Club of Rome: Die Weltbevölkerung schrumpft ab 2042

Als der Club of Rome 1972 seinen ersten Bericht über die „Grenzen des Wachstums“ vorlegte, geschah dies just im ersten Jahr, in dem in Deutschland mehr Menschen starben als geboren wurden. Trotz millionenfacher, überwiegend junger Zuwanderung ist dies seither so geblieben, die Schere öffnet sich trotz steigender Lebenserwartung immer weiter. Doch kinderarme Länder wie Deutschland und Japan galten damals noch als seltene Ausnahmen und so prognostizierte der Club of Rome damals, die Weltbevölkerung werde bis 2032 auf 14 Milliarden Erdenbürger anwachsen!

Davon kann (wie ich finde: erfreulicherweise) keine Rede mehr sein – was Leserinnen und Leser von Natur des Glaubens aber bereits vor 3 Jahren erfuhren: Die Geburtenraten befinden sich weltweit im Sinkflug – und zwar viel schneller, als man sich das hätte vorstellen können. Und zugleich erzeugen kinderarme Einwanderungsländer wie Deutschland einen Sog auf Zuwanderer aus einstmals kinderreichen Nationen wie der Türkei, die dann innerhalb von ein bis zwei Generationen fast genau so wenig Kinder bekommen wie der Durchschnitt ihrer neuen Heimat. In seiner neuen Prognose – von der Blognachbar Thomas Grüter ebenfalls bereits berichtete – hat der Club of Rome nun diese Entwicklungen einbezogen und kommt zu einer dramatisch anderen Einschätzung.

Die Weltbevölkerung geht 2042 bei 8,1 Milliarden in die Schrumpfung über

Zu meiner Studienzeit wurden noch UN-Prognosen diskutiert, wonach die Weltbevölkerung bis etwa 2070 wachsen solle. Später hieß es, 2050 wäre der Höhepunkt erreicht. Nun aber verkündet der Club of Rome: Schon 2042 soll es soweit sein, bei 8.1 Milliarden Erdenbürgern. Viele von uns dürften dies sogar noch erleben. Und die Voraus-Folgen von Bevölkerungsschrumpfung wie sterbende Landstriche und Dörfer, die Rückkehr von Wäldern und Wölfen, um Zuwanderer wetteifernde Städte etc. gehören ja heute schon zu unserem deutschen Alltag.

 

Welche Auswirkungen wird eine globale Bevölkerungsschrumpfung haben?

Für die Umwelt auf unserem geplünderten Planeten Erde dürfte eine schrumpfende Weltbevölkerung ein Segen sein – zumal der durchschnittliche Energie- und Rohstoffbereich der Menschen in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen dürfte. Auch für den Frieden dürfte es eine gute Nachricht sein: Gewalt und Kriege gehen vor allem von jungen Männern in Agrargesellschaften aus, die nicht alle erben können und also nach Begründungen für Eroberungen suchen. Die Existenz eines demografischen Jugendüberhangs (Youth Bulge) ist daher auch der stärkste Indikator für gewaltsame Konflikte.

Interessant werden die wirtschaftlichen Auswirkungen. Was wird aus Gesellschaften und Wirtschaftszweigen, wenn nicht wie bisher immer wieder günstige Arbeitskräfte als Migranten gewonnen werden können? Werden Unternehmen noch stärker als bisher in jene Regionen streben, in denen sie überhaupt noch Arbeitnehmer finden können? Werden Lohnplus und Niedrigzinsen zu Inflation und Entwertung von Spareinlagen führen („Asset Meltdown“)? Wird sich eine neue Wertschätzung von Familien, Erziehungs- und Bildungsberufen sowie kinderreichen Religionsgemeinschaften durchsetzen? Oder kommt doch wieder alles ganz anders, weil Prognosen über Jahrzehnte hinweg nun einmal schwierig sind?

Spannend dürfte es auf jeden Fall werden…

Zum Club of Rome: Kulke, U. (2012): Freunde des Weltuntergangs. Welt am Sonntag 13.05.2012 

* Diesen Blogpost widme ich anläßlich von Christi Himmelfahrt / Vatertag allen blog-lesenden Vätern. Wir werden selten, Kollegen… 😉

Dr. Michael Blume studierte Religions- und Politikwissenschaft und spezialisierte sich auf die Hirn- und Evolutionsforschung. Buchautor, Uni-Dozent, Wissenschaftsblogger und christlich-islamischer Familienvater. Hat auch manches erlebt und überlebt...

25 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Weltbevölkerung

    Wenn Sie mal einen Blick auf die Datenlage, wie sie von der Weltbank berichtet wird, werfen könnten: http://www.google.com/…explore?ds=d5bncppjof8f9_ (hoffentlich gelangen Sie so zu den Daten der Weltbank, der Verweis könnte unter Umständen nicht funktionieren) – und bei den Weltentwicklungsindikatoren auf ‚Bevölkerung‘ klicken, dann wird erkennbar, dass die prognostizierte Entwicklung nicht aus der Datenlage abgeleitet wird, sondern theoretischer Art ist.

    Glauben Sie an den vorhergesagten Stopp bei der Zunahme der Bevölkerung?

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich an das Überschreiten der 4 Milliarden Grenze (so um 1974) erinnert und an die Einführung misanthropischer Begriffe wie ‚Überbevölkerung‘ und ‚Bevölkerungsexplosion‘ und an die Vorhersage von Hungersnöten – auch vom CoR)

  2. @ Dr. Webbaer Weltbevölkerung

    Vielen Dank für den aufschlussreichen Link.

    Unter der Rubrik Fruchtbarkeitsrate kann man sehr schön sehen, dass diese von 1960 bis 2009 von ca. 5 auf 2,5 gesunken ist. Dabei ist die Tendenz immer noch leicht fallend

  3. @ Dr. Webbaer Weltbevölkerung

    ups, da war ich etwas zu schnell.
    Ich möchte damit darauf hinweisen, dass dies darauf deutet, dass der von Ihne genannte Link die Prognose des Endes des Bevölkerungswachstum erlaubt. Aus der Darstellung „Bevölkerung“ ist das nicht so leicht abzulesen

  4. Willkommene Nachricht!

    Ich bin natürlich etwas skeptisch, was den Prognosewert dieser Zahl angeht. Wir wissen ja nicht was in den nächsten 30 Jahren so alles passiert und ob der Trend zu mehr Bildung, mehr Wohlstand und weniger Kindern anhält.

    Gerade die Nahrungsmittelpreise sind ein großer Risikofaktor, die staatliche Strukturen in den Schwellenländern bedrohen. Wenn die modernen Staaten zerfallen besteht natürlich auch die Gefahr, dass traditionelle Gesellschaftsstrukturen wieder an Boden gewinnen und damit auch die Kinderzahl steigt.

    Die sozialen Fortschritte der letzten 20 Jahre sind angesichts steigender Ungleichheit und Unsicherheit äußerst fragil.

  5. all: Prognosen

    Dass auch wissenschaftliche Prognosen mit Vorsicht zu genießen sind, kann ja gerad auch der Club of Rome nicht mehr leugnen. Da sind wir uns also einig…
    😉

    Hinweisen möchte ich jedoch darauf, dass praktisch alle demografischen Prognosen der letzten Jahrzehnte deutlich „zu hoch“ lagen, der Geburtenrückgang viel stärker als erwartet ausfiel. Und an Bevölkerungsschrumpfung muss auch niemand mehr „glauben“ – seit meiner Geburt (1976) lebe ich inmitten einer demografisch schrumpfenden Population und erlebe durch meine familiären und universitären Bindungen in die neuen Länder deren Auswirkungen hautnah mit. In Baden-Württemberg gewinnen wir jährlich tausende Zuwanderer aus dem In- und Ausland, konkurrieren aber auch mit der ebenfalls schrumpfenden Schweiz – und es fehlen Arbeits- und Fachkräfte in immer mehr Bereichen, nicht zuletzt der Pflege.

    @Lars – da sind wir beim Meisten ganz beieinander. Erlaube mir aber noch den Hinweis, dass der massive Geburtenrückgang längst auch arme Populationen (Russland, Bosnien, Griechenland etc.) wie vor allem auch traditionell geprägte Gesellschaften (Italien, Spanien, teilweise Deutschland, zuletzt auch Türkei, Iran etc.) erfasst hat. Es zeigt sich, dass die enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen nicht nur traditionelle Familienformen auflösen, sondern diese auch – wo keine oder zu wenig Modernisierung, Investitionen in Kinderbetreuung etc. stattfindet – überfordern. Traditionalismus hilft in Post-Agrarwirtschaften längst nicht mehr, allenfalls konnten sehr entschieden modernisierende Gesellschaften (Frankreich, Skandinavien, teilweise USA) den Rückgang abfedern.

    M.E. würden also selbst schwere, wirtschaftliche Erschütterungen den massiven Geburtenrückgang in Schwellen-, Industrie- und Wissensländern nicht mehr umkehren können – ich halte daher die vorliegenden, demografischen Prognosen für immer noch zu hoch. Es wird nach m.E. eher noch schneller gehen – und turbulent werden…

  6. Wer sehen will, der sieht

    Es gibt mehr Leute auf dieser Welt, wenn mehr geboren werden als sterben. Das kann man mit Sicherheit sagen. Dass aber die Weltbevölkerung schon bald schrumpft, nur weil immer weniger Kinder geboren werden, das ist kein zwingender Schluss.
    Die wenigsten wissen oder sind sich dessen bewusst, dass Wir heute bis zu 40 Jahre länger leben als vor Beginn der Industrialisierung. Langsam kommen immer mehr Menschen altersmässig in den Bereich der biologisch gegebenen absoluten Alterslimite von 120 Jahren. Doch warum sollte diese Limite in Stein gemeißelt sein? Es gibt nicht nur lebensmüde Alte, es gibt noch viel mehr Alte, die gern leben und noch länger leben wollen. Und die Medizin wird dies im Schulterschluss mit anderen biologischen Wissenschaften möglich machen, davon bin ich überzeugt. Nehmen wir doch einmal an, die durchschnittliche Lebenserwartung steige in den nächsten 30 Jahren um 30 Jahre, das heißt von jetzt weltweit etwa 70 Jahren auf 100 Jahre. Schrumpft die Bevölkerung dann ab 2042?

  7. Holzherr: Lebenserwartung

    Ja, die seriösen demografischen Prognosen beziehen auch steigende Lebenserwartung, spätere Geburten etc. ein. So stieg die LE in Deutschland zuletzt noch um 3 Monate/Jahr. Allerdings verschieben sich damit die Todeszeitpunkte ja nur, mehr Geburten folgen daraus kaum mehr. Und es entstehen neue Herausforderungen wie steigende Renten- und Pensions-, Gesundheits- und Pflegekosten. Werden immer weniger Junge immer mehr Betagte versorgen können? Wird die Lebensarbeitszeit weiter verlängert werden? Wie wird sich ein wachsendes Durchschnittsalter auf die politische Kultur auswirken?

  8. @Wolfgang

    Unter der Rubrik Fruchtbarkeitsrate kann man sehr schön sehen, dass diese von 1960 bis 2009 von ca. 5 auf 2,5 gesunken ist. Dabei ist die Tendenz immer noch leicht fallend

    Klaro. Es gibt aber auch das Ansteigen des Sterbealters und die Beobachtung, dass verstärkt 40 bis 60Jährige gebären. ‚Prognosen über Jahrzehnte hinweg [sind] nun einmal schwierig‘.

    Dass im Hintergrund eine Diskussion über den Werteverfall lauert, der auf dem Verlust von Religion und allgemeinen Werten basiert, was sich eigentlich auch in der Fertilitätsrate ausprägen sollte, steht nicht in Frage. – Die Religion scheint hier idT ein Evolutionsvorteil zu sein, wenn auch aus Sicht dieses Kommentators nicht durch einen „Biologismus“ begründbar oder belegbar.

    MFG
    Dr. Webbaer

  9. @Michael Blume

    Werden immer weniger Junge immer mehr Betagte versorgen können? Wird die Lebensarbeitszeit weiter verlängert werden? Wie wird sich ein wachsendes Durchschnittsalter auf die politische Kultur auswirken?

    Der „Knall“ der zurzeit gefahrenen Systeme kann in Japan, den USA und gerade auch in der EURO-EU jederzeit kommen. D.h. die Antwort auf Ihre Frage ebenfalls, btw: Man kann auch mit weniger auskommen, die Sozialsysteme sind aus dem Ruder gelaufen; beim gegenwärtigen Stand der Technik und der Wirtschaft sollte man in der Lage sein diesen „Knall“ aufzufangen. – Was nicht gehen wird, und Sie scheinen ja Hajek zu kennen, als Understatement formuliert, ist das weitere Aufblähen der Staatschuldenstände.

