Bildung, Religiosität und Kinderreichtum – Das Beispiel des evangelischen Pfarrhauses

Nach dem ersten Blogpost zur Anthropodizee und dem Beitrag in der Sendung Quarks & Co. zu Wissen und Glauben wurde ich wieder viel mit dem wohl populärsten Dreisatz zum Zusammenhang von Religion und Demografie konfrontiert. Viele Deutsche meinen noch immer: 1. Gebildete Menschen seien seltener religiös. 2. Gebildete Menschen hätten weniger Kinder. Entsprechend seien 3. religiöse Familien (nur) deswegen kinderreicher, weil die Eltern durchschnittlich weniger gebildet seien.

Nur: Dieser Dreisatz ist schlicht falsch. So ist der Begriff der „Bildung“ selbst ein ursprünglich religiöser Begriff, der sich auf die biblische Aussage bezieht, wonach Gott den Menschen „nach seinem Bilde“ (1. Mose 1,27; 5,1; 9,6) geschaffen habe. In die deutsche Sprache kam die „Bildung“ entsprechend durch den Dominikaner und bedeutenden Mystiker Meister Eckhart (1260 – 1328), der lehrte, dass sich die Menschen zur Fülle der von Gott eingegebenen, guten Eigenschaften „bilden“, sich Ihm dadurch nähern sollten. Dieses ursprüngliche Bildungsideal wirkt bis heute fort – auch viele Nichtreligiöse spüren einen Verlust, wenn „Bildung“ nur noch bedeutet „später mal viel Geld zu verdienen“.

Wenn also zum Beispiel religiöse Juden jahrelang die Thora und ihre Auslegungen studieren, dann leben sie ein religiöses Bildungsideal – und sind zugleich außerordentlich kinderreich! Nach der völligen und blutigen Unterwerfung Israels samt der Zerstörung Jerusalems und seines Tempels durch die Römer im 1. und 2. Jahrhundert nach Christus waren es die zugleich gelehrten und kinderreichen Rabbinerfamilien, die die verstreuten Gemeinden sammelten und neu organisierten. So wiesen die Jüdinnen und Juden auch in der Schweizer Volkszählung 2000 nicht nur den höchsten Anteil an akademischen Abschlüssen und Positionen in leitenden Berufen auf – sondern mit 2,06 Geburten pro Frau auch fast doppelt so viele Kinder wie die durchschnittlich weniger „gebildeten“ Konfessionslosen (1,11)! Auch in den m.E. fragwürdigen, aber in einigen Kreisen sehr beliebten IQ-Tests schneiden Jüdinnen und Juden übrigens immer wieder weit überdurchschnittlich ab.

Ebenso verbinden zum Beispiel die vor noch nicht einmal zweihundert Jahren aus vor allem europäischen Migranten entstandenen und bereits auf 15 Millionen+ angewachsenen Mormonen nicht nur in den USA überdurchschnittliche „weltliche“ Bildungsabschlüsse und Einkommen mit ebenfalls überdurchschnittlichen Geburtenraten. (So ist z.B. auch die Twilight-Bestsellerautorin Stephenie Meyer fromme Mormonin, studierte Literaturwissenschaftlerin und dreifache Mutter.)

Auch die populäre Annahme, dass Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen grundsätzlich weniger Kinder wünschten und hätten, stimmt im internationalen Vergleich gerade nicht. So stellte die Leopoldina-Forschungsgruppe „Zukunft mit Kindern“ fest:

„Es gibt keinen zwangsläufigen Zusammenhang zwischen Bildung und Kinderzahl. In Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz, die in Hinblick auf die Vereinbarkeit von Elternschaft und Erwerbskarriere schlechte Bedingungen aufweisen, bleiben Frauen mit einem hohen Bildungsabschluss besonders häufig kinderlos. In Ländern mit guten Bedingungen, wie etwa Schweden, Dänemark und Finnland, unterscheidet sich der Anteil von Kinderlosen zwischen den Bildungsgruppen kaum. In Deutschland bleiben heute gerade Männer mit geringem Einkommen und Bildungsniveau häufig kinderlos – auch deshalb, weil sie seltener in einer festen Partnerschaft oder Ehe leben.“

Religionsdemografisch zeigt sich sogar, dass der relative Abstand zwischen religiösen und nichtreligiösen Gebildeten tendenziell zunimmt. Hier sehen Sie zum Beispiel eine Auswertung von Volkszählungsdaten aus Australien. Während die Geburtenrate bei Konfessionslosen (untere Linie) mit steigender Bildung stark und auch bei der Gesamtbevölkerung (gestrichelte Linie) noch deutlich zurück ging, wiesen einige Religionsgemeinschaften wie die Lutheraner auch unter Gebildeten hohe Geburtenraten auf.

Aus: Blume, M. (2010): Von Hayek and the Amish Fertility. In: Frey, U. (2010): The Nature of God. Tectum

Aus: Blume, M. (2010): Von Hayek and the Amish Fertility. In: Frey, U. (2010): The Nature of God. Tectum

Die Lutheraner verweisen dabei auf einen Urknall der deutsch-europäischen Religionsgeschichte – das evangelische Pfarrhaus.

Martin Luther (1483 – 1546) war ein römisch-katholischer Mönch gewesen, seine Frau Katharina von Bora (1499 -1552) eine entflohene Nonne; ihre – dann auch kinderreiche – Ehe war ein Skandal und schuf einen neuen Familientyp. Beispielsweise wurde der „Herr Doctor“ von Nachbarinnen und Nachbarn noch verspottet, als man ihm beim Aufhängen zu trocknender Windeln beobachtete. Aber die Luthers schufen ein neues Ideal des umfassend gebildeten Geistlichen mit einer starken und ebenfalls gebildeten Frau und vielen Kindern.

FamilieLuther1875Gebildet, musikalisch und kinderreich: Das Ideal des evangelischen Pfarrhauses prägte die Entfaltung des europäischen Bildungsbürgertums. Dieses Gemälde von der „Familie Luther“ fertigte Gustav Spangenberg um 1875

Auch in seiner Programmschrift „An den christlichen Adel deutscher Nation. Von des christlichen Standes Besserung“ rief Luther zu einer massiven Bildungsanstrengung für alle Stände und – für die damalige Zeit nahezu revolutionär – auch für Frauen auf!

„Vor allen Dingen sollten in den hohen und niedrigen Schulen die Heilige Schrift die wichtigste und allgemeine Vorlesung sein, und für Knaben das Evangelium. Und wollte Gott, dass jede Stadt auch eine Mädchenschule hätte, in der die Mädchen täglich eine Stunde das Evangelium hörten, es wäre auf deutsch oder lateinisch.“

Vier Jahre später legte Luther mit einem weiteren Aufruf „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ nach. Wohlhabende Bürgerinnen und Bürger gründeten zudem Stiftungen, aus denen Stipendien für arme Schüler und Studierende (sog. „Partemisten“) finanziert wurden.

Denn die Stellung der evangelischen Geistlichen war von Anfang an an „Bildungserfolge“ geknüpft und stand also auch den Kindern von Bauern und Arbeitern offen. Sie wurde vielerorts zu „der“ Laufbahn für begabte Aufsteiger. Und schon weil das Pfarrhaus samt Garten und manchmal Äckern der Kirche gehörte und also nicht vererbt werden konnte, wurde in evangelischen Pfarrhaushalten wiederum die Bildungsinvestition – beginnend bei Büchern und Musik – der bevorzugte Weg, für das Auskommen der oft beachtlichen Nachkommenschar zu sorgen. Söhne aus evangelischen Pfarrhäusern bildeten bald einen erheblichen Anteil der Studierenden an europäischen Universitäten, Pfarrtöchter strömten in die entstehenden Mädchenschulen, Erziehungs- und Lehrberufe.

Übrigens: Die ebenfalls reformatorische Täufergruppe der (bis heute extrem kinderreichen) Hutterer führte als erste Gemeinschaft die Schulpflicht mit eigenen Schulen ein, die später sogar durch eine kindergartenähnliche Vorschule („Klein-Schul“) ergänzt wurde. Die Hutterer-Schulen waren so gut, dass auch Nicht-Hutterer, sogar Adelige, ihre Kinder dorthin entsandten – bis die Gruppe schließlich wieder blutig verfolgt und aus Europa nach Nordamerika vertrieben wurde. Wo sie seitdem mit Geburtenraten zwischen sechs und zehn Kindern pro Frau exponentiell wächst.

Doch zurück zum evangelischen Pfarrhaus: Nur ein Teil der Pfarrkinder trat wiederum in den Kirchendienst ein (und begründete sog. „Pfarrdynastien“), andere wurden zu Juristen, Forschern, Lehrern, Kaufleuten und Medizinern bzw. heirateten in diese Kreise ein. Umgekehrt entschloss sich beispielsweise auch der Arztsohn Charles Darwin (1809 – 1882) nach Abbruch eines Medizinstudiums für die anglikanische Theologie, um als Landpfarrer einen sinnvollen Beruf mit seinen wissenschaftlichen Neigungen verbinden zu können. Die erste Evolutionsforscherin, Antoinette Brown-Blackwell (1825 – 1921), war gleichzeitig auch die erste ordinierte Pastorin der USA sowie sechsfache Mutter.

Gesellschaftliche Auswirkungen des evangelischen Pfarrhauses

Es ist schwer, den enormen Einfluss abzuschätzen, den die zugleich gebildeten, religiösen und kinderreichen Pfarrhäuser auf die gesamte Entwicklung der evangelischen Gesellschaften genommen haben – zumal dann, wenn man zu der direkten Wirkung auch noch die „Vorbildwirkung“ hinzu zählt, die Pfarrhäuser vor allem in ländlichen Regionen ausübten. Maßgeblich um die Pfarrhäuser entstand das evangelische Bildungsbürgertum, dem u.a. die Gebrüder Humboldt, Goethe und Schiller angehörten. Historisch-empirische Studien zeigen einen massiven „Bildungssprung“ evangelischer Regionen etwa gegenüber katholischen Nachbarn, der sich dann auch in wirtschaftlicher Dynamik auswirkte.

Aber auch Schattenseiten dieser Tradition sollen nicht geleugnet werden: Der zunehmend idealisierte Luther hatte seinen Nachfolgern auch eine gehörige Portion „antipapistischen“ Nationalismus, Obrigkeitshörigkeit, Judenfeindlichkeit und Antiziganismus hinterlassen, die sie erst nach den Schrecken des NS-Regimes breiter aufarbeiteten. Auch standen in manchen Pfarrfamilien der strenge Bildungs- und Leistungsanspruch sowie das halböffentliche Leben als „Modellfamilie“ in einer Spannung zu Lebens- und Liebesglück – am Fuss mancher Leuchttürme war es ziemlich dunkel. Und so brachten Pfarrfamilien nicht nur treue Kirchenleute, sondern auch fulminante Kirchenkritiker wie zum Beispiel Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) hervor – der seinen Eltern dennoch ein Leben lang für die vermittelte Bildung dankbar blieb.

Kurz nach dem ersten Weltkrieg sorgte dann eine Auswertung des altkatholischen Juristen Friedrich von Schulte (1827 – 1914) für Aufregung, in der dieser aufzeigte, dass 803 von 1600 in der „Allgemeinen Deutschen Biographie“(-sammlung) verzeichneten Geistesgrößen direkt aus einer evangelischen Pfarrfamilie stammten. Nur 319 davon waren ihrerseits Theologen geworden, die anderen hatten in allen möglichen anderen Disziplinen und Berufen reüssiert.

Die Wirkungen der (sich allerdings wandelnden und teilweise schwindenden) evangelischen Pfarrhaushalte reichen bis in unsere Zeit: So ist auch heute nicht nur Bundespräsident Joachim Gauck ein evangelischer Pfarrer – mit Angela Merkel (CDU) entstammt auch die promovierte Physikerin und erste Bundeskanzlerin einem evangelischen Pfarrhaus.

Fazit

Unverkürzte „Bildung“ geht weder zwangsläufig mit geringerer Religiosität noch zwangsläufig mit geringerer Kinderzahl einher. Zwar wirken längere Phasen existentieller Sicherheit – wie sie durch Bildung und Wohlstand öfter erworben werden – tatsächlich säkularisierend, aber einige religiöse Traditionen waren und sind sogar auf verschiedene Weise sehr erfolgreich darin, Glauben, Bildung und Kinderreichtum miteinander zu verbinden. So wurde (und wird!) das Judentum durch seine großen Gelehrtenfamilien vor der Auflösung bewahrt und gerade auch Deutschland und Europa wurden überaus stark durch evangelische Pfarrhäuser geprägt. Darüber religionsgeschichtlich und religionsdemografisch Bescheid zu wissen ist ein unverzichtbarer Teil von – Bildung.

Dieser Blogpost enthält mehrere Auszüge aus „Religion und Demografie. Warum es ohne Glauben an Kindern mangelt“ (2014)

ReligionundDemografie2014

Michael Blume

Dr. Michael Blume, Jahrgang 1976, studierte nach Wehrdienst & Ausbildung zum Bank-Finanzassistenten Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen. Neben seinem Hauptberuf beim Land Baden-Württemberg lehrte er an verschiedenen Universitäten, derzeit in Köln. Blume promovierte über die Thesen von Hirnforschern zur Religion ("Neurotheologie") und forscht über die Evolution von Religiosität und Religionen. Als erster Deutscher wurde Blume in das internationale Forschernetzwerk der Evolutionary Religious Studies berufen, aus dem er seit März 2008 auch im Scilog "Natur des Glaubens" berichtet. Für diesen erhielt er 2009 den Scilogs-Preis und wurde 2010 mit dem Preis "Vermittlungen" der Evangelischen Akademie Villigst für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Der Hohe Rat der Yeziden in Lalish verlieh ihm 2015 eine Auszeichnung für den Einsatz für schutzbedürftige Frauen und Kinder aus Kurdistan-Irak. Der evangelische Christ ist mit einer Muslimin verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Zehra Blume gründete auch den sciebooks-Verlag, in dem einführende eBooks und Taschenbücher zu wissenschaftlichen Themen erscheinen.

56 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Michael,

    Danke für diesen Beitrag zum Begriff „Bildung“ aus religionsgeschichtlicher Perspektive, welcher einmal mehr unsinnige Vorurteile als Illusion entlarvt!

    Dein interdisziplinärer Ansatz und Blick auf die Geschichte gefällt mir.

    Mich würde nun weitergedacht interessieren, ob es Beispiele gibt und wenn ja, wodurch früher religionsgeschichtliche Umkehrprozesse in säkularisierten Gesellschaften initiiert wurden – welche zu einer „Rückbesinnung“ (Erneuerungsbewegung) bzgl. gelebter spiritueller und religiöser Werte (auf höherem Niveau), ausserhalb der etablierten Institutionen führten? Und in wiefern diese korrelieren mit innovativen Erfindungen (z.B. Erfindung des Buchdruck zur Zeit der Reformation)? Waren die Erfindungen der Auslöser oder lediglich das „Transportmittel“ damit diese Veränderung beschleunigt von statten ging? Und in wiefern wurde durch die Erfindungen auch das religiöse Bewusstsein selbst verändert, bzw. was wurde als „Essenz“ fortgeführt und bewarhrt?

    Spontan denke ich da kirchengeschichtlich an die Reformation, oder noch früher an die transformativen Veränderung initiiert durch keltische Christen. Aber auch an kleinere Erneuerungsbewegungen, (z.B. Hugenotten) welche entweder durch Verfolgung, oder durch Auswanderung wuchsen.

    Mein Interesse geht nicht nur in die Vergangenheit, sondern ich möchte gern aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen. Ich ahne, dass (vergleichende, interdisziplinäre) Religionsgeschichtswissenschaft einen Schlüssel zum Verstehen gegenwärtiger und künftiger Entwicklungen liefern kann.

    Wie wird sich die „Beschleunigung von Kommunikation“, und deren (schwarmprozessen folgenden) „Resonanzphänomene“ durch die digitalen Medien und der von ihr losgetretenen Informationsflut (Internet, Smartphones) auf die Ausbreitung von Religionen auswirken? Nicht ebenso als „Brandbeschleuniger“? Und wie wird die neue Qualität der Vernetzung, sowie erhöhte Transparenz und Nähe, sich auf die religiösen Formen von religiösen Gemeinschaften und den daraus entstehenden Theologien auswirken?

    Ich bin weiter dran am selbst recherchieren, aber vielleicht kannst Du ja kurz sagen, ob Dir was dazu einfällt?

    Liebe Grüße

    Ingo D.

    P.S.: Dein anderer Blog zur Anthropodizee samt der Auseinandersetzung in den Kommentaren ist ebenfalls spannend und wird mich noch weiter beschäftigen.

    • Michael Blume

      Lieber Ingo,

      vielen Dank für die konstruktive Frage.

      Ganz klar lässt sich sagen: Die Entwicklung neuer Medien verändert religiöse Landschaften grundlegend und setzt sowohl etablierte Institutionen unter Anpassungsdruck wie es auch Freiräume für Neugründungen schafft. Ohne Schrift ist ein abstrakter und dennoch verbreiteter Monotheismus, ohne den Buchdruck die Reformation kaum denkbar. Sogar die spezifischen „Medienerfahrungen“ könnten eine große – wenn auch noch nicht ganz verstandene – Rolle spielen:
      http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/gehirn-und-alphabete-die-linkesche-these/

      (Die Grafiken tun bei den älteren Blogposts gerade nicht, wir arbeiten daran.)

      Derzeit lese ich eine dickere Arbeit zum Thema Medien und (neue) religiöse Identitätsbildung – es ist aber harte Kost und wird noch ein wenig dauern. Das Thema an sich ist aber m.E. sehr spannend und absolut relevant. Lass uns da – gerne auch im Austausch – mit dran bleiben! 🙂

  2. Dem sei entgegen gesetzt:

    Immanuel Kant, “Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?”. Zitat:

    “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.”

    Volltext auf: http://de.wikisource.org/wiki/Beantwortung_der_Frage:_Was_ist_Aufkl%C3%A4rung%3F

    Das Bildungsideal der Aufklärung wurde gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen, auch eben jener evanglischen Pfarrhäuser durchgesetzt. Es ist die Grundlage jeder Wissenschaft. Wer es verlässt, hat die Wissenschaft verlassen, und sich auf ideologische Pseudowissenschaft eingelassen.

    • @Volker Birk

      Sie haben Kant aus Wikipedia ohne jeden Zusammenhang zu einer klaren Bildungsdefinition zitiert und ein paar kirchenfeindliche Vorurteile zum Besten gegeben. Was genau wollten Sie damit sagen? Dass Kant – der übrigens auch Gottes Existenz postulierte – unfehlbar wäre? Genau das wollte auch er nicht…

      Wenn Sie also doch noch eine klare Definition von “Bildung“ nennen könnten, würde ich mich freuen.

      • Ich habe im Gegensatz zu Deiner Darstellung eine zusammenfassende Stelle zitiert, die darstellt, worum es bei der Aufklärung geht. Dann habe ich darauf hingewiesen, dass es beim aufklärerischen Bildungsideal darum geht, (junge) Menschen aus ihrer Unmündigkeit herauszuführen, und zwar indem man sie an das kritische Denken heranführt. Mit kritischem Denken referenziere ich einen Begriff, der Dir als Kulturwissenschaftler sicher sehr gut bekannt ist.

        Meine Darstellung, dass dieses Bildungsideal nicht mit den Kirchen, sondern entgegen ihres Widerstandes durchgesetzt wurde, ist nichts weiter als eine historische Tatsache. Soviel zur Geschichte der Aufklärung steht Dir sicher auch zur Verfügung, das darf ich doch unterstellen?

        Als Agnostiker bestreite ich im Übrigen die Existenz eines Schöpfers nicht. Ich glaube sie nur auch nicht, und verhalte mich abwartend. Ich bin, das hatte ich bereits dargestellt, kein Atheist.

        Kant hat sich durchaus an verschiedener Stelle zu seinem Glauben bekannt. Meine Kritik geht auch in keinem Punkte daran, dass man als gläubiger Mensch etwa keine Wissenschaft betreiben könne – das Gegenteil ist vielmehr der Fall.

        Nur muss man sich eben als gläubiger Wissenschaftler damit auseinandersetzen, inwiefern der eigene Glaube mit dem zu untersuchenden Objekt kollidiert. Auch damit kann man seriös umgehen, wenn man das macht. Ja, wenn.

        Mir fehlt bisher einfach Deine Auskunft, wie Du mit dem Problem umgehst. Ich habe Dich ja ebenfalls mehrfach auf Deinen Confirmation Bias hingewiesen. Ich lese jedoch in Deinen Antworten nur Abwiegeln und Ablenken bisher, leider keine Zeile dazu, wie Du mit dem Problem umgehst.

        Dagegen behauptest Du Dinge, die zumindest extrem mutig zu nennen sind – und die gebotene Zurückhaltung stark vermissen lassen. Sie lösen grundsätzliche Zweifel an Deiner Argumentation aus. Deshalb die Nachfrage, welche Sorte Stein der Weisen Du denn gefunden haben willst, die all das aufhebt, was ich angeführt habe?

        Du kannst jetzt natürlich kontern, man solle einfach Dein gesamtes Werk durcharbeiten. Nur, wie harmoniert das dann mit Deiner Arbeit als Wissenschaftsjournalist, die Du hier ausübst? Und: kann es wirklich sein, dass Du auf rein gar kein sachliches Argument eingehen möchtest? Wie geht das mit dem journalistischen Ethos oder gar dem Wissenschaftsethos zusammen?

        • Michael Blume

          @Volker Birk

          Ich antworte von hinten nach vorne: Zunächst bin ich kein Wissenschaftsjournalist, sondern ein Wissenschaftler, der auch bloggt. So werden Journalisten für ihre Schreibarbeit bezahlt – ich nicht. Dieser Blog ist ein ehrenamtlich erstelltes Angebot, einem “Tagebuch“ eines Wissenschaftlers zu folgen, in dem auch mal z.B. Filmtips oder Meinungsbeiträge erscheinen können.

          Meinen “Mut“ nehme ich aus jahrelanger Forschungs- und Lehrarbeit sowie zahlreichen Vorträgen, Debatten etc. auch unter Fachleuten. Der Blog ist sehr beliebt, 2009 wurde ich von den Kolleginnen und Kollegen sogar mit dem Scilogs-Preis ausgezeichnet. Ich möchte mein Leben auch in der Wissenschaft mutig führen und habe damit beste Erfahrungen gemacht.

          Ja, auch Wissenschaftler haben – wie jeder Mensch, auch Sie – entsprechend Ihrer Weltanschauungen das Problem des Confirmation Bias. Deswegen suche ich immer wieder gezielt auch die Zusammenarbeit und den Austausch mit Anders- und Nichtglaubenden, ebenso wie diese von meiner Perspektive profitieren können. Hier einen ganzen Blogpost genau dazu (auch um zu zeigen, dass ich beim besten Willen nicht jedem neuen Leser alles nochmal aufschreiben kann…)
          http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/d-rfen-religionswissenschaftlerinnen-k-einen-glauben-bekennen/

          Zur Aufklärung: Diese halte ich für eine wichtige Epoche und kenne Kant gut genug um zu wissen, dass er keine überzeugende Definition von Bildung hinterlassen hat. “Kritisches Denken“ sollte auch auf ihn selbst angewandt werden – zum Beispiel zu seinen Aussagen zur Anthropodizee.

          Die Aufklärung fand nicht nur gegen, sondern auch mit und in den Kirchen statt, wobei sich die katholische Kirche damit schwerer tat als die evangelische und das liberale Judentum.

          Aus der Aufklärung ist viel Wertvolles, aber auch Furchtbares und Scheiterndes erwachsen – und keinesfalls markiert sie das Ende der Geschichte. Das empirisch beobachtbare demografisches Verebben der Konfessionslosen inmitten nie gekannter Niveaus an Wohlstand, Sicherheit und Lebenserwartung zeigt dies m.E. nachdrücklich an.

          Ich verstehe, dass die religionsdemografischen Befunde lieb gewonnene Annahmen und Fortschrittserzählungen erschüttern, dass das schmerzt und Sie mich dafür gerne abstrafen würden. Das habe ich nun schon sehr oft erlebt – und nur wenige hatten dabei so viel Größe wie Susan Blackmore.

          Die empirischen Befunde habe ich mir nicht beim Abendbrot ausgedacht, sondern in über zehn Jahren erarbeitet und auch vor Fachpublikum verteidigt. Sie sind, wie sie sind – und wie ich sie anfangs nicht vermutet hatte! – und sie stoßen weitere Arbeiten an.

          Wenn Sie Kant wirklich folgen wollen, so lade ich Sie zu dem Mut ein, sich Ihres eigenen Verstandes zu bedienen, sich mit den Sie interessierenden Themen ernsthaft und erkenntnisoffen zu befassen und sich am Prozess des Entdeckens und Austauschens zu beteiligen. Leben und Wissenschaft sind offene Prozesse und also auch immer wieder voller Überraschungen.

        • @ Volker Birk

          So so….,

          „Meine Darstellung, dass dieses Bildungsideal [der Aufklärung] nicht mit den Kirchen, sondern entgegen ihren Widerstand durchgesetzt wurde, ist nichts weiter als eine historische Tatsache.“

          Grundsätzlich fällt mir hier auf Scilogs auf, dass Laien, die sich historisch interessieren,

          a) je nachdem welche Lektüre sie in die Hände bekommen mitunter empfindlich einseitig und folglich verfälschend informiert sind und

          b) von ihnen allzu oft nicht ausreichend berücksichtigt, ja ganz übersehen wird, dass sich unsere heutigen Informationszugänge gegenüber den damaligen Möglichkeiten so umwälzend anders gestalten, dass man diesen Unterschied unbedingt erst begreifen und dann berücksichtigen muss, wenn man sich ein seriöses Urteil über frühere Zeiten im Vergleich zu heute bilden können will. Und diese umwälzende Veränderung ist ja noch sehr jung, ist noch bei weitem nicht bewältigt.

          zu b) So gesehen kann man bspw. die hierarchisch strukturierte Verfasstheit der Kath. Kirche, bzw. gesamten Christlichen Kirche, mit ihrer weltweiten Organisations- und Informationsstruktur als das älteste ‚Internet‘ 🙂 auffassen. Zwar mehr, aber nicht nur, kircheninternes ‚Intranet‘ und mangels Technik noch relativ einspurig von oben nach unten verlaufend, aber immerhin doch in dem Bemühen um das von Jesus geforderte „Eines Sinnes in der gegenseitigen Liebe“ eine frühe Form der globalen Kommunikation zwecks Befähigung der Menschen zu freiheitlich friedlicher Gemeinschaft.

          Natürlich war das anders herum auch eine verführerisch willkommene Chance für veranlagungsbedingte Machtmenschen/ in diesem Fall Männer, (die, wie schon im anderen Post gesagt, von dieser ihrer Veranlagung nichts wissen) in der kirchlichen Führung ihr Herrschbedürfnis in heiligen Gewändern ausleben zu können, womit dieses Bedürfnis bei solchen Menschen gefördert und nicht gebremst wurde. Diese (allerorts) evolutionsbedingt fehlende charakterliche Selbsterkenntnis hat neben der früher dadurch leider auch unchristlich kriegerischen, gewalttätigen Verbreitung des Christentums sicherlich auch wesentlich dazu beigetragen, weshalb die Kirchen die Chancen des aufkommenden Internets im auslaufenden letzten Jahrhundert anfangs arg verpennt haben. Ich habe das damals sehr bedauert und frage mich heute, ob diese Unterlassung noch aufzuholen ist. Aber wie gesagt, wenn wir mit dem kooperieren, der die Pappenheimer kennt, werden wir das gemeinsam zum Guten lenken können, wenn wir ihn mitlenken lassen……. und das tun ja immer noch sehr viele.

          zu a) deshalb vielleicht mal noch ergänzend zu Michaels Antworten zur Aufklärung:

          1) MB „Diese halte ich für eine wichtige Epoche „

          …ohne Zweifel. Aber Ihre Meinung, Volker Birk, der von Ihnen zitierte Kantsche Satz : „“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.““ gelte für die Christlichen Kirchen, ist eine von diesen unseligen historischen Deutungen. Das glaubt und übernimmt man natürlich immer dann, wenn man selber im christlichen Glauben nicht gesund und ernsthaft zu Hause ist. Mein Denken jedenfalls wurde gerade durch den Glauben mündig und lernte „sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

          Das mag nicht bei allen Christen so gewesen sein, insbesondere nicht bei denen die unter den Fittichen eines veranlagungsbedingten Machtmenschen aufgewachsen sind, aber generalisieren sollte man das nicht.

          Gottes Führung in mir ist nicht die eines anderen Menschen. Das läuft wahrlich wesentlich unmittelbarer ab. Für die rechte Deutung dieser unmittelbaren Führung braucht es aber viele Faktoren, unter anderem,„sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“, oder den Dialog mit Andersdenkenden, das Gebet, vor allem aber den Willen zur und die Praxis der existentiellen gegenseitigen Liebe.

          Was ich unter dieser Liebe verstehe, werde ich an anderer Stelle ausführlicher darlegen, denn ich merke, dass hier die meisten mit ihr noch nichts anzufangen wissen und sie dann in altbekannte Schubladen schieben, wohinein sie aber nicht gehört.

          2) MB „Die Aufklärung fand nicht nur gegen, sondern auch mit und in den Kirchen statt, wobei sich die katholische Kirche damit schwerer tat als die evangelische und das liberale Judentum.“

          Der Anteil mit dem sich die Kath. Kirche vermeintlich schwerer tat, hat mit dem zu tun, was ich oben im zweiten Absatz unter b) über das „älteste Internet“ schrieb, aber hier in Verbindung mit der Machtmenschproblematik gilt. In jedweder hierarchisch strukturierten gesellschaftlichen Form kommt dieses Problem evolutionsbedingt stärker zum Zuge. Das hat nicht primär mit dem Christentum zu tun.

          Wesentlicher ist, dass die Aufklärung im Prinzip ein ‚Kind‘ der Kirche ist. Die Kirche zur Zeit der Aufklärung war evolutionsbedingt und kirchenintern entwicklungsbedingt noch nicht so weit, dass sie strukturell den Kern des Machtmenschproblems erkennen und in den Griff bekommen konnte, weshalb Korrektur in der Größenordnung, wie sie die Aufklärung bewirkte, kaum anders als von außerhalb möglich war. Folglich konnte aber auch die Aufklärung nur in der Auseinandersetzung und dem Ringen mit der Kirche fruchtbar werden, da wo sie es heute ist. Dass die Kath. Kirche sich schwerer tat, hatte allerdings neben dem Machtmenschproblem ernste inhaltliche Ursachen, für die seinerzeit vielleicht gerade die veranlagungsbedingten Machtmenschen gut waren, um uns vor den negativen Auswirkungen einer Gefährdung dieser Inhalte zu bewahren. (Details führen hier aber auch zu weit, wäre vielleicht ein sinnvoller Forschungszweig)

          Wie Michaelvon daher auch richtig schreibt:

          3) „Aus der Aufklärung ist viel Wertvolles, aber auch Furchtbares und Scheiterndes erwachsen – und keinesfalls markiert sie das Ende der Geschichte..“
          ist diese Entwicklung in der Tat noch nicht zuende. Wer die Aufklärung glaubt vom Christentum loslösen zu können, schadet ihren möglichen guten, noch ausstehenden Früchten. Das kann sich zurzeit durchaus negativ so hoch schaukeln, dass jetzt eine weitere große Katastrophe nicht mehr in allzu weite Ferne rückt. Die muss aber keineswegs sein, ist für die heutige Menschheit alles andere als lebensnotwendig.

      • @Michael Blume: ich bin der Netzkultur gefolgt, die ich gewohnt bin. Mein Duzen ist keinesfalls unhöflich gemeint, sondern ganz im Gegenteil höflich.

        Im Netz gilt Siezen als persönliche Distanzierung, die unhöflich gemeint ist. Offensichtlich treffen hier zwei Kulturen aufeinander.

        Da das hier Ihr Blog ist, werde ich mich gerne Ihren Ideen zu einem höflichen Umgang miteinander anpassen, und bitte im Gegenzug um Verständnis.

        • @Volker Birk

          Akzeptiert. Es tut mir auch Leid, hier etwas strenger agieren zu müssen – aber Sie glauben gar nicht, wie viele Möchtegern-Experten auf wissenschaftlichen Blogs aufschlagen und durch das “Herausfordern“ der Fachleute Aufmerksamkeit zu erhaschen hoffen. Nur klare Grenzen sichern da konstruktive Diskussionen.

      • Dann zu meinem Hintergrund: ich bin von der Profession her Informatiker. Forschend beschäftige ich mich jedoch mit dem Grenzbereich zwischen der Informatik und der theoretischen Philosophie. Mein persönliches Interesse gilt auch seit langem der Wissenschaftstheorie. In den Geschichtswissenschaften bin ich interessierter Laie.

        Sie können deshalb voraussetzen, dass mir geisteswissenschaftliche Grundlagen geläufig sind, da ich sie in meiner Arbeit benötige.

        Dies nur zur Darstellung, mit wem Sie diskutieren. Da ich eine Menge Kritik geäussert habe, hier mal Verständnis und ein Lob: ich kann verstehen, dass Sie von unsachlicher Kritik im Netz genervt sind. Das geht uns allen so. Und dass Sie meine Kritik hier wieder hergestellt haben, nachdem das (sub)kulturelle Missverständnis zwischen uns ausgeräumt wurde, spricht für Sie.

        Ich möchte noch hinzufügen, dass ich Ihr Blog nicht deshalb lese, weil ich Ihre Arbeit prinzipiell ablehne. Meine Kritik geht im Wesentlichen um diese eine ihre Arbeit, und dort um die von ihnen hervorgehobene und von mir mehrfach zitierte Aussage.

        Ich lasse es dann gerne für heute gut sein 😉 Aber ich hoffe weiter, dass wir in eine sachliche Diskussion finden, eben weil ich den Eindruck habe, dass Sie mit dieser Aussage zu weit gehen.

        Wir werden jedoch sehen.

        • Michael Blume

          @Volker Birk

          Grundsätzlich gerne. Wenn Sie das Thema wirklich interessiert und Sie sich darüber ernsthafter austauschen wollen: Das eBook kostet gerade mal €2,99 (und ist bewusst so günstig gehalten).

  3. Religiöse sind jedenfalls meist deutlich Konservativer und ihr Bildungsbegriff ist nicht der der Aufklärung, so wie sie von Kant aufgefasst wird (Zitat)„AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“
    Kant spricht übrigens im verlinkten Aufsatz das Dilemma der geistlichen „Hirten“ an, die ihrer Gemeinde etwas verkünden müssen, hinter dem sie möglicherweise selbst nicht stehen:

    Dagegen [der Geistliche] als Gelehrter, der durch Schriften zum eigentlichen Publikum, nämlich der Welt spricht, mithin der Geistliche im öffentlichen Gebrauche seiner Vernunft, genießt einer uneingeschränkten Freiheit, sich seiner eigenen Vernunft zu bedienen und in seiner eigenen Person zu sprechen. Denn daß die Vormünder des Volks [A488] (in geistlichen Dingen) selbst wieder unmündig sein sollen, ist eine Ungereimtheit, die auf Verewigung der Ungereimtheiten hinausläuft.

    Hier versteckt sich der Vorwurf, dass die Kirche (ob nun evangelisch oder katholisch) das Volk unmündig hält.

    Nun zur konservativen Lebenseinstellung der meisten streng Gläubigen, worunter in den USA die Evangelikalen fallen.
    Die Evangelikalen haben in ihrer Einstellung zu Fragen der Moral und Lebensführung ähnliche Einstellungen wie viele Moslems, die die Reislamisierung der letzten Jahrzehnte mitmachen: Sie sind von einem Werte-und Moralzerfall überzeugt, der sich unter anderem in der Anerkennung von Homosexualität, Geburtenkontrolle, Abtreibung und Ehelosigkeit zeigt.
    Doch dabei bleibt es nicht.Die Mehrheit der US-Evangelikalen und natürlich die Republikaner sind auch gegen eine Europäisierung des US-Saates, also gegen einen Ausbau des Sozialstaates und gegen Obamacare.

    Fazit: Es gibt und gab natürlich auch schon immer sozial revolutionäre im Religiösen gründende Bewegungen – meist Sekten – doch die grosse Mehrheit der religiös verankerten sind auch konservativ verankerte Menschen.

    • Michael Blume

      @Martin Holzherr

      Lebendige religiöse Bewegungen prägen meist progressive, konservative und orthodoxe Flügel aus, die dann auch miteinander wetteifern – übrigens auch religionsdemografisch.

      Ich schätze Kant durchaus, der aber auch schon damals massiv (und z.T. zu Recht) kritisiert wurde, u.a. die Anthropodizee eher negativ beantwortete und auch selbst ehe- und kinderlos blieb.

      Die bisweilen so seltsam obrigkeitshörige Berufung auf ihn befremdet mich zugleich. Kant hat eine starke Definition von “Aufklärung“, aber nicht von “Bildung“ vorgelegt – zu der doch wohl auch aus säkularer Perspektive u.a. hier überhaupt nicht angesprochene Aspekte wie Kunst, Musik oder Schwimmen gehören sollten. Und wer ihn für unfehlbar hält, hat m.E. auch seine Selbstaussagen glatt verfehlt…

      • @Michael Blume: „Kant hat eine starke Definition von “Aufklärung“, aber nicht von “Bildung“ vorgelegt“

        Mich wundert, dass hier noch nicht auf das Humboldt’sche Bildungsideal verwiesen wurde. Auch wenn es heutzutage etwas in Vergessenheit geraten ist, weil die jungen Leute nicht mehr gebildet, sondern nur mehr ausgebildet werden. Dabei könnten moderne Bildungsexperten durchaus von Humboldts Bildungsidee etwas lernen – meint zumindest die Autorin dieses Artikels:
        http://www.goethe.de/wis/bib/prj/hmb/the/158/de10444028.htm

          • Humboldts Vater war preußischer Offizier und von daher ist mir nicht klar, was das mit dem evangelischen Bildungsbürgertum zu tun hat. Zudem gibt es meines Wissens in der Vergangenheit mehr katholische als evangelische Wissenschaftler, wie erklärt sich das?

          • Michael Blume

            @Mona

            Schrieb ich doch: Evangelisches Bildungsbürgertum. Und habe sogar eine Studie zur Bildungs-Auswirkung der Reformation gerade auch in Preußen verlinkt. Ohne diese hätte es die humboldtschen Konzepte sicher mit Sicherheit nicht gegeben!

            Hast Du für die Wissenschaftler-Aussage eine Quelle?

          • @ Mona
            “ Zudem gibt es meines Wissens in der Vergangenheit mehr katholische als evangelische Wissenschaftler, wie erklärt sich das?“

            Na ja, Michael haut halt auch mal gerne etwas mehr auf die protestantische Pauke. 😉 Macht ja nichts.

            Die damals unverzichtbar kulturprägenden, klösterlichen Bildungszentren, (z.B. Benediktiner, Jesuiten) die im Gegensatz zu unseren heutigen, für jedermann/frau zugänglichen Informationsmöglichkeiten, damals ja ein entscheidender – wenn nicht gar lange Zeit der einzige(?) Zugang zu Bildung waren, entgleiten dann halt im Zusammenhang mit Demographie dem forschenden Blick des Religionswissenschaftlers. 😉

          • Michael Blume

            @Eli Schalom

            Ganz und gar nicht: Mein erster scilogs-Blogpost (Gastpost bei Lars Fischer) war über den Zölibat und hier hat der Vatikan sogar eine eigene Kategorie. Aber klar: In jedem Blogpost muss ich mich beschränken.

            PS: Der o.g. Meister Eckhart war Dominikaner. 🙂

          • @ Michael Blume

            Ist schon OK, ich vergaß zu erwähnen, dass du dich ja mit dem Titel mehr auf
            „….. Das Beispiel des evangelischen Pfarrhauses“
            konzentriert hast.

          • „Macht ja nichts“

            ..doch, Korrektur, Michael, macht m.E. angesichts des Themas wohl was! Es ging ja nicht um dein Verhältnis zur Kath. Kirche, sondern um deine Darlegung von Glaube und Bildung. Und da kannst du meiner Ansicht nach, auch wenn du speziell das Beispiel der evangelischen Pfarrhaushalte wegen der Kinder gewählt hast, nicht die ganze Zeit von vor der Reformation, wo die beiden Kirchen noch eine waren, unter den Tisch fallen lassen. Die Kirche hat ja die Bildung in Europa durch die Universitäten, Ordenszentren und Klosterschulen wesentlich mit grundgelegt und ja doch auch für die Familien. Zumindest kurz als historische Tatsache sollte man das dann doch erwähnen…. meine ich.
            Das Christentum hat ja nu nicht erst mit Luther begonnen 😉 🙂

        • @Mona:
          Danke für diesen Verweis auf das Humboldt’sche Bildungsideal. Ich bin ja auch ein grosser Fan davon und halte so gar nichts von diesen sogenannten Bildungsrankings, mit denen versucht wird, aus der Bildung eine messbare Grösse für irgendwelche Kosten/Nutzen-Analysen zu machen. Meiner Ansicht nach lässt sich sowas überhaupt nur auf grossen Skalen, d.h. über Generationen hinweg in volkswirtschaftlichen Zusammenhängen messen, aber nicht in kurzfristigen, Betriebswirtschaftlichen. Soweit mal meine 2 cent dazu.

      • Michael Blume 26. April 2014 23:46

        Lebendige religiöse Bewegungen prägen meist progressive, konservative und orthodoxe Flügel aus, die dann auch miteinander wetteifern – übrigens auch religionsdemografisch.

        Ähhh… – können Sie mich kurz aufklären, was der Unterschied zwischen konservativ und orthodox ist? – So wie ich das bisher verstanden habe, scheinen die Begriffe synonym zu sein, oder zumindest so verwendet werden.
        Und wie unterscheidet sich nun progressiv von liberal im religionswissenschaftlichen Sinne? – Bisher bin ich ja der Meinung, ein liberaler Katholik zu sein, was nur teilweise etwas mit den Vorstellungen von Liberalität (Liberalismus?) zu tun hat, wie sie beispielsweise die FDP vertritt.

        • Michael Blume

          @Hans

          Da gibt es angesichts der Komplexität des Einzelfalls tatsächlich keine allgemeine Nomenklatur – manche nennen die progressiven Flügel auch „liberal“ oder „links“, „orthodox“ ist im Christlichen auch eine Konfessionsbezeichnung, weswegen z.B. eher von katholischen „Traditionalisten“ geschrieben wird etc. Und selbstverständlich prägt da auch jede religiöse Bewegung ihr eigenes Selbstverständnis aus, dass mit Fremdbezeichnungen nicht einverstanden sein muss. So können evangelikale Gruppen in einigen Bereichen sehr progressiv sein (Nutzung neuer Medien, moderne Gottesdienstformen etc.), in anderen sehr orthodox (kein Sex außerhalb der Ehe, nur Männer als Prediger etc.).

          Es lässt sich jedoch im Sinne einer Familienähnlichkeit feststellen, dass „progressive“ Stimmen für grundlegende Reformen und Neuausrichtungen plädieren, oft zugunsten politischer Hoffnungen (Gerechtigkeit, Menschenrechte, Umweltschutz etc.). „Orthodoxe“ Strömungen fordern dagegen die Beibehaltung gewachsener Regeln, oft sogar Verschärfungen derselben zur Abwehr von Individualismen und Assimilationen (Fundamentalisten erfinden dazu sogar Traditionen, die es „wiederzuentdecken“ gelte). Und „konservative“ Strömungen versuchen Reform- und Traditionsforderungen auszubalancieren.

  4. Michael Blume

    @Volker Birk

    Ich behalte mir vor, auch jeden weiteren Kommentar zu löschen, in dem Sie mich trotz meiner Klarstellung ungefragt Duzen oder sonstwie persönlich angehen. Bemühen Sie sich bitte um einen angemessenen Stil, wenn Sie ernstgenommen werden wollen.

    • Hm…

      Michael Blume 26. April 2014 23:51

      Ich behalte mir vor, auch jeden weiteren Kommentar zu löschen, in dem Sie mich trotz meiner Klarstellung ungefragt Duzen

      Gehe ich dann recht in der Annahme, das es zwischen Ihnen und Mona eine dem entsprechende Vereinbarung gibt, wie sich aus folgendem Beitrag schliessen lässt?

      Michael Blume 27. April 2014 9:00

      @Mona

      Hast Du für die Wissenschaftler-Aussage eine Quelle?

      —–
      Davon abgesehen:
      Ich finde diesen Beitrag sehr interessant, da er sehr schön zeigt, wie die eine oder andere Entwicklung verlaufen ist. Nur bin ich halt nicht in der Lage, das alles im Detail selbst zu überprüfen, aber das werden andere dafür sicherlich tun.

      • Michael Blume

        @Hans

        Ja, wie im Offline-Leben auch bieten sich Bloggende und Kommentatoren ggf. auch das „Du“ an. Aber das von sich aus „einzufordern“ fände ich unpassend und würde auch Kommentatoren nicht ungefragt Duzen. Zumal die Sie-Form ja auch ein gewisses Mindestmaß an gegenseitiger Höflichkeit verbürgt – leider jedoch erkennbar nicht von allen…

  5. @Michael Blume: wie ich sehe, haben Sie meinen ausführlichen Artikel gelöscht. Ich hoffe, Sie können das rückgängig machen, nachdem ich klar gemacht habe, dass ich mit dem Duzen keinesfalls unhöflich sein wollte.

    Meine im gelöschten Artikel aufgeführte Kritik halte ich aufrecht. Sie zu löschen entwertet sie nicht.

  6. Bildung, Glaube, Kinder .

    »Viele Deutsche meinen noch immer: 1. Gebildete Menschen seien seltener religiös. 2. Gebildete Menschen hätten weniger Kinder. «

    Klar, dass es die unter Punkt genannte Meinung „noch immer“ gibt, schließlich wird sie immer wieder gestützt, etwa durch Untersuchungen wie z. B. dem „Eurobarometer“ von 2005: Wer seinen Bildungsabschluss mit 15 Jahren gemacht hat, glaubt eher an Gott als der, der bei seinen Abschluss älter als 20 war (65% vs. 45% der Befragten).

    Und da es ja diesen Zusammenhang gibt zwischen Religion und Kinderzahl, scheint mir auch die unter Punkt 2 genannte Meinung irgendwie gerechtfertigt zu sein.

    Zudem belegt die im Beitrag gezeigte Grafik, dass auch in Australien die Frauen mit dem höchsten Ausbildungsniveau die wenigsten Kinder kriegen.

    Was aber sicherlich kaum jemand glaubt, ist, dass es einen naturgesetzlichen Zusammenhang gibt zwischen Ausbildungsniveau, Religiosität und Kinderreichtum.

    • Michael Blume

      @Balanus

      Doch, leider wird mir diese Zusammenhänge immer wieder als vermeintlich “naturgesetzlich“ vorgehalten. Wer aber auf diesem Trip ist kann bildungsorientierte Religionsformen ebensowenig erkennen wie das Potential von Bildungs- und Betreuungsangeboten. Und populäre Vorurteile sind sowas von zäh… )-:

  7. So etwas darf sich Doktor nennen? Wer solch dumme Argumentation verfolgt, solche Strohmänner? Jemand, der offensichtlich jegliche Logik als Teufelszeug abtut???? Peinlich.

    Herr Plagiator, zum Mitschreiben: Wenn gilt: aus a folgt c und es gilt aus b folgt c, haben a und b gar nichts miteinander zu tun. Außer, Sie nutzen es für faschistische Propaganda.

    Wie immer. Wie immer faschistisch, rassistisch und menschenverachtend.

    Vor 80 Jahren wären sie ein Held gewesen (sie bewusst klein).

    Machen sie weiter so und führen uns in ein viertes Reich.

    • @Statistiker

      „Wenn gilt: aus a folgt c und es gilt aus b folgt c, haben a und b gar nichts miteinander zu tun.“

      Also irgendwie finde ich das jetzt logisch defizitär.

    • „Wenn gilt: aus a folgt c und es gilt aus b folgt c, haben a und b gar nichts miteinander zu tun.“

      Wer so etwas schreibt, darf sich Statistiker nennen?

  8. @ Volker: Herr Blume ist ein Faschist, und zwar ein sehr strenger. Meinungen, die ihm nicht in den Arsch kriechen, werden gnadenlos mit der Hölle bestraft, Demokratie, Meinubgsfreiheit und Menschenrechte kennt Herr Blume nicht, der ist Faschist. Und das bleibt er solange, wie er an seinen Esoterikmist glaubt. Alles bis ewig. AMEN

  9. Ich bin auch erstaunt, auf wie viel Widerstand Ihre Thesen stoßen. Für eine fundierte Kritik sollte man das Buch, nun ja, mal gelesen haben.
    Anscheinend verwechseln hier manche eine wissenschaftliche mit einer weltanschaulichen Diskussion und hängen noch immer einem Fortschrittsglauben an, dass der Mensch und die Menschheit sich mit Hilfe von Aufklärung und Wissenschaft quasi automatisch aus Aberglauben befreiend zu rationalen Wesen entwickeln werden, gewissermaßen zu Vertretern der Art „Star Trek“, stets uneigennützig am Wohl der Menschheit interessiert. Ich habe mehr den Eindruck, dass man unsere Art umbenennen sollte in „homo insapiens“.
    Es ist wichtig, uns selbst besser zu verstehen und da ist der menschliche Hang zu Glauben und Religion ein wichtiger Bestandteil davon.
    „Religion ist das Opium des Volkes“ hieß es mal, aber oft ist es ein doping-Mittel, das zu außergewöhnlichen Leistungen im Guten wie im Bösen anregt.

    • @Paul Stefan

      Ja, ich glaube auch, dass sonst völlig vergleichbare Befunde etwa zur (ebenfalls biokulturellen) Evolution von Sprache oder Musik kaum auf solche Emotionen treffen würden, die sich immer wieder wellenförmig hier austoben. Und ich stimme Ihnen zu – auch nichtreligiöse Menschen haben selbstverständlich implizite Annahmen zu „Religion“ und von „Fortschritt“ und wollen sich unbewusst an deren Spitze sehen. Einer warf mir direkt mal vor, ihnen „die Evolution wegzunehmen“…

      Allerdings erlebe ich auch, dass nach der ersten Wut einige der Spontan-Kritiker doch auch wieder runterkommen und sich noch einmal – sachlicher – mit der Thematik befassen. Dagegen berichten die Kolleginnen und Kollegen v.a. aus den USA immer wieder von Attacken religiös-kreationistischer Kreise, die sich durch die gleiche Evolutionsforschung bedrpht fühlen! Und da komme man nur in Ausnahmefällen weiter.

      Naja, wir Menschen – und da nehme ich mich selbstverständlich überhaupt nicht aus! – sind halt immer nur zu einem Teil rational. Und gerade das zeigt nun einmal die interdisziplinäre Evolutionsforschung…

      Vielen Dank für Ihren ermutigenden (und wenn ich das schreiben darf: tröstenden) Kommentar! 🙂

  10. „Warum es ohne Glauben an Kindern mangelt“

    Die URSACHE aller Probleme unseres „Zusammenlebens“ ist der nun „freiheitliche“ WETTBEWERB um „Wer soll das bezahlen?“ und „Arbeit macht frei“ – Die Hierarchie von und zu materialistischer „Absicherung“, es mangelt dadurch vor allem an Mut zu eindeutiger Wahrheit und wirklich-wahrhaftiger Menschenwürde!

  11. Nur: Dieser Dreisatz ist schlicht falsch. So ist der Begriff der „Bildung“ selbst ein ursprünglich religiöser Begriff, der sich auf die biblische Aussage bezieht, wonach Gott den Menschen „nach seinem Bilde“ (1. Mose 1,27; 5,1; 9,6) geschaffen habe.

    Vgl. :
    -> http://www.etymonline.com/index.php?term=build

    Verstanden wird unter ‚Bildung‘ meist die Edukation, was Groß-, Auf- oder Erziehen bedeutet.

