Das ewige Nichts – nach einer Zulu-Überlieferung

Vor ein paar Wochen widmete die Grundschule meiner Tochter der Wiege unserer Gattung einen Thementag: Afrika. Die Kinder setzten sich mit den Tieren und Pflanzen, aber auch mit den Menschen und Völkern, den Geschichten und Traditionen jenes großen Kontinents auseinander. Eine deutsch-afrikanische Initiative hatte einen Büchertisch aufgebaut, und dort traf ich auf eine Überlieferung, die ich gerne teile.

"Das ewige Nichts" – Nach einer Zulu-Überlieferung

Keine Sterne gab es, keine Sonne,

Weder Mond noch Erde,

Nichts existierte außer dem Nichts,

Dunkelheit überall,

Ein Nichts, weder warm noch kalt

Ein Nichts, schlimmer als Leere

Angst einjagend und ewig.

 

Das Nichts floss dahin,

Niemand kann sagen wie lange,

Auf den Wassern der Zeit,

Jener mächtige Fluss

Ohne Quelle und Mündung,

Den es gab, der ist

Und immer sein wird.

 

Aber dann eines Tages –

Kann man überhaupt sagen: eines Tages? –

Verlangte der Zeitenfluss nach einer Partnerin

Wie ein Wesen aus Fleisch und Blut

Nach einem Partner schreit

Und als das Ergebnis jenes so unvorstellbaren Treffens

Zwischen dem Zeitenfluss und dem ewigen Nichts

Wurde der kleinste, kaum sichtbar flackernde Funken

Geboren – das Feuer des Lebens."

Aus: Lutz van Dijk & Dennis Doe Tamakloe: Die Geschichte Afrikas. Campus 2008, S. 24/25

 Und für Freunde Afrikas, der Wiege der Menschheit, noch ein Filmclip:
 

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Wiege unserer Gattung

    Da ist sich die Wissenschaft mit den sumerischen Überlieferungen einig [BG]: Der Ursprung lag in Afrika. Es war ein längeres Ringen um diese Schlussfolgerung.
    Für das geschilderte Nichts sind die Verse vergleichbar mit einigen der 1. Seite der Bibel, die wiederum ihr Äquivalent im Enuma Elisch findet [HK]: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments (TUAT). Hier wird die Entstehung der Erde und des Lebens auf ihr geschildert, gesichert durch zahlreiche ausgegrabene Keilschriften und ihre zusammengefassten Übersetzungen von Assyrologen, Sumerologen…
    Infolge der beginnenden Kontinentaldrift vor um 250.000.000 Jahren entstand dann u. a. der Kontinent Afrika. Unsere Vorfahren brauchten um 8 Millionen Jahre für ihre Entwicklung, während der Homo sapiens auf ein Alter von nur gut 200.000 Jahre kommt, nach 1. Mose 1,26 – http://www.uni-duisburg-essen.de/…meso-enuma.htm . Diese Zahl wird mittlerweile von der Wissenschaft mehrfach bestätigt.

    So eine Ausgangsliteratur – Bild – gibt es als Geschichte auch für andere Kontinente und Völker. So wie die zahlreichen Göttergeschichten der Ägypter, Griechen, Römer… fallen sie von Land zu Land etwas variiert aus. So habe ich beispielsweise die kürzeste Sintflutgeschichte bei Sabine Kuegler gelesen.

    Die Entstehung des Feuer des Lebens wird u. a. durch Panspermi wissenschaftlich erklärt – der Keim kam primär von einem anderen Planeten, deren zahlreiche Existenzen in letzter Zeit als nachgewiesen gelten [WB]. Das Miller-Urey-Experiment von 1953 gilt nicht als Grundlage für die Entstehung des Lebens. In der ZDF-Sendung „Universum der Ozeane“ vom 10.10.10 wurden Hydro-Thermale Quellen am Meeresboden für die Erzeugung von organischen Ketten favorisiert.

    [BG] Bräuer, G.: Der Ursprung lag in Afrika. Spektrum der Wissenschaft 3/2003, S. 38 – 46
    [HK] Hecker, K. u. a.: Enuma Elisch. Texte aus der Umwelt des Alten Testaments (TUAT), Gütersloher Verlagshaus – Enuma Elisch: TUAT 3,4
    [WB] Wolfart, B.: Erste Schätzung zur Häufigkeit von erdähnlichen Planeten. ASTROnews vom 28.10.2010, http://www.astronomie-heute.de/artikel/1052951

  2. @Sapere Aude verstorben

    Liebe Leserinnen und Leser,

    wer schon länger dabei ist, wird sich an die streitbaren Beiträge von @Sapere Aude erinnern, der als bekennender Antitheist Religionen und Religiöse sehr scharf anging. Die durchschnittlich höhere Kinderzahl religiös vergemeinschafteter Menschen wollte er lange nicht anerkennen und beschrieb sie dann in seinem eigenen Duktus als „Gebärmutterkomplott des Theismus“. Nein, @Sapere Aude ging auch sonst keinem Streit aus dem Weg.

    Seit einigen Tagen ist seine Online-Stimme jedoch verstummt – für immer. Der Blogger verstarb Ende Oktober überraschend über Nacht.
    http://nicsbloghaus.org/…29/sapere-aude-ist-tot/

    Sein Blog, den ich immer mal wieder besuchte, ist inzwischen geschlossen.
    http://blog.dignitatis.com/wordpress/

    Meine Gedanken sind bei seinen Angehörigen und Freunden. Sapere Aude war kein bequemer Zeitgenosse und wollte es nicht sein. Aber man konnte seine scharfen Formulierungen auch als kompromißloses Wissenwollen und als Form der Anerkennung lesen. Lau war für ihn nicht, gerade nicht im Bezug auf die großen Fragen. Ob, wie und wo er jetzt auch sei – das bleibt und wirkt.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben