbarvölkern als sehr nationalistisch.“

    Kleiner Kommentar am Rande: Die heute von der japanischen Marine verwendete Flagge „kyokujitsu-ki“ gilt nicht nur als sehr nationalistisch (übrigens nicht nur in den Nachbarländern, sondern auch in linken oder pazifistischen Kreisen in Japan), sie ist ein gewollt nationalistisches Symbol.

    Ihre Befürworter wenden ein, dass diese Flagge gar nicht dieselbe war wie die bis 1945 verwendete Kriegsflagge, denn heute sei das Sonnensymbol im Gegensatz zu früher nicht mehr mittig. Also sei das ja etwas ganz Anderes.

    Weder Befürworter noch Gegner nehmen diesen Einwand sonderlich ernst. Im Ausland wird die damit verbundene Symbolik sehr wohl verstanden und kommjt in der Tat nicht gut an.

  16. Michael Khan

    „Schon klar, aber es handelt sich ja um eine ganze Anzahl Ausnahmen, wie dem Link in meinem letzten Kommentar zu entnehmen ist. Amaterasu omikami ist da nur *ein* Beispiel.“

    Die Mehrzahl der Sonnengötter war aber männlich und darum geht es. Wie Sie hier im Link unter: „Sonnengottheiten in verschiedenen Kulturkreisen“ sehen können. Natürlich werden Sie in der Mythenforschung immer wieder Abweichungen finden, Menschen verhalten sich nun mal nicht immer und überall gleich.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnengottheit

  17. Geschlecht der Sonnengottheiten

    „Die Mehrzahl der Sonnengötter war aber männlich und darum geht es.“

    Diese Sichtweise ist zumindest nicht unumstritten unter Historikern.

    http://en.wikipedia.org/…r_deity#Female_and_male

    Falls Sie vorhaben, hierauf zu antworten, bitte ich Sie, erst den verlinkten Text zu lesen.

  18. @Michael Khan

    „Diese Sichtweise ist zumindest nicht unumstritten unter Historikern.“
    Wie in Ihrem Link zu lesen, sind einige Mythologen anderer Ansicht. Leider ist mir jetzt keine diesbezügliche Literatur bekannt. Meistens wird in Kulturen mit patriarchaler Prägung davon ausgegangen, dass das Licht „männlich“ ist und die Dunkelheit „weiblich“. Ich würde mich jedoch freuen, wenn wir Frauen wieder mehr ins Licht gerückt würden 🙂

    Siehe auch: http://baseportal.de/…=0,30&cmd=all&Id=2

  19. Blinder Glaube

    „Respekt vor der Sonne und Kenntnisse zum „Umgang“ mit ihr seien also auch heutigen Menschen ans Herz gelegt.“

    Unkenntnis im „Umgang“ mit der Sonne kann andererseits erst zu religiösen Erfahrungen und Erscheinungen führen.
    Das „Sonnenwunder“ von Fatima ist von der katholischen Kirche offiziell anerkannt. Und auch heute noch starren vor allem Katholiken z.B. in Irland, Bosnien-Herzegowina und Indien direkt in unseren Mutterstern um die Gottesmutter darin zu sehen.

  20. Große Mutter und Große Göttin

    Darf ich auf einen schon früher gemachten Beitrag hinweisen? Dort verwies ich auf die zweifache Nutzung des Weiblichen: 1. als die häufig dem Mond zugewiesene „Große Mutter“ (das Natürliche, das Sinnlich-Körperliche, das Bewahrende, das Dunkle, der Mutterschoß, häufig aber auch „negativ besetzt“ wie das Zerstörerische, das Verführerische = Nahrungs- und Fruchtsbarkeitssymbol), und 2. die der Sonne oder dem (Vatergott) zugewiesene „Große Göttin“ (das Erbarmen, die Erlösende, die Leuchtende, die Trost Spendende, die Vereinigende, die Himmlische =repräsentiert das Göttliche und die Vereinigung mit ihm).

    Die dem religiösen Zeitalter vorausgehenden Zeitalter der Magie, der Mythen, des Schamanismus, der Riten etc. beziehen sich häufig auf die „Große Mutter“. In einigen Kulturen und Religionen wird die „Große Mutter“ dann transzendiert und wird zur „Großen Göttin“ – in Ägypten (Isis), im Buddhismus (Kwannon Bosatsu), im Christentum (Mutter Gottes) …

    Bezieht man das auf die Chakren (Kundalini) steht die Große Mutter für das dritte (Fruchtbarkeit und irdische Macht), die Große Göttin aber für das sechste Chakra (das „Dritte Auge“).

    Literatur: Ken Wilber, Joseph Campbell

  21. @Mona

    „Meistens wird in Kulturen mit patriarchaler Prägung davon ausgegangen, dass das Licht „männlich“ ist und die Dunkelheit „weiblich“.“

    Der Punkt ist, dass die Tatsache, dass heute solche Theorien populär sind, nicht zwangsläufig bedeutet, dass diese Vorstellung auch die Mythen antiker Kulturen zutreffend beschreibt.

    Zumindest sind anscheinend einige Historiker anderer Ansicht. Ich will diese Aussagen gar nicht werten, sondern weise nur darauf hin.