    MFG
    Dr. W

    • Michael Blume

      @Webbär

      Okay, kann man machen. Da diese „Definition“ nicht inhaltlich gefüllt ist, würden Gruppen wie die Old Order Amish, Haredim etc., die sehr viele Kinder „groß-, auf- oder erziehen“, auch die meiste „Bildungsarbeit“ leisten. Zumindest @Thomas Waschke und, wenn ich mich erinnere, auch Sie selbst hatten jedoch strikt gegen eine solche Lesart plädiert… 😉

      • Wichtich dann aber auch die Kinder zu erziehen.
        🙂

        BTW, Sie finden bereits in der Übersetzung des Begriffs Bildung ins Internationale, dort heißt es bspw. Education, den, wie der Schreiber dieser Zeilen findet, entscheidenden Beleg, dass es (auch in Ihrem Artikel) um die Edukation geht.

        MFG
        Dr. W

        • Michael Blume

          @Webbär

          Nun mag man Old Order Amish, Haredim etc. vieles vorhalten: Aber dass sie ihre Kinder „nicht erziehen“ doch ganz sicher nicht! (Eher lautet der gängige Vorwurf auf eine zu repressive Erziehung!)

          Und auch mit der Internationalität kommen wir nicht weiter: Die genannten Gruppen erhalten ihre Identität samt eigener Bildungssysteme (!) und Sprachen über Jahrhunderte hinweg in mehreren Ländern.

          Nach Ihrer jetzigen Definition wären sie also geradezu Muster in Education… 😉

          • @ Herr Dr. Blume :
            Ihr Kommentatorenfreund hat sich nur kurz gemeldet, weil das hier:

            Nur: Dieser Dreisatz ist schlicht falsch. So ist der Begriff der „Bildung“ selbst ein ursprünglich religiöser Begriff, der sich auf die biblische Aussage bezieht, wonach Gott den Menschen „nach seinem Bilde“ (1. Mose 1,27; 5,1; 9,6) geschaffen habe.

            … ein kleiner Mops ist. Es handelt sich, wie oben etymologisch belegt, bei der ‚Bildung‘ um germanische Spezifität. – Der übliche Begriff ist Edukation, wie Sie vielleicht auch anzuerkennen bereit sind, wenn Sie bspw. in der bekannten Online-Enzyklopädie auf ‚English‘ klicken; dann kommt das hier:
            -> http://en.wikipedia.org/wiki/Education

            Die Edukation ist ein Begriff aus der Antike.

            Nicht geschrieben stand weiter oben, dass Sie mit Ihrer Schilderung der germanischen Spezifität falsch liegen. Tatsächlich gibt es einige regionaltypische Besonderheiten, die die Bildung von der Edukation unterscheidet, allerdings sind sie nicht inhaltlich bestimmend.

            MFG
            Dr. W (der’s aber auch nicht vertiefen muss)

            PS: Nur weil Meister Eckhart zitiert worden ist: Der hat auch die ‚Wirklichkeit‘ erfunden, als Schicht zwischen Welt und Erkenntnissubjekt, in dem Sinne was wirkt. Auch die Wirklichkeit (es darf mit dem Titel des WebLogs Herrn Hoppes verglichen werden) ist eine germanische Spezifität und findet woanders kaum Interesse.

  12. Gut: religiöse Akademikerpaare bekommen deutlich mehr Kinder. Als Atheist gefällt mir das nicht. Aber wenn‘s so ist, dann ist‘s halt so, und ich kann das nicht mit rhetorischen Tricks wegreden.

    Was mich jetzt noch interessieren würde, wie sich diese Paare zusammensetzen, welche Fächer haben sie studiert?

    Und ich könnte mir vorstellen, dass religiöse Akademiker eher solche Fächer wählen, wo es mehr auf‘s Lernen ankommt und weniger auf Verstehen und selbstständiges Denken (z.B. Fachgebiete in denen man Mathematik braucht)

    Ist da an meinem Verdacht was dran?

    Aber jetzt mal was zur Auflockerung. Hat man eigentlich schon mal gemischt atheistisch-religiöse Beziehungen untersucht? Seinfeld jedenfalls hat sich mit dem Thema befasst.

    Da stellt also die Atheistin Elaine fest, dass ihr Partner David ´Christ ist. Auf ihre Frage, ob es denn für ihn ein Problem wäre, dass sie nicht an Gott glaube, antwortet David:

    „Für mich doch nicht. Du kommst in die Hölle, nicht ich“

    Was jetzt folgt, ist eine mittlere Beziehungskrise.

    Also klickt ihr hier wenn ihr wissen wollt, wie‘s weiter geht.

    https://www.youtube.com/watch?v=L3BDY3tfs8M

    • Michael Blume

      @W.G.

      Vielen Dank für Ihre “weise“ Gelassenheit, die leider nicht allen gegeben ist. Dabei war doch m.E. eigentlich zu erwarten, dass wissenschaftliche Befunde mal die eine, mal die andere Weltanschauung fordern…

      Danke auch für das wirklich humorvolle Video, I love it! 🙂

      Zu Ihrer Frage: Es gibt einige wenige Datensätze, wonach sich konfessionsverschiedene Ehen etwa zu “mitteln“ scheinen – Konfessionslose mit religiösen Partnern haben also im Durchschnitt etwas mehr Kinder als “rein“ konfessionslose Paare. Interreligiöse Paare haben tendenziell deutlich mehr als Konfessionslose, aber durchschnittlich weniger als gleichreligiöse Paare. Aber die Datenlage dazu ist noch dünn und verstreut, das war bislang noch kein Forschungsschwerpunkt (und ich zitiere aus der Erinnerung).

      Danke für Ihr konstruktives und unaufgeregtes Interesse! 🙂

  13. „Begriff der „Bildung“ selbst ein ursprünglich religiöser Begriff“

    Nicht SELBST, sondern EIGENTLICH, nach seinem Bilde, sollte vor VOR ALLEM, im Sinne unserer Vernunftbegabung, der fusionierend-befriedenden Bewußtseinsbildung dienen, und eben nicht der Bewußtseinsbetäubung im „Recht des Stärkeren“, für den Tanz um das goldene Kalb, der herkömmlich-gewohnten Hierarchie von und zu materialistischer „Absicherung“!

    Für Mensch mit Verstand von Vernunft im Vorbild des Christus, ist es klar, wie sich dieses zu SPALTERISCHER Unwahrheit in gebildeter SKM entwickelt hat / ist!

  14. Sehr geil, ein Gemälde mit Familie Luther drauf – aus dem Jahre ~1875.

    Das ist ein „Abbild“ nicht wenigstens einer posing-Situation eines realen Familiengeschehens, sondern sogar vollständig einer Phantasie entsprungen. Da ist die Ästhetik-Sehnsucht vom Herrn Blume aber mit ihm durchgegangen.
    „So sieht ein Familienalltag eines gebildeten Pfaffen-Daseins aus.“ Soll wohl suggeriert werden!? Hm, … is ja wie im Märchen hier.

    Oder ist es eine Neuinterpretation eines zeitgenössischen Bildes?

    • Michael Blume

      @chris

      Nee, es ging mir ja genau darum, zu zeigen, wie sich neue Familienideale (religiös, kinderreich, gebildet, musikalisch…) entwickelten, die dann wiederum auf Luthers projiziert wurden. Das „Posing“ setzt die Erwartung einer Pose voraus!!

      Er hat übrigens notiert, wie er von Nachbarn ausgelacht wurde, als er mal die Wäsche aufhängte. Das war in der bisherigen (meist zölibatären) Rollenerwartung für Geistliche nicht vorgesehen gewesen, die Reformatoren betraten da innerchristliches Neuland. 🙂

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