    Und, hey, wie macht Ihr’s in D eigentlich zurzeit, ist die Angst vor dem Zahlen der Zeche für andere „EURO-Partner“ immer noch nicht allgemein fühlbar geworden?

    MFG
    Dr. Webbaer (der seit Längerem vorbeugend investiert ist)

  10. @Michael Blume: Lebenserwartung

    Sie scheinen wie mein Vater vor 20 oder noch mehr Jahren zu erwarten, das Problem – ja es ist ein Problem, das kann man nicht leugnen – der steigenden Lebenserwartung könne durch mehr Nachwuchs gelöst werden. Dafür werden aber die Leute heute schon zu alt und abgesehen davon würde selbst ein virulent einsetzender Babyboom, der heute, am 19.5.2012 ganz Deutschland ergreift, nichts daran ändern. Es gibt Dinge mit denen muss man einfach leben, ausser man greift zu Gewaltmitteln wie dem Aussetzen von alten Leuten und ähnlichem, was es ja auch schon gab.
    In Japan planen sie jedenfalls schon die Altenpflege mit allen nur denkbaren Hilfsmitteln inklusive Robotereinsatz. Und vielleicht bedeutet Altwerden schon in näher Zukunft nicht mehr unbedingt krank und schwach werden. Die ewige Jugend ist ein Wunsch so alt wie die Menschheit – und bis jetzt hat noch niemand bewiesen, dass das nicht geht.

  11. @Webbär & @Holzherr

    Mir scheint, dass jede Generation neue Herausforderungen zu bewältigen hat – und dass sowohl Bevölkerungsexplosionen wie Bevölkerungsimplosionen zu ganz besonderen Herausforderungen gehören. Persönlich mache ich mir (u.a. als gelernter Finanzassistent) durchaus Sorgen, wie z.B. auch in Deutschland immer weniger junge Leute immer größere Schulden- und Pensionslasten stemmen sollen. Aber Szenarien auf Basis anhaltender Bevölkerungsexplosion fände ich noch schlimmer.

    Will sagen: Im Gegensatz zu den vielen Alleswissern habe ich ausdrücklich keine fertigen Antworten zu bieten, sondern versuche kleine, wissenschaftliche Beiträge dazu zu leisten, dass wir kommende Herausforderungen und unsere Möglichkeiten eher und besser wahrnehmen mögen. Mehr Anspruch erhebe ich nicht und möchte auch meine Blogleser nicht irgendwohin leiten, sondern vielmehr im Dialog mit ihnen auch selbst weiter lernen.

  12. Hervorragende Diskussion!

    Mein bescheidenen Senf dazu:
    Jahrgang 63
    Studienabbruch
    5 Kinder (heute zwischen 7 und 20 Jahren alt)

    Berufstätigkeit ab 3. Kind nicht machbar.
    Als Alleinerziehende dann schon gar nicht mehr.

    Beruflicher Wiedereinstieg nach 15 Jahren Kinderziehung: Utopisch

    Rentenerwartung: roflcopter

    Das ist keine „Karriere“ von der eine junge Frau träumt und die veranlasst, Nachwuchs vorstellbar zu machen.

    Erwäge, persönliche Prognose bei kezera zu hinterlegen:

    Unsere Kinder werden auf die eine oder andere Art auf die Barrikaden gehen. Sie haben gesehen, wie wir Eltern noch nicht einmal für das Alter vorsorgen konnten und uns für sie finanzielle bis an den Rand der Kraft gebracht haben während Singles, DINKS & Co…….

    M.E.gibt es bei diesem Thema -zumindest in Deutschland- ausgesprochen viel unterdrückte Emotionalität. Eine unbekannte Variable, so besehen.

  13. @Schulz

    Vielen Dank! Darf ich – selbst Vater von dreien und aus echtem Interesse – fragen, aus welchen Gründen Sie sich für eine so grosse Familie entschieden? Und gelten diese Gründe – für Sie, Ihre Kinder – heute noch?

  14. Hallo Herr Blume,
    interessanterweise hatte das Entstehen der „Großfamilie“ zu Beginn religiöse Hintergründe :-))

    Das fünfte Kind ist der Nachkömmling in einer zum Schluss vor 10 Jahren entstandenen Patchworkfamilie (2 Kids aus seiner 1.Ehe, 4 Kids aus meiner 1.Ehe und 1 gemeinsames Kind).

    Zwischenzeitliche und auch heute habe ich viel Kontakt zu sich nach wie vor bildenden Großfamilien. Diese sind nicht nur in konservativen Religionsgemeinschaften (Baptisten, Mormonen) zu finden, sondern erstaunlicherweise auch bei „Waldorfs“ (welche die Kohorte der Großfamilien mit einer Familie mit 10 hervorragend erzogenen und ausgebildeten Kindern anführen 😉

    Bei diesen Kontakten fällt mir immer wieder auf, dass man

    a) nicht um die klassische Rollenverteilung herum kommt und

    b) ein explizit bejahendes Klima für Kinder und Familienbildung unabdingbare Basis sind.

    Beide Punkte sehe ich derzeit in Deutschland überhaupt nicht.

    Ich folge vielen Blogs in Amerika und bin beeindruckt, wie liebevoll dort über den Kontakt mit
    – Kindern,
    – Alten („old people are soooo cute !“) und
    – Behinderten (da können sich unsere I-Klassen noch mächtige Scheiben von abschneiden)
    berichtet wird.

    Models und Schauspielerinnen bekommen dort wie selbstverständlich Kinder. Kinder haben ist sozusagen durchaus Lifestyle. Hier in Deutschland bedeuten Kinder Armut und Belastung.

    Familienministerin Köhler, die sich schon mit einem Kind überlastet fühlt, wird da wohl auch keine ermutigenden Signale senden…..

  15. Schrumpfung oder Rückgang?

    Das hier mal die Schrumpfung – oder Rückgang(?) – der Weltbevölkerung ein Thema ist und nicht das Wachstum der Familien mit religiösen Hintergrund finde ich gut, weil es im Interesse eigentlich der Weltbevölkerung sein muss! Damit wäre eine offizielle Politik mit Hintergrund Geburtenregelung vom Tisch(?).
    Und Dr. Webbaer hat in seinem 1. Kommentar einen ganz wichtigen Punkt angesprochen.

    Trotzdem wäre es günstiger, wenn die „Grenzen des Wachstums“ eher erreicht würden. Warum?
    Die Gebiete mit Naturschäden werden immer mehr und größer. Damit fallen auch Plätze für Wohngebiete, Tier- und Pflanzenzüchtung für unsere Ernährung weg – oder Wälder werden weiter eingeschränkt wie besonders in Südamerika, um große Tierherden zu halten.
    Mit der Rodung der Urwälder wird auch ihre Sauerstoffproduktion eingeschränkt.
    Das bedeutet aber auch, dass wir nicht überall nur Wachstum haben können. Mehr Bevölkerung kann auch nicht mit Arbeitsplätzen versorgt werden. Höhere Produktivität erfordert auch weniger Produzierende.

    Ein Beispiel war die Wendezeit der DDR. Die Produktion brach teilweise zusammen – die Produktion im „Westen“, die eine Auslastung von 70% hatte, wurde hochgefahren – und die Versorgung der ehemaligen DDR konnte nun mit „Westprodukten“ gewährleistet werden.

  16. @Klaus Deistung & Schulz

    @Deistung

    Nur interessehalber: Wie stark sollte die Bevölkerung Deutschlands und der Welt denn Ihres Erachtens nach schrumpfen?

    @Schulz
    Ja, die kulturell-religiösen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland brachten mich auf die Forschungs-Spur. Denn in den USA gibt es ja praktisch keine staatliche Familienförderung, kein Kindergeld, Rentenzuschüsse o.ä. – und dennoch werden durchschnittlich weit mehr Kinder geboren, fast die Bestandserhaltungsgrenze erreicht. Rein „ökonomisch“ lässt sich das also nicht erklären, mit Einbezug der Religiosität geht es schon viel besser, vgl. hier:
    http://scilogs.spektrum.de/…ionen-reproduktionserfolg

    Eine intensive Diskussion gibt es ja auch über die Frage, ob und ggf. wie Kinder Eltern glücklicher machen als Kinderloser.
    http://www.alltagsforschung.de/…ern-glucklicher/

    Die empirischen Studien fallen uneinheitlich aus, wobei ich persönlich annehme, dass dies eben auch von den Rahmenbedingungen, der gesellschaftlich-kulturellen Akzeptanz usw. abhängt. Leider sind jedoch Stimmen kinderreicher Eltern sowohl in der Wissenschaft wie in der Politik und gerade auch im Internet deutlich unterrepräsentiert, was auch nicht ohne Folgen bleibt…

  17. @ Michael Blume

    Gute Frage! Natürlich ist das differenziert zu sehen. Als ein wichtiges Ziel würde ich es sehen, wenn man zunächst eine Bevölkerungsstagnation anstreben würde (D ist hier schon raus).
    Indien hat trotz Geburtenrückgang ein deutliches Bevölkerungswachstum. Dazu habe ich einige Daten recherchiert. Schlüsselzahl ist die Anzahl der Kinder pro Frau: 1971 – 5,6; 1991 3,6; 2006 – 2,7. Die Überlebensrate der Kinder steigt aber auch kontinuierlich.
    Die indische Bevölkerung wächst ständig weiter, trotz zwei angesetzter und gescheiterter Versuche für weiteren Geburtenrückgang. Die Ursache ist das immer gesichertere Leben – und so steigt das Lebensalter der Menschen, was zum weiteren Anstieg der Bevölkerungzahl führt, da die Sterberate sinkt.
    In einem Vortragsabend zweier Indienreisender wurde im vergangenen Jahr auch erläutert, wie die Bevölkerung zu einen bescheidenen und gesicherten Leben kommt: Wo Menschen Aufgaben erfüllen können – wird keine/wenig Technik eingesetzt!
    Wenn es in Indien so weiter geht, können sie in etwa 8 Jahren die chinesischen Einwohnerzahlen überschreiten.

  18. Ergänzend

    Denn in den USA gibt es ja praktisch keine staatliche Familienförderung, kein Kindergeld, Rentenzuschüsse o.ä. – und dennoch werden durchschnittlich weit mehr Kinder geboren, fast die Bestandserhaltungsgrenze erreicht.

    Es ist falsch oder ein Mythos, dass es dieses Problem in den Staaten nicht gibt, Stichwort ‚Welfare Queen‘, vgl. auch mit dieser „Historischen Maßnahme“ Clintons.

    In Europa läuft das aber in der Tat ungebremst fort, wovon gerade auch bestimmte Immigrantengruppen profitieren oder besser: „profitieren“, vgl. auch mit diesem „Urteil“.

    MFG
    Dr. Webbaer

  19. @Webbär

    Klar – eine Sozialpolitik gibt es auch in den USA, aber keine staatliche Familienförderung analog der deutschen, französischen, schwedischen etc. (Mit je ganz unterschiedlichen Ergebnissen…)

    Aber eine Nachfrage hätte ich: Inwiefern (bzw. wann) sehen Sie die Geburt von Kindern in Deutschland oder den USA als „Problem“?

  20. Welfare Queens

    Aber eine Nachfrage hätte ich: Inwiefern (bzw. wann) sehen Sie die Geburt von Kindern in Deutschland oder den USA als „Problem“? (M. Blume)

    Die übermäßige Subventionierung und deren Folgen sind als problematisch verstanden worden, nicht die Geburt an sich. – Ischt ein wenig so, wie wenn man sich gegen den hohen Benzinpreis wendet und einer entgegnet: Inwiefern haben Sie etwas gegen das Autofahren?

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich an anderer Stelle und in diesem Zusammenhang gegen die vorhandene Misanthropie gewendet hat)

  21. Das klingt ja vorerst einmal gut. Wir werden weniger, die Erde kann sich ein wenig erholen. Aber was ist mit uns? Das Thema beunruhigt mich, da ich aus dem Pflegesektor komme und mir immer wieder die Frage stelle: Wer soll sich um die Pflegebedürftigen kümmern, wenn „keiner“ mehr nachkommt?
    Zukunftsorientierte Berufe sind nunmal häufig in der Medienbranche zu finden. Ich hoffe, der Artikel gibt vielen zu denken, jetzt haben wir eine Chance etwas besser zu machen.
    Gruß,
    Isabelle von Fachkraft Altenpfleger

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