  22. @mona

    „Man geht allgemein davon aus, dass der Mondkult älter ist, als der Sonnenkult. Der Mond wird ja auch im Zusammenhang mit dem Weiblichen gesehen.“
    Das wolle ich auch gerade schreiben und las dann Deinen Artikel.
    Der Mond „wirkte“ ja auch auf die Frauen, der Zyklus der Frauen lässt sich relativ mühelos mit dem Zyklus des Mondes synchronisieren, so dass die Wirkung des „Mondgottes“ regelmässig immanent war.
    (auch wenn das biologisch betrachtet sicherlich ein „Zufall“ ist)

    „Die Frauen wurden ins Haus und an den Herd verbannt.“
    Das dauerte aber etwas länger .. die Frauen waren in den frühen Hochkulturen (Sumer, Akkad, Ägypten) sehr lange nahezu gleichberechtigt und hatten auch wichtige Aufgaben, obwohl es Landwirtschaft, Städte etc. schon seit Jahrtausenden gab.

    Ich glaube die „Männer“ haben das Ruder dort übernommen als es immer mehr zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam und so die brachiale Stärke gefordert war.

    Die „Könige“ in Sumer waren, soweit mir bekannt, erst nur temporär eingesetzte Herrführer. Als aber nahezu permanent Kriege waren, da ergab es keinen Sinn mehr die Könige abzuberufen etc. und natürlich hatte die „Könige“ auch gewisse Interessen.

  23. Monotheismus

    „Der biblische Monotheismus wandte sich ausdrücklich gegen den Sonnenkult. So steht „Es werde Licht!“ (Gen 1.3) ausdrücklich vor der Erschaffung der Sonne, die keine eigenständige Person mehr,…“

    Und Gen.2 sagt was anderes … 😉

    Sonnenkult im engeren Sinne gab es weder in Ägypten noch in Babylon o.ä. da waren Götter ohne Astralgestalten bis auf Inanna weit wichtiger (Enki, Enlil etc.)

    Und was steht da noch so in der Bibel .. die Sonne dreht sich wie der Mond um die Erde, die Erde ist eine Scheibe (Vier Ecken / Kanten der Erde), die Erde steht auf Säulen etc. Alles „Bilder“, die aus Babylon übernommen waren worden.
    Und das die Sonne unterging etc. war den anderen Völkern vorher auch schon aufgefallen … dann ruhten die entsprechenden Götter eben in der Unterwelt.

    (1. Mo 1,16) sagt z.B. auch dass die Sonne am Tag _herrschen_ soll.
    (und das der Mond leuchten würde .. naja mit Astronomie hatte es Gott wohl nicht so)

    Die „abrahamschen“ Religionen lehnen sehr viel ab, und verkaufen dasselbe unter andern Namen. Warum feiern wir Weihnachten zur Wintersonnenwende? Weil wir „wissen“, dass Jesus da geboren wurde? Steht aber nicht so in der Bibel … von wegen „Sonnenkult“
    Ostern = Mondkult
    Weihnachten= Sonnenkult
    So ganz „Mono“ ist das nicht.

  24. Sonnenkult

    Auch im Koran wird festgestellt, dass Abraham die Anbetung der Sonne gerade deswegen zurück gewiesen habe, weil die Sonne eben nicht ewig, sondern auf- und niedergehend, mithin sterblich, sei.

    Das ist so nicht richtig.
    Abraham wendet sich gegen die Sonne weil er den Mond favorisiert, deswegen hat auch der Islam die Mondsichel als Symbol.
    Nach der alten Religion stammt der Lichtbringer von der Sonne ab. Indem er den Lichtbringer vor die Erschaffung der Sonne plazierte, hat er die Genesis bereits politisiert. Die jüdische Torah ist voller Politisierungen. Bezelbub, Philister, Ägypter, die werden allesamt als negativ hingestellt.

  25. Charles Darwin

    Auf Charles Darwin sollten wir uns nicht mehr beziehen, er war kein Wissenschaftler, hatte nicht einmal einen Studienabschluss und „bezweifelte“ zu Recht seine eigene Ev.-theorie. Es gab und gibt halt keine Fossilien, welche Übergangsstufen zu neuen Arten aufzeigen.
    Dafür bewies Gregor Mendel an Hand seiner Forschungsergebnisse die „Unveränderlichkeit der Arten“.

  26. @Jens

    Charles Darwin hatte durchaus einen Studienabschluss, einen sehr guten sogar: Den eines Bachelors in anglikanischer Theologie an der Universität Cambridge.

    Und selbstverständlich „bezweifelte“ er seine eigenen Wissenschaftsbefunde: Das hat jeder empirische Forscher zu tun, da wissenschaftliche Ergebnisse theoretisch immer widerlegt bzw. überboten werden können. Genau „das“ unterscheidet wissenschaftlich-empirische von metaphysischen Aussagen.

    Im Januar wird von mir bei Herder eine Darwin-Biografie erscheinen, die sich insbesondere Darwins theologischen Studien und (evolutionsforschenden wie auch persönlichen) Aussagen zur Religion widmet.

  27. Pingback: Sensationelle Enthüllungen über Weihnachten! Oder..? › Natur des Glaubens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  28. Pingback: Glanz und Strahl – Wie Menschen zum Heiligenschein kommen › Natur des Glaubens › SciLogs - Wissenschaftsblogs

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben