Der Triumph der Homöopathie – Eine (weitere) Niederlage der Wissenschaften?

Kaum ein Thema bringt selbsternannte Rationalisten – darunter viele meiner Freunde – gerade auch im Netz so zuverlässig in Wallung wie die Homöopathie. Nachdem unzählige empirische Studien keine sicheren Belege für eine Wirkung homöopathischer Mittel über Placebo-Effekte hinaus erbracht hatten, verkündete The Lancet schon 2005 „das Ende der Homöopathie“. Und es ist seitdem wohl auch kein Tag vergangen, in dem Homöopathie-Anwendende nicht auch in deutschsprachigen Blogs und Kommentaren kritisiert, ja verhöhnt worden wären. Man hätte also durchaus erwarten können, dass die Homoöpathie – 1796 von Samuel Hahnemann (1755 – 1843) verkündet – abebben und verschwinden würde.

Doch weit gefehlt…

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) erschien letzten Sonntag wieder die kleine, feine Demoskopie-Rubrik „Volkes Stimme“, diesmal mit einer faustdicken Überraschung. Demnach hat sich der Anteil der Menschen, die bereits Globuli eingenommen haben, seit 1970 von 24% auf eine absolute Mehrheit von 53% in 2009 gesteigert. Und dieser Aufwärtstrend setzte sich sogar beschleunigt fort: In 2014 bejahten bereits 60% der von Allensbach Befragten Über-16-jährigen, schon einmal „homöopathische Arzneimittel genommen“ zu haben.

FAZSHomoeopathie2014

Überraschende Daten in der FAS vom 16.11.2014

Nun ist bei der Interpretation demoskopischer Daten immer Vorsicht angesagt: Die Frage bezieht sich auf die Vergangenheit und dürfte also auch Bejahende umfassen, die homöopathische Mittel von ihren Eltern erhielten oder mal ausprobiert haben, inzwischen aber nicht mehr nehmen. Auch wird gerne sozial erwünscht geantwortet: Möglicherweise galt es 1970 einfach noch als peinlich(er), sich zur Homoöpathie zu bekennen, als 44 Jahre später.

Ein schönes Beispiel für die Grenzen menschlicher Wahrnehmungen und sozial erwünschtes Antworten lieferte zuletzt Baden-Württemberg: Hier erreichte der nicht existierende „Staatssekretär Erich Hägele“ mit 22 Prozent „Bekanntheit“ und 16 Prozent „Zufriedenheit“ höhere Werte als eine ganze Reihe real existierender Landespolitikerinnen und Landespolitiker! Manche(r) wollte wohl ungerne zugeben, „den Hägele“ nicht zu kennen…

Und doch lassen sich die o.g. Allensbach-Befunde damit nicht einfach vom Tisch wischen – denn dass Homoöpathie heute nicht nur verbreiteter, sondern auch „akzeptierter“ sein sollte als in den 1970er Jahren widerspricht diametral den Annahmen von Lancet & vieler Blogs.

Zunehmend beliebt: Auch (Schutz-)Engel ohne Gott

Zur Erklärung des Phänomens hilft uns vielleicht ein Weiteres aus dem Feld der Religions(-wissenschaft), zu dem ich bereits vor über einem Jahr publiziert hatte: Demnach sind Engel und besonders Schutzengel in der deutschen Bevölkerung wieder zunehmend beliebt – und zwar mit höheren Zustimmungsraten als „Gott“. Das heißt: Eine wachsende Anzahl von Menschen weist den Glauben an eine personale, von den Menschen auch etwas fordernde Gottheit zurück – bejaht aber gleichzeitig den Glauben an die anspruchslosen, himmlischen Begleiter! Woher aber die Engel kommen sollten, wenn niemand sie geschaffen habe – egal. Wahr ist, was sich „richtig anfühlt“.

Von der intersubjektiven zur subjektiven Evidenz

Ich meine, hier ist auch die Veränderung der (Selbst-)Wahrnehmung zu sehen: Empirische Wissenschaften erheben grundsätzlich den Anspruch auf intersubjektive (also von Anderen wiederholbare) Evidenz. In der Extremposition des Positivismus soll sogar „nichts mehr angenommen“ werden, was nicht entsprechend „wissenschaftlich bewiesen“ werden kann.

Diesem positivistischen Anspruch steht jedoch eine wachsende, gesellschaftliche Individualisiserung und Subjektivierung entgegen, die zunehmend danach fragt, was „mir guttut“, was „mich überzeugt“, was „für mich Sinn macht“. Und ironischerweise trägt gerade auch das Internet dazu bei, Minderheiten- und gar Außenseiterpositionen zu festigen, da sich für nahezu jede – und sei sie noch so absurde – Position ein paar „Gleichgesinnte“ finden, die einander bestärken. Und so werden längst nicht mehr nur „die Politiker“ und „die Wirtschaft“, sondern auch „die Medien“, „die Wissenschaftler“ und auch „die Schulmediziner“ der finsteren Umtriebe und allgemeinen Verschwörungen verdächtigt – wogegen jede(r) tapfer die eigene, subjektiv erfahrbare Wahrheit hochhält.

Als mehr oder weniger glaubwürdig gelten dann allenfalls noch enge Freunde sowie Familienangehörige, was die Traditionen kinderreicher Religionsgemeinschaften ebenso begünstigt wie die in Familien- und Freundeskreisen weitergereichten Globuli. Die Texte vermeintlich „aufgeklärter“, kinderarmer Milieus werden dort dann kaum noch wahrgenommen, beziehungsweise als manipulierte oder gar gekaufte Äußerungen „der Anderen“ abgetan. Die von Kleingruppen unterstützte, subjektive Evidenz gilt als stärker als die von „anonymen“ Großinstitutionen gelehrte, intersubjektive Evidenz.

Niederlage der Wissenschaft?

Bedeutet dies also, dass wir Menschen einfach nicht „ausreichend rational“ seien und womöglich gerade aufgrund der neuen Technologien in zunehmend gesprächsunfähige Mikromilieus zersplittern werden? Oder müsste „die Wahrheit“ (welche genau?) eben einfach durch staatliche und gesetzliche Maßnahmen stärker „durchgedrückt“ werden und sei es auf Kosten von Meinungs- und Familienfreiheiten?

Ich denke nicht.

Meines Erachtens beginnt empirische Wissenschaft immer wieder beim Betrachten der empirischen Realitäten – ob es um Quarks, Hefezellen oder Homo sapiens geht. Und wenn sich große, sogar mehrheitliche Teile der Menschen eben nicht an die wissenschaftlich begründeten Voraussagen halten, dann wird es nicht Zeit, die Menschen zu beschimpfen – sondern die Thesen zu überprüfen.

Menschen sind eben nicht nur physikalische, chemische und biologische Objekte, sondern auch emergent psychologische, soziale und kulturelle Akteure. Der gerade auch in den Debatten um Homöopathie immer wieder beschworene „Placebo-Effekt“ ist ebensowenig wie sein finsterer Bruder, der „Nocebo“ eine wissenschaftliche Petitesse! Sie verweisen vielmehr auf die Wechselwirkungen (!) materieller und geistiger Prozesse. Sogar unsere Körper- und Immunsysteme werden durch das beeinflusst, was wir jeweils glauben! Und wer zum Beispiel Ebola bekämpfen will, tut gut daran, nicht nur die Viren in den Blick zu nehmen, sondern auch die Ängste und Vorstellungen der Menschen – und zwar keineswegs nur jener in Afrika!

Ebenso ist es gerade nicht wissenschaftlich, Globuli, Engel oder auch z.B. Menschenrechte und Willensfreiheit nur vor dem Hintergrund positivistischer Studiendesigns zu diskutieren. Stattdessen gilt es, auch die weitergehenden, v.a. sozialpsychologischen Bedürfnisse und Dynamiken echter Menschen zu erkunden und zu verstehen. Dann kann aus der vermeintlichen Niederlage „der Wissenschaften“ ein umfassenderes Verstehen werden. Denn empirisch gilt: Nicht die beobachtbare Wirklichkeit hat sich den empirischen Thesen anzupassen, sondern die empirischen Thesen der beobachtbaren Wirklichkeit.

Grafik zur Debatte um Emergenz und „harte versus weiche Wissenschaften“, NdG 2.1.2013

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

109 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Menschen haben schon immer (auch) den allergrößten Unsinn gemacht und geglaubt und werden dies auch weiterhin tun.

    Der Unsinn darf aber keinesfalls durch den Staat unterstützt werden. Leider ist genau das in vielen Bereichen der Fall. Aus diesem Grund betrachtet die Wissenschaftsgemeinde solche Phänomene mit großer Sorge und muß dies auch tun.

    • Michael Blume

      @Tim

      Aber warum (und inwiefern?) unterstützt „der Staat“ die Homöopathie? Weil sie bei vielen Menschen – darunter Wählerinnen & Entscheidungsträgern – populär ist und ggf. auch als Gegenmittel z.B. zu überhöhtem Arzneimittelkonsum gesehen wird. Gerade wenn man es mit „Sorge“ betrachtet, sollte man sich um ein interdisziplinäres Verstehen bemühen, oder!?

      • @ Herr Dr. Michael Blume :

        Aber warum (und inwiefern?) unterstützt „der Staat“ die Homöopathie?

        Der Staat unterstützt jedenfalls u.a. so :
        -> http://de.wikipedia.org/wiki/Heilpraktiker

        Er tut es, weil Mandatsträger bei der sog. Homöopathie mitnagen, bspw. die (ehemalige) gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Biggi:
        -> https://www.psiram.com/ge/index.php/Birgitt_Bender

        Gerade wenn man es mit „Sorge“ betrachtet, sollte man sich um ein interdisziplinäres Verstehen bemühen, oder!?

        Ist die sog. Homöopathie nicht vielleicht eine Sache, die wissenschaftlich und ‚interdisziplinär‘ auf das Beste verstanden wird?

        MFG
        Dr. W

        • Michael Blume

          @Webbaer

          Sie würden also sagen, dass zur gesamten Thematik – inkl. z.B. der Psychologie, des Placebo-Effektes usw. – weder Forschungs- noch Handlungsbedarf bestünde? Alles supi, einfach das Globuli so weiterlaufen lassen?

          Vielleicht bin ich ja tatsächlich einfach zu wissbegierig… 😉

          • @ Herr Dr. Michael Blume :
            Die „homöopathische Herausforderung“ könnte, es gibt hier einen wissenschaftlichen Konsens, als Teil der Kunde vom Placebo oder der „Placebologie“ behandelt werden.
            Finden Sie nicht?

            Besondere Wirksamkeit an Hand geringster Wirkstoffverabreichung festzustellen geht jedenfalls nicht, wissenschaftlich betrachtet.

            MFG
            Dr. W

          • Michael Blume

            @Webbaer

            Exakt – das schrieb ich ja auch eingangs. Und wenn man die „Placebologie“ ernsthafter und auch interdisziplinärer betriebe, könnte noch einiges dabei herauskommen.

            Konkret würde ich z.B. zu gerne wissen: Wie genau wirken Überzeugungen auf Körperfunktionen (backward causation)? Inwiefern sind für Placebo-Wirkstoffe Glaubwürdigkeit stiftende Mythen und Rituale (wie das homöopathische Auswählen und sog. „Potenzieren“) notwendig? Warum hat sich die Verbreitung der Globuli in den vergangenen Jahrzehnten so beschleunigt? Kann und sollte die sog. „Schulmedizin“ z.B. „bessere“ Angebote machen oder sollte man die Nachfrage nach Homöopathie halt einfach hinnehmen, als Alternative zu überzogenem Arzneimittelkonsum gar begrüßen? Wie sind Status und Wert subjektiver Evidenz(en) überhaupt einzuschätzen?

            Mir scheint, dass erst jenseits der Schützengräben die spannenden Fragen beginnen…

          • @ Herr Dr. Michael Blume :

            Woher aber die Engel kommen sollten, wenn niemand sie geschaffen habe – egal. Wahr ist, was sich „richtig anfühlt“.
            (…)
            Diesem positivistischen Anspruch steht jedoch eine wachsende, gesellschaftliche Individualisis[i]erung und Subjektivierung entgegen, die zunehmend danach fragt, was „mir gut [] tut“, was „mich überzeugt“, was „für mich Sinn macht“.

            Das klingt aber nicht so, als ob Sie hier Scheinlehre oder Pseudowissenschaft analysiert sehen wollen.

            Das hier:

            Meines Erachtens beginnt empirische Wissenschaft immer wieder beim Betrachten der empirischen Realitäten – ob es um Quarks, Hefezellen oder Homo sapiens geht. Und wenn sich große, sogar mehrheitliche Teile der Menschen eben nicht an die wissenschaftlich begründeten Voraussagen halten, dann wird es nicht Zeit, die Menschen zu beschimpfen – sondern die Thesen zu überprüfen.

            … könnte auch als Argumentum ad populum verstanden werden.

            Wenn Sie die Religion verteidigen wollen, OK, hier geht Ihr Kommentatorenfreund oft mit, aber i.p. Pseudowissenschaft gäbe es dann Trennlinien.

            Ansonsten:
            Haben Sie doch gar nicht nötig Esoterik zu verteidigen…

            MFG
            Dr. W

          • Michael Blume

            @Webbaer

            Echt jetzt? Also, von einem langjährigen scilogs-Kommentator und erklärtem Konstruktivisten mit virtuellem Doktortitel hätte ich doch ein etwas über den Stammtisch weisendes Niveau erwartet… Woher dieses Zwischentief? 😉

            Nochmal erläutert: Man „verteidigt“ weder „Esoterik“ noch „Religion“, wenn man die Gründe für ihre empirisch beobachtbaren Erfolge erforscht. Wer dagegen solche beobachtbare Phänomene nur loswerden, aber nicht verstehen will, versperrt sich und anderen Wege zu Wissen(schaft). Treten Sie dann doch bitte einfach beiseite und lassen uns anderen machen…

        • Michael Blume

          @Tim

          Nein, wir verstehen leider weder die genauen Wirkweisen des Placebo-Effektes, noch die genauen kulturellen und sozialpsychologischen Mechanismen für den Ausbreitungserfolg. Hier besteht großer Forschungsbedarf mit hoher Relevanz, wie die Daten zeigen.

          • Weißer Kittel, Zuwendungszeit, Pillenform und -farbe sind schon seit langem anerkannte Placebo-Faktoren, da muß man nicht schon wieder Altbekanntes beforschen.

            Bei welchen Personengruppen Placebo besonders gut wirkt, sollte aber tatsächlich systematisch erforscht werden. Nicht vergessen darf man zudem, daß Homöopathie und anderer Hokuspokus in der Regel privat bezahlt wird – auch das dürfte Einfluß haben.

          • Michael Blume

            @Tim

            Mit der Beschreibung von Placebo-Faktoren (bunte Pillen, wer bezahlt usw.) ist schon einiges gewonnen, aber noch lange nicht das Entscheidende: Wie bilden sich und wie wirken (Glaubens-)Überzeugungen? „Dass“ sie es tun ist absolut relevant, konstituiert das zu erklärende Phänomen, ist aber noch keine wissenschaftliche Erklärung.

            In der aktuellen „Nature“ Rätseln Kolleginnen und Kollegen analog über Effekte der kognitiven Verhaltenstherapie und das sog. Neurofeedback. Auch hier pirscht man sich an das Rätsel der Interaktion von Gehirn & Geist…

  2. Zitat: „Und wenn sich große, sogar mehrheitliche Teile der Menschen eben nicht an die wissenschaftlich begründeten Voraussagen halten, dann wird es nicht Zeit, die Menschen zu beschimpfen – sondern die Thesen zu überprüfen.“

    Ich bin mir nicht sicher, wie das gemeint ist, vor allem, welche Thesen überprüft werden sollen. Wenn damit nur gemeint ist, dass es falsch ist, Globuli- und Engel-Verehrer lächerlich zu machen, würde ich voll zustimmen. Auch, dass man stattdessen erfoscht, WARUM so viele Menschen auf den Humbug reinfallen, und welchen Teil-Aspekten des Humbugs man positives abgewinnen kann, wovon man also lernen kann – da bin ich auch noch voll bei dir.

    Z.B. ist die Homöopathie auch deshalb beliebt, weil Homöopathen Zeit für ihre Patienten haben. Und das hat sicher Einfluss auf die Heilung – nicht nur eingebildet, sondern real.

    ABER: Wenn „Thesen überprüfen“ nun bedeuten sollte, dass man Prinzipien evidenzbasierter Erkenntis und Logik aus dem Fenster wirft, nur weil Globuli und in den Alltag eingreifende Schutzengel furchtbar populär sind, dann fände ich das abwegig. Globuli haben keinen Wirkstoff, es gibt keinen plausiblen Wirkmechanismus. Daran ändert sich allerhöchster Wahrscheinlichkeit nichts, auch wenn noch so viele Menschen das Zeug schlucken. (Die Engel sind insofern noch mal was anderes, als ein empirischer Zugang schwerer möglich ist, als in Globuli nach Wirkstoffen zu forschen).

    Dass die Sonne um die Erde kreise, war auch mal eine populäre Ansicht. Wieso Menschen an irgend etwas glauben, ist prinzipiell immer interessant. Und ich bin sehr dafür, irrational scheinende Einstellungen nicht schwarz-weiss zu sehen, sondern auch nach zukunftsträchtigen Aspekten in ansonsten dubiosen, aber beliebten Glaubens-Systemen zu suchen. Aber an rational und empirisch begründeten Tatsachen ändert sich dadurch erst mal nichts.

    • Michael Blume

      @Panagrellus

      Volle Zustimmung!

      Wobei mich dann eben auch erkenntnistheoretische Befunde reizen würden, um besser zu verstehen, nach welchen Kriterien wir beispielsweise homöopathische, theologische und juristische Seinsaussagen einordnen und bewerten könnten. Derzeit stehen sich empirische Intersubjektivität und pragmatische Subjektivität m.E. ziemlich unverbunden gegenüber. Das finde ich sowohl als Wissenschaftler wie als Gesamtmensch unbefriedigend…

      • „Kriterien, nach denen wir homöopathische Aussagen einordnen“. Das ist das Stichwort, das meiner Meinung nach verständlich macht, wieso der Homöopathie aus Wissenschaftler-Ecke – zurecht! – derart leidenschaftlich widersprochen wird. Denn die Homöopathie tut so, als wären die Kriterien, die man an sie anlegen soll, naturwissenschaftliche.

        Der ganze Zirkus mit dem „Potenzieren“ (Verdünnen & Schütteln) , die wilden Hypothesen über „Information“, die in den Globuli gespeichert sei, die Tatsache, dass es Globuli in Apotheken zu kaufen gibt (und nicht im Esoterik-Shop, wo sie hingehören) – all dies suggeriert, dass die Homöopathie dem Erkenntnisfeld der Naturwissenschaft/Medizin zuzuordnen wäre. Insofern ist es verständlich und angebracht, dass Naturwissenschaftler laut „Betrug!“ schreien.

        Nur zum Vergleich: Jeden Tag gehen viele kranke Menschen in Kirchen und zünden Kerzen an, um für Genesung zu beten, oder sie beten einen Rosenkranz, oder vollziehen ein ähnliches Ritual. Kein Mediziner regt sich darüber auf, dass diese Handlung „nur“ ein Placebo ist. Und selbst Ultra-Atheisten werden wohl mit der Schulter zucken und sagen: „Ich persönlich halte das für mittelalterlichen Aberglauben, aber jedem das seine. “

        Der Unterschied: Beim Kerzen-Anzünden in der Kirche ist jedem klar, dass die anzulegenden Kriterien nicht die gleichen sind, mit der man die Wirkung einer Schachtel Aspirin bewertet. Die Homöopathie verwischt diese Grenze, und das wollen Wissenschaftler zurecht nicht durchgehen lassen.

        • Michael Blume

          @Panagrellus

          Das ist ein spannender Punkt, zumal ich auch im Feld der Religion(en) Ähnlichkeiten sehe: Auch da werden Fälle dann als problematisch gesehen, wenn sie sich als Wissenschaft ausgeben (z.B. Kreationismus, Heilungsversprechen).

          Interessant zu wissen wäre, ob und inwiefern die Homöopathie auch ohne „wissenschaftliche“ Legitimation funktionieren würde. Brauchen (alle? säkulare?) Menschen heute ein wissenschaftlich klingendes Narrativ, um Placebo-Wirkungen zu erfahren?

  3. Zitat: „Homöopathie
    Homöopathische Medikamente haben in der Regel keinen Gehalt an wirksamen Substanzen; trotzdem schwören viele Leute auf deren Heilwirkung. Dies ist erklärbar, z.B.
    A) Aberglaube – viele Beschwerden wären ohnehin von selbst vergangen
    B) sich für eine Behandlung Zeit zu nehmen bedeutet, weniger Stress zu haben; dies fördert die Selbstheilung
    C) die emotionaale Zuwendung beim Arzt oder Heilpraktiker fördert die Selbstheilung – ein Placebo-Effekt
    D) Bei Einnahme von Medikamenten tritt der Placebo-Effekt auf. Eine durch Wissen vorgegebene Körperreaktion“
    (Zitat aus meinem Buch ´Pfusch, Betrug, Nahtod-Erfahrung´ S.104)

    Unser Gehirn arbeitet relativ simpel: Als Reaktion auf einen Reiz, werden immer vergleichbare Erinnerungen reaktiviert. Als Erinnerungen muss man zusammengehörendes Wissen bezeichnen: sowohl emotionale, physische wie auch intellektuelle Erfahrungen. Also Körper und Geist zusammen.

      • Unser Gehirn reagiert auf einen aktuellen Reiz, indem es vergleichbares Wissen RE-AKTIVIERT. Da dieses Wissen auch mit zugehörenden Körperreaktionen abgespeichert wurde, werden auch diese Körperreaktionen reaktiviert. Zur Aktivierung von Erfahrungen muss nicht der gesamte Reiz aktuell erlebt werden, sondern es reicht bereits ein Bestandteil davon aus:
        Beispiele:
        Nimmt man eine wirkstofffreie Tablette ein, so werden Körperreaktionen reaktiviert, die je nach Form, Farbe und Größe unterschiedlich ausfallen. Hier zeigt sich, dass Placebos sogar e nach Aussehen unterschiedlich wirken. (Hierzu gibt es Literatur, leider weiß ich Quelle/Titel nicht mehr)
        Demnächst kommt die Adventszeit – die damit verbundenen Gerüche und Düfte bewirken eine bestimmte Form des Wohlbefindens. Bereits der Geruch reaktiviert angenehme Erinnerungen.
        Der US-Immunologe Lee Berk machte ein Experiment: er teilte seine Versuchspersonen in zwei Gruppen auf; eine Gruppe bekam gesagt, dass sie in 1/2 Stunde einen Film sehen dürfen. Die andere Gruppe bekam die Info dass sie in1/2 Stunde einen lustigen Film sehen dürfen. Blutproben zeigten, dass bereits durch das Wort ´lustig´ die vom Gehirn erzeugte Erwartungshaltung zu einem deutlichen Sinken der Stresshormone führte (bis zu 70 % weniger Kortisol, Adrenalin, Dopac). Quelle: SZ WISSEN Nr.7/8-2008: An Lachen denken ist gesund // mein Buch: S.104)
        Das letzte Beispiel ist besonders beeindruckend – weil es zeigt, wie starkt schon ein einzelnes Wort wirken kann.

  4. Den Placebo finde ich in solch einem Zusammenhang auch superspanned! Und zumindest spekulativ ist es eigentlich gar nicht so schwer sich auszumalen, wie Überzeugungen die Körperfunktionen beeinflussen können.
    Zwei wichtige Zutaten sind sicher die Vermittlung einer positiveren Grundhaltung (abhängig von der Überzeugung, siehe Nocebo) und Stressreduktion, die sich natürlich nicht gegenseitig ausschließen müssen.
    Die positivere Grundhaltung wird mit einer erhöhten Ausschüttung von damit assoziierten Hormonen einhergehen, die z.B.: bekanntermaßen eine Schmerzreduktion bewirken können. Der verringerte Stress, also ein verringerter Kortisolspiegel, kann eine beachtliche Auswirkung auf die Funktionen des Immunsystems haben. Zudem ist leicht einleuchtend, wie beides noch positiv rückkoppeln könnte.
    Und wenn man dann im Freundeskreis das dort nicht mehr als Placebo wahrgenommene Resultat erfährt, ist auch relativ leicht nachvollziehbar, warum sich so etwas so problemlos und entgegen aller Widersprüche weit verbreitet.
    Das wären dann zumindest meine Forschungshypothesen:-) Selbstverständlich offen für eine Revision:-)
    Also „Niederlage der Wissenschaft“. Natürlich nicht! Aber Niederlagen von Wissenschaftler-Egos auf jeden Fall:-) Ihre Perspektive finde ich toll, Herr Blume!

    • Michael Blume

      Vielen Dank, @Tom! 🙂

      Mir scheint der Knackpunkt am Übergang der „positiven Grundhaltung“ (geistig, aber sicher auf materiellen Grundlagen) zur „Ausschüttung von Hormonen“ (materiell, aber wiederum mit Rückwirkungen auf das geistige Erleben) zu liegen. Wen wir das verstehen würden, wäre es wohl ein Durchbruch.

  5. Könnte „Placebologie“ nicht wirklich das Potenzial zu haben eine wissenschaftliche (Teil)Disziplin zu werden?

    Wenn es stimmt, dass der Placeboeffekt (wie auch der Noceboeffekt) mit 50-60% Wirksamkeit anzusetzen ist und zwar auf alles, was Mensch für „wirksam“ hält, halte ich es mittlerweile für nachgerade sträflich unwissenschaftlich den Placeboeffekt als „blinder Fleck“ klassischer empirischer Wissenschaft unberücksichtig zu lassen.

    • Problem: Fuer eine therapeutische Anwendung des Placeboeffekts mussder Arzt den Patienten bewusst taeuschen, was erhebliche praktische Probleme (Vertrauensverlust) und ethische Probleme (wissentliches, flaechendeckendes Luegen) mit sich bringt.

      Damit bleibt noch die verzerrende Wirkung auf Studien, und da ist meines unqualifizierten Wissens der Placeboeffekt ein ziemlich alter Hut. Es hat seinen Grund, warum Studien ohne Verblindung oder Kontrollgruppen als wertlos angesehen werden.

      Sprich: Ja, es ist wichtig, wird schon laengst gemacht.

  6. Wenn ein Homöopath durch Unterlassung tötet muss er genau so zur Rechenschaft gezogen werden wie ein Schulmediziner und wenn Impfgegegner ihre Mitmenschen einer erhöhten Infektionsgefahr aussetzen, dann sind Strafen oder eine Zwangsimpfung Massnahmen über die man nachdenken sollte.
    Wer homöopathischen oder anderen Unsinn verbreitet hat nicht einen Freibrief für die Folgen, die das hat – und es kann schlimme Folgen haben. Der frühere südafrikanische Präsident MBeki hat laut Guardian durch die Leugnung, HIV sei eine Infektionskrankheit, den Tod von 300’000 Menschen auf dem Gewissen
    Wenn man die Folgen von Aberglauben und fragwürdigen Praktiken vor Augen hat, dann wird klar, dass die Schlussfolgerung “ wenn sich große, sogar mehrheitliche Teile der Menschen eben nicht an die wissenschaftlich begründeten Voraussagen halten, dann wird es nicht Zeit, die Menschen zu beschimpfen – sondern die Thesen zu überprüfen.“ unhaltbar ist. Nicht die Wissenschaft sondern Mbeki muss seine Meinung zu AIDS ändern und Ebola-Kranke sollten nicht von Homöopathen sondern von spezialisierten Infektiologen behandelt werden.

    Verbreiten sich un- und antiwissenschaftliche Haltungen in der Gesellschaft ist das eine Gefährung der Gesellschaft. Für mich fängt das schon beim Kreationismus an, geht weiter über eine dogmatische Ablehnung eines möglicherweise vom Menschen verursachten Klimawandels und ich schliesse auch Impfgegner und Homöopathen in die Reihen der Gefährder ein.

    • Michael Blume

      Lieber Herr Holzherr,

      herzliche Grüße von uns sciloggern aus dem Bloggertreffen in Deidesheim! Wir hatten es hier gerade von Power-Kommentatoren und Ihr Name fiel, ebenso wie jener von @Webbaer und @Mona. 🙂

      Zum Thema: Da die bisherigen Argumentationen und Maßnahmen gegen die Homöopathie laut obigen Befunden wohl nicht gewirkt haben – was schlagen Sie vor?

      • Anstatt Homöopathie immer mehr mit der sogenannten „Schulmedizin“ gleichzustellen, sollten Mediziner, aber auch Journalisten deutlicher herausstellen, dass Homöopathie nicht evidenzbasiert ist, es also keine belastbaren Hinweise darauf hin gibt, dass Homöopathie mehr bewirkt als ein Placebo, womit jede homöpathische Behandlung aus medizinischer Sicht unnötig, bei ernshaften Beschwerden, aber sogar gefährlich sein kann. Mit andern Worten: es gibt keine medizinische Indikation für eine homöopathische Beandlung und wer es trotzdem tut soll sich bewusst sein, dass viele Krankheiten heute einer Therapie zugänglich sind, dass aber Homöopathie keine solche wirksame Therapie zur Verfügung stellt.

        • Michael Blume

          @Martin Holzherr

          Und Sie meinen wirklich, dass diese Argumentation die Homöopathie-Anwendenden noch nicht erreicht hat – und zukünftig überzeugen wird? Die o.g. Daten sprechen m.E. nicht dafür…

          • Glaube versetzt Berge aber nicht die Wahrheit. Gegen Homöopathie als Mittel um Placeboeffekte zu aktivieren ist nichts einzuwenden, aber als Mittel gegen Krankheitszustände für die es eine evidenzbasierte Therapie gibt, dadegen muss man sich erheben. Empòrt euch!

          • @ Martin Holzherr

            Gegen Homöopathie als Mittel um Placeboeffekte zu aktivieren ist nichts einzuwenden

            Doch: der Preis. Globuli sind i.d.R. erheblich teurer als Zuckerkugeln. Das in anderen Bereichen oft falsch verwendete Wort „Abzocke“ trifft hier voll zu.

      • Wir hatten es hier gerade von Power-Kommentatoren und Ihr Name fiel, ebenso wie jener von @Webbaer und @Mona.

        -> https://www.youtube.com/watch?v=jAoO4nyKXpg (‚Ist über mich hier schlecht gesprochen worden?‘ – ca. 3:04 beginnend, starkes Intro natürlich)

        MFG
        Dr. W (der schon ein wenig älter ist, auch die bundesdeutsche „Szene“ der Siebziger und Achtziger kennt, wenn auch insgesamt „nur“ ca. 25 Jahre bundesdeutsch vor Ort war)

        • Michael Blume

          @Webbaer

          Einige waren entsetzt, dass wir Ihnen Raum geben, andere, darunter ich, gestanden Ihnen ein (unterbrochen) wachsendes Argumentationsniveau zu. Und über Ihre verschachtelten Sätze a la „Der Schreiber dieser Zeilen…“ können alle schmunzeln. 🙂

          Also kein Grund zur Sorge. 😉

  7. Ich verstehe nicht warum man gegen die Homöopathie ist, lieber so etwas, als die Chemiepampe mit unzähligen Nebenwirkungen. Wieso wirkt die Homöopathie in der weltberümten Haunerschen Kinderklinik oder bei Kühen und anderen Tieren? Denen sagt man das ist homöopathisch und die Kleinkinder aber auch die Tiere glauben das und werden gesund. Vielleicht lesen diese auch Berichte über Placeboeffekte. Man gibt Milliarden aus, um das Higgs Teilchen zu finden. Für die gleiche Summe hätte man ganz andere Beweise für die Wirksamkeit der Homöopathie.Aber was nicht sein darf, das gibt es auch nicht, Basta. Ich habe miterlebt wie die Pharmaindustrie behauptete, Butter wäre schädlich für das Cholesterin. Als von W’st. aus dagegen protestiert wurde, teilte man mit, das wäre ein Werbegag für Margarine Werbung..Man könnte auch sagen, die dunkle Materie gibt es nicht, nur weil man sie noch nicht direkt nachweisen kann.( Herr Khan) Schon in den 60er Jahren hatte ich gelernt, dass Penicillin Bakterien mutieren läßt und auch im Mikroskop gesehen. Es haben tausende sogenannter Prof’s. und Dr’s.damals die Meinung vertreten, Penicillin wäre das A&O in der Medizin. Wo ist deren sogenannte Weisheit heute? Es geht in der Pharmaindustrie nur um Milliardengewinne, Da spielt das Leben überhaupt keine Rolle. Gibt ja genug Medizinskandale jedes Jahr . Lieber Homöopathie als von der Pharmaindustrie ev. vergiftet zu werden. Frederic Vester bemängelte in seinen Bücherm und Vorträgen des öfteren das unheimlich gro0e Schmalspurdenken von fast allen Medizinern und anderen Wissenschaftlern.
    ,Er war auch für die Homöopathie. Seine Meinung war, dass im ganzen Universum Alles ein riesiges Zahnräderwerk ist. Warum sollte die Homöopathie seiner Meinung nach, nicht dazu gehören. Es gibt auch Geistheiler im Auftrag Gottes, – ev. Placeboeffkt- um bei Michael Blumes Kernthema zu bleiben, dem Glauben. Einige Menschen hören ihren Engel. Psychiater sagen dann, der gehört in die Forensik zu Herrn Molath. So gehören auch alle Apostel und Propheten des alten Testaments in die Klappsmühle nach Bayreuth oder Straubing. Die Nahtod Erfahrung wird von div. Schmalspurwissenschaftlern (Vester) auch mit allen Mitteln verneint, desgleichen das Karma, -Ursache und Wirkung- Wir sind so intelligent. Wir sind die 1. Welt.- wirklich??? Das vernetzte Denken geht den meisten heute ab, siehe Klima. Nur wenn man Alles hinterfrägt, kommt man zum richtigen Ziel.

    • Michael Blume

      Lieber Herr Rechal,

      es ist wahr – Wissenschaft lebt davon, immer wieder „Alles“ zu hinterfragen. Und selbstverständlich sind auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Medizinerinnen und Mediziner fehlbare Menschen – und sowohl mit „Pharma“ wie mit „Homöopathie“ verdienen einige viel Geld, manchmal auf Kosten ethischer Standards.

      Das Problem bei der Homöopathie ist nicht, dass es an Wirkungs-Erklärungen fehle – sondern an nicht-anekdotischen, empirischen Belegen, dass es über den Placebo-Effekt hinaus überhaupt eine zu erklärende Wirkung gebe. (Erst) dann könnte die Suche z.B. auf chemischer oder physikalischer Ebene sinnvoll sein – so bieten sich v.a. Forschungen auf psychologischer und kulturgeschichtlicher Ebene an. Und, ja, es könnte durchaus sein, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit Globuli z.B. vor Übermedikation bewahren kann.

      Wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen wir immer wieder dann, wenn wir den Mut haben, neue Fragen zu stellen und Überkommenes zu hinterfragen – und zwar nicht nur bei den vermeintlich „verschwörerischen“ Anderen, sondern auch immer bei uns selbst. Schließlich sind ja auch wir selbst – wenn ich Ihre Weltanschauung richtig verstanden habe – Teil des „Großen Ganzen“ und also verbesserungsfähig.

    • @ Werner Rechal

      Nein, Homöopathie wirkt eben nicht.

      Wirkung wird verstanden als ein Effekt, der über den reinen Placebo-Effekt hinausgeht, und das ist bei Homöpathie eben nicht der Fall. Man könnte bei den von Ihnen genannten Beispielen die eingesetzten homöopathischen Mittelchen durch Zuckerkugeln ersetzen und hätte denselben Effekt.

    • „Wieso wirkt die Homöopathie in der weltberümten Haunerschen Kinderklinik oder bei Kühen und anderen Tieren?“

      Weil sie grundsätzlich ausserhalb des prinzipiellen Drucks des bewußtseinsbetäubenden Systems funktionieren, bis …!

  8. „Sie (Placebo/Nocebo, JK) verweisen vielmehr auf die Wechselwirkungen (!) materieller und geistiger Prozesse.“

    Verweisen Placebo/Nocebo wirklich auf eine solche Wechselwirkung? Diese These scheint eher das Spiegelbild einer zu platten Gegenüberstellung von „materiell“ und „geistig“ zu sein. Das geht heute nur noch vulgärcartesianisch. Man trennt, was nicht zu trennen ist und sieht dann eine Wechselwirkung, wo es keine gibt. So kommt es auch zu Sätzen wie diesem: „Sogar unsere Körper- und Immunsysteme werden durch das beeinflusst, was wir jeweils glauben!“. Auf einer alltagssprachlichen Ebene der Sortierung von „materiell“ und „geistig“ kann das sicher so sagen, aber nach allem, was wir wissen, ist das, „was wir jeweils glauben“, selbst materiell repräsentiert. Den Geist in der Maschine sucht man vergebens und die „Maschine“ sollte man sich nicht zu einfach vorstellen.

    „Und wenn sich große, sogar mehrheitliche Teile der Menschen eben nicht an die wissenschaftlich begründeten Voraussagen halten, dann wird es nicht Zeit, die Menschen zu beschimpfen – sondern die Thesen zu überprüfen.“

    Ich variiere diesen Satz einmal etwas: „Und wenn sich große, sogar mehrheitliche Teile der Menschen eben nicht an die wissenschaftlich begründete These halten, dass Afrikaner keine Untermenschen sind, dann wird es nicht Zeit, die Menschen zu beschimpfen – sondern die These zu überprüfen.“ Wie weit trägt also diese Art von Argument?

    Auch die rhetorische Titelfrage gefällt mir nicht, sie macht ebenfalls einen falschen Gegensatz auf. Die Verbreitung der Homöopathie ist keine weitere Niederlage der Wissenschaft, vielmehr funktioniert offensichtlich die Vermittlung von Wissenschaft in dieser speziellen Sache nicht, unter anderem, weil es den Ärzten nicht (mehr) gut genug gelingt, die Beschwerden vieler Menschen auf- und ernstzunehmen. Mehr althergebrachte hausärztliche Tugenden und eine ausreichende Honorierung derselben würden da schon viel bringen.

    • Michael Blume

      @Joseph Kuhn

      Oh nein, einen “Vulgärcartesianismus“ vertrete ich nicht, sondern einen empirisch orientierten Emergentismus. Denn der immer noch umherwabernde Vulgärreduktionismus bzw. Epiphänomenalismus versagt m.E. auch hier: Wenn nicht die (auch materiell repräsentierten) Überzeugungen die Placebo- bzw. Nocebo-Effekte hervorriefen, dann doch die “Wirkstoffe“? Bei Globuli, really?

      Und soweit ich es sehe, verbreitet sich Homöopathie auch gerade nicht unter armen, unterversorgten Schichten, sondern sogar stärker auch z.B. unter Privatpatienten. Und dass sich die ärztliche Versorgung in den vergangenen Jahren so sehr verschlechtert habe, dass Millionen verzweifelt zu Globuli greifen mussten, sehe ich auch nicht. Homöopathie-Befürworter wie auch hier im Diskussionsfaden Herr Rechal argumentieren doch häufiger mit einem “Misstrauen“ gegen “Pharma“ und “Schulmedizin“, also mit der Angst vor einem “Zuviel“…

      Wie geschrieben: Wenn die empirischen Befunde so gar nicht zu unseren Annahmen passen, so sollten wir m.E. den Mut haben, diese Annahmen zu überprüfen, statt die beobachtbare Wirklichkeit abzuwerten…

      • „Wenn nicht die (auch materiell repräsentierten) Überzeugungen die Placebo- bzw. Nocebo-Effekte hervorriefen, dann doch die “Wirkstoffe“?“

        Halten wir erst einmal fest, dass Überzeugungen materiell repräsentiert sind, d.h. dass sich hier nicht ontologisch fremde Welten des Materiellen und des Geistigen gegenüberstehen. Damit erledigt sich zunächst auch das Thema Reduktionismus/Epiphänomenalismus. Um darüber vernünftig reden zu können, muss man eben die beiden Seiten vorher klären. Das wird man in einer Blogdiskussion nicht können und vermutlich, das sehe ich wie Thomas Nagel („Geist und Kosmos“) und andere, reicht dazu das verfügbare begriffliche Instrumentarium derzeit grundsätzlich noch nicht aus. Eine im Wortsinn offene Frage.

        Davon also abgesehen, sollte man „Überzeugungen“ und „Globuli“ nicht vorschnell als sich ausschließende Erklärungen dichotomisieren. Sofern man uns die Globuli nicht gänzlich ohne unser Wissen verabreicht, nehmen wir die Globuli nicht losgelöst von unseren Überzeugungen und nur vermittelt durch kulturelle Traditionen, Sozialisationseffekte, gruppendynamische Effekte usw. wahr, d.h. „Überzeugungen“ und „Globuli“ stehen sich nicht als alternativ ausschließende Ursachen gegenüber. Das gilt, wie gesagt, noch vor jeder Geist-Materie-Ontologie.

        Die Arbeit des Begriffs bleibt einem auch hier nicht erspart 😉

        • Michael Blume

          @Joseph Kuhn

          Danke, mit dieser Feststellung bin ich völlig einverstanden! Die Lösung liegt sicher jenseits der Reduktionismus-Cartesianismus-Dichotomie, aber wir haben sie auch begrifflich noch nicht gefunden. Das ist auch im Kern die Frage, die mich als Religionswissenschaftler reizt – denn wie und auf welchen Wegen sich Überzeugungen bilden und auswirken ist unser zentrales Thema.

          Daher: Volle Zustimmung und Daumen hoch für diesen Kommentar! 🙂

    • Und wenn sich große, sogar mehrheitliche Teile der Menschen eben nicht an die wissenschaftlich begründete These halten, dass Afrikaner keine Untermenschen sind, dann wird es nicht Zeit, die Menschen zu beschimpfen – sondern die These zu überprüfen.

      Ginge dann auch zu fragen, korrekt.

      KA, wie dieser WebLog-Artikel genau funktioniert oder funktionieren soll.

      MFG
      Dr. W

      • Michael Blume

        @Webbaer & J. Kuhn

        In der Tat: Wenn große Teile der Bevölkerung vermeintlich „wissenschaftlich“ begründeten Rassismen, Verschwörungstheorien, Sexismen o.ä. anhängen, dann tut die Wissenschaft gut daran, die sozialpsychologischen und auch wissenschafts- und medizingeschichtlichen Hintergründe dieser Einstellungen zu erforschen. Gerade auch Wissenschaftler, Mediziner etc. selbst waren nicht gefeit dagegen, solche Herabwürdigungen anzufeuern!

        Freut mich, wenn dieser Blogpost auch da zum Reflektieren anregt! 🙂

        • … dass man die sozialpsychologischen und historischen Ursachen solcher Einstellungen untersuchen soll, wird niemand bestreiten, das sollte man auch dann tun, wenn nicht die Mehrheit der Leute solche Einstellungen pflegt. Aber Ihre ursprüngliche Formulierung legt eine andere Lesart nahe. Wenn es nicht so gemeint war, ist es gut.

          • Michael Blume

            @Joseph Kuhn

            Selbstverständlich nicht. Ebenso spreche ich mich doch klar dafür aus, den Erfolg der Homöopathie gerade NICHT auf der Wirkstoffebene zu vermuten, das ist m.E. ausgeforscht. Dass die Globuli dennoch erfolgreicher denn je sind – DAS sollte wissenschaftlich Denkende interdisziplinär bewegen und ist eben nicht nur für die Medizin, sondern auch für Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftlerinnen relevant.

          • Der Schreiber dieser Zeilen würde nun davon ausgehen wollen, dass im WebLog-Artikel mit der Überschrift und in zumindest einem Absatz etwas versucht worden ist, das als intelligente Provokation abgelegt werden könnte, das auch Leser- und Zugriffszahlen bringt.
            Sehr gut.

          • Michael Blume

            @Webbaer

            Wobei es doch „wiederum“ interessant ist, zu beobachten, welche Themen und Formulierungen besonders „zünden“. Auch hier haben wir es ja mit Wechselwirkungen zwischen Texten, Inhalten und z.B. Emotionen zu tun! 🙂

          • @ Herr Dr. Michael Blume :
            Naja, der Artikel mag reißerisch gewesen sein und im Grunde verständig, aber es sind dann doch bei Ihnen regelmäßig Formulierungen zu beobachten, die aufstoßen, beispielsweise diese:

            Wahr ist, was sich „richtig anfühlt“.

            Da fehlt erkennbar eine Metaphorik das „Wahre“ betreffend, wobei Sie durchaus in der Lage sind Anführungszeichen zu nutzen, wenn Sie meta- oder meta-meta-phorisch oder darüber hinausgehend anmerken.

            Auch bspw. die ‚echten Menschen‘ betreffend, Ihr Kommentatorenfreund will Ihren Artikel nicht schlachten, kann es auch nicht, dafür sind Sie zu klug, aber es geht schon wenig Richtung Doppelsprech.

            MFG
            Dr. W

          • Michael Blume

            @Webbaer

            Nicht „Doppelsprech“ ist mein Ziel, wohl aber das Rütteln an den Grenzen unserer etablierten Sprach- und Begriffsmuster. Bezeichnungen wie „Placebo“ und „Emergenz“ umschreiben ja Phänomene, die wir beobachten können, aber noch nicht wirklich verstehen. Als Religionswissenschaftler empfinde ich dies als sehr unbefriedigend, um nicht zu schreiben: herausfordernd.

            @Joseph Kuhn hat m.E. die zunehmend ärgerlichen und hinderlichen Grenzen unseres herkömmlichen Begriffsapparates richtig erfasst und beschrieben. Die Sprachwelten haben sich mit, neben und durch wissenschaftliche Erkenntnisse immer wieder verändert – dafür wäre es wieder höchste Zeit.

            Ich würde es begrüßen, wenn Sie wieder etwas neugieriger werden könnten, statt das Überkommene (v)erbittert zu verteidigen. Gönnen Sie sich und uns doch etwas mehr auflockernden, erkenntnistheoretischen Konstruktivismus! Es gilt, auch diskursiv und wissenschaftlich #Neuland zu entdecken!

    • Michael Blume

      Keine Sorge – die nudelige Heiligkeit hat mit ihren Tentakeln bereits die Küchen und Mägen der Kinder erobert! Wer wollte ihren Siegeszug in die Apotheken noch aufhalten? RAmen und Aaaaargh! 😉

  9. Mehr Globuli anstatt Pillen könnte der Gesundheit der Deutschen insgesamt mehr genützt als geschadet haben. Einfach darum, weil Pillen aus allen möglichen Gründen geschluckt werden, lange nicht nur weil es eine medizinische Inikation für sie gibt. Man schaue nur einmal in den typischen häuslichen Medikamentenschrank. Man findet dort typischerweise Schlafmittel, früher auch hàufig Valium und Schmerzmittel. Regelmässiger Konsum von Schlafmitteln verschlechtern aber den Schlaf. Wer statt dessen Globuli einnimmt oder wer Globuli schluckt um Stress zu bekämfen oder sich vor einer Prüfung zu beruhigen, der macht das richtige, wenn es auch ein Glas Wasser getan hätte ( nur kostet Wasser nichts und wirkt somit weniger).
    Es gibt weit weniger einen Dissens zwischen Wissenschaft und Bevölkerung als vielmehr einen Missbrauch dessen was mithilfe von Wissenschaft in unseren Alltag gekommen ist, Technologie nämlich, die nicht nur zum Guten verwendet werden kann. Dazu gehören auch Medikamente, die als Talisman oder als Drogen dienen anstatt als Heilmittel wie es vorgesehen ist. Wer statt dessen Heil in etwas sucht, was bar jeder Wirkung ist, der tut sich sogar etwas Gutes,er aktiviert nämlich den Glauben an Besserung und magische Heilung. Und in der Tat verschwinden ja die meisten Beschwerden von selbst, der Körper heilt sich ständig selbst, vor allem wenn er vom Geist darin unterstützt wird. Wer aber an Globuli auch bei ernsten Erkrankungen glaubt, für Krankheiten für die es heute medizinische Behandlungen gibt, der ist wohl nicht nur körperlich krank, sondern auch geistig.

  10. Homöopathie wird gerade von den Besserverdienenden (und Besseressern), den Promis in Politik (Renate Künast), Philosophie (Peter Sloterdjik),Kunst und Literatur immer wieder angepriesen. Dass nun ein grosser Teil des deutschen Volks nacheilt sehe ich als Zeichen der Demokratisierung und des Aufstiegs: Auch der gemeine Mann von der Strasse kann sich nun in Deutschland den Luxus des Geldausgebens für unnütze Dinge leisten!

    • Michael Blume

      @Mona

      War es nicht gerade auch anders herum? Viele im Wettbewerb stehende Krankenkassen nahmen homöopathische Leistungen in ihre Angebote auf, weil Kunden diese stark nachfragten… #Marktmacht #Kundenwünsche

      • Viele, und nicht nur ältere Kunden, hätten es auch gerne, wenn Zahnersatz, Brillen oder die Batterien fürs Hörgerät wieder Kassenleistung würden. Warum geht man da nicht auf „#Marktmacht #Kundenwünsche“ ein?

    • Ja, die Gesellschaft wird immer mehr durchdrungen von Esoterik, Naturheilkunde, Schamnismus und die Homöopathie hat es besonders weit gebracht. Ihr zweiter Link zu einer Krankenkasse mit einem Text, der die Homöopathie begründet, kann nur von einem Homöopathen geschrieben worden sein. Diese Krankenkasse hat also einen Homöopathen, der für Homöopathiefragen zuständig ist und diese aus seiner Sicht beantwortet. Die Krankenkasse versucht schon gar nicht mehr eine neutrale Position einzunehmen, Damit hat die Homöopathie diese Krankenkasse und wohl das gesamte deutsche Gesundheitssystem unterwandert.

      Für mich sind solche Entwicklungen Zeichen dafür, dass die westdeutsche Gesellschaft schon zu saturiert ist. Sie gibt Geld für fragwürdige Dinge aus. Die Homöopathie ist nur ein Beispiel von vielen.

      • Die Politik und damit auch die Gesellschaft wird von Lobbyisten beherrscht, deshalb werden notwendige Leistungen von den Krankenkassen nicht mehr bezahlt (wie ich weiter oben bereits schrieb), dafür aber Homöopathie. Konsequenterweise müssten die Krankenkassen in Zukunft auch Schutzengelanhänger etc. bezahlen, denn schließlich glauben doch viele Menschen an Engel, oder?

        • Das ist sicher so: Wer Gehör finden will in der Gesellschaft und vor allem in der Politik, der braucht die richtigen Verbindungen, der muss lobbyieren. Und die Homöopathen haben gute Voraussetzungen dafür sind doch viele ausgebildete Schulmediziner und kennen damit die Strukturen und Einflussmöglichkeiten schon allein über die ärztlichen Standesorganisationen.

        • Michael Blume

          @Mona

          Und die Homöopathen fühlen sich wiederum von der „Pharmalobby“ bedroht, die an unnützer oder gar schädlicher „Chemiepampe“ verdienen wolle – siehe Herr Rechal hier in dieser Debatte.

          Diesen Trend, nach dem sich immer mehr Menschen im ihr jeweiliges Glaubrnsmilieu zurückziehen und den Rest der Welt im Griff böser Mächte sehen, ist m.E. ebenso wissenschaftlich faszinierend wie gesellschaftlich besorgniserregend. Dialog und Argumente drohen dann unter zu gehen…

    • Womöglich verstärkt die Übernahme durch Krankenkassen den Placebo-Effekt ja auch. Dann wäre es volkswirtschaftlich doch gar nicht so dumm, oder?

      • Eher nicht: Wenn künftig der Hausarzt nach einer 90sekündigen Sitzung dem Kassenpatienten ein Homöopathie-Rezept mitgibt, fehlt ein wesentlicher „Wirkungs“bestandteil, nämlich die intensive Befassung mit dem Patienten. Zudem fehlt bei einer künftige Massen-Homöopathie die Exklusivität, das Besondere.

        Meine These: Je größer der Anteil der Kassenfinanzierung an der Homöopathie, desto geringer der Placebo-Effekt.

  11. Ja, warum lässt sich der Mensch nicht aufklären, warum fällt er ständig in Irrationalismen zurück, kleine wie große, Homöpathie oder IS oder irgendetwas anderes. Es gibt eine bestürzende Unbelehrbarkeit, an mangelnder Intelligenz kann es nicht immer liegen, aber an mangelnder Bereitschaft, sich aufklären zu lassen oder nachzudenken. Homo sapiens? Eher homo insipiens (ich hoffe, mein Latein ist halbwegs korrekt).
    Es sind wohl mehrere Faktoren: eine typische Unbelehrbarkeit und Dickköpfigkeit, die mit der Pubertät beginnt. Das Bedürfnis, seine Welt geistig/seelisch zu möblieren (z.B. mit Schutzengeln), damit er sich wohlfühlt. „Wer heilt hat recht“, das ist die geltende Unlogik.

    • Ist jedenfalls bitter, dass welche auf geringe, homöopathische Wirkstoffmengen bestehen, auch die Sache mit den Kügelchen („Globuli“)…
      „Wer heilt, hat recht.“ ginge übrigens logisch noch halbwegs auf den Einzelfall bezogen, sollte nur nicht die (ver)allgemeine(rnde) Theoretisierung bestimmen.

      MFG
      Dr. W (der allerdings neben der Homöopathie noch weit unangenehmere Esoterik kennt)

    • „Ja, warum lässt sich der Mensch nicht aufklären, warum fällt er ständig in Irrationalismen zurück, kleine wie große, Homöpathie oder IS oder irgendetwas anderes. Es gibt eine bestürzende Unbelehrbarkeit, an mangelnder Intelligenz kann es nicht immer liegen, aber an mangelnder Bereitschaft, sich aufklären zu lassen oder nachzudenken. Homo sapiens? Eher homo insipiens (ich hoffe, mein Latein ist halbwegs korrekt).
      Es sind wohl mehrere Faktoren: eine typische Unbelehrbarkeit und Dickköpfigkeit, die mit der Pubertät beginnt. Das Bedürfnis, seine Welt geistig/seelisch zu möblieren (z.B. mit Schutzengeln), damit er sich wohlfühlt. „Wer heilt hat recht“, das ist die geltende Unlogik.“

      Ja, es ist schon bestürzend wenn man, im Besitz der absoluten Wahrheit, erkennen muss, dass andere Menschen „die Wahrheit“ ganz anders definieren.
      Das Problem haben übrigens Fundamentalisten aller Art: Auch fundementalistische Christen und Moslems unterstellen andersgläubigen entweder Dummheit oder Verstocktheit und prophezeien den Untergang der Menschheit wenn sich „die Wahrheit“ nicht bald durchsetzt.

      • „… prophezeien den Untergang der Menschheit wenn sich „die Wahrheit“ nicht bald durchsetzt.“

        🙂 aber so steht es doch im nicht verstandenen Fundament des „Christentums“ geschrieben 😉

      • Ich weiß nicht, wie Sie Wahrheit definieren, ich habe den Begriff weder gebraucht noch diese Sache gemeint. Sie können sich meinetwegen die „Wahrheit“ basteln, wie Sie möchten, wenn es Sie glücklich macht.
        Die Diskussion um Homöpathie und andere Irrationalismen spielt sich ganz klar unterhalb der Ebene von „Wahrheit“ ab, und zwar auf einer wissenschaftlichen Ebene, aber wer das nicht akzeptieren will, unterstellt gerne den anderen Fundamentalismus.

        • „Die Diskussion um Homöpathie und andere Irrationalismen spielt sich ganz klar unterhalb der Ebene von „Wahrheit“ ab, und zwar auf einer wissenschaftlichen Ebene, aber wer das nicht akzeptieren will, unterstellt gerne den anderen Fundamentalismus.“

          Sie haben sich darüber beklagt , dass andere Menschen die Aussage „Hömopathie wirkt nicht“ einfach nicht akzeptieren wollen.
          Offensichtlich halten sie diese Aussage für wahr. Sonst wären sie ja bereit anderen abweichende Aussagen zuzugestehen, z.B. „Hömopathie wirkt“, „Hömopathie wirkt bei mir/manchmal/bei einigen Krankheiten“
          Und würden Menschen, die die Aussage „Hömopathie wirkt nicht“ für falsch halten nicht für dumm oder verstockt oder für stur halten.
          Ich halte die Aussage „Hömopathie wirkt nicht“ übrigens auch für wahr. Ich glaube , dass Hömopathie nicht wirkt. ich bin damit in meinem Freundes und Bekannten und Kollegenkreis absolut in einer Minderheitenposition.
          Andere Menschen machen eben andere Erfahrungen als ich, haben andere Wirklichkeitskonstruktionen und kommen zu ganz anderen Ergebnissen.Und was mich amüsiert ist, dass Menschen die an die Naturwissenschaften glauben immer wieder überrascht sind, dass sie zu einer absoluten Minderheit gehören. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung hat ganz andere Wirklichkeitskonstruktionen.

          • Ich „glaube“ nicht an Naturwissenschaften, ich bin nicht überrascht, dass viele Menschen eine anderen Wirklichkeitskonstruktion haben, sondern „bestürzt“, dass Menschen sich nicht selbst aufklären können. Es amüsiert mich ehrlich gesagt, immer weniger, und ich behaupte überhaupt nicht, dass das etwas mit Dummheit zu tun hat, wenn man an Homöopathie glaubt. Erfahrungen macht man viele, aber was heißt das schon. Übrigens nehme ich mich auch nicht aus, irgendwelche Irrationalitäten habe sicherlich auch ich.

          • „Wirklichkeitskonstruktionen“ ist ein guter Begriff für das Weltverständnis der meisten Menschen. In Putins Wirklichkeitskonstruktion gibt es beispielsweise das Konstrukt „Neurussland“.

            Ich denke mir aber die meisten dieser selbst gebastelten und nicht gegengeprüften Konstruktionen scheitern an der Realität da draussen. Putin wird sein Neurussland nicht so einfach bekommen und einige von Homöopathie Überzeugten werden wohl erleben müssen, dass sie eine behandelbare Krankheit wegen ihrem Glauben verschleppt haben und dann mit den Folgen leben oder sterben müssen.

  12. Homöopathie-Produkte haben zwei offensichtliche Vorteile. Sie haben keine schädliche Wirkungen und können konkurrenzlos billig hergestellt werden. Aberglaube ist eh nicht auszurotten und es besteht offensichtlich ein emotionaler Bedarf an Mitteln für Beschwerden für die es keine wirksamen konventionellen Medikamente gibt. Da kann es sinnvoll sein die Homöopathie einzusetzen anstelle von teuren Standards. Die Krankenkassen sollten die selbst herstellen, um die Kosten niedrig zu halten.

    • „Die Krankenkassen sollten die selbst herstellen, um die Kosten niedrig zu halten.“

      Homöopathie ist aber nicht kompatibel mit der Symptomatik in Wachstumswahn und Schnellebigkeit für den nun „freiheitlichen“ Wettbewerb um … 😉

  13. Diesen Kommentar schreibe ich mit sehr mäßiger Begeisterung, weil ich wenig Sinn darin sehe, völlig verfestigte Überzeugungen zu kritisieren. Da sich aber hier alle durch die Bank einig sind, dass Homöopathie höchstens über den Placebo-Effekt wirksam sein kann, sehe ich mich gedrängt, meine Gegenstimme einzubringen.

    Ich verstehe die Gründe für diesen Konsens: Es ist erstens unvorstellbar, dass ein einzelnes Molekül, das oben auf einem Eimer Wasser herumschwimmt, irgendwelche Fernwirkungen auf das Wasser am Boden hat. Leerformeln wie „Informationsübertragung“ sind eben Leerformeln. Und zweitens müsste sich eine solche Wirkung, falls sie wirklich existiert, nach all dieser Zeit irgendwie einmal in einer wissenschaftlich kontrollierten Studie bestätigen lassen. Eine Heilkraft dieser Globuli ist also so extrem unwahrscheinlich, dass sie allen Regeln der Vernunft nach auszuschließen ist.

    Dem stehen persönliche Erfahrungen gegenüber, sowohl von mir als auch aus meinem Bekanntenkreis von Heilungen, die nicht anders als dramatisch zu nennen sind. Ich hoffe, es wird mir erspart, hier seitenlang zu berichten, wieso dabei Placebo-Effekte noch extem viel unwahrscheinlicher sind als die schlichte Annahme eines Kausalzusammenhangs zwischen Einnahme des Mittels und der darauffolgenden Wirkung. Ich würde gerne andersherum fragen: Gibt es für die Teilnehmer an dieser Diskussion überhaupt denkbare einzelne, persönliche Erfahrungen, die zusammengenommen die apriorische Überzeugung erschüttern könnten, dass es keine (nichtpsychologische) Heilkraft dieser Globuli gibt? Und, falls nicht, ob da nicht einfach das berühmte „was nicht sein kann, darf nicht sein“ am Werk ist?

    Persönlich habe ich für mich den Schluss gezogen, dass Globuli eben manchmal helfen. Sonst nichts. Ich habe keine Erklärung dafür, ich würde deswegen auch keine wissenschaftlichen Grundsätze in Zweifel ziehen, es ist ein isoliertes Phänomen in meiner Sicht der Welt, das ich einfach hinnehme. Täte ich das nicht, wäre das einfach der Sieg der Dogmatik über die handgreifliche Erfahrung. Und das war noch nie ein guter Ratgeber für die menschliche Wissbegier.

    • Für die Wirksamkeit, trotz der „tausendfachen“ Verdünnung durch Wasser, habe ich die Erklärung: Wasser hat Bewußtsein für die Kraft des Geistes der uns und alles durchdringt, was sich mit der zunehmenden Verdünnung potenziert, für ein Bewußtsein welches Mensch bisher nur sehr betäubt oder garnicht wahrnimmt.

    • „Gibt es für die Teilnehmer an dieser Diskussion überhaupt denkbare einzelne, persönliche Erfahrungen, die zusammengenommen die apriorische Überzeugung erschüttern könnten, dass es keine (nichtpsychologische) Heilkraft dieser Globuli gibt?“

      Natürlich, denn wenn es eine nicht-psychologische Heilkraft der Globuli gäbe, müsste diese in großen, nach allen Regeln der Wissenschaft geplanten, Placebo-kontrollierten Studien nachweisbar sein. Diese Studien gibt es bereits, die Ergebnisse sind bisher in der Zusammenschau (Meta-Analyse) eindeutig negativ.

      • „Natürlich, denn wenn es eine nicht-psychologische Heilkraft der Globuli gäbe, müsste diese in großen, nach allen Regeln der Wissenschaft geplanten, Placebo-kontrollierten Studien nachweisbar sein. Diese Studien gibt es bereits, die Ergebnisse sind bisher in der Zusammenschau (Meta-Analyse) eindeutig negativ.“

        Das sehe ich auch so. Aber das Haupt“problem“ ist doch, dass die Mehrheit das eben nicht so sieht. Mir hat mal ein Kollege gesagt: „ich weiß sehr wohl, die Hömopathie verstößt gegen die Naturgesetze und ihre Wirkung ist unbewiesen. ich glaube trotzdem daran“
        Ich finde das überhaupt nicht schlimme. Ich glaube ja auch an Dinge die nicht bewiesen sind oder die den Naturgesetzen widersprechen.Und als Konstruktivist glaube ich auch an keinen Wahrheitsbegriff. Aber wie Michael Blume schon schrieb bringt grade die Hömopathie Rationalisten so richtig in Wallung: Da gebe ich mir schon so eine Mühe die allerdollsten und superbelegten Argumente vorzutragen (ja verlinke sogar jede menge Studien!) und der/die gegenüber glaubt einfach etwas anderes.
        Erinnert schon an Mission. Und ist vergeblich: Die Menschen Glauben an was sie wollen. Das hat nichts mit Dummheit oder Vernunft oder Verstocktheit zu tun.

        • Zitat: „Die Menschen Glauben an was sie wollen. Das hat nichts mit Dummheit oder Vernunft oder Verstocktheit zu tun.“ O doch.Falscher Glauben führt zu falschen Handlungen. Und wenn der Betreffende insistiert und seine Ansichten nicht korrigiert, wiederholt er die falschen Handlungen. Das gilt auf vielen – wenn nicht allen – Gebieten.
          Beispiel: Paul Krugman schreibt in seinen Wirtschaftskolumnen auf NYT regelmässig über Leute mit falschen ökonomischen Ansichten, heute am 25.11.2014 beispielsweise gerade über Inflationsbesessene, die schon bei Beginn des Monetary Easing Inflation vorausgesagt haben – und die es heute immer noch tun. Weil sie nichts dazu gelernt haben. Weil sie nie etwas dazu lernen werden. Krugman nennt diese Leute hin und wieder Sadomonetaristen, denn sie wollen ökonomische und fiskalische Massnahmen ergreifen, die die Lage noch verschlimmern.
          Ein falscher Glaube kann töten.Der Chirurg, der an eine falsche Operationsmethode „glaubt“ gefährdet Patienten. Jemand, der für HIV nicht Viren sondern beispielsweise Armut verantwortlich macht, der wird HIV nicht richtig bekämpfen. Damit gefährdet er Menschen.
          Wer Homöopathie einsetzt anstatt empirsch erhärtete Heilmethoden, der gefährdet Patienten oder sich selbst.

          • „Zitat: „Die Menschen Glauben an was sie wollen. Das hat nichts mit Dummheit oder Vernunft oder Verstocktheit zu tun.“ O doch.Falscher Glauben führt zu falschen Handlungen. Und wenn der Betreffende insistiert und seine Ansichten nicht korrigiert, wiederholt er die falschen Handlungen. Das gilt auf vielen – wenn nicht allen – Gebieten.“

            Aber das ist doch ein echtes Dilemma oder?
            Wer kann bitte schön schon festlegen was ein „richtiger“ Glauben ist?
            Die Menschen, die an die Hömopathie glauben machen eben offensichtlich die Erfahrung, dass sich dieser Glauben bewährt. Sonst würden sie ihn ja korrigieren.
            Mit Sachargumenten kann man da nicht kommen.
            Und ich persönlich bekomme vor allem bei Impfgegnern Schaum vor dem Mund (Hömopathie halte ich für ein geringes Problem, die Extremfälle wo Hömopathie schadet sind eher konstruiert), weil ich finde das Impfgegner Schaden anrichten.
            Aber: Erwachsene Menschen haben das Recht sich eine eigene Meinung zu bilden. Das gehört Respektiert. Und wenn Menschen sich eine andere Meinung als ich bilden ist es doch eher grenzwertig sie als dumm, irrational (jaja die Vernunft…..),naiv oder was weiß ich zu bezeichnen.
            Dahinter steckt ein diktatorischer Ansatz der Wissenschaftler zu bestimmen was die Wahrheit ist.

            http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Feyerabend#Wissenschaftstheoretische_Ansichten

            Aber das Hauptdillema scheint mir folgendes zu sein:

            Obwohl wirklich ein ungeheurer Aufwand betrieben wird die Hömopathie zu kritisieren gewinnt sie immer mehr Anhänger.
            Meiner Meinung nach liegt das an diesem Absolutheitsanspruch den viele Wissenschaftler in Disskussionen an den Tag legen. Der kommt oft sehr überheblich rüber.
            Und das einzige was meiner Meinung nach dazu taugt die Hömopathie zu verwerfen ist, dass die Hömopathie in evidenzbasierten Studien durchfällt. Aber das Gegenargument der Hömopathen , dass sich Hömopathie aufgrund der Besonderheit der Behandlungssituation evidenzbasiert nicht überprüfen lasse ist soooo schlecht auch nicht.
            Also GLAUBE ich letztendlich, das Hömopathie nicht wirkt. Und so bescheiden bringe ich das auch in Disskussionen rüber.

          • @ skeptischerchrist :

            Meiner Meinung nach liegt das an diesem Absolutheitsanspruch den viele Wissenschaftler in Dis[]kussionen an den Tag legen. Der kommt oft sehr überheblich rüber.

            Ein Anspruch auf besondere Losgelöstheit von Erkenntnis, der Richtung „Wissen“ geht, sollte im (natur-)wissenschaftlichen Bereich nicht vorliegen, korrekt.

            Und das einzige was meiner Meinung nach dazu taugt die Hömopathie zu verwerfen ist, dass die Hömopathie in evidenzbasierten Studien durchfällt.

            ‚Das Einzige‘ könnte hier hinreichend sein.

            Aber das Gegenargument der Höm[ö]opathen, dass sich Höm[ö]opathie aufgrund der Besonderheit der Behandlungssituation evidenzbasiert nicht überprüfen lasse ist soooo schlecht auch nicht.

            Ist mies. Stellt die medizinische Veranstaltung direkt in Frage, sollte sich derartige Sicht allgemein durchsetzen.

            Also GLAUBE ich letztendlich, das Höm[ö]opathie nicht wirkt. Und so bescheiden bringe ich das auch in Dis[]kussionen rüber.

            Versuchen Sie es vielleicht einmal mit Vertrauen. – Vertrauen werden darf, auch wenn nicht unbedingt geglaubt wird und Erkenntnis (vs. ‚Wissen‘) angenommen wird.

            MFG
            Dr. W (Ohren steif halten, Sie scheinen schon angemessen skeptisch, chapeau!)

          • @skeptischerchrist, 25.11.2014 1937: Jeder glaubt irgend einen Unsinn. Das macht auch nichts solange man nicht den Anspruch hat beispielsweise andere zu heilen oder in einer verantwortungsvollen Position für andere zu entscheiden.

        • Und als Konstruktivist glaube ich auch an keinen Wahrheitsbegriff.

          Der Konstruktivist glaubt üblicherweise an die Erkenntnis, ansonsten wäre er beispielsweise Nihilist.

          Was Kommentatorenfreund Panagrellus weiter oben notiert hat, war das Erforderliche; selbstverständlich darf auch trotz der o.g. Datenlage anderweitig geglaubt werden…
          Ist nicht verboten, wäre aber auf besondere Art und Weise „medizinkritisch“ oder gar „wissenschaftskritisch“.

          MFG
          Dr. W

      • Nein, das war keine Antwort auf meine Frage oder vielmehr „naürlich“ ist gelogen, es müsste heißen: „Nein“.

        Was hier dahintersteht, ist der Schluss: (a) „Wenn ich persönliche Erfahrungen hätte, müssten sie in wissenschaftlichen Studien reproduzierbar sein.“ (b) Da sie es nicht sind, folgt daraus – ja was? Dass meine Erfahrungen ungültig sind. Das ist genau die dogmatische Denke: Kann nicht sein, egal, was ich erlebe

        • @ Herr Dr. Eric Djebe :
          War halt nicht fair gefragt, das mit dem ‚apriorisch‘ meinend, Kommentatorenfreund Panagrellus hat wohl einfach darüber hinweg gelesen und sinnhaft geantwortet.

          MFG
          Dr. W

        • Es ging um eine etwaige „nicht-psychologische Heilkraft“ der Globuli, wie Sie es nannten. Wenn diese Heileffekte in großen Placebo-kontrollierten Studien nicht auftauchen, dann sind eben alle „persönlichen Erfahrungen“ was? – genau, Placebo-Effekte, psychologische Effekte. Interessant, aber unabhängig vom Inhalt der Zuckerkügelchen.

  14. Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit muss man dem Körper Ruhe gönnen sich selbst zu regenerieren und zu heilen. Die Gesellschaft lebt frei nach dem Motto:“Pille rein, glücklich sein“, vergisst aber dabei den Weg zur Selbstheilung. Wir sind viel zu ungeduldig geworden wieder gesund zu sein. Mit dem Negativeffekt, dass wir uns selbst aus den Augen verlieren. Mangelndes Körperbewusstsein oder Selbsterfahrung führen auf kurz oder lang in die Depression oder zum Burnout.
    Diese Einstellung steht in direktem Zusammenhang mit dem Bewusstsein und den inneren Egostates. Menschen kommen häufiger in Zwickmühlen (Multimühlen) in der sie wenig alternativee Auswege gibt. Diese subjektive Hilflosigkeit erzeugt chronischen Stress, in der Ziele, Wünsche oder Bedürfnisse nicht mehr realisierbar erscheinen Fazit: Burnout, Depression etc.

    So ist das Wissen mit Hilfe der Homöopathie die Voraussetzung für eine bewusste Gestaltung des eigenen Lebens und fördert die Fähigkeit zur gesunden Selbstfürsorge. Unser Gelassensein mit diesem Umgang ist in hohem Maß abhängig vom Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, von dem selbst gestalteten Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung und unserem Aufgehobensein in menschlichen Beziehungen. Ein in meinen Augen sehr wichtiger Beitrag um sich selbst nicht zu verlieren.

  15. Bei einer Religion würde auch ich den Erfolg nach der Verbreitung beurteilen, bei einer Heilmethode wäre es eher der Heilerfolg.

  16. Nutzt man Google und sucht nach der ältesten Erwähnung des Wortes „Pseudowissenschaft“, findet man ein Buch von Anfang des 19. Jahrhunderts und dort wird von Homöopathie gesprochen.
    ich glaube nicht, dass Homöopathie zum Zeitpunkt ihrer entehung keine Wissenschaft war, ob und wenn ja ab wann die Homöopathie eine Pseudowissenschaft wurde (also eine Lehre, die vorgibt wissenschaftlich zu sein es aber nicht ist), kann ich momentan nicht beurteilen.

  17. Hallo Herr Blume,

    Sie fangen an gegen den Strom zu schwimmen, und das auch noch standhaft, das finde ich ganz toll.

    Zum Thema fällt mir folgendes ein:

    Warum soll man Homöopathie nicht wissenschaftlich begründen können, wenigstens hypothetisch:

    In einem Globuli dürfte keinesfalls Nichts an Wirkstoffen enthalten sein, denn die Regel der unendlichen Verdünnung gilt nur für ideale Flüssigkeiten. Beim Herstellungsprozess sind die Mischungen aber real, d.h. beim 100ersten Umfüllen haften immer noch Moleküle des Wirkstoffs auf den Gefässwänden, die durch Schütteln vielleicht loskommen, sodass in der letzten Mischung mmer noch einige Millionen von Wirkstoffmolekülen die „Verdünnung“ vielleicht „überlebt“ haben, zusammen mit allen möglichen anderen Verunreinigungen im Gefäss.

    Werden diese in einem Globuli konserviert und verzehrt, könnten sie, zusammen mit den aus der Erwartungshaltung des Patienten ausgeschütteten spezifischen Molekülen (z.B. Hormonen) Molekülkomplexe bilden, die katalytisch wirken. Mit irgendwelchen materiellen Prozessen muss ja auch ein Placebo Effekt einhergehen, wobei es eine Schwelle für wirksame Molekülmengen nach meiner Auffassung nicht geben dürfte.

    Materiell wirksame Effekte sind doch vorstellbar, wenn auch im Detail unbestimmt – prinzipiell aber nicht ausgeschlossen, und darauf kommt es an.

    Also warum sich ereifern, dass Homöopathie wissenschaftlich nicht begründbar ist ? Vielleicht kommen wir noch dahinter. Schliesslich lösen bei der Photosynthese von Pflanzen einzelne Lichtteilchen ganze Kaskaden zellinterner Prozesse aus. Die Natur war doch schon immer viel raffinierter, als wir uns das mit unserem begrenzten Hirn vorstellen können.

    Den Gegnern der Homöopathie scheint es u.a. darum zu gehen, mit wissenschaftlicher Begründung etwas absolut auszuschliessen. Das war schon immer gefährlich, das kann man als Arbeitshypothese für eine bestimmte Fragestellung machen, aber nicht grundsätzlich. Den Anspruch, wahre Aussagen zu machen, hat die Wissenschaft nicht.

    Man kann also sagen, es gibt derzeit keinen Beleg für die Wirksamkeit eines Globoli, aber mit gleicher Berechtigung kann jemand das „derzeit“ hinzufügen, ohne die Regeln der wissenschaftlichen Argumentation zu verletzen.

    Grüsse Fossilium

    Grüsse Fossilium

  18. Michael Blume

    @Bernd Mach

    Leider musste ich Ihre Kommentare löschen, da sie persönliche Herabsetzungen anderer enthielten. Wenn Sie wirklich argumentieren wollen, versuchen Sie es doch bitte fair und sachlich.

  19. Warum wird der Placeboeffekt behandelt wie etwas unanständiges?
    Alle Wirkungen, die nicht durch eine placebo-kontrollierte wissenschaftliche Studie nachgewiesen werden können, sind Placebo-Wirkungen. Doch eigentlich ein riesen Scheunentor für Esobegeisterte, oder?
    Das ist doch der Nachweis für „von-Geist-zu-Geist-Heilungen“. Was will man mehr?
    Kein Mensch weiss wie Placebo funktioniert. Wow. Eine glatte Ohrfeige für Materialisten. Oder etwa nicht?
    Könnte es nicht sein, dass diese geistige Wirkung je nach „Heiler“ und Ritual unterscheidlich stark ausfällt? Gibt es dazu gute Studien?

    Als ehr eso-aversierter und wissenschaftsbegeisterter, würde ich vermuten, dass der Körper eine Art „Heilungsmodus“ annehmen kann, in dem das Potenial für Regeneration und der Anteil für die Heilung bereitgestellten Ressourcen unterschiedlich zugewiesen (alloziert) werden. Dass unser Körper eine sehr großese Heilungspotential hat, dass er nicht immer ausschöpft, scheinen theoretische Überlegungen nahezulegen.

    • Kein Mensch weiss wie Placebo funktioniert.

      Es gibt da schon ein paar Ideen.

      Beispielsweise könnte der Glaube an ein Medikament, das keines ist, dazu führen, dass der Patient seine Lebensführung umstellt und schlicht gesunder lebt.
      Es könnte auch sein, dass Krankheiten ohnehin in der Masse die Eigenart haben von selbst zu verschwinden.
      Zugerechnet wird dies im Ex Post dann womöglich dem „Medikament“.

      Wichtich wäre halt nur zu erkennen, dass die Homöopathie außerhalb der Medizin steht.

      MFG
      Dr. W (der auch schon mal Placebos, pardon: Ergänzungsmedizin, eingeworfen hat, nichts Schlechtes daran)

      • Ja klar gibt es hypothesen. Aber gibt es auch belastbare daten?
        Das immunsystem und die heilung verbrauchen enorme ressourcen.
        Es gibt evolutionstheoretische überlegungen, dass ein vollständiges ausheilen zu teuer wäre, um dies im regelfall auch zu realisieren. Das immunsystem ist eng mit dem nervensystem vernetzt. das könnte bedeuten, dass je nach situation oder „innerer erwartung“ (stress, verdauung, vermuteter heilungschangsen, usw.) das immunsystem unterschiedlich reagiert – nicht nur quantitativ, sondern auch qualitätiv andere strategien verfolgt.

        Ich stelle mir vor, dass die intensive anamnese in der homöopathie auch die strategien des immunsystems präzisieren hilft. Wir können, glaube ich, mit ziemlicher sicherheit annehmen, dass die vernetzungen in uns formen annimmt, von denen wir nicht einmal ahnen, dass es sie geben könnte. Die immunologie ist ein mit am stärksten wandelnder forschungszweig.

  20. Mir geht es um das Argument, dass Homöopathie wissenschaftlich nicht begründbar sei.

    Das wäre ja tatsächlich der Fall, wenn in einem homöopathisch mit Wirkstoff dosiertem Globuli nachweislich gar kein Wirkstoff wäre. Es ist eben nicht mit den Naturgesetzen vereinbar, dass eine Wirkung aus etwas kommt, das gar nicht da ist. Darum geht es – um dieses „Totschlag-Argument“.
    Dieses Argument geht – wie ich meine – von unrealistischen Voraussetzungen aus, und d a m i t kann die Homöoptahie nicht als eine mit wissenschaftlichen Erkenntnissen unvereinbarende Heilmethode abgetan werden.
    Andere Argumente mögen gelten, dieses nicht.
    Mir fällt ansonsten kein anderes Totschlag-Argument ein.
    Daraus schliesse ich, dass man sie lassen soll, sie verschlechtert die Welt nicht.
    Aufregen kann man sich über anders.
    Grüsse Fossilium

    • Michael Blume

      Lieber @fossilium,

      aber der Punkt ist doch nicht, dass irgendjemand dogmatisch alles ausschließen würde, sondern dass sich in empirischen Studien keine über Placebo-Effekte hinausgehenden Wirkungen nachweisen ließen. Deshalb ist m.E. die beobachtbare und durchaus relevante Placebo-Wirkung nicht auf Ebene der Wirkstoffe, sondern in psychischen Prozessen zu erkunden. Und das bedeutet keine Arroganz, sondern echte, gegenüber den Menschen wertschätzende, wissenschaftliche Neugier!

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  23. Hallo Herr Blume,
    nein, darum geht es nicht !

    Sie können mit Statistiken die Wirksamkeit homöpathischer Behandlung nicht widerlegen.
    Dazu ist die homöopatische Behandlung zu individuell, d.h. sie ist statistisch nicht fassbar,

    Aber mit der Logik schon. Wenn etwas aus logischen Gründen nicht sein kann – dann kann es nicht sein. Aber gerade mit dem Argument der „Verdünnung“ geht es auch nicht – ideale Flüssigkeiten gibt es nicht, und daher kann man sich argumentativ darauf nicht stützen.

    Darum ging es mir: die Homöopathie ist eine Behandlungart, die sich als immun erweist gegen den Angriff, sie sei aus logischen Gründen Scharlatanerie.

    Guten Rutsch ins Neue Jahr !

    Fossilium

    • Michael Blume

      Liebe(r?) @fossilium,

      wenn eine „Wirksamkeit homoöpathischer Behandlung“ empirisch „nicht widerlegbar“ ist, dann ist sie eben auch keine evidenzbasierte Behandlung. Dass sie „individuell“ wirke, ist eine These, die sich ja im statistischen Mittel zeigen müsste – genau deswegen betrachtet die Statistik ja mehrere Fälle.

      Wissenschaftliche Thesen und Theorien zeichnen sich dadurch aus, dass sie empirisch widerlegbar sein müssen (daher auch: Evolutionstheorie). Wenn Sie also schreiben, „die Homöopathie ist eine Behandlungart, die sich als immun erweist gegen den Angriff, sie sei aus logischen Gründen Scharlatanerie“, so räumen Sie letztlich ein, dass wir es hier nicht mit einer empirisch-wissenschaftlichen Theorie, sondern mit einem (der falsifizierenden Überprüfung entzogenem) Glaubenssystem zu tun haben. Das muss m.E. nicht schlimm sein, wenn es z.B. Placebo-Effekte aktiviert und sonst harmlos ist, aber sollte sich dann auch nicht als evidenzbasierte Wissenschaft maskieren.

      Auch Ihnen einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